Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein offener Brief
Hallo ihr Lieben,
heute erreichte uns eine sicher nett gemeinte Weihnachtskarte einer Cousine meines Mannes mit dem letzten Satz: "Liebe..., ich habe gehört, dass du alles gut überstanden hast..."
:mad: Vielleicht bin ich ja etwas empfindlicher geworden, oder meine hormonelle Neueinstellung macht mich etwas dünnhäutiger, aber ich bekam sofort Stehhaare (und die stehen schon wieder 2cm hoch ;)) und einen:smiley11:. Jedenfalls mußte ich meine Gefühle erst einmal niederschreiben (ich werde es aber wohl nicht abschicken:() und ich würde gerne eure Meinung zu folgenden Zeilen hören:
Liebe …
es waren sicher gut gemeinte und dennoch gedankenlose Worte, die du deiner Weihnachtskarte angehängt hast: eine Krebsdiagnose und die anschließenden Therapien wie Operationen, Chemotherapien, Bestrahlungen und jahrelange antihormonelle Therapien, Lymphdrainagen, Bisphosphonatinfusionen, "übersteht man nicht gut“! Davon hat man lange etwas, von den meisten Nebenwirkungen lebenslang, was ja vielleicht auch nicht mehr allzu lange ist. Sie lassen einen Menschen körperlich und vielleicht auch vom mentalen Reifegrad her um mindestens zwanzig Jahre altern. Von daher lebt man vielleicht – zumindest gefühlt - genauso lange wie der Durchschnitt, aber eben im Zeitraffer. Und man lebt mit einem ständigen Begleiter: dem Schalentier. Das schöne ist, dass ich zumindest schon mal weiß, dass ich diesen Untermieter habe, dann kann man sich darauf einstellen, dass man schon mal alles „regeln sollte“. Zugegeben, daran habe ich zwar schon vor der Diagnose gedacht, aber alles eher auf die lange Bank geschoben. Jetzt aber lebe ich heute und vor allem bin ich auch sensibler für leere Worte geworden: ein „gute Besserung“ ist bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung ebenso eine Farce, wie ein „jetzt ist es überstanden“ nach Abschluss der ersten Therapien. Überstanden ist es erst mit dem Tod.
In diesem Sinne euch ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr und vielen Dank für die Weihnachtsgrüße.
Fühlt ihr euch auch manchmal unverstanden von "Außenstehenden"? Kennt ihr das YouTube-Video "Things you should never say to someone who has cancer". Bin ich ganz schrecklich empfindlich oder empfindet eine von euch manchmal ähnlich.
Liebe Grüße, Dolphin :embarasse
gilda2007
18.12.2009, 17:59
Hm, vielleicht bist du etwas überempfindlich, ist ja auch ok. Ich glaube nicht, dass sie das gut betonen wollte. Natürlich ist nicht alles überstanden, aber mit der Bestrahlung sind die ersten Therapien erst mal abgeschlossen. Ich finde es schon ok, sowas zu schreiben, das sollte man nicht auf die Goldwaage legen. Natürlich hast du Recht mit deinen Ausführungen, aber all das kann sie schlecht in eine Weihnachtskarte verpacken. Diese Worte können auch ausdrücken "prima, der Krebs ist während der Bestrahlung nicht weiter gewachsen, du hast einiges erst mal hinter dir" usw.
Ich fühlte mich bisher noch kaum missverstanden von Außenstehenden. Mein ehemaliger Chef war der einzige, und er hat mir konsequenterweise gekündigt. Ehrlich gesagt kenne ich Missverständnisse eher von Betroffenen -- wie meine Mutter oder meine Schwester (wir haben alle drei Brustkrebs). Jede von uns nimmt die Krankheit völlig anders wahr und so empfinden wir auch das Verhalten der anderen als sehr unterschiedlich.
Auch für die Cousine ist "es" erst mit dem Tod überstanden. Ich glaube, du ärgerst dich auch, dass sie es so einfach zu haben scheint, und du dich mit so was besch.... wie Krebs rumärgern musst (kenne das Gefühl gut). Aber dafür kann ja die Cousine nichts, das macht ihre Sorgen, die sie sicher auch hat, nicht weniger real. Die Welt geht weiter, ob wir nun Krebs haben oder nicht :(
sunshineblub
18.12.2009, 18:12
Hallöchen Dolphin,
ich kann dich so so gut verstehen.
Ich könnte jedesmal losschreien wenn Sätze kommen wie z.B.:
> toll wie gut du das weg steckst
> jetzt ist ja alles überstanden und es geht aufwärts.
Seit meine Akuttherapien vorbei sind geht es mir psychisch fast schlimmer als an den schlimmen Tagen während der Chemo.
Ich hatte das erste mal Gedanken wie: ich möchte nicht mehr und ich mache mir viele Gedanken über den Sinn des Lebens, den ich im Moment irgendwie nicht sehe.
Trotzdem gehe ich raus unter Leute und versuche mir meinen tatsächlichen Seelenzustand nicht anmerken zu lassen, denn wenn ich raus gehe möchte ich abschalten und eine schöne Zeit haben.
So kommen die Leute auf die Idee dass es mir gut geht und nun da alles vorbei ist, muss man sich auch nicht mehr um mich kümmern.
Aber ich weis auch das es oft die hilflose Art der Mitmenschen ist. Sie wissen oft nicht wie sich uns gegenüber ausdrücken und verhalten sollen. Deshalb versuche ich bei solchen Worten auf Durchzug zu schalten.
Wenn du solch eine Antwort schreibst, stößt du damit jemanden vor den Kopf wo es vielleicht auch ehrlich meint, aber ein bisschen hilflos dir gegenüber ist.
Mein Rat an dich wäre: hake es ab und versuche es nicht so an dich ran kommen zu lassen - ich weis das ist leichter gesagt...
Ich hatte gestern ein Telefonat mit einer Bekannten deren Mutter gestorben ist. Sie kommt damit überhaupt nicht zurecht und ist auf alle die Leute die gute Laune haben sauer. Sie meinte auch die Bekannten melden sich nicht mehr bei ihr und und und.
Während des Gespräches wurde aber auch klar, dass sie ihre Bekannten abblockt und somit auch klar ist, dass die sich auf Dauer dann eher abwenden. Ich riet ihr auch zu ein bisschen Nachsicht mit den anderen Menschen und deren Hilflosigkeit ihr gegenüber.
Dabei fiel ihr ein, dass in der Familie letztes Jahr auch eine BK hatte und sie hatte sich bei ihr auch nicht oder nur sehr selten gemeldet weil sie nicht wusste wie sie mit ihr umgehen soll.
Ich wünsche dir die Kraft für die Nachsicht den anderen gegenüber.
Liebe Grüsse
Anke
sonnenstrahl
18.12.2009, 18:24
Hallo Dolphin,
ehrlich gesagt finde ich den Satz auf der Weihnachtskarte nicht so schlimm. Sie hat es sicher nur gut gemeint. Und jeder Außenstehende, der nicht mit dem Thema Krebs konfrontiert ist, woher soll er wissen, dass es manchmal Empfindlichkeiten gibt, die man vielleicht gerade gar nicht mag oder hören möchte. ich denke die Geste zählt und manchmal sollte man doch daran denken, wie man selber in der Situation gehandelt hätte. ich weiß noch genau, hab ich früher gehört jemand hat krebs, da kamen ganz schreckliche Gedanken hoch.
Dieses Thema mit den angeblich oder echten "dummen Sprüchen" gab es doch hier im Forum schon ausführlich.
Also Dolphin freu dich über die Weihnachtspost und les nicht irgendwelche Dinge daraus
lieben Gruß sonnenstrahl
Liebe Dolphin
weil du ja gefragt hast, geb ich dir gerne meine Antwort.
Ich finde deinen Brief gut bis auf folgende Saetze "..... gedankenlose Worte, ....leere Worte und Farce". Du haettest es nicht besser beschreiben koennen, wie es einem mit so einer Diagnose geht und wie man sich nach all den Therapien fuehlt. Wenn wir ehrlich sind ging es uns allen so und sage heute Gott sei Dank wusste ich es nicht vorher, denn das haette mir meine bis damals unbefangene Lebensqualitaet genommen. Manche Dinge kann man erst beurteilen, wenn man es erlebt hat und da ich niemanden solche KRebsdiagnosen wuensche, nehme ich es auch kaum jemanden uebel, wenn gut gemeinte Worte fuer mich vielleicht leer und hohl klingen. Wenn es zu dolle wird, klaer ich gerne auf wie beschissen man sich fuehlt und das die Angst nun ein staendiger Begleiter ist. Ich wuerde es mir nicht so zu Herzen nehmen, es war sicher einfach nur gut gemeint und spiegelt vielleicht nur die Hilflosigkeit wider gerne helfen zu wollen aber nicht zu koennen.
Liebe Gruesse
Jewles
Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für eure schnellen und ausführlichen Kommentare. Genauso, wie es darin hin und her schwankt, geht es mir zumeist auch. Mal stehe ich eher auf der Seite "laß es an dir abprallen" und "sie meinen es ja nur gut", dann wieder habe ich das dringende Bedürfnis mal Sachen klar zu stellen. Meist gehe ich den diplomatischen Mittelweg. Und manchmal habe ich auch einfach keine Lust mehr zu beschreiben, wie man sich wirklich fühlt, viele wollen es ja auch gar nicht hören. Ich bilde mir ein, auch bevor ich selbst betroffen war, konnte ich mich schon besser in erkrankte Menschen einfühlen und mir wären solche Kommentare nicht über die Lippen oder in meine Briefe gekommen. Meine Freundin bekam ihre Brustkrebsdiagnose drei Jahre vor mir und wir haben die Zeit gemeinsam durchlebt, jetzt kenne ich beide Seiten. Gute Freunde von mir und meiner Familie haben immer passende Worte gefunden oder mir einfach gesagt, dass sie keine Worte finden und mich in den Arm genommen. Oder mich einfach gefragt, wie es mir geht und echtes Interesse gezeigt. Mitleid will ich ja auch auf keinen Fall aber manchmal wäre etwas Verständnis schön.
Besagte Cousine hat sich übrigens mit dieser Karte das erste Mal seit Bekanntwerden meines Krebses Anfang März diesen Jahres gemeldet. Aber wie auch immer. Die Menschen sind verschieden und wir müssen ja auch nicht alle verstehen und mögen :).
Meinem Mann ist an der Karte auch nichts schlimmes aufgefallen und er ist mein engster Verbündeter (!) ("sie meint es doch nur gut ;)"), außer dass sie auch nach über 26 Jahren meinen Namen noch immer falsch schreibt.
Vielen Dank noch einmal euch allen die ihr schon geantwortet habt und ich hoffe es kommen noch mehr Antworten.
Eure Dolphin :winke:
Hi Dolphin.
YES :D
ich glaube, ich kann exakt nachempfinden, was du bei der Karte empfunden hast. Hab ich auch schon gehabt :).
Und ich verstehe auch deinen Wunsch, darauf zu reagieren. Wenn Dich die Worte verletzt haben, dann würde ich zuersteinmal reflektieren. Warum haben sie mich verletzt? War es wirklich so schlimm? Von wem kamen die Worte? War es eventuell nur Unbeholfenheit...das ganze Introspektionsprogramm und Abwägen. Wenn es dann immer noch so ist, dass Du ein gefühlvon Verletztheit oder Unverstandensein spürst, dann würde ich es auch in Worte fassen. Warum sollen wir unsere Gefühle eigentlich immer niederringen?
Es tut gut, seine echten Gefühle in Worte zu fassen und sie zu adressieren.
Aber ich würde Deine Zeilen nochmal etwas "abkühlen" lassen;) und überarbeiten.
Man muss ja auch immer bedenken, WAS will ich mit den Zeilen erreichen? Will ich hauptsächlich den sogenannten Dampf ablassen? meine akute Verärgerung/Traurigkeit usw. zum Ausdruck bringen? Will ich dem Anderen meine Sichtweise näher bringen und ihn so an meinem Gefühlsleben teilhaben lassen oder seinen Blick zu verändern? Will ich vielleicht sogar dem anderen die Chance geben, seine Worte etwas näher zu erklären,- so also zu mehr Nähe beitragen? dem anderen die Hand reichen und ihm helfen "besser" auf mich (oder andere iun unserer Situation) zuzugehen/mit mir umzugehen?
Ich finde solche Situationen inzwischen ganz gut, denn sie beinhalten das Potential des Wachstums. Auf beiden Seiten.
Auf jeden Fall würde ich das Positive, nämlich dass überhaupt geschrieben wurde!!! -denn das ist nicht Selbstverständlich- mehr betonen.
Und ich würde mehr in der "Ich-Form" schreiben. Die Du-Form wird doch allzuleicht als Angriff empfunden und das Resultat ist dann Kummer auf beiden Seiten. Das gefühl des Unverstandenseins nun beim Anderen ...puh ...nicht schön. Ich-Form tut gut. Beiden Seiten :)
Ich bin gespannt zu was Du Dich entscheidest.
LG
I.J.
Hallo Dolphin,
ich kann mich da gut in dich hinein versetzen.
Man will ja kein Mitleid, aber etwas Mitgefühl damit man sich nicht so verloren vorkommt. Man weiß es, dass man erkrankt ist, fühlt sich aber unter Umständen nicht so und kommt sich vor, als wäre man im falschen Film.
Die "aufmunternden" Sätze die man bekommt (die durchaus gut gemeint sind aus Hilflosigkeit heraus), dass es andere auch geschafft haben, man Stark sein soll und den Kopf nicht hängen lassen soll, BK ja mittlerweile heilbar ist - alles schön und gut...verträgt man nicht immer.
Ich bin jemand der positiv ran geht und sich selber immer wieder ermuntert aber es ständig von anderen zu hören - das gibt mir immer das Gefühl, ich darf nicht mal ab und an Schwäche, Angst oder Trauer verspüren und vor allem zeigen.
Sind doch nicht mal die "Gesunden" ständig gut drauf und von Optimismus gestählt.
Ich mache dann immer eins für mich, wenn ich merke das tut mir nicht gut... ich zieh mich zurück.
Hallo Dolphin,
bitte nichts überstürzen, morgen liest sich die Weihnachtskarte schon wieder anders:rolleyes:
Mir sind seit Bekanntwerden der Diagnose auch Bekannte, so empfand ich es zunächst, aus dem Weg gegangen. Bis sich einer mal äußerte, weil ein Zusammentreffen unumgänglich war: er meinte, er hätte Angst gehabt mich mal anzurufen, weil er mit solchen schlechten Nachrichten nicht umgehen kann.
Er fände nicht die richtigen Worte usw. Er war heilfroh, dass ich so drauf war wie ich war und bekundete mehr Interesse zukünftig.
Also liebe Dolphin, es ist ebend nicht nur für uns zum :smiley11: mit dieser Diagnose umzugehen.
Alles Gute für Dich und ein ernsthaft lieber Weihnachtsgruß;) an Deine Family
Beate
mahanuala
18.12.2009, 23:07
liebe dolphin
dass du so empfindest wie du schreibst, kann ich nachvollziehen.
aber ich würde es nicht schreiben, zumal ich mir vorstellen könnte, daß diese verwandte ohnehin sehr verunsichert war, was sie überhaupt schreiben soll.
viele menschen tun sich schwer damit, weil sie selbst noch nicht in der situation waren bzw nicht wissen, wie man gerade *tickt*, da ja auch betroffene unterschiedlich darauf reagieren.
wir haben während der krebserkrankung meiner frau wenig gute und angemessene reaktionen erlebt und zwei waren total daneben....da ist der satz dieser verwandten ein klacks dagegen ;) (me3in bester freund sagte (o-ton): brustkrebs ist doch ganz einfach: entweder weisst du in fünf jahren daß du gesund bist oder du bist tot!)
viele haben uns später gesagt, daß sie total verunsicher waren was sie sagen oder schreiben sollten...und ich kenne es auch, daß ich manchmal etwas schreiben will an jemanden, der in not ist und nach worten ringe....
...manchmal gelingt es mir wohl, manchmal nicht.
liebe grüße mahanuala
Liebe Dolphin,
habe während der Bestrahlung heute über Deinen Brief nachgedacht.
Die Cousine Deines Mannes weiß mit Sicherheit wenig bis gar nichts konkretes über Brustkrebs,so wie wir vor unserer Diagnose auch.Sie weiß nicht,was es heißt eine Chemo zu machen,die Op zu überstehen,die Bestrahlung durchzuziehen etc. Woher auch?
Und dann möchte sie Dir was sagen,vielleicht Dich aufmuntern-weiß aber nicht wie.Und dann kommen so unglückliche Sachen bei raus...
Ich hatte eine Kollegin,die erkrankte vor 9Jahren an BK.Ich mochte sie sehr gerne und hätte ihr gerne was positives gesagt-ich wußte nicht was und wie.Es ging einfach nicht!Also habe ich nichts gesagt...das war alles vor meiner Diagnose...
Jetzt wüßte ich es besser,aber damals...
Ich wünsche Dir,dass Du es ihr nachsehen kannst.Schlaf noch mal drüber,morgen empfindest Du vielleicht anders.
Mir selber geht es so,dass ich so langsam aus meiner "kranken"Rolle heraus möchte,ich möchte wieder zum normalen Leben gehören.Ich will nicht gefragt werden,wie es mir geht,ich will normal behandelt werden.
LG,Jule
Christa Martina
19.12.2009, 01:23
Hallo Dolphin,
ich kann dich sooo gut verstehen!!! Aber ich glaube auch dass deine Cousine sich nichts dabei gedacht hat, und es nur gut meinte.
Als meine Mutter an Brustkrebs erkrankte, war ich 32. Als sie starb war ich 33. Damals wußte ich eigentlich garnicht so richtig was dass für eine Krankheit war, was sie hatte. Als sie von Chemo und erbrechen und dass es ihr dabei nicht gut ging, erzählte, habe ich mir nichts gedacht, und habe auch, als sie sagte dass sie bald sterben werde, nur gesagt, " ach du wirst schon nicht sterben, bist ja operiert, die Brust ist doch weg !" Wie muss sich dass angehört haben von der Tochter.
2002, 52 jährig, bekam ich selber UK und 2007 auch BK.
Jetzt weiß ich wie es meine Mutter damals ging, und sie bekam keine Begleitmedis usw. und es ging ihr sicherlich schlecht. Erst wenn man selber die Krankheit hat, weiß man wie es ist Krebs zu haben, und da wird man empfindlicher dafür.
Ich höre jetzt auch von meine Kinder, die genauso alt sind wie ich damals : " Mama, du bist ja operiert, du wirst schon nicht sterben ". Seit Tage habe ich Rückenschmerzen, und da geht mir durch den Kopf " sind das Metastasen ? ".
Als ich meine Tochter, es vorhin erzählte sagte sie nur " Mama, es wird schon nichts sein ! "
Was ich sagen will, ich habe inzwischen gelernt, die Worte von Menschen, die kein Krebs haben oder hatten, nicht so sehr auf die Goldwaage zu legen. Sie wissen es nicht besser und meinen es sicherlich nicht schlecht.
Ich würde mir den Brief noch mal angucken, und es vielleicht doch ein bißchen anders formulieren. Wenn wir nicht einfühlsamer werden, Gesunden gegenüber, können wir es von denen auch nicht verlangen.
Liebe Grüsse, Christa
Boxerhund1
19.12.2009, 03:50
hallo Dolphin,
wieso kannst du nicht einfach die Freude deiner Cousine annehmen, die sie mit diesem Satz ausdrücken wollte?
Sie wollte dir nichts Böses, sie wollte dir mitteilen, daß sie sich freut, daß es dir gut geht.
Was erwartest du? Daß jeder, mit dem du zu tun hast, ein ausgebildeter Psychiater wird, deine ganzen persönlichen Erlebnisse und Empfindugen kennt und nachempfinden kann - und dementsprechend dann schreibt?
Ich freue mich auch, wenn es jemanden gut geht - und ich scheue mich nicht, ihm das auch zu sagen. Was ist falsch daran?
Kannst du dich nicht mal mehr an guten Wünschen freuen?
"Gut überstanden" ist sicher ein Begriff, den man AUCH benutzt, wenn einer das Sterben hinter sich gebracht hat. Aber "gut überstanden" ist auch ein Begriff, den man benutzt, wenn jemand eine Krankheit oder einen Unfall ÜBERLEBT hat.
Wieso bist du sauer auf sie, weil sie sich freut, daß du lebst?
Hallo Dolphin,
hast Du mit dieser Cousine oft zu tun? Wenn nicht, dann lohnt sich die Mühe nicht. Du überschüttest jemanden, der sich einfach gefreut hat, dass Du nach den Strapazen der üblichen (bekanntermaßen heftigen) Therapie noch aufrecht gehen kannst, mit den vollen Details und einer dicken Portion Pessimismus, mit der man sonst nur sich selbst oder eine beste Freundin quält.
Ich kann es nachvollziehen, denn immer wenn mir eine Freundin strahlend erzählt, dass eine andere Freundin jetzt geheilt ist, muss ich mir auf die Zunge beißen. Das Wort geheilt ist ein großes Wort.
Andererseits, was hilft uns der Pessimsmus? Manchmal möchte ich mich einfach von dem Optimismus der Unwissenden anstecken lassen. Man glaubt an so Vieles. Warum nicht die eigene Heilung? Kann es was schaden?
Liebe Grüße,
Eleve
hallo liebe dolphin,
ich verstehe dich gut.
auch nach so langer zeit (4dreiviertel jahre) stellen sich mir manchmal die haare auf. jetzt wollen die menschen einfch, dass ich "die alte suzie" bin und "die alte suzie" werd ich aber sicher nicht mehr (naja, alt schon, :smiley1:hope so, aber nicht "die alte")
ich habe einerseits den wunsch, zu vermitteln, wie es mir geht, andererseits sehe ich auch, dass das nicht immer sinn macht. und manchmal kostet es mir auch zu viel energie - also ich frage mich dann, was für mich einfacher geht "erklären" oder "vergessen". kommt natürlich drauf an, wie nahe mir der/die andere steht.
es ist für viele schlicht unvorstellbar... und bis zu einem gewissen grad war es das für mich "vorher" auch. ja, ich hätte vielleicht die eine oder andere dumme meldung nicht gesagt, aber ich hatte sehr wohl das gefühl, dass ich "nicht weiß, was ich nun überhaupt zu erkrankten kollegInnen sagen kann/soll/darf.
und "eigentlich" aus meiner heutigen sicht finde ich es besser, mal was "unsensibles" oder dummes zu sagen, als gar nix.
einige freundInnen haben "gar nix" gesagt und sich dann so nach 3 jahren einfach wieder einklinken wollen in die kommunikation, als wenn da NIX wäre - das wollte ich gar nicht.
aber ich bin da niemandem böse, es ist einfach so - niemand kann immer aufmerksam und sensibel sein.
liebe dolphin, einen ganz herzlichen gruß schicke ich dir!
und euch allen anderen natürlich auch
suzie
Die Schwester meines Mannes erkrankte 2003 an BK, das war vor "meiner" BK Zeit. Wenn ich heute daran denke, was ich alles zu ihr gesagt habe, was ich sie alles gefragt habe usw, wuenschte ich, ein Loch taete sich im Boden auf und ich koenne aus Scham dort verschwinden. Im Nachhinein weiss ich's besser, jetzt bin/war ich selber betroffen und kann das ganz anders empfinden als damals.
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich. ich z.B. bin froh, wenn mich die Menshen behandeln wie dein Cousine dich behandelt. Fuer mich (!!!) ist die Sache abgeschlossen, je weniger ich darueber nachdenke, umso weiter entfernt ist dieser ganze Sch... und das ist fuer mich auch gut so.
Liebe Dolphin, nimm es so wie es wohl gemeint war, als ein Brief von jemandem, der sich einfach freut, dass du den Mist (also die Primaerbehandlung) erstmal ueberstanden hast.
Alles Liebe
Karina
Petra H.
19.12.2009, 19:55
Hallo
ich kann dich sehr gut verstehen mir geht es oft genauso.
Immer wenn ich gefragt werde wie es mir geht, du hörst dich ja so gut an dann könnte ich ko...aber ich glaube, dass die nicht betroffenen wirklich absolut keine Vorstellung davon haben was wir durch machen.
Also sei mit deiner Cousine nicht so hart ich bin mir sicher das sie total hilflos ist und nicht weis was sie sagen oder schreiben kann.
Ich würde nicht so einen harten Brief an sie schreiben auch wenn du total recht hast.
Keiner ausser weis was wir durch machen selbst die Ärzte wissen es nicht
Lg Petra
Hallo Dolphin,
bin ich die einzige? Ich würde den Brief genau so schreiben und abschicken.
Vielleicht, weil ich zwar "mitfühlend" bin, aber dann im Lessingschen Sinn.
Ich will nicht mehr nur Rücksicht nehmen, wo mir gegenüber keine Rücksicht genommen wird. Ich will nicht nachdenklich sein, wo mir gegenüber keine Denkenergie angewandt wird.
Mein BK ist nun 4 Jahre her, es sind nur die Leute übrig geblieben, die mit mir so umgegangen sind, wie ich es auch tun würde. Und die sind bereichernd!!
Ich brauche auchkein Mitgefühl, das erst dann entsteht, wenn frau selbst daran erkrankt.
So wie ich keinen "Zeitgeist"Wein trinke, so brauche ich auch keine "Zeitgeist" Mitfühlenden.
Entweder ich "leide mit" oder nicht. Dann lieber ehrlich sagen, ich weiß hier nicht mehr weiter.
Für dich viel Kraft
Dori
gilda2007
19.12.2009, 23:16
Ich finde es ganz schön arrogant, zu erwarten, dass alle anderen mit einem fühlen müssen. Die anderen haben ihr eigenes Leben und deren Sorgen, auch wenn sie kleiner erscheinen mögen, sind nicht weniger wert. Es ist nun mal so, dass man manche Dinge nicht ganz versteht, wenn man nicht drin steckt. Wie das erste Kind, einen schweren Unfall, eine Hochzeit -- es gibt so viele Dinge im Leben, die ich erst richtig "verstand", als sie mir passiert sind. Aber den Vorteil, den man hat, ist, dass man dann beide Seiten kennt. Man kann doch niemandem zum Vorwurf machen, dass er nicht das gleiche erlebt hat.
Außerdem: Ich habe die Therapien gut überstanden. Dolphin ärgert sich über das "gut", und das finde ich schon heftig. Und wenn Dolphin findet, dass sie sie nicht gut überstanden hat, würde ich vorschlagen, sich für die guten Wünsche zu bedanken und dann ganz ohne Vorwurf bemerken, dass es einem noch nicht so gut geht. Die Cousine muss doch keine Hellseherin sein. Mit so einem Vorwurf erreicht man meiner Meinung nach eh nichts. Wenn mir das pasieren würde, würde ich mich sofort abkehren und denken "mach doch deinen Kram alleine". Wenn mir jemand sagt "du, eigentlich habe ich gar nicht das Gefühl, es so gut überstanden zu haben. Mir geht es oft noch recht schlecht und ich habe Angst, dass der Krebs wieder kommt.", dann könnte ich mitfühlen. Bei Vorwürfen würde ich nur abblocken. Vor allem in diesem Fall, wo man sich nicht nahe steht.
Das ist jetzt provokant, aber ich bin nicht erstaunt, wenn manche Leute nicht in Kontakt bleiben. Ich habe zwei schwere Krankheiten und von Anfang an war mir klar, dass man selbst letztlich bestimmt, wie man von den anderen gesehen und behandelt wird. Mit so einer Anspruchshaltung wundern mich die negativen Reaktionen der Umwelt nicht allzu sehr. Sorry, auch wenn man krank ist, kann man von den anderen Leuten nicht erwarten, dass sie plötzlich alle therapeutisch geschult auf einen eingehen. Meine Meinung ...
mischmisch
20.12.2009, 00:45
@ Gilda,
einfach nur...DANKE.
@ Dorli,
hast du dir mal überlegt, warum dir gegenüber keine (so wie du es nennst) "Denkenergie" angewandt wird?
Warum sollen Menschen mit dir "mitleiden"??
Tust denn du es denn - oder nimmst du es nur für dich in Anspruch?
Nachdenklich
Rosita
Tanja1968
20.12.2009, 08:42
Meine Mutter erkrankte vor 22 Jahren an Krebs und ich habe das damals fast schon als Lappalie abgetan, denn es ging ihr schnell wieder "gut"!
Seit ich selbst erkrankte, durchlief ich verschiedene Phasen der Trauer und Ängste und entsprechend unterschiedlich fühlte ich mich. Mal war ich dankbar für aufmunternde Worte wie " das kriegst du hin", weil sie mir Mut machten. Ein andermal ärgerte ich mich ob der Ignoranz darüber ganz erheblich.
Wir verlangen viel von unserem Umfeld ab, aber viele können erst dann Empathie entwickeln, wenn sie sich mal in einer ähnlichen Lage befanden. Und auch dann sieht man vieles noch aus unterschiedlichen Aspekten.
Schau dich doch nur mal hier im Forum um, wie unterschiedlich Betroffene mit der Erkrankung umgehen!
Ich kann deine Gedankengänge nachvollziehen - manchmal habe ich sie auch. Aber ich mache sie nicht anderen zu Vorwurf.
Und wer sind wir, uns anmaßen zu können, wie man richtig mit uns umgeht? Tun wir das bei anderen auch? Machen wir uns Gedanken darüber, wie bsp. ein gehörloser Mensch sich fühlt, wenn er unter Hörenden ist und deren Konversation nicht folgen kann? Ich glaube, Aufklärung ist wichtig - Verurteilung hingegen nicht.
Das "gut" in der Karte deiner Cousine bezieht sich meines Erachtens nicht darauf, dass du eine kraftzehrende Therapie machen musstest, sondern einfach darauf, dass sie sich freut, dass du lebst!!!
Hallo an alle,
vielen, vielen Dank für eure zahlreichen Ausführungen und auch die vielen PNs. Ich freue mich wirklich so viel Resonanz auf meine Gedanken bekommen zu haben! Und ganz ehrlich, irgendwie finde ich mich in so ziemlich allen wieder :o. Und nur um es noch mal deutlich zu machen, dieser Brief beschreibt nur, was in meinem Kopf vorgeht, er war nicht zum Absenden gedacht. Trotzdem hätte ich in einem Gespräch sicherlich versucht zu erklären, was wirklich in mir vorgeht, allerdings natürlich schonender. Vor allem versuche ich das aber Menschen zu vermitteln, an denen mir wirklich etwas liegt! Und noch immer finde ich, man sollte lieber gar nichts sagen, als unpassende Floskeln.
Ich wünsche euch allen ganz friedliche und besinnliche Feiertage und viele lieb gemeinte und auch so ausgedrückte gute Wünsche.
:engel: Merry X-mas Dolphin
Hallo an alle,
wir hatten das Thema ja schon öfter und ich kann nur noch einmal betonen, dass auch ich innerlich furchtbar reagiere, wenn man mir sagt, wie gut ich aussehe und ja nun wieder gesund sei.
Ja sicher sind meine Zähne in Ordnung, die Haare wieder da und ich schminke mich. Dass ich ein LYMPHÖDEM, ein karpaltunnelsyndrom und Rückenschmerzen habe sieht man ja nicht.
Ich habe da mal eine Frage:
Ich höre immer wieder die Frage ob ich von den Ärzten für gesund erklärt worden bin. Habe auch gelesen, dass eine BK-Erkrankte nach 5 Jahren für gesund erklärt worden ist.
Kann man bei BK gesund erklärt werden?
Ich antworte immer, ich bin fertig behandelt. Hatte 2007 aggr.BK, Grad 3, 2,5 cm gross uns 1 LK stark befallen. Habe auch meinen Port noch, weil sich die Onkologen immer noch sträuben, ihn rauszunehmen. Ich solle 2 Jahre nach Beendigung der Therapie warten.
Wieso sollte der Port denn drinbleiben wenn man angeblich gesund ist?
Ich hätte gerne eure Erfahrungen. Wurdet ihr für gesund erklärt? Fühlt ihr euch gesundet?
Ängel:engel:
Andrea_1975
21.12.2009, 15:39
Hallo ängel,
soweit mir bekannt ist, ist es so, daß man (frau) nach dem heutigen Stand der Wissenschaft erst nach 5 Jahren als "geheilt" gilt. Wenn innerhalb dieser Zeit keine Rezidive oder Metas aufgetreten sind, ist die "Chance" wieder an BK zu erkranken wohl rein statistisch genauso hoch wie bei gesunden Menschen.
Innerhalb der ersten zwei Jahre ist die Rückfallgefahr noch sehr erhöht (wieder laut Statistik), deshalb wird auch empfohlen, den Port noch nicht zu entfernen.
Ich persönlich hab mich allerdings schon jetzt dafür entschieden, mir den Port möglichst früh wieder entfernen zu lassen - ich steh zwar noch so ziemlich am Anfang der Therapie, wünsche mir aber nichts sehnlicher, als wieder in mein normales Leben zurückzukehren. Und dieses Implantat wäre für mich immer eine körperlich spürbare Erinnerung.
@dolphin: sicherlich ist der "richtige" Umgang mit uns BK-Erkrankten schwierig, und nicht jeder Mensch hat das Talent, immer die richtigen Worte zu finden. Aber fakt ist doch, deine Cousine hat sich endlich bei dir gemeldet. Ich persönlich finde es schlimmer, daß manche Menschen einfach so tun, als würde ich, seit ich erkrankt bin, gar nicht mehr existieren. Kein Anruf, keine Karte, keine Nachfrage "wie geht´s dir denn?". Ich finde, schweigen ist schlimmer als eine Floskel oder ein vielleicht dummer Spruch.
Vielleicht solltest Du Deine Cousine einfach anrufen, im persönlichen Gespräch läßt sich vieles einfacher klären als in einem Brief.
Wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit.
http://www.smileygarden.de/smilie/Weihnachten/smilie_xmas_207.gif (http://www.smileygarden.de)
hallo Dolphin
unabhängig wie die Worte gemeint waren, haben Deine "Stehhaare" nur Dir Aufregung gebracht.
Man ist in "unserer" Situation etwas dünnhäutiger und man versteht manchmal auch etwas falsch.
Besinn Dich einfach mal auf Dein sonstiges Verhältnis zu der Person, dann kannst Du vielleicht eher abschätzen.
Verstehen kann ich Dich vollkommen.
Solche oder ähnliche Ansagen habe ich auch schon bekommen und dann geschluckt und an was Schönes gedacht.
Man muß immer auch berücksichtigen das Krebs für jeden der ihn nicht selbst hat, nur ein Wort mit dunklem Hintergrund ist.
Krebs und seine Begleit"Qualen" erleben, erleiden, durchleben, durchleiden, empfinden.......kann NUR DER !!!!! der selbst auch betroffen ist.
Für alle anderen ist es einfach nur eine schreckliche Erkrankung, deren Ausmaße sich NIEMAND auch nur annähernd vorstellen kann.
Und ganz genauso war es für mich bis vor einem halben Jahr gewesen und das trotzdem ich eine Tochter mit einem Speiseröhrenkrebs habe, also Krebs für mich keine "Fremdwort" war.
Also, Kopf hoch und durch und sehe es ihr nach.
Alles Liebe :pftroest:
Hedi :D
gilda2007
21.12.2009, 17:54
Hallo an alle,
wir hatten das Thema ja schon öfter und ich kann nur noch einmal betonen, dass auch ich innerlich furchtbar reagiere, wenn man mir sagt, wie gut ich aussehe und ja nun wieder gesund sei.
Ich habe da mal eine Frage:
Ich höre immer wieder die Frage ob ich von den Ärzten für gesund erklärt worden bin. Habe auch gelesen, dass eine BK-Erkrankte nach 5 Jahren für gesund erklärt worden ist.
Ich hätte gerne eure Erfahrungen. Wurdet ihr für gesund erklärt? Fühlt ihr euch gesundet?
Ängel:engel:
Wir sind etwa zur gleichen Zeit erkrankt, auch ein Lymphknoten befallen. Ich freue mich immer sehr, wenn man mir sagt, dass ich gut aussehe. Darüber freute ich mich aber schon während der Chemo. Mich baute das immer auf.
Du verwechselst glaube ich gesund mit geheilt. Wie schon erwähnt, gilt bisher die Konvention, dass man als geheilt gilt, wenn man 5 Jahre ohne Rückfall schafft.
Gesund, was heißt gesund? Ich habe eine MS und erkrankte an Brustkrebs. Da ich bisher keinen Rückfall hatte und schon lange keinen MS-Schub mehr, fühle ich mich gesund. Und ich freue mich immer, wenn ich das sagen kann, und wahrscheinlich strahle ich, wenn mir jemand sagt, wie gut ich aussehe. Und ob ich von den Ärzten für geheilt erklärt werde oder nicht, finde ich ohne Bedeutung. Hellsehen können Ärzte auch nicht. Und ich hatte den Krebs in mir, als ich für alle anderen noch als gesund galt. Bedeutet krank sein also, dass einmal eine Krankheit erkannt wurde und gesund, dass man von nichts weiß? Irgendwie ist es für mich nicht relevant ...
Liebe Dolphin,
zunächst einmal wollte ich dir sagen, dass ich dich sehr gut verstehen kann. Es gibt einfach Tage, an denen man so "oberflächliche" Floskeln nicht gut verträgt und an anderen macht es einem dann gar nichts aus.
Bei mir ist es meist so, dass ich mich über solche Floskeln aufrege, wenn es Menschen sind, von denen ich eigentlich mehr erwarten würde. Kann mir vorstellen, dass das im Falle deiner Cousine vielleicht auch so war.
Und dann wollte ich dich Fragen, ob ich deine sehr gut geschriebenen Worte bei Gelegenheit benutzen dürfte? Ich finde du hast unser aller Situation sehr gut beschrieben!
Hatte auch schon mehrere solcher Erlebnisse. Eines davon war bei einem unserer Konzerte dieses Jahr. Das fand beim Sportfest statt, wo am Abend zuvor eine Beachparty war und deshalb neben der Bühne ein riesiger Sandhaufen war. Unser Dirigent legte "Beach Boys" auf und meinte dann - "Na die Flöten könnten bei diesem Stück ja "OBEN OHNE" auf dem Sandhaufen spielen. Natürlich hat alles gelacht - nur ich hab mir gedacht "na ob ihr eine Brustamputierte Frau so toll finden würdet..." Früher hätte ich auch drüber gelacht. Das geht heute nicht mehr! Soviel also zu dem Einfühlungsvermögen anderer "uns" gegenüber.
Hallo Cori,
zu dir möche ich sagen - du hast deine Worte hier bestimmt auch gut gemeint. Dennoch, hat man rausgehört, dass du selbst nur indirekt betroffen bist. Aber wahrscheinlich kannst du nicht nachfühlen, wie dünnhäutig man wird, wenn man so eine Geschichte erlebt. Wie gesagt, es gibt eben Tage, da achtet man nicht drauf und andere, da geht man wegen jeder Kleinigkeit in die Luft.
gilda2007
21.12.2009, 21:35
@Theodora
Ich kann Cori nur voll zustimmen. Und ich bin Betroffene, wie meine Schwester und meine Mutter!
Ich fand es immer schrecklich, wenn meine Freundinnen mir von ihren Sorgen erzählten, mitten drin abbrachen und meinten: "Was belästige ich dich damit, du hast viel schlimmere Sorgen." Ich wollte es hören, ich wollte weiter auch Freundin für sie sein.
Bedeutet das, wenn ich heute zu jemandem sage: "Schön, dass du gut angekommen bist", dass ich gleich eine verständnisvolle Abhandlung über die Verkehrslage im allgemeinen und die Straßensituation bei Schnee im besonderen anhängen muss?
Ich denke wir nehmen die Krankheit alle anders war, aber auch als Betroffene hat man die Wahrheit nicht für sich gepachtet ...
gilda2007
22.12.2009, 02:20
Das fand beim Sportfest statt, wo am Abend zuvor eine Beachparty war und deshalb neben der Bühne ein riesiger Sandhaufen war. Unser Dirigent legte "Beach Boys" auf und meinte dann - "Na die Flöten könnten bei diesem Stück ja "OBEN OHNE" auf dem Sandhaufen spielen. Natürlich hat alles gelacht - nur ich hab mir gedacht "na ob ihr eine Brustamputierte Frau so toll finden würdet..." Früher hätte ich auch drüber gelacht. Das geht heute nicht mehr! Soviel also zu dem Einfühlungsvermögen anderer "uns" gegenüber.
Verstehe ich nicht, wo siehst du mangelndes Einfühlungsvermögen. Hätte der Dirigent bedenken sollen, dass jemand Brustkrebs haben könnte? Diese Argumentation würde dann für alle Frauen gelten, die nicht der gesellschaftlichen Schönheitsnorm entsprechen. Ich sage nur "Hängetitten". Daran hat er bestimmt auch nicht gedacht, wie an so vieles anderes nicht. Political Correctnes muss auch irgendwo ein Ende haben.
@schnuckel
Ich glaube, du hast recht:o
BarbaraO
22.12.2009, 17:04
Verstehe ich nicht, wo siehst du mangelndes Einfühlungsvermögen. Hätte der Dirigent bedenken sollen, dass jemand Brustkrebs haben könnte?
Nö, das hätte er nicht.
Er hätte aber bedenken können, dass er mit Frauen redet und sich eine so frauenfeindliche Bemerkung überhaupt verkneifen können.
Wenn er es nicht lassen kann, dann kann er sich sowas für seinen Stammtisch aufbewahren.
Gruß
gilda2007
22.12.2009, 17:25
Das steht auf einem ganz anderen Blatt ... Diese Diskussion wollte ich nicht auch noch anfangen :raucht:
BarbaraO
22.12.2009, 17:55
Wo Du Recht hast, hast Du Recht:)
zustimmender Gruß
Hallo,
ich denke ihr habt recht - jeder empfindet das ganze anders. Und dass jeder anders reagiert ist doch klar - schließlich hat jeder seine eigene Geschichte!
Was ich sagen wollte ist nur, dass ich gut verstehen kann, dass man sich in manchen Situationen auf den "Schlips" getreten fühlt. Das heißt ja nicht, dass man "blöd" reagieren muss. In solchen Situationen reagiere ich einfach gar nicht. Ich übergehe sie. Und ich glaube Dolphin hat genau das gleiche getan - sie hat ihren Frust halt einfach hier im Forum abgelassen, und hier ist ja auch genau der richtige Platz dafür. Denn wenn man hier nicht verstanden wird, wo dann???Genau dafür sollte dieses Forum ja da sein, oder nicht?
Übrigens hat sich unser Dirigent in der nächsten Probe bei mir entschuldigt - und das obwohl ich nichts gesagt oder getan habe, was ihn drauf hätte bringen können, dass ich's daneben fand. Er war wohl selber der Meinung, dass es daneben war...
vBulletin® v3.8.7, Copyright ©2000-2026, vBulletin Solutions, Inc.