AW: Austausch von Usern mit fortgeschrittener Erkrankung
Hallo Alexandra,
mich erstaunt Deine Reaktion echt. Ja, kann sein, dass ich mich nicht als Person über meine Erkrankung definiere und mich auch nicht mit dieser typischen Fußzeile mit all den medizinischen Kürzeln präsentiere. Und sollten da einige Ungenauigkeiten in meinen Aussagen sein, dann erwarte ich eher, dass man erstmal nachfrägt, was genau damit gemeint ist und ob ich denn wirklich nichts dagegen tue, als dass man direkt losschiesst, den anderen als grenzdebil und Zumutung für alle anderen Erkrankten darstellt. Find ich ziemlich arm.
Ich hab all meine Entscheidungen bisher fundiert getroffen. Nicht bloss aus einem "ich will nicht"-Gefühl heraus, sondern hab in mich reingehorcht, was für mich der Weg ist, hab mit meinen Ärzten diskutiert und mich im Internet und Fachliteratur informiert. Und dann habe ich meine eigene Entscheidung getroffen, was genau für mich der Weg ist. Dahinter stehe ich. Und diese Meinung muss auch niemand anderes nachvollziehen können.
Ich bin nicht dumm blind blöd. Ich weiss, dass für meinen Fall die Statistik bei Frauen, die Chemo gemacht haben (ohne Chemo gibt´s leider solche Statistiken nicht, interessiert ja auch die großen Firmen nicht) folgenermassen aussieht: Überlebensrate nach 1 Jahr 60%, nach 2 Jahren 40% und nach 5 Jahren 9%. (Quelle: Tumorregister Oberbayern, Grundgesamtheit in dieser Gruppe 4.900 Frauen). Manche sagen halt dann, 9% ist immerhin ein Strohhalm. Andere sagen sich, dass wohl die Schulmedizin auch keine echte Antwort auf diese Krankheit hat und suchen sich ihren eigenen Weg.
Es ist auch nicht so, dass ich mich zurücklehne, nichts tue und alles dem Arzt überlasse. Bin auch zu meinem Onkologen "ich hab von dieser GC-MAF-Studie gehört, mich erkundigt und kommt mir sehr plausibel vor". Hab dann erstmal dem Arzt erzählt, um was es hier geht, schliesslich sagte er "machen sie´s!". Bin auch zum Onkologen "haben Sie diese Studien zu Tocotrienole gelesen (u.a. University of Readings und Universitiy of Texas). Wenn ich schon Vitamin E schlucke, dann doch lieber in Form der höher wirksamen Tocotrienole als in den langläufigen, aber nicht so wirksamen Tocophonolen.
Aber nur, weil ich nicht jedes Monat vor der Blutabnahme Panik laufe, nur alle paar Monate draufschaue und sehe, dass immer alle Werte im Bereich der Grenzwerte sind, bin ich nicht naiv.
Nur, weil ich die Zeit, die ich noch habe (natürlich auch mit notwendigen Therapien, hinter denen ich stehe) mit schönen Dingen verbringe und nicht jeden Tag aufwache und mir denke "ich habe Krebs", bin ich nicht naiv.
Ich weiss was ich hab und wie gefährlich es ist, aber trotzdem spür ich´s nicht, ich bin nicht die Krankheit.
Liebe Grüße
Blumentopf
|