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  #1  
Alt 19.03.2007, 10:50
Wolke Wolke ist offline
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@ AndreaM

ich hoffe sie wird da sein, in der Form in der es ihr möglich ist und du wirst es spüren.
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  #2  
Alt 20.03.2007, 10:50
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AndreaS AndreaS ist offline
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Zitat:
ich hoffe sie wird da sein, in der Form in der es ihr möglich ist und du wirst es spüren.
Hab ich es euch eigentlich schon erzählt? Oftmals wird man ja für verrückt gehalten, gut, ganz sicher kann man ja auch nicht sein, aber irgendwie manchmal dann doch zuviel Zufall...

Saskia ging es eine Zeit sehr schlecht auf Mallorca und ich war schon ganz verzweifelt. Alles, was ich ihr zum Trost zu sagen versuchte, wischte sie mit einem Gegenargument weg, eigentlich einfach nur mit den Worten: ABER ICH KANN ES NICHT SICHER WISSEN... Klar, was soll ich darauf antworten.

Dennoch war es doch so, dass die Sterne dann am hellsten strahlten, als wir sie am meisten vermissten: Abschiedsfeier, Abiball. Klar, ich weiß, alles physikalisch zu erklären und trotzdem...

Jedenfalls kam nach diesen tränenreichen Telefonaten eines Tages ein Anruf und sie sagte: Ich muss dir was erzählen.

Wir waren ja als komplette Familie oft mit 1,2 Fly unterwegs und die Shows haben wir immer gerne mitgenommen. Besonders "Tanz der Vampire" Nun war Saski entsetzlich traurig eben bei dieser Vorstellung auf der Bühne, hätte sie so gerne gehabt, dass Claus sie sieht. Die Scheinwerfer, der Süden, die Hitze: Es war unerträglich heiß auf der Bühne und auf einmal spürte sie am ganzen Körper eine eisige Kälte. Sie bekam richtig Gänsehaut, und eigentlich war es UNMÖGLICH.

Aber, WIE hätte er sich sonst bemerkbar machen können? Die Wärme, die sich hin und wieder bei uns im Haus unvermittelt breit macht, sie hätte sie ja gar nicht registriert....

Danach hatte sie wieder mehr Frieden im Herzen, hat dann die Zeit auch besser rumgebracht. Man kann eben nicht alles erklären.

Bei uns in Deutschland war es ebenso seltsam, denn irgendwie fühlte ich seine Nähe nicht so wie sonst. Die ganzen 4 Monate irgendwie auf Abstand. Aber seit Saskis Rückkehr ist er wieder da. Mit ihr ist er zurückgekommen. Es ist als hätte er sich in der Zwischenzeit aufteilen müssen. Nun, diesmal bin ich vorbereitet, aber darauf hoffend, dass er da sein wird, wenn ich ihn wirklich dringend nötig habe...

Ja, ich bekenne: Ich hab was an der Klatsche. Aber es hilft und in sofern kann man nun über mich denken, was man mag.

Kommt alle gut durch diesen Tag, lasst euch nicht ärgern und schaltet hin und wieder vielleicht den Verstand ab, damit ihr fühlen könnt..

LG
Andrea
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  #3  
Alt 20.03.2007, 14:00
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tinchen71 tinchen71 ist offline
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Hallo Ihr Lieben,

Danke, das ich einfach so neben Euch am Stammtisch Platz nehmen durfte...

Danke auch Dir, liebe Bruni fürs an mich denken, PNs und den Knuddler

Ich kann Euch alle so sehr gut verstehen und fühle mich auch verstanden.
Ich bin nicht allein mit meinen komisch anmutenden Gedanken, der Maske fürs Büro, den plötzlichen Tränenausbrüchen, dem Bedürfnis nach Ruhe.
Momentan bin ich abends so erschöpft, das ich zu Hause zwar den PC noch anmache, noch ein paar Beiträge lese, aber zum mitschreiben reicht dann meine Konzentrationsfähigkeit nicht mehr. Ich fühle mich wie ausgewrungen und in die Ecke gelegt, möchte nur noch schlafen.
Geht aber meist nicht so früh, da ja immer noch nicht aller Papierkram erledigt ist. Nun sind Danksagungen dran....Ich versuche alles im Griff zu haben, es klappt bis jetzt auch ganz gut...zumindest das " äusserliche"

Alles Liebe für Euch alle, bis bald
Christina.
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  #4  
Alt 20.03.2007, 20:10
martinaIna martinaIna ist offline
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Hallo AndreaS

dann bist Du nicht alleine, ich hab dann auch einen an der Klatsche.

Eigentlich gibts ja für so Dinge ein eigenes Thema, deshalb nur ganz kurz:
Bei mir war es eine ernsthafte Internetside, die plötzlich voller kleiner Esel war (wir lieben Esel). Einen Tag später, als ich die Side anklickte, war alles normal.

Oder ein Text von meinem Mann, über den ich mir "einen Kopp machte", war plötzlich teilweise gelöscht, nämlich genau die Passage, die mich so getroffen hatte. Ich verstand das als Zeichen, dass ich mir darüber keine Gedanken mehr machen soll. Ich hab den Text noch auf einem anderen PC aber nachdem es weg war, mach ich mir keinen Kopp mehr drum.

Grüße
Martina
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  #5  
Alt 20.03.2007, 21:15
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AndreaS AndreaS ist offline
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Zitat:
Eigentlich gibts ja für so Dinge ein eigenes Thema, deshalb nur ganz kurz:
nööö, das geht hier auch. War ja eine Reaktion auf Gedanken und Gefühle, warum also von einem Thread zum nächsten hüpfen

Liebe Christina,

habe mich erinnert. Die Zeit der Danksagungskarten. Es hat endlos gedauert, bis ich alle durch hatte. Musste es mir einteilen, denn die Trauer hat mich jedesmal gepackt, konnte oft gar nichts mehr sehen. Es war gut, dass ich mir Zeit genommen habe dafür, denn auch diesen Abschnitt, irgendwie ein "fertig werden" will durch/überlebt werden. Auch hierbei passiert bereits ein Sortieren. Viele persönliche Worte an Menschen, die mir mit Ihren Zeilen gezeigt haben, wie wichtig ihnen mein Mann war/ist, welche Spuren er bei ihnen hinterlassen wird.

Kommt gut durch die Nacht!

LG
Andrea
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  #6  
Alt 21.03.2007, 13:32
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tinchen71 tinchen71 ist offline
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Ihr Lieben Alle !

@liebe AndreaS

ich muss es mir auch einteilen, sonst schaffe ich es nicht. Daher dauert die Gestaltung etwas länger, die Umsetzung am PC als Druckvorlage macht ein sehr lieber Freund von uns. Ausserdem entscheide ich nicht alleine, sondern wie auch beim Bestatter, Kaplan, Todesanzeige etc. sondern mache alles gemeinsam mit Günthers Söhnen/Schwitöchtern und seinem Bruder/Schwägerin. Das würde Günther sehr gefallen, alle zusammen, so hatte er es am liebsten. Ich denke oft, das mein Schatz aus diesem Grunde nichts vorbereitet hat, er wollte einfach, das wir auch ohne ihn zusammenhalten, obwohl ich nicht die Mutter seiner Söhne bin. Geht auch biologisch nicht, sie sind in meinem Alter. Wenn dieser Zusammenhalt auch in Zukunft so bleiben würde, wäre das sehr schön. Abwarten...

Alles Liebe für Euch
Christina
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  #7  
Alt 21.03.2007, 22:07
Blue Blue ist offline
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Eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, mein Rückruf und komisch, mein Gemurmel hat aufgehört.

Es war in unserem letzten Januar. Wir saßen in der Balkontür eine Zigarette rauchen – ja, wir passten zusammen rein. Es klemmte ein bißchen – aha – einer von uns Beiden hat ein wenig zugenommen. Und nachdem der Speck am Hintern sitzen muß – sonst hätte es nicht geklemmt – muß ich es wohl gewesen sein.

Trubelige Tage lagen hinter uns. Jürgen war wieder von der Klinik da, wir nahmen Anlauf für die Biomed. Sahen wir doch in der Biomed die Hoffnung für eine ansprechende Therapie bei Hirntumoren, waren doch die Bilder so hoffnungsvoll. Wie kamen wir darauf? Keine Ahnung. Jürgen sprach von seiner Sorge, daß er den Verstand verliert – es war nichts passiert. Keine Ahnung wie er darauf kam. Ich solle ihn in ein Hospiz geben, wenn es so weit wäre. Ich war empört, nein, ich gebe ihn nicht weg. Jürgen bleibt bei mir, hier. Er sagte nur zu mir, ich wüsste nicht wovon ich rede. Nein, ich wußte wirklich nicht wovon ich rede und doch habe ich es so gemacht.

Heute vor 2 Jahren ist meine Welt in Scherben geflogen, heute vor 2 Jahre konnte ich die Augen nicht mehr verschließen.

Ich war bei der Arbeit – wo sonst. Aus irgendeinem Grund rief ich Zuhause an. Jürgen ging nicht ans Telefon. Auch später ging er nicht ran. Tag der Wahrheit. Ich hatte bei der Arbeit Ärger, eigentlich schon eine ganze Weile. Offensichtlich habe ich schon eine ganze Weile das ausgestrahlt, was jetzt auf einmal nicht mehr zu verleugnen war. Ich meldete mich kurz bei meiner Chefin ab: Ich muß nach Haus, werde es später erklären – aber jetzt muß ich sofort nach Hause. Ich ging, suchte Jürgen. Mist, das Auto ist weg, wo steckt er nur. Rumtelefoniert, endlich auch beim Arzt angerufen. Er war bei Arzt, ich fuhr hinterher. Dort war er schon wieder weg. Ich wieder zurück nach Hause. Da war er. Er verstand meine Aufregung nicht. An diesem Tag ist er zuletzt mit seinem roten Flitzer gefahren.

Ich fuhr wieder zur Arbeit. Saß zitternd auf dem Stuhl bei meiner Chefin. Ich muß sofort aufhören zu Arbeiten, kann es nicht mehr verantworten Jürgen alleine Zuhause zu lassen. Ein paar Tage später erhielt ich meine Kündigung. Das Morgen hat mich nicht interessiert. Wichtig war nur das jetzt.

Ostern war früher in dem Jahr – es kam das lange Osterwochenende. Zeit für Jürgen, Zeit zu sehen…. Ich habe dann vielleicht noch 5 Tage gearbeitet. In der Zeit war meine Mutter bei Jürgen.

Als ich an meinem letzten Arbeitstag heimkam und zu ihm sagte: Ich bleibe jetzt hier, gehe nicht mehr arbeiten, laß dich nicht mehr allein. Sagte er nur „das ist gut“ – mehr nicht.

Es war eine kostbare Zeit. Nie zuvor war unser Leben so – ich weiß nicht. Nie zuvor habe ich nur für ihn gelebt, nie zuvor gab es nur ausschließlich ihn.

Und noch immer sitze ich in der Balkontür. Laß mir den Rücken von der warmen Heizungsluft wärmen und den kalten Wind um die Nase pfeifen. Mitunter landet die Zigarette halbgeraucht im Aschenbecher. So war das im anderen Leben nicht.

Bruni
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