AW: das 4. Mal....
Hallo Cori,
ja, zwei Monate. Wo wir sind? In einer Zwei-Klassen-Medizin. Meine Mutter ist gesetzlich versichert, das reicht heute ja leider schon aus, um am langen Arm zu verhungern. Mein HNO-Arzt sagte mir einmal, ich solle es mir gut überlegen, ob ich nicht doch in die Private wechseln will. Bei Krebs würde die Kassenzugehörigkeit heutezutage leider nicht selten über Tod oder Leben entscheiden...
Ja, ich teile deine Gedanken. Auch ich frage mich immer, wie würde ich reagieren in der Situation meiner Mutter. Aber ich finde keine Antwort. Ich kann mich in gar nicht in sie und ihre Situation hineinversetzen. Ich glaube, keiner kann das, der das nicht selbst schon durchgemacht hat. Und auch deshalb halte ich mich mit guten Ratschlägen zurück. Diskutieren ja, meine Meinung sagen, ja, aber ihr etwas raten, nein, die Entscheidung ist ganz ihre.
Das mit der klaren Willensentscheidung des Patienten ist so einfach auch nicht. Auf welcher Grundlage soll man denn entscheiden? Man hat ja nicht das Wissen, das der behandelnde Arzt hat, und selbst wenn... Der Strahlenarzt, der uns letzte Woche beriet, antwortete weder auf meine Frage, was er denn täte, wenn es seine Mutter wäre, noch auf die meiner Mutter, wie lange sie denn noch hätte. Er sagte auch, er kann sich da nicht hineinversetzen. Wenn es seine Mutter betreffen würde, dann hätte er keine Ahnung, wie er reagieren würde. Und wie lange sie noch zu leben hätte... Er fragte, wann denn die erste aggressive Metastase aufgetreten wäre. Meine Mutter antwortete im Juli letzten Jahres. Daraufhin sagte er, rein statistisch müsste sie dann schon seit Januar tot sein, ist sie aber nicht. Am Ende weiß es nur "der da oben" alleine, sagte er. Recht hat er. Das einzig "Tröstliche" beim Krebs ist, dass er so unberechenbar ist...
Meine Mutter wurde all die Jahre mit ihrem Krebs nicht richtig beraten. Wie sollte sie sich da entscheiden? Gott-sei-Dank gibt es das Internet. Also recherchierte ich sehr viel, las mir deutsche und englische Statistiken durch, rief Behandlungspläne aus den USA auf, las mich auf Websites von Leuten mit demselben Krebs oder anderen Krebserkrankungen durch. Als meine Mutter aus dem Mund stark roch, alles voll weißem Belag war und zwei Ärzten ohne auch nur eine richtige Untersuchung nichts besseres dazu einfiel, als zu sagen "ja, da haben sie wohl wieder Krebs, entweder sie springen aus dem Fenster oder sie finden sich damit ab" (das hat eine Ärztin wortwörtlich gesagt!), habe ich im Internet anhand von Symptombeschreibungen und Patientenfotos recherchiert, dass das kein Krebs ist, sondern Soor. Kaum war der behandelt, löste sich der angebliche "Krebs" wie von Geisterhand auf... Ein Glück für meine Mutter, dass sie eine Tochter hat, die das Internet auseinander zu nehmen weiß. Aber was machen andere Patienten ohne Internet und ohne Angehörige, die Tag und Nacht darin herumrecherchieren, wenn's sein muss?
Schade, dass du dich von deinem Motorrad trennen möchtest, aber wenn du verkrampft aufsteigen würdest, wäre das wirklich fahrlässig. Das sollte man tunlichst bleiben lassen.
Aber warum ist der Hundeplatz ein "Muss"? Sicherlich möchtest du die Zeit lieber mit deiner Mutter verbringen. Aber wo es nicht möglich ist, dann schau, dass du die Zeit als Auszeit nutzt. Wenn es gelingt, kannst du da Kraft tanken, und davon hat deine Mutter dann ja auch was.
Ich wünsche euch beiden viel Kraft und (wie ein Spruch sagt): die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann, den Mut, die Sachen zu verändern, die man ändern kann, und die Weisheit, zwischen den beiden zu unterscheiden.
Beste Grüße,
Yvonne
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