Hallo Ihr Lieben,
soeben hat meine Mutter mich angerufen. Sie hat eine ganze Weile mit dem Onkologen gesprochen.
Bisher hat sie sich ja selten bis gar nicht über ihren Allgemeinzustand beklagt. Heute, auf Nachfragen des Onkologen hin, hat sie ihm dann erzählt, was ihr körperlich am meisten zu schaffen macht derweil. Der Onkologe hat sich Zeit genommen, recht ausführlich mit ihr gesprochen und nun weiß meine Mama, dass die nächste Chemo definitiv Topotecan sein wird. Der Onkologe hat meiner Mutter auch nochmal gesagt, dass diese Chemovariante auch im Gehirn "greift", eben weil sie die Blut-Hirn-Schranke überwindet.
Was ich einerseits sehr menschlich und einfühlsam finde, mich auf der anderen Seite aber auch traurig und nachdenklich stimmt

, ist nachfolgende Aussage. Der Onkologe sagte, dass er bedauern würde, "dass dieser Krebs eine solche Dynamik bei meiner Mutter entwickle". Die Aktivität des Krebses und das wohl geringe bis gar nicht vorhandene Ansprechen der letzten Chemo, war ja bereits bekannt. Alle Hoffnung setzen wir nun in die neue Chemo.
Ich mache mir kein X für ein U vor, hoffe nicht auf ein riesiges Wunder oder gar so etwas wie eine Spontanheilung. Diese Phase der verzweifelten Aufrechterhaltung eines doch wieder geradegerückten Bildes habe ich längst verworfen. Ich wünsche mir für meine Mutter einfach eine qualitativ hochwertige Zeit, ohne Schmerzen mit geistiger Klarheit und der Möglichkeit, so lange wie möglich viele Dinge alleine tun zu können. Als ich kürzlich mit ihr telefonierte, und wir uns zum Einkaufen verabredeten, meinte ich es gut, und wollte das allein für sie erledigen. "Ne Annika, komm - solange ich das kann, da möchte ich das auch tun. Ist lieb gemeint, aber die Zeit, wo ich das in Anspruch nehmen muss, kommt irgendwann früh genug!" So Aussagen sind es, die mir immer hammerhart vor Augen führen, wie bewusst sich meine Mutter auch der ganzen Lage ist. Ich wünschte, ich könnte ihr das irgendwie nehmen.
In Anbetracht der Tatsache, dass bekanntermaßen Lebermetastasen, Metastasen innerhalb der Lunge und Hirnmetastasen da sind, geht es meiner Mutter *toi toi toi* <<klopf auf Holz>>, relativ gut. Das soll mal gefälligst schön so bleiben. Ich schrieb es schon einmal - diesen Zustand hätte ich derweil gern im Dauerabo, wenn schon keine Verbesserung machbar ist.
Also - sofern machbar und noch nicht anderweitig reserviert

bräuchte ich Eure Daumen ab dem 16.
Achja, was ich noch einmal betonen möchte. Meine Mutter ist mit der Behandlung des Onkologen und der Betreuung dort rundum zufrieden. Sie sagte gerade noch einmal, dass er sich am Telefon richtiggehend Zeit genommen hat, ausführlich nachgefragt hat, und alle Fragen ohne Zeitdruck oder dergleichen beantwortet hat. Auch das Einfließenlassen einer gewissen Menschlichkeit finde ich persönlich sehr wichtig. Das baut ja auch Vertrauen auf und ich denke, genau das spielt eine wichtige Rolle mit. Ich rede nicht von blauäugigem Vertrauen, sondern merke richtig, dass das Verhältnis zwischen dem Arzt und Mama stimmt. Dafür bin ich dankbar. Gerade in der heutigen Zeit, wo das Gesundheitssystem wirklich arge Defizite aufweist, finde ich solche Dinge umso wichtiger. Ich fände es schlimm, wenn man hier sitzen würde, und misstrauisch jeden Schritt hinterfragen würde, weil einem die Kompetenz nicht ausreichend erscheint.
So, das war es von meiner Seite soweit dazu. Morgen sind wir zum Einkaufen verabredet. Kann wieder witzig werden, da meine Tochter "unfallbedingt" (mal zu Gitta rüberwink

) nicht im Kiga ist, sondern mitfahren wird, und ihr kleiner Bruder auch. Ich sehe es schon vor meinem geistigen Auge:"Komm Oma...pack die Schokolade auch noch in den Einkaufswagen. Und die Gummibärchen brauch ich auch noch!"

Egal - Hauptsache Kind und Oma sind glücklich

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Liebe Grüße
Annika