Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : als angehöriger mit der Krankheit klarkommen
Hallo ich bin 23 Jahre jung und die Ärzte haben bei meiner Mama(42) am 7.09
ein Kleinzelliges Bronchialkarzinom festgestellt leider inoperabel sie hat heute mit der 4ten chemo angefangen was mich schon aufatmen lässt nur leider war die letzte Woche nicht ganz so rosig,meine Mama wurde am 8.12 wieder ins kh eingeliefert da sie beim husten immer sehr viel blutspuckte obwohl ich beruflich sehr eingespannt bin und auch die Entfernung sehr groß ist fuhr ich direkt zu ihr um bei ihr zu sein,als ich sie sah war ich erschrocken wie sie in so kurzer zeit so krank aussehen kann(war mit viel Beruhigungsmittel voll gepumpt)naja nächsten Tag lag mir doch sehr dran mal mit dem Arzt zu sprechen ich wurde als erstes gleich von der Krankenschwester abgewiesen und sie meinte was ich den wissen will der Arzt könne mir doch nicht sagen was wie wo wann passiert naja damit musste ich erstmal klarkommen.nächsten Tag fuhr ich gleich wieder zu ihr ins Krankenhaus ich muss dazu sagen ich kam am Anfang sehr gut mit ihrer Krankheit klar hatte viel Mut und Hoffnung kenne es auch nicht das jemand aus der Familie krank ist .doch dieser Tag veränderte mich innerlich ich wurde dann zu einem Gespräch mit dem Arzt geholt meine Mama fragte mich vorher schon warum sie alleine im zimmer liegt (sie hatte erst eine drin die wurde raus genommen)
naja was ich dann hörte geht mir einfach nicht mehr aus den Ohren sie zeigte mir ein Bild auf dem PC und meinte der Tumor hätte 2 Gefäße an gefressen deswegen das blutspucken und es passieren kann das sie das nicht mehr lang durchhält da eine große Gefahr besteht das die an gefressenen Gefäße bei einem schlimmen husten platzen kann und sie dann innerhalb kürzester zeit stirbt sie haben es ihr nicht gesagt weil meine Mama so schon oft weint und sie doch ein sehr ängstlicher Mensch ist. naja meine Mama´s Lebensgefährte erzählte es ihr natürlich sofort und sie wurde wieder mit Beruhigungsmittel voll gepumpt danach versuchte sie nicht mehr zu husten und nur noch linksliegen. naja seit vorgestern bin ich wieder zu hause und weit weg und habe angst das jeden Moment mein Handy klingelt und ich eine schreckliche Nachricht bekomm Mein Mannn sagte auch schon das wenn ich schlafe ich sehr unruhig schlafe und permanent am reden bin man muss dazu sagen wir haben der kompletten Familie jetzt gesagt wie der stand ist und ich war diejenige die alle aufbauen musste meine Mama rief an sagte ruf mal dein Onkel an ihn geht`s nicht gut ruf mal dein Bruder an beruhige ihn naja ich habe es immer gemacht weil ich will ja stark sein also habe ich allen Mut zugesprochen aber mir hat einfach keiner Mut zugesprochen ich habe so ein Schmerz in mir und ich kann nicht mal weinen weil mein Kopf doch sagt du musst stark sein mit Mann kann ich gar nicht drüber reden er kommt nicht mal mit ins kh weil er so etwas nicht mag aber ich mag so etwas doch auch nicht
Hmm ja was sollt ihr mir jetzt schreiben ich weiß es auch nicht vielleicht wisst ihr ja auch wo ich hingehen kann und darüber sprechen kann oder einfach nur gleichgesinnte die wissen wie ich mich fühle naja danke trotzdem und verzeiht mir das durcheinander ich hoffe ich habe es ein bisschen verständlich geschrieben aber das war einfach mal so ein Schreibfluss
-2asti5-
16.12.2009, 10:11
Hallo Mell!
Es tut mir echt leid das du in so eine Situation gekommen bist! Ich kann dich echt gut verstehen wie du dich jetzt fühlst! Ich bin 27 jahre und habe meinen Papa vor ca.2 Monaten an einem großzelligen bronchialkarzinom verloren!
Ich war auch so wie du immer stark und nichts ankennen lassen! Und ich bin froh das ich so war! Als wir es erfuhren habe ich mir geschworen immer für ihn da zu sein und das habe ich auch bis zur letzten Minute gemacht! Es ist schwer dir einen Rat zu geben auch wenn man selber das durchgemacht hat! Ich kann dir nur sagen sei für deine Mama da so gut es möglich ist! Und das schreiben hier im Forum hat mir selber sehr geholfen und ich habe ein paar liebe Menschen kennengelernt!
Also wenn du mal jemanden brauchst wo du einfach nur alles loswerden willst kannst du gerne schreiben!Wenn ich dir helfen kann mache ich das auch gerne!
lg,asti
paula2007
16.12.2009, 10:56
hallo mell,
ich kann mich da asti nur anschliessen, das schreiben hier im forum hat mir bisher auch sehr geholfen. hier findet man immer ein offenes ohr und bekommt viele gute ratschläge. hier kann man auch schwach sein, wenn man zu hause stärke zeigen muss. hier trifft man einfach viele wundervolle menschen, wenn es auch leider wegen dieser scheisskrankheit ist!!!
ich kann sehr gut verstehen, wie du dich jetzt fühlst!
sei einfach für deine noch so junge mama da und geniesse mit ihr die euch noch verbleibende gemeinsame zeit! der kampf lohnt sich für jeden tag den man dadurch gewinnt!
ich schicke euch ein riesenpaket kraft für die kommende zeit, die werdet ihr sicher brauchen...lg, nicole
Hallo,
also meine Schwiegermutter ist auch an Lungenkrebs erkrankt. Es sieht nicht so gut aus. Ein grosses Problem ist, das sie nicht wirklich kämpft, sich hängen lässt, kaum noch aufsteht nur auf couch oder im bett liegt, stöhnt und jammert, ihre Schmerztropfen nicht so nimmt wie sie sie braucht, ( aus angst sie könnte abhängig davon werden, was ja nun wirklich ihr kleinstes Problem ist ) kaum was isst. Ja und sich am liebsten selbst ihr Grab schaufeln will. Diese Einstellung kann ich einfach nicht verstehen, sie will gar nicht wissen wie ihr Befund ist sich am liebsten überhaupt nicht damit beschäftigen. Aber sie will das es ihr wieder besser geht... Hat jemand Erfahrung mit solch einer Einstellung? Wie kann ich damit umgehen? Mein Schwiegervater will ihr einfach nur alles Recht machen, was auch falsch ist ;-), und sagt gar nichts. Ich finde diese Situation unerträglich, wir, mein Mann und ich wohnen im selben Haus. Aber den ganzen Tag bei meiner Schwiegermutter sitzen geht auch nicht, will ich auch nicht, habe auch ein kleines Kind um das ich mich ja auch ncoh kümmer muss.
Sie erwartet allerdings das immer einer bei ihr in der Nähe ist, und das geht doch nicht... wir haben ja auch noch ein eigenes Leben. und mal 3 Stunden alleine sein ist auch nicht so schlimm, Oder? Wie geht man am besten damit um? Das Jammern und Stöhnen ignorieren? wenn sie abgelenkt ist, ist es auch nicht so schlimm.
vielleicht kann ja jemand sagen, wie man am besten helfen kann, und überhaupt damit umzugehen...
lieben gruss ange
Reinhard
27.12.2009, 14:53
Hallo Ange,
ich finde, du könntest mit deiner Schwiegermutter etwas nachsichtiger sein.
Daß sie stöhnt und jammert ist doch sehr verständlich!
Wahrscheinlich ist es so besser, als wenn sie ihren ganzen Frust in sich hineinfrißt und die Heldin miemt!
Daß sie immer nur liegen will, wird wohl ihrer Gesudheitssituation entsprechen.
Zu den Schmerztabletten:
Ich nehme auch nur so wenig, wie ich unbedingt brauche. Es tritt nämlich in der Tat Abhängigkeit und Gewöhnung ein. Vielleicht lebt man ja noch viel länger, als es einem die Statistiker zubilligen.
Ich finde jeder muß selber Entscheiden, was er tut.
LG Reinhard
Natascha85
27.12.2009, 15:13
Hallo Mell886,
ich kann es ungefähr nachvollziehen wie es dir geht. Hatte 2008 meine Schwiegermutter verloren. Man spürte förmlich, dass es nur noch wenige Stunden sein wird.
Seit dem 11.12. ist auch nun meine Mama an Lungenkrebs erkrankt. Laut den Ärzten uns Kindern gegenüber, ist es für Mama aussichtslos. Nur noch Lebensverlängerung möglich. Eigentlich sind wir wegen Schwindel und Migräne ins KH und dann sowas. Das alles muss erst verdaut werden. Meiner Mama haben sie (noch) nicht rein Wein eingeschenkt. Sie denkt, es wäre noch heilbar. Wenn ihr was passieren würde, dann würde mein Stiefpapa ihr folgen. Genau so hatte er es mir gesagt. Es ist für uns Kinder nicht nur unerträglich, dass er Suizid gefährdet ist, auch die Tatsache an sich, dass nur wir mit der Last leben, dass es mit Mama irgendwann zu Ende gehen wird. Das alles frisst uns dermaßen auf, dass wir versuchen uns gegenseitig Halt zu geben. Wir möchten uns Mama gegenüber auch nichts anmerken lassen. Wir wollen stark für sie sein, da sein, wenn sie uns braucht....
Genau das Rat ich dir! Sei stark für deine Mama. Auch wenn es noch so schwer fällt. Sie braucht dich jetzt umso mehr. Es tut verdammt weh, ich weiß. Die Mama ist nun mal die Mama. Die Beste, ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Mensch in unserem Leben! Genau das sollen wir unseren Mamas zeigen. Wir haben ihnen soviel zu verdanken. Das ist doch, in meinen Augen, das mindeste was wir für sie tun können. Einfach da zu sein. Auch wenn es uns runter zieht, uns weh tut.
Wenn du möchtest, dann kannst du mir jeder Zeit schreiben. Ich bin täglich hier online. Ich wünsch dir ganz viel Kraft und ich weiß, dass du es schaffen wirst:knuddel::knuddel::knuddel::knuddel::knuddel: :knuddel::knuddel:
Reinhard
27.12.2009, 15:14
Nachtrag
Aus Sicht des Patienten finde ich es natürlich ganz toll, wenn der Ehepartner und am besten die ganze Verwandschaft sich ausschließlich um einen kümmern. Wer hätte das nicht gerne?
Die gewünschte Reaktion auf Jammern und so:
Zuwendung mit ausgiebigem Trösten und Bedauern.
Wenn es damit genug oder gar zuviel wird, läßt die die Jammerei nach.
Aber natürlich darft du dabei deine und die Belange deiner Familie nicht vernachlässigen.
hallo reinhard,
Es ist ja nicht so, das wir nicht wissen das es ihr echt beschissen geht, aber die Dosis die der Arzt einem rät, die sollte man ja vielleicht auch nehmen. Und aufstehen soll sie auch! Wurde ihr ausdrücklich gesagt! Ja und sobald Freundinnen da sind oder Bekannte zu Besuch, ist das Jammern wie weggeblasen...Geht es da anderen auch so? reisst sie sich da nur zusammen? Und das ist das schwere für uns; man muss auch nen bisschen auf die ärzte hören...und wenn man das nicht macht und dann jammert ist das schon nicht so ganz verständlich. Natürlich sitzen wir viel bei ihr, lesen ihr was vor, und lenken sie ab. Aber ist das das einzige was wir tun können? wie kann man ihr mehr mut machen, sie dazu bewegen ihre medikamente vernünftig zu nehmen und mal eine runde durch den garten drehen? wir helfen ihr ja alle dabei!
Es ist vielleicht auch alles nen bisschen schwer zu beschreiben und nen bisschen durcheinander. -aber ich finde es auch nicht leicht mit diesem ganzen SCH.... klarzukommen. Und dieses ganze hin und her beschäftigt mich halt doch zu sehr. und es lässt mich auch nachts nicht mehr los...
lg ange
rosa.sputnik
28.12.2009, 06:14
Hallo zusammen,
wie einige von Euch vielleicht wissen habe ich meine Mom auch im Juli diesen Jahres verloren. Auch sie hatte einen Kleinzeller.
Mit der Schmerzmedikation der Ärzte ging es meiner Mom kein Stück besser und wir haben dann solange selbst herumprobiert bis wir die "richtige" Dosierung gefunden haben.
Was ich meiner Mom immer gesagt habe, und das hat ihr sehr geholfen, ist dass sie niemals ihre Selbstbestimmung aufhören darf.
Das ist im Grunde die letzte Bastion des Patienten...
Ich meine, man kann sich kaum vorstellen was diese Diagnose für die Betroffenen selbst bedeutet... wenn ich es mir versuche vorzustellen überkommt mich absolute Panik...
Und bei mir ist es eben "nur" eine Vorstellung.
Wenn ihre Schmerzen zu doll werden wird sie schon etwas nehmen... meine Mom hatte auch immer Angst davon abhängig zu werden, und ich finde nicht dass man die Patienten überrollen darf mit dem was man selbst für richtig hält.
Mir ging es kurz nach Mamas Diagnosestellung auch nicht anders, aber je mehr Zeit verstrich umso mehr sah ich auch dass es ihr besser ging wenn sie merkte dass sie durchaus auch noch selbst bestimmen darf.
Meine Mom wollte auch nicht mehr raus... sie hat letztendlich monatelang nur im Bett verbracht. Ich habe auch ewig lange versucht sie dazu zu bewegen sich mit uns auf die Terrasse zu setzen... keine Chance.
Jetzt, im Nachhinein, ärgere ich mich oft über mich und denke mir dass ich sie nicht so sehr unter Druck hätte setzen sollen... zumindest am Anfang ihrer Erkrankung.
Der Kleinzeller ist nicht wirklich heilbar... das ist richtig, aber trotzdem kann kaum ein Arzt eine zuverlässige Prognose stellen und das ist auch gut so.
Es gab im April einen Arzt den ich um seine Einschätzung bat... er sagte: "Wenn Sie viel Glück haben können Sie noch einmal Weihnachten mit ihr feiern, aber höchst wahrscheinlich wird sie die Blätter nicht mehr fallen sehen."
Er hat recht behalten und ich war sehr froh über diese Aussage...
Wenn sie palliativ behandelt wird könnt Ihr nicht ihr Leben retten, ihr könnt es ihr aber so angenehm wie möglich versuchen zu gestalten... ich weiss wie schwer das ist.
Liebe Grüße
Jasmin
Reinhard
28.12.2009, 07:43
Hallo Ange,
ich lebe seit gut zwei Jahren mit dieser Krankheit und bin natürlich parteiisch.
Ich habe immer brav alle Therapien befolgt. Bei Schmerzmitteln und körperlicher Aktivität war ich eher sparsam.
Ich will die Befindlichkeit des Korpers spüren. Dann merke ich auch, daß der Körper Ruhe braucht, um die Abwehrkräfte mobilisieren zu können.
Soweit meine Theorie.
Dazu kommt noch das Bedürfnis nach einem Rest Selbstbestimmung.
Bisher bin ich mit dieser Einstellung ganz gut gefahren.
Nochmal zum Thema Jammern und so:
Teils ist einem zum Heulen zu Mute, andererseits ist es auch schön den Helden zu spielen, der alles klaglos ertragen kann.
LG Reinhard
hallo,
naja ich bin ja hier um von anderen Betroffenen zu lernen und zu erfahren wie man damit am besten umgehen kann. ich denke auch das ich nicht die einzige bin die am anfang so denkt wie ich... ich danke euch auf jeden fall für die antworten und werde mir auch diese zu herzen nehmen!!!
Von woanders bekommt man sicherlich nicht so ehrliche und gutgemeinte Ratschläge wie hier, da alle ob selbst als patient oder auch "nur" angehöriger hier sind. Das ist ja der Grund, warum ich hier bin.
ich bin halt noch recht überfordert mit der situation.
Aber ich hoffe, das ich es schaffe ihre kinder auch davon zu überzeugen, irgendwie bin ich die einzige die sich damit richtig beschäftigt, warscheinlich ist es die angst die bei den anderen noch so gross ist...
vielen dank, eure antworten helfen mir wirklich es auch anders zu sehen
ange
Reinhard
28.12.2009, 11:42
Hallo Jasmin,
gerade habe ich deinen Beitrag gelesen. Er ging mir runter wie Öl.
Wie es aussieht hast du ja zumindest die ganz ähnliche Meinung zu diesen Problemen.
Bisher hatte ich den Eindruck, ich stünde mit meiner Meinung eher einsam da.
LG Reinhard
rosa.sputnik
28.12.2009, 13:01
Lieber Reinhard,
Danke dass Du mir das geschrieben hast, ich war anfänglich etwas unsicher ob man es so formulieren "darf".
Ich denke nämlich auch oft dass ich damit ziemlich alleine da stehe... aber ich habe eh ein Problem mit der "Obrigkeitshörigkeit" was unsere Ärzte betrifft. :-)
Liebe Ange, liebe Mell...
Ich kann auch jetzt nur rückblickend feststellen was ich hätte anders machen sollen oder können.
Es gab einige Momente wo ich dachte und auch sagte "Mensch Mama, steh doch mal auf, mach doch mal dieses oder jenes".
Es gab einen Moment als es ihr schon sehr, sehr schlecht ging... das ambulante Hospiz versuchte sie wieder einmal zum stationären Hospiz zu überreden.
Es half nichts dass ich ihr immer wieder sagte dass sie das weder muss, noch soll.
Wir haben ja bei ihr gelebt... eben genau aus dem Grund.
Dann kam der Physiotherapeut und sagte: Liebe Frau M., sie mögen zwar krank sein, aber nicht entmündigt"
Ich bin vor Dankbarkeit fast auf die Knie gefallen... er hatte es auf den Punkt gebracht.
Naja, und das habe ich ihr dann auch immer wieder gesagt. Wir haben halt mit allem herumprobiert wie es für SIE am besten war.
Wenn Ärzte schon immer mit tragischem Gesichtsausdruck vor ihr saßen und ihr sagten dass sie dieses oder jenes tun oder nehmen müsse... es ihr aber genau mit dieser Medikation schlechter ging... haben wir es halt gelassen und selbst probiert was für sie gut war.
Warum auch nicht?
Es geht bei einer palliativen Behandlung um NICHTS anderes als darum das verbleibende Leben so angenehm und lebenswert wie irgend möglich zu gestalten,... oder?
Und wie gesagt, jetzt... rückblickend... denke ich oft dass ich nicht so hätte herumquengeln sollen dass sie sich bewegen soll, oder mit uns in den Garten gehen...
Wozu auch?
Bloß damit ICH meinen Kopf durchsetze?
Nö... würde ich nie wieder tun... und ich glaube dass ich umgekehrt auch zur rasenden Wildsau werden würde wenn mich jemand drängen würde.
Und wenn sie "jammern",... lass sie um Gottes willen,... sei bei ihr, versuch ihre Angst zu verstehen, nimm sie in die Arme, zeig ihr dass Du genauso traurig bist, tröste sie..., wer würde bei einer solchen Diagnose nicht "jammern"?
Es ist die schwierigste Zeit meines Lebens gewesen... aber man muss es schaffen... irgendwie...
Jasmin
Reinhard
28.12.2009, 13:58
Gestern Abend hatte ich es noch härter formuliert, dann aber wieder gelöscht.
Du erfährst dein Todesurteil und wartest auf die Hinrichtung.
Wer würde da nicht jammern?
LG Reinhard
Liebe Jasmin, lieber Reinhard,
es ist wirklich eine Offenbarung, euch beide zu lesen. Ja, man hat das Todesurteil bekommen, nichts anderes heißt palliativ behandelt zu werden und ja!! man ist deswegen doch nicht gleich entmündigt und blöde im Kopf.
Ich weiß gar nicht, was mich getrieben hat, diesen Thread zu lesen. Ich meide Angehörigenthreads, will viele Einzelheiten garnicht wissen, aber diesmal hat es sich gelohnt.
Ganz zu Anfang, als ich noch überall las, war bei den Magenkrebsen jemand, der sich beschwerte, dass die Mutter sich nicht genug bewegt, nicht genug tut. Ein viertel Jahr später war die Mutter tot.
Wir alle wollen doch unser altes Leben zurück und ich glaube, die meisten tun auch was sie können, aber man muss selber wissen, was man kann, seelisch und körperlich.
Liebe Grüße
Christel
Antiironie
28.12.2009, 19:30
Hallo,
ich muß auch mal was dazu schreiben. Als es meinem Vater schlechter ging, und er nicht essen oder trinken wollte, nicht richtig laufen konnte, da haben wir ihn das tun lassen was er konnte und wollte. Alles andere hatte sowieso keinen Sinn. Jetzt Rückblickend muss ich sagen, er konnte einfach nicht. Mein Schwiegervater starb vor 12 Jahren und da war es das selbe.
Auch in der Krankheitsphase hatte mein Vater solche Momente, sein HB Wert war so niedrig das er nicht auf sein konnte. Ich hatte im August starke Blutungen und deshalb einen HB von 7 und ich kann Euch sagen selbst Duschen hat mich so geschafft das ich danach erstmal liegen mußte. Es kann einem so schlecht gehen das man nicht kann. Vielleicht ist es auch nur eine Phase von der Behandlung. Man muss es einfach nehmen wie´s ist.
lg Anja
Reinhard
29.12.2009, 07:43
Hallo Ange,
es geht wirklich nicht um Schuldzuweisungen.
Ich kann dir sagen, was ich hasse.
Das sind die Aufforderungen,
tu dieses und jenes, dann wird es schon wieder!
LG Reinhard
rosa.sputnik
29.12.2009, 08:05
Liebe Ange,
meine Mom wollte auch nicht darüber reden... ein einziges Gespräch habe ich ihr abringen können, und soll ich Dir etwas sagen?... Ich habe mich danach supermies gefühlt.
Sie wird selbst wissen wo sie steht, glaube mir.
Und, ich würde auch nicht wollen dass Gott und die Welt, und auch nicht meine Familie mir gute Ratschläge gibt.
Nein, es wird nicht wieder, egal was sie tut,... sie soll tun und lassen was sie will...
Was denkst Du wie es sich anfühlt wenn der Körper eben nicht so mitmacht wie man es will. Ich bin sicher dass ihr das auch keinen Spaß macht dass da irgendetwas eine Eigendynamik bekommt wogegen sie nichts wirklich tun kann.
Meine Mom sagte selbst einmal zu mir, dass sie, wenn sie gewusst hätte was für eine Quälerei die Chemos und Bestrahlungen sind, nach der zweiten Chemo besser hätte aufhören sollen.
Konnte ich zu gut verstehen.
Sie hat sich 8 Monate lang, täglich übergeben... verlor immer mehr an Kraft.
Und da stell ich mich dann hin und sage: "Mensch Mama, ist so schönes Wetter, geh mal in den Garten, dann geht's Dir besser!"?!?!
Nö... es wäre ihr nicht besser gegangen... wie gesagt, sie hatte den Kleinzeller und bereits bei Diagnosestellung Hirnmetastasen"
Deshalb... warum soll ich ihr die Hölle heiss machen?
Wenn sie aufstehen will, wird sie es tun, wenn nicht,... lass sie...
Ich wünsch Euch allen ganz viel Kraft
Jasmin
Hallo zusammen,
dieser Thread öffnet uns Angehörigen wirklich die Augen - wenn es auch schwer fällt. Niemand will sich mit dieser Krankheit abfinden und immer nur heißt es "kämpft gegen den Krebs". Dieser ständige Kampf lässt niemanden sich damit abfinden und wir Angehörigen wollen unsere Lieben nicht kampflos loslassen und sind deshalb ständig mit Ratschlägen und Motivationen präsent. Auch bei uns ist das tagtäglich so, keiner von uns will "aufgeben" jeder versucht es unserem Vater so gut wie möglich gehen zu lassen und diese schreckliche Gewissheit zu verdrängen.
Danke Reinhard, Mouse und allen Anderen für Eure Antworten...........ich wünsche Euch von ganzem Herzen alles Liebe
Christina
hallo,
also das mit dem Jammern habe ich ja nun nochmal erklärt.
natürlich stellen wir all unsere eigenen bedürfnisse nach hinten, und sind für sie da, wann immer sie uns braucht.
Wenn sie sich gegen eine behandlung entscheidet dann akzeptiere ich das voll und ganz und stehe hinter dieser entscheidung. wenn es ihr damit besser geht. sie hat die therapie ja noch nicht angefangen, sie wird auch "nur" bestrahlt. wir hoffen das ihr die schmerzen dadurch etwas genommen werden. und sie danach wieder etwas mehr am leben teilhaben kann.
so, schönen abend an alle
lieben gruss
ange
Reinhard
30.12.2009, 08:41
Ich habe den Eindruck, daß viele Patienten sich durch die Krankheitsfolgen weitgehend nutzlos vorkommen, weil sie ihren gewohnten Tätigkeiten nicht mehr nachgehen können.
Dazu kommt vielleicht noch das Gefühl, den Angehörigen zur Last zu fallen.
Desweiteren hat wohl jeder mehr oder weniger, auch zeitlich auftretende, geistige Beeinträchtigungen, die Ängste auslösen.
Alles zusammengenommen kann sicherlich zu weniger Lebenswillen führen.
Hier wäre eine (sicherlich schwierige) Aufgabe der Angehörigen zu finden, dem entgegen zu wirken.
Dem Kranken zu vermitteln, daß er als Person wichtig für alle ist, nur durch sein Dasein. Daß er trotz allem irgendwie gebraucht wird.
Und ihm neue Betätigungsfelder aufzuzeigen, die er auch mit seiner verminderten Leistungsfähigkeit ausfüllen kann.
Sicherlich keine leichte Aufgabe.
LG Reinhard
rosa.sputnik
30.12.2009, 08:50
Lieber Reinhard...
das haben wir versucht, aber Mom hat sich bei wirklich allem helfen lassen, und sei es nur dass sie wollte dass wir ihr das Wasserglas reichen was direkt neben ihr stand.
Aaaaaaber, wenn nachts die Fernbedienung runterfiel... na, was glaubst Du wie schnell sie da rankam.
Ich habe mich oft darüber geärgert dass sie so gar nichts mehr selbst machen wollte...
Jasmin
Reinhard
30.12.2009, 09:49
Liebe Jasmin,
wie gesagt, ich bin selbst seit gut zwei Jahren krebskrank im letzten Stadium mit allen Höhen und Tiefen und habe sicherlich auch die eine und andere Macke. Ich schließe mich da nicht aus!
Vielleicht sind ja auch die angesprochenen geistigen Ausfälle daran beteiligt.
Meine Totschlagsentschuldigung für jegliche Fehlleistungen, die immer widerspruchslos akzeptiert wird, heißt:
"Das kommt alles von der vielen Chemotherapie."
LG Reinhard
Hasi1965
30.12.2009, 09:50
Hallo Ihr alle,
liebe Ange,
auch ich habe meine Ma begleitet, so gut ich das in meinem Alltag konnte.
Ja, auch mir ist es schwer gefallen, sie zu lassen. Mit ansehen zu müssen wie sie immer weniger wurde und immer schwächer. Trotzdem aber alles noch selber machen wollte und tatsächlich auch konnte - eben alles etwas langsamer. Erst fast zum Schluss ließ sie dann mehr Hilfe zu , weil sie merkte, dass viele Dinge so nicht mehr gehen.
Es war sehr schwer die Finger stillzuhalten und ihr einfach die Zeit zum Handy greifen oder Tasse wegstellen oder aber auch einfach nur zum Sprechen zu geben. Das Morphium ließ sie in Zeitlupe verstehen und handeln.
Zuletzt auch ganz unnütze Dinge tun ... ich musste es zulassen, andernfalls wurde sie richtig böse. Ich habe mich gefreut, wenn ich irgendetwas tun durfte, weil sie mich darum gebeten hat - endlich konnte ich etwas tun. Ja, am schlimmsten war wohl meine eigene Hilflosigkeit - auch für meine Mutter. Sie musste mit ansehen wie ich weinte, weil ich nichts tun konnte....Ich konnte einfach nicht mehr immer stark sein und dieser Daueroptimismus von Leuten , die Ihren Verdrängungsmechanismus eingeschaltet hatten, konnten wir beide nicht mehr ertragen. Dieses "... das wird schon wieder...."! KOTZ ! Nichts wurde wieder, das war uns klar..... Mam sagte selber "Was soll das ? Es ist doch alles klar und gesagt. Die sollen kommen, sich verabschieden, nicht um Optimismus zu heucheln in einer Situation, die bereits aussichtslos ist." Wo waren diese Leute in der Zeit als es noch Hoffnung gab ? Ganz am Anfang ! Verschwunden, weil man sich ja nicht mit so einer Diagnose auseinandersetzen wollte... Aber auch das mussten wir akzeptieren und verstehen.... Ja, es ist schei...-....schwer als Betroffener, aber eben auch als sekundär betroffener Angehöriger und ja, es ändert sich alles ständig und die Stabilität, die man so sehr braucht, hält immer nur ein paar Tage in diesem Stadium..... Wie froh wäre ich gewesen, die Ärzte hätten irgendwann von einer Remission gesprochen.... nein, im Gegenteil. Sie hatten das Biest zu keiner Zeit unter Kontrolle...Das was mich heute stark macht, ist die Gewissheit, das ich mit meiner bloßen Anwesenheit und dem Gefühl geben da zu sein so viel mehr getan habe, als viele andere. Meine Mam und ich wir sind in großem Frieden und mit viel Liebe auseinandergegangen und ich hätte mir nie verziehen, wenn ich Dinge erzwungen hätte, die sie nicht wollte. Am Anfang habe ich das kurz versucht. Als sie immer wieder sagte, sie wolle das und das machen, wenn sie wieder gesund sei, wollte ich sie bedrängen. Weil ich doch wusste gesund wird sie nicht mehr ! DAS wusste sie auch...ich habe es dann einfach akzeptiert und dann kam sie irgendwann von selber und wir haben noch schöne Spaziergänge gemacht, waren einkaufen oder in der Eisdiele.....
Ja, ich bin froh, das es so gewesen ist.
Liebe Ange, auch wenn Du Dich noch so hilflos fühlst, gebe Deiner Schwiema ihre Freiheit und nimm Du Dir diese auch für Dich - Ihr braucht viel Kraft in der nächsten Zeit. Die wünsche ich Euch von ganzem Herzen ....
Einen guten Start ins neue Jahr mit viel Kraft und guten, liebevollen Momenten !
:pftroest:
Ulli
PS für Reinhard: Meine Ma sagte immer bei irgendwelchen verbalen Entgleisungen " das macht das Kortison, da rede ich mich immer um Kopf und Kragen" - ganz ehrlich, so war es auch ;-)
Reinhard
30.12.2009, 10:24
Liebe Jasmin,
man muß das alles positiv sehen.
Deine Mutter wollte dich doch nur entlasten, indem sie sich aus dem Bett geschleppt hat und die Fernbedienug unter großen Schmerzen und fürchterlicher Anstrengung selbst wieder geholt hat, weil es ja schon so spät war und sie dich ja nicht dauernd stören wollte. Das war die reinste selbstlose Fürsorge!
Zu dem Wasserglas:
Die plötzlich auftretende Schwäche war sicherlich eine Folge der vielen Chemotherapie!
LG Reinhard
hallo jasmin,
ja genauso ähnlich wie bei dir mit dem wasserglas ist es bei uns auch... mal geht einfach gar nichts und im nächsten moment geht´s ganz gut... ich denke gerade diese Situationen machen uns so zu schaffen, auf der einen seite denken wir, sie kann es ja doch... und im nächsten moment kann sie es doch nicht. Das ist einfach schwer zu kapieren das diese sch... krankheit sowas mit einem anstellen kann...
hallo ulli,
ja, die ganze verwandschaft... das wird wieder, du schaffst das, kämpfe.... usw... das problem, meine schwiegermutter weiss nicht wirklich wie schlimm es um sie steht. ich denke für sie ist das ganz gut, das sie nicht alles weiss. aber sie will es auch gar nicht wissen und hören, deshalb sagen wir ihr auch nichts weiter. Aber wir wissen: nichts wird mehr! wir hoffen das meine schwiegereltern ihr weihnachtsgeschenk noch einlösen können und ein schönes wochenende an der nordsee verbringen werden.... und sie nach der ersten therapie dort wieder kraft tanken kann.
ich hoffe, das ich mit ihr mal wieder spazieren gehen kann, oder einkaufen... denn das macht sie schon lange nciht mehr. :sad:
Vielen dank für die antworten, euer mut machen und eure "geschichten" denn zu lesen wie andere diese situationen gemeistert haben hilft sehr.
schönen tag noch und einen guten rutsch ins neue jahr!
liebe grüsse
ange
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