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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom


busawi
06.07.2010, 14:15
Hallo,
mein Vater, 77 Jahre alt, hat es erwischt. Gestern haben wir von der Lungenärztin das Ergebnis der Biopsie erhalten. Es ist ein 3 x 4 cm großes nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, welches nicht operabel ist, weil es um die Luftröhre gewachsen ist. Die Ärztin erklärte uns, es gäbe jetzt 2 Möglichkeiten. Entweder lässt er nicht´s machen und man würde ihm dann mit Schmerzmitteln usw. versuchen, ihm das Leben noch so gut wie möglich zu erleichtern oder man würde mit Bestrahlung und Chemo versuchen, noch ein paar Monate zu gewinnen. Mein Vater hat sich für die 2. Variante, also Bestrahlung und Chemo, entschieden und wartet nun auf den Anruf der Ärztin, wann er in´s Krankenhaus muss. Die Tumorkonferenz hätte entschieden, da er so viele andere Krankheiten hat, u. a. Zucker, Niereneinschränkung, mit dem Herzen, dass bei ihm die Bestrahlungen alle stationär gemacht werden sollen.
Ich bin erst einmal so vor den Kopf geschlagen und weiß eigentlich nicht, wie es weitergehen soll. Welche Chancen hat er? Wie lange hat er noch zu leben? Muss er sich endlos quälen? All diese Gedanken jagen mir durch den Kopf und ich kann sie nicht abschalten. Vielleicht könnt Ihr mir ein bisschen dabei helfen, alles zu verstehen und mir Kraft zu geben.

Boxerhund1
07.07.2010, 01:48
hallo Busawi,

auch wenn es ein trauriger Anlaß ist... erstmal willkommen hier.

Daß du jetzt grad total durcheinander bist, ist völlig normal. So eine Diagnose ist ein fürchterlicher Schock - und den muß man erstmal verdauen.

Dein Vater hat sich für eine palliative Therapie entschieden. In wieweit die anschlägt, und wie lange er noch lebt, das kann dir/euch im Moment keiner sagen. Wochen, Monate, vielleich ein Jahr... das ist momentan nur Spekulation.

Ich kann dich allerdings in sofern beruhigen, daß es heute gute Therapien gibt, um im Endstadium das Leiden deutlich zu lindern, Schmerzen, Atemnot und Angst zu nehmen - und falls erforderlich auch eine entsprechende Sedierung einzuleiten, so daß kein Sterbender mehr unnötig leiden muß.
Dieses zu überwachen - und notfalls auch einzufordern, falls es nicht automatisch passiert - wäre dann deine Aufgabe, wenn dein Vater dann am Ende seines Weges angekommen ist.

Soweit aber seid ihr noch nicht, so wie du es jetzt beschreibst. Noch habt ihr Zeit vor euch.
Eine Sache aber wäre wichtig jetzt. Falls das noch nicht geschehen ist, dann sprich deinen Vater in einer ruhigen Minute darauf an, ob er eine Patientenverfügung machen will und eine Vorsorgevollmacht mit einem Menschen seines Vertrauens, der dann im Zweifelsfall alle Entscheidungen treffen kann im Sinne deines Vaters.

Wünsche dir und deinem Vater alles erdenklich Gute.

busawi
07.07.2010, 09:34
Hallo Cori,
vielen Dank für Deine einfühlsamen Worte. Es tut gut, wenn man verstanden wird. Nächsten Mittwoch muss mein Vater in´s Krankenhaus, er soll sich auf eine längere Zeit einrichten, hat die Ärztin gesagt. Ich glaube leider nicht an Wunder. Das mag zwar furchtbar klingen, aber je mehr ich in diesem Forum lese, desto mehr mache ich mir Sorgen. Aber ich glaube, das ist völlig normal. Ich habe mich ja zum Glück noch nie mit diesem Thema befassen müssen. Man schiebt immer alles so weit weg.
Und dann tritt es einen knallhart. Wir müssen jetzt damit leben und meinen Vater, so gut als möglich, versuchen, aufzubauen. Es ist so schwer.

busawi
07.07.2010, 09:35
Hallo Cori,
vielen Dank für Deine einfühlsamen Worte. Es tut gut, wenn man verstanden wird. Nächsten Mittwoch muss mein Vater in´s Krankenhaus, er soll sich auf eine längere Zeit einrichten, hat die Ärztin gesagt. Ich glaube leider nicht an Wunder. Das mag zwar furchtbar klingen, aber je mehr ich in diesem Forum lese, desto mehr mache ich mir Sorgen. Aber ich glaube, das ist völlig normal. Ich habe mich ja zum Glück noch nie mit diesem Thema befassen müssen. Man schiebt immer alles so weit weg.
Und dann tritt es einen knallhart. Wir müssen jetzt damit leben und meinen Vater, so gut als möglich, versuchen, aufzubauen. Es ist so schwer und das Schlimmste ist die Hilflosigkeit. Ich bin so verzweifelt.

Mariesol
07.07.2010, 15:58
Liebe Busawi,

zunächst möchte ich Dir ein herzliches Hallo sagen.
Mein Vater hatte ein nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom.
Er bekam eine palliative Chemotherapie. Sie sollte ihm noch einige Monate guter Lebensqualität schenken.
Mein Vater hat sehr tapfer und vor allem sehr zuversichtlich alles ertragen, wollte er doch so gerne noch 70 Jahre alt werden. Leider ist er nur 2 Monate nach seinem 69 Geburtstag gestorben.Was ich heute sagen kann ist, dass es ganz wichtig war, dass mein Vater aktiv gegen die Krankheit angegangen ist. Das war unglaublich wichtig für ihn. So fühlte er sich nicht ausgeliefert und hatte das Gefühl noch "frei" zu sein.
Die Chemo hat eine Weile auch positive Ergebnisse gebracht und das hat uns allen gut getan.Die Nebenwirkungen haben uns sehr viel Energie gekostet.
Ich würde sagen...auch sehr viel Lebensqualität genommen. Da waren Haarausfall das aller wenigste.... Ddeser tat nicht weh und hat sein Leben nicht beeinträchtigt.
Natürlich geht es jedem Menschen anders mit der Chemo. Mein Vater ist recht gut gestartet. Hat sonst keine anderen Erkrankungen, war top fit und hatte ein gutes Startgewicht. Leider hat er nie aufgehört zu rauchen und hat auch nicht sehr ausgewogen gegessen. Er lebte alleine und wenn ich nicht wie eine Furie hinterher war, hat er ziemlich geschlampert.
Ich bin jedoch um jeden einzelnen Tag dankbar, welcher uns die Behandlung zusätzlich geschenkt hat...
Alles Liebe und Gute Mariesol

Boxerhund1
08.07.2010, 01:02
hallo Busawi,

ich kann deine Hilflosigkeit und Verzweiflung gut nachempfinden.

Ich wuchs praktisch auf mit der Diagnose Krebs. Ich war 9 Jahre alt, als meine Mutter zum ersten Mal damit getroffen war. Immer wieder hatte sie es geschafft, viele gute und gesunde Jahre dazwischen - und ich hätte nie gedacht, daß sie es noch ein 4. Mal trifft - und dieses letzte Mal gab es keine Hoffnung - es ging alles ganz schnell innerhalb weniger Wochen. Zum ersten Mal hab ich da auch diese Hilflosigkeit und Verzweiflung gefühlt - diese Hoffnungslosigkeit.

Es dauert, bis man anfängt, es zu begreifen, es dauert noch länger, bis man das Unabänderliche anfängt zu akzeptieren. Man fühlt sich überrollt von den Ereignissen, kommt mit dem Begreifen kaum hinterher.

So geht es dir jetzt auch... du fühlst dich in einem Strudel gefangen, hast das Gefühl, jede Kontrolle verloren zu haben.

Drum solltest du versuchen, euer Leben so gut wie im Moment möglich auf "Normalität" zu trimmen, so gut es irgend geht, an der Normalität festzuhalten - das hilft zumindest ein bißchen, daß man nicht ganz den Boden unter den Füßen verliert. Ich weiß, es hört sich idiotisch an.
Ich weiß ja, daß es grad keine Normalität gibt, daß plötzlich alles infrage gestellt ist, nichts mehr so ist, wie es sein sollte.
Aber es hilft einem wirklich, etwas die tägliche Routine aufrecht zu erhalten - so schwer es auch ist, sich zwingen zu funktionieren im täglichen Ablauf, sich Schritt für Schritt der Situation anzunähern und zu stellen.
Es kostet unendlich viel Kraft, aber irgendwoher kommt auch diese Kraft. Man aktiviert Reserven, von denen man nicht mal wußte, daß man sie hat.
So wird es auch bei dir sein.

busawi
08.07.2010, 08:11
Hallo Mariesol,
hallo Boxerhund,
eben habe ich Eure tröstenden Worte gelesen und die Tränen liefen schon wieder unaufhaltsam. Da ich jetzt aber auf Arbeit bin, muss ich die Tränen runterschlucken und einfach weitermachen. Vielen Dank, dass Ihr mich in Euren Kreis aufgenommen habt. Ich weiß ja eigentlich, dass ich jetzt einfach funktionieren muss, weil es immer weitergeht und Ablenkung auf jeden Fall hilft. Diese Erfahrung habe ich schon öfter machen können. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es doch jetzt einfach keine Normalität gibt. Ein mir sehr naher Mensch wird wahrscheinlich bald sterben. Das kann doch einfach nicht wahr sein. Ich will es eigentlich nicht wahr haben einerseits, andererseits sehe ich auch ganz klar, dass mein Vater 77 Jahre lang ein gutes Leben hatte und irgendwann gehen muss. Ich habe immer einmal damit gerechnet, dass meine Mutter mich anruft und sagt, dass mit meinem Vater etwas passiert sei. So war es in unserer Familie immer. Wir wollen nicht, dass jemand Liebes sich quälen muss und wir dabei hilflos zuschauen müssen. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Leider sind wir nicht Gott und können das nicht bestimmen, wer wie zu sterben hat.
Mein Vater war in den letzten Jahren schon sehr oft lungenbelastet, hatte im Herbst letzten Jahres eine Lungenentzündung (war es überhaupt eine oder schon der Anfang vom Krebs?), wurde viel zu früh aus dem Krankhaus entlassen, bekam wenig später einen Rückfall, wurde wieder mit Lungenentzündungsverdacht eingeliefert, der sich dann aber als kleiner Herzinfarkt herausstellte, er in ein anderes Krankenhaus verlegt wurde, wo man den Infarkt besser behandeln konnte. Von der Lunge war ab diesem Zeitpunkt keine Rede mehr. Man konzentrierte sich auf das Herz. Er erholte sich dann etwas, fuhr im Dezember zur Kur, seinen Husten wurde er aber nie richtig los. Die Hausärztin behandelte ihn mit Antibiotika, die Lungenärztin gab ihm einen späten Termin. Wir schimpften schon mit meinem Vater und sagten, er solle doch zu einem anderen Arzt mal gehen, aber wie die alten Leute sind, hat er das nicht gemacht. Erst, als die Hausärztin nicht mehr weiter wusste, überwies sie ihn wieder zur Lungenärztin, als sie hörte, dass er blutigen Auswurf hatte (wusste ich bis zum Gespräch mit der Ärztin am Montag auch nicht), schickte sie ihn dann endlich zur CT. Das Ergebnis ist ein nicht operables nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom.
So, nun habe ich meinen Frust auf die Ärzte runter geschrieben. Gestern konnte ich mit der Lungenärztin nochmals sprechen, sie hatte sich die Röntgenbilder vom Herbst, als er im Krankenhaus war, mal angefordert. Dort war noch nichts zu sehen. Dementsprechend muss der Krebs innerhalb eines halben bis dreiviertel Jahres gewachsen sein. Ständig war er auch heiser und die Ärzte haben ihn nicht gut behandelt. Dabei sollte man doch Vertrauen in seine Ärzte haben.
Jetzt nutzt kein Lamentieren, wir müssen jetzt stark sein, irgendwie. Woher die Kraft dafür kommt, weiß ich noch nicht.
Die Ärztin sagte, dass er ohne Behandlung vielleicht noch ein halbes bis dreiviertel Jahr zu Leben hat. Mit Behandlung vielleicht ein paar Monate länger. Da merkt man, dass das Leben nicht unendlich ist. Aber warum gerade wir. Ich weiß, das klingt bescheiden, aber im Moment bin ich sehr durcheinander. Tut mir leid, dass Ihr das jetzt nun ertragen müsst, wenn Ihr das lest. Liebe Grüße Busawi

Mariesol
09.07.2010, 11:09
Liebe Busawi,

leider ist es bei Bronchialkarzinomen sehr häfig so, dass sie erst sehr spät erkannt werden.
Auf einer Röntgenaufnahme ist ein Tumor erst ab 1,5 cm Größe sicher erkennbar. Wenn es ein Kleinzeller ist, wächst dieser so rasant, dass es fast unmöglich ist hier schon in einem frühen Stadium einzugreifen.
Mein Vater hatte eine besondere Form eines Plattenephitelkarzinoms, welches sowohl für ein sehr raschen Wachstum als auch für sehr schnelle Metastasenbildung bekannt ist. Ich habe mich nicht damit aufgehalten zu sinnieren was gewesen wäre wenn und was ich gemacht hätte. Ich habe die Tage mit ihm gelebt und mich dafür eingesetzt, dass er die bestmöglichste Medikation und auch die beste Pflege erhält. Heute sehr ich in den Spiegel und sage...alles richtig gemacht.
Mein Schwiegervater hatte drei Schlaganfälle. Zum Schluss war er völlig verwirrt, die Spucke floss ich dünnen Fäden unaufhörlich aus seinem Mund und er konnte sich nicht mehr artikulieren.
Mein Vater welcher das Bronchialkrzinom hatte, bewahrte sich bis zum Schluss seine kleinen Freiheiten und behielt seine Würde.
Das hat mir sehr geholfen und hilft mir auch jetzt noch immer seinen Tod und seine Krankheit zu akzeptieren.
Zugegebenermaßen...Lungenkrebs ist wie ein Keulenschlag...genießt jeden Stunde miteinander.....tut alles was ihr schon immer mal tun wolltet..das ist eine wunderbare, begleitende Therapie.
Viel Kraft und viel Zuversicht wünscht Euch Mariesol

busawi
19.07.2010, 14:05
Hallo, erst jetzt komme ich wieder dazu, ein paar Zeilen zu schreiben. Bin schon wieder auf dem Weg in´s Krankenhaus. Die ersten drei Bestrahlungen hat mein Vater schon hinter sich. Bis jetzt noch keine Nebenwirkungen, aber wahrscheinlich auch normal. Er soll 25 Bestrahlungen bekommen. Eine Chemotherapie lehnt er ab, will erst einmal sehen, ob die Bestrahlung hilft. Wir können ihn nicht zwingen. Hatte am Freitag bei der Ärztin einen Termin zum Gespräch. Es handelt sich nun eindeutig um ein Plattenepitelkarzinom (ich weiß nicht, ob´s richtig geschrieben ist). T2N1P0, so wohl die genaue Bezeichnung. Da mein Vater aber keine Chemo will, wollen sie in der Klinik auf keine PET Untersuchung machen. Ich glaube, wenn ich nichts gesagt hätte, hätten die dort auf alle weiteren Untersuchungen, wie CT vom Kopf, verzichtet. Ich weiß nicht so recht, ob er dort gut aufgehoben ist. So, muss jetzt erst mal wieder los in´s Krankenhaus. Später dann mehr.
Liebe Grüße
busawi

Mariesol
27.07.2010, 12:36
Hallo Busawi,

habe lange nichts von Euch gehört.
Wie gehts bei Euch?

Mariesol

busawi
27.07.2010, 14:37
Liebe Mariesol,
ich dachte schon, es interessiert sich niemand für mich :huh:. Deshalb habe ich still bei den anderen mitgelesen. Freue mich sehr, dass Du nachfragst.
Mein Vater hat nun schon 9 Bestrahlungen hinter sich. Es hat sich, so etwas sagte die Ärztin aber auch schon im Gespräch letztens, hinter dem Karzinom die Lunge entzündet, d. h., er kämpft mit leichtem Fieber. Allerdings geht es ihm relativ gut unserer Meinung nach. Ein CT vom Kopf sowie vom Herz wurde gemacht - keine Metastasen - ein Glück. Mein Vater wehrte sich wie ein Kind dagegen und sagte, er will nicht wissen, ob in seinem Kopif alles noch stimmt. Das haben wir einerseits belächelt, andererseits haben wir ihm auch gesagt, dass, wenn seine Lunge vielleicht wieder einigermaßen o. k. ist, es dann nicht so toll wäre, wenn im Kopf etwas ist. Ich glaube, und eigentlich ist es wahrscheinlich auch gut so, dass meine "alten" Leute, sprich meine Eltern, das ganze Ausmaß und die medizinischen Begriffe nicht bis in´s kleinste Detail verstehen. Sie hatten ja auch noch nie mit der Krankheit zu tun. Wir hoffen, dass er vielleicht am Wochenende mal nach Hause kann, hoffentlich ist das Fieber dann weg, damit er mal was anderes sieht als kranke Menschen. Auf so einer Krebsstation sieht man schon schlimme Dinge, leider.
Leider ist vor einer Woche auch noch mein Schwiegervater plötzlich an einer Lungenentzündung verstorben. Zu allem Unglück auch noch dieses Unglück. Damit hatte keiner gerechnet. Er war wohl schon länger krank, aber er hat es gut verstecken können. Wir vermuten, dass er wusste, wenn er zum Arzt geht, dass kein gutes Ergebnis herauskommt. Die Schwiegermutter durfte den Notarzt nicht rufen, ich glaube, er wusste irgendwie was kommt. Er sagte nur zu ihr, Du willst mich nur los werden. Ja, so sind leider die alten Leutchen.
Da hat natürlich meinen Vater sehr mitgenommen. Erst wollte er unbedingt mit zur Beerdigung, wenn er vielleicht am Wochenende nach Hause kommt. Jetzt ist er aber vernünftig und will dann doch nicht mitgehen. Diese seelische Belastung muss er sich in seiner Situation jetzt nicht antun, denke ich.
Viele Grüße
busawi

Mariesol
27.07.2010, 15:58
Ach jee...mein herzliches Beileid. Ich kann mir vorstellen, dass es Dir gerade gar nichtgut gehen kann.
Ich selbst habe dies früher alles weit weg geschoben, dachte unsere Eltern werden noch sehr lange bei uns bleiben. ich hatte ein Alter so um 80 im Kopf.
Leider ist keiner so alt geworden. Wir haben innerhalb von 5 Jahren 3 Elternteile verloren.Das hat ganz viel mit mir gemacht...Ich bin nachdenklicher, ängstlicher, aber auch mutiger...mutiger die Tage zu leben. Ich hatte früher ein schlechtes Gewissen wenn es mir zu gut ging. Ich nahm artig das kleinste Stück Torte und lies allen anderen den Vortritt.Nun bin ich forscher. Wenn ich etwas wirklich möchte, dann tue ich es einfach oder ich nehme es mir.Carpe Diem!

Alles Liebe und ganz viel Kraft Mariesol

busawi
28.07.2010, 08:40
Hallo Mariesol,
vielen Dank für Deine lieben Worte.
Mir tut es sehr leid, dass Du innerhalb von 5 Jahren so viel Leid erfahren musstest. Das kann ein Mensch doch eigentlich gar nicht aushalten. Aber, ich glaube, unsere Körper haben dafür eine Art Geheimkammer, und geben die Kräfte dann gezielt ab. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ich zwischendurch dann immer mal schlapp mache. Meistens gegen Abend, wenn der Körper zur Ruhe kommen sollte. Dann spielt mein Kreislauf verrückt und mein zu hoher Blutdruck steigt noch mehr. Dann fällt es mir schwer, wieder runter zu kommen, aber mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen. Habe auch schon so einiges durchgemacht im Leben, wo ich immer wieder "aufstehen" musste.
Und es ist komisch, das Leben geht immer weiter, man kann machen, was man will.
Am Samstag ist Beerdigung meines Schwiegervaters, da werde ich wohl vorher was zur Beruhigung nehmen müssen. Hoffentlich ist der Tag bald vorbei.
Mein Vater hatte gestern kein Fieber mehr, der Chefarzt sagte aber, er muss noch eine ganze Weile im KH bleiben. Mal sehen, ob ich morgen die Ärztin kriege, vielleicht kann er am Wochenende mal nach Hause.
Liebe Grüße
busawi

Mariesol
28.07.2010, 11:50
Liebe Busawi,

ja, das wäre schön wenn er am Wochenende nach Hause kann.
Das ist sicher gut für seine Psyche und gibt ihm ein wenig Normalität.
Mein Vater hat seine Tage im eigenen haus immer sehr genossen. Als es ihm dann schlagartig so schlecht ging, sollte ich ihn schnell ins KKH bringen. Er hat sich total geweigert. Bockte wie ein Kind. Er sagte.."Ich komm da nicht mehr raus!"
Er behielt leider recht.
Du hast das mit dem Geheimkästchen oder Reservekästchen sehr gut ausgedrückt.
Ich frage mich sehr oft wie ich diese Jahre gepackt habe. Ich habe daneben noch meine nahe Freundin begleitet. Sie starb vor 2 Jahren nach 10 Jahren Kampf gegen Brustkrebs.
Ich war allein erziehend Mutter seit meine Tochter 2 war, mein erster Mann hatte einen ganz schweren Verkehrsunfall und war im Auto eingeklemmt. Er hatte beide Oberschenkel zertrümmert und das Lenkrad hatte sein Herz gequetscht. Beide Arme waren zersplittert. Er hat überlebt,sich aber nie mehr von dem Unfall erholt. Was dann geschah, gehört nicht in ein öffentliches Forum.Ich glaube diese Erfahrung hat mich zu dem gemacht was ich heute bin. Ich schaue nach vorne und nie zurück. Ich genieße jeden einzelnen Tag und Momente des Glücks sind mein kostbarster Schatz. Ich habe einen neuen Mann gefunden..noch ein Kind bekommen. Ich liebe meine Familie über alles. Sie ist er Quell meiner Kräfte und das aller größte Geschenk. Aber...ich habe es zugelassen. Loslassen und Neues zulassen, das war meine Rettung.
Alles Liebe Mariesol

Mariesol
03.08.2010, 11:52
Nur ein lieber Grüß

Mariesol:winke:

busawi
04.08.2010, 08:13
Hallo liebe Mariesol,
ich vermisse meinen letzten Beitrag. Ich weiß, dass ich gleich nach Deinem letzten Beitrag geschrieben habe und nun ist er weg. Wahrscheinlich war ich zu dümmlich, das Ding abzuschicken.
Es tut mir schrecklich leid, was Dir widerfahren ist, umso schöner finde ich es, wie Du Dich immer wieder aufgerappelt hast. Bist halt auch so ein Stehaufmännchen wie ich. Es muss ja irgendwie weiter gehen.
Übrigens habe ich am Montag mit der Ärztin im Krankenhaus gesprochen. Mein Vater´s Entzündungswerte haben sich verbessert, es stände im Moment nicht´s im Wege, dass er am Wochenende nach Hause käme und die Behandlung ambulant in der nächsten Woche fortsetzen könnte. Er hat sich aber dagegen entschieden, er möchte die gesamte Therapie im Krankenhaus machen. Ich akzeptiere das, finde es aber ein ganz klein wenig egoistisch gegenüber seinen Angehörigen. Meine Mutti geht jeden Tag seit 3 Wochen in´s Krankenhaus und besucht ihn. Allerdings sagt sie, dass ihr das nicht´s ausmachen würde und sie auch noch die weiteren 2 Wochen jeden Tag hingeht. Ich hoffe nur, dass sie dann nicht noch schlapp macht. Wir haben ab nächste Woche unseren Jahresurlaub, 2 Wochen. Wir wollen nur in der 2. Woche ein paar Tage wegfahren. Ich sehe uns schon in der nächsten Woche fast jeden Tag im Krankenhaus.
Sonst habe ich ein schlechtes Gewissen. Na mal sehen.
Liebe Grüße
busawi

Mariesol
05.08.2010, 12:03
Hallo Busawi,

ich denke er hat Angst!
Darum will er in der Obhut des Krankenhauses bleiben. Er will Euch keine "Arbeit" machen.
Sehe es einfach mal so.
Alles Liebe und Gute Mariesol

busawi
05.08.2010, 13:41
Hallo Mariesol,
wahrscheinlich ist es wirklich Angst, war auch schon meine Vermutung. Ich verstehe das natürlich. Ab Montag ist Urlaub für 14 Tage, da kann ich mich wieder mehr mit reinhängen.
Liebe Grüße
Sabine

Mariesol
05.08.2010, 15:53
Liebe Sabine,

diese Besuche nimmt Dir keiner mehr weg!
Du wirst noch sehr lange an jede einzelne Stunde denken und es wird Dein Herz warm machen.
Ich erinnere mich, dass ich manchmal sehr verweifelt war. Vor allem an Tagen, an welchen mein Vater zuhause war, es ihm sehr schlecht ging und seine einzige Freude im Rauchen fand.
Da war ich oft total außer mir.
Heute weiss ich, dass diese Zigaretten den "Bock auch nicht mehr fett" gemacht haben.
Wenn er im Krankenhaus war, habe ich ihn jeden Tag besucht.Er hat oft geschimpft und gemeint ich müsse doch nicht täglich kommen! Ich bin unendlich froh, dass ich es trotzdem gemacht habe....

Ganz liebe Grüße Mariesol

busawi
10.08.2010, 17:58
Liebe Mariesol,
heute wieder ein lieber Gruß von mir an Dich.
Ich wünsche Dir für Deinen Neustart im Job alles alles Gute und viel Erfolg.
Haben jetzt Urlaub, aber so richtig ausspannen kann ich auch nicht, fühle mich total krank, habe keine Kraft, der Rücken tut mir weh. Irgendwann ist mal die Kraft alle. Werde mich wohl mehr ausruhen müssen.
Meinem Vater geht es nach nunmehr 19 von 25 Bestrahlungen erstaunlich gut, wir hoffen, dass das so bleibt. Wie es dann weiter geht, wissen wir noc nicht. Im Moment haben alle das Gefühl, er kommt raus aus dem Krankenhaus und alles ist wieder gut. Und dann denke ich, kann ja gar nicht sein. Aber ich will mich jetzt nicht schon wieder verrückt machen, wir müssen jetzt abwarten.
Liebe Grüße
busawi