Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chemo und Arbeiten?
Hallo meine Lieben,
jetzt mal ein Thema, bei dem sich wohl die ein oder andere an die Stirn klatschen wird...:rolleyes:
Seid ihr während der drei Wochen zwischen den Chemo´s (FEC) arbeiten gegangen?
Ich habe am Donnerstag, 8. Juli meine erste chemische Reinigung durchlaufen lassen. Bis Montag war ich so ziemlich im Eimer, Dienstag kam dann so langsam der Aufschwung. Seit Mittwoch fühle ich mich wieder fit - wenn auch körperliche Arbeiten immer noch schlauchen.
Gestern war ich (trotz Krankschreibung :shy:) bei einer Besprechung für ein Projekt, das ich mit angeleiert habe. Drei Stunden Fachgequatsche: Gut etwas anstrengend, wenn die Sachen ohne einen weiterlaufen und wenn das Hirn noch im chemischen Weichspülprogramm läuft...:D
Für meinen Kopf, meine Seele und meinen Geist waren diese drei Stunden Arbeit aber das reinste Doping - ich war drauf ohne Ende (selbst Männe hat mich beim Heimkommen gefragt, ob ich was illegales eingeworfen hätte :D).
So, jetzt steh ich natürlich da: Zum einen weiß ich ja gar nicht, wie die nächsten Chemos so laufen bzw. was die so an Ausfalltagen und Überraschungen noch mit sich bringen. Zum anderen: Was sagen die Chef´s, wenn man sich zwar arbeitsfähig fühlt (das auch will), aber sicherlich nicht auf 100 % Leistung kommt? Ziehen die da kulant mit oder sind die der Meinung "Ganz oder gar nicht"? (Krankengeldbezug und Arbeiten is ja nicht)
Ich hab eine 13-Wochenstunden Bürostelle inclusive einem Homearbeitsplatz, den ich voll ausreizen könnte und auch dürfte. Diese Stelle hab ich seit September letztes Jahr und war eigentlich befristet bis Ende August diesen Jahres. Dieser Vertrag wurde mir jetzt - nachdem die Diagnose und deren Folgen schon bekannt war - trotzdem verlängert (dafür meine Hochachtung und meinen warmen Dank - unter Druck setzen lasse ich mich deshalb aber nicht...)
Seid Ihr so lieb und schildert mir Eure Erfahrungen?
Lieben Dank und liebe Grüße!
Mampi
Hallo Mampi,
ich hätte in meinem Job nicht arbeiten können. Zu viel Verantwortung für andere, körperlich anstrengend, Infektionsgefahr. Außerdem war ich eine Woche ausgeknockt jedes Mal. Danach hätte ich leichte Sachen machen können, aber das gibt mein Job eben nicht her.
Grundsätzlich spricht aber, so wie Du das schreibst, eigentlich nichts dagegen, finde ich. 13 Wochenstunden sind ja nicht viel - Du könntest es probieren. Wenn es nicht geht kannst Du Dich ja jederzeit wieder krank schreiben lassen.
Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, die berufliche Wiedereingliederung vorzuziehen, also krank geschrieben zu bleiben und das ganze als Wiedereingliederung laufen zu lassen. Das lohnt sich aber bei der Stundenzahl nicht, weil Du ja bei normaler Arbeitszeit auch auf 2-3 Stunden am Tag kommst. Außerdem ist die Wiedereingliederung auf 6 Monate begrenzt (glaube ich) und wer weiß, ob Du die Zeit nicht irgendwann doch brauchen kannst.
Hallo Mampi!
Das Thema ist keineswegs zum „an die Stirn klatschen“, und es wird auch von den betroffenen Frauen sehr unterschiedlich gehandhabt – wenn Du Dich hier ein bisschen länger durch das Forum liest, wirst Du das auch bald merken. Es gibt hier Frauen, die während der gesamten Therapie – und oft auch noch darüber hinaus – krankgeschrieben sind, und es gibt auch Frauen, die in der ganzen Zeit voll arbeiten gegangen sind.
Ich selbst bin während der Chemo- und Bestrahlungszeit nicht arbeiten gegangen. Dabei hätte ich das rückblickend zumindest während der FEC-Chemos durchaus machen können, denn ich hatte in der Zeit so gut wir keine Nebenwirkungen (von den Haaren mal abgesehen). Aber das weiß man ja vorher nicht, und es wäre sehr ungünstig für meinen Arbeitgeber gewesen, dass er nicht vernünftig hätte planen können. Wenn ich zwischendrin und immer mal wieder kurzfristig ausgefallen wäre, wäre das vermutlich schwieriger gewesen, als mich von vornherein längerfristig auszuplanen. Das kann ja aber in Deinem Fall ganz anders sein.
Außerdem war auch die erhöhte Ansteckungsgefahr während der Chemo für mich ein weiterer Grund, nicht zum Dienst zu gehen. Während der Chemo ist ja Dein Immunsystem ziemlich heruntergefahren und kann sich gegen herumschwirrende Bakterien nicht so gut zur Wehr setzen. Deshalb sollte man in der Zeit ja auch größere Menschenansammlungen möglichst vermeiden, und das ist in meinem Beruf schlecht möglich. Das kann ja aber auch bei Dir ganz anders aussehen, vor allem durch den Homeofficeplatz.
Und wenn Dir die Arbeit bisher so gut getan hat, ist es ja wirklich eine Überlegung wert, es zumindest zu versuchen. Wenn du später und bei einem Wechsel der Chemo (oder bleibst Du bei FEC?) merkst, dass es dann doch nicht so gut geht, kannst du ja immer noch damit aufhören.
Mach einfach das, was gut für Dich ist. Wenn das die Arbeit ist, dann ist das doch okay. Wenn Du jetzt Zeit für Dich brauchst, obwohl Dich die Chemo körperlich nicht aus der Bahn wirft, ist das auch okay. Und dass Dein Arbeitgeber so toll reagiert (meiner und meine Kollegen waren auch klasse in der Zeit), ist toll und nicht selbstverständlich – herzlichen Glückwunsch! Aber wie Du schon sagst, das sollte dich bei Deinen Überlegungen nicht unter Druck setzen.
Liebe Grüße,
Czilly
Wasser13
16.07.2010, 18:51
Ciaoli Mampi,
ich habe mir beim Lesen Deiner Zeilen nicht vor die Stirn geschlagen :grin:
Vorweg: ich war nicht selber betroffen sondern Angehörige. Ich finde Deine Einstellung prima. Warum nicht im Thema bleiben, solange es geht ...
Schön finde ich übrigens , dass Dir Dein Vertrag erhalten bleibt, ein gutes Zeichen - und vielleicht auch Grund genug, mal ein persönliches Gespräch zu Deiner Situation zu suchen. Ich denke, Du wirst nicht auf taube Ohren stossen. Soviel dazu.
Einsatz oder nicht? Also mein Mann hat das so gesehen und gesagt: "ich habe es doch nicht im Kopf!" (Darm/Metastasen Leber). Er war nie (tatsächlich, so unglaublich sich das lesen mag) krank daheim. Er war in leitender Position, hat von morgens früh bis abends gearbeitet, alle Termine wahrgenommen - und seine Chemotermine "da irgendwie reingestrickt". Er hatte in seiner Behandlung offensichtlich das absolute Glückslos gezogen: nie Übelkeit, nie Durchfall, ja Haarausfall aber was soll's ... (Er ist am 03. Mai 2005 gestorben - und hatte Ende März 2005 eine Dienstreise nach Russland geplant, obwohl er zum Ende, das muss ich jetzt mal einräumen, öfter müde war - okay, das dazu). An eine seiner Dienstreisen erinnere ich mich heute noch lächelnd: er hat die durchgelaufene Chemopumpe auf der Fahrt zu einem Meeting auf einer Autobahnraststätte abgenommen und dort im Restmüll "entsorgt". Weitergefahren und abends im Kollegenkreis ganz normal gegessen (und getrunken - im Rahmen, aber immerhin ;) . (Ausnahme-Mensch?) Für ihn war es wichtig, "normal" weiterleben zu können.
Mampi - wenn Du im Geschehen bleiben möchtest ... warum denn nicht? Vielleicht tut es Dir das ja am besten. Versuch alles so machen, das Du Dich wohl fühlst - wenn Du müde/energielos wirst ... kannst Du immer noch umschwenken, keiner wird's Dir dann verdenken können. Ich wünsche Dir, dass Du hierfür nette Chefs und Kollegen an Deiner Seite hast.
Viele Kopf-hoch-Grüße ...:winke: !
Stella4711
16.07.2010, 20:04
Hallo Mampi,
mir geht es wie dir, arbeiten wirkt auch bei mir wie Doping. Oder wie Therapie mit einem guten Stundenlohn. Ich hatte (bis jetzt vier Mal) meine Chemo auch donnerstags, dienstags drauf bin ich immer einen halben Tag arbeiten gegangen und ab Mittwoch vollzeit wieder eingestiegen. Es tut mir einfach gut - dann kann das nicht verkehrt sein.
Wichtig ist denke ich, dass allen klar ist, dass sich das jederzeit ändern kann. Wer weiß schon, wie man die nächsten Zyklen verträgt?! Und 100% Leistung kann ich in den ersten Tagen nicht bringen, womit meine Chefs und Kollegen ganz cool umgehen - wie eigentlich mit der ganzen Situation. Bei mir hat immer ein offenes Wort weitergeholfen. Dein Chef scheint doch auch ganz offen und unterstützend zu sein und wird bestimmt auch glücklicher über 70% Mampi als 0% Mampi sein. :)
Meine Empfehlung: probier es einfach weiter aus.
Ach ja, Krankschreibungen lasse ich mir nur für die Tage geben, an denen ich auch zu Hause bleibe. Keine Ahnung, ob das für dich oder deinen Arbeitgeber ein Problem werden kann..
LG
Hallo Mampi,
ich habe auch während der Chemo und Bestrahlung voll gearbeitet. Die Chemositzung hatte ich immer am Freitag, ich habe mich jeweils von Freitag bis Mittwoch krankschreiben lassen, aber mich am Mittwoch schon wieder, nach Ausschlafen, daheim an den Rechner gesetzt. Von Freitag bis Dienstag habe ich aber weder E-Mails abgearbeitet noch das Jobhandy eingeschaltet. Ich war während der Zeit auf einem Projekt tätig und habe da eine Spezialistenrolle gespielt, was mir ganz gut tat, der operative Tagesstreß war mir dabei fern, das "Chemohirn" konnte sich trotzdem nicht breitmachen und ich habe vermieden, nur an meine Krankheit zu denken!
Ich habe die Chemo zum Glück sehr gut vertragen, ohne Übelkeit und große Müdigkeit. Im Laufe der EC Chemo ging es jeweils etwas schwerer aber während der DOC Chemo ging es langsam immer besser.
Den letzten Zyklus habe ich allerdings Leukozytenbedingt nicht am Freitag sondern erst am Montag bekommen. Dummerweise hatte ich am Dienstag ein Riesenmeeting, zu dem ich auch gegangen bin. Am Tag nach der Chemo ist frau aber nicht wirklich gut drauf -- ich habe einen ziemlichen Mist von mir gegeben damals.
Also: In den 4Tagen direkt nach der Chemo würde ich mich ganz auf die Regeneration konzentrieren. Wenn Du danach auch von daheim aus arbeiten kannst, ist das sehr gut. Wenn Du kannst, dann mach es! Krankschreiben lassen kannst Du Dich immer noch.
Hallo Mampi,
ich habe als Pflegediensleitung eines ambulanten Pflegedienstes auch gearbeitet, trotz Krankschreibung. Aber nur wenn es mir gut ging.
Im Verlauf der Chemo wurde es aber schwieriger.
Für die Firma war es aufgrund meiner Position gut und für mich auch.
Mein Chef fand das übrigens auch toll.
Die Kollegen haben sich mir gegenüber wunderbar verhalten und tun es bis heute, wenn mir mein Chemohirn wieder mal einen Streich spielt.
Das Team wurde durch meine Erkrankung noch mehr zusammengeschweißt.
Tu das, was dir gut tut. Dein Körper wird dir sagen, wenn du eine Pause braucht, dann hör aber auf ihn.
Liebe Grüße und alles Gute
Susi
Hallo Mampi,
bei mir ist es genauso wie bei Czilly.
Ich bekome auch FEC und könnte arbeiten gehen. Mir geht es auch echt gut. Da ich aber als Erziehein im Kindergarten arbeite, wurde mir von sämtlichen Ärzten abgeraten. So wie Czilly schon schreibt, die Infektionsgefahr ist einfach zu groß. ich werde auch erst nach Abschluß der Bestrahlunen und AHB wieder arbeiten.
Ich habe ein langes Gespräch mit meinem Arbeitgeber geführt. Und die sehen es auch lieber, wenn ich erst wieder komme, wenn ich wieder gesund bin. Wegen Vertretung und so. Kann ich irgendwo auch verstehen. Ich versuche jetzt die Zeit zuhause zu genießen, so gut es geht!!!
Dir wünsche ich, dass du für dich den richtigen Weg findest. Viel Glück!
Liebe Grüße
Sanne
Ach meine Lieben,
ihr tut mir einfach unglaublich gut :knuddel:
Ich wollte eben wissen, wie die Chef´s mit solchen Situationen umgehen. Gut, ich weiß, das meiner sehr sozial und menschlich eingestellt ist, aber es ist halt auch eine arbeits- und rechtstechnische Angelegenheit. Ich bin zwar im öffentlichen Dienst, es gibt aber so gut wie keinen Kundenverkehr.
Mit dem Big Boss himself konnte ich über dieses Thema noch nicht so direkt reden, da er die letzten zwei Wochen im Urlaub verweilte (und ich da ja noch gar nicht wissen konnte wie die Chemo so läuft). Er weiß aber grob, wohin meine Gedanken tendieren - und die werden ihn am Montagmorgen wohl ziemlich erschlagen... :D
Zumindest konnte ich mich heute mit meiner direkten Vorgesetzten kurzschließen (die gestern bei der Besprechung auch mit dabei war) und ihr meine Vorstellungen mal vorsichtig nahelegen. Viel Verständnis für meine Situation, meine Vorstellungen und schon sehr viel Entgegenkommen, was die Arbeit von zuhause aus angeht.
Mir ist es bei dem Ganzen wichtig, dass ich ein bißchen die Rahmenbedingungen festlegen kann und mich nicht unter Druck setzen lassen will. Quasi Arbeit als Chemoseelentherapie.
Mein Mann (wie auch alle anderen in meinem persönlichen Umfeld) hat die grundsätzliche Meinung: "Bist Du irre? Bleib zuhause, schon Dich und werd erst mal wieder gesund." Naaaaja, seit gestern bröselt seine Ansicht schon gewaltig...
Liebe Grüße
Mampi die sich weiterhin regen Erfahrungsaustausch hier wünschen würde...
Rosmarin
17.07.2010, 14:43
Hallo Mampi,
nach der ersten Chemo gings mir auch bald besser und ich habe viel im Garten gemacht und im Haus. Bin auch bald fahrrad gefahren.
War aber im nachhinein nicht so gut. Die ersten Chemos verkraftet man oft recht gut und es baut aber immer mehr ab.
Man kann ja nicht so in sich hineingucken, was der Körper da für Arbeit hat.
Nach der letzten konnte ich paar Tage nur mich am Fahrrad festhaltend gehen, so schwach war ich.
Ich weiß auch von mehreren Frauen, die recht schnell wieder arbeiteten und dann auch schnell Rezidive bzw. Metastasen hatten.
Ich würde das sehr, sehr genau überlegen.
Power frauen können wir auch nachher wieder sein!
LG, Anne
Stella4711
17.07.2010, 16:27
Anne,
wenn Arbeit und Rezidive oder Metastasen in einem statistisch belegbaren Zusammenhang stehen würden, würden unsere Ärzte uns sicherlich abraten, arbeiten zu gehen. Tun sie aber nicht. Kenne auch keine Studie, die dies belegen würde.
Allerdings ist nachgewiesen, dass das innere Wohlbefinden sich positiv auf Erfolg und Verträglichkeit der Chemo auswirkt. Und es gibt tatsächlich Menschen, für die Arbeiten etwas wirklich Schönes ist, denen es mit der Arbeit besser geht. Ich bin davon überzeugt, dass es mir schlechter gehen würde und ich unzufriedener mit der Situation wäre, wenn ich nicht arbeiten könnte. Das ist aber natürlich nicht der Königsweg für jeden. Jede Jeck es anders - sagt man in Köln.
Also mach hier bitte niemandem unnötig Angst!!
Genausowenig ist es bei jedem so, dass es von Chemo zu Chemo schlechter wird. Da ist einfach auch jeder anders, das merkt man ja nicht zuletzt, wenn man sich die Geschichten hier im Forum anschaut. Ich kenne sogar Leute, bei denen war die erste schlecht und danach wurde es immer besser.
Gruß
Hallo Mampi,
ich habe wärend der 6 FECs (Dez-April) auch gearbeitet, allerdings nur in Woche 2 und 3. In der ersten ging es definitv nicht.
Obwohl ich z.T trotz Neupogen nur 1200 Leukos hatte und viel Kontakt mit Menschen, habe ich in der ganzen Zeit nicht einen einzigen Schnupfen oder ähnliches gehabt. Bekomme ich sonst immer im Herbst/Winter. Schon sehr seltsam... Arbeiten lenkt auf jeden Fall ab und lässt die Zeit schneller vergehen. Planen läßt sich allerdings schwer, weil Du nie weißt, wie Du die nächste verträgst. Bestrahlung dann war bis auf das Organistatorische völlig ohne Probleme.
Viele Grüße
Eva
Hallo!
Meine Ärzte haben mir ganz ausdrücklich davon abgeraten, während der Chemo zu arbeiten. Mal abgesehen von Verantwortung und Infektionsgefahr am Arbeitsplatz Krankenhaus ist es durchaus sinnvoll, sich die Energien während der Chemo gut einzuteilen. Der Körper braucht wahnsinnig viel Kraft um mit den Zytostatika fertig zu werden. 2-3 Stunden ruhige Arbeit pro Tag hätte ich in den Wochen 2 und 3 vielleicht auch geschafft, aber diese Möglichkeit gibt es in meinem Beruf nicht.
Im Nachhinein gesehen war es für mich richtig und wichtig nicht zu arbeiten sondern mir die Freizeit zu gönnen, auch und gerade wenn es mir gut ging. Das nicht funktionieren müssen, tun und lassen können was ich will, schlafen bis kurz vor Mittag, tagsüber am Strand sein, usw.... - diese "Urlaube" zwischen den Behandlungen habe ich definitiv gut brauchen können.
LG Gledi
@Rosmarin
Auch interessant, wenn man kritische Stimmen zu diesem Thema hört, deswegen hab ich diesen Fred ja auch aufgemacht und ich respektiere Deine Meinung voll und ganz.
Ich bin keine Powerfrau. Ich bin auch keine, die sich oder anderen etwas beweisen will oder muß - ich habe nur meinen eigenen Kopf und mein Bauchgefühl.
Ich war selbst überrascht, dass ich gefühlstechnisch so derart heftig auf diese Besprechung reagiere. Dieses unglaublich gute Gefühl, mal wieder ein Stück normalen Alltag erleben zu dürfen in einer Zeit, in der die Umgebung einen vor jedem Streß fern halten möchten.
Ich fühle mich auch nicht zu dienstlichem Engagement verpflichtet, nur weil mein Vertrag verlängert wurde. Die Intention arbeiten zu wollen geht rein von meiner Seite aus und ich hätte durchaus Verständnis, wenn mein Chef sagen würde: Nee, das lassen wir mal, wir können mit ihnen nicht planen, sie fahren nicht auf voller Drehzahl, das Risiko ist für uns zu groß etc.
Ich werde am Montag mit der Obrigkeit sehr offen über alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die die nächste Zeit für mich bringt, sprechen. Die größte Bedingung wird sein, dass ich nur soviel arbeite, was mir und meinem Zustand dienlich ist. Wir werden sehen...
Zumindest hab ich das Problem mit der Ansteckungegefahr und körperlicher Anstrengung nicht - die ist, glaub ich, Samstagmorgen beim Einkaufen im Supermarkt größer, als bei mir im Büro.
LG
Mampi
witteblitz
17.07.2010, 23:13
Hi Mampi,
ich hatte 6 Chemos und bin immer arbeiten gegangen wenn es ging. Je nachdem wie ich mich gefühlt habe bin ich mal drei Tage, mal eine Woche zu Hause geblieben. Allerdings arbeite ich nur Halbtags.
Ich fand es für mich sehr wichtig zur Arbeit zu gehen. Zu Hause haben sich meine Gedanken doch immer wieder im Kreis gedreht.
Außerdem hatte ich das Gefühl "dabei" zu sein, im stinknormalen Leben.
Also, mach es so, wie es für Dich am besten ist.
Liebe Grüße, Angela
Rosmarin
17.07.2010, 23:58
@rosmarin:ich finde es schade, das du alles so verallgemeinerst. jeder reagiert anders und für viele ist die möglichkeit arbeiten zu gehen eben auch ablenkung und hilfe in der ohnehin schweren zeit.
keiner wird im job vollgas geben,aber das gefühl noch dabei zu sein und nicht zu hause zu versauern finde ich einfach wichtig.
Hallo,
ich verallgemeinere doch nicht! Ich setze zu den anderen nur meine Meinung und Erfahrung dazu. Es liegt mir ferne, dies als allgemeingültig darzustellen. Jeder hat doch nur einen begrenzten Einblick!
Was wissenschaftliche Statistiken betrifft, habe ich schon so viele gegensetzliche erlebt und soviel Umschwünge, dass ich darauf nicht viel gebe.
Ich möchte nur anregen, nicht nur vom gegenwärtigen Bauchgefühl auszugehen.
Mir hätte es geholfen, wenn ich auch nachdenklichere Meinungen zu dem Thema hört hätte!
LG, Anne
Rosmarin-Anne, lass Dich mal :knuddel:
alles im Leben kann man von zwei Seiten betrachten - so sollte es auch sein.
Deine Kritik und Deine Meinung ist hier zu diesem Thema durchaus angebracht und regt auch mich zum Nachdenken an.
Ich möchte nur anregen, nicht nur vom gegenwärtigen Bauchgefühl auszugehen.
Arbeiten zu können ist für mich aber auch ein Stück Lebensqualität.
LG
Mampi
Rosmarin
18.07.2010, 00:53
Hallo Mampi,
Dann hast du sicher sehr gut überlegt.
wünsche dir alles Gute!
LG, Anne
Hallo möchte mich nur mal kurz zur Wort melden,
bin jetzt seit dem 25.09.09 nicht am arbeiten und möchte eigentlich nur eins dazu sagen: Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob Arbeiten das Richtige ist oder nicht? Jeder so wie er es braucht, ich für mich habe entschieden, dass es nicht alles ist auf dieser Welt, viele Sachen sind wichtiger und dankt es einem der Arbeitgeber? Die Gesundheit gibt einem keiner wieder.
Lg
Anke
Man hatte mir die Entwscheidung auch gelassen, aber in Grossen und Ganzen abgeraten.
Auch im Betrieb hatte man volles Verständnis und mir geraten zu Hause zu bleiben.
Ich bin auf der einen Seite froh, es nicht getan zu haben, es wäre eine zu grosse Belastung gewesen, war sehr k.o. und müde und hatte auch so die einigen Nebenwirkungen. Umgehauen hatte mich dann Taxotere.
Heute denke ich manchmal, wäre ich weiterhin ein paar Stunden arbeiten gegagen hätte ich vielleicht den Jobb behalten. Aber dazu käme ja die 1 stündige Hin- und 1 -stündige Rückfahrt.
Du musst das selbst entscheiden, vielleicht wirklich ausprobieren. Jeder hat dann wohl wirklich Verständnis wenn es nicht geht.
Ängel
Hallo Ihr Lieben,
lasst mir mal die Anne ;-) dis is ne ganz nette (wir kennen uns vom Amazonenvolk Fotoshooting) :1luvu:
Aber zum Thema: ich war auch 3 Tage arbeiten und genau wie es hier schon beschrieben wurde, für mich war das ebenfalls Lebensqualität.
Zwischen den EC-Chemos auch kein Problem für mich. Hätten die Ärzte die Doc weiter durchgezogen, wäre das wieder nicht möglich gewesen arbeiten zu gehen. Es kommt aber auch immer darauf an, wo und was man arbeitet. Und auch wie der Chef das ganze sieht. Ich habe Frauen kennengelernt, wo der Chef das gar nicht wollte, dass sie arbeiten geht. Jedem seine Entscheidung.
Lieber Gruß
Beate
Rosmarin
19.07.2010, 08:39
Danke Beate:), hatte dich hier noch nicht gefunden :knuddel:
Stella4711
01.08.2010, 19:37
Hallo Diandra,
bin zwar keine Lehrerin und nicht verbeamtet, möchte hier aber trotzdem meinen Senf zu geben. Ich selbst arbeite während der Chemo, aber es müssen m.E. auch die äußeren Umstände passen. Mein Arbeitsplatz wurde zum Beispiel so umgestrickt, dass ich keinen Kundenkontakt mehr habe. Da wäre für mich allein wegen der Infektgefahr undenkbar gewesen. Das geht ja bei dir kaum, als Lehrer muss man vor die Schüler - und es ist doch immer so, dass in jeder Klasse eine Bazillenschleuder sitzt. Ich kann deinen HA echt nicht verstehen, dass er dich nicht zumindest für die gesamte Chemozeit krankgeschrieben hat. Deinen Schulleiter kann ich hingegen schon irgendwie verstehen - also, dass er nachfragt. Auch wenn ich ihn natürlich nicht kenne, kann ich mir nicht vorstellen, dass er dich unter Druck setzen will, aber er hat ja nichts, womit er planen kann, er wird ja wohl gerade Stundenpläne basteln. Vielleicht hätte er bei längefristigerer Fehlzeit von dir die Möglichkeit nach den Ferien noch jemanden zu bekommen. Das werden seine Gedanken sein...tippe ich jetzt mal.
Vielleicht suchst du mit beiden Herren nochmal das Gespräch, damit dich das nicht weiter belastet. Und: Lass dich nie und von keinem unter Druck setzen! Du bist grad wichtiger als die Lehrerin in dir!
GlidingGeli
01.08.2010, 19:55
Hallo ,
ich hatte vor Jahren den vollen Behandlungsplan, ich bin keine Lehrerin arbeite aber im Großraumbüro. Meine Gyn hat mich am Anfang zweimal vier Wochen krank geschrieben, danach bekam ich Krankengeld, es war nie die Rede davon zwischendurch zu arbeiten. Ich wollte die Wiedereingliederung während der Bestrahlung beginnen, aber man hat mir davon abgeraten. Wenn du verbeamtet bist, musst du doch wie viele keine Angst haben deine Arbeitsstelle zu verlieren. Ich denke Brustkrebs ist nicht mit Schnupfen zu vergleichen. Für die Schule ist es doch planbarer, wenn du sagst, dass du noch eine Weile nicht einsatzfähig bist.
Alles Gute
GlidingGeli
Eine Bekannte von mir (ebenfalls verbeamtete Lehrerin - Grundschule) wird bis zum Ende der kompletten Behandlung krankgeschrieben. Ihr währe es zu unstet, mal zu arbeiten und mal wieder nicht.
Streß hat sie deshalb keinen - weder vom Rektor noch vom behandelnden Arzt.
Kann mir aber durchaus vorstellen, dass der Rektor nur deshalb nachfragt und -hakt, damit er weiß, ob er mit Dir planen kann oder eben nicht.
LG
Mampi
So und nun zu mir,
ich wollte jetzt mal schauen, wie ich den zweiten Chemozyklus vertrage und dann beratschlagen, wie es mit arbeiten aussieht.
Von Arbeitgeberseite habe ich die volle Unterstützung und freie Wahl. Ich kann sowohl von zuhause als auch direkt im Büro arbeiten - je nach dem wie es mir beliebt. Auch muß ich mich nicht an Kernzeiten halten oder strenge Terminpläne einhalten.
Ich werde auch jetzt - sofern ich es will und kann - in die laufenden Projekte mit eingebunden und auch informiert - also gelte immer noch als dazugehörige Arbeitskraft obwohl ich es so eigentlich ja grad im Moment gerade nicht bin.
Ich freue mich, wenn ich nächste Woche mal wieder zwei Stunden am Tag mein Hirn dem arbeitstechnischen Denken widmen kann und mir nicht die Zeit beim Trödeln in der Stadt, beim Kaffeetrinken oder rumgammeln verplempern muß.
LG
Mampi
...es gibt einem einfach das Gefühl noch dazuzugehören..
So isses. Soviel Normalität wie möglich hat mir sehr geholfen während des Therapiemarathons!
Soviel Normalität wie möglich hat mir sehr geholfen während des Therapiemarathons!
Eben das! Mein Ego ist ohnehin schon ziemlich im Keller und ich bin wirklich froh und dankbar, diese Option so offen zu haben.
LG
Mampi
Hansibansi
03.08.2010, 12:59
Hallo!
Also mir wurde bei TAC gesagt, dass ich nur Tage 6-20 (wenn BB ok) arbeiten könnte, und auch dann nur mit gewissen Rahmenbedingungen (keine S-Bahn fahren, aus dem Durchgangsbüro weg....etc).
Ich habe mich dann GEGEN das Arbeiten entschieden, weil mir klar wurde, dass es für mich persönlich nur noch mehr Stress bedeuten würde. Im Nachhinein bin ich froh über meine Entscheidung, weil es mir leider nach Zyklus 2 doch schon recht schlecht ging...
ABER, ich verstehe voll und ganz wenn jemand sagt "ich geh arbeiten, solange es mir gut genug geht, und solange es mir gut tut"....Viel Glück und Erfolg mit der Chemo und dem Rest!
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