AW: Mein Papa
Hallo Flo,
was soll ich sagen, wir sind uns in einigen Punkten sehr ähnlich. Auch ich habe anfangs oft neidisch auf andere ältere Menschen geschaut, denen es nach außen hin viel besser zu gehen scheint. Auch heute ertappe ich mich bei neidischen Blicken. Aber ich habe dann ein Gegen-Credo entwickelt: Ich habe das Glück, dass mein Vater auch 7 Monate nach Diagnose noch einigermaßen stabil ist, wenn auch auf niedrigem Niveau. Wir verbringen deutlich mehr Zeit miteinander als früher und das auch noch viel intensiver. Es gibt Augenblicke, die ich mit ihm erleben durfte, die ich ohne den Krebs nicht wahrgenommen hätte. All diese Momente sind für mich so unendlich wertvoll geworden. Menschen, die einen Angehörigen von heute auf morgen verlieren, haben dies vielleicht nicht, versäumen vielleicht miteinander über das zu reden, was wirklich wichtig ist. Diese Gedanken machen es mir möglich, in solchen Situationen nicht zu verzweifeln.
Die ersten Wochen war ich im Büro überhaupt nicht leistungsfähig. Aber auch hier habe ich Glück gehabt, dass mein Chef sehr viel Verstädnnis aufgebracht hat und mir meine Zeit zum Verarbeiten gegeben hat.
Heute kann ich wieder arbeiten gehen, bringe auch hier meine Leistung. Irgendwie geht es immer weiter. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du auch bald wieder Boden unter den Füßen gewinnst. Aber gib' Dir Zeit. Die Diagnose ist ein Schock, auch für die Angehörigen. Sei für Deinen Papa da und zeige ihm, wie lieb Du ihn hast, das wird Euch beiden gut tun.
Wenn was ist, melde Dich.
Kirsten.
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Mein Papa: Diagnose BSDK mit Lebermetastasen Ende Mai 2008
Den schweren Kampf verloren am 05.04.2009
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