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#19
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Liebe Daniela, lieber Mario,
in Gedanken war ich viel bei Euch, nun habe ich seit gestern Abend wieder einen Anschluß für meinen Laptop und kann auch mit einem Brief zu Euch kommen. Der angstvoll erwartete Tag des Begräbnisses liegt nun hinter Euch. Die Zeit geht weiter, alles andere auch und die Zeit ist der einzige Verbündete, die einzige Hilfe. Man fragt sich, wie ist es so möglich, dass alles weiter geht, die Blumen blühen weiter, alles lebt weiter, der Verkehr läuft, die Tageszeiten wechseln, dann die Jahreszeiten, nur Mama ist nicht mehr dabei. Man selbst ist froh um jede Minute, jede Stunde, jeden Tag den man hinter sich gebracht hat. Man weiß, nun muß man etwas bewältigen und hat nicht die rechte Vorstellung wie das gehen soll. Liebe Daniela, wie die anderen Tanten finde ich es auch gut, dass Deine Tochter beim Begräbnis dabei war. In Deine Trauer wird Bedauern darüber kommen, dass Deine Tochter die Oma nicht länger und besser kennen lernen durfte. Dazu möchte ich Dir gerne etwas sagen: Ich hatte zwei Omas, eine lebte zwei Häuser weiter, die andere entfernter und ich habe sie in meinem Leben vielleicht dreimal gesehen, dann allerdings jeweils für ein paar Wochen. Diese war die Oma mütterlicherseits. Wirklich kennen gelernt habe ich diese Oma durch die Erzählungen meiner Mama, auf diese erzählende Art auch Mamas Lieblingstante, die zwei Jahre vor meiner Geburt verstorben war. Über die zwei wichtigsten Frauen im Leben meiner Mama (d.h. die wichtigste war wahrscheinlich ich) habe ich so viele Geschichten gehört, dass sie in mir präsenter sind als die andere Oma die ich lange hatte. Ich fühle mich beiden emotional sehr verbunden. Du, sowie die zwei Onkel werden die Erinnerungen an Oma, an Eure Mami lebendig halten können. Ich möchte Euch etwas von Dietrich Bonhoeffer aufschreiben: .... es gibt nichts was die Abwesenheit eines lebenden Menschen ersetzen kann und man sollte es auch gar nicht versuchen, man muß es einfach aushalten und durchhalten. Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost, denn indem die Lücke unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus. Er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch unsere alte Gemeinschaft miteinander – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren. Ihr Lieben, ich bin voll Zuversicht wenn ich an Euch denke. Ich umarme Euch und schließe in diese Umarmung auch den Weltreisenden mit ein. Tante Briele |
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