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Alt 04.12.2008, 15:24
Shivanarama Shivanarama ist offline
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Standard AW: Nun hat`s meinen lieben Papa auch erwischt.............Guten Tag erstmal.

...................Rückfall auf ganzer Linie.............nun ist bei meinem Vater der Krebs wieder dort angekommen wo er seinen Ursprung hatte,- nämlich in der Speiseröhre.

Seit 9 Tage befindet sich mein Vater auf der Palliativ-Station des Rudolf-Virchow-Klinikums,..........seine HOME-CARE-Ärztin hatte ihn eingewiesen, um nun endlich seine furchtbaren Schmerzen im Oberschenkel abzuklären........CT Und Röntgen haben ja nicht eindeutig aussagen können,- daß es sich um eine Metastasierung handelt..................er konnte ja keinen Meter mehr laufen ohne daß man dachte er würde vor Schmerz zusammenbrechen..............die Palliativstation hat einen sehr guten Ruf und mein Vater fühlt sich dort auch gut aufgehoben,- ich war an 6 Tagen dort,- immer um die 8 Stunden rum..........wie geschlaucht ich mich fühle will ich hier gar nicht näher beschreiben,- der Kampf hält nun 14 Monate an und hat bei der ganzen Familie Spuren von dauerhafter Entkräftung hinterlassen,- und Depressionen und die totale Hoffnungslosigkeit gewinnen an Vorrang.

Also,- dort wurde der Knochen nochmal unter CT punktiert und es kam dabei raus,- daß es eine schlimme Entzündung ist,- aber keine Metastase,- allerdings hatte er sauschlechte Blutwerte laut der ersten Blutentnahme im Krankenhaus,- zu Hause wurde ihm von der HOME-Care-Ärztin innerhalb 6 Monaten ja nur 2x insgesamt Blut entnommen,- diese waren laut Ärztin völlig unauffällig............die Blutentnahmen im Krankenhaus zeigen eine hochgradige Anämie,- das heißt er blutet im Inneren irgentwo vor sich hin.
Innerhalb einer Woche haben sie ihm dreimal je drei Blutkonserven angehängt,- aber die Werte sind nachwievor net o.k.
Man machte dann am Freitag letzte Woche eine erneute Magenspiegelung,- bei der nun herauskam,- daß er wieder Krebsbefall im Rest seiner Speiseröhre hat und die Blutungen daher kommen....................tja, -sie doktorn da nun mit Morphiumpumpe rum,- immer noch die Schmerzen im Oberschenkel im Hinterkopf,- wobei Morphium bei Entzündlichen Prozessen wohl nicht gut anschlägt,- aber entzündungshemmende dicke Tabletten dürfen sie ihm nicht geben,- da er halt Blutungen in der Speiseröhre hat.

Mein Vater hat die neue schlechte Nachricht relativ entspannt aufgenommen,- er hofft sowieso nicht mehr auf Heilung oder gute Nachrichten..........ist so deprimiert wie man es sich in den schlimmsten Fällen nur vorstellen kann.
Er spricht so gut wie gar nicht mehr,- er schweigt und leidet und nimmt an Nichts mehr teil., er liest keine Zeitung mehr,- sieht keine Nachrichten,- ist total genervt wenn ihn irgentwer am Telefon sprechen möchte um sich nach ihm zu erkunden,- mehr als zwei Menschen verträgt er nur noch gereizt um sich herum,- er braucht lediglich Ruhe,- Ruhe,- Ruhe..........und am besten Dauerschlaf........................alles andere läßt ihn kalt,- interessiert ihn nicht............................es ist schlimm mit anzusehen wie ein Mensch der eigentlich noch lebt irgentwie doch schon tot ist..................tot in seinen eigenen Empfindungen,- wie sich die Dinge verschieben..........zwar freut er sich,- wenn wir als Familie da sind,- aber er ist auch immer froh wenn er dann endlich wieder seine Ruhe hat,- es ist einfach sauschwer mit dieser charakterlichen Veränderung umzugehen,- das alte Bild von ihm verblasst etwas,- obwohl sich alles in mir dagegen wehrt........................ich weiß nicht wie lange das noch gehen kann,- bzw. wie lange man ihm noch wünschen sollte das es noch geht.
Noch ist nicht bekannt,- ob die Ärzte auf der Palliativen Station ihm überhaupt noch zu irgenteiner Therapie raten werden,- ich glaub so wie ich ihn einschätze wird er alles machen um am Leben zu bleiben,- obwohl ihm dieses Leben doch überhaupt nicht mehr gefällt,- er nicht bereit ist loszulassen,- aber auch nicht bereit ist so weiterzuleben,- was für ein Sch....konflikt.

Ich habe gerade nochmal "Estella" s Thread nachgelesen,- bzw. die letzten Wochen ihres Vaters,- er lag ja auf der gleichen Palliativstation,- er hatte den Rückfall in der Speiseröhre genau wie mein Vater 14 Monaten,- danach blieben ihm noch zwei Monate Zeit,- die leichte Chemo die man an Alicias Vater noch durchführte mußte ja abgebrochen werden und ich tendiere irgentwie auch dazu,- ihm nicht zuzureden auf jeden Fall noch kämpfen zu wollen,- so schwach und klapprig er jetzt schon ist,- wird ihn eine erneute,- wenn auch sehr softe Chemotherapie eher umbringen,- als daß sie irgentetwas Positives bewirken wird.

Ich fühle mich mies dabei,- hier zu schreiben daß ich das Leben meines Vaters aufgebe,- keine Hoffnung auf Linderung mehr habe,- aber ich weiß von vielen Menschen daß sie bei unheilbarem Krebs und dem Versuch einer letzten Chemotherapie schlußendlich an den Folgen und Nebenwirkungen der Chemo gestorben sind,- nicht am eigentlichen Tumor.

Also...............was soll ich ihm raten??
Wie mach ich meiner Mutter klar daß alles keinen Sinn mehr ergibt??
Die Ärzte selbst sind sich ja überhaupt noch nicht sicher,- ob sie ihm zu irgenteiner Therapie raten wollen........................mir schwirrt der Kopf und ich habe das dumpfe Gefühl..............daß sein endgültiges Schicksal sich nun von allein besiegelt hat..........................Hoffnung auf Heilung hatten wir alle ja schon seit den ersten Metastasen und Bestrahlungsblöcken nicht mehr,- aber jetzt scheint auch der letzte ganz kleine in sich selbst verborgene Funken Hoffnung verabschiedet zu haben....................ich fühle mich sooo leer und traurig und kann nicht mal weinen,- meine Kehle ist wie zugeschnürt........................ich hoffe wir können ihn zu Weihnachten zu Hause haben und die Tage so gut es geht noch zusammen genießen............es wird ganz sicher unser letztes Weihnachtsfest zu fünft sein,- am 24.12.09 wird es keinen Papa mehr geben..........wird ein Stuhl leer bleiben in unserer Mitte............Weihnachten wird immer einen kleinen traurigen Hauch mit sich bringen in der Zukunft................unserer Zukunft.

Ganz traurige und verzweifelte Grüße

von Marion.................
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