AW: Das große Warum? Wie soll es nur weitergehen? Wie habt ihr das geschafft?
Liebe Esme!
Bei meiner älteren Tochter wurde im April 2008 ein Tumor im Kleinhirn festgestellt. Sie war damals gerade 11 Jahre geworden. Ich war mit ihr dann bis Mitte Juli im Krankenhaus, sie musste 68 Bestrahlungen über sich ergehen im Moment sind wir bei der Erhaltungschemo angekommen.
Als wir mit der Bestrahlung angefangen haben, war sie um unsere Uhrzeiten (sie wurde 2x am Tag bestrahlt) das einzige Kind, sie tat mir so leid, weil sie das alles über sich ergehen lassen musste. Sie hat aber nie gefragt warum dort nur Erwachsene sitzen, teilweise Menschen die älter als ihre Großeltern sind.
Wir haben noch eine Tochter, sie ist 18 Monate jünger als Nicole und auch für sie war es super schwer mit der Krankheit ihrer Schwester umzugehen.
Was sagt man, wie erklärt man das Unfassbare, die Beiden hängen noch dazu sehr aneinander und waren noch nie getrennt.
Wir haben das Wort Krebs nie benutzt, mein Mann hat sich dagegen gewehrt, einfach weil es so negativ belastet ist. Mein Vater, also der Opa der Mädchen starb mit 37 Jahren an Lungenkrebs, sie wissen das diese Krankheit tödlich sein kann.
Dann waren sie bei einer Geburtstagsfeier und ein Mädchen hat zu meiner Kleinen gesagt, deine Schwester hat Krebs, sie nein, doch hat sie, sie nein, sie hat einen Tumor. Eine Mutter hat dann eingegriffen und mich informiert. Kaum zu Hause hat mich meine Kleine darauf angesprochen und ich habe lange überlegt was soll ich ihr sagen.
Es sind solche Fragen mit denen man sich ja nicht unbedingt auseinander setzen will, aber ich konnte sie ja nicht so stehen lassen, mit ihrer Angst, ihrem Unverständnis.
Also hab ich sie zu mir genommen und wir haben lange gesprochen, habe ihr erklärt, das Nicole einen Tumor im Kopf hat, sie wollte dann wissen, ob er bösartig, oder gutartig ist, ich hab ihr dann gesagt, dass es egal ist, weil er muss einfach weg und das es viele verschiedene Arten von Tumoren gibt und deshalb der Oberbegriff Krebs ist - so wie bei Kinderkrankheiten, da gibt es auch viele und der Oberbegriff ist eben Kinderkrankheiten.
Sie wollte dann wissen, ob ihre Schwester daran sterben kann, ja kann sie, aber sterben kann man an fast jeder Krankheit, oder auch wenn man nur blind über die Straße geht. Wir haben lange gesprochen, sie war auch manchmal bei den Bestrahlungen dabei, hat mit ihrer Schwester übers Mikrofon gesprochen usw.
Beide Kinder gehen sehr gut mit der Krankheit um, die natürlich die ganze Familie sehr belastet, kein Kind war es gewohnt von mir als Mutter getrennt zu sein.
Meine Kleine weigert sich aber, ins KH zu kommen, wenn ich dort bleibe bzw. sie nicht auch dort schlafen darf. Fahren wir aber am selben Tag wieder heim, fährt sie gerne mit und darf auch überall mitmachen (zB Schule, Maltherapien).
Auf jeden Fall dem Kind die Wahrheit sagen, aber Altersgerecht, meine Kleine war damals 9,5 Jahre, aber nicht nur negatives sehen, es ist einfach jetzt so und gewisse Sachen müssen deshalb jetzt sein. Kinder verstehen das zumindestens in diesem Alter.
Manchmal setzen wir uns auch hin und suchen positive Sachen, Veränderungen durch die Krankheit. Man lebt einfach bewußter und das versuche ich auch meinen Kindern mitzuteilen. Das Glas ist halb voll, oder halb leer, es kommt immer auf die Sichtweise an.
Liebe Grüße
asnk
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