Einzelnen Beitrag anzeigen
  #248  
Alt 19.04.2010, 10:33
Benutzerbild von Ute08
Ute08 Ute08 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 26.02.2009
Beiträge: 935
Standard AW: Unsere Tochter, unser Engelchen (17) hat es nicht geschafft

24 Wochen ist unser Engelchen jetzt nicht mehr bei uns,
24 Wochen, in denen nichts ist, wie es war.

Ich will nicht behaupten, dass ich jetzt seit 24 Wochen hier heulend in der Ecke sitzen. Nein, so ist es nicht. Ich gehe wieder arbeiten, irgendwie. Ich versuche auch, mich für das Weltgeschehen zu interessieren, irgendwie. Oder mich für Dinge zu begeistern, die mich vorher erfreut haben, irgendwie. Ich regel meinen Haushalt, irgendwie. Ich ärgere mich über hirnlose Kommentare, irgendwie. Ich versuche meine Trauer zu ertragen, irgendwie.
Kurz, ich oder besser wir versuchen zu überleben, irgendwie.
Aber dieser Versuch kostet Kraft, immens viel Kraft, die ich eigentlich gar nicht habe.
Dann gibt es die, die uns für unsere Stärke bewundern, aber nichts mit uns anfangen können, wenn wir mal nicht so stark sind. Oder die, die der Meinung sind, das ein halbes Jahr Trauer doch jetzt mal reichen muss - das Leben geht schließlich weiter. (Geht es das?) Tauschen möchten sie sicherlich nicht mit uns. Von denen habe ich mich verabschiedet. Oder die, die nicht nachvollziehen können, dass Trauer nicht jeden Tag gleich und unplanbar ist. Oder die, die unsere Trauer akzeptieren, uns nehmen, wie wir sind. Das sind die wenigsten und denen bin ich unendlich dankbar.

24 Wochen ohne unseren Engel ist gleichbedeutend mit 24 Wochen harte Arbeit oder 24 Wochen Strafgefangenenlager oder 24 Wochen kaputtes Herz

Es fehlt ein Stück,
wie die 4. Zündkerze im Auto, ohne die das Auto nicht richtig funktioniert
wie das Fahrrad mit der Acht im Reifen, das nicht rund läuft
wie die Kaffeemaschine, die ohne Kaffeepulver keinen Kaffee brühen kann
wie der Computer, auf dem man ohne Tastatur nicht schreiben kann
wie das Ikea-Regal, dass man ohne Beschreibung nicht aufbauen kann
wie die Fernbedienung, die man ohne Batterien nicht benutzen kann

Ja, es fehlt ein Stück,
so, dass es mir vorkommt,
dass die Sonne nicht so warm scheint
dass die Blumen nicht so strahlend blühen
dass das Essen nicht so gut schmeckt
dass die Ruhe nicht so entspannend ist
kurz, dass das Leben nicht so lebenswert ist!

24 Wochen, in denen unsere Tochter unbeschreiblich und unendlich fehlt
24 Wochen, in denen ich mehr Tränen vergossen habe, wie in allen Lebensjahren zuvor
24 Wochen, in denen ich der Antwort auf das "warum" kein Stückchen näher gekommen bin
24 Wochen mit vielen Enttäuschungen oder Verletzungen durch unsere Mitmenschen
24 Wochen, in denen ich oft dachte, dass es eigentlich nicht mehr geht

Aber das hätte unsere Tochter alles nicht gewollt. Genauer gesagt, sie würde mir jetzt fürchterlich in den Hintern treten, wenn sie diese "Jammerorgie" lesen könnte. Mel hatte während der ganzen Therapie eine "Hymne" für sich auserkoren. Ein Lied von den Toten Hosen, dessen Titel ich jetzt nicht kenne, aber im Refrain hieß es: "Steh auf, wenn du am Boden bist!" Das hat sie immer beherzigt, wenn es nicht so gut lief.
Hilft wahrscheinlich nicht immer, aber das werde ich jetzt mal versuchen.

Euch allen eine schöne Woche
Ute mit Mel im Herzen
__________________
Meine Tochter Melanie + 31.10.2009 14.54 Uhr
Du durftest nur 17 Jahre alt werden.
Ich werde dich immer in meinem Herzen haben!!!
www.darkprincess-melaniehuemmer.de
Mit Zitat antworten