AW: Herzlich Willkommen:Angehörige,Betroffene und Hinterbliebene
Guten Morgen,
mein Schlaf war unruhig und mit vielen Träumen versehen. Aber, es geht mir etwas besser. Zu gestern: Es war alles zu viel, der Schock über die OP, das Gespräch darüber mit meinem Mann, denn ich war es dann doch, die es ihm schonend beigebracht hat. Der Zustand in seinem Zimmer und und und.
Zu Erklärung:
Als ich gestern in Zimmer meines Mannes kam, blickt er mich mit großen angstvollen Augen an. Natürlich fragte ich direkt, was denn wäre und er begann zu weinen. Dann zeigte er auf den Toilettenstuhl. Dort fand ich, wie die Tage vorher auch, eine große Urinpfütze vor. Die Pfanne war voll und ich habe geklingelt und ich habe um Entleerung und aufwischen gebeten. Die Schwester sagte, sie hätte noch was zu erledigen, käme aber gleich wieder. Dann, oje, sagte Micha, er hätte Durchfall und brauche jetzt eine Pfanne. Aber alles ging zu schnell. Ok. Gewaschen, umgezogen und natürlich die Schwester angeklinkelt. Sie war nicht erfreut, das nun auch noch das Bett neu bezogen werden musste. Zwischen dem ersten und zweiten klingeln war eine halbe Stunde vergangen. Nachdem alles wieder sauber war, auch die Pfanne und der Boden, ging es mit dem Durchfall weiter. Wiederum klingeln aber es dauerte zu lange und mein Schatz hat sich entschieden, schnell auf die normale Toilette zu gehen. Ich bin dann ins Schwesternzimmer (sie tranken grad Kaffee) und habe gebeten zu kommen und ggf. evtl. auch die normale Toilette zu reinigen (wegen der Bakterien). Es kam eine andere Schwester und sie machte alles sauber und hat nochmal ausdrücklich verboten auf die Toilette zu gehen. Sie hat ja Recht aber wenn er doch Durchfall hat und keiner eine Pfanne bringt, was soll er machen?
Mittag war dann Schichtwechsel der Schwestern und Michas "Lieblingsschwester" kam. Mit ihr haben wir die Situation besprochen und die Ernährung umgestellt auf Fresubin ernergy, das hat er immer gut vertragen. Auch etwas gegen Durchfall hat er bekommen.
Wißt ihr, es muss für Micha ein furchtbares Gefühl sein zu klingeln und keiner hilft ihm.
Am Nachmittag ging es ihm dann etwas besser und ich habe ihm dann schonend die nächste OP beigebracht. Er sagte, er die OP und dann Reha und nach Hause. Dann weinte er wieder und sagte: Komme ich jemals wieder nach Hause? Oh Gott, ich hatte so einen Herzkrampf. Wir sind dann ein bisschen gelaufen, da die Visite sich um 2 Stunden wegen weiterer Op's verschoben hatte. Nach 10 Min. war er aber so schlapp das er zurück musste.
Dann kam der Hammer. Um 17 Uhr kam die Lehrschwester (3. Jahr), stellte die Fresubin Flasche auf den Tisch und sagte zu meinem Mann: Das machen Sie ab jetzt selber, das konnten sie ja vorher auch. HALLO?????? Diese Angst in den Augen von meinem Schatz und dann die Frage: soll ich jetzt auch verhungern?
Ich habe es dann übernommen. Die Flasche Fresubin muss erstmal in eine andere Flasche umgefüllt werden, dann der Versorgungsschlauch dran, oben einhängen, an die PEG anschließen und los gehts. Das alles habe ich mit meinem Schatz versucht aber er ist gescheitert. Erstens bekommt er den Kopf nicht so weit runter zum anschließen und zweitens weder den rechten Arm noch den Kopf so hoch, das er es oben einhängen kann.
Das war der Moment wo ich zusammen gebrochen bin und nur noch geweint habe. So kann es doch nicht funktionieren.
Nach ner Weile habe ich dann im Flur auf den Arzt gewartet (es war schon 18:20 mittlerweile). Als er (war ja Visite) aus dem Zimmer kam und mich ansprach kamen keine Buchstaben sondern nur noch Tränen. Er hat sich mit mir und der Oberschwester hingesetzt und ich habe ihm alles erzählt. Er sagte, das mein Mann das weder kann noch soll und die Toilettenreinigung (Pfanne) vorrangig wäre. Die Oberschwester sollte sich darum kümmern und auch die Lehrnschwester unterrichten, das ihr Verhalten nicht in Ordnung wäre.
Das alles war zuviel und ohne eine innere Beruhigung bin ich dann später nach Hause gefahren. Ich habe euch heute eine riesen Roman geschrieben und hoffe drauf, das ihr mir deshalb nicht bös seid. Das musste ich mir alles wirklich von der Seele zu schreiben. Wißt ihr, das ist vielleicht alles nicht so schlimm aber ich spüre diese große Angst von meinem Schatz und seine Traurigkeit. Ich kann auch nicht immer nur stark sein.
Iko
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Gruß Iko
nichts und niemand ändert etwas an dem was geschehen ist - nichts und niemand holt dich zurück - nichts und niemand nimmt dich aus meinem Herzen
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