AW: Meine Mama hat ein kleinzelliges Bronchialkarzinom.:-(((
Liebe Jasmin,
ich hab Dich "bei mir drüben" gelesen.
Ich weiß auch gar nicht groß, was ich schreiben soll. Ich tippe immer was, lösche es wieder, klick mich raus aus´m KK, aber diesmal schreib ich einfach.
Es ist so schwer die rechten Worte zu finden, weil der Kummer so tief sitzt und für jeden doch so anders wiegt. Man schlägt sich mit Gedanken, mit Erinnerungen usw. Aber eines, das möchte ich Dir ganz gerne sagen. Ich les ja so raus, dass Du mit vielem haderst, wie es gelaufen ist.
Ich hab das auch gemacht. Begonnen zu hadern. Und das tue ich auch jetzt noch. Aber mehr mit dem Umstand an sich, dass meine Mama überhaupt eine so schlimme Erkrankung bekommen hat, als damit, wie es hinterher gelaufen ist.
Ich habe mir anfangs auch Vorwürfe gemacht, ob dieses oder jenes richtig war, ob man hier und da nicht hätte anders handeln sollen. Ich werde auf nichts mehr eine Antwort bekommen. Vor allem keine "Freisprechung" von Mama. Was mir aber bleibt ist, das Wissen darum. Wenn sie könnte, dann würde sie. Und ähnlich sicher bin ich mir bei Deiner Mama. Was würde sie Dir sagen Jasmin? Sie würde Dir nichts von dem, wie es gelaufen ist, vorwerfen, oder?!
Und selbst wenn sie in manchen Punkten (Medikation z. B.) nicht konform mit Dir gegangen wäre, wäre das für sie in der Situation unverzeihlich gewesen? Gewiss nicht. Ich glaube, dass wir Kinder alles versucht haben, was für uns in dem Moment machbar war.
Für mich ist ein komisches Gefühl geblieben. Dieser Krebsballast...der, der seit März 08 auf meinen Schultern mitlastete...diese Angstmonster...die sind mit einem Male fort. Aber wem oder was sind sie gewichen? Der Druck, der ist weg - geblieben ist die Traurigkeit und das Vermissen. Ich glaube wir dürfen uns all das nicht noch schwerer machen, indem wir anfangen die letzte Zeit, die letzte Passage in Frage zu stellen. Ob wir richtig gehandelt haben? Ob man dieses oder jenes hätte anders machen sollen? Versuch Dich ein wenig frei davon zu machen. Ich bin sicher, Deine Mama, ebenso wie meine, hätte Dir nichts zum Vorwurf gemacht.
Ich umarm Dich!
Annika
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