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  #1  
Alt 26.02.2010, 21:31
R.Koehler R.Koehler ist offline
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Standard AW: Gedanken

Liebe Pia, Sousha, Anja

eure Gedanken die ihr hier beschreibt sind genau meine Gedanken. Man kommt nicht zur Ruhe, die Gedanken kreisen und kreisen. Ich saß sogar schon an meiner Todesanzeige, an der Trauermusik usw.. Es klingt verrückt aber es ist so!
Dann kämpft man wieder und hofft. Spielt nach außen die Starke bis zu dem Zeitpunkt, wo die Nerven versagen!
Uns allen wünsche ich weiterhin viel Mut und Kraft die sch... Krankheit zu bekämpfen und wie schon Pia schreibt geteiltes Leid ist halbes Leid!
Alles Liebe und Gute an alle
von Rosi
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  #2  
Alt 27.02.2010, 08:08
Benutzerbild von zuviel
zuviel zuviel ist offline
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Standard AW: Gedanken

Liebe Rosi, du hast Recht, die Gedanken an die Rede, die Anzeige und die Musik ist mir auch schon mehr als einmal durch den Kopf gegangen. Noch haben wir Einfluss und das lässt uns wohl manchmal davon träumen alles noch rauszulassen was uns so auf dem Herzen liegt. Die Vorstellung wenigstens hier noch mitreden zu können ist schon verlockend. Dann wird alles wieder so unrealistisch und man denkt, vielleicht habe ich ja doch noch Zeit. Liebe Rosi, Kraftauch dir wünsche ich sei weiter Stark und habe Mut. Ich denke an dich und die anderen und mir ist viel leichter seid ich hier geschrieben habe. Danke.
Liebe Grüsse Pia
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  #3  
Alt 27.02.2010, 10:26
susaloh susaloh ist offline
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Standard AW: Gedanken

Liebe Regina,
ich weiß nicht wo du bist, aber wir beide sind uns scheinbar geistig gerade sehr nahe, zeitgleich habe ich einen Beitrag geschrieben in meinem "Tumormarker-Thread", der sich um die gleichen Gedanken rankt wie dieser hier von dir. Wenn ich diesen deinen Beitrag lese, ist es mir beinah unheimlich, wie sehr du meine eigenen Gedanken beschreibst, wie du Worte und Bilder findest, die mir fehlen.

Ich weiß, dass es keine Lösung für das Problem als solches gibt.

Du schreibst:
"sich über eine lange Zeit, mehr oder weniger, mit dem nahendem Tod zu beschäftigen, zu erleben wie das Leben immer weniger wird, hat etwas sehr Surreales. Immer mehr empfinde ich mich als Tröster, Beistand, bemühe ich mich den anderen es "leicht" zu machen anzunehmen, was kommen wird, möchte ich ihnen ihren schon jetzt erlebten Schmerz nehmen. Ich erlebe seit langer Zeit meinen Tod, meine Beerdigung, die Traurigkeit der mir nahe Stehenden, und das ist eine schwere Last, so empfinde ich es."

Die einzige Möglichkeit für mich damit umzugehen, jetzt wo es mir ja noch gut geht, ist, selbst aktiv zu werden: Vielleicht zu helfen, anderen diese spezielle Last ein wenig zu erleichtern, ihr Alleinsein zu lindern, und damit vielleicht auch meine eigene Last tragbarer zu machen. Unsere Situation ist deswegen surreal gegenüber den Realitäten der anderen, WEIL wir allein sind. Vielleicht gelingt es ja mit anderen zusammen, diese Realität aus der Surrealität zu holen. Bei der Anzahl von Betroffenen, ist es doch eigentlich eine ganz eigene Realität mit Extistenzberechtigung. Oder ist das Quatsch?

Liebe Grüße
Susaloh
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  #4  
Alt 27.02.2010, 19:55
Sousha Sousha ist offline
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Standard AW: Gedanken

Hallo Ihr tollen Frauen,

ich meine das ernst, weil ich diese Offenheit in diesem Thread als sehr wohltutend empfinde.

Ich gehe mit der Erkrankung sehr offen um und auch ich finde es bisweilen schwierig zu entscheiden, was ich meiner Familie/Freunden zumuten kann.
Ich sage ihnen immer wieder, dass sie mir mitteilen müssen, wenn es für sie zuviel wird. Als ich von meinen Behandlungswochen in Oberstaufen abgeholt wurde, war ich jedesmal so voller Eindrücke und z.T. schmerzvoller Erfahrungen, dass ich das bereits auf der Rückfahrt beschreiben musste. Meine Mutter hat mir an einem dieser Tage mal gesagt, dass sie jetzt einen Themawechsel benötigt, weil sie von meinen Erzählungen sehr betroffen war. Sie hat mir dann erklärt, dass sie ein schlechtes Gewissen hat so etwas zu sagen. Ich habe sie beruhigt und auch dazu ermuntert immer wieder eine Grenze zu ziehen, wenn es für sie zu schmerzhaft wird. Ich wünsche mir das von den mir nahestehenden Menschen, weil es ja schließlich nicht nur um mich und meine Erkrankung geht.

Als mich einige Freunde nach der OP des Rezidivs aus dem Krankenhaus abgeholt und nach Hause gebracht haben, haben sie Wein besorgt und kleine Köstlichkeiten und wir haben zusammen gegessen, geweint, gelacht und es war eine sehr warme und liebevolle Athmosphäre. Ich war nach dieser Nachricht, dass "er" schon wieder versucht sich in mir breit zu machen sehr geschockt und in Endzeitstimmung. Ich habe sie gebeten, sich zu überlegen, ob sie mich auch auf dem letzten Weg begleiten würden, wenn es denn so kommen sollte. Ich bat sie, sich das gut zu überlegen, weil dies eine sehr spezielle Sache ist. Ich habe die Erfahrung einer Sterbebegleitung bei einem sehr geliebten Menschen gemacht und es war sehr schmerzvoll und traurig und zugleich auch sehr kostbar für mich. Wir konnten sie in Liebe bis zum letzten Augenblick begleiten und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und froh, dass ich den Mut hatte diese Situation zu durchleben.

In Gedanken habe ich bereits "geplant" wer mein Auto bekommen soll, wer für meine Katzen sorgt, welches Schmuckstück für wen bestimmt ist, welches Lied an meiner Beerdigung gespielt werden soll (My way), wer es singen soll und dass meine Asche ins Meer verstreut werden soll. Ich stelle mir vor, wer wohl alles kommt und dass die Menschen nicht in Schwarz erscheinen sollen. Ich versuche alle noch offenen Konflikte zu bereinigen, damit diesbezüglich nichts ungeklärt bleibt. Oder einfach den Menschen immer wieder sagen, wieviel mir ihre Freundschaft bedeutet und sie teilhaben zu lassen an meinen Gefühlen, Gedanken, Ängsten, Hoffnungen....

Das kennt ihr sicher auch: Jeder kommt mit einem Buch, einem Tee oder einer Internetadresse um die Ecke und manchmal ist es mir einfach schon zu anstrengend zu entscheiden was ich heute essen will.Es ist gut gemeint, aber manchmal überfordert mich das alles.

Für viele gesunde Menschen bedeuten diese Gedanken an meinen Tod so etwas wie Aufgabe. Aber das ist es nicht für mich. Ich empfinde es eher als Akzeptanz meiner Lebensumstände. Ich bin momentan medizinisch und mental weit entfernt vom Sterben und mache mich wieder auf ins "normale" Leben mit arbeiten und so. Dennoch weiß ich nicht was kommt und ich habe durch diese Erkrankung die Endlichkeit menschlichen Daseins begriffen.

Der Austausch mit betroffenen ist etwas besonderes. Es ist als würden wir uns einer eigenen Sprache bedienen. Es ist einfacher all die Erfahrungen und Gefühle, die mit der Erkrankung zusammenhängen zu beschreiben, angefangen damit welch ein Schock die Diagnose auslöst, über die individuellen Strategien damit umzugehen bis hin zu Themen wie Schlafstörungen, Ödeme, Portprobleme, Behandlungsansätze, usw. Gott sei Dank habe ich Freunde, die sich auf diese Dinge einlassen können und mich wirklich stützen, wenn ich es brauche. Dennoch ist es anders als mit betroffenen zu sprechen.

Heute war ich am See (ich wohne in der Nähe des Bodensees) und es war frühlingshaft, sonnig und roch nach Frühling. Erste Krokusse habe ich gesehen und meine Mutter hat Kässpätzle für mich gekocht. Nach der langen Behandlungszeit, der Müdigkeit, den Schmerzen, der Apettitlosigkeit, der langen Dunkelheit und dem vielen Schnee fühle ich das Leben auch in mir erwachen. Hoffnung, Lebendigkeit und Liebe zum Leben durchfluten mich, lassen mich meine Vorstellung von Glück empfinden und Pläne schmieden, wie das zu realisieren ist. Es ist nicht vermessen seine Träume zu erfüllen! Der einzige Unterschied zu Menschen die gesund sind ist der, dass ich nicht mehr lange damit warten werde.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen

ein Frühlingserwachen ohnegleichen!

Sousha
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  #5  
Alt 28.02.2010, 11:01
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ängel ängel ist offline
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Standard AW: Gedanken

Ich danke euch allen für die lieben Worte, dass iihr so offen eure Gedanken darlegt für uns alle, dass ihr mir aus der Seele sprecht und dass es mir auch möglich sein darf, hier meine Gedanken und Ängste offenlegen zu dürfen.

Ich habe auch das Gefühl dass ich diese Gedanken und Worte zu keinem meiner Freunde und Verwandten sprechen kann, aber manchmal muss ich es einfach loswerden und wichtiger ist noch, dass auch andere so denken und fuhlen wie ich.

Danke!
Ängel
__________________
Ängel
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  #6  
Alt 28.02.2010, 13:12
R.Koehler R.Koehler ist offline
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Standard AW: Gedanken

Hallo ihr Lieben,

ich bin froh, das ich mit meinen Ängsten und Gefühlen nicht allein bin. Es sind z.Zt. viele Frauen im Forum die das metastisierende Stadium erreicht haben und nicht wissen, wie sie mit ihren Ängsten und Gefühlen umgehen sollen. Die Familie macht sich schon genug Sorgen und versucht einen immer abzulenken! Da finde ich es schön, dass man wenigstens hier auch einmal weinen und nach Hilfe schreien darf. Man wird verstanden, bekommt Mut zugesprochen und wird auch einmal geknuddelt! Das ist für mich und sicher auch für euch sehr wichtig!
Wir hier im Thread sind alles tapfer, ja ich möchte sogar sagen harte, mutige, aber auch gefühlvolle und angstvolle Frauen.
Meine Eltern z.B. denken ich werde trotz Metastasen wieder gesund. Was soll ich Ihnen sagen! Sie klagen mir noch ihr Leid und ich versuche ihnen noch zu helfen! Mein Mann und mein Sohn leiden und zittern vor jeder Untersuchung mit mir!
Ich wünsche euch noch allen einen nicht so stürmigen Sonntag (laut Wettervorhersage). Bei uns ist es z.Zt. frühlingshaft mit 11 Grad im Schatten. Es ist herrlich draußen!
Liebe Grüße an alle und ein
von Rosi
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  #7  
Alt 28.02.2010, 22:21
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zuviel zuviel ist offline
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Standard AW: Gedanken

Hallo Rosi, ja das mit den Eltern ist so eine Sache, vielleicht wollen sie einfach nur glauben das du wieder Gesund wirst, oder sie haben nicht die selben Informationen wie wir, die das Internet als Quelle nutzen. Weisst du die Strauss-Strategie passt allen denen, die nicht sehen wollen und es nicht wahrhaben wollen. Oder sagen wir mal viele, ja und dann gibt es da noch die Ignoranten, die meinen sich in alles reinsteigern zu müssen, damit sie ja kränker sind als du, die kenn ich auch, manchmal sage ich mir da kann man doch nicht neidisch drauf sein, aber sicher bin ich mir da nicht. Ich kenne da jemanden zum Beispiel die sich regelmässig bei mir ausheult, aber ich habe beschlossen ihr meine Meinung dazu zu sagen, ich kann da kein Mitleid mehr haben mit selbstgemachten Depressionen und sich hineinsteigern in SEIN Unglück. Dann sag ich mir wieder, für diese Menschen ist es auch nicht leicht und jeder empfindet alles anders. Manche sind bei einem Schnupfen schon der Meinung jetzt geht nichts mehr. Na diesen Leuten wünsche ich das sie nie etwas schlimmeres bekommen, wie sollen die das aushalten. Ja das mit den Eltern ist auch so eine Sache, meine Oma war den Tag bevor meine Mutter 1982 starb( auch an BK mit Hirnmetastasen) noch am Bett meiner Mutter und meinte sie soll sich doch mal ein bischen zusammenreissen und aus dem Bett kommen. Sie könnte doch wohl nicht den ganzen Tag dort liegen bleiben, schliesslich warten unten ja der Mann und die vier Kinder und ihr selber ginge es ja auch nicht so gut, sie müsste am nächstem Tag zum Arzt und da müsse meine Mutter sie schliesslich hinbringen. Tja ich glaube wir müssen mit solchen Menschen leben, aber ich habe beschlossen so etwas nicht mehr auszuhalten und zu unterstützen. Wehr dich und lass sie an deinem Unglück und auch Glück teilnehmen, ich bin sicher das echte Freunde und Familie damit umgehen müssen. Ich habe manchmal ein schlechtes Gewissen wenn ich mal heulen muss oder sage ich will noch nicht gehen, hab doch noch so viel vor, aber dann sag ich mir wieder es wird wenn wir nicht mehr da sind auch nicht leichter und vielleicht ist es besser man sagt sich alles noch bevor es zu spät ist. Meine Freunde und Familie werde ich nicht mehr schonen, das ist das Leben die Realität, aber ich versuche sie behutsam dorthin zu bekommen das wir es gemeinsam akzeptieren können. Nicht leicht das ganze aber ich habe eine sch....... Woche hinter mir und fühl mich leichter je mehr ich die anderen teilnehmen lasse. Ich möchte das alle meine Gedanken noch geteilt werden mit den Menschen die ich liebe und wenn ich diesen Weg gehe denke ich das ihnen das auch leichter fällt wenn sie wissen was die letze Zeit in mir vorgeht. Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich bin nur so wütend das ich meine lieben nicht weiterbegleiten kann, dann sag ich mir wieder ich habe den leichtesten Part( ganz abgesehen von den physischen Schmerzen) mir geht es gut nachher. Immer die die bleiben leiden immer noch weiter. Ich spreche seit zwei Tagen mit meinen Mann darüber und auch mit Freunden und es geht mir gut. Ich glaube meinem Mann geht es auch ein bischen besser, seid wir noch mehr reden, ich bitte ihn auch mir seine Aengste zu sagen, das fällt ihm schwer aber ich habe ihm gesagt das es mir genau so wichtig das es ihm gut geht, wie ihm, das es mir gut geht. Alles nicht so leicht, es tut so weh man möchte schreien wütend auf etwas draufhauen, jeden Augenblick geniessen lachen weinen und alles auf einmal. Ich möchte jeden Moment mit meinen lieben auskosten, ob es mir gut oder schlecht geht, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Au ich glaub das war wieder zu viel, ich drücke dich ganz fest und wünsche dir alles alles Gute, viel Mut, viel Frohsinn und Glückliche Momente, alles halt was zum Leben gehört.
LG Pia
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