Zitat:
Zitat von Ronnya
...Es ist alles so verschwommen,ich kann das gar nicht so richtig beschreiben....
Und doch glaube ich das diese Bilder zurückkommen,so wie es bei dir jetzt auch ist...
Vielleicht überwiegt noch der Zustand des Schocks, ich muss noch so viel verarbeiten....
Und ich fürchte ich muss Papa loslassen können um ihn wieder in deiner "Ganzheit" sehen zu können....
Noch geht es nicht, und in den 3 Monaten nach seinem Tod ist einfach kein Tag vergangen, an dem ich nicht an diese schreckliche Krankheitsgeschichte denken muss...
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Liebe Regina.
Ich denke von mir selbst auch, dass ich nach fast 9 Monaten noch immer in einer Art Schock-Zustand bin...
Ich konnte meinen Papa zwar loslassen, bevor er starb, doch das war wohl nur ganz eigens für ihn... weniger für mich. Natürlich war ich erleichtert, als sein Schmerz, sein Leid endlich vorbei war, aber noch heute - besonders an meinen freien Tagen, wenn ich mal ausschlafen kann und dann wach im Bett liege - denke ich sofort an ihn, an die Situationen, die wir erlebten, an die Schmerzen, die ich fühlte, an die Tränen, die ich vergoss...
Ich muss dann sofort aufstehen und mich beschäftigen.
Mein Papa ist irgendwie so tief in mir drin und doch so unendlich weit entfernt. Sein Bild auf meinem Schreibtisch, auf unserem Wohnzimmerschrank, in meinem Geldbeutel - in meinem Kopf... soooo weit weg und ich weiß nicht, warum das so ist.
Ein unbeschreibliches Gefühl, bei dem ich denke, dass ich die schwerste Trauer noch tief in mir drin habe...
Ich habe unendliche Angst, wenn sich seine letzte Woche jährt... Weihnachten... da klopft mir jetzt schon das Herz und ich merke, wie die Tränen rauswollen, der Hals schmerzt...
Ich weiß nicht, wie ich diese Zeit verbringen werde und wie es mir gehen sollte... ich habe irgendwie Angst davor, komplett in der Erinnerung zu versinken...
Es gibt Tage, an denen ich diesen Schmerz nicht so intensiv fühle...
Meine schönste Erfahrung diesbezüglich ist eine Woche her...
Ich war an der Ostsee, bin barfuß am Strand durchs Wasser gelaufen, war alleine, wollte nachdenken, wollte meinen Schmerz, meine Tränen in die Wellen gießen, damit das Meer sie mitnimmt...
Aber ich konnte nicht denken. Ich konnte nicht weinen, ich habe mich echt bemüht - die kleinen Wellen, die um meine Füße rumgeschwappt sind, das klare Wasser, die Luft - all das hat meine Gedanken weggefegt.
In winzigen Augenblicken habe ich an all diejenigen gedacht, die ihre Lieben Menschen gehen lassen mussten, habe eine große Muschel vom Strand ins Meer befördert und mir gedacht: da kommst du her, auch wenn du schon geöffnet bist, gehörst du dorthin. Niemand soll dich mitnehmen.
Trotzdem bin ich erleichtert, zufrieden, glücklich wieder ins Appartement zu meinem Schatz gegangen.
Und ich weiß, dass mir diese Auszeit von meinen Gedanken, von meinem Alltag, meiner Umwelt und auch von meiner Mama so wahnsinnig gut getan hat, auch wenn ich dort für mich nicht wirklich was bewegen konnte, wie ichs mir vorgestellt hatte.
Vielleicht war es grade diese Erfahrung, die ich machen musste, damit mein Kopf jetzt "leerer" ist und ich trotzdem, aber irgendwie mit anderer Verbindung, an Papa denken kann... denke ich jetzt an ihn, denke ich ans Meer, an den Wind...
Und die Danksagungskarten, die ich erstellt habe, hatten auf der Vorderseite Fußspuren im Sand, die auf das Meer zugegangen sind, unser Spruch war der von einem Schiff, das hinter dem Horizont verschwindet, aber noch immer da ist, nur nicht sichtbar.
Ich hatte schon immer eine Vorliebe für das Meer - und ich weiß, dass mein Papa mit mir an diesem Strand war und mir die Traurigkeit genommen hat.
Liebe Regina, die Zeit braucht ihre Zeit (schlauer Satz, gell?).
Jede Phase in dieser Zeit war für mich anders... teilweise erholsam, teilweise niederschmetternd, nervenaufreibend... aber immer bereichernd.
Der Verlust unserer geliebten Menschen hat eine unendlich tiefe Wunde in unser Herz gerissen... und wir müssen noch ein Weilchen an dieser Wunde lecken... sie wird nie ganz verheilen, uns aber bestimmt noch stärker machen.
Ich drück dich.