Gestern war ein seltsamer Tag.
Relativ früh bin ich aufgestanden. Meine Wohnung sah aus, als hätte ne Bombe eingeschlagen. Du hättest deine helle Freude daran gehabt. Nach einer starken Tasse Kaffee Hat mich die Arbeitswut gepackt. Anstatt mich wie sonst in eine Ecke zu setzen und zu warten bis der Anfall vorbei ist hab begonnen mit aufräumen, geschirrspülen, staubsaugen. Auch mein kleines Bad hab ich geputzt. Unter Zeitdruck eine schweisstreibende Angelegenheit. Stolz und zufrieden hab ich dann mein Werk betrachtet.
Dann schnell unter die Dusche, Essen in die Kühlbox, Kaffee in die Thermokanne, einen Teller, Bestecke, Kaffeetassen und ein Handtuch dazu. Ein Blick nach draussen: manno, es giesst in Strömen, hoffentlich hört das nachher auf. Dann in's Auto, es wird Zeit, eine gute Stunde muss ich bei dem Wetter rechnen. Ich freue mich auf das Treffen. Lang ist's her. Im Dorf noch ein Baquette gekauft und dann auf die Autobahn. Der strömende Regen lässt die gewohnte Fahrweise nicht zu, was andere nicht so sehen. Ohne Beleuchtung sind manche nur schemenhaft im Gicht zu erkennen, Spurwechsel finden wie gewohnt statt: warum Blinker setzen und nach hinten sehen, soll der doch aufpassen, Hauptsache gut unterhalten während der Fahrt. Da ergeben sich manchmal Momente, in denen man seine 4 Scheibenbremsen und die teure Technik siezen möchte. Es geht dabei nicht um Raserei, doch wenn bei Tempo 130 40 Meter vor dir ein PKW mit Tempo 90 unvermittelt auf deine Spur wechselt dann ergibt das nen Blutdruck wie ne Dampflok und in Gedanken pustest du deinen Bremsbelägen Kühlung zu.
Dann die Nachricht:"Bei mir wird es etwas später." OK, hab ich also Zeit, bin sowieso gleich am Ziel. Ein Fischweiher, mitten im Wald auf halber Strecke, wunderschön gelegen. Ich bleib im Auto sitzen, versuche mich zu entspannen, lege Mozart in den CD-Spieler und schliesse die Augen. Mozart zieht alle Register ich höre nicht mal mehr den Regen. Irgendwann hört es auf zu regnen, ich seh es am Wasser. Gedanken im Kopf, wie wird es heute. Egal, ich lass es kommen. Wie es kommt, so ist es gut. Die Mütze tief in die Augen gezogen lass ich mich treiben.
Plötzlich klopft es an die Scheibe. Freudig-herzliche Begrüssung, lange nicht gesehen. Die Sonne wird mutig und spitzt vorsichtig durch die treibenden Wolken. Wir spazieren um den Weiher. Drüben ist ein Platz, der zum Picknick einlädt. Inzwischen scheint die Sonne. OK, mutig zurück zum Auto, zwei Decken und die Picknicksachen nach drüben geschleppt. Auf dem Rückweg ist die Kühlbox garantiert leichter.
Wir machen es uns gemütlich. Sitzen, liegen, hocken auf der Decke und reden über Gott und die Welt, die Kinder, das Wetter. Irgendwann kommt der Hunger und wir greifen zur Kühlbox. Darin natürlich wieder mal so einige Spezialitäten aus meiner Heimat. Es schmeckt und wir vergessen die Zeit. Spaziergänger mit und ohne Hund, zu Pferd und zu Fuss kommen vorbei und sehen uns. Ob sie auch Appetit bekommen? Der Letzte, schon etwas in Eile, erinnert uns an's Wetter. Wir schauen nach oben und beschliessen schonmal die Schuhe anzuziehen. Kaum angezogen geht es auch schon los. Zunächst halten die Bäume das Wasser noch zurück. Dafür kommt es dann mit Macht. Trotz alukaschierter Decke über dem Kopf werden wir klatschnass.
Lachend und fröhlich wie Kinder erreichen wir den Parkplatz. Schnell in's Auto, Motor an und Klimaanlage auf volle Pulle. Langsam wird es gemütlich, wir machen es uns bequem. Dann die Frage: "Wie geht es dir wirklich, was fühlst du!?" Eigentlich haben wir beide nur darauf gewartet. Bohrende Fragen hin und her auf die manchmal nur mühsam eine Antwort zu finden ist, manchmal nur gemeinsam, manchmal erst nach mehreren Anläufen. Manchmal sprudeln die Worte, manchmal ist es schwer, nur ein einziges zu finden. Abschweifen und immer wieder zurück. Verschiedene Ansichten, die sich langsam annähern.
Das Sterben, das Leben danach, unser Leben davor, das sind die Themen. Oft verschwimmen die Grenzen dazwischen, oft sind sie glasklar zu sehen. Du bist da, wir Beide spüren es ganz deutlich, wir wissen es. Du wirst stellenweise fast schon ungeduldig: "Warum versteht er mich nicht? Was soll ich noch tun?" Irgendwann hab ich dich verstanden, befreiend, tief durchatmen, anlehnen, entspannend ein verstehendes Lächeln, Lachen. Die Augen schliessen, tief durchatmen als könnte ich dich dadurch in mich aufnehmen.
Ein Blick auf die Uhr: boah, viertel nach 2! Draussen ist es stockdunkel. Man sieht die Hand vor den Augen nicht. Um vieles leichter verabschieden wir uns und fahren gemeinsam hintereinander Richtung Autobahn. Noch einmal Lichthupe, unsere Wege trennen sich hier wieder nach rechts und nach links. Nicht wirklich, in Gedanken sind wir noch zusammen. Die Strasse ist trocken, um diese Zeit kaum jemand unterwegs. Entspannt fahre ich Richtung Heimat. Unterwegs mach ich auf meinem Stamm-Rastplatz halt und setze mich mit einem Getränk und einem Brötchen in's Restaurant. Eine SMS, bin gut nach Hause gekommen, ich schreibe zurück und bedanke mich für den schönen Tag.
Wieder auf der Strasse. Ganz entspannt, zufrieden, glücklich fahre ich durch die Nacht. Auf einem geeigneten Streckenabschnitt gebe ich auch schon mal die Sporen: das Leben ist schön, ich sitze oben. Zu Hause schreib ich ne SMS, dass ich gut angekommen bin. Eine neue SMS ist inzwischen auch noch gekommen. Es freut mich sie zu lesen. Ich bin aufgewühlt, fröhlich, glücklich.............setze mich an den PC. Ihr könnt es nachlesen, wenn ihr wollt.
fühlt euch alle
Helmut