Liebe Heike, liebe Christine, liebe Conny, liebe Heiderose, liebe Lizzy,
habt ganz herzlichen Dank für Eure Glückwünsche! Ich bin ganz gerührt, daß Ihr immer noch an mich denkt, obwohl ich mich hier schon so lange nicht mehr zu Wort gemeldet habe.
Ja, liebe Heike und liebe Christine, ich schaue immer mal wieder hier herein und habe auch schon ein paarmal den Versuch unternommen, Euch zu schreiben. Aber irgendwie habe ich dann nie die Kurve gekriegt, weil es so viel zu erzählen gäbe. Aber vielleicht ist heute eine gute Gelegenheit, euch wenigstens ein bißchen zu berichten?!
Aaaaaalso: das vergangene Jahr habe ich hauptsächlich damit verbracht, nach Abschluß der Krebsbehandlung wieder psychisch auf die Beine zu kommen. Dank meines wunderbaren Psychotherapeuten ist das inzwischen recht gut gelungen, denke ich. Seit es mir körperlich besser ging, sind wir immer wieder ziemlich "in die Tiefe" gegangen. Diese Zeit war anstrengend (weshalb ich mich hier auch zurückgezogen habe), aber ganz offensichtlich hilfreich, denn viele der schmerzhaften Erfahrungen haben sich in Erinnerungen verwandelt, die nicht mehr wehtun, sondern nur noch ein bißchen traurig sind. Insgesamt geht es mir nun seelisch wirklich gut und das, nachdem ich im letzten Sommer physisch und psychisch völlig am Ende und mir selbst keinen Pfifferling mehr wert war.
Körperlich ist vieles wieder gut: Yoga hat mir sehr geholfen, mich wieder spüren zu lernen und neues Vertrauen in meinen Körper aufzubauen. In der kommenden Woche steht bei mir wieder die Nachsorge an, aber ich denke, es wird auch diesmal alles gut sein. Jedenfalls fühlt es sich alles gut an.
Das einzige, was sich nicht mehr so ganz berappelt hat, ist mein Herz. Nach den letzten Untersuchungen stand mal wieder die Frage im Raum, ob sich die Medikation nicht doch noch optimieren ließe, was aber schließlich verneint werden mußte, weil mein Herz letztlich zuviele verschieden Mucken hat, die sich als Kontraindikationen für bestimmte Medis gewissermaßen gegenseitig blockieren. Aber so ist es eben. Seit unsere liebe Familienpflegerin, deren Dienste wir ja lange in Anspruch nehmen durften, nicht mehr kommt, muß vieles wieder irgendwie gemacht werden, und zum Glück geht auch das meiste irgendwie. Nur kann ich an manchen Tagen besser als an anderen damit umgehen, körperlich immer sofort ausgebremst zu werden. Das ist eine reine Kopfgeschichte: an manchen Tagen denke ich: wie großartig, daß jemand auf die Idee gekommen ist, diese wunderbaren Trolleys zu erfinden. So kann ich einkaufen gehen, obwohl ich nichts tragen kann. An anderen Tagen fühle ich mich mit meinem Zwiebelmercedes einfach nur steinalt. Manchmal freue ich mich darüber, daß ich wieder Wäsche aufhängen kann (zur Zeit immer schön vor den blühenden Holunder, nach dem die Wäsche dann hinterher duftet, hmmmm!), und manchmal finde ich es einfach nur erbärmlich, daß ich die nassen Teile wegen ihres Gewichts fast einzeln die Kellertreppe hinauftragen muß.
Behinderung war dementsprechend auch ein großes Thema in meinen Psychotherapiestunden, aber in letzter Zeit überwiegen die Positiv-Denker-Tage deutlich. Meine Psychostunden werden immer mehr zu netten Plauderstündchen und kürzlich haben wir die Stunde sogar als Picknick im Park abgehalten. Das fand ich richtig nett.
So, Ihr Lieben, so viel für heute. Nochmals ganz herzlichen Dank an Euch!
Seid alle herzlich gegrüßt von Eurer Linnea, die Euch ebenfalls tüchtig vermißt!