AW: Mundbodenkrebs
Liebe Iko,
Heute in der Stadt... das war schlimm.
Ich fühle sehr mit dir. Auch du hast vor noch gar nicht langer Zeit an diesem anregenden Leben teilgenommen. Jetzt ist alles anders.
In den Monaten als Tim nur im Bett lag wegen Fatigue und ich alleine unterwegs war, ging es mir ähnlich. Vor einem spielt sich Leben ab, eigentlich ein ganz "normales". Aber wir sind kein Teil davon, eher ein Beobachter.
Ich bin froh, dass du auch Wut fühlst.
Damals als mein Vater starb, habe ich mich jahrelang allein gelassen gefühlt und war sehr wütend auf ihn, weil er uns verlassen hat. Doch ich habe mir diese Wut erst Jahre später in einer Therapiesitzung eingestanden.
Wut gehört dazu, sie ist heilsam und gibt dir bestimmt auch Kraft.
Ich schaue mir sehr gerne dein neues Bild an.
Eine ehrliche, ernste, traurige und kraftvolle Iko schaut mir da entgegen.
Gottes Hilfe und Hand sind da liebe Iko, du wirst ihm die deine aber auch reichen müssen. Wir müssen Verantwortung für uns übernehmen, für uns selbst und unser Leben.
Natürlich wird dich niemand vergessen.
Denk daran, vor ein paar Tagen noch wolltest du alleine sein und hast Freunden abgesagt. Vielleicht warten sie auf ein Zeichen von dir.
Sag ihnen was du brauchst, dann können sie sich danach richten.
Erzähle ihnen wenn es geht von dir, damit sie dich verstehen.
Du weisst doch wie es ist, wenn man helfen will, weiß aber nicht wie.
Der Satz: Die Iko ist stark, die schafft das schon - ist ziemlich daneben. Natürlich bist du stark, und du wirst es auch schaffen. Dieser Satz erinnert mich an das Verleugnen, nicht wahrhaben wollen einer Tatsache, die wahnsinnig weh tut. Manche Menschen haben Angst vor diesem Schmerz und können ihn nicht aushalten, auch bei einem anderen Menschen nicht.
Eine lange Umarmung von mir
und liebe Grüße
Conny
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