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  #1  
Alt 04.11.2005, 19:12
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DaskleineÄnnchen DaskleineÄnnchen ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Laura und Andrea,
wollte euch in meinen gerade eröffneten Thread für junge Angehörige von Krebskranken einladen!!!
Vielleicht gesellen sich ja noch andere "Junge" dazu!!!
Freu mich von euch zu lesen!
Anna
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  #2  
Alt 05.11.2005, 11:14
Laura5555 Laura5555 ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Liebe Andrea,
Liebe Margit,
Liebe Anna,
ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter und genau deswegen fällt es mir so unendlich schwer, mit ihrer Krankheit umzugehen. Vor fünf Jahren war es auch schon sehr schlimm, aber damals war sie selbst einfach noch viel stärker. Diesmal geht es ihr psychisch sehr schlecht. Mein Vater versucht, sie aufzubauen, aber es gelingt ihm kaum. Ich habe schreckliche Angst, sie zu verlieren. Es ist nicht so, daß sie nicht will oder mir nicht "erlaubt", mich um mich selbst zu kümmern und mein altes Leben weiterzuleben, aber es liegt an mir selbst, daß ich es einfach nicht kann. Ich bin wie gelähmt, die Ansgt frißt mich auf und ich bin zu nichts mehr fähig. Schlucke seit Tagen Baldrian und Johanniskrauttabletten, fühle mich wie betäubt und finde keine Ruhe. Wenn ich bei ihr im Krankenhaus bin, versuche ich stark zu sein, und im nächsten Moment, wenn ich zu Hause bin, kann ich nur noch weinen. Sie bekommt nächste Woche die erste Chemo und was eigentlich positiv ist, ist daß sie keine weiteren Metastasen an anderen Organen gefunden haben und auch die bisher entnommenen Lymphknoten nicht befallen sind. Aber in vier Wochen muß sie erneut eine große Operation über sich ergehen lassen, in der ihr weitere 20 Lymphknoten entfernt werden. Und davor habe ich eine riesige Angst, die mir die Luft zum Atmen nimmt. Sollten sie nicht befallen sein, hätte sie laut Ärzten gute Chancen, und die Chemos laufen noch relativ harmlos alle drei Wochen weiter. Sind sie jedoch befallen, würde dies eine Hochdosis Chemo in sehr kurzen Intervallen bedeuten und ich habe eine verdammte Angst, daß sie es nicht schafft. Ich kann einfach nicht mehr. Hinzu kommt, daß ich seit fünf Jahren mehr oder weniger auf mein eigenes Leben verzichtet habe für meine Familie, weil wir neben dem Krebs ja noch viele andere Probleme haben. Und damit komme ich auch nicht mehr zurecht. Ich hatte in der Zeit nur kurze, verkorkste Beziehungen, weil ich mittlerweile selbst psychisch am Ende bin und habe auf alles mögliche verzichtet, (Urlaube, weggehen usw), weil meine Familie mich brauchte. Gerade war ich so weit, mich etwas abnabeln zu wollen und mich ganz auf den Abschluß meines Studiums zu konzentrieren, aber jetzt kann ich wieder nicht mehr weitermachen. Ich will es nicht wahrhaben, daß meine Mutter wieder so krank ist, ich will es nicht wahrhaben, daß ich wieder diese Angst um sie haben werde, die mit jedem Tag schlimmer wird und ich will es nicht wahrhaben, daß ich mich immer weiter vom normalen Leben entferne. Ich bin 24 und habe das Gefühl, dem Leben nicht mehr gewachsen zu sein und an meine Grenzen zu gelangen. Es gibt Tage, da versuche ich, zu verdrängen und treffe mich mit Freunden, aber meine Gedanken sind bei meiner Mutter, jede Minute, jede Sekunde und egal was ich tue, ich kann mich nicht ablenken. Trotzdem sind das noch die "guten" Tage. An schlechten Tage sitze ich zu Hause und grüble und heule und schreie und fühle mich, als würde ich in Stücke gerissen und es gibt niemanden, der mir helfen kann. Es ist genau das, was Du, Anna, geschrieben hast, daß wir noch so jung sind und keine eigene Familie haben, die uns auffängt und uns noch nicht weit genug von unseren Eltern abgenabelt haben, um eine gewisse Distanz (sowohl räumlich, als auch geistig) zu haben. Ich weiß nicht, wie ich den nächsten Monat bis zur Operation überstehen soll und die nächsten Monate überhaupt. Ich weiß nicht , was ich meiner Prüfung machen soll. Meine Mutter sagt, ich soll sie trotzdem machen, aber ich glaube, ich schaff es nicht. Es ist meine Abschlußprüfung, und ich müßte mich voll und ganz darauf konzentrieren, aber dafür ist momentan kein Platz in meinem Kopf. Ich ziehe mich immer mehr zurück, weil ich auch diese gewisse Oberflächlichkeit der Menschen um mich herum nicht mehr ertragen kann. Wenn sie mir von ihren angeblichen Problemen erzählen, so auf die Art "nichts gegen Deine Sorgen, aber ich könnte mich echt aufregen, daß ich nächste Woche schon wieder Überstunden machen muß....." Da könnte ich manchmal echt ausflippen und denke dann immer, diese Leute haben vom Leben nichts begriffen.

Andrea, wie geht es Deinen Eltern heute? So wie ich es verstanden habe, war die letzte Kontrolluntersuchung Deiner Mutter in Ordnung? Wie geht es Deinem Vater? Das, was du schreibst in Bezug auf die Untersuchungen kenne ich auch zu gut. Als ich einer Freundin erzählt habe, daß meine Mutter jetzt wieder ein halbes Jahr Chemo bekommt, war ihre Antwort "das mußt du jetzt durchhalten, aber danach ist doch alles wieder ok" Sie weiß es wohl einfach nicht besser. Aber ich werde es jetzt auch so handhaben, daß nicht ich immer diejenige bin, die allen hinterhertelefoniert, so wie ich es eigentlich auch immer mache. Momentan ist mir einfach auch nicht danach und ich habe keine Lust mehr, ständig so zu tun, als könnte ich mein altes Leben behalten, wenn ich nur so tue als wäre alles in Ordnung. Vielleicht sollte ich auch mal anfangen, Sport zu machen. Einen Versuch wäre es zumindest wert.

Anna, das mit dem Schreiben ist eine tolle Idee. Das Gedicht, das du für Deine Freunde geschrieben hast, hat mir die Tränen in die Augen getrieben, weil es so voller Schmerz ist. Haben es Deine Freunde schon gelesen? Wie haben sie reagiert? Welche Art von Therapie macht Dein Vater denn? War er vor seiner Krankheit schon depressiv oder ist er es erst nach der Diagnose geworden? Spricht er denn überhaupt noch mit Euch über sich? Hat seine Therapeutin schon mal erwägt, ihm Antidepressiva zu verschreiben?

Liebe Margit, ich drücke Dir ganz fest die Daumen, daß es Dir weiterhin gut geht und kein Rezidiv mehr auftritt.

Ich freue mich, von euch zu hören.
Liebe Grüße von Laura.
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  #3  
Alt 05.11.2005, 12:22
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DaskleineÄnnchen DaskleineÄnnchen ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Hi Laura,
meine Gedichte sind alle so krass...manchmal krieg ich direkt angst, wenn ich sie lese....
Ich habs meinen drei besten Freunden geschickt.....und ja...wie immer...sie wissen nicht wie sie damit umgehen sollen...die denken eher ich spinn....weil sie es halt einfach nicht verstehen...
Mein Vater macht eine verhaltenstherapie...und er wurde erst durch die Krankheit depressiv...obwohl er vorher schon ein sehr negativer mensch war...Er bekommt schon Antidepressiva...arbeitet aber total dagegen....er will sie nicht nehmen....meistens nimmt er sie, aber eigentlich will er sie nicht...wie sollen sie denn dann helfen?
Ich weiß echt nicht mehr was ich machen soll.....
Anna
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  #4  
Alt 06.11.2005, 15:04
Laura5555 Laura5555 ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Hi Anna,
das hört sich nicht so gut an. Was sagt denn die Therapeutin, sie müßte ihn doch am ehesten motivieren können, die Tabletten zu nehmen. Mein Bruder nimmt ja auch Antidepressiva seit fast zwei Jahren. Am Anfang hat er sich auch total dagegen gewehrt und wollte nicht einsehen, daß er krank ist und die Medikamente benötigt, aber inzwischen geht es ihm etwas besser. Seit wann nimmt dein Vater die TAbletten? Sie wirken auch nicht sofort, sondern oft erst nach ein paar Wochen und vielleicht sind es auch die Falschen. Mein Bruder hat auch zweimal gewechselt, bis er die richtigen für sich bekommen hat.
Ich glaube auch, daß meine Freunde nichts verstehen würden, wenn ich ihnen so ein Gedicht schreiben würde. Es ist schon komisch. Vor der Erkrankung meiner Mutter dachte ich immer, wir verstehen uns so gut und haben die gleichen Gedanken und können uns gut in den anderen hineinversetzen, aber da ging es eben meist im Nachhinein doch "nur" um banalere Themen wie Probleme mit Beziehungen, Eltern, Geschwistern, Uni usw, aber nicht um so ein ernstes Thema. Ich glaube, die meisten wollen einfach nicht damit konfrontiert werden und tun dann so, als sei alles so wie immer, erzählen von ihrem Alltag... Aber ich habe immer das Gefühl, nicht mehr richtig zu ihnen zu gehören. Ich nehme unsere Gespräche ganz anders wahr und merke auch, daß ich mich gar nicht mehr so sehr für ihre "Probleme" interessiere.

Liebe Grüße,
Laura
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  #5  
Alt 06.11.2005, 15:19
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DaskleineÄnnchen DaskleineÄnnchen ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Hallo Laura,
er nimmt sie erst seit einer guten Woche...aber auch nicht regelmäßig...ich hab mich jetzt mal näher mit depressionen beschäftigt und dabei festgestellt, dass ich selbst eine leichte habe.
WEnn ich morgens aufwache, könnte ich kotzen, weil ich keine lust auf den Tag habe...und dass ist jeden Tag so!!!!
Ich werde jetzt mal so Johanniskrautdragees ausprobieren...die helfen gegen leichte Depressionen, vielleicht kann ich ihm auch so mit gutem Bsp vorangehen!!
Anna
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  #6  
Alt 06.11.2005, 15:31
Laura5555 Laura5555 ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Mit Johanniskrautkapseln habe ich auch gerade angefangen, seit drei Tagen. Mir ging es auch vorher schon nicht gut und seit ich das mit meiner Mutter weiß, erst recht nicht mehr. Bei mir ist es auch so, daß ich morgens am liebsten nicht aufstehen würde und den ganzen Tag auf absolut gar nichts Lust habe und mich zu jeder Aufgabe zwingen muß und es ewig dauert, bis ich sie erledigt habe. Wenn das nicht hilft mit dem Johanniskraut, werde ich auch zum Neurologen gehen und mir richtige Antidepressiva verschreiben lassen, denn auf Dauer kann ich so nicht weiterleben. Aber vielleicht hilft das Johanniskraut ja.
Aber bei Deinem Vater werden die Tabletten bestimmt bald anschlagen und wirken. Das ist normal, daß man nach einer Woche noch keinen Effekt hat. Ich hoffe, sie zeigen bald ihre erste Wirkung und du kannst ihn weiterhin ermutigen,sie zu nehmen.
LIebe Grüße, Laura.
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  #7  
Alt 06.11.2005, 15:40
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DaskleineÄnnchen DaskleineÄnnchen ist offline
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Standard AW: ich weiß nicht mehr weiter

Danke für deine aufmunternden Worte....
Ich werde diese Kapseln jetzt ab morgen ausprobieren...das dauert ja auch einen guten monat bis die wirken....ist es nicht wahnsinn, dass man soviel gleich hat, ohne sich zu kennen....ich meine dass man so gleich auf den krebs reagiert.....
Wenn die Kapseln nicht helfen, gehe ich aufjedenfall zum neurologen und auch zum Psychologen...
Wir können uns ja austauschen, wie das Johanniskraut wirkt.....
Schau doch mal in meinem Thread vorbei....für junge angehörige...da tummeln sich schon viele nette leute...
Anna
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