AW: Adenokarzinom inoperabel
Liebe Michaela,
du kriegst das schon hin - schließlich kennst du dich aus. Ich denke, das Wichtigste ist, dem Arzt ganz große Löcher in den Bauch zu fragen. Und achte darauf, dass er den Krankheitsverlauf und die bisherigen Therapien nicht nur flüchtig aufnimmt. Sonst lässt sich nicht einschätzen, wie plausibel sein Therapievorschlag ist. Lass dich mit nichts überrollen. Ganz egal, wie lange das Gespräch dauert. Unseren Arzt habe ich so wenigstens derart verunsichert, dass er von selbst auf die Idee kam, die Tumorkonferenz zu befragen. Nachdem er zunächst Alimta als einzig richtige Option angepriesen hatte, was sich ja dann als falsch erwiesen hat. Immerhin war er nicht genervt, sondern hat mich mit Komplimenten überhäuft.
Sollte der Vorschlag Tumorkonferenz nicht vom Arzt kommen, besteh auf jeden Fall selbst darauf. Es hängt doch so viel für dich davon ab, und du hast jedes Recht auf eine fundierte Entscheidung. Ich würde nie einem einzelnen Arzt trauen, den ich nicht kenne und über den ich nichts weiß. Bei unserem Essener Doc war das anders, weil er auf LK spezialisiert ist, einen Ruf hat und auf dem Gebiet forscht. Bei der MHH bin ich skeptischer, zumal der Thoraxchirurg dort die Essener so gelobt hat und meinem Mann geraten hat, dort nicht wegzugehen. Das klang für mich nicht nach einer besonders hohen Meinung über die eigene Onkologie.
Ach ja, und lass dich nicht verschrecken, wenn du an einen Mediziner der weniger sensiblen Sorte gerätst. Mein Mann wurde mit den Worten empfangen: "Sie hatten ja schon mal Lungenkrebs. Und jetzt haben Sie wieder welchen."
Überlegenswert wäre es auch, ob du moralische und/oder fachliche Unterstützung mitnehmen möchtest. Vier Ohren hören mehr und vier Köpfen fallen mehr Fragen ein.
So, ich drücke dir alles Verfügbare, dass es ein angenehmer und ertragreicher Termin wird!
Bettina
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