Hallo zusammen!
Normalerweise bin ich im Brust- und Gebärmutterkrebsforum unterwegs (genaueres zu meiner Person gibts in meinem Profil

) und bin eher zufällig hier reingestolpert.
Da ich 1990 meine Mutter nach 7 Jahren Krebs (erst BK, am Ende AML) verloren habe, weiß ich ganz gut, wie das so ist.
Ich war damals 17, meine Schwester 12 und mein Bruder 10 Jahre alt. Mein Dad war völlig überfordert mit der Situation und hat alles in sich reingefressen. Also hab ich das eben auch so gemacht...- auch wenn ich mir so manches Mal ein Gespräch so sehr gewünscht hätte!
2003 ist meine Schwester mit 25 Jahren an BK erkrankt, ich folgte dann 2006 mit BK (war damals 33 Jahre alt), 2007 mit GK. Das war wieder ein Schock für meinen Dad, der auch heute noch um meine Mum trauert. Und reden können wir noch immer nicht...- alles, was meine Geschwister und ich über meine Mum wissen, wissen wir von unserer Tante und aus der Krankenakte meiner Mutter, die meine Schwester besorgen konnte.
1990 war ich grade in der 11. Klasse Gymnasium. Meine Noten waren nicht so der Brüller, aber ich wurschtelte mich eben so durch.
Als meine Mum im Mai gestorben ist, sackten meine Noten ab und ich blieb sitzen. Zum Glück verlor mein Vater auch hierüber keine Worte (meine Mutter war immer sehr streng in Sachen Schule, Lernen und Noten) und ich konnte mich damit abfinden, die 11. zu wiederholen. Was hatte ich schon zu verlieren? Grade mal ein Schuljahr, sonst nix!
Mein Rektor damals bot mir sogar an, mich trotzdem zu versetzen, damit ich nach meiner Mutter nicht auch noch meine Klassengemeinschaft verlieren würde (ich war erst ein Jahr auf diesem Gymnasium). Aber ich wußte, daß ich dann mein Abi nicht packen würde und entschied mich fürs Wiederholen.
Nun ja, 1993 hatte ich dann endlich mein Abi, entschloss mich gegen ein Studium und für eine Ausbildung. Nach einigem Hin und Her landete ich schließlich als Freelancer in meinem Traumberuf, den ich auch heute noch ausübe (meine Mutter wollte, daß ich studiere).
Und oft denke ich noch heute, ob meine Mutter wohl stolz auf mich wäre.
Ob ich wohl alles richtig gemacht habe. Was sie über das Verhalten meines Vaters denkt. Warum auch sie nie wirklich mit mir geredet hat.
Fragen über Fragen...- aber das Leben muß ja irgendwie weitergehen!
Meine Situation damals war eine andere: es ging bei mir nur um ein Schuljahr, nicht um eine Berufsausbildung.
Grade in der heutigen Zeit kann ich Wassertropfen verstehen, daß sie ihrer Prüfung so große Bedeutung zumisst.
Und auch ihr Leben muß weitergehen, wenn ihre Mutter nicht mehr da ist.
Soll sie dann nochmal von vorne anfangen?
Ich denke, die Zeit der Trauer und des Verarbeitens ist schon schwer genug.
Ich bewundere jeden Menschen, der so eine Pflege leisten kann. Ich wäre damals sicherlich nicht dazu in der Lage gewesen, aber meine Mutter hat dieses Thema auch niemals angesprochen. Sie wollte es uns Kindern immer einfach machen...- im Nachhinein muß ich sagen, daß sie es uns dadurch eher schwerer gemacht hat: wir Kinder hatten nie die Möglichkeit, uns zu verabschieden. Und es fühlt sich seltsam an, wenn man dann in der Krankenakte liest, wie sich die Krankheit in den 7 Jahren entwickelt hat und wie meine Mutter darauf reagiert hat (z.B. hat sie die Chemo abgelehnt, damit sie sich um ihre Kinder kümmern konnte!).
Zu meinem Mann habe ich gesagt, daß ich mal am liebsten zuhause, in seinen Armen sterben möchte. Aber daß ich es verstehe, wenn er mich in ein Hospiz o.ä. gibt, wenn er das alleine nicht packt. Ich wäre ihm nicht böse und finde, daß ich dazu auch kein Recht hätte. Denn auch sein Leben wird und müsste dann weitergehen.
Hoffe, daß Ihr meinen "Gedanken" einigermassen folgen konntet.
Wollte das mal aus der Sicht einer Hinterbliebenen, Angehörigen und Betroffenen schildern, da ich irgendwie alle Seiten nachvollziehen kann.
Ich schicke viele Grüße in die Runde und den Müttern einen schönen Muttertag.
Tante Emma.