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  #286  
Alt 01.07.2005, 00:59
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Standard Nicht nichts ohne dich, aber nicht dasselbe.......

Mädels, bitte nennt mich weiter bei meinem Taufnamen! Das Isa ist ja nur für offizielle Zwecke :-).
Gaby, leider, leider bin ich von der Epidemie wirklich doppelt betroffen, du hasts erraten: Ingrid Gabriele!

Briele, hast du richtig gelesen, ich habe keine Zeitverschwendungsmaschine. Hat aber keine ideologischen Gründe. Uralte Glotze hat letztes Jahr im Februar ihren Geist aufgegeben. Und ihr wißt ja, wie sehr ich einkaufen hasse...

Alina, hab meine 'männergeschichte schon halbwegs aufgeschrieben und versuche verzweifelt, sie zu kürzen. Sie ist bisher ziemlich lang(atmig).
Darf ich jetzt bitte auch mal? Hab extra eine Schachtel Stecknadeln gekauft :-).
Was die Männer betrifft: ich gebe die Hoffnung nicht auf, vielleicht treff ich ja mal einen, der grad so eine wie mich sucht (fat chance :-)). Ist aber nicht lebenswichtig, auch wenns schön wär.
'Die Teufelin' (ich nehme an, wir meinen beide Fay Weldon) hab ich mit viel Vergnügen gelesen! Hast du das gehört? Da hab ich meine Nadel mal wirklich gut plaziert....

Viv, ich hoffe der Haussegen hängt wieder halbwegs grade. Und daß du dich besser fühlst.

Guts Nächtle, ihr Lieben
  #287  
Alt 01.07.2005, 00:59
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Standard Nicht nichts ohne dich, aber nicht dasselbe.......

Meine Lieben,

Gaby, was ist eine Strömungsanalyse? Zwischen Deinem Chef und Dir kann man wohl von beidseitiger Großzügigkeit sprechen, oder? Wie wars im Garten? Am besten find ich Alinas Mama mit der schimmernden Nadel.

Alina, ich weiß auch nicht warum man in einer Beziehung manchmal so lang weitersurmt, obwohl es nicht mehr passt. Ein bißchen Gewohnheit, ein bißchen Bequemlichkeit, noch schrecklichere Bespiele in der Umgebung, Angst vor Abschied, der trotz allem immer schmerzhaft ist, vor Veränderung.
Ganz viele Jahre hab ich zu Sylvester die Vorsätze gehabt, so, aber im nächsten Jahr hör ich zum rauchen auf, mach ich den Führerschein, nehm ich 10kg ab, mach ich mit H. Schluß. Die 10kg nahm ich fast jedes Jahr ab und wieder zu, nach dem hundertsten Versuch hab ich dann vor 20 Jahren wirklich das Rauchen gelassen, den Führerschein gemacht (aber nie gefahren) und irgendwann kam das Jahr in dem die Beziehung ihr Ende fand.

Nein, solche Gespräche mit meinem Mann bringen mich nicht aus dem Gleichgewicht.
Ich geh dann eine flotte Runde, und/oder hab ein Telefongespräch, oder setz mich an den Laptop. Wenn ich ein paar Stunden später eine Bemerkung über unseren Disput loslasse, dann schaut er mich mit so einem leeren Ausdruck an,(hat aber schöne blaue Augen) ich merke wie es in ihm arbeitet, er versucht Verbindungen herzustellen, es rührt mich dann fast an und ich sag, vergiß es. Dann merk ich, er ist nicht nur Schaf, er ist unglaublich gerissen, denn er nimmt es wörtlich, das "vergiß es".
Einer der Vorteile des zunehmenden Alters ist wirklich die zunehmende Gelassenheit.

Also Isa, ich warte jetzt auf eine Geschichte von Dir!

Vivilein, bist du zurück von der rue du gag, hast Du dort Alina und Heike getroffen?

Ich wünsch Euch eine Gute Nacht.
Eure Briele
  #288  
Alt 01.07.2005, 01:02
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Briele, vielleicht werd ich doch noch eine Eso-Tante auf meine alten Tage :-)
  #289  
Alt 01.07.2005, 01:05
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Ja, liebe Ingrid, das ist jetzt das xte Mal.
Für alle anderen: daß Ingrid und ich in der gleichen Minute posten.
  #290  
Alt 01.07.2005, 04:27
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Hallo Ihr lieben, treuen Seelen,

bevor ich ins lange Wochenende ( PC-frei) verschwinde, möchte ich doch nun endlich mal ein paar der gestellten Fragen beantworten.
Die Beantwortung ist für mich nicht so leicht, ich musste mir zunächst mal einige Gedanken dazu machen, dann kam ich gedanklich von einem zum anderen Punkt und zu noch weiteren .. so eine „never ending story“ , es gibt viele Beiträge hier, die meine Gedanken in fast alle Himmelsrichtungen lenken, zum Thema -Verhältnis zu meiner Mutter – (Himmelsrichtung Nord) könnte ich stundenlang schreiben, aber das hilft mir derzeit wohl nicht weiter, also habe ich den Punkt mal vorerst ad acta gelegt.
Gedanken zu meiner Schwester ( östl. Richtung) werde ich mit ihr persönlich an diesem Wochenende mal bereden – unser Verhältnis ist zwar nicht das engste, aber ein recht gutes.
Und für dieses Wochenende der richtige Ort, um aus der vertrauten Umgebung zu flüchten.

In südlicher Richtung habe ich einen sehr netten Bruder (schließlich habe ich ihn mit aufgezogen – er kam kurz nach meinem 14. Geburtstag zur Welt) – dort hatte ich ja vor kurzem erst, wie berichtet, ein sehr schönes Wochenende verbracht.
Ingrid, um Deine Frage zu beantworten – meine Nichte wird im August 3 Jahre – vielleicht wieder ein Grund auf ein Maß nach München zu kommen.
Noch weiter südlich in Kroatien habe ich dann noch meinen Exmann, den ich nach mehr als 20 Jahren der Irrungen und Verwirrungen einer Beziehung vor gut 5 Jahren erfolgreich verlassen habe. Seit wir nicht mehr den täglichen Alltagsreibereien miteinander ausgesetzt sind, verstehen wir uns auf freundschaftlicher Basis sehr gut. Er ist zudem mein einziger Freund, also auch mein bester……und niemand kennt mich besser als er.
Er rief mich letzte Woche an und erzählte mir, dass er im Krankenhaus war, Verdacht auf Darmkrebs, der Befund soll in der nächsten Woche vorliegen … das hat mich ziemlich runter gehauen, ich kann mir im Moment auch noch nicht vorstellen, was ich unternehmen werde, falls der Verdacht sich bestätigen sollte.

Tja und dann im Westen da hock ich, um mich persönlich mach ich mir derzeit die wenigsten Gedanken. .ignorieren, verdrängen, verbuddeln, funktionieren, den Tag mit Arbeit füllen, abends möglichst spät heimkommen, mehr oder weniger schlecht schlafen.. irgendwie schleicht so ein Tag nach dem anderen dahin.
Eine neue Wohnung musste ich mir nicht suchen, ob ich froh bin oder eher nicht, darüber bin ich mir noch nicht so klar. Wir sind ja erst im März umgezogen in eine kleinere Wohnung, eine Wohnung, die mein Bär mit ausgesucht hat und die ihm auch gut gefallen hat, zudem er davon überzeugt war, dass ich mich hier auch alleine wohl fühlen kann. Aber zum Wohlfühlen fehlt er mir halt. Also lebe ich hier so vor mich hin, habe einige Möbel verrückt, damit sich optisch etwas ändert, die Couch, auf der er immer so gerne gelegen hat, ist für mich Tabuzone, ebenso sein Bett, sein Schrank .. selbst der Esstisch, an dem wir immer gemeinsam gesessen haben, ich kann mich da nicht alleine hinsetzen zum frühstücken oder zum Abendessen – überhaupt beschränkt sich mein Essen in den letzten Wochen eher auf Stehimbiss zwischen Küche und Schreibtisch oder außerhalb auf dem Heimweg, während der Arbeit…im Kühlschrank laufen Mäuse rum und schwenken die weiße Flagge. Und was soll ich jetzt eigentlich mit diesem 230 Liter ( 8 Schubladen) umfassenden Gefrierschrank, seit mein kleiner Vielfraß nicht mehr bei mir ist. … und mit all dem Zeug, was darin noch eingefroren ist?

Briele, mein Bär sitzt nicht bei mir - er meldet sich einfach nicht, er hängt derzeit nur an der Wand (schöne Bilder aus der Zeit, als meine Welt mal wieder in Ordnung war)

Und so schön unsere runde Beziehung war, heute muss ich leider erkennen, dass sich ein paar entscheidende Nachteile daraus ergeben haben für mich. Ich bin ja, wie ich bereits schrieb, vor gut 5 Jahren aus Kroatien nach Deutschland zurückgekommen. Da ich einige Zeit weg war, waren auch meine alten Freundschaften alle im Eimer, also zog ich zwecks kompletten Neuanfangs erstmal nach Bremen / Bremerhaven. Das erwies sich in punkto Jobsuche als der totale Flop. Ich hatte meine Fühler bereits wieder in Richtung Rhein-Main ausgestreckt und schon ein paar Bewerbungen laufen, als ich Klaus kennen lernte. Meinem sehr schnellen Umzug zu ihm folgte auch recht bald eine Anstellung. Also tagsüber arbeiten, abends traute Zweisamkeit mit Bär daheim, Kontakt zur Außenwelt nahezu Fehlanzeige. Die Freunde, die Klaus hatte, haben sich alle recht schnell nach der Diagnose Krebs verkrümmelt, erst kamen noch sporadisch Anrufe, dann war Funkstille.
Das Ende der runden Beziehung sieht halt nun so aus, dass ich hier alleine in Wiesbaden hocke, keine Freunde, noch nicht mal etwas bessere Bekannte, meine wenigen Arbeitskollegen sind eben Kollegen, nicht mehr und nicht weniger.
Ich war auch nie der Familienmensch, der nun immer reihum jedes Wochenende einen aus der Verwandtschaft heimsucht oder hier haben möchte.
Also werde ich mal so langsam aus meiner Lethargie erwachen und etwas unternehmen müssen, denn der einzige Weg führt aus dem Haus raus, etwas unternehmen, ein paar Leute kennen lernen. Von sich aus kommt wohl niemand zu mir herein und weckt mich.

Nun starte ich morgen mal mit der Verhaltenstherapie, bin schon gespannt, was dabei herauskommt und dann fahr ich erstmal nach Erfurt (wunderschöne Stadt – lohnt einen Ausflug!) Am Sonntag komme ich erst um Mitternacht heim, dann nix wie ins Bett und am Montag darf ich dann wieder arbeiten – JUHU – Die Arbeit ist das einzige, was mich noch in Wiesbaden hält, vielleicht sollte ich mich ja doch noch mal dem Stress der Jobsuche aussetzen und mir einen schöneren Ort zum Weiterleben suchen.

So, nun ist aber genug – Ihr müsst ja schon eckige Augen haben

Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes Wochenende
und schreibt nicht soviel, ich komme kaum noch mit dem Nachlesen nach
Dicke weiche Umarmung für Euch alle
Gaby
  #291  
Alt 01.07.2005, 04:29
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auweia, das wird eine extrem kurze Nacht, um 9:00 Uhr hab ich den Termin... da sieht die Therapeutin gleich, wie so ein echter Zombie ausschaut....jetzt bin ich aber weg hier
  #292  
Alt 01.07.2005, 15:25
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Liebe Gaby,

das hört sich alles gar nicht gut an.

Zuerst hoffe ich wirklich sehr (kann leider nicht beten, da ungläubig), daß sich das mit deinem Ex als falscher Alarm entpuppt. Oder zumindest als Frühstadium. Das wird sich weisen, deshalb nicht mehr dazu im Moment.

Deine Wohnsituation...
Ich will und kann dir nicht sagen, mach dies oder das. Aber offensichtlich fühlst du dich in deiner Wohnung im Moment nicht wohl. In jeder Ecke lauern die Gespenster einer glücklichen Zeit, die unwiderruflich vorbei ist. Meine Schwester würde sagen, das ist schlechtes feng shui. Und ich sag jetzt einfach mal meine Gedanken dazu.

Es gibt vier Möglichkeiten:

- du lässt alles so wie es ist
- du schmeißt alle Möbel, die du nicht benutzen kannst, weil es zu schmerzlich ist, radikal raus
- du suchst dir eine andere Wohnung
- du ziehst in eine andere Stadt

Die erste Option ist glaube ich nur dann eine, wenn du dir vorstellen kannst, daß sich dein Gefühl zu dieser Wohnung in absehbarer Zeit ändert.
Die letzte Option hängt wohl im wesentlichen auch davon ab, wie die Stellensituation in deinem Beruf ist. Aber, wir haben schonmal eher scherzhaft drüber gesprochen: vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, wenn du nach München oder in die Nähe von München ziehen würdest. So das jobmäßig realisierbar ist. Schon wegen deines Bruders, den du offenbar sehr magst. Und Nichte und Neffe. Und obwohl München teuer ist: hier gibt es so viel umsonst und draussen, dass man (ich zumindest) auf viele Sachen, die überflüssiger Konsum sind, gut verzichten kann.
Und im Dirndl würdest du bestimmt eine prima Figur machen. Dazu braucht frau nämlich ordentlich 'Holz vor der Hütt'n' :-)
Und es liegt natürlich näher an Kroatien!

So, das wars jetzt erst mal für heute.

'Männergeschichte' folgt heut oder die nächsten Tage.

Viv, ich hoff, es geht dir gut !?
Und allen andern auch natürlich.

Bis später

Ingrid
  #293  
Alt 01.07.2005, 15:31
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Nachsatz:
Viv, Gaby, Briele, ihr habt ja alle drei sehr viel jüngere Brüder. Und Alina hat einen jüngeren Bruder. Heike's weiß ich nicht, hört sich aber auch jünger an (würde auf 5 tippen, so wie er sich benimmt).
  #294  
Alt 01.07.2005, 16:35
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Liebe Gaby,

erst bin ich ein wenig erschrocken, daß Du um 03.27 noch immer auf bist, gleich aber viel mehr als ich von Deinem Ex las. Ingrid hat recht, jetzt erst mal abwarten. Ich weiß, liebe Gaby, zum neuen Erschrecken kommen die alten auch wieder hoch.

Jetzt einmal, auch von mir ein Gedanke zu Deiner Wohn- Lebenssituation. Ingrids Vorschlägen kann man kaum etwas hinzufügen, ich möchte nur ihren ersten Punkt etwas vertiefen. Ich glaube, es ist was dran, wenn es heißt man soll im ersten Jahr keine großen Veränderungen vornehmen. Auch wenn es Dir besser geht als Du vielleicht vorher dachtest, bist Du dennoch in einer Art Ausnahmezustand.

Nachträglich vermag ich nicht mehr zu sagen, wann in mir ein sehr starkes Gefühl war, daß ich bei Entscheidungen geführt werde. Ich meine damit nicht, daß ich wie ein Häufchen dahock und warte bis etwas geschieht. Es ist eher eine Art von Vertrauen, daß eine etwas abwartende Haltung - kommt Zeit, kommt Rat - mich eher an das jeweilige Ziel bringt. Es ist nicht nur eine neue Einstellung zur "Zeit", es ist ein neues Gefühl von Sicherheit zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen.

Je länger ich schreibe, desto mehr nähere ich mich Ingrids Vorschlägen.
Manchmal ist es gut sich einen Zettel zu nehmen, ihn wo hinzulegen, und immer wieder unter PRO und CONTRA das hinzuschreiben, was einem einfällt. Vielleicht ist es dann so, daß unter PRO nichts steht als nur der verständnisvolle Chef.
Allein zu wissen wie man seine eigene Situation bewertet gibt Sicherheit. Man weiß dann wo man zur Zeit steht, geht es langsam an, wartet noch, oder gibt Gas.

Du bist eine kluge Frau, Du wirst richtig entscheiden und Du hast uns, lauter kluge Frauen!

Freu mich schon wieder auf Dich - schönes Wochenende
Briele
  #295  
Alt 01.07.2005, 16:41
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Hallo, meine Lieben,

war heute ein bißchen groggy von unserem gestrigen Abend und mußte mehrere Aurareinigungen vornehmen. Was habt Ihr dann mit den Puppen gemacht?

Vivilein, ich hab bei diesen Betätigungen auch Deine zwei guten Hälften zusammen gefügt, fühlst Du Dich einheitlicher?

Heike, Heike, ich wünsch Dir ein gutes Gespräch mit Deiner Oma.

Ingrid, die Männergeschichte kann doch auch lang sein!

Bis - denk ich mal - heute abend.
Briele
  #296  
Alt 01.07.2005, 16:47
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Die Puppen sind gespickt! Haben drei Schachteln Stecknadeln verbraucht, sieht recht hübsch aus, weil wir die bunten Stecknadelköpfe recht künstlerisch angeordnet haben! :-)
  #297  
Alt 01.07.2005, 19:25
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So. Wenn euch jetzt in der Mitte die Augen schon weh tun, dann wißt ihr, daß ihr das selber über euch gebracht habt :-)

Diese Geschichte ist leicht zu erzählen, weil sie schon eine ganze Weile zurückliegt.

Ich war jung, aber nicht dumm, frauenbewegt, politisch sehr links (wie sich das gehört in diesem Alter).

Meine große Liebe. Intellektuell, nachdenklich, rebellisch, von vielen bewundert. Im Vergleich zu ihm waren fast alle anderen 'bieder' oder kamen sich zumindest so vor (ich meine, wer hätte bei der mündlichen Abiturprüfung gesagt: 'Ich heiße XYZ und sonst sage ich gar nichts mehr'?). Er war der Neue in der 11. Klasse, viel erwachsener als all die anderen Jungs, ein Exot inmitten von Gänseblümchen. Nach zwei Jahren wurden wir 'ein Paar'. Ich konnte mein Glück nicht fassen, daß er mich 'auserkoren' hatte. Schliesslich gab es viel hübschere Frauen, die auch ganz interessant (und interessiert) waren.
Wir hatten eine wundervolle Zeit, lebensdurstig, lebenslustig (ich jedenfalls, er war - in seinen eigenen Worten - eher 'schwerlebig' und 'liebesunfähig', ein Kopfmensch halt) , lebens-voll.
Träumten vom alternativen Leben, der Landkommune, wußten, daß wir nie 'Spießer' werden würden. Heiraten, Kinder kriegen, Tag und Nacht arbeiten, um das Haus abzubezahlen...NIEMALS. Wir wollten alles - oder nichts. Das war der Zeitgeist, Ende der siebziger Jahre. So sind wir auch in verschiedene Städte gezogen nach dem Abi, ganz unspießig, aber nicht genau das, was ich wollte. Hab ich damals aber nicht hinterfragt. Dennoch hatten wir weiterhin eine sehr intensive Liebesbeziehung. Er wurde in seiner Stadt in der Hausbesetzerszene aktiv (das 'in'-ste, was man in unseren Kreisen machen konnte), ich war in meiner Spießerstadt spießig arbeiten. Aber so oft wie möglich bei ihm zu Besuch. Ich muß noch erwähnen, daß er ein großartiger Liebhaber war. Da habe ich viel Entwicklungsarbeit geleistet (Pfarrerssohn: Kopf ist gut und wichtig, Körper ist bäh), die sich ausgezahlt hat ;-). Sex war ein nicht unwesentlicher Teil unserer Beziehung/seiner Anziehungskraft. Und natürlich hatten wir eine 'liberale' Beziehung. Mit der Vereinbarung, daß wir uns immer die Wahrheit sagen, also erzählen, wenn, wo, wann und mit wem wer eine Nacht das Bett geteilt hat. Tja, und da blieb es natürlich nicht aus, daß er sein Bett immer häufiger mit EINER anderen teilte. Und wißt ihr, was mich am meisten daran geärgert hat: sie war ein 'Weibchen'! Nix mit emanzipiert, konnte das aber gut vorspielen. Und er hat unemanzipierte Frauen immer verachtet. Hahaha. Eine Weile danach haben wir uns getrennt. Nach vier Jahren. Die 'Umstände' waren für mich traumatisch, aber darauf will ich jetzt nicht eingehen. Es genügt, zu sagen, daß ich im Innersten meines Herzens ein paar Wochen vorher wusste, daß die Beziehung vorbei ist. Und das habe ich auch für mich akzeptiert, so seltsam sich das jetzt im Zusammenhang mit dem Wort traumatisch anhören mag (wenn ihr jetzt ganz ganz aufmerksam gelesen habt, könnt ihr's euch zusammenreimen :-))

Er hat mir danach noch des öfteren geschrieben. Daß er mit Tina (dem Weibchen) jetzt seine große Liebe gefunden hat, daß sie gemeinsam in die Großstadt gezogen sind und wieder in einem besetzten Haus wohnen, wie toll und revolutionär sein Leben ist.
Neid, Neid, Neid. Gott, war ich blöd!
Ich hab ihr lange nachgetrauert, meiner großen Liebe. Obwohl ich nach relativ kurzer Zeit eine andere Beziehung eingegangen bin, hab ich viel von ihm geträumt. Die Träume wurden zwar seltener im Lauf der Zeit, haben aber nicht aufgehört. Wunschträume und Alpträume. Das ging zehn Jahre!
Sieben Jahre nach unserer Trennung haben wir uns das erste Mal wieder gesehen. Uns privat verabredet, bevor wir auf unser Klassentreffen gingen. Es war sehr schön, aber die alte Anziehungskraft war plötzlich wieder da. Nicht, daß ich mir etwas anmerken hätte lassen, frau hat ja schliesslich ihren Stolz. War auch ganz schnell wieder weg danach.
Unser zweites Wiedersehen war vier Jahre später. Ich hab ihn angerufen, bevor ich zu einem Treffen/Kongress nach B. gefahren bin, er hat spontan vorgeschlagen, daß ich doch die drei Tage bei ihm wohnen soll. Eigentlich hatte ich schon eine Übernachtungsmöglichkeit, aber ich habe dann genauso spontan zugesagt. Den ersten Abend haben wir in seiner Küche verquatscht. Mein Bett war die andere Hälfte seines Doppelbetts. War ein bißchen komisch (s. o.). Vollkommen keusch, hätte vielleicht auch anders sein können, aber manchmal funktioniert mein Verstand. Wollte nicht aufs Spiel setzen, was die Zeit mühselig geheilt hatte.
Am zweiten Abend haben wir uns mit ein paar seiner Freunde in einer Kneipe getroffen. Wißt ihr, was ich auf den Tod nicht leiden kann: wenn zwei Leute, mögen sie sich noch so sehr lieben, in der Öffentlichkeit 'all over each other' sind. Das nervt mich auch dann, wenn ich sie nicht oder kaum kenne. An diesem Abend war es jedenfalls so, daß er neben mir saß, seine Freundin (nicht mehr Tina, aber auch bildhübsch - abgesehen von extremer Magerkeit, zehn Jahre jünger und ungefähr so interessant wie ein Stück Brot) saß auf seinem Schoß und hat ganz klar die Besitzverhältnisse demonstriert, war fast schon obszön. Ich glaube ich kann auch heute noch, im Rückblick, sagen, daß mich das nicht verletzt hat, aber es hat mich wahnsinnig genervt. Gut, daß ich mich mit meiner Freundin (wir sind zusammen nach B. gefahren) verabredet hatte, da konnte ich mich bald verkrümeln.
Wir hatten dann noch einen richtig guten Abend. Eher sollte ich sagen Nacht, denn es war schon fast sieben, als ich mich auf den Weg 'nach hause' gemacht habe.
Bin ganz leise ins Schlafzimmer. Er und Freundin engumschlungen im Bett. Es war das einzige Bett in der Wohnung! Er wußte nicht, daß ich die Nacht verquatschen würde!

Ich habe ganz leise meine Sachen zusammengesammelt, den Schlüssel auf den Tisch gelegt und ganz vorsichtig die Tür hinter mir zugezogen. Bin zur S-Bahn Station gegangen - es war ein sonniger Morgen - hab mich aufs Bänkchen gesetzt...
Und dann - ob ihrs glaubt oder nicht - musste ich lachen! Ich habe laut gelacht! Das war die 'cura'. Keine weiteren Träume!

Er hat sich übrigens nicht entblödet, mir sieben oder acht Jahre später einen Brief zu schreiben, mit Babyfoto seiner dreijährigen Tochter, und der Nachricht, daß das zweite Kind unterwegs ist.

Tja, das war meine große Liebe :-)
Was hab ich draus gelernt? Ich habe so manche Szene Revue passieren lassen, in der er mich, teilweise mit Hilfe seiner älteren Schwester, mit der ich mich angefreundet hatte, richtig 'klein' gemacht hat. Nicht intellektuell genug, nicht 'bewusst' genug, nicht 'radikal' genug...Ich lass mich nicht mehr klein machen.
Und heute kann ich aus tiefstem Herzen ein Wort sagen, wenn ich an ihn denke. Es fängt mit A an. Aber ich denke nur noch sehr selten an ihn.


So, das ganze ist jetzt vielleicht irgendwo zu kurz und woanders oder insgesamt zu lang geraten, möglicherweise etwas wirr und vielleicht nicht mal interessant oder relevant. ABER: ich merke, daß das schreiben (im wörtlichen Sinn) hier mir gut tut.
Normalerweise neige ich dazu, jeden Satz fünfmal umzuformulieren und wenn ich dann fünf Sätze zu Papier gebracht habe (nach Stunden!)...dann fang ich nochmal von vorn an.
  #298  
Alt 01.07.2005, 22:39
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So, jetzt mach ich mir mein zweites Bier auf, warte auf Gesellschaft, und wenn keine kommt, schau ich halt weiter den Glühwürmchen zu. Is auch schön...
  #299  
Alt 02.07.2005, 00:18
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Liebe Isa,äh,Ingrid
ich wäre ja schon gekommen,habe wieder viel geschrieben und dann-Absturz, alles weg und ich habe mal wieder zwischendurch nicht kopiert zur Sicherheit.War dann so sauer, dass ich beschlossen hab,morgen wieder länger zu schreiben.

Bin heute sowieso in Panik. Chandra hat einen Hauttumor,Operation ist morgen uhnd ich habe solche Angst, sie , meine treue Seele auch noch zu verlieren.Fühlemich schon richtig "mürbe".

Bis morgen, Ingrid,halt uns die Daumen bitte,
Alina
Liebe Ingrid, trink auf unser Wohl bitte,
  #300  
Alt 02.07.2005, 00:20
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na, da habe ich so konfus geschrieben,wie ich mich fühle, bitte Tippfehler und letzten Satz wegdenken. Obwohl, wir können ja wirklich auf unser aller Wohl trinken !
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