AW: Stammtisch
Hallo Ihr Lieben,
ich bin reichlich nervös. Irgendwie ist es erst heute morgen wirklich bei mir angekommen. Obwohl meine kleine Große schon seit Wochen kaum noch aus ihrem Zimmer kommt. Endspurt. Morgen beginnt das Ende ihrer Schulzeit. Abi und ich kann es tatsächlich nicht fassen. Und mal wieder überlege ich: Wie war es bei den anderen?
2003 war der Älteste dran. Ich weiß, dass ich im Büro kaum Konzentration fand, meine Gedanken bei meinem Kind. Ich habe mitgefiebert bis endlich Wochen später nach dem Mündlichen die Erlösung kam: Bestanden. Ich weiß noch, dass wir noch eine Riesenflasche Champus hatten (ja Bruni, hab ich auch mal gehabt zum 40. geschenkt bekommen) und die haben wir geöffnet und Gläser auch über den Balkon den Nachbarn gereicht. Damals war unsere kleine Welt noch in Ordnung, Glückseligkeit, Gleichklang, uns konnte nichts und niemand was...
2006 war meine Große dran. Ich weiß, dass ich auch damals hier geschrieben hatte. Aber wie war es? Wie war der Tag, als ich sie verabschiedete, er ist nicht mehr präsent, weg, wie so vieles in meinem Kopf seit Claus gestorben ist. Die Zeit dazwischen, sie fehlt in großen Teilen. Ich kann mich nicht erinnern, wie hat sie gelernt, wie war sie drauf, wie habe ich den Morgen ihrer ersten Prüfung verbracht. Keine Ahnung, vermutlich musste ich Dummkuh ertragen, aber das musste ich damals ja leider noch jeden Tag.
Und nun ist schon 2009 und mein drittes Kind geht morgen in die Abiprüfung. Und ich bange mit ihr, weiß, dass ich im Büro nicht wirklich anwesend sein werde.
Wie kommt es, dass mir von vor drei Jahren so viel fehlt und mir heute so bewusst ist, was morgen passiert? Ist es, weil meine Welt wieder so heil ist, wie sie nach dem Tag X sein kann? Dass mich der Alltag wieder interessiert, jedenfalls meistens, und dass ich weiß, dass ich als übriggebliebener Teil Eltern stolz darauf sein darf, dass unsere Kinder gemeinsam mit mir weitergemacht haben. Dass Claus - sofern er uns sieht und das wünsche ich aus tiefstem Herzen - stolz auf uns ist. Dass wir ihn durch unsere Art zu leben weiterhin in unserer Mitte haben, seinen Plan vom Leben so gut wie möglich umsetzen.
Eine Magnum Flasche Champus habe ich diesmal nicht. Aber eins verspreche ich: Wenn es vollbracht ist wird eine Rakete fliegen.
Und so heißt es morgen Daumen drücken und ich hoffe auf tatkräftige Unterstützung von eurer Seite.
Lasst euch nicht ärgern!
LG
Andrea
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Που να 'σαι τώρα που κρυώνω και φοβάμαι
και δεν επέστρεψες
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