Einzelnen Beitrag anzeigen
  #1147  
Alt 19.12.2008, 15:15
Mapa Mapa ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 29.01.2008
Beiträge: 1.084
Standard AW: Lebenslauf kleinzelliger Lungenkrebs SCLC

Hallo Ihr Lieben,
gebe ich hier auch mal, ungefragt, meine Gedanken dazu.
Zitat:
wenn ich sie frage wie es ihr geht und ob sie schmerzen hat, platzt sie immer.
Für uns als Angehörige mag diese Frage ganz normal sein, weil sie uns ja ständig beschäftigt. Wenn ich mir jedoch vorstelle, dass ich Betroffener wäre, würde mich so eine Frage wahrscheinlich eher wütend machen. Solange man gesund ist, freut einen diese Frage vielleicht sogar. Es zeigt, dass man sich um den anderen sorgt und ihn wichtig nimmt. Im Zustand der Krankheit jedoch, würde ich mir denken: Warum fragen sie, wie es mir geht? Sie wissen es doch. Wie soll es mir schon gehen? Ich bin todkrank. Jeder Tag kann mein letzter sein. Wie soll es mir da schon gehen? Welch eine dumme Frage.
Bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich sind die Fragen für den Angehörigen ganz normal. Ich habe sie selber so oft gestellt. Wie schon geschrieben, es beschäftigt einen ja weiter nichts. Man meint ja auch nur den Moment. Der Betroffene hört aber bestimmt was ganz anderes raus.
Zitat:
Und ich leide sehr mit ihr. Das schlimmste ist für mich im MOment, keine Gefühle mit ihr leben zu dürfen. Kein Streicheln, kein in den Arm nehmen. Kein drüber reden. Sitze ich daneben, beobachte ich sie angeblich (obwohl ich Stein und Bein schwöre, dass ich eben das nicht tue). Erledige ich irgendetwas, kann ich davon ausgehen, dass ich es falsch mache. Inzwischen weiß ich so gar nicht mehr was richtig ist. Versuche einfach alles abzubiegen, was sie nicht möchte und Dinge zu erledigen, von denen ich weiß dass es ihr wichtig ist (war).
Gestern haben wir zum ersten Mal seit fast zwei Wochen mehr als zwei Worte gewechselt. Ich akzeptiere dass sie sagt, es wäre so leichter für sie. Aber meinen Weg mit dieser Resignation und GEfühlskälte, den habe ich noch nicht gefunden.
Du leidest sehr mit ihr. Genau: mit ihr, aber nicht für sie. Du leidest mit, aber es ist ihr Leid. Deine Mama weiß genau, dass Du eigentlich nichts falsch machst. Dass Du nur ihr Bestes willst. Die Betonung liegt auf willst. Wir können nämlich nur da sein, aber wir können nicht das geben, was gewollt ist. Und gewollt ist eben einfach "Leben". Das können wir nicht. Auch wenn wir nichts mehr wollen würden, es geht nicht. Das zu akzeptieren ist unser Leid als Angehöriger. Die Unerträglichkeit, ohne den Menschen auszukommen, alleine zu sein, nie mehr auf irgendeine Weise mit dem Menschen in Kontakt zu sein. Nie mehr seine Stimme zu hören, nie mehr sein Gesicht zu sehen, nie mehr von dem Menschen getröstet werden zu können, usw. Das ist unser Leid als Angehöriger. Das Leid des Betroffenen jedoch ist es, nicht einmal dieses Leid mehr erleben zu können.
Liebe Bibi, sehr gut verstehe ich, dass es für Dich furchtbar ist, diese Gefühlskälte zu ertragen. Vielleicht will sie es Dir damit leichter machen. Vielleicht fühlt sie sich im Moment auch wirklich so. Es gibt viele Gründe, die es sein könnten. Sei einfach weiterhin für sie da, auch wenn Du es nicht verstehst, nicht verstehen willst, weil es so weh tut. Das ist der Teil, den wir als Angehöriger leisten müssen/dürfen, mehr können wir leider nicht tun und wenn wir es noch so sehr wollen.
Alles Liebe und herzliche Grüße
Mapa
Mit Zitat antworten