AW: Aus Rücksicht "lügen"?
J.F. und Regan: Ich danke euch ganz lieb - auch das virtuelle Drücken hilft ein wenig... ;-)
Heute war ich bei meinem Papa und habe ihn in einem - im Vergleich zu anderen Tagen - sehr schlechten Zustand angetroffen. :-( Er fiebert, leidet an einer Infektion, deren Ursache die Ärzte bis jetzt noch nicht finden konnten. Man probiert bereits das dritte Antibiotikum in Folge aus. Die Behandlung mit Vidaza, die im Raum stand, wäre zur Zeit wegen seines geschwächten, fiebrigen Zustandes gar nicht möglich. Ich musste ihn füttern und ihm das Wasserglas an die Lippen führen. Seine Hände und sein Mund zitterten, er hätte das Glas nicht mal zum Mund führen können. Er war in gedrückter Stimmung und wirkte sehr abwesend. Leider konnte er kaum was essen, hatte keinen Appetit.
Was mir am meisten zu schaffen gemacht hat war, dass er sich sehr in sich selbst zurückgezogen hat. Antworten kamen schleppend, er war irgendwie ganz weit weg. Das wirkte so abweisend... Eine Zeitlang hat er vor Erschöpfung geschlafen. In dieser Zeit bin ich draußen am Gang gesessen und habe geweint. Später hat er aber noch meine Hand eine halbe Stunde lang fest gehalten und gedrückt, obwohl er die Augen zu hatte und zu schlafen schien. Mein Besuch war also doch erwünscht und wichtig! Ich bin dort neben seinem Bett gesessen und habe seine Hand gehalten, obwohl ich fast vom Sessel gekippt wäre. Ich habe heute mehr gemacht, als ich "eigentlich kann", und es ging mir nicht gut dabei. Bin selbst behindert und gerade in einer schwierigen Lebensphase, aber offensichtlich erschließen sich in Krisenzeiten Kraftreserven, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie hat.
Morgen werde ich wieder hinfahren.
Ich wünsche euch allen eine gute Nacht!
Linde
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