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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Flüssiger Krebs - Suche Informationen


Jutta Lange
03.01.2006, 07:59
Liebe Mitglieder.
Als allererstes wünsche ich uns alle Kraft, damit wir unseren Lieben irgendiwe helfen können.

Meine Mutti hat einen ganz gemeinen Krebs, es fing damals an, vor zig Jahren, mit einem kleinen Geschwür in der Brust. Das war 1996. Damals wurde das behandelt, und meine Mutti ist regelmäßig zur Krebsvorsorge gegangen, immer mit einnem negativen Befund. Seit 2002 hatte sie immer Beschwerden am rechten Arm gehabtt, doch keiner konnte etwas feststellen.
2004 kam dann die niederschmetternde Diagnose. Bitte halten Sie mich nicht für verrückt, aber meine Mutti hat einen Krebs, der so selten ist, das man eher 6 richtige im Lotto bekommt, als sowas. Meine Mutti hat einen flüssigen Krebs, nein, keine Leukemie, sie hat einen Krebs, den man bei einer Krebsvorsorge nicht erkennen kann. Er ist flüssig, und bildet keine Tumore,
Als man diese Diagnose festgestellt hatte, hat sich dieser >Krebs im ganzen Körper verteilt. Arme, Beine, Rücken, Brust, alles ist kaputt.
2004 wurde ihr die rechte Brust entfernt, und natürlich alle Lympfknoten.
Sie hat Chemo, Bestrahlung und einmal pro Woche Blutwäsche.
Es hilft nicht, es wird immer schlimmer.
Die Ärzte geben meiner Mutti kaum noch eine Chance.

Dadurch, das meine Mutti nur boch beim Arzt ist, manchmal 4 mal / Woche,
hat sie natürlich auch kaum noch einen Lebenswillen.

Vor drei Tagen habe ich mit meiner Mutti gesprochen.
Ich habe zu ihr gesagt, wenn das alles nichts hilft, wozu dann noch der ganze stress. Ich habe gehört, das die Medizin so weit ist, das man was gegen die Schmerzen machen kann. Meiner Mutti ist klar, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Aber die Zeit, die sie hat, die möchte sie leben. noch was sehen von der Welt. Mit meinen Vater zusammen sein.

Könnt ihr mich verstehen ?????????????????
Könnt ihr mir Ratschläge geben, was man machen kann,
damit meiner Mutti den rest ihres Lebens noch etwas Freude gewinnen kann, anstatt nur noch beim Arzt / Krankenhaus zu sein.

Meine Mutti war übriigens sehr glücklich, dass wir darüber geredet haben.
Was soll man ihr das ganze Gift im Körper geben, der Rücken von ihr ist kaputt,
zu viele Bestrahlungen, die kann keine Treppen mehr steigen.
Meine Mutti ist erst 65, und sie war eine frohnatur, hat für ihr Leben gerne Sport betrieben.
Jetzt konnte ich sie überzeugen, dass sie demnächst auch im Internet kommunizieren kann. Sie möchte meinen Vater natürlich schonen, der mit der ganzen Situation vollkommend überfordert ist.

Ich fühle mich so hilflos. Ich würde gerne mal andere meinungen zu diesem Thema hören. Wie würdet Ihr Euch verhalten. ??????????

Wenn es irgendjemand gibt, der auch so einen Krebs hat, wie meine Mutti, der sich verstecken tut, und dann , wenn er entdeckt wird, ist es viel zu spät.
Wer kann mir darüber was erzählen. ????

Ihr könnt mir gerne eine Mail schicken.

Vielen Dank im voraus. Liebe Grüße von Jutta aus hamburg

Geli-Emilie
15.03.2006, 14:30
Liebe Jutta,

ich habe überhaupt keine Ahnung, was es mit dem "flüssigen Krebs" auf sich hat und wie die Chancen für Deine Mutter stehen. Ich selbst habe das CUP-Syndrom, d.h., der Krebsherd wird nicht gefunden (entweder zu klein, um ihn zu finden, hat sich zurückgebildet, ist evtl. durch Chemo abgetötet, ich weiß es nicht), aber es haben sich Metastasen gebildet. In meinem Fall konnte mir mit OP, Chemo/Radio geholfen werden.

Zunächst einmal sehe ich, dass es Deiner Mutter gut tut, über die Krankheit zu reden. Und mutig ist es auch von Dir, das Thema anzusprechen, eventuell das ganze Gift wegzulassen. Ob eine Chemo sinnvoll ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Aber bevor sich Deine Mutter als Versuchskaninchen hergibt und sie auch noch weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat, dann solltet Ihr tatsächlich darüber nachdenken, was Ihr sonst noch tun könnt.

Habt Ihr Euch schon einmal über "Palliativmedizin" informiert? Das würde für Deine Mutter bedeuten, dass sie gezielt gegen Schmerzen behandelt wird und diese Medizin darauf hinzielt, die Lebensqualität bis zum Ende hin zu verbessern. Da ich den Eindruck habe, dass Ihr sehr offen miteinander umgehen könnt, würde ich vorschlagen, dass Ihr einen Plan entwickelt, welche Wünsche Ihr Euch zusammen erfüllen möchtet, was ist möglich, machbar z. B. an Reisen, Unternehmungen, Ziele...

Ich weiß nicht, wie es bei mir weitergeht, ich denke auch nicht mehr darüber nach, fest steht jedenfalls, dass ich mir all meine Wünsche so weit es geht, erfüllen werde. Übernächste Woche Teneriffa mit meinem Mann, im Juli zwei Wochen nach Island, wovon ich schon seit Jahren träume. Es gibt noch so vieles, dass ich erst einmal angefangen habe, aufzulisten, wohin ich NICHT möchte. Meine Ehe verläuft jetzt ausgesprochen harmonisch, aber man muss ja nicht täglich über Probleme reden, die sowieso bekannt sind, es genügen auch liebevolle Blicke und Gesten. Wenn man über nichts anderes redet als den bevorstehenden Tod, ist man nur noch deprimiert, und das sollte wirklich nicht sein.

Vielleicht ist es für sie zuerst einmal eine Erleichterung, wenn der ganze Stress mit Arztbesuchen, Behandlungen usw. endlich vorbei ist und nur noch der Wunsch besteht, die noch verbleibende Zeit, von der ja keiner weiß, wie lange sie dauert, sinnvoll und in Harmonie zu nutzen. Es ist ja möglich, dass sie dies bisher nur gemacht hat, um Euretwillen. Meine Mutter starb 2002 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, und als es absehbar war, dass ihr keine weitere Chemo mehr nutzen konnte, sondern sie nur noch zusätzlich geschwächt hätte, habe ich ihr auch gesagt, dass sie wegen uns (ihrer Kinder) nicht noch mehr leiden sollte. Da war sie ganz erleichtert, diese "Verpflichtung" uns gegenüber los zu sein. In ihren letzten beiden Jahren (seit 2000 bekannte Diagnose) konnten wir noch eine sehr gute Zeit zusammen verbringen, und es blieb nichts unausgesprochen.

Das Wichtigste ist ja, für sie da zu sein. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, sich an einen Psycho-Onkologen zu wenden, gerade auch deshalb, weil sie Deinen Vater "schonen" möchte. Das ist ja fast typisch für weibliche Ehepartner. Aber das sollte ja keine zusätzliche Belastung sein. Da könnte ein Psychologe bestimmt helfen.

Ich wünsche Euch noch eine gute Zeit zusammen!

Liebe Grüße
Geli