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#1
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Hallo Ihr Lieben,
mein kleiner ist gerade 9 Jahre alt geworden. Seine Klassenkameraden haben ihm in der Schule erzählt: Wenn Deine Mama Krebs hat, ist sie bald tot!" Woher wollen sie das wissen. Doch wohl von ihren Eltern, weil diese geben kaum noch einem der Freunde die Erlaubnis, hier zu meinem Sohn zu kommen. Vorher haben sie sie hier nicht wegbekommen. Ist diese Krankheit ansteckend? Meine Onkologin hat mir bei Beginn der Behandlung ans Herz gelegt, einigen "Leuten " zu sagen es ist nicht ansteckend. Da habe ich gedacht: Hallo wo lebe ich, das weis doch jeder! Nein anscheinend nicht! Jetzt hat mein Sohn das Klassenziel nicht erreicht, weil er seit meiner Erkrankung den Schulunterricht nicht mitverfolgt, sich hinsetzt und den lieben Gott, einen lieben Mann sein lässt. Das fällt der Lehrerin ein, uns jetzt zu sagen. Die Hausaufgaben waren immer super erledigt, wenn er sie unter meiner Aufsicht gemacht hat. Erst sagt sie, dass wird ihr Sohn schaffen. Er hat keine Probleme mit dem kognitiven Denken, es ist etwas seelisches! Klar ist es das. Einen Termin bei einem Therapeuten? Alle drei bis vier Monate. Da war es bereits zu spät. Habe mit meinem Kind geredet, aber was Mama sagt ist ja nicht so wichtig, wie das, was die anderen sagen. Und die haben gesagt, ich sterbe bald. Was soll so ein kleines Köpfchen davon halten? Es ist zum Mäusemelken. Habt Ihr auch derartige Erfahrungen gemacht. Haben die "nicht Betroffenen" einen an der Waffel. Haben wir die Pest oder Cholera? LG Petra
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Wenn Du einen Rosenstrauch willst, pflanze keinen Tomatensamen. Wenn Du Freundlichkeit willst, pflanze keine Gleichgültigkeit. (Adolph Kolping)
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#2
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Hallo Petra,
die halbe Nacht habe ich mir den Kopf zerbrochen, ob ich auch einen Thread eröffne, welcher die Problematik Krebs und Kinder (eher Pubertierende) aufgreift, da ich gestern wieder mal ziemlich fassungslos den Reaktionen meiner Jungs gegenüberstand. Meine reagieren zumeist sehr "rotzig" - was ja im pubertären Alter nicht ungewöhnlich ist - aber mich sehr belastet, weil ich es zum Teil rücksichtlos finde. Nun sollen sie mich ja nicht wie ein rohes Ei behandeln, aber manchmal treibt es mich zu heulen. Meine Onkologin ist der Meinung, dass sie so reagieren aus einer Art Selbstschutz heraus und weil sie damit nicht klar kommen. Hilfe im Haushalt bekomme ich so gut wie keine - nein Mutter ist sogar nicht soetwas wie Haushälterin, Dienstbotin, Wäschefrau, Köchin usw. Sicher auch eine Erziehungsfrage. Vor meiner Krankheit hatte hier jeder in der Familie seine Aufgaben, sonst hätte das beim meinem Job ja gar nicht funktioniert. Aber jetzt wird prinzipiell gemurrt wenn Aufgaben verteilt werden, von allein sieht sowieso keiner ertwas und immer mit der Begründung ich wäre ja daheim und könnte alles langsam machen so dass es mich nicht anstrengt. Ich bin nicht nur enttäuscht und entsetzt, da ich alles für meine Eltern tun würde, damit es ihnen gut geht und sie es leichter haben. Ich bin ratlos...Habe ich ihnen zuviel abgenommen? Funktioniere ich zu gut, so dass sie glauben, mir würde es blendend gehen? Jammere ich zu wenig?Vielleicht gibt es hier Userinnen, denen es ähnlich ergeht, sonst muss ich mich ernsthaft fragen, ob ich in meiner Erziehung total versagt habe. Zu anderen Menschen sind sie höflich und hilfsbereit - muss ich das nun persönlich nehmen. Geben sie mir etwa schuld daran krank zu sein? Mein jüngster ist 13, war 8 als ich erkrankte. Er kam vor 2 Jahren mal vom Spielen nach ca. 10 Min. wieder nach oben, hat seine Zimmertür zugeknallt und mich nicht hineingelassen. Ich solle weggehen. Natürlich habe ich nicht lockergelassen. Es stellte sich heraus, dass Tommi geärgert wurde. "Deine Mutter ist ja voll hässlich, hat ne Glatze und ist klapperdürre". Ich war entsetzt. Ausgerechnet ein Junge hatte das gesagt, deren Mutter täglich mit Kippe und Bierglas am Imbiss vor unserem Haus steht und ziemlich "verlebt" aussieht. Für mich kein Grund diese Frau abzuwerten, schließlich ist es ihr Leben. Ich bin dann runter - habe mir die Bande geschnappt und aufgeklärt warum ich so aussehe und dass meine Haare nach der Chemo wieder wachsen etc. Der Kerl macht heute noch einen großen Bogen um mich, obwohl ich sehr ruhig und ausführlich mit denen geredet habe. In der Schule gings genauso. Keine Unterstützung von den Lehrern - im Gegenteil. Zu meiner Chemozeit häuften sich die Einträge in Tommis Hausaufgabenheft. Meist wegen Lapalien wie unvollständiges Arbeitsmaterial usw. Das hat mich verdammt geärgert! Tommi war wütend auf mich - zumindest maulig (die Wut hat er unterdrückt), dass bei uns nicht ständig zu Hause ein "öffentlicher Jugenklub" stattfinden kann, weil ich 1. Ruhe brauche 2. vor Bakterien u. Krankheiten geschützt sein möchte und 3. mit meiner schmalen Rente nicht immer noch eine Horde Kinder täglich versorgen kann. Ich betone nicht täglich. Sie haben schon ihre Freiheiten. Aber diese Rücksichtslosigkeit macht mir doch arg zu schaffen. Heute habe ich Konzertgarten für "Blackmores Night" in der Berliner Zitadelle. Ich freue mich wahnsinnig darauf und bin schon dabei, mich "aufzubrezeln" Kommentar meines 21jährigen: Denke wir müssen sparen... ![]() Ich hab gedacht ich höre nicht recht. Anstatt zu sagen "Hey Mom, das ist ja super, dass du dir mal was gönnst"... Ist das alles noch normal???? Fassungslose Grüße Anja
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Erstdiagnose Jan. 2004 pT4a(mf)pN2a (5/6) M1 G1-2 ER 80% PR 80% C-erb Score 1+) Ablatio links, 6 Knochenmetas - Rezidive 2007 und 2009 Krebs ist nichts für Feiglinge. Krebs ist eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte. |
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#3
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Hallo Anja,
Du hast warscheinlich keine Erziehungsfehler gemacht. Hier läuft es ja genauso. Als wenn ich gar nicht krank bin. Mutter macht ja immer alles. Die Staubflocken stapeln sich in den Ecken, weil ich, wenn ich von der Arbeit kam kaputt und auf allen Vieren ins Bett gekrabbelt bin, weil nichts mehr ging. Gibt es einen Staubsauger? Bin warscheinlich die Einzige, die weis, wie man technisches Haushaltsgerät bedient. Mein Sohn 17 bringt sich zwar um mich um und fragt mich alle 5 Minuten wie es mir geht. Streichelt meine Glatze und sagt, bei seinen 1,90m : meine arme kleine süße Mami. Aber das war es auch schon. Hilfe? Das ist ja Arbeit. Die Jugendlichen scheinen heute alle so zu sein. Natürlich sind wir auch schuld, da Arbeit, Haushalt etc. manchmal an Workerholic grenzt und wir es auch schaffen. Aber es sind ja nicht nur meine Kiddis, sondern auch mein GG. Er ist jetzt gemütlich zum Alltag zurückgekehrt, da seine Frau ja immer alles geschafft hat. Sie ist ja so taff. Das wird sie jetzt auch schaffen.Denke, dass Deine Onkologin recht hat. Sie stehen der Situation ein wenig hilflos gegenüber und betreiben dadurch am besten die Vogel Strauß Politik. Nur mache ich mir wirklich Gedanken, dass mein Kleiner da einen seelischen Schaden davonträgt, da er sehr sensibel ist. Könnte die ganzen Psychiologen mit ihren Terminen, da ich es als recht dringlich ansehe, dass ihm geholfen wird. Ich persönlich kann in meiner Umwelt auf Personen verzichten, die meinen sich anzustecken. Aber sie müssen es doch nicht über ihre Kinder austragen. Man kann auch keinem einen Tip geben, wie er sich verhalten soll. Ich meine in Bezug auf Deine Kinder. Jeder ist da anders und wie man es häufig macht, ist es verkehrt. Ich lasse meine jetzt schon mal links liegen. Habe die Gefriertruhe voll mit Bofrostgerichten, die mein Großer sich mal mit fast 18 nur in die Pfanne hauen muss. Tut er es nicht, muss er eben hungern. Ich kann eben nicht, wenn ich 8 -10 Stunden gearbeitet habe. Dann bin ich fertig mit Schönschreiben. Ich räume auch sein Zimmer nicht mehr auf. Das kann er denke ich allein und wenn er es nicht tut, muss er eben Staubflocken schlucken. Pech gehabt. In dieser Hinsicht bin ich rigoros. Vielleicht sprichst Du einfach mal mit Deiner Bande und legst ihnen Deinen Gefühle auf den Tisch. Vielleicht kommen sie dann mal ans Nachdenken. Es ist schwierig. Vor allen Dingen als Alleinerziehende. Alles Liebe ![]() Petra
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Wenn Du einen Rosenstrauch willst, pflanze keinen Tomatensamen. Wenn Du Freundlichkeit willst, pflanze keine Gleichgültigkeit. (Adolph Kolping)
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#4
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Ach Petra,
meist entschuldigen sie sich danach für blöde Sprüche und Aussprachen haben wur schon oft bis zum Erbr....gehabt. Es geht dann mal ein paar Tage besser. Ich verstehe ja auch die Kinder. Diesem Druck dem sie bereits schon ausgesetzt sind und dann noch Angst um die Mutter bzw. davor was wird wenn sie nicht mehr da sein würde. Unsere Gesellschaft wird immer kälter. Alles dreht sich um Kommerz und Perfektionismus. Kein Wunder, dass die Kinder so sind. Man muss sich ja nur das Fernsehprogramm ansehen. Aber kann ich zu Hause noch die Kindersperre betätigen??? Früher war das wesentlich einfacher. Ich bin auch der Meinung, dass jüngere Kinder die Krankheit besser wegstecken. Sie verstehen noch nicht alles ganz und gar und wenn Mama wieder Haare hat usw. dann ist diese für sie geheilt und es besteht keine Gefahr mehr. Hab ich jedenfalls von etlichen Mitpatienten gehört, die kleinere Kinder haben. Wir müssen wieder egoistischer werden! Irgendwie bin ich immer dabei, etwas gut machen zu müssen. Aber wieso eigentlich? Ich hab mir das nicht ausgesucht. Aber Mütter sind nun mal "ein Fall für sich"... ![]() Ich mach mich jetzt fein, muss noch durch halb Berlin bis zur Zitadelle. Ich bin schon den ganzen Tag aufgedreht und singe deren Lieder... "In the shadow of the moon" Einen schönen Sonntag noch. Vielleicht schaue ich heute Abend noch mal kurz ins zu euch rein und berichte... Morgen geht's zur Arbeit. 14 Uhr Spätdienst, auch darauf freue ich mich. Meine Schmerzen sind heute irgendwie wie weggeblasen und langsam verfliegt auch mein Groll über meine Kids Lieben Gruß Anja
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Erstdiagnose Jan. 2004 pT4a(mf)pN2a (5/6) M1 G1-2 ER 80% PR 80% C-erb Score 1+) Ablatio links, 6 Knochenmetas - Rezidive 2007 und 2009 Krebs ist nichts für Feiglinge. Krebs ist eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte. |
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#5
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Zitat:
Ich bin alleinerziehende Mutter 3er Kinder (30w, 28m und 17w) und ich 'krebse' seit 2 Jahren rum... Meine Kleine (wohnt noch zuhause) war knapp 15 als es los ging und sie kam überhaupt nicht damit zurecht. Ignorierte mich, fragte fast nie wie es mir geht, Hilfe nur unter Androhung schwersten Kerkers es war hart, aber wir haben es geschafft.Mit Hilfe einer guten Therapeutin, die mir auch erklärte, dass meine Tochter so panisch sei, mich zu verlieren, dass sie das Thema Krebs einfach verdrängte. Eines Tages (Monate später) hatten wir dann einen wunderbaren Heulnachmittag, an dem wir uns gegenseitig unsere Ängste gestehen konnte. Seitdem klappt es ganz gut. Wenn Muttern lebensbedrohlich erkrankt ist, das ist einfach so existenziell und horrormäßig, das packen die nicht. Hinzu kommt ja in diesem Alter eigentlich das Thema Ablösung, wie soll man sich denn von einer Mutter abnabeln, die (vermeintlich) im Begriff ist, den Löffel abzugeben. Zum Thema Verwöhnung...tja da habe ich auch Fehler gemacht. Als Alleinerzehende hatte ich oft ein megaschlechtes Gewissen, Job, keine Zeit...ich hatte früher zuviel durchgehen lassen und wollte mit zuviel 'Fürsorge' gut machen, was fehlte - der Vater. Inzwischen bin ich da deutlich klarer geworden, nicht ohne Not, ich habe einfach nicht mehr die Kraft alles zu machen. Aber ich will es auch nicht mehr. Learning by Doing. Töchterchen muß z.b. auch ihre komplette Wäsche selbst machen, wenn sie das nicht macht, dann sind die Schlüpper eben nicht sauber...selber Schuld, das hat sie aber schnell geschnallt. Die Idee mit dem Elternabend find ich gut, dass darf doch nicht wahr sein, dass es da so bornierte Leute gibt, die den Kindern das Leben schwer machen. Vielleicht ist es aber auch so, dass die Eltern Rücksicht nehmen wollen? Im Sinne von, geh da mal nicht hin spielen, vielleicht störst Du??? Kann das sein? Lieben Gruß Beate |
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#6
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Zitat:
das mit dem Elternabend habe ich ja in Angriff genommen. Viele Eltern habe ich auch während des Kommunionunterrichtes getroffen und aufgeklärt. Nach außen hin sieht mir keiner meine Krankheit an. Seit Osternurlaub braun gebrannt, eben der Mottenpfiffi, sehe eigentlich recht gesund aus und gebe keinem Anlass mich zu bedauern. Bringe die Krankheit recht locker rüber, weil ich bei keinem das Gefühl des Mitleides hervorrufen möchte. Ich hasse nichts so sehr wie die phrasenhaften Worte des Bedauerns. Sind sowieso nicht so gemeint. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mich schonen wollen. Zumal jede Mutter weis, zwei oder drei Kinder, die miteinander spielen, machen weniger Arbeit als eines, was sich langweilt und damit deine Aufmerksamkeit gehäuft fordert. Liebe Grüße Petra
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Wenn Du einen Rosenstrauch willst, pflanze keinen Tomatensamen. Wenn Du Freundlichkeit willst, pflanze keine Gleichgültigkeit. (Adolph Kolping)
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#7
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Liebe Petra,
meine Erfahrungen sind ein wenig anders. Meist hatte ich gute Reaktionen der "Erwachsenen", und die blöden Erfahrungen halten sich in Grenzen. Mei, sag ich mir heute, die Leute sind halt unwissend und hilflos ob ihrer eigenen Ängste vor Krebs. Da ist noch viel Aufklärung vonnöten. Der Bayer fordert treffend: Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Ich bin selbst alleinerziehend. Meine Tochter ist neun Jahre alt, 3. Klasse. Mitte Januar erhielt ich die Information, dass ich an einem lobulärem Karzinom erkrankt bin. OP und Chemo habe ich hinter mir und versuche jetzt, mich zu erholen. Nach der Diagnose hatte ich mich mit der örtlichen Selbsthilfegruppe kurzgeschlossen. Auf deren Anraten hin habe ich meiner Tochter in dürren Worten erklärt, dass ich an Krebs erkrankt bin, dass es viele verschiede Krebsarten und Verläufe der Erkrankung gibt (meine Mutter war vor über 20 Jahren sehr schnell an Eierstockkrebs gestorben, das wusste meine Tochter schon lange und das machte natürlich Angst). Dass mein Krebs nicht ansteckend und vor allem behandelbar sei, dass ich nicht sterben würde und wenn es je so sein sollte, dann würde ich es ihr vorher sagen. Und sie würde keinesfalls in ein Waisenhaus kommen (was sie arg befürchtete). Ich glaube, diese klare Ansage hat ihr zumindest ein wenig die Angst genommen und gegen bösartige Mitschülerbemerkungen gewappnet. Ich habe auch Hort und Lehrerin über meine Erkrankung informiert. Vor allem die HorterzieherInnen waren ausgesprochen hilfreich und sensibel in dieser ganzen Zeit von OP und Chemo. Meine enger bekannten Mitmütter hatte ich auch informiert. Sie haben dann - vor allem an den Wochenenden - meine Tochter mal geholt, damit ich Ruhe und sie einfach Freude hatte. So habe ich das letzte halbe Jahr einigermaßen überstanden. Leicht war es natürlich trotzdem nicht. Vielleicht weíl ich einfach lange Zeit nichts mehr mit ihr unternehmen konnte, selbst manchmal unausgeglichen und sogar aggressiv war, hatten wir in unserer kleinen Familie ordentliche Probleme. Von Unfolgsamkeit (eher: permanenter Widerspruch, endlose Diskussionen über Selbstverständlichkeiten) bis dahin, dass meine Tochter regelrecht nach mir geschlagen hat und auch mit mir gezielt gerauft hat, bis ich sie nur noch festgehalten habe damit das Raufen aufhört. Die schulischen Leistungen sind auch nicht prickelnd gewesen, aber das ist für mich in Anbetracht der Umstände auch o.k. Ich bin mit ihr zur Erziehungsberatungsstelle und habe auch recht bald den ersten Termin bekommen. Ziel war und ist, die richtigen Wege zu finden, um dem Kind wieder Sicherheit zu geben. Bei den Terminen spielte sie sehr lange mit der Beraterin. Das hat ihr schon gut getan. Ich bin auf die Auswirkungen der weiteren Sitzungen gespannt. Bisher haben wir herausgefunden, dass ihre Aggressivität wohl aus zwei Quellen kommt: Zorn und Unsicherheit darüber, dass ich nicht mehr wie sonst funktioniere, dass ich schwach und nicht verlässlich erscheine. Und weil dann, wenn wir Krach haben, meine Tochter auch deutlich merkt, dass ich noch am Leben bin! Im übrigen genießt Tochter, dass ich - egal in welchem Zustand - zuhause bin und Zeit für sie habe! Makaber, nicht? Die ganzen früheren Jahre war ich arbeitsfähig und musste auch arbeiten. Das führte zu einem streng strukturierten Tagesablauf. Manchmal (oft genug) hatte ich auch wenig Zeit für sie. Da werde ich mir für die Zeit, da ich wieder arbeiten gehe, Konsequenzen für meine Work-Life-Balance einfallen lassen müssen! Nun, mir scheint, dass sie, seit meine Haare nachwachsen, mit der Situation besser zurecht kommt. Ich komm ja auch besser klar, seit meine Nachwirkungen bzw. Tamoxifen-Neuwirkungen sich langsam reduzieren. Und da ist noch die Erziehungsberatung. Von der Schule kamen zumindest keine größeren Klöpse. Im Hort habe einige Kinder gemerkt, dass ich eine Perücke auf dem Kopf aufhabe (Perücke ist meiner Tochter ganz wichtig, damit ich "normal" aussehe). Da ist sie erst erschrocken, aber dann hat sie das ganz cool bejaht. Damit war das Thema auch erst mal durch. Ärgerlich ist für mich, dass ich eine onkologische Nachsorge genehmigt bekommen habe (auch für Begleitkind) - aber für eine Einrichtung, die als einzige Kinderbetreuung die Anmeldung in der örtlichen Grundschule managt! Dort gibt es wohl nicht mal nen Spielplatz in der Nähe. Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Reha-Angebote für so eine typische Frauenerkrankung nicht von vorneherein qualifizierte Kinderbetreuung als Standard vorsehen. Nun, der Widerspruch läuft noch, bin mal gespannt. Die Lehrerin deines Sohnes scheint ja ein Musterexemplar an "pädagogischer Begabung" zu sein. Für deinen Sohn ist das sicher zusätzlich traumatisierend. Sich zu all dem Kummer in seiner kleinen Seele auch noch als Versager zu sehen (das wird ja wohl nicht ausbleiben)! Ich wünsche dir und deinem Kleinen, dass er im nächsten Schuljahr eine bessere Lehrerin und bessere Mitschüler bekommt. Liebe Anja, du hast sicher nicht in der Erziehung versagt. Sonst wären deine Kinder vor allem zu anderen Leuten grob und unhöflich. Kinder sind (davon bin ich bei aller Liebe überzeugt) einfach geborene Egoisten und das legen sie uns Müttern gegenüber nur schlecht ab. Bei den Mamas wird der ganze Frust rausgelassen (und die saubere Wäsche wieder abgeholt). Und unsere Kinder wissen, dass wir sie trotzdem (bedingungslos) lieben und nutzen das auch reichlich aus. Wenn ich an meine Zeit als Kind zurückdenke, oh Gott, was habe ich meine Mutter geplagt. Nicht weil ich sie nicht lieb gehabt habe, sondern aus Gedankenlosigkeit und Faulheit und weil sie für mich kein normaler Mensch war sondern irgend ein anderes Wesen. Das ist bei deinen Jungs sicher auch nicht viel anders. Bei mir hilft heute ab und an ein Familienstreik und richtig auf den Putz hauen, damit meine Bedürfnisse auch mal gewürdigt werden (klappt bei meiner sehr dickköpfigen Kleinen tatsächlich). Dir auf alle Fälle viel Vergnügen bei den Blackmores Night, das steht dir zu! Euch viele liebe Grüße und uns allen Mut, Elisabeth |
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#8
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Zitat:
interressant! verblüffte Grüße Beate |
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#9
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Hallo zusammen,
als Mutter von zwei pubertierenden Mädels (13 und 15 Jahre) möchte ich nun auch mal meinen Senf dazu geben . Ich glaube, dass Selbstreflexion von uns Müttern zwar wichtig ist, aber wir sollten uns auch eingestehen, dass es völlig normal ist, in der Erziehung Fehler zu machen. Wer Verantwortung übernimmt, macht eben Fehler und das ist völlig normal! Das Verhalten von Kindern kann sehr unterschiedlich sein und schwankt wohl zwischen Selbstschutz und großer Angst und Unsicherheit. Meine eine Tochter nimmt meine Erkrankung nach außen gelassen hin, beharrt aber momentan auf Kleinigkeiten, die sie sonst nie störten... die andere weint schnell, ist unsicher und hat Angst, wenn ich wieder zur Chemo gehe. Was die Mithilfe von Hausarbeit betrifft, so muss ich beiden gehörig in den Hintern treten.... .Es ist schwierig einzuschätzen, wieviel Nähe und Distanz Kinder brauchen. Einerseits sollten sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie mit Freunden weggehen, andererseits bin ich nun auch bereit, mit ihnen gemeinsam zu weinen, wenn es mir schlecht geht. Ich glaube, als Erkrankter steht man zwangsläufig im Mittelpunkt. Termine, Gespräche, Lebensplanung, alles dreht sich darum. Als nichtbetroffenes Familienmitglied fühlt man sich wohl auch schnell ausgegrenzt - die eigenen Themen geraten vielleicht in den Hintergrund. Aus Erfahrung in der Familie meiner Tante habe ich erfahren, dass sich ihre Kinder im Laufe der Jahre sogar fast abgewandt haben, nachdem sie die Erkrankung (die kein Krebs war) mit all ihren verbundenen Einschränkungen einfach nicht mehr mittragen wollten. Ich mag das den Kindern gar nicht zum Vorwurf machen - der Umgang mit Krankheit eines nahen Familienmitglieds fällt oft viel schwerer, als der Umgang mit anderen Personen. Alles in allem glaube ich, dass sämtliche Reaktionen der Kids "normal" sind. Es braucht einfach Zeit, bis sich Dinge eingespielt haben. Ich werde mir demnächst auch mal Urlaub von meinen Kids nehmen und mit meinem Mann alleine für 4 Tage nach Wien fahren. Oma wird auf sie aufpassen und sie verwöhnen und ich bin mir sicher, die Kids finden´s klasse.... !Was die Schulsituation betrifft, so habe ich Glück. Eine Lehrerin ist selbst an BK erkrankt und unterhält sich oft mit meiner Tochter... Liebe Grüße Tanja |
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#10
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Liebe Beate,
tja, ich war auch verblüfft, als die Erziehungsberaterin diese als eine von vielen möglichen Stimmungen, aus denen heraus meine Tochter mir gegenüber aggressiv wurde, benannte -. und meine Tochter spontan zugab, dass dies schon auch ein Moment sei. Ich war nach der Diagnose nicht mehr fröhlich und mit Elan wie zuvor, sondern einfach lasch, traurig etc. Einfach ganz anders. Das machte ihr gehörig Angst. Sie stellte fest, dass ich nur noch in Fahrt kam ("emotional" wurde) wenn ich massiv provoziert wurde. Also hat sie mich provoziert. Immerhin, als dies heraus war, konnte ich meine Tochter besser begreifen und gegensteuern. Viele Grüße, Elisabeth |
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#11
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Heute, drei Jahre nach Diagnose und mit genügendem Abstand, glaube ich auch, dass dieses "Rumgezicke" der Kinder so eine Art Selbstschutz ist und eben das, was sie eigentlich immer als Heranwachsende tun - ein Austesten der Grenzen.
Meine Beiden sind zwischenzeitlich 20 und 17 Jahre alt und ich bin mir eigentlich sicher, dass ich sie mit den nötigen sozialen Kompetenzen erzogen habe. Das funktioniert allerdings nicht immer bzw. so wie ich es mir wünschen würde, aber wahrscheinlich liegt es ganz einfach dann auch an einer falsche Erwartungshaltung unsererseits. Mir hat es auch oft weh getan, wenn meine Zwei in der Chemo-Zeit mein Befinden mehr oder weniger ignoriert haben. Allerdings muss ich rückblickend sagen, dass sie wahrscheinlich eben doch versucht haben, meine Krankheit zu verdrängen so im Sinne, wenn man nicht darüber redet ist es auch nicht da Heute stelle ich nun fest, dass vor allem meine Tochter, die im Gegensatz zum Sohn noch zuhause wohnt, doch schon sehr besorgt ist, wenn mal gerade wie momentan die Nachsorgeuntersuchungen Unregelmäßigkeiten aufweisen und sie mich dann zeitweise sogar richtig betütelt. ![]() Jafe, sicherlich hast Du auch mit den Lehrern ein Gespräch gesucht und sie auf Deine Behandlung hingewiesen. Ich hatte damals mit der Rektorin ein langes Gespräch, nachdem ich nicht zu jedem Lehrer einzeln gehen wollte und sie gebeten, mich bei eventuellen Problemen sofort zu kontaktieren. Allerdings muss ich zugeben, dass ich seither nie mehr zu einem Elternabend gegangen bin, sondern meinen Mann vorgeschickt habe. Was bei uns eben auch einfacher war, da meine Kinder logischerweise altersmäßig selbständiger sind als Dein 9jähriger. Für sie war es dann zu der Zeit ein wichtiger Schritt in die Eigenverantwortung, wobei sie eben auch wissen, dass sie bei Problemen immer auf mich zählen konnten und können. Den ersten Kontakt mit den Eltern der Klassenkameraden (zumindest auf Schulebene) hatte ich dann erst wieder letztes Jahr bei der Abifeier meines Großes, mit Absicht noch schicker gestylt als sonst und eben wieder mit kompletter Frisur (wahrscheinlich so eine Art Selbstschutz meinerseits). Ich habe damals in der Chemozeit trotzalledem versucht sehr viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und auch immer das Gespräch gesucht. Und ich glaube auch, dass das eben halt auch wichtig ist, dass man auch die Ängste und Sorgen der Familie wichtig nimmt. Anja, ich wünsche Dir viel Spass bei dem Konzert heute, vielleicht wollte Dein Sohn ja gefragt werden, ob er mitgehen möchte. Übrigens gab und gibt es bei mir zwischenzeitlich klare Ansagen im Sinne von "Du staubsaugst heute" oder "Du räumst jetzt den Tisch ab" und so hat zwischenzeitlich meine Tochter u.a. die eigenverantwortlichen Aufgaben übernommen, ihr Bad selber zu putzen und auch ihr Zimmer selber in Ordnung zu halten. Zitat:
Grüße
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**************** „Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück“ Zsuzsa Bánk Geändert von Mary-Lou (05.07.2009 um 15:51 Uhr) |
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#12
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Zitat:
Liebe Tante Emma, da muss ich Dir vollkommen recht geben. Aber die Erziehung der Kinder hat ja schon bei der Erziehung der Eltern angefangen. Habe es bei einem Klassentreffen versucht. Vielleicht war dies ja auch ein Fehler. Wenn man Eltern im Kindergarten oder Schule kennenlernt, haben die Äußerungen, die häufig fallen, wenig mit gesundem Menschenverstand zu tun. Da kann man oft die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Habe mich aus solchen Diskussionen auch immer raus gehalten, weil es mir einfach zu "blöd" war. Bin auch nie oder nur mal kurz reingeschaut zu irgendwelchen Spielgruppen gegangen. Eltern denken oft : Meine Kinder und Deine Blagen! Liebe Grüße Petra
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Wenn Du einen Rosenstrauch willst, pflanze keinen Tomatensamen. Wenn Du Freundlichkeit willst, pflanze keine Gleichgültigkeit. (Adolph Kolping)
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#13
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Liebe Petra,
ich habe mal was für Dich gefunden: http://www.krebs-kompass.org/forum/forumdisplay.php?f=56 Schau da auch mal rein. Es ist das Forum für krebskranke Eltern. Da sind Menschen, die die gleichen Probleme haben wir Du, denn schließlich geht es ja nicht speziell um Brustkrebs sondern um Krebs überhaupt und die dusseligen Aussagen, die ein Kind krank machen können. Frohes Stöbern. Lieber Gruß |
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#14
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Hallo BarbaraO,
wo hast du das bloß wieder gefunden? Ich habe auch gesucht, aber nichts dergleichen gefunden. Mir ist das mitunter auch zu müßig...Das werde ich mir nach dem Konzert zu Gemüte führen. Danke u. lb. Gruß
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Erstdiagnose Jan. 2004 pT4a(mf)pN2a (5/6) M1 G1-2 ER 80% PR 80% C-erb Score 1+) Ablatio links, 6 Knochenmetas - Rezidive 2007 und 2009 Krebs ist nichts für Feiglinge. Krebs ist eine Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte. |
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#15
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Forenfossilien kennen sich eben aus, Anja
![]() Die meisten schauen nur in das Forum ihrer eigenen Erkrankung. Das ist auch in Ordnung so, denn was haben wir schon bei Prostatakrebs zu suchen? Aber es gibt hier im KK auch noch andere Foren für alle und die können sehr interessant und hilfreich sein. Deshalb erinnere ich auch immer an das Forum für Rehabilitation und Nachsorge. Wenn wir da schreiben würden, dann hätten alle im ganzen KK die Informationen und das wäre so schön überrsichtlich für jeden. Grüße aus dem sonnig-heißen Hamburg |
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