AW: Nun hat`s meinen lieben Papa auch erwischt.............Guten Tag erstmal.
Liebe Marion,
die Psyche hat ihre eigenen, oft gesunden Wege mit Trauer umzugehen. Ich denke, dass du ziemlich erschöpft bist und du dich erst einmal regenerieren mußt. Daher glaubst du, dass du nicht "richtig" trauerst. Aber ich denke, dass wenn einige Zeit vergangen ist und du wieder mehr Kraft hast, dass dann die Trauer um den Verlust deines Vaters rauskommen wird.
Mich überkommt eine unbeschreibliche Schwere in den unerwartesten Momenten: wenn mein Sohn etwas besonders Kluges sagt oder etwas besonders Lustiges macht. Wenn die Familie zusammensitzt, wenn ich ausgehen will und das Kindermädchen kommt, wenn ich in die Philharmonie gehe. Plötzlich spüre ich, dass mein Vater tot ist und dann muss ich mich beherrschen, nicht zu weinen. Manchmal weine ich allerdings auch heftig. Neulich hörte ich ein Klavierkonzert und es wurde Bach gespielt. Die ganze Fuge hindurch stüzten Tränen aus meinen Augen, ich konnte mich nur mühsam davon abhalten laut zu schluchzen. Die anderen Konzertbesucher schauten mich danach an, als sei ich die gefühlvollste Person der Welt. Es war peinlich (denn mir lief die Nase und ich hatte kein Taschentuch mit) und lustig zugleich...
So oder so ähnlich wird es vielen gehen. Die Verletzbarkeit unseres Lebens ist mir klarer denn je bewußt. Dieses Gefühl kann ich nicht abstreifen. Mein Vater hat immer noch keinen Grabstein und mittlerweile finde ich, dass es an der Zeit wird. Jetzt könnte ich seinen Namen auf den Stein lesen. Wie Viola beschreibt: irgendwie ist es dann endgültig, amtlich.
Wir fahren am Freitag weg. Ich mache zum ertsen Mal seit der Erkrankung meines Vaters RICHTIG Urlaub!
Ich schicke dir, liebe Marion, alles Liebe und wünsche dir ein netz an Menschen, die jetzt für DICH da sind.
alicia
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