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Alt 17.04.2004, 01:15
Gast
 
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Standard Lungenkrebs und Metastasen

Hallo !
Nach einer Weile "nur Lesen" habe ich mich entschloßen, Euch zu fragen, ob Ihr ein paar Antworten auf meine ziemlich unkonkreten Fragen habt. Mein Vater, bei dem im Februar 2003 ein Plattenepithel-Bronchialkarzinom entdeckt wurde, konnte erst im Mai 2003 operiert werden. Vorher musste erst sein Herz stabilisiert werden, da bei all den Untersuchungen festgestellt wurde, dass er einen unbemerkten Hinterwandinfarkt hatte. Den wiederum hat er wirklich nicht bemerkt, da es ihm schon länger schlecht ging (unter Atemnot und Schwäche litt er schon wegen einer seit 2002 bekannten Lungenfibrose). Der Tumor und durch die Fibrose beschädigtes Gewebe wurden erfolgreich operiert. Nach Herz- und Lungen-OP und 28 Bestrahlungen wurde er im August 2003 aus dem Krankenhaus entlassen. Einigermaßen erholt hat er im September seinen 60. Geburtstag ganz groß gefeiert. Im Oktober bekam er Probleme; Kopfschmerzen und teilweise Probleme mit dem rechten Ohr. Haus- und HNO-Arzt verschrieben Ihre Mittelchen und trotz mehrmaliger Bitte auf konketere Untersuchung (CT/Kernspind) unternahmen beide nichts. Wir haben dann über einen Neurologen, bei dem sich meine Schwester in Behanldung befindet, eine Überweisung erhalten. Es wurde ein schon recht großer Tumor im Bereich des rechten Felsenbeins diagnostiziert. Aufnahme im Krankenhaus erfolgte unmittelbar, es geschah aber nichts, außer das sich sein Zustand täglich verschlechterte. Stationär aufgenommen war mein Vater zu diesem Zeitpunkt nicht in der operierenden Klinik. Die Ärztin in der OP-Klinik war erkrankt und so zog sich alles - trotz der unerschütterlichen Mühen des behandelnden Arztes in der Klinik, in der sich mein Vater befand - unnötig lange hin. Innerhalb von vier Tagen ist der Tumor ziemlich "geschossen", so dass er keine Kontrolle mehr über seine Augen hatte. Als er dann am 10.11.03 operiert wurde, hatte Tumor die Größe einer Apfelsine. Er hatte in wenigen Tagen die Gesichtnerven "zerdrückt" und ist in den rechten Gehörgang eingedrungen. Die Nerven der rechten Gesichtshälfte sind größtenteils entfernt worden, wie auch das Innenleben seines rechten Ohres. Von dieser langwierigen OP hat er sich nicht mehr so gut erholt. Er wurde kurz vor Weihnachten entlassen. Es stellte sich heraus, das er durch die "Lagerung" bei der über 9stündigen OP diverse Nerven abgedrückt bekommen hat, so dass sein Fuß gelähmt ist und auch ein Teil des rechten Schulterbereichs. Über Weihnachten bekam er wieder Schmerzen im Kopf. Die Ärzte sagten, dass sei normal nach dieser OP. Als dann Anfang Januar die Kopfbestrahlung starten sollte, bestand ich darauf, dass eine eingehende Untersuchung vor der ersten Bestrahlung gemacht wird (so ein komisches Gefühl im Bauch...). Der Befund: neuer Tumor im gleichen Bereich. Stationäre Aufnahme, Umstellung der Bestrahlung .... 30 Bestrahlungen, die letzten 5 davon mit Ach und Krach. Er hat nie gejammert, in dem ganzen Jahr nicht. Nur als nach der Lungen-OP die Verblebung der Lunge im ersten Anlauf nicht klappte und dann ein zweiter Versuch nach einem anderen Verfahren unternommen wurde (keine Ahnung wie das Verfahren heißt), meinte er anschließend "das habe ganz schön weh getan - er hätte Angst gehabt". Sonst nie ein Wort der Klage, kein Aufgeben, keine Depris. Na ja, bei der vorletzten Kopfbestrahlung meinte er; "ich glaube, mehr schaffe ich auch nicht mehr". Irgendwann Mitte Februar fing er an, sich über Schmerzen im rechten Schulterbereich zu beklagen. Seine behandelnden Ärzte meinten, dass sei eine Folge der Minderbelastung des rechten Armes bedingt durch die beschädigten Nerven. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, es wurden Röntgenaufnahmen und CT`s gemacht - immer und immer wieder ohne Befund. Mittlerweile wieder stationär aufgenommen (es sollten eigentlich nur die Nervenströme gemessen werden, aber der Arzt in diesem Krankenhaus schätzte die Situation richtig ein und erkannte, daß mein Vater kein Jammerer ist, sondern von unglaublichen Schmerzen geplagt wird, behielt er ihn dort, damit er wenigstens entsprechende Schmerzmittel verabreicht bekommt). Die erste Kernspind musste nach 5 Minuten abgebrochen werden, mein Vater stand den Schmerz nicht durch. Das war der Zeitpunkt, bei dem sich bei mir wieder dieses Gefühl im Bauch einstellte und ich mir sicher war, dass er wieder einen Tumor hat. Drei Tage später und unter entsprechnenden Medikamenten (er konnte noch nicht mal mehr alleine stehen) wurde ein zweiter Versuch gemacht. Diesmal hielt er durch. Diagnose: mehrere Metastasen im Bereich des 4. - 6. Halswirbels. Das war letzte Woche. Er wurde sofort wieder in ein anderes Krankenhaus zu Bestrahlung verlegt. Dort hat man sofort nach Aufnahme mit der Bestrahlung begonnen und diese auch über die Osterfeiertage fortgesetzt. Die Schmerzen sind geringfügig besser geworden. Die zwischenzeitliche, teilweise Lähmung auch im linken Arm ist wieder weg. Tja, bislang nur erzählt, nix gefragt. Ích schaue den Tatsachen immer gern in die Augen, aber ich habe es diesmal noch nicht geschafft, seine Ärzte nach Chancen zu fragen. Diesen "das war`s dann wohl"-Ausdruck meiner Mitmenschen, die von den neuesten Entwicklungen hören, will ich keinen Glauben schenken. Obwohl ich insgeheim ja auch nichts anderes denke. War`s das? Wie lange noch? Was kann man denn tun, außer hoffen, dass die Bestrahlung wirkt? Mein Vater - nach einer sehr kurzen Depri-Phase mal wieder zumindest nach außen - unerschütterlich. Er fragt nach Alternativen, wie z. B. Misteltherapie. Wer hat Erfahrungen? Danke für Tips! Was kann ich tun, außer da sein für ihn und meine Mama, Kuchen backen, Schreibkram erledigen und Dinge finden, über die sie sich freuen? ... und bitte nichts böse sein, wenn ich evtl. Fragen nicht prompt beantworte (habe ja noch ein Kind und einen Ganztagsjob, da ist die Zeit manchmal etwas knapp...) Merci! Andrea
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