Liebe Katrin,
ich kann dir sagen, daß noch bis vor kurzer Zeit, mein erster Gedanke am Morgen der an meine Krankheit war und abends vor dem Einschlafen war es der letzte. Das hat mich zwar nicht wirklich fertiggemacht, aber es hat mir gezeigt, wie lange es dauert, bis man sich nicht mehr so "unwirklich" fühlt. Ich verstehe, was du damit meinst.
Erst, als ich anfing, meine Tagesmuttertätigkeit näher zu planen und dann schonmal anfing, die Kleine, die jetzt mein Tageskind ist, jede Woche etwa 2 Stunden zu betreuen, da gewann ich zum ersten Mal größeren Abstand zu meiner Krankheit.
Und nun, da wir seit März planen, ein Haus zu kaufen, sind meine Gedanken so sehr mit diesen Plänen beschäftigt, daß nun mein erster Gedanke am Morgen der an "unser" Haus ist und abends ist es der letzte Gedanke, bevor ich einschlafe.
Natürlich denke ich auch noch an meine Krankheit, spreche darüber und bin ja auch hier im Forum aktiv, aber bis Anfang diesen Jahres beherrschte sie regelrecht mein Leben und erst jetzt hat sich das verändert und so langsam wird mein Leben wieder "normal".
Wenn du bedenkst, daß ich Ende März 2006 die Diagnose bekam, am 19. April 2006 mit Chemo anfing, am 20. Juli 2006 operiert wurde und am 23. August 2006 meine letzte Chemo bekam, ist das bis Anfang des Jahres 2008 eine sehr lange Zeit, in der diese Krankheit mein Leben regelrecht beherrschte. Trotzdem habe ich immer versucht, diese Gedanken nicht Überhand gewinnen zu lassen und das ist mir gut gelungen, auch ohne Psychologen.
Aber so, wie ich das geschafft habe, schafft das nicht jeder. Die meisten brauchen Hilfe, denn diese Krankheit verändert mit einem Schlag alles.
Liebe Katrin, laß dir einfach Zeit. Auch diese Schlappheit und diese Müdigkeit vergehen mit der Zeit, aber das dauert.
Wichtig war für mich, Pläne zu machen, erst war es der Urlaub, den ich relativ kurz nach Ende der Behandlung mit meinem Mann gemacht habe, dann war es mein erstes Weihnachten nach der Behandlung, das ich unbeding mit neuen Haaren erleben wollte, dann war es die supertolle Reha in Scheidegg, die ich zusammen mit meinem Mann gemacht habe, dann war es ein verlängertes Wochenende in der Lüneburger Heide, dann war es die Pflegeerlaubnis für meine Tagesmuttertätigkeit, die ich beantragen mußte, dann war es ein weiterer Urlaub, dann war es die Planung meiner Tagesmuttertätigkeit und nun ist es die Planung für "unser neues Haus".
Je mehr Pläne ich gemacht habe, um so besser konnte ich Abstand von meiner Krankheit gewinnen. Schöne Erlebnisse sind ganz wichtig. Plötzlich habe ich auf unseren Reisen Zeiten erlebt, zu denen ich überhaupt nicht an die Krankheit dachte und das war für mich ein wichtiger Fortschritt.
Ich meine, ich hätte dir in einer PN schonmal geschrieben, was ich getan habe, um meinen Körper und mein Immunsystem wieder nach vorne zu bringen. Ich sag's hier nochmal: ich habe 5 Monate lang jeden Tag ORTHOMOL IMMUN genommen. Das hat mir verdammt gutgetan.
Ich habe sehr viel Obst und Gemüse gegessen, viel mehr als füher und das tu ich heute noch und ich trinke grundsätzlich Roten Multivitaminsaft mit Wasser verdünnt, was auch gut für's Blut ist. Ansonsten habe ich Sport betrieben, bin Rad gefahren, bin bei gutem Wetter Walken gegangen, bin sehr, sehr viel Spazieren gegangen. Bewegung an frischer Luft stärkt den gesamten Körper, aber da du ja deine Jule hast, wirst du ja sicher viel draußen unterwegs sein.
Ich wünsche dir, daß du die nötige Geduld aufbringst und deinem Körper und deiner Seele die nötige Zeit läßt, um wieder zu Kräften zu kommen. Der psychische Zustand hat eine Menge Einfluß auf den körperlichen Zustand. An Tagen, an denen ich psychisch down war (und die hat es auch bei mir immer wieder gegeben und die gibt es auch heute noch manchmal) habe ich mich körperlich immer furchtbar schlapp und krank gefühlt.
Viele liebe Grüße
Mosi-Bär