Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chemo aussetzen wegen permanenter Blasenentzuendungen
Eponine1974
18.07.2007, 13:17
... hat sich erledigt ...
Eponine1974
22.01.2008, 18:19
Hallo!
Nach laengerer Zeit wollte ich mich auch mal wieder mit einer Frage melden.
Zur Rekapitulation: Mutter seit 07/07 an Ovarialkazinom FIGO IIIc (erst hiess es IV, das hat man dann aber doch revidiert) erkrankt.
Operation, allerdings verbleibende Metastasen in Bauch- und Rippenfell sowie in der Milz.
Direkt im Anschluss 2 Sitzungen Chemo mit Carboplatin/Taxol im Abstand von drei Wochen. Die wurden aber leider sehr schlecht vertragen - die Erythrozytenwerte waren so niedrig, dass wohl mehr oder weniger Lebensgefahr bestand ("inneres Verbluten")
Zu dieser Zeit schon erste Blasenentzuendungen, die werden aber wohl auch als Nebenwirkung genannt ...
Dann Umstellung auf ein anderes Chemotherapeutikum (der Name ist mir jetzt leider gerade entfallen), was wohl leichter und besser vertraeglich sein soll. Intervalle sind auch, trotz leichteren Chemotherapeutikums, nur noch 4 Wochen.
Zwei Sitzungen mit diesem Praaparat hat sie nun hinter sich. Die naechste war zwischen Weihnachten und Neujahr geplant, da hatte meine Ma aber wieder eine Blasenentzuendung, und solange diese nicht auskuriert war, wollte man ihr keine Chemo verabreichen. Also eine Woche gewartet, dann mehrere Tests gemacht und dabei festgestellt, dass sie auf einmal sehr schlecht hoert. Kann auch an der Chemo liegen, also wieder warten. Dann letzte Woche der naechste Termin, der wegen neuerlicher Blasenentzuendung WIEDER nicht wahrgenommen werden kann.
So langsm bin ich am verzweifeln. Meiner Mutter geht es momentan relativ gut (so man das denn so sagen kann), daher empfindet sie das selbst als nicht so tragisch. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es bei diesem Erkrankungsstadium so toll ist, wenn man Chemo nach Chemo aussetzt.
Irgendwie habe ich auch so langsam das Gefuehl, die Aerzte schieben da eine ruhige Kugel, bei allem Verstaendnis dafuer, dass man Chemo bei bestimmten Rahmenbedingungen nicht geben darf.
Aber kann man denn da gar nichts machen? Wieder was anderes versuchen? Denn so langsam denke ich mir, Chemo wird vielleicht nur noch gegeben, damit man ueberhaupt noch was macht, und wenn nicht, dann eben nicht. Ich sehe nicht, dass sich da wirklich jemand Muehe gibt.
Ich weiss, das klingt jetzt fatalistisch, aber ich wuerde so gerne helfen, lebe aber, wie Einige vielleicht noch wissen, im Ausland, bin also auch nicht staendig da, kann nicht mit meiner Mutter zu Aerzten gehen etc.
Sie selbst fragt die Aerzte nicht vernuenftig, macht auch nie mal ein bisschen Druck, weiss selbst, kaum, welche Medikamente ihr verschrieben werden und glaubt grundsaetzlich and die Goetter in Weiss.
Hat irgendwer gute Ratschlaege fuer mich?
Hallo, Eponine,
das ist ja saublöd, dass da immer wieder Verzögerungen sind, die noch nicht mal dauerhafte Besserung gebracht haben...:undecided , und blöd auch, dass die sich alle so viel Zeit lassen....hat Deine Mutter gegen die Blasenentzündungen kein Antibiotikum bekommen? Is zwar auch noch eine Belastung für den Körper, aber nicht unbedingt schlechter, als keines zu nehmen....meine Mutter hatte auch Antibiotika bekommen, prophylaktisch gegen Entzündungen (sie hatte ein kleines Loch im Bauch um Bauchwasser abzuführen...), da gab es keine Komplikationen mit den Chemomitteln....
Wie alt ist Deine Mutter nochmal? Hab ich vergessen, tschuldigung....Kannst DU die Ärzte nicht auch mal bissl nerven?
Ich wünsche Dir, dass Du mehr Einblick kriegst und es mit Deiner Mutter mal besser weitergeht!
Alles Gute!
LG Manuela
Eponine1974
22.01.2008, 19:15
Erst einmal danke fue Eure Antworten.
Doch, sie bekommt schon auch Antibiotika, nur nicht prophylaktisch, sondern immer erst dann, wenn sie schon eine Entzuendung hat. Das mit dem Cortison werde ich mal abchecken ...
Meine Mutter ist erst 58 (ich bin 33), ich quetsche sie staendig aus ueber alle Medikamente und Behandlungen, die sie bekommt, aber in 50 Prozent der Faelle weiss sie dann eben nicht mal, was gegeben wurde und warum. Mich nervt das ehrlich gesagt, aber ich will ihr auch nicht noch mehr Druck machen, als sie ohnehin schon hat. Ich glaube, das ist so ihre Art, damit umzugehen und das einigermassen von sich wegzuhalten (ich halte das aber fuer keine gute).
Ich denke, ich werde da auch irgendwie mal "durchgreifen" muessen (vielleicht nehme ich mir Deinen Tipp mal zu Herzen, Christine), habe mich da aber bislang ein bisschen vor gescheut, da sie schon am Anfang der Erkrankung riesiges Theater gemacht hat (so nach dem Motto: "Das ist mein Krebs, und ich gehe da auch alleine mit um"). Man versucht halt irgendwie staendig den Spagat zwischen Helfen und in Ruhe lassen, und was man auch macht, macht man eh falsch ;)
Ich will aber auch nicht, dass da aus irgendeiner Verweigerungshaltung raus Wichtiges verschlampt wird und eben auch nicht, dass irgendwann ueber zwei Monate Pause zwischen den Behandlungen liegen ..
Liebe Eponine, nochmal,
schade, dass Deine Mutter sich so sperrt - sicher eine Abwehrhaltung gegen die Krankheit aber leider auch gegen Hilfe...:undecided .
Hast Du Ihr die ganzen Infos, die DU hast (also auch aus dem Forum z. B.) auch gegeben, einfach mal zur Verfügung gestellt, als Angebot? Dann kann sie ja alleine - ohne dabei "erwischt zu werden" ;) - darin rumstöbern und ist besser informiert und Ihr könnt auf dieser Basis auch mal ganz entspannt drüber reden ?!
Ich hoffe für Euch, dass Ihr einen Weg findet, konstruktiv FÜR Deine Mutter und GEGEN die Krankheit zu agieren,
jaja, ist schwierig, nicht das Falsche zu sagen aber doch zu signalisieren, dass es einem überhaupt nicht wurscht ist, was aus der Mutter wird...:rolleyes: .
Alles Gute nochmal!
LG Manuela
Eponine1974
23.01.2008, 14:38
Hallo Ihr Lieben!
Ich versuche natuerlich permanent, meine Ma mit Infos (auch von hier) zu versorgen - sie selbst hat leider kein Internet.
Ich habe sie heute auch noch mal wegen des Chemotherapeutikums angesprochen, Christine. Das Praeparat heisst Gemcitabine, und es wird NICHT als Kombipraeparat, sondern nur als Monotherapie und darueber hinaus eben auch nur alle 4 Wochen gegeben. Ich habe schon etwas im Internet recherchiert und traurig festgestellt, dass Gemcitabine als Monotherapie oft nur noch palliativ angewendet wird.
Ist das so? Koennt Ihr mir ruhig sagen. Vielleicht lese ich ja auch selektiv und es ist nicht der Fall.
Was ich aber nicht ganz verstehe, wenn dem so ist: WARUM gibt man erst Carboplatin/Taxol, was ja scheinbar eher nicht in Palliativtherapien gegeben wird, und steigt dann bei Unvertraeglichkeit nicht auf was anderes um? Da gibt es doch noch andere Moeglichkeiten ...
Wie ich ja gestern schon angedeutet habe, habe ich das Gefuehl, ihr wird nur noch was gegeben, damit man ueberhaupt noch was macht :undecided
claudi13
23.01.2008, 19:56
Hallo, Eponine!
Genau kann ich Dir leider nicht antworten, aber ich kenne einige Frauen, die mit Gemcitabine "palliativ" bahandelt werden, und schon recht lange gut damit zurechtkommen. Lass Dich von dem Begriff nicht so verrückt machen!
Liebe Grüße
Claudia
Liebe Eponine,
ich denke auch "palliativ" heisst es halt, weil die Krankheit nicht heilbar ist in dem Stadium, aber dass man die Lebensqualität möglichst bestens erhält....und das kann ja über Jahre sehr gut funktionieren ! Ich bin auch früher bei dem Ausdruck erschrocken und habe gedacht: so, das ist dann das letzte, was man tut , aber in diesem Fall ist es durchaus auch langfristig üblich...:)
Ich hab heute übrigens nochmal Deine alten Einträge gelesen-
bist Du eigentlich zur Zeit in Deutschland ?
Ich hoffe, Deiner Mutter kann noch lange geholfen werden und dass sie sich helfen lässt und sich wohl fühlt- und Du auch !!!;)
Liebe Grüsse
Manuela
Eponine1974
02.07.2008, 12:04
Hallo Ihr Lieben!
Meiner Ma geht es momentan mal wieder gar nicht gut: Vor 6 Wochen ist sie mit schweren Unterleibsschmerzen, Fieber und Ausfluss eingeliefert worden. Erst war man sich nicht sicher, ob das einfach eine Unterleibsinfektion sein koennte. Antibiotika haben zwar das Fieber gesenkt, der Ausfluss (nach ihren eigenen Angaben fast schwarz, wie geronnenes Blut) und die Schmerzen blieben aber. Mittlerweile ist sie wieder zu Hause und braucht ca. 12 Binden pro Tag, ist so schwach, dass jetzt ueber die naechste Pflegestufe nachgedacht wird (sie war bislang auf 1, kann aber mittlerweile nicht mal mehr in der Dusche stehen).
Die Aerzte sagen, dass der Ausfluss und die Schmerzen von einem sich senkenden Tumor, der nicht entfernt werden konnte, kommen. Sie konnte ja nicht tumorfrei operiert werden, hat Metastasen an der Milz, im Bauchfell und einen malignen Pleuraerguss (der aber gut unter Kontrolle und mit Talkum verklebt ist).
Dieser Tumor zerfaellt nun wohl. Meine Mutter moechte das nach wie vor als Zeichen sehen, dass die Chemo (Gemcitabene) wirkt - die Aerzte machen aber wenig Hoffnung und sind kurz davor, die Chemo, die eh nur palliativ ausgerichtet ist, einzustellen. Eine Aerztin sagte sogar, sie solle anfangen, ihre Sachen zu organisieren, man macht wenig Hoffnung, dass sie Weihnachten noch erlebt (obwohl man das letztes Jahr auch schon gesagt hat). Momentan bekommt sie aber noch Chemo, die Frage ist eben nur, wie lange noch.
Dieser Ausfluss und die Schmerzen schwaechen sie sehr - bis vor kurzem ist sie noch taeglich spazieren gegangen und konnte auch noch einiges selbst erledigen, das wird aber auch immer weniger.
Mir ist der Ernst der Lage durchaus bewusst, trotzdem meine Frage: Kann man da denn gar nichts machen, um ihr Erleichterung zu verschaffen? Es kann doch nicht sein, dass sie jetzt bis zu ihrem Ende diesen Ausfluss hat, der sie so sehr einschraenkt und ihr natuerlich auch peinlich ist.
Weiss da jemand etwas aus eigener Erfahrung oder Erfahrung in der Familie? Ich wuerde ihr so gern helfen, damit sie wenigstens noch ein bisschen Lebensqualitaet hat, denn das zieht sie sehr runter, und sie verliert gerade ihren Kampfesgeist, der immer so praesent war ...
Eponine1974
02.07.2008, 12:28
... sorry schon im Vorhinein :undecided
Meine Ma hat, wie einige vielleicht wissen, Eierstockkrebs im Endstadium. Ich will da auch gar nichts weiter zu schreiben, die Details findet man im Eierstockkrebsforum.
Ich schreibe in diesem Forum, weil ich selbst gerade mehr oder weniger zusammenbreche und auch noch ein schlechtes Gewissen deswegen habe. Letzteres, weil meine Probleme verglichen mit ihren so klein zu sein scheinen - trotzdem kann ich momentan kaum "funktonieren". Ich bin mittlerweile auf Citalopram und Betablockern, da ich durch diese ganze Situation eine reaktive Depression mit starken physischen Symptomen (Herzrhythmusstoerungen) entwickelt habe.
Das Problem ist einfach, dass ich im Ausland lebe und kaum bei ihr sein kann ausser mal ein verlaengertes Wochenende, und das geht mir sehr nahe. Wenn ich so koennte, wie ich wollte, wuerde ich morgen nach Deutschland gehen. Kann ich aber nicht. Mein Partner und ich sind beide selbstaendig. Faellt einer von uns aus, koennen wir die Rechnungen nicht bezahlen. Ich kann nicht staendig Urlaub nehmen, weil das direkt immenser Verdienstausfall und fuer uns existenzbedrohend ist.
Ich fuehle mich in dieser Situation gefangen und bin nervlich einfach am Ende. Meine Ma weiss nichts davon, dass es mir so schlecht geht, und ich will das auch nicht - sie hat genug eigene Probleme. Ich hatte wohl mal angedeutet, dass ich mich schuldig fuehle, nicht bei ihr sein zu koennen - daraufhin fragte sie mich, ob ich spinne, schliesslich sei das nicht meine Schuld und ich koenne doch auch nichts gegen die Krankheit tun bzw. ich helfe ihr genug, wenn ich ihr einfach zuhoere (wir telefonieren jeden Tag).
Trotzdem habe ich das Gefuehl, sie im Stich zu lassen, ich bin die einzige Tochter und sie lebt allein. Ich weiss, dass das nicht rational ist, aber die Schuldgefuehle sind einfach da.
Sorry fuer das konfuse Geschreibsel, aber ich musste das einfach mal loswerden ...
Liebe Eponine !
Das, was Du über Deine Mutter schreibst, hört sich leider gar nicht gut an. Diese schwarze Ausfluß, den Dun beschreibest, ist höchstwahrscheinlich ein "aufgeplatzter" Tumor. Ich weiß nicht, wie ich es sost beschreiben sollte. Es ist sicherlich sehr unangenehm für Deine Mutter, da die Konsistenz wahrscheinlich zähflüssig-klebig mit festen Bestandteilen und wahrscheinlich auch sehr übelrichend ist.
Wenn die Ärzte gesagt haben,sie solle ihre Sachen regeln, dann wird dies sicherlich seine Gründe haben.
Du schreibst, dass Du den Ernst der Lage sehr wohl begreifst. Bist Du Dir da ganz sicher ?
Was bekommt Deine Mutter denn gegen die Schmerzen ? Eine adäquate Schmerztherapie wäre sicherlich schon mal hilfreich.
Macht die Chemo noch Sinn, oder schwächt sie sie nur noch mehr?
Sicherlich wäre es besser, wenn Du bei ihr sein könntest, um einiges zu erfragen und für Deine Mutter zu regeln, aber das ist ja nicht möglich, da Du nicht hier wohst, glaube ich.
Vielleicht wäre sie im Hpospiz auch besser versorgt als zuhause.
Liebe Eponine, ich wollte Dir nicht zu nahe treten. Falls ich es doch getan haben sollte, entschuldige bitte, aber so, wie du die Situation Deiner Mutter beschreibst, sieht es alles andere als rosig aus.
Ich wünschte, ich hätte Dir -aus meiner Sicht- mehr Mut machen können, aber Augenwischerei nutzt leider auch nichts.
Trotzdem liebe Grüße
Heike
Eponine1974
02.07.2008, 20:01
Liebe Heike,
Du trittst mir ganz bestimmt nicht zu nahe, denn mir ist sehr wohl bewusst, dass sie nicht wieder gesund werden wird, das auch schon seit der Diagnose im letzten Jahr (es ist ehrlich gesagt schon fast ein Wunder, dass sie noch lebt, denn am Anfang war die Prognose "maximal ein halbes Jahr", und sie lebt nun schon ein gutes Jahr damit, und es ging ihr bis vor kurzem auch noch relativ gut. Das hatte so kaum jemand erwartet, und wir hatten ein sehr schoenes Weihnachten zusammen, da war ich fast drei Wochen drueben).
Es ist mehr meine Mutter selbst, die sich immer noch nicht damit abgefunden hat, was ja irgendwie verstaendlich ist, andererseits auch manchmal nicht gut. So will sie z.B. unbedingt in ihrer Wohnug bleiben, so lange es geht. Auch dafuer habe ich Verstaendnis, denke mir aber manchmal wie Du, dass das nicht unbedingt gut ist und die Sache nur verkompliziert. Das Hospiz ist schon ambulant eingeschaltet, und zweimal die Woche kommt jemand von denen vorbei (zusaetzlich zum Pflegedienst, der sowieso jeden Tag da ist).
Es ging mir mehr darum, ob das mit dem Tumorzerfall einfach so "hinzunehmen" ist, oder ob man da nicht zumindest lindernd irgendwas machen kann - ich habe ja null Ahnung, merke aber, wie sehr sie darunter leidet und wie unangenehm und peinlich ihr das ist. Die Schmerzen hat sie mit Schmerzmitteln ganz gut im Griff, aber dieser Ausfluss macht ihr wirklich sehr zu schaffen.
Bin fuer jeden Tipp dankbar ...
stellina
02.07.2008, 22:18
hallo eponine,
du mußt dich hier sicher nicht entschuldigen. daß du am ende bist mit deinen nerven, verstehe ich sehr gut. diese krankheit ist nun mal eine familienkrankheit - alle leiden darunter - nur unterschiedlich. das was du tun kannst, tust du ja. du bist für deine mutter so viel da, wie es dein leben nur irgend zuläßt. den weg, den deine mutter geht, kannst du ihr nicht abnehmen. du erleichterst ihn ihr, so gut es eben geht. wer hätte denn was davon, wenn du auch noch auf der strecke bleibst. du mußt kein schlechtes gewissen haben, da du gibst, was du kannst. so ist es gut. du bist ja nicht die mutter deiner mutter.
dir alles gute, stellina.
Hallo Eponine!
Ich kann gut verstehen, wie du jetzt kämpfst. Obwohl ich bei meinem Mann war, also nicht wie du im Ausland weit weg alles nur auf Distanz erleben musste, denke ich manchmal, ich hätte eher aufhören sollen zu arbeiten oder zumindest verkürzt. Doch ich wußte nicht, was noch alles auf uns zu kommt, bettlägrig war er noch nicht, aber dann kam eine Blutvergiftung und Darmverschluss und hat alles Leiden abgekürzt...
Zu dir-vielleicht habt ihr Freunde/ Verwandte, die dir Geld leihen/ schenke können, damit du mal wenigstens eine Woche zu deiner Mutter kannst oder eine Rundmail, in welcher du wegen schwerer Krankheit in der Familie um Verständnis bei euren Kunden bittest, dass für eine Woche alles ruht, euch Zahlungsaufschub gewährt wird oder ähnliches. Wäre eine Bekannte die dich vertreten kann in Sicht? Was würde passieren, wenn DU krank würdest? Das ist ja bei dem was du schreibst auch nur noch eine Frage der Zeit, bis du zusammen klappst... Was passiert dann mit eurer Firma? Versuch all deine Phantasie aufzubringen, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten, damit du dir dann nicht vorwirfst, "NUR" wegen des Geldes dich nicht von deiner Mutter verabschiedet zu haben.
Viel Kraft - Petra
Eponine1974
03.07.2008, 12:05
Vielen Dank fuer Eure lieben Worte - es tut gut, auch mal ueber die eigenen Probleme reden zu koennen ...
Wenn es nur darum ginge, mal hier und da ein paar Tage oder maximal eine Woche abzuzwacken, kaeme ich wahrscheinlich klar und tue das ja auch. Ich habe aber einfach das Gefuehl, dass ich gerne staendig da waere, und das ist eben nicht moeglich. :weinen:
Man faehrt wieder nach Hause mit dem unguten Gefuehl, ob man sie jetzt zum letzten Mal gesehen hat, und das macht mir schwer zu schaffen. Ich weiss, das kann einem genauso gut passieren, wenn man um die Ecke wohnt, aber ich brauche mindestens zwei Tage Vorlauf um rueberzukommen, und das ist im Fall der Faelle einfach zu lang :undecided
Ich arbeite als freischaffende Musiklehrerin, meine Schueler sind eigentlich sehr verstaendnisvoll und wissen auch groesstenteils ueber die Situation Bescheid, da kann man auch schon mal was schieben. Mein Partner ist selbststaendiger Photograph (wir haben also keine Firma zusammen) und kann auch weiterarbeiten, wenn ich nicht da bin (obwohl das auch wieder wehtut, denn er wuerde natuerlich gerne mitkommen und meine Ma und mich unterstuetzen). Es ist wie gesagt mehr der Verdienstausfall, der schwer zu verkraften ist.
Mein Arzt hat mir fuer den Fall der Faelle schon angeboten, mich krankzuschreiben. Nach der Regelung hier bekommt man dann auch als Selbststaendiger nach der ersten Woche Ausfall umgerechnet 70EUR pro Woche. Dass man davon nicht leben kann, muss ich niemandem sagen, aber so ist es nunmal, und ich habe mir dieses Leben ja selbst ausgesucht und liebe meinen Job auch ueber alles, daher will ich nicht meckern.
Dass meine Mutter so krank wird (sie ist erst 59), konnte zum Zeitpunkt meiner Auswanderung niemand wissen, obwohl mein Partner sich mittlerweile sogar Vorwuerfe macht, dass er damals nicht nach Deutschland gekommen ist. Ihm geht es dabei auch alles andere als gut, weil er sieht, wie schlecht es mir geht.
Momentan schwirrt eben alles Moegliche und Unmoegliche in meinem Kopf rum ...
Hallo Eponine,
hmmm, ist schon eine blöde Geschichte, ich weiß ja auch nicht wie gut oder schlecht es Deiner Mutter genau geht, da du "Endstdium" schreibst.
Doch wie ist es mit Pflegestufe (von der du dann spartanisch mit leben könntest), wenn Du einige Wochen hier bleiben würdest? Was kann man als Musiklehrerin ggf. noch via Internet machen, artverwandt... gibts da was? Und Dein Partner...in Deutschland gibts evtl. auch Projekte? Laufende Kosten in Eurem "Auswanderland", kann man da unter Schilderung der Situation vielleicht um Stundung der Kosten bitten? Wenn man mit den Leuten redet ist oft doch was zu machen, die meisten Menschen haben doch schon Erfahrungen mit schrecklichen Krankheiten/ Unglücksfällen und ähnlichem gemacht. Deine Mutter zu Euch zu holen, ist sicher wegen dem Arztwechsel und der isolierten Situation dann für sie, auch nicht schlau?!
Sicher wird sich in nächster Zeit das Chaos in Deinem Kopf lichten, Du/ Ihr werdet sehen was Priorität hat und die Dinge gemeinsam anpacken! Mir macht die Neuorientierungsphase auch immer großes Kopfzerbrechen, bis dann endlich eine Lösung gefunden wird, mit der man (weiter)leben kann.
Alles Gute - Petra
Eponine1974
04.07.2008, 13:11
Liebe Petra (Namensvetterin ;) ),
war vielleicht auch etwas missverstaendlich, ich meinte nicht, dass sie im Sterben liegt.
Es ist Krebs im Terminalstadium, die Aerzte geben ihr noch maximal bis Weihnachten. Das hat man uns allerdings letztes Jahr auch schon gesagt. Heisst also: Nichts Genaues weiss man nicht. So Prognosen sind sowieso was fuer den A..., Menschen sind doch keine Statistiken :mad:
Bis vor kurzem ging es ihr noch relativ gut, sie war noch recht aktiv und die koerperlichen Symptome hielten sich in Grenzen, wenn man das denn ueberhaupt sagen kann.
Auch momentan geht es ihr sicher "den Umstaenden entsprechend", aber es geht definitiv bergab. Wir standen uns imer recht nahe, daher merke ich die Veraenderung schon allein an der Art, wie sie spricht, was sie sagt etc. Vom koerperlichen Verfall fange ich jetzt lieber gar nicht an ...
Sie bekommt z.Zt. noch palliative Chemotherapie, wie lange noch, steht allerdings in den Sternen - die Aerzte deuteten an, dass man so langsam an die Grenzen kommt. Zusaetzlich faengt sie jetzt mit Misteltherapie an, damit sie wieder auf die Fuesse kommt (ihre eigenen Worte).
Sie war immer sehr stark, hatte mit gerade 30 schon mal Brustkrebs, den sie damals besiegt hat. Und jetzt das :(
Sie ist fest davon ueberzeugt, noch ihren 60. zu erleben (naechstes Jahr im Maerz) und will noch ihr erstes Enkelkind sehen. Nein, ich bin nicht schwanger ;)
Ich besuche sie, so oft ich kann, aber das sind wie gesagt immer nur ein paar Tage. Niemand weiss, wie lange sie noch lebt, und ich kann ja nicht auf unbestimmte Zeit mein eigenes Leben anhalten. Wuerde ich aber gerne, denn es ist einfach ein Unterschied, ob man telefoniert oder da ist ...
Sie zu uns zu holen hatten wir schon ueberlegt, das ist aber leider nicht so einfach, da der NHS chronisch kranke Auswanderer nicht so ohne Weiteres aufnimmt. Wenn das alles so einfach waere, waeren wir sicher schon laengst mit einer Loesung um die Ecke gekommen - ist es aber nicht. Zurueck nach Deutschland gehen auf unbestimmte Zeit und dort arbeiten kann ich so ohne Weiteres auch nicht, buerokratisch ist das alles nicht so leicht, wie man sich das wuenschen wuerde, da steckt eine Menge Versicherungsproblematik hinter (ist ja nicht so, dass wir das nicht schon abgeklopft haetten).
Was mir viel mehr zu schaffen macht ist, dass ich eben gerne staendig da waere, auch momentan, wo es ihr noch zumindest einigermassen geht, einfach um ihr bei den taeglichen Kleinigkeiten zu helfen. Sie hat zwar Pflegestufe, und auch das ambulante Hospiz ist eingeschaltet, aber Familie ist eben doch was anderes ...
Danke noch mal fuer's Zuhoeren - es ist schon schoen (na ja, "schoen" ist relativ), dass man hier Menschen findet, die sich in aehnlichen Situationen befinden. Um mich rum heisst es sonst immer nur: "Wie geht es denn Deiner Mutter?" Es wird zunehmends seltener, dass mich jemand fragt, wie es mir geht :( Ich bin nicht mehr Petra, sondern "Petra mit der todkranken Mutter".
Das soll jetzt niemand falsch verstehen, denn unsere Probleme sind ja wirklich klein verglichen mit dem, was die tapferen Betroffenen tagtaeglich durchstehen muessen. Trotzdem leide ich innerlich fuerchterlich, und immer stark zu sein faellt mir zusehends schwerer ...
Eponine1974
08.07.2008, 12:51
... ich koennte manchmal nur noch die Wut kriegen!
6 Wochen lang hat man meiner Mutter was von "wahrscheinlichem Tumorzerfall" erzaehlt ("Nix Genaues weiss man nicht, aber das wird's wohl sein muessen, weil was anderes faellt uns gerade nicht ein." :mad: ).
Nun hat sich heute morgen herausgestellt, dass die wahre Ursache ihres uebelriechenden Ausflusses eine Darmfistel/perforierter Darm ist. Wohlgemerkt kein Darmverschluss, Stuhlgang funktioniert noch einwandfrei, aber jedes Mal, wenn meine Mutter zum Klo geht, kommt eben vorne auch was (sorry fuer die plastische Darstellung).
Resultat: Sie braucht jetzt einen kuenstlichen Ausgang. OP ist, so wie es aussieht, naechste Woche.
Ganz ehrlich, und ich bin ja medizinischer Laie und wuerde mich normalerweise zurueckhalten: Warum um alles in der Welt hat man das nicht schon vor 6 Wochen im Krankenhaus festgestellt? Das ist doch unter aller Sau! Das kann mir echt Keiner erzaehlen, dass man sowas nicht feststellen kann. Zumal meine Mutter sich ja permanent ueber den Gestank beschwert hat und meinte, das rieche wie Kot.
Irgendwie hat man manchmal das Gefuehl, da werden nur noch Verlegenheitsdiagnosen gestellt.
Sorry, ich weiss, dass Meckern nichts hilft, aber das musste einfach mal raus, ich bin momentan echt stinksauer!
Hallo Eponine !
Es ist gut nachvollziehbar,dass Du stinksauer bist. So wie Du den Ausfluß beschrieben hast, hatte ich vor meiner geistigen Nase den typischen Geruch eines zerfallenden Tumors. Du hattest nicht geschrieben, dass es nach Kot riecht, das ist etwas ganz anderes. Das ist eigentlich ein himmelweiter Unterschied.
Aber so sehr Du dich -wahrscheinlich auch mit Recht- über die schlampige Diagnostik aufregst, ist eine Darmfistel durchaus die bessere Alternative, denn sie ist behandelbar. Ganz im Gegensatz zu einem zerfallenden Tumor. So unschön diese in die Länge gezogene Diagnostik auch ist, so sehr kannst Du Dich über die jetzige Diagnose freuen, auch wenn ein Anus Praeter auch nicht die schönste Sache der Welt ist.
In diesem Sinne rate ich Dir, Dich nicht zu sehr zu ärgern, sondern Dich über diese Wendung der Dinge zu freuen.
Grüße auch an Deine Mutter
Heike
Eponine1974
09.07.2008, 14:08
Liebe Heike,
danke fuer Deine lieben Worte, das hat mich sehr aufgebaut. Ich versuche auch, das einfach mal positiv zu sehen, faellt mir in letzter Zeit eh schwer genug ;)
Gestern war ich einfach nur veraergert, dass man die arme Frau ueber 6 Wochen mit dieser Peinlichkeit und den Symptomen rumlaufen laesst, wenn man doch bei richtiger Diagnostik schon eher was haette tun koennen.
Sie ist momentan sehr fertig, den kuenstlichen Ausgang zu bekommen, was ich verstehe. Ihr Vater ist an Darmkrebs verstorben, ihn hat man allerdings nicht mehr operiert, weil es schon zu spaet war. Ich glaube, wenn sie was ueber "Darm" hoert, schnuert sich ihr schon allein deswegen alles zu.
Davon mal ab geht es ihr momentan etwas besser, sie bekommt jetzt zusaetzlich zur Chemo Mistel. Ob das mehr Placebo ist oder nicht, weiss ich nicht, aber wenn es sie aufbaut und sie sich koerperlich etwas besser fuehlt, soll es nur recht sein.
Ich hoffe nur, dass die OP sie nicht wieder zu sehr schwaecht :(
Alles Liebe und Gute auch fuer Dich :knuddel:
Hallo Petra,
habe deine Einträge gelesen und finde dies sehr interessant.
Auch in irgend einen Eintrag in kann "das Leben nicht anhalten".
Hierzu fiel mir auch wenn es vielleicht nicht so deine Ausage trifft ein, das eigene Leben anhalten und/oder einfach nur die Zeit mit dem geliebten Menschen verlängern zu können um jeden möglichen Tag.
Das Leben wird angehalten und läuft in Zeitlupe ab. So war es bei mir.
Ich hatte jedoch meine Mutter bei mir. Sie war fast schon in dieser Zeit das Zentrum meines Lebens. Ich wußte, dass unsere Zeit begrenzt war und versuchte diese so gut wie möglich und bewußt zu nutzen und zu leben. Wir haben jeden abend gemeinsam Fehrn gesehen und sie hat mir sehr viel aus ihrem Leben als sie noch Kind war erzählt. Es war eine sehr schöne Zeit, die wir miteinander verbrigen durften. Auch wenn ich sehr oft vorm Fernseher eingeschlafen bin oder auch sie und ich sie beim Schlafen und Träumen beobachtete. Und wenn ich um 10.00 Uhr ins Bett wollte, hat sie gesagt, willst du schon ins Bett. Ich wußte was sie meinte.
Aber ich denke und wenn ich deine Einträge so lese, spielt es keine Rolle wie weit man von einander entfernt ist.
Aber ich denke auch, je weiter man weg ist, desto mehr Vorwürfe macht man sich, dass man nicht da ist. Und das macht die momentanen Situation noch unerträglicher
.
Die Versorgung deiner Mutter hast du trotz der Entfernung gut im Griff und bist du für sie da. Das "da sein" ist das wichtigste und das geht auch gut per Telefon. Und ich denke ihr Nutzt die verlängerten Wochenenden sehr intensiv, die die andere Zeit aufholen.
Du brauchst aber auch eine "Krafttankstelle". Bei dir ist es dein Mann um für deine Mama fit und da zu sein.
Wünsche dir viel Kraft und Zuversicht in die Zukunft
Gruß
Alex
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