AW: Berufstätig sein während Chemo-/Strahlentherapie ???
Hallo nando,
ich gehöre zu denjenigen die weiter gearbeitet haben ;-) Bei mir war es doppelt blöd: am 1. Mai waren die ganzen Untersuchungen, am 2. Mai habe ich eine neue Stelle angefangen und am 4.5. gabs die Diagnose und erstmal ein Gespräch mit meinem neuen Chef. Wir haben über alles gesprochen und ich habe ihm gesagt, ich möchte es gern probieren weiter zu arbeiten da ich einfach nicht der Typ bin, der zu Hause hocken kann.
Ich war dann eine Woche krankgeschrieben (2 OPs: Eierstockgewebeentnahme, Port und erste Chemo) und hab dann normal weiter gearbeitet. Ich bin Ärztin in der Chirurgie und wurde vom Dienst in der Notaufnahme und Schichtdienst freigestellt, das war natürlich klasse. Im OP war ich nur wenn es mir gut ging und habe mich ansonsten um die Stationsarbeit gekümmert was meine Kollegen natürlich toll fanden da sie mehr in den OP konnten. Chemo bekam ich freitags und ab Dienstag war ich wieder arbeiten. Alle kannten meine Diagnose und keiner hat blöde Fragen gestellt wenn der Kopf mal besonders Kortison-erleuchtet war oder ich besonders müde und kaputt war. Nach der 4. Chemo war ich eine Woche krank, da ging es mir psychisch nicht so gut. Mit dem Taxol lief es dann besser. Zur OP war ich 2 Wochen krankgeschrieben und hatte mir anschliessend 2 Wochen Urlaub zurechtgelegt, das hat super geklappt. Danach kam ich ohne Fiffi und mit rappelkurzen Haaren zurück in den Job.
Die Bestrahlung fing 2 Monate danach an. Ich hatte immer 16 Uhr Termin und bin so ab 15 Uhr aus der Klinik gekommen (eigentlich hab ich halbtags gearbeitet, aber naja, das klappt ja eh nie :-)), danach war ich eine Woche in den Ferien und bin dann -11 Monate nach Diagnosestellung- in den normalen Schichtbetrieb auf unsere Notfallstation gewechselt. Meine 3wöchigen Herceptin-Dosen wurden mir als freie Tage fix in den Dienstplan eingebaut.
Nun ja, was soll ich sagen: richtig gut ging es mir unter der Chemo auch nicht, aber wenn ich hier andere Berichte lese, bin ich wohl glimpflich davon gekommen. Mir hat das Arbeiten gut getan, obwohl es ausser dem Job nix mehr gab, ich war abends einfach viel zu müde. Ich wurde am Arbeitsplatz abgelenkt, konnte mit meinen Kollegen ganz unbefangen über meine Therapie reden und wurde akzeptiert. Mein Mann hat mich immer voll unterstützt, obwohl er mich in der Zeit nur schlafend oder arbeitend kannte :-) Mein Chef hat mir viel später mal erzählt, dass sie schon überlegt hatten, den Arbeitsvertrag wieder aufzulösen und jemanden anderen einzustellen, sie es aber -intuitiv- doch mit mir probieren wollten. Nun ja, es hat ja gut geklappt und ich würde es heute, retrospektiv betrachtet, nicht anders machen wollen.
Wünsche Dir Glück bei Deiner Entscheidung,
K.
|