AW: Pa hat kleinzelligen Lungenkrebs
Hallo Sabine,
ich möchte gerne noch auf Deinen "Gewissenskonflikt" zur Wahrheit der medizinischen Befunde eingehen. Meine Ma ist im Grundsatz ganz genau wie Gabi, sie möchte immer alles genau wissen, will wissen wenn sich etwas verschlechtert etc. In der Zwischenzeit pocht sie nicht mehr so sehr darauf weil der Arzt ihr jetzt, in der jetzigen Situation gesagt hat, dass auch neue Metas, z. B. in den Nieren, nichts an der Behandlung ändern würden.
Ich bin also mit meiner Ma immer ganz genauso verfahren, wie sie es wollte. Sie hat mich etwas gefragt und ich habe wahrheitsgemäß geantwortet. Von selbst habe ich ihr natürlich nicht alles erzählt, es gab ja schon heikle Dinge.
Aber dann gab es z. B. eine Nachtschwester, die ihr auf ihr Drängen hin (und darin ist sie guuuuut!) eine Einschätzung gab, derer nach es ungewiss sei, ob meine Ma ihren Geburtstag noch schaffe. Das war nicht ganz drei Wochen vor ihrem Geburtstag, der Geburtstag selbst am 04.10.08. Die Meinung war einheitlich, denn auch ihr behandelnder Onko und der Onkol. Leiter der STation sagten uns Verwandten das gleiche. Wenige Wochen.
So gaben wir uns nun hin dem SChicksal. Oder besser, wir gaben auf. Kapitulierten irgendwie. Nicht das wir nicht versucht waren, das beste daraus zu machen, das schon. Aber die Traurigkeit war dermaßen domininat. Meine Ma weinte sogar beim Anblick des Himmels und sagte, wer weiß ob ich das morgen wieder sehen darf. Meine Ma war wirklich gebrochen in dieser Zeit. Wie die Nachtschwester sich bloß verleiten lassen konnte....
nun denn, der behandelnde Onkologe schaffte es dann, dieses Zeitmonster wieder zu vertreiben. Gott sei Dank. Er gab ihr Hoffnung, sie glaubte wieder an die Chemo und blühte im wahrsten Sinne wirklich auf.
Dieser "Zustand" hält bis heute an. Die Atmung ist etwas schlechter und sie hat Ärger mit den Nieren. Aber das es ihr jemals wieder so gut gehen würde, das hat niemand von uns zu hoffen gewagt.
Und das schreibe ich Dir heute, nachdem auch ihr Geburtstag schon wieder einen Monat her ist.
Es ist so eine Sache mit der Wahrheit, denke ich. Ich aus meiner Einschätzung in Bezug auf meine Mutter würde sagen, was er von sich aus anspricht und erfahren möchte, untersuchen lassen möchte, das sollte unterstützt werden. Ich würde aber nicht auf Untersuchungen hinarbeiten, die der arzt nicht thematisiert. So ist meine Denke, auch wenn hier jemand das vielleicht falsch versteht.
Aber es gab nichts schlimmeres, als meine Ma so dermaßen ohne Lebensmut zu sehen. Das nahm ihr einfach alles.
Und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich froh ich über die falschen Einschätzungen bin.
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Liebe Grüße - Bibi
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Dankbarkeit
ist die Erinnerung
des Herzens
Geändert von Bianca-Alexandra (24.11.2008 um 14:26 Uhr)
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