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#1
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Ihr Lieben,
wir kämpfen nun schon 13 Monate gegen einen Feind, den wir wohl nicht mehr besiegen können. Werners Bauch ist in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch ganz dick und hart geworden, obwohl ich immer schön auf seinen Stuhlgang aufgepasst habe. Der Krankenpflegedienst hat die Feuerwehr gerufen. Die Feuerwehrleute waren sehr nett und ich habe gesagt, sie sollen beim Runtertragen schön aufpassen, weil Werner doch überall Knochenmetastasen hat. Das Mitleid in den Augen der Männer hat mir zugesetzt. Ich bin dann ins Krankenhaus gefahren. Dort haben sie keinen Einlauf gemacht sondern ein Blasenkatheter gesetzt. Ja er hatte keinen Darmverschluss sondern Harnverhalten. Zwei Liter kamen raus. Die nette Urologin fragte mich ganz freundlich "soll ihr Mann im Krankenhaus sterben oder kann er das zuhause tun"? Dreimal musste ich schlucken und antwortete, dass ich ihn noch heute wieder mitnehme. Zuhause mussten wir feststellen, dass er die Beine nicht mehr bewegen kann. Sie gehorchen ihm einfach nicht mehr. Heute kam die Palliativärztin und ich fragte nach einer Gymnastik, die wir machen könnten. Nein, sagte sie, da gibt es keine Gymnastik die hilft. Das ist Schwäche. Und sie sah mich an und ich wusste, das sie uns wirklich nicht helfen kann. Ich schaffe es nicht, Werner die Treppen runter zu tragen. Unser Garten wird diesen Sommer ohne ihn auskommen müssen. Seine geliebte Goldulme hat braune Blätter. Er sagt, dass sein Baum mit ihm stirbt. Heute habe ich keine Tränen mehr. Meine Augen tun verdammt weh. Was hat denn mein Bärchen verbrochen, dass er so leiden muss? Wenn ich vorher nicht gewusst habe, was Verzweiflung ist, heute weiß ich es. Es tut verdammt weh. |
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#2
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Oh Jane, ich muss so weinen. Mir fehlen die Worte denn ich kenne das was Du beschreibst. Ich kann Dich nur still drücken. Du leistest so Unvorstellbares.
Du kannst hier Alles loswerden - ich weiß, dass es ein wenig hilft. So sehr wünsche ich mir für Euch, dass bald Frieden einkehrt. Ganz ganz liebe Grüße ..... mir fehlen leider wirklich die Worte 😥 |
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#3
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Hallo Ihr Lieben,
heute bin ich wieder kämpferisch. Ich habe einen Heimtrainer gekauft und unser Physiotherapeut hat uns ein wenig Hoffnung gemacht, dass Werner wieder laufen kann. Nein, so leicht gebe ich mein Bärchen nicht her. Wir geben noch nicht auf. Ich habe mich mächtig ausgeheult und heute werden wieder die Ärmel hochgekrempelt. P.S. vielleicht hat einer mal was positives zu berichten. Das baut uns ja alle auf. Dir liebe Femaleinstinkt ganz liebe Grüße. Ich denk oft an dich und drück dich mal. |
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#4
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Hallo Ihr Lieben,
heute schläft Werner zum letzten Mal in seinem Bett. Er bekommt morgen ein Pflegebett, dass ich im Wohnzimmer aufstellen lasse. Da hat er einen schönen großen Fernseher und ich schlafe auf der Couch. Werner ist nun von der Hüfte ab gelähmt. Er würde aus dem Bett fallen und sich alle Knochen brechen. Ich kann ihn kaum noch windeln, alles tut ihm weh. Er ist vom Pflegedienst für ein Hospizplatz angemeldet. Rein vorsorglich, wie man mir versichert. Ich will ihn nicht hergeben. Er ruft immerzu nach mir. Ich kann nicht einkaufen gehen, trau ich mich einfach nicht. Was ist denn, wenn er dann grade Durst bekommt? Wir bekommen einen ambulanten Hospizdienst. Dann kann ich das Haus verlassen um einiges zu erledigen. Ich sehe das Unausweichliche auf mich zukommen und fühle mich einsam und verlassen. Werner weint, ist klar bei Verstand und muss sein eigenes Sterben miterleben. Wie hält er das nur aus? Ich hoffe, dass seine Schwester aus München kommen kann und mit ihm noch Geschichten aus der Kinderzeit aufleben lässt. Jede Mahlzeit, die ich ihm zubereite, kann die letzte sein. Deshalb muss ich mir immer besonders Mühe geben. Und ich? Ich hätte nie gedacht, dass der Tod so schmerzhaft, blutig, langsam und schleichend sein kann. |
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#5
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Liebe jane,
du bist eine so tapfere Frau, ich bewundere dich wie du alles schaffst. Du machst das großartig wie du mit deinem Schatz kämpfst. Gut zu lesen, dass du Hilfe bekommen wirst. Ein ambulanter Hospizdienst wird dich entlasten, ich hoffe du kannst die Hilfe annehmen. Pass auch ein wenig auf dich auf, ja - eine Umarmung von der BerliNette
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Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment! Buddha __________ mein Schatz: Lungenkrebs ED: 06/2014 - ALK-Mutation (zurzeit Behandlung mit Xalkori) Speiseröhrenkrebs ED: 07/2015 - 16 x Bestrahlung, vollständige Ernährung mit PEG |
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#6
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Ihr Lieben,
Gestern ist mein Bärchen für immer eingeschlafen. Er hat 14 Monate gegen den Krebs gekämpft und doch verloren. Ich bin unendlich traurig und fassungslos. In seinen letzten Stunden war ich bei ihm. Ich danke euch für eure mutmachenden Worte, die ich hier erfahren habe. |
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#7
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Liebe jane,
mein aufrichtiges Mitgefühl "Alles was schön ist, bleibt auch schön, auch wenn es welkt. Und unsere Liebe bleibt Liebe, auch wenn wir sterben." Maxim Gorki
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Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment! Buddha __________ mein Schatz: Lungenkrebs ED: 06/2014 - ALK-Mutation (zurzeit Behandlung mit Xalkori) Speiseröhrenkrebs ED: 07/2015 - 16 x Bestrahlung, vollständige Ernährung mit PEG |
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