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Alt 08.09.2010, 19:23
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Morgana Morgana ist offline
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Registriert seit: 25.11.2008
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Standard AW: Herzlich Willkommen:Angehörige,Betroffene und Hinterbliebene

Guten Abend meine Lieben,
heute hat mal wieder sehr schön zeitweise die Sonne geschienen und ich habe in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang gemacht - einfach mal raus aus dem Büro, frische Luft schnappen und ein Häppchen essen.

Liebe Ingrid: Auch ich war "damals" jünger, gerade 33 Jahre alt und es war anders. Da habe ich ja noch studiert und war viel mit verschiedenen Leuten zusammen; das Problem war, dass meine Studienkollegen jung waren...teilweise jünger als ich und so gar kein feeling dafür hatten, was der Tod des Partner bedeutet. Irgendwie war rund um mich rum alles so erschreckend "normal". Ich fühlte mich verletzt und enttäuscht...brauchte einige Zeit bis ich innerlich bereit war, wieder am Leben teilzunehmen und auch mal Spaß zu haben. Der schlimmste Satz damals war: "Du bist noch jung, das Leben geht weiter!" Ich hatte sogar die Energie um eine Selbsthilfegruppe "Partnerverlust durch Tod" zu gründen, die 1 Jahr bestanden hat und mir sehr geholfen hat; habe auch (mangels Internet) einen Brieffreundschaftskreis quer durch Deutschland mit Witwen gestartet - manche Kontakte bestanden über 10 Jahre...
"Diesmal"...bin ich älter, es ist anders. Ich bin nicht mehr so enttäuscht, wenn ich von "Normalos" nicht so Recht verstanden werde. Mit neu kennengelernten Leuten tue ich mich schwerer, weil ich nicht mehr so offen, so flexibel bin - und Dank meines anstrengenden Jobs auch nicht wirklich so die Geduld aufbringe mir irgendwelche Lebensgeschichten anzuhören ( ok, manchmal denke ich halt..."Ihr habt irgendwie noch nix Belastendes erlebt, alles so der normale Alltag, Mann gesund, Kinder groß, Eltern leben noch, Haus abbezahlt").
Ach Ingrid, das was Du beschreibst ist völlig normal - es ist eben anders jetzt. Wir erleben ja in jedem Alter auch verschiedene Lebensphasen - damals hast Du die Gefühle "nach draussen" getragen, nun regen sich die Gefühle scheinbar nicht, doch es ist nur eine andere Phase. Es wird Schritt für Schritt aus Dir heraus kommen, was Deine Seele braucht, ob es ein Heulkrampf oder sanfte Tränen beim Hören eines gemeinsamen Liedes ist, oder vielleicht plötzlich die Idee eine einzelne Blume in die Vase zu stellen und immer wieder drauf zu gucken; es wird "Deins" sein. Kerze anzünden paßt vielleicht gerade nicht für Dich. Ich machs und denke dann immer wieder daran, dass Kerzen immer wieder zum Gedenken angezündet werden - und dann...will ich eigentlich gar nicht "gedenken" - ich hätte IHN gern wieder...oder so...
Gerade wenn Du Rituale kennen gelernt hast, dann sei geduldig mit Dir...bis es für Dich paßt. Ich drück Dich mal

Liebe Conny, das habe ich mir doch gedacht, dass Du keine Erinnerungen loslassen willst - dass wäre auch fatal, denn sie sind ein großer Schatz. Die Zeit der Krankheit und der Wesensänderung bei Tim, die brauchst Du auch nicht loslassen, denn sie gehört dazu. Was Du kannst, ist diese Zeit zu integrieren - als Teil des Ganzen und sie wird Dir irgendwann nicht mehr Schmerzen bereiten. Ich habe es so erleben dürfen, mal rückblickend auf "damals" Lungenkrebs und Hirnmetastasen... Was die nagenden Schuldgefühle betrifft...da glaube ich, dass Du vielleicht auf Deinem Seminar Unterstützung finden kannst. Meine Idee wäre ein "Conny-Wiederaufbau", so wie die Conny stolz auf sich sein kann, dieso sehr liebende + geliebt werdende Conny - die unabhängige Rückmeldung bekommt, dass es stimmig war, wie es war. Ich sag das mal so, wie ich Dich nun lange gerade "in dieser schweren Zeit letztes Jahr in England" gelesen und verstanden habe.
Veränderung...neue Bilder an den Wänden...kurze Löckchen...die neue Realität...Du bist auf einem guten Weg! Ich wünsche Dir viel Spaß mit Tims Enkeln und einen traumhaften Spätsommertag auf der Insel. Kuschel die Viecher von mir ganz lieb! Kochen...da geht es mir genau so wie Dir!

Liebe Asi, das Leben ist nicht fair...und so gehe ich mit Sterben und Tod inzwischen auch anders um; habe schon mehrere Menschen, die mir nahe standen verloren. Als meine Mutter 1983 starb( ich war 25 Jahre alt), da hatte ich schon Bücher von Kübler-Ross gelesen und trotzdem war es eine schwierige Zeit.
Mit Deiner Wiedereingliederung ins Arbeitsleben da google doch mal nach "Hamburger Modell" - Gabi und Angelika kennen sich auch aus und bringen bestimmt ein paar Tipps hier ein. Also...100% Schwerbehinderung bringt auch Zusatzurlaubstage - zumindest bei uns. Informiere Dich und suche das Gespräch mit Deinem Arbeitgeber. Ich drücke Dir die Daumen, dass es eine gute Lösung gibt. Ein stressiger Bürojob? Na, dann bin ich ja nicht alleine .

Ich grüsse ganz lieb die Gabi und die Angelika, Marion auf Kreta!

Morgen Abend möchte ich mit euch allen gern ein Gläschen trinken und bringe auch was zum Grillen, Salat und Knoblauchbaguettes mit.
Wer das Glück hat tagsüber nicht "auf Arbeit" zu sein und Zeit hat, könnte mal mit dem Staubsauger durchs Berliner Zimmer gehen, ein bißchen Kissen aufschütteln und so...
Ich hoffe die Conny findet Zeit zu kommen - dann gehört uns die Couch!

Ganz liebe Grüsse an alle Knochis!

Morgana
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Die Seele hätte keinen Regenbogen, wenn die Augen nicht weinen könnten.
[Indianische Weisheit]
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