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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Mama hat ein Adenokarzinom (Lunge)


Carlotta76
03.10.2011, 13:31
Hallo,

ich habe sehr lange mit mir gerungen, bis ich mich entschieden habe, mich hier anzumelden. Irgendwie scheue ich mich davor, so etwas Privates ins Internet zu stellen. Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, dass mir das Lesen in diesem Forum - die Berichte von Angehörigen und auch Betroffenen - wahnsinnig gut tut.

Daher habe ich jetzt endlich allen Mut zusammen genommen und mich hier angemeldet. Ich bin Mitte dreißig, meine Mama ist Ende sechzig, und
seit Mai diesen Jahres lese ich hier täglich. Seit Mai wissen wir, dass meine Mama ein Adenokrzinom der Lunge hat mit einer Leber- und einer Knochenmetastase (T2 N2 M1, Stad. IV). Die Metastase an der Wirbelsäule ist bestrahlt worden und, da meine Mama die EGFR-Mutation hat, nimmt sie seit der Diagnose Gefitinib (Iressa). Dennoch traten in den folgenden Wochen immer wiederkehrede Pleuraergüsse auf, so dass man Anfang August eine Verklebung des Lungenfells mit dem Brustfell vorgenommen hat. Seitdem ist kein Erguss mehr aufgetreten. Das Leben mit der Krankheit ist schwierig, meine Mama ist ziemlich geschwächt, sie hat stark abgenommen im letzten Vierteljahr und natürlich (wie ich auch) Angst.

Ich hoffe, ich habe jetzt keinen Roman geschrieben und würde mich über Reaktionen sehr freuen.

Carlotta

undine
03.10.2011, 14:46
Liebe Carlotta,

ich wollte dir nur einen kleinen Gruß da lassen und eine Umarmung :pftroest:

Wie du an meiner Signatur sehen kannst, bin ich als Tochter in einer ähnlichen Situation.
Zur Zeit bin ich sehr traurig, deshalb kann ich leider keine mutmachende Hilfe sein. :embarasse

Ich möchte dir nur Mut machen, hier zu schreiben. Mich hat es wirklich umgehauen, wie viel Unterstützung ich erhalten habe. Auch wenn nicht gleich jemand sich sofort meldet; schreibe dir einfach alles von der Seele.

Ganz liebe Grüße und alles Liebe für dich und deine Ma,
Undine

Carlotta76
03.10.2011, 15:47
Liebe Undine,

vielen Dank für Deine liebe Antwort.

Ich hatte bisher immer etwas Scheu, aber ich werde versuchen, hier festzuhalten, was so alles passiert, und wie wir versuchen, damit zurecht zu kommen.

Lesen tue ich schon länger, daher habe ich mitbekommen, dass Deine Mama nunmehr zwei Hirnmetastasen hat. Ich wünsche Dir, Deiner Mama und Deinem Papa ganz viel Kraft, dass die Bestrahlungen den Dingern den Garaus machen und dass Tarceva gut anschlägt.

Ich drück Dich,

Carlotta

bosko
03.10.2011, 16:26
Hallo Carlotta,
auch ich bin Angehörige. Mein Vater hat auch Adeno und seit der Diagnosestellung mehrere Pleuraergüsse in der "gesunden" Lungenhälfte, die ihm das atmen sehr erschweren. Er bekommt nächste Woche eine Pleurodese.
Ich würde dich gern fragen ob es bei deiner Mutter eine Erleichterung diesbezüglich gebracht hat und wie sie die Tabletten verträgt.
Mein Vater ist auch sehr geschwächt und wir hangeln uns von Tag zu Tag.
Anfangs war insbesondere die Wesensänderung ein Problem, das geht jetzt besser.
Alles Liebe und viel Kraft für euch alle!

Liebe Grüße bosko

Carlotta76
03.10.2011, 17:05
Liebe bosko,

vielen lieben Dank für Deine Nachricht.

Das "von Tag zu Tag hangeln" kenne ich nur zu gut.

Meine Mama hat ihre Pleurodese Anfang August bekommen. Danach hatte sie etwa vier Wochen eine Drainage, die alle zwei bis drei Tage "entleert" werden musste, bis nichts mehr nachgelaufen ist.

Das Atmen fällt ihr seitdem wieder deutlich leichter! Die Stelle, an der die Drainage saß, tut ihr aber immer noch weh. Insgesamt überwiegen aber nach ihrer Ansicht die Vorteile und sie sagt, sie würde den Eingriff wieder machen lassen.

Ansonsten nimmt sie Iressa. Die Tabletten haben bei ihr doch einige Nebenwirkungen, wie bspw. Hautausschlag, Juckreiz, Verstopfung, Übelkeit und leider sehr heftige Appetitlosigkeit. (Das kann aber auch wohl leider von der Krankheit an sich kommen.)

Ich wünsche Dir, Deinem Vater und Deiner Familie auch ganz viel Kraft.

Lieben Gruß

Carlotta

Tiina
04.10.2011, 18:16
Liebe Carlotta,
es tut mir sehr leid, dass Deine Mama auch von dieser SchXX-Krankheit betroffen ist!

Meine Mutter ist im vergangenen Dezember an Lungenkrebs gestorben - ich kann mir also sehr gut vorstellen, wie es Dir geht...

Ich wünsche Euch sehr, dass die Therapie gut anschlägt - mit der EGFR-Mutation sind die Chancen dafür ja noch besser!

Viel Kraft in dieser schweren Zeit,:pftroest:
Anja

Carlotta76
04.10.2011, 19:08
Liebe Anja,

vielen Dank für Deine lieben Zeilen. Es tut mir sehr leid, dass Du letztes Jahr Deine Mama verloren hast. Ich finde es sehr schön, dass Du dennoch Zeit im KK verbringst und den Leuten Mut machst.

Wir hoffen auch, dass sich der Krebs aufgrund der vorhandenen EGFR-Mutation zumindest eine Zeit lang ganz gut behandeln lässt. Ich habe damals bei der Diagnose ganz viel über die Mutation und die Behandlung mit Gefitinib im Internet gelesen. Allerdings ist es bei meiner Mama nicht so- wie so oft beschrieben-, dass sich innerhalb einer kurzen Zeit eine deutliche Besserung ihres Befindens eingestellt hat.

Ganz lieben Gruß

Carlotta

Tiina
05.10.2011, 09:44
Liebe Carlotta,
es ist ja gut, dass Deine Mama wenigstens wieder besser Luft bekommt.
Aber die Nebenwirkungen der Tabletten sind ja auch schon ganz schön heftig, ist ja doch eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität...

Ich denke dieses "von Tag zu Tag hangeln" ist das beste, was ihr tun könnt - das habe ich in dem knappen Jahr, in dem ich meine Mutter bei ihrer Krebserkrankung begleitet habe, so erfahren, dass es uns am besten ging, wenn es uns gelungen ist, den aktuellen Tag so gut zu genießen, wie es irgend ging, noch zu tun, was ging und nicht zu viel an die Zukunft zu denken...

Ich wünsche Euch von Herzen alles Liebe und Gute,:pftroest:
Anja

Carlotta76
06.10.2011, 09:46
Liebe Anja,

vielen lieben Dank für Deine Reaktion. Es tut so gut, wenn man merkt, dass es Menschen gibt, die nachfühlen können, wie es einem in dieser Situation geht und die einen verstehen. Natürlich versuchen auch Freunde, einem zu helfen, aber ich habe oftmals doch das Gefühl, dass sie nicht so richtig wissen, wie sie mit so einer Sache umgehen sollen und dann etwas hilflos sind.

Wir versuchen, die verbleibende Zeit zu nutzen und gute Tage gemeinsam zu genießen, aber es bleibt doch eine so große und übermächtige Angst vor der Zukunft, dass mir das nicht immer gelingt. Ich kann mir ein Leben ohne meine Mama einfach nicht vorstellen. Auch, wenn ich weiß, dass das irgendwann so sein wird...

Ganz lieben Gruß,

Carlotta

Carlotta76
06.10.2011, 10:05
Hallo an alle, die meinen Thread lesen,

ich wollte hier ja berichten, wie es bei uns so geht.

Letztes Wochenende bin ich, wie eigentlich jede Woche, zu meinen Eltern gefahren. (Wir wohnen ca. 150 km entfernt.) Meiner Mama geht es in den letzten zwei Wochen eigentlich den Umständen entsprechend einigermaßen gut. Zumindest sind bisher keine neuen Katastrophen aufgetreten. Sie ist aber recht schwach und war dann unendlich traurig, da sie sich unter der Woche ausgemalt hatte, dass wir was kleines zusammen unternehmen, wenn ich da bin. Sie wollte bspw. am Samstag ins Möbelhaus fahren. Dies hat sie sich dann aber nicht zugetraut, obwohl wir einen Rollstuhl haben. Solche Sachen ziehen sie dann auch sehr runter. Naja, wir haben uns dann in den Garten gesetzt und einfach das schöne Wetter genossen und hatten dann auch ein recht schönes Gespräch. Ich habe eine ganz, ganz enge Beziehung zu meiner Mama, und wir können über (fast) alles miteinander reden, auch über unsere Ängste wegen der Zukunft.

Seit Dienstag muss ich wieder arbeiten, bin also wieder bei mir zu hause, und wir können nur telefonieren. Langsam wird auch die Angst wieder größer, nächsten Mittwoch, am 12.10., muss meine Mama wieder zur Kontrolle...

Carlotta

carla44
06.10.2011, 10:43
Liebe Carlotta,

nun lese ich schon die ganze Zeit bei Dir und wollte Dir einfach mal schreiben.

Mein Vati hatte ja auch ein Adenokarzinom mit Knochen- und Gehirnmetastasen.
Anfangs sah alles erst noch gut aus. Dann nach den Bestrahlungen ging es so schnell bergab, dass ich es immer noch nicht fassen kann.

In der letzten Zeit habe ich auch nur versucht, jeden Tag so schön wie möglich für Vati zu machen. Als er dann schon im Pflegeheim war, konnten wir an dem einen Tag nochmal mit dem Spezialstuhl raus in den Garten. Noch einmal die Sonne und den Wind fühlen. Die Erinnerung daran tut heute noch weh. Wie wenig da nur noch möglich war.

Mein Vati war auch sehr enttäuscht, als er dann irgendwann nicht mal mehr alleine aufstehen konnte.

Ich will damit nur sagen, genießt jeden Tag und jeden Moment, so lange es geht.

Ich wünsche Deiner Mutti noch eine lange hoffentlich gute Zeit. Und Dir viel Kraft.
Liebe Grüße
Carla

Tiina
06.10.2011, 14:34
Liebe Carlotta,
das kann ich so gut verstehen, das tut so weh, wenn nur noch wo wenig geht... :pftroest: Finde ich aber toll, dass ihr euch noch einen schönen Tag im Garten gemacht habt und dass ihr so gut miteinander reden könnt! Das ist sehr hilfreich... Ich hatte auch ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mami - aber über unsere Ängst während ihrer Krankheit haben wir nur sehr selten geredet, da haben wir uns glaube ich gegenseitig versucht zu schonen, was ich jetzt ein bißchen bedauere.

Klar, die Angst ist immer da - besonders natürlich, wenn auch noch eine Untersuchung ansteht... Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass das Ergebnis gut ist!

Alles Liebe,
Anja

Carlotta76
07.10.2011, 20:50
Hallo an alle, die meinen Thread lesen,

gerade habe ich mit meiner Mama telefoniert. Sie hat mir erzählt, dass sie vorhin seit längerem endlich wieder wirklich Lust hatte, etwas zu essen. Daher wollte sie sich in der Küche ein Spiegelei braten. Als sie dann in der Küche stand, hat sie gemerkt, dass selbst dies für sie eine ungeheuerliche Anstrengung bedeutet, sie hat das dann abgebrochen, und mein Papa hat das Ei fertig gebraten und ihr gebracht. In diesem Moment kam dann schon wieder der ganze Widerwille gegen das Essen hoch, und sie konnte lediglich zwei Bissen zu sich nehmen.

Das hat meine Mama natürlich total frustriert. Wir haben dann darüber gesprochen, wie wahnsinnig schwierig es ist, die Krankheit und ihre Folgen zu akzeptieren. Einerseits weiß man, dass man Dinge, die man nicht ändern kann, annehmen muss. Dennoch kann ich das manchmal einfach nicht umsetzen. Gerade ist wieder so ein Moment...Da denke ich nur, dass von jetzt ab alles nur noch schlimmer und schlimmer werden wird und dass ich am Ende ohne sie weiter leben werde müssen...

Es tut mir Leid, dass ich heute so sehr am Jammern bin. Danke fürs Lesen.

Traurige Grüße

Carlotta

Carlotta76
07.10.2011, 21:09
Liebe Carla,

vielen lieben Dank für Deine Nachricht. Ich habe Deine Threads gelesen, und es tut mir schrecklich Leid, dass Du im Sommer Deinen Vater verloren hast. Du hast Dich bis zum Schluss rührend um ihn gekümmert, das hat ihm sicherlich sehr geholfen. Ich kann bisher nur erahnen, wie es ist, ohne den geliebten Menschen weiter leben zu müssen...

Fühl Dich ganz lieb umarmt,

Carlotta


Liebe Anja,

tausend Dank für Deine Unterstützung; ich freu mich wahnsinnig, dass Du Dir soviel Zeit nimmst, mir zu schreiben. Heute habe ich leider keinen so guten Tag...Da ist es umso schöner, wenn man hier im Forum so liebe Nachrichten erhält. Das rührt mich sehr,

Carlotta

bosko
07.10.2011, 21:49
Hallo Carlotta,
Ich stelle es mir sehr schwer vor wenn man Dinge machen möchte und dann nicht kann.
Meinem Vater geht das auch so. Leider spielt er aber noch oft vor Ärzten und Schwestern den Starken und verweigert Hilfe.:(
Er hatte gestern die Operation wegen der Pleurodese. Das Atmen fällt ihm heute schon leichter. Nun soll er am Montag entlassen werden und Mittwoch ambulant die nächste, nun stärkere Chemo bekommen. Wie war das bei euch mit der Drinage? Du schreibst von 14 Tagen. War deine Mutti daheim und wie ist sie da versorgt wurden?
Wünsche dir weiterhin viel Kraft!

carla44
08.10.2011, 14:22
Liebe Carlotta,

ich danke Dir für Deine Worte und die liebe Umarmung.
Dass ich meinen Vati begleiten durfte, war für mich etwas ganz Besonders. Leider war uns nicht mehr viel Zeit miteinander vergönnt. Umso wichtiger ist es gewesen, dass ich alles noch erledigen konnte, was mir eingefallen ist und womit ich ihm noch eine kleine Freude machen konnte.

Es gab zum Glück in diesen letzten Tagen immer wieder diese kleinen glücklichen Momente, ein kleines Lachen von ihm, ein Strahlen auf seinem Gesicht. Diese Bilder halte ich ganz fest in meinem Herzen.
Das nimmt mir zwar nicht den Schmerz über den Verlust. Aber ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe und es sein Wunsch war, dass ich ihn auf diesem schweren Weg begleiten sollte.

Ich umarme Dich und wünsche Dir viel Kraft und noch viele gute Momente in dieser Zeit, an die Du Dich später erinnern wirst.

Liebe Grüße
Carla

undine
08.10.2011, 22:14
Liebe Carlotta,

ich wollte dir nur einen lieben Gruß da lassen. :knuddel:

Wie Carla sehe ich es auch: es gibt diese vielen kleinen schönen Momente in all der Grausamkeiten, die der Krebs mit sich bringt. Sie sind kostbar und ich sammel sie ebenfalls ein und hüte sie in meinem Herzen.
Ich selbst mag noch nicht daran denken, wie es ohne meine Ma ist. Ich weiß, dass wir nicht mehr viel Zeit zusammen haben werden. Aber momentan konzentriere ich mich nur darauf, dass ich diese Zeit bis dahin bestmöglich für sie und mich und meinen Vater nutze.

Alles Liebe!! :1luvu:

Carlotta76
09.10.2011, 12:19
Liebe Bosko,

es freut mich sehr, dass Dein Vater die OP gut überstanden hat und dass ihm das Atmen bereits leichter fällt. Das war bei meiner Mama auch so und ist zum Glück bis jetzt so geblieben.

Meine Mama war Anfang August für insgesamt sechs Tage im Krankenhaus. Sie hatte dann eine Denver (?)-Drainage, die mein Papa daheim alle zwei Tage entleert hat. Da liefen zunächst so ca. 100 ml, später dann etwa 80ml raus. Ca. 10 Tage später ist meine Mama wieder ins Krankenhaus zur Kontolle. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt leider einen Harnwegsinfekt eingefangen hatte, nahm man sie wieder stationär auf. Im Krankenhaus ist die Drainage etwa alle drei bis vier Tage entleert worden und als nichts mehr nach lief, hat man sie dann vor dem Entlassungstag gezogen. Insgesamt hatte meine Mama die Darinage etwa vier Wochen.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesen Ausführungen etws helfen. Ich wünsche Dir und Deinem Vater weiterhin viel Kraft.

Lieben Gruß

Carlotta

Carlotta76
11.10.2011, 15:51
Liebe Carla,

vielen Dank für Deine lieben Zeilen. Es ist sehr schön, dass Du es als etwas Besonderes ansiehst, dass Du Deinen Vati auf seinem letzten Weg begleiten durftest, und das ist es ja auch. Ich denke, dass Du ihm damit auch gezeigt hast, wie sehr Du ihn liebst. Auch wenn dies natürlich nicht den unermeßlichen Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen lindert, so gibt es einem vielleicht ein klein bißchen Frieden.

Bei mir ist es Moment leider so, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass meine Mama wahrscheinlich bald nicht mehr da ist, auch wenn mein Verstand dies eigentlich weiß...

Ich drück Dich,

Carlotta


Liebe Undine,

danke für Deinen lieben Gruß.

Es ist gut, wenn man die schönen Momente, die das Leben auch jetzt noch ab und zu mit sich bringt, auskosten und zusammen genießen kann. Mir geht es auch so, dass ich derzeit noch gar nicht an ein Leben ohne meine Mama denken kann. Wir telefonieren seit der Diagnose im Mai täglich miteinander, (meistens sogar mehrmals am Tag.) Der Gedanke, dass ich sie irgendwann nicht mehr erreichen kann, schnürt mir die Kehle zu. Dann habe ich einfach fürchterliche Angst. Und in solchen Momenten bin ich dann leider auch nicht in der Lage, die schönen gemeinsamen Momente zu genießen.

Ich wünsche Dir und Deiner Ma (und auch Deinem Papa) weiterhin viel viel Kraft.

Alles Liebe

Carlotta

Es tut mir Leid, wenn ich im Moment so deprimiert und negativ bin. Morgen hat meine Mama wieder Kontrolle...

Carlotta76
14.10.2011, 21:16
Hallo,

meine Mama hatte ja am Mittwoch Kontrolle, Thorax-CT und Sonographie vom Bauchraum. Der schriftliche Bericht liegt noch nicht vor, aber nach den ersten Aussagen der Ärzte hat sich nichts verändert. Das wäre großartig...

Leider geht es meiner Mama trotzdem nicht gut zur Zeit. Sie kann schlecht schlafen und ist ständig nervös.

Morgen fahre ich wieder zu meinen Eltern.

Allen, die hier lesen wünsche ich gute Ergebnisse, wenig (am besten keine) Schmerzen, keine Ängste und ein schönes Wochenende.

Carlotta

Carlotta76
18.10.2011, 10:12
Hallo,

heute möchte ich mal wieder berichten. Ich war am Wochenende bei meinen Eltern. Obwohl das Ergebnis der Kontroll-Untersuchung letzten Mittwoch eigentlich ganz gut war, fühlt sich meine Mama schlecht. Sie ist schwach, kann weiterhin kaum etwas essen und ist häufig (besonders abends) unglaublich nervös. Hat jemand von Euch hiermit auch Erfahrungen gemacht? Für meine Mama ist diese Nervosität ganz schrecklich.

Leider ist ihr darüber hinaus seit ein paar Wochen auch immer mal wieder richtig übel. Dies macht mir besonders Sorgen, da ich dann immer denke, sie könnte Hirnmetastasen haben. Ein MRT vom Schädel ist lediglich im Mai bei Diagnosestellung gemacht worden.

Das Wochenende verlief recht ruhig. Meine Mama war nicht in der Lage, etwas zu unternehmen, so dass wir viel auf der Couch saßen und DVD geschaut haben. Viel geredet haben wir dieses Mal nicht, ich glaube, sie will auch nicht immer über die Krankheit und deren Folgen sprechen. Ich habe dieses Bedürfnis zwar häufig, halte mich dann aber zurück, denn es geht hier ja vor allem darum, was sie möchte, und ich kann mir gut vorstellen, dass man sich auch einfach mal ablenken will.

Liebe Grüße,

Carlotta

Aurel81
18.10.2011, 10:54
Sie ist schwach, kann weiterhin kaum etwas essen und ist häufig (besonders abends) unglaublich nervös. Hat jemand von Euch hiermit auch Erfahrungen gemacht? Für meine Mama ist diese Nervosität ganz schrecklich.

Das hatte meine Mutter auch. Bei ihr lag es daran, dass aufgrund ihrer Medikamente, Untersuchungen, etc. die Schilddrüse Probleme gemacht hatte (hat zu viel produziert). Teilweise war sie so nervös, dass sie kaum schlafen konnte. Wurde das bei Deiner Mutter mal untersucht? Könnte ja u.U. bei ihr auch der Fall sein. Meine bekam daraufhin ein Medikament (Namen weiß ich leider nicht mehr) und die Nervosität war schlagartig vorbei.

Viele Grüße
Denise

Carlotta76
20.10.2011, 15:38
Liebe Denise,

vielen lieben Dank für Deine Antwort. Meine Mama kann auch häufig vor lauter Nervosität nicht richtig schlafen. Beziehungsweise, sie schläft dann zwar ein, wacht aber in der Nacht auf und liegt dann bis in die Morgenstunden wach.

Die Schilddrüse ist bei ihr aktuell nicht untersucht worden, DANKE für den Tipp, das werde ich ansprechen, wenn ich das nächste Mal zu meinen Eltern fahre. Es freut mich, dass man die Sache mit der Nervosität bei Deiner Mama in den Griff kriegen konnte.

Vielleicht spielt bei meiner Mama aber auch die Psyche eine Rolle. Mit ihrer Diagnose hat sie natürlich sehr zu kämpfen.

Lieben Gruß,

Carlotta

Carlotta76
23.10.2011, 01:30
Hallo,

zur Zeit kann ich nur mittelbar von meiner Mama berichten, da ich dieses Wochenende nicht zu meinen Eltern gefahren bin. Was ich aber über das Telefon erfahre, hört sich leider nicht gut an. Meiner Mama ist in den letzten Tagen insbesondere nachts übel, dann wacht sie auf und kann nicht wieder einschlafen. Das führt dann dazu, dass sie tagsüber zu ihrer Schwäche und den Schmerzen auch noch müde ist.

Wir haben deswegen die letzten Tage auch nie lange telefoniert. Ich habe das Gefühl, dies strengt sie mittlerweile auch unglaublich an, und sie muss sich hierfür extrem zusammen reißen.

Diese Krankheit ist einfach fürchterlich. Man sieht, wie ein geliebter Mensch leidet, und man steht daneben und kann nichts, aber auch gar nichts tun.

Liebe Grüße

Carlotta

Aurel81
23.10.2011, 14:22
Hallo Carlotta,

das tut mir leid, dass es Deiner Mama schlechter geht :(
Ich kann Dir nur zustimmen:
Man fühlt sich so vollkommen machtlos und hilflos, wenn ein geliebter Mensch so leiden muss. Das ist so verdammt unfair und grausam. Diese Krankheit hat wirklich niemand verdient!
Ich wünsche Dir, dass Deine Mama wieder zu Kräften kommt und die Übelkeit nachlässt damit sie Nachts wieder schlafen kann!!

undine
23.10.2011, 15:09
Liebe Charlotta,

das tut mir sehr leid :(

Ich weiß genau, wie du dich fühlst. Fühle dich bitte in den Arm genommen :knuddel:

Aber oft gibt es auch wieder ein bergauf...

Ganz liebe Grüße, Undine

Carlotta76
26.10.2011, 22:09
Liebe Denise, liebe Undine,

vielen, vielen Dank für Eure guten Wünsche. Ich hoffe auch, dass meiner Mama nicht mehr so oft übel wird, vor allem, weil ich vor diesem Symptom auch so große Angst habe.

Ich fahre erst wieder nächstes Wochenende zu meinen Eltern, aber heute habe ich zweimal mit meiner Mama telefoniert, und da hatte sie sich am Telefon etwas besser angehört und gesagt, dass sie sich wahnsinnig freut, wenn ich komme.

Vor einer Stunde circa hat dann mein Papa bei mir angerufen und erzählt, meine Mama hätte ihm heute Abend mitgeteilt, sie habe so wahnsinnig Angst vor ihrem bevorstehenden Tod. Da ist mir ganz anders geworden. Meine Eltern waren beide Ärzte (jetzt sind sie Rentner), sie blicken der Zukunft recht pessimistisch entgegen, auch, wenn das letzte CT nicht mal schlecht ausfiel. Ich hoffe so sehr, dass meine Mama noch eine längere, gute Zeit vor sich hat, das wäre mein absolut größter Wunsch.

Ganz liebe Grüße,

Carlotta

carla44
27.10.2011, 13:12
Liebe Carlotta,

den Schock kann ich gut verstehen, wenn Dein Vater das am Telefon so erzählt hat. Ich glaube einfach, dass Deine Eltern, weil sie selber Mediziner sind, das einfach realistischer sehen als ein Laie. Sie kennen die Diagnosen sicher sehr genau und verstehen auch die Auswertung der Untersuchungen anders als wir.

Und die eigenen Erfahrungen als Arzt kommen da sicher noch hinzu. Da ist es bestimmt schwer, wieder optimistisch zu sein, wenn man so viel Hintergrundwissen hat.

Genieße einfach die Stunden, wenn Du bei Deinen Eltern bist. Vielleich kannst Du mit Deiner Mutter ja auch offen über alles reden?
Ich hätte mir das bei meinem Vati gewünscht. Leider ging das nicht mehr. Ich habe nur gemerkt, dass er um seine Situation Bescheid weiß, als er ein paar Tage vor seinem Tod jede weitere Behandlung außder das Morphium abgelehnt hat.

Ich wünsche Dir viel viel Kraft, sende Dir eine liebe Umarmung und hoffe natürlich, dass Deine Mutti noch lange bei Dir bleiben kann.
Liebe Grüße
Carla

Carlotta76
02.11.2011, 12:09
Liebe Carla,

es freut micht sehr, dass Du mir wieder geschrieben hast.

Ich weiß nicht, ob meine Mama ihre Situation tatsächlich realistischer einschätzt, nur, weil sie Ärztin war. Meine Eltern sind beide schon seit ein paar Jahren berentet, waren weder Internisten, noch hatten sie etwas mit Onkologie zu tun. Bei Diagnosestellung im Mai hatte ich oftmals das Gefühl, ich habe mir durch Lesen im Internet ein besseres Bild gemacht von der Situation als meine Eltern. Aber vielleicht ist das auch anmaßend, natürlich, ich verstehe nicht alle Fachbegriffe, und die können meine Eltern mir erklären. Sie wissen auch, dass das Bronchialkarzinom ein insgesamt eher schlecht zu behandelnder Krebs ist und dass das Vorliegen von Fernmetastasen die Prognose deutlich verschlechtert. Aber von den neuen Behandlungsmöglichkeiten, targeted therapy usw. bei Vorliegen einer Mutation, wussten sie beispielsweise nichts.

Ich war letztes Wochenende bei meinen Eltern, und als ich mit meinem Papa alleine war, habe ich ihm gesagt, im Stadium IV, in welchem sich meine Mama befindet, läge die Fünfjahresüberlebensrate bei einem Prozent. Und da hat mein Papa, der sich grundsätzlich darüber bewusst ist, dass meine Mama an íhrer Krankheit sterben wird, mich angeshaut und gemeint, wirklich, bei nur einem Prozent, das ist verdammt wenig. Das schockiert mich dann etwas, weil ich dann denke, mensch Papa, du warst zwar Orthopäde, aber das müsstest du doch eigentlich wissen...

Hinzu kommt, dass meine Mama auch vieles vedrängt. Sie ist jetzt Patientin, und sie hat Angst, wahnsinnig Angst. Und deshalb verträgt sie manchmal nur ein kleines Stück der Wahrheit, der Rest wird beiseite geschoben, das wäre sonst mehr, als sie im Moment aushalten könnte.

Liebe Carla, vielen lieben Dank für Deine lieben Wünsche.

Alles Liebe,

Carlotta

carla44
02.11.2011, 13:27
Liebe Carlotta,

ich habe damals auch sehr viel gelesen und nachgeforscht, als wir die Diagnose bekamen. Leider hatte ich weder eine genaue Klassifizierung noch andere Details. Mein Vater wollte niemanden bei den Gesprächen dabei haben. Das einzige, was ich wußte, war die Größe des Tumors in der Lunge und der war mit wenigen mm sehr klein.
Deshalb war ich von einer guten Prognose ausgegangen, was dann allerdings nicht stimmte ...

Ich habe auch in der Zeit auch gelesen, das viele Betroffene diese Phase des Verdrängens durchmachen. Einfach, weil sie dann besser damit umgehen können und so das Schlimme von sich wegschieben. Natürlich macht es das nicht besser und für die Angehörigen wird es auch nicht einfacher.
Es gibt wohl auch eine Phase der Wut auf die Krankheit und oft irgendwann dann auch die Akzeptanz.

Mein Vater hat dann irgendwann wohl auch aufgegeben. Er hatte auch keine Kraft mehr, dagegen anzukämpfen; wollte und konnte auch nicht mehr. Es tut sehr weh, dass ich das so akzeptieren mußte. Aber es war sein Weg und sein Umgang mit der Krankheit. Ich konnte ihn nur noch begleiten.

Mir hat damals die Hospizgruppe hier sehr geholfen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben mir vieles erklärt, auch nicht Broschüren gegeben und eben eine Telefonnummer, die ich immer anrufen konnte.

Ich wünsche Dir weiterhin viel viel Kraft .
Liebe Grüße
Carla

Carlotta76
07.11.2011, 15:24
Liebe Carla,

danke für Deine Antwort. Ich habe im Sommer auch Deinen Thread verfolgt, und ich finde, Du hast das ganz großartig gemacht. Du warst in der letzten Lebenszeit immer für Deinen Papa da. Ich denke, dazu gehört auch, dass man akzeptiert, wenn die Betroffenen irgendwann nicht mehr wollen, obwohl ich glaube, dass das wirklich sehr schwer ist. Wenn es bei meiner Mama soweit ist, hoffe ich, dass ich das auch annehmen kann.

Bei meiner Mama schwankt das mit der realistischen Einschätzung immer sehr. Mal sagt sie (vor allem gegenüber meinem Papa), dass sie nicht mehr lange leben wird. Ein anderes Mal hat sie aufgeschrieben, was sie alles machen möchte, wenn sie wieder gesund wird. Einmal hat sie mir gegenüber gemeint, ihr Tumor sei doch relativ klein (T2), das sei doch ein gutes Zeichen. Da wusste ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich meine es bei meiner Internetrecherche so verstanden zu haben, dass es nicht lediglich auf die Tumorgröße ankommt, sondern vor allen Dingen auf die Ausbreitung. (Daher ist man ja auch immer im Stadium IV, wenn Fernmetastasen vorhanden sind, gleichgültig wie der T- bzw. der N- Status sind.)

Das verunsichert mich dann halt ein bisschen. Aber eigentlich ist es ja nicht schlimm. Meine Mama soll das denken, was ihr am besten tut.

Alles Liebe,

Carlotta

Carlotta76
09.11.2011, 11:12
Hallo,

heute will ich mal wieder von meiner Mama berichten. Ich war letztes Wochenende bei meinen Eltern. Eigentlich war es ein recht ruhiges Wochenende, worüber ich dankbar bin.

Meine Mama sitzt/liegt die meiste Zeit auf dem Sofa im Wohnzimmer. So auch am Samstagnachmittag, als ich ankam. ich habe mich dann zu ihr gesetzt, und wir haben über dies und das geredet. In letzter Zeit will sie nicht mehr viel über die Krankheit reden. Sie meint, sie hätte sowieso schon die ganze Zeit damit zu tun. Auf der anderen Seite merke ich wie verzweifelt sie ist, sie möchte aber auch darüber nicht reden. Dann merke ich, dass ich ihr auch gar nicht helfen kann und das tut wahnsinnig weh. Obwohl wir die meiste Zeit einfach nur dasitzen (bzw. ich sitze, meine Mama liegt meistens) sagt sie, dass sie es sehr schön findet, wenn ich da sei.

Am Sonntag sind wird dann über den Tag verteilt zweimal eine kleine Runde im Garten gelaufen. Darüber habe ich mich riesig gefreut :) und ihr auch gesagt, dass ich davon unbedingt im Forum berichten muss.

Leider isst meine Mama immer noch fast gar nichts. Sie hat seit Diagnosestellung im Mai auch ca. 20 kg abgenommen. Das Einzige, was sie regelmäßig zu sich nimmt, ist Milchkaffee und hochkalorische Trinknahrung mit Cappuccino-Geschmack. Eine Flasche von 125 ml hat 300 kcal. Aber auch hiervon trinkt sie höchstens eineinhalb Flaschen.:sad:

Kennt jemand von Euch das Problem auch? Meine Mama sagt, sie bekäme einfach nichts anderes herunter. Vielleicht kommt das ja vom Gefitinib, meine Mama nimmt Iressa. Hat jemand von Euch Erfahrungen damit? Wahrscheinlich kommt es aber vom Krebs selbst, befürchte ich.

In den letzten Tagen habe ich wieder vermehrt Angst. Vor allem Angst vor dem, was kommt. Wenn man so über die Verläufe liest, können sich eigentlich nur Katastrophen anbahnen.

Es tut mir leid, dass ich (mal wieder) so negativ bin, aber ich bin im Moment ziemlich verzweifelt.

Liebe Grüße,

Carlotta

Monika Rasch
09.11.2011, 15:41
Liebe Carlotta,
es ist so schwer und wir wissen es ALLE

Halt die Ohren steif !

Carlotta76
10.11.2011, 15:46
Liebe Moni,

vielen Dank für Deine Antwort, es hat mich sehr gefreut, dass Du mir geschrieben hast. Mir hilft es irgendwie zu wissen, dass hier Leute sind, die Ähnliches durchmachen bzw. durchgemacht haben. Aber es ist alles ein so unermessliches, entsetzliches Leid.:(

Gerade hat mein Papa angerufen, um mir mitzuteilen, dass meine Mama ins Krankenhaus gegangen ist, weil sie heute schon den ganzen Tag Herzrhythmusstörungen hätte.

Ich habe Angst.

Carlotta

Carlotta76
14.11.2011, 16:26
Hallo,

meine Mama liegt immer noch im Krankenhaus. Das mit den Herzrhytmusstörungen hat sich glücklicherweise nach recht kurzer Zeit bereits gebessert.

Sie hat aber zudem wohl wieder einen Harnwegsinfekt, (das hatte sie im August schon mal, weswegen sie dann zweieinhalb Wochen in der Klinik lag), und der macht ihr wohl ziemlich zu schaffen.

Ich war gestern und heute morgen bei ihr, und sie sieht so klein und verletzlich in dem großen Krankenhausbett aus...Glücklicherweise versteht sie sich mit ihrer Zimmernachbarin (einer älteren Dam so um die 80) gut.

Ich bin jetzt wieder zurück gefahren, (da ich heute noch arbeiten muss) und am Telefon hat meine Mama mir eben gesagt, sie hätte mit dem Arzt der Inneren (eine onkologische Station haben die im Kreiskrankenhaus in dem kleinen Städtchen, in dem meine Eltern wohnen, nicht) besprochen, dass sie, wenn sie entlassen wird, dreimal in der Woche einen ambulanten Pflegedienst zur Seite gestellt bekommt.

Meine Mama fand diese Idee sehr gut und das freut mich. Ich bin aber such wieder etwas erschrocken, weil das ja auch irgendwie einen weiteren Schritt nach unten auf der Treppe bedeutet...

Lieben Gruß

Carlotta

undine
14.11.2011, 23:38
Liebe Carlotta,

ich finde es gut, dass deine Ma die Idee vom Pflegedienst annehmen kann.

Und ich verstehe auch, dass es einen bitteren Beigeschmack hat. Ich kann dir gar nichts sagen, dich nicht trösten, weil ich selbst so hilflos bin.

Ich möchte dir nur sagen, dass ich an dich denke und Euch alles Liebe wünsche!! :1luvu:

carla44
15.11.2011, 07:38
Liebe Carlotta,

wenn ich Deine Berichte so lesen, habe ich meine eigene Geschichte mit meinem Vati wieder vor Augen. Erst war es die Diagnose, dann Krankenhaus und Klinik, dann kam der Pflegedienst...

Auch die Situation mit dem wenig Essen und der hochkalorischen Trinknahrung war bei uns genauso. Papa konnte fast nichts essen, weil ihm immer schlecht und schwindlig war. Ich dachte damals, diese Trinknahrung ist eine gute Idee so zur zusätzlichen Nahrungsaufnahme.
Der Arzt im Pflegeheim hat mir dann aber auch erklärt, dass man damit in erster Linie den Krebs füttert, wenn der Körper schon so schwach ist.
Ich habe dann in der Broschüre vom Hospizdienst gelesen, dass der Körper die Nahrung ab einem bestimmten Stadium nicht mehr braucht und eben auch nciht mehr verarbeiten kann.

Für mich war das total schwer, das zu akzeptieren, ich hatte immer das Gefühl, dass mein Vati dann ja verhungert.

Liebe Carlotta, ich kann Dich sehr gut verstehen,Deine Gedanken und Gefühle.
Ich hatte ja das Glück, dass mein Vati hier in der Nähe gewohnt hat und die letzten 3 Wochen dann sogar in unserer Stadt im Pflegeheim war, so dass ich jederzeit dort hin fahren konnte.

Ich wünsche Dir weiterhin viel viel Kraft und umarme Dich ganz doll. Es ist gut, dass Du für Deine Mama da bist und sie weiß, dass sie sich auf Dich verlassen kann.
Liebe Grüße
Carla

Carlotta76
16.11.2011, 15:50
Liebe Undine,

Du hilfst und tröstet schon dadurch, dass Du mir die lieben Zeilen geschickt hast. Das hat mich sehr gefreut.

Ja, das mit dem Pflegedienst ist so eine Sache. Ich finde es auch schön, dass meine Mama damit wenig Probleme hat und es für eine gute Idee hält. Ich denke, bei ihr ist es so: Grundsätzlich möchte sie natürlich nicht von anderen Menschen gewaschen etc. werden (wer will das schon), aber ich glaube, wenn sie da schon (zumindest teilweise) auf fremde Hilfe angewiesen ist, dann ist es ihr lieber, das macht eine fremde Person als mein Papa oder ich. Die Vorstellung findet sie wohl ziemlich fürchterlich. Mein Papa ist - glaub ich - wohl ein bißchen konsterniert darüber. Aber eigentlich entlastet ihn das ja auch. Und daher ist es ja auch eine gute Idee.

Liebe Undine, ich denke viel an Dich und Deine Eltern und wünsche Euch Dreien eine schöne, möglichst angst- und beschwerdefreie Zeit und gute Ergebnisse am Freitag,

Alles Liebe

Carlotta


Liebe Carla,

es freut mich sehr, dass Du Dich wieder gemeldet hast. Ja, ich denke auch, obwohl die Verläufe natürlich individuell sind, ähneln sich die Situationen hier teilweise sehr. Es ist und bleibt einfach eine furchterregende Krankheit.

Mit der Trinknahrung ist es so, dass meine Mama die schon auch selber anfordert. Sie meint immer, sie wolle heute drei Fläschchen trinken (das wären 900 kcal), damit sie nicht noch weiter abnimmt, nur, sie schafft das dann eben nicht (maximal sind es zwei). Darüber ist sie dann selbst frustriert.

Es ist schön, dass Dein Vati in Deiner Nähe gewohnt hat und Du ihn täglich besuchen konntest. Ich wohne und arbeite leider 150 km von meiner Mama entfernt. Aber ich fahre so gut wie jedes Wochenende zu ihr.

Liebe Carla, ich umarme Dich zurück und wünsche Dir

alles Liebe

Carlotta

Tiina
18.11.2011, 16:02
Liebe Carlotta,
es tut mir so leid, dass es Deiner Mama schlecht geht! :pftroest:
Aber der CT-Befund macht ja durchaus Mut - vielleicht bessert sich die Appetitlosigkeit ja wieder?

Das ist sooo schwer, diese Hilflosigkeit zu ertragen. Sicher hilft es Deiner Mama sehr, wenn Du einfach da bist, aber es so schwer zu ertragen, nicht "wirklich" helfen zu können, die Ängste nicht abnehmen zu können, die körperlichen Beschwerden nicht abschalten zu können...

Ich finde es auch toll, wie Deine Mama reagiert, z.B. den Pflegedienst als gute Idee akzeptiert. Trotzdem ist das natürlich auch erschreckend...

Ich kann Deine Angst so gut verstehen...
Alles Liebe, :knuddel:
Anja

undine
19.11.2011, 21:20
Liebe Carlotta,

danke für deine lieben Worte. Ich denke auch an Euch!

Ganz liebe Grüße :1luvu:,
Undine

Carlotta76
23.11.2011, 16:42
Liebe Anja,

ich danke Dir für Deine lieben Zeilen. Es bedeutet mir viel, dass Du wieder geschrieben hast. Ich finde es ja auch gut, wie meine Mama mit der Situation umgeht, aber es tut trotzdem so wahnsinnig weh. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, dass ich meine Mama nur noch kurzer Zeit bei mir haben werde. Auch wenn ich weiß, dass es so ist. Aber was sag ich, Du weißt ja leider sehr gut, von was ich spreche.

Alles Liebe

Carlotta

Liebe Undine,

es freut mich, dass Du an uns denkt. Wie ich bei Dir geschrieben habe, denke ich auch oft an Euch. Und obwohl wir uns im wirklichen Leben nicht kennen, fühle ich mit Dir und Deiner Familie. Und momentan mache ich mir ein bißchen Sorgen um Dich, weil Du so viel zu stemmen hast...Ich hoffe, dass das mit dem Pflegedienst nun klappt, damit Du wenigstens etwas entlastet bist.

Alles Liebe

Carlotta

David1981
23.11.2011, 16:53
Hallo Carlotta, Hallo Undine,

ich bin schockiert zu lesen das es "euren Betroffenen" so schlecht geht und wollte Euch einfach nur etwas KRAFT zukommen lassen, gebt nicht auf..... hofft und kämpft bis nichts mehr geht.

:pftroest::pftroest::pftroest:

Gruß
David

Carlotta76
23.11.2011, 17:40
Lieber David,

vielen lieben Dank für Dein Kraft-Paket! Es freut mich sehr, dass Du geschrieben hast, und ich wünsche Dir auch ganz viel Kraft für die kommende Zeit!

Liebe Grüße

Carlotta

Hallo,

heute möchte ich mal wieder schreiben, wie es so geht bei uns.

Meine Mama ist immer noch im städtischen Kreiskrankenhaus (morgen werden das zwei Wochen), sie sagt aber, dass sie momentan dort lieber ist als daheim. Ich denke, das ist das einzige, was zählt. Da ich ja unter der Woche arbeiten muss und ca. 150 km weit weg wohne, telefoniere ich lediglich mit ihr. Mein Papa besucht sie täglich und meinte bis gestern, dass sie einen recht ordentlichen Eindruck auf ihn mache und dass sie auch von sich aus immer wieder mit meinem Papa den Gang auf und ab liefe, um in Form zu bleiben.

Da sie zur Zeit nicht nach Hause möchte, war bis heute im Gespräch, ob sie im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt eine Reha antreten möchte. Es sah so aus, als ob sie nach Freiburg gehen könnte. Freiburg ist ca. 300 km von meinen Eltern und 150 km von mir entfernt.

Heute Morgen hat meine Mama jedoch erfahren, dass der kurzfristige Termin in Freiburg nicht klappt. Sie könnte frühestens in drei Monaten dorthin. Drei Monate - seit meine Mama von der Krankheit erfahren hat, sind für mich drei Monate eine Ewigkeit. Man könnte genauso gut auch von 30 Jahren sprechen, das würde sich ähnlich an fühlen.

Naja, meine Mama und der Chef der Inneren wollen jetzt schauen, ob sich vielleicht noch eine andere Möglichkeit auftut.

Darüber hinaus hat sie mir erzählt, dass sie ein langes und gutes Gespräch mit eben jenem Arzt geführt habe, in welchem sie, wenn es ihr schlechter geht und die Zeit gekommen ist, mit ihm vereinbart habe, dass er alles tut, damit sie möglichst keine Schmerzen hat und damit sie möglichst wenig von der Situation mitkriegt. Meine Mama hat schon lange eine Patientenverfügung, aber sie sagt, es beruhige sie, dieses Gespräch geführt zu haben. Außerdem habe ihr der Arzt erzählt, dass es ca. 25 km vom Wohnsitz meiner Eltern ein kleines Hospiz gebe, auch dies sei gut zu wissen, meint sie.

Ich habe ihr gesagt, dass ich das ganz toll finde, dass sie diese Gespräche führe, so könne sie auch entscheiden, was sie mal möchte, dass es die Selbstbestimmung sei, die so wichtig sei und dass diese ihr niemand - nicht einmal diese furchterregende Krankheit - nehmen könne.

Innerlich hat es mich total zerrissen. Natürlich ist es toll, dass meine Mama sich um all das kümmert. Aber es tut so furchtbar weh. Ich möchte meine Mama nicht verlieren, auch wenn ich weiß, dass ich das tun werde. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie leben soll...

Liebe Grüße

Carlotta

PS: Bin verwirrt -
gerade habe ich mit meinem Papa telefoniert, da der mir den Arztbrief von Mamas letzter Kontroole am 12.10.2011 zugemailt hatte. Es hieß ja immer gegenüber meinem Papa - ganz erfreulich, alles verlaufskonstant, wir können so weitermachen (mit Iressa), Weidervorstellung in acht Wochen - . Jetzt habe ich da von "einzelnen Rundherden links" gelesen - was soll das denn? Das Adenokarzinom meiner Mama sitzt im rechten Unterlappen und dies (innerhalb der Lunge) bisher nur dort. Wenn nun einzelne Rundherden links zu verzeichnen sind, dann ist das neu. In der Beurteilung steht dann wieder "... in der Abdomensonographie kann ein stabiler Befund erhoben werden,... im CT Thorax ergibt sich ebenfalls kein Hinweis für eine Tumorprogression..."

Ich habe dann beim Papa angerufen und auf diese - wie ich aus meiner medizinischen Laiensicht meine - Diskrepanz hingewiesen. Mein Papa hat dann gemeint, dies sei in der Tat nicht ganz erklärlich, aber das seien Fachleute und wenn die im Ergebnis von einem konstanten Verlauf sprächen, sollte man ihnen auch vertrauen. Außerdem, so sagte er weiter, sei und bleibe es eben eine infauste Prognose, und wir sollten uns freuen, solange es meiner Mama noch einigermaßen ordentlich ginge.:sad:

Es ist, wie schon so oft in meinem Leben, meine Eltern sind vernünftig, und ich komme mir - trotz meiner über 30 Jahre - vor wie ein kleines Kind, das mit der Situation nicht zurecht kommt. Aber ich muss, sie wird sich nicht ändern. Manchmal ist es eben so schwer.

Liebe Grüße

Carlotta (und sorry für den langen Text)

undine
23.11.2011, 22:33
Liebe Carlotta,

....das ist doch kein langer Text, den du geschrieben hast... :D -> ...zumindest nicht für undinische Verhältnisse ;)

hatte ich das richtig in Erinnerung, dass deine Eltern beide Ärzte sind?
Ich stelle es mir für die beiden sehr schwierig vor, mit ihrem Know-how hoffnungsvoll den Kampf gegen den Lungenkrebs aufzunehmen.
Dass sich der jedoch lohnt, dass beweist ja Christel-mouse jeden Tag!! :)

Ich bin ja auch nur Laiin, aber ich dachte immer Rundherd muss nicht immer gleichbedeutend mit einem Karzinom sein, sondern können auch durch andere Dinge bedingt sein.
Und jetzt muss ich dich erst einmal drücken :knuddel:, weil ich mir vorstellen kann, was für ein Schlag es für dich gewesen sein musste, von deinem Vater zu hören: es bliebe eine infauste Prognose... :( (Ich gestehe, ich musste "infaust" erst googlen.)

Es ist schon verrückt, Carlotta, dass obwohl bei unseren Müttern unterschiedliche Mechanismen der Verarbeitungen im Gange sind, (Vernunft versus Verdrängung), ist das Resultat das Gleiche: zwei Töchter, die Angst um ihre Ma haben und denen das Herz zerspringt, wenn sie daran denken, sie zu verlieren.

Liebe Carlotta, ich wünsche dir noch 3x3x3x3x...3x3x3x Monate mit deiner Ma und glaube nicht, dass das nicht möglich sei!
Auch wenn ich meine Ma bald verlieren werde, so weiß ich doch, dass es ein absolutes Wunder ist, dass ich sie noch so lange haben durfte bzw. darf! Der Lungenkrebs wurde erst so extrem spät entdeckt, und Dank der Behandlung haben wir noch so viel Zeit gewonnen.

Liebe Carlotta, fühle dich umarmt!
Undine

***

Lieber David, lieben Dank für deine Zeilen. Ich wünsche dir auch unendlich viel Kraft. Danke, dass du uns welche abgeben willst.

Tiina
24.11.2011, 11:25
Liebe Carlotta,
Deine Mama und auch Dein Papa gehen ja wirklich sehr gefasst mit der Krankheit und der ganzen Situation um! Einerseits ist das ja toll - andererseits kann ich mir vorstellen, dass das ein Bedürfnis erzeugt zu schreien und zu toben, weil die Situation doch einfach zum verzweifeln und unerträglich ist...

Ich konnte mir vorher auch überhaupt nicht vorstellen, wie ich ohne meine Mami leben soll... Irgendwie geht es...

Dir wünsche ich noch ganz viel Zeit mit Deiner Mama - auch bei einer schlechten Prognose kann es ja durchaus noch lange und auch gute Phasen geben!

Alles Liebe und viel Kraft in dieser so schweren Zeit, :pftroest:
Anja

Carlotta76
25.11.2011, 12:24
Liebe Undine,

danke für Deine lieben Zeilen und Deine Wünsche für uns. Ich lese seit der Diagnose auch täglich in Christels Faden und das hat mir auch unheimlich viel geholfen. Und ich denke auch meiner Mama. (Ich habe ihr die Beiträge im Krankenhaus vorgelesen, und ich habe gesagt, Schau Mama, es gibt Leute, die leben mit diesem Stadium schon eine ganze Weile und zwar ein lebenswertes Leben.) Meine Mama fand alle so bewundernswert, ganz besonders haben ihr die Beiträge von Reinhard gefallen. Meine Mama und ich, wir reden viel von Reinhard. Obwohl ich mich zu dieser Zeit noch nicht getraut hatte zu schreiben, fühlte ich mich ihm durch das Lesen nah, und ich habe weinen müssen, als Du geschrieben hast, dass er verstorben ist.

Ich hoffe sehr, dass meine Mama und ich noch etwas Zeit haben. Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem es ihr einigermaßen gut geht.

Liebe Undine, von Tochter zu Tochter eine ganz feste Umarmung und

Alles Liebe

Carlotta

Liebe Anja,

Ja, einerseits ist es gut, dass meine Eltern (meistens zumindest) so gefasst mit der Krankheit umgehen. Andererseits falle ich dadurch auch immer wieder in die Rolle des Kindes, das bildlich gesprochen mit den Füßen aufstampft und brüllt "ich will das nicht", das in Panik gerät, wenn es von "vereinzelten Lungenrundherden links" liest und das sich so klein und unselbstständig und hilflos fühlt.

Liebe Anja, ich wünsche mir für Dich, dass aus dem "irgendwie gehen" auch irgendwann ein "ganz ordentlich gehen" und dann auch irgendwann mal ein "gut gehen" wird. Ich finde es sehr schön, dass Du hier schreibst und den Angehörigen Mut macht.

Alles Liebe

Carlotta

Carlotta76
25.11.2011, 12:34
Hallo,

Ich kann weiterhin nur mehrmals täglich mit meiner Mama telefonieren, (weil ich arbeiten muss), aber morgen Vormittag fahre ich wieder zu meinen Eltern.

Gestern hat sich meine Mama am Telefon eigentlich ganz positiv angehört. Sie meinte, es hätte ihr so gut getan, endlich diese Dinge mit dem Sterben zu besprechen. Sie fühle sich jetzt erleichtert, weil sie den Arzt jetzt informiert habe, das Gespräch so konstruktiv gewesen sei und sie - ganz wichtig - Vertrauen zu ihm entwickelt habe. Und dann hat sie gemeint, "Jetzt habe ich mich seit Mai (seit Diagnosestellung) nahezu täglich mit meinem bevorstehenden Tod beschäftigt, ich lebe aber jetzt noch und jetzt ist es vielleicht an der Zeit, mit diesem "Nochleben" etwas anzufangen."

Das zu hören, hat mich soooooo gefreut. http://www.krebs-kompass.de/images/smilies2/1luvu.gif Sie meinte dann auch, sie wolle mit mir nochmal :( zum Inder an meinen Wohnort gehen, dort habe es immer so lecker geschmeckt.

Heute Morgen rief sie schon recht früh, so kurz vor neun, an und meinte, dass das mit der Reha jetzt doch klappen würde, sie könne vom 1. Dezember bis zum 20. Dezember dorthin (nach Freiburg). Na, hoffentlich bleibt es nun auch dabei und wird nicht wieder umgeworfen. Ich fragte sie dann, wann wir zusammen zum Inder gingen, und sie meinte, das machen wir im Frühjahr, wenn es schon wieder etwas wärmer ist.

Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn ich mit meiner Mama im Frühjahr zum Inder essen gehen könnte!

Liebe Grüße

Carlotta

Tiina
25.11.2011, 12:37
Liebe Carlotta,
ich denke Panik und Hilflosigkeit, "Ich will das nicht" brüllen sind die angemessensten Reaktionen auf diese furchtbare Krankheit...

Die vernünftige Art Deiner Eltern ist ihr Weg mit diesem Grauen umzugehen, innerlich wird es bei ihnen nicht viel anders aussehen... Ich verstehe aber gut, dass Dich das in die Rolle des kleinen Kindes bringt.

Aber Du unterstützt Deine Mama doch auch ganz toll, Eure offenen Gespräche sind für sie sehr wertvoll. Es ist auch eine tolle Idee, Deiner Mama von anderen Betroffenen hier zu erzählen - zu solchen Gesprächen gehört eine Menge Mut, finde ich!
Du bist auch eine ganz tolle Tochter!!!

Es freut mich sehr, dass es Deiner Mama im Moment ganz gut geht und sie Planungen macht und ich wünsche Euch so sehr noch ganz viele positive Tage! Und ein tolles Essen beim Inder im Frühjahr!
Alles Liebe, :pftroest:
Anja

Carlotta76
27.11.2011, 20:38
Liebe Anja,

ich habe mich wie immer sehr, sehr gefreut von Dir zu lesen. Es beruhigt mich, wenn Du sagst, dass Du meine Reaktion als eine natürliche empfindest. Ich denke allerdings schon, dass ich mich für meine 35 Jahre oftmals noch nicht sehr erwachsen verhalte, aber man lernt ja auch an seinen Aufgaben...

Nächsten Donnerstag geht meine Mama also nach Freiburg, und wenn ich Urlaub bekomme, fahre ich auch für ein verlängertes Wochenende dorthin. Meine Mama hat sich schon erkundigt und für 50,00 Euro am Tag wird ein Zusatzbett ins Zimmer gestellt, man wird verköstigt und kann die ganze Zeit beisammen sein.

Liebe Anja, vielen Dank für Deine lieben Wünsche, ich würde mich so sehr freuen, wenn diese in Erfüllung gehen. Gleichzeitig bin ich auch dankbar, dass ich meine Mama im Moment habe.

Alles Liebe

Carlotta

Tiina
29.11.2011, 08:34
Liebe Carlotta,

das ist ja schön, dass das Deine Mama jetzt doch schnell nach Freiburg kommt!

Und ich wünsche Dir sehr, dass das mit dem verlängerten Wochenende klappt, das wäre bestimmt schön für Euch beide!

Und Du machst das genau richtig - das wichtigste ist, dass Du Deine Mama im Moment hast. Alles andere kann eh keiner wissen...

Ich wünsche Euch viele schöne Momente! :1luvu:
Alles Liebe,
Anja

Carlotta76
29.11.2011, 12:43
Liebe Anja,

vielen Dank - wieder mal - für Deine lieben Worte. Es freut mich immer sehr, wenn ich auf die Seite komme und sehe, dass Du geschrieben hast. Ich übe mich darin, den Moment zu leben. Aber bisher bin ich leider wohl noch nicht sehr gut darin...

Alles Liebe,:1luvu:

Carlotta


Hallo an alle, die hier lesen,

ich möchte mal wieder von meiner Mama berichten: Ich war ja am Wochenende bei meinen Eltern. Meine Mama liegt noch im städtischen Krankenhaus, aber sie hat mit der Station ausgehandelt, dass sie am Wochenende für einige Stunden raus und nach Hause darf.

Ich habe sie dann auch gegen 15.00 Uhr am Samstang abgeholt und war der Meinung, dass ich sie schnellstmöglich auf das Sofa im Wohnzimmer verbringen soll. Aber meine Mama wollte shoppen gehen! Und so sind wir dann in die Stadt gefahren. Ich habe meine Mama, da wir keinen Parkplatz direkt vor dem Kaufhaus bekommen hatten, quer durch die halbe Stadt (die Stadt ist sehr klein) geschoben, und es war ihr völlig egal, dass sie zahlreiche ungläubige und mitleidige Blicke von anderen Passanten geerntet hat. Im Kaufhaus angekommen fuhren wir in die Wäscheabteilung, und meine Mama hat sich mit Nachthemden, einem Hausanzug, einem Bademantel und zahlreichen Socken eingedeckt, damit sie für die Reha gerüstet ist.

Sie hat eine erstaunliche Kondition an den Tag gelegt, und ich war so froh, sie bei etwas zu beobachten, was ihr Spaß macht!

Dann ist sie rüber in die Wäsche-Abteilung gerollt und ließ sich nicht davon abbringen, mir Unterwäsche zu kaufen. Ich habe ihr gesagt, dass sie lieber noch was für sich kaufen solle, dass ich genügend Unterwäsche besäße, aber sie bestand darauf.

Mit zwei fetten Tüten sind wir daheim angekommen, und meine Mama hat sich erschöpft aber glücklich aufs Sofa gelegt.

Es war ein sooooo schöner Tag!

Am Sonntag war ich dann gegen halb zwei bei ihr. Da hatte sie schon seit fast 2 Stunden Besuch von guten Freunden, einem Kollegen- Ehepaar meiner Eltern. Sie hatten meiner Mama ganz viele Seiten ausgedruckt über neuere Erkenntnisse in der Versorgung und Behandlung von Krebspatienten, insbesondere über die Ernährungsweise. Die Informationen hatten sie von ihrer Tochter, die nämlich - im Gegensatz zu mir - in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten ist. Alle zusammen meinten dann, dass sich ja schon sehr viel verändert habe in der Medizin seit ihrer Studienzeit.

Bevor meine Mama Besuch bekommen hatte, erhielt sie einen Ultraschall vom Herzen. Am Sonntag! Denn, das vergaß ich - glaub ich - beim letzten Mal zu erwähnen, in dem letzten Arztbrief der Thoraxklinik stand auch noch "... Verdacht auf Perikardkarzinose..." Wie dies zu der Aussage "... kein Anzeichen auf eine Tumorprogression..." passt, ist mir schleierhaft.

Also, erst Sonographie, dann ein fast zweistündiger Besuch, dann kam ich, und meine Mama musste aufstehen, sich anziehen und nach Hause gefahren werden, das war alles ein bisschen viel. Zuhause angekommen ist sie auf dem Sofa eingeschlafen und wollte dann auch nach ca. 3 Stunden zurück ins Krankenhaus.

Seit Montag bin ich wieder arbeiten. Und heute Morgen bin ich richtig erschrocken, als ich mit meiner Mama telefoniert hatte. Sie war richtig durcheinander und aufgeregt, da sie heute entlassen wird. Sie wusste nicht mehr, dass sie am Donnerstag die Reha antritt, und sie sagte zu mir, sie bekäme heute nichts auf die Reihe. Ich habe gesagt, das mache nichts, dass sie ab jetzt zwei Tage daheim sei und am Donnerstag mit Papa in die Reha führe. Äußerlich war ich ruhig, aber innerlich total angespannt vor lauter Angst. Da war wieder dieses furchterregende Wort in meinem Kopf - Hirnmetastasen. Ich weiß, dass Adenokarzinome der Lunge dazu neigen, cerebral zu metastasieren. Meine Mama weiß das auch. Aber darüber kann ich mit ihr nicht reden, weil sie das nicht will, da dies auch ihre größte Angst ist.

Meine Mama hat am Sonntag Tavor geschluckt, das hat sie schon immer schlecht vertragen. Als sie im August die Pleurodese bekam, war sie in der Klinik unter Tavor auch ziemlich desorientiert. (Auch damals hatte ich gleich an Hirnmetastasen gedacht.) Jetzt klammere ich mich ein bisschen an diese Tavor-Vorstellung, um bei der Arbeit nicht durchzudrehen.

Dieser Krebs "frisst" meine Mama, jeden Tag ein Stück mehr. Und irgendwann (hoffentlich nicht sehr bald) wird er sie "aufgefressen" haben. Damit schneidet er sich aber ins eigene Fleisch, dieser Idiot, denn dann wird auch er aufhören zu existieren.

Die Vorstellung, irgendwann meine Mama nie mehr anrufen zu können, niemals mehr ihre Stimme zu hören, ist für mich nicht zu ertragen. Wenn ich daran denke, habe ich das Gefühl, ins Bodenlose stürzen.

Liebe Grüße

Carlotta

Tiina
29.11.2011, 16:32
Liebe Carlotta,
Dein Bericht hat mir die Tränen in die Augen getrieben. So liebevoll hast Du Dich um Deine Mama gekümmert! Ich kann mir das so gut vorstellen, wie Du Deine Mama durch die Läden geschoben hast... :)

Das ist auch so schwer zu ertragen, immer diese Achterbahn - der Samstag war so positiv, jetzt kommt die Angst wieder so stark...

Meine Mami hat Tavor auch überhaupt nicht vertragen. Nach der Diagnose hat sie das genommen, weil sie so aufgeregt war - am nächsten Tag ist sie zum Arzt gefahren und wieder zurück und erinnerte sich danach nur noch an kleine Inseln, z.B. daran, dass sie mehrfach gestürzt ist. Als ich ankam lag sie im Bett und war kaum ansprechbar, ihre Jacke lag auf dem Boden. Auch ihr erster Gedanke waren Hirn-Metastasen, aber wir haben dann recherchiert und es passte genau auf Tavor. Die Apothekerin sagte mir dann auch, gerade ältere Menschen müssten da sehr vorsichtig sein.

Ich wünsche Euch so sehr, dass Deine Mama in den 2 Tagen zu Hause wieder etwas zur Ruhe kommt (und Du damit auch) und dann eine positive Reha hat!

Alles Liebe,:pftroest:
Anja

carla44
30.11.2011, 11:41
Liebe Carlotta,
ich möchte Dir auch mal wieder ein paar Grüße da lassen.

Was für ein Gefühlschaos. Erst der schöne Shopping nachmittag und dann die Verwirrung bei Deiner Mama. Vielleicht war alles ein bißchen zu viel und die Aufregung noch dazu. Ich hoffe sehr, dass ihr Zustand bald wieder stabiler ist und sie eine gute Reha bekommt.

Ich wäre auch gerne mit meinem Vati noch mal irgendwo hingefahren, als er im Heim war. Ihn einfach ins Auto laden, in die Heide oder an die See, wo er immer gerne war. Aber leider war er dazu schon zu schwach.

Genieße die Zeit mit Deinem Mama und ich wünsche Euch, dass sie in der Reha wieder Kraft schöpfen kann.
Liebe Grüße
Carla

undine
30.11.2011, 23:48
Liebe Carlotta,

es ist schon verrückt, wie sehr ich mich und meine Ma in deiner Beschreibung wiederfinden kann.

Auch die Angst, die eigene Ma nicht mehr am Telefon zu hören, ist mir sehr präsent. Ich habe heute den ganzen Abend versucht mir ihre Stimme vorzustellen, wie sie VOR der Chemo und den Hirnmetastasen war.... ich bekomme sie nicht vollkommen wieder in mein Ohr :weinen:

Auf der anderen Seite erlebe ich jetzt eine schöne Zeit. Nachdem es klar ist, dass meine Ma bald sterben wird, sind wir uns nah wie nie.
Wenn ich überlege, was gewichtiger ist, der Schmerz oder die Dankbarkeit, dann ist es tatsächlich das Letztere.
Sicherlich wird die Waage auch wieder zur anderen Seite ausschlagen, aber momentan bin ich nur froh über unsere Nähe.

Liebe Carlotta, ich wünsche Euch noch eine lange schöne Zeit zusammen mit deiner Mama. Ich schreibe dies nur um dir zu sagen, dass - selbst wenn das Schlimmste einterten wird - es immer noch ein Licht gibt, dass dir das Herz erhellen kann.

Ganz liebe Grüße, Undine

Carlotta76
06.12.2011, 14:06
Hallo Ihr Lieben,

es tut mir leid, dass ich mich so spät melde, ich hatte so viel in den letzten Tagen um die Ohren und jetzt ein ganz schlechtes Gewissen, weil es mir sooooo viel bedeutet, dass Ihr euch gemeldet habt.

Liebe Anja,

vielen Dank für Deine lieben Zeilen, ja, Samstag vor einer Woche haben meine Mama und ich wirklich für eine knappe Stunde die Stadt unsicher gemacht, und ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte.

Es hat mich etwas beruhigt zu hören, dass Deine Mama Tavor auch nicht gut vertragen hat, ich dachte schon, wir sind da die einzigen. Aber dennoch hat man ihr das jetzt in Freiburg auch wieder gegeben.

Liebe Anja, ich weiß es wirklich sehr zu schätzen, dass Du hier schreibst; mit Deinen Beiträgen hilfst du mir sehr und sicher auch ganz vielen anderen, und ich finde es ganz toll von dir, dass du das machst.

Alles Liebe,:1luvu:

Carlotta

Liebe Carla,

ich habe mich sehr gefreut, wieder von dir zu lesen. Du tröstest hier auch so viele Angehörige und hast dabei auch selbst erst vor kurzem einen so schmerzhaften Verlust erlitten. Ich weiß, dass die Momente mit meiner Mama endlich sind und dass ich nicht mehr viele Gelegenheiten haben werde, mit meiner Mama was zu unternehmen. Ich bin auch sehr dankbar, dass wir das vorletzte Woche machen konnten.

Ich denke, Du hast alles richtig gemacht, Du warst im Sommer so oft bei Deinem Vati, wie du konntest, und das hat er sicher sehr geschätzt.

Liebe Carla, ich hoffe, dass der Schmerz erträglicher wird und wünsche Dir

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Liebe Undine,

vielen lieben Dank, dass Du bei all den schweren Dingen, die Du zur Zeit mit Dir herum schleppst, die Zeit gefunden hast, mir zu schreiben. Das hat mich sehr gefreut.

Mich erinnert auch vieles von Euch an unsere Situation. Und ich fühle mich dir, obwohl wir uns persönlich nicht kennen, sehr nah. Und ich denke viel an Dich, Deinen Papa und Deine Ma.

Meine Mama hat seit der Diagnose im Mai auch eine andere Stimme, irgendwie zarter, brüchiger. Sie spricht auch leiser als früher... Aber sie spricht, und ich kann im Moment noch einfach anrufen und höre sie. Darüber bin ich dankbar, aber ich habe sehr große Angst davor, wenn das nicht mehr so ist. Angst, in ein Loch zu fallen, aus dem ich nicht mehr rauskomme. Natürlich will ich nicht, dass meine Mama leiden muss. Bevor sie leidet, soll sie gehen dürfen. Ich hoffe sehr, dass sie nicht leiden muss, auch, wenn sie dafür eine kürzere Zeit bei mir ist. Das ist selbstverständlich. Insgesamt denke ich aber, dass es mir noch viel schlechter geht, wenn meine Mama mal nicht mehr da ist.

Liebe Undine, es ist so toll, dass Du mit Deiner Ma jetzt eine ganz intensive Zeit, in der ihr euch ganz nah seid, erleben kannst und dass Du erkennst, dass das eine wertvolle und auch schöne Zeit ist, für die du dankbar bist.

Ich denke, das ist weit und weise.

Und dafür bewundere ich Dich. Im Moment befinde ich mich eher in der Phase des trotzigen und ängstlichen Kindes, das nicht damit zurecht kommt, dass der Lungenkrebs ihm die Mama wegnehmen wird. Im Annehmen von Dingen, die man nicht ändern kann, bin ich gerade nicht sonderlich gut.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Carlotta76
06.12.2011, 14:31
Hallo,

meine Mama ist seit Donnerstag in Freiburg in der Reha. Meine Papa ist gefahren (einfach eine Strecke von 300 km), war dann noch eine Zeit lang bei ihr, hat aber nicht übernachtet, da unser Hund alleine bei meinen Eltern zuhause war.

Meine Mama und ich telefonieren mehrmals täglich und anfangs hat es ihr sehr gut in Freiburg gefallen, alle seien sehr freundlich zu ihr, hat sie gemeint und sie würde sich wohl fühlen.

Heute Morgen hat sich das geändert, als man meiner Mama kurz vor neun eröffnete, dass man jetzt eine Abdomen-Sonographie durchführen würde. Den Ultraschall hat dann eine ganz junge Ärztin gemacht, die immer besorgt drein geblickt hatte und, als meine Mama sie angesprochen habe, nur gemeint hätte, sie solle jetzt erstmal auf Station gehen und sich ausruhen.:confused:

Seitdem ist meine Mama total besorgt und auch sauer, weil sie mit einer Kontrolle nicht gerechnet hat und eigentlich auch nicht zu rechnen brauchte, sie hat ihren nächsten Kontrolletermin Ende Dezember in der Thorax-Klinik. Meine Mama sagt, sie wollte sich hier erholen und jetzt säße sie wieder da wie das Kaninchen vor der Schlange.:eek:

Ich habe dann meinen Papa angerufen und ihm erzählt, dass die in Freiburg jetzt auch Diagnostik betrieben und dass die Ärztin nur sorgenvoll geschaut, auf Nachfrage aber lediglich geäußert habe, die Mama sollte sich erstmal erholen.

Mein Papa hat die Ärztin daraufhin in Schutz genommen und gemeint, sie sei ja wohl noch sehr jung gewesen und außerdem sei es ja auch so, dass ein Ultraschallbild nicht immer Eindeutiges hervorbringen würde, dass es jedenfalls manchmal der Interpretation bedürfe und dass die Ärztin sich vielleicht nicht vorschnell festlegen wollte.

Das verstehe ich ja...ABER das kann man - meines Erachtens - kommunizieren. In meinem Beruf gibt es auch Konstellationen, die vorab nicht eindeutig beurteilbar sind. Aber dann sage ich das den Leuten auch. Ich sage, es ist nicht sicher, wie die Sache ausgehen wird, ich versuche, die Risiken für jemanden, der mit dem, was ich beruflich mache, nicht vertraut ist, verständlich darzulegen, und ich gebe meine Einschätzung ab und erläutere diese. Ich verlange nicht, dass man sofort eine Diagnose mitteilt, ich weiß, dass man das nicht immer kann, aber ich finde, man muss mit dem Patienten sprechen.

Aber vielleicht bin ich auch ungerecht. Es ist nur so, am 27.12.2011 steht die nächste Kontrolle an, und wir haben - wie alle - Angst davor. Aber bis dahin sollten wir nicht zittern müssen.

Liebe Grüße

Carlotta

Birgit1979
08.12.2011, 21:15
Liebe Carlotta,
ich bin neu hier und habe heute deinen Beitrag gelesen. Meine Mama hat ebenfalls Krebs -Plasmoytom (Blutkrebs)-. Ich habe es am 18.10.11 erfahren. Es ist schlimm für mich! Ich bin oftmals völlig fertig und habe unglaubliche Angst um meine Mutter. Sie befindet sich derzeit in der Chemo, aber die schlägt nicht richtig an... Man steht so hilflos daneben und kann nichts machen.
Ich würde mich darüber freuen, wenn du antwortest.
Ich bin 32 Jahre und wohne in der Nähe von Bremen.
LG Birgit

Carlotta76
09.12.2011, 12:38
Liebe Birgit,

zunächst möchte ich Dir sagen, dass es mir leid tut, dass Du und Deine Mama auch mit dieser fürchterlichen Krankheit zu kämpfen habt.

Mit dem Plasmozytom kenne ich mich natürlich leider nicht aus. Bei uns ist es so, dass sich meine Mama in einem Stadium befindet, in dem man grundsätzlich nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat.

Ich kann sehr gut verstehen, dass die Nachricht, dass die eigene Mutter schwer erkrankt ist, einem den Boden unter den Füßen wegzieht, das ist mir im Mai genauso ergangen. Und es tut fürchterlich weh, dass man nicht wirklich helfen kann. Das Leben ändert sich durch die Diagnose. Und es geht mal besser und mal auch wieder schlechter.

Deswegen möchte ich Dich ermutigen, hier zu schreiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir das Schreiben im Forum gut tut, man merkt, dass man mit diesem fürchterlichen Problem nicht alleine dasteht. Ich bin 35 und komme aus Süddeutschland. Aber das ist ja im www. kein Hindernis.:)

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und sende Dir

ganz liebe Grüße

Carlotta

Carlotta76
14.12.2011, 13:49
Hallo,

meine Mama ist noch in der Reha. Ich konnte sie letztes Wochenende nicht besuchen, da ich total erkältet war, somit hatten wir nur das Telefon. Ich habe den Eindruck, meine Mama ist hoch motiviert dort hin gegangen, und sie hat sich sehr bemüht, da auch das ganze Programm zu absolvieren. (Jetzt weiß ich, was Hockergymnastik ist ;)). Sie hat auch ganz stolz erzählt, dass sie vor einigen Tagen 25 Minuten am Stück mit dem Rollator gelaufen sei.

Leider hat das nichts genutzt. Die Stationsärztin hat mit meinem Papa gesprochen und mitgeteilt, dass sie der Meinung ist, dass die Reha für meine Mama ziemlich sinnlos sei, da sie sehr eingeschränkt wäre und dass mit einer Verbesserung ihres Zustandes auch nicht zu rechnen sei.:sad:

Überhaupt haben ihr Hausarzt und auch der Chef der Inneren im Kreiskrankenhaus meiner Mama eine ganz schlechte Prognose gegeben. Wir wissen das ja, aber trotzdem tut es weh. Auch, weil meine Mama nach der Diagnose in ein so tiefes Loch gefallen war und erst vor ein paar Wochen neuen Mut gefasst hat. Jetzt wird ihr mitgeteilt, dass sie mit Sicherheit einen Progress habe, da die Tumormarker stark erhöht seien.

Ich war in meinem bisherigen Leben immer ein Pessimist. Für mich war das Glas immer halb leer, niemals halb voll. Mein Motto war immer: Rechne immer mit dem Allerschlimmsten, dann haut es Dich nicht um, wenn es eintritt. Erst seit der Krankheit meiner Mama habe ich erkannt, was Menschen hoffen lässt und warum Hoffnung auch gut sein kann: Es lässt einen die Gegenwart besser ertragen.

Nach diesen Nachrichten hat mich mein Pessinismus leider wieder fest im Griff.

Traurige Grüße

Carlotta

undine
15.12.2011, 00:50
Liebe Carlotta,

es tut mir sehr leid :pftroest:

Bitte lass' die Pessmistin nicht wieder raus! Die darf Urlaub im Nirgendwo machen!

Da ich eine Das-Glas-ist-halb-voll-Tante bin, ist das vielleicht daher gesagt, aber bitte, bitte gebt nicht auf!

Schau dir meine Ma an: eigentlich schon lange mehrfach tot gesagt und sie ist immer noch da. Und vor allem: immer noch gerne! Trotz allem!!

Und es ist jeden Tag einfach wunderschön mit ihr...trotz allem!!!!!

Alles, alles Liebe,
Undine :1luvu:

Carlotta76
16.12.2011, 12:10
Liebe Undine,

danke Dir für Deine lieben Zeilen. Es ist schön, dass Deine Ma immer noch gerne da ist und dass ihr diese Zeit so bewusst miteinander verbringen könnt und ihr die schöne Seite daran erkennt. Deine Ma und Du, ihr seid zwei ganz tolle Frauen!

Ich gebe mir Mühe, nicht mehr in meine alte Pessimisten-Rolle zu verfallen, aber das ist verdammt schwer!

Alles Liebe:1luvu:

Carlotta

Hallo,

meine Mama hatte gestern Abend schlimme Herzrhythmusstörungen und ist deswegen auf die Akut-Station verlegt worden, wo sie mit einem EKG überwacht werden kann. Ihr Handy hat sie im Moment nicht bei sich und deswegen kann ich gar nicht mit ihr telefonieren.

Meine Mama hatte schon häufiger Herzrhythmusstörungen, auch schon vor ihrer Erkrankung, sie hatte vor dem LK auch schon einen Schlaganfall.

Jetzt ist die Angst natürlich wieder groß.

Liebe Grüße

Carlotta

Tiina
16.12.2011, 14:32
Liebe Carlotta,
es tut mir sehr leid, dass ihr so schlechte Nachrichten bekommen habt und Deine Mama jetzt auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen hat!:pftroest:
Das ist wirklich traurig, wo sich Deine Mama doch so gut aufgerappelt hatte zu der Reha. "Progress" ist ein so schreckliches Wort...:weinen:

Mit dem Pessimismus kann ich SEHR gut nachvollziehen... und wie schwierig es ist, Hoffnung aufrecht zu erhalten... wie leicht die Angst überhand nimmt...

Es tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe - am 13.12. war es bei mir ein Jahr her, dass meine liebe Mami gestorben ist und ich war mit meinen Gedanken so viel bei diesen schrecklichen Tagen, dass ich im Hier und Jetzt ein bißchen geflüchtet bin...

Ich wünsche Euch so von Herzen noch möglichst viel gute Zeit!
Alles Liebe,:1luvu:
Anja

bosko
16.12.2011, 16:58
Liebe Carlotta,
ich kann so mit dir mitfühlen!
In einem anderen Beitrag hatte ich ja geschrieben das meinem Papa auch keine Chance mehr eingeräumt wird. Das ist so furchtbar.

Es gibt aber auch etwas "positives" - klingt so merkwürdig in diesem Zusammenhang.
Meine Mutti und ich können uns jetzt "erlaubt" damit auseinandersetzen das wir unseren Vati verlieren werden. Da ist jetzt Platz für unsere Traurigkeit, aber auch weniger Druck kämpfen zu müssen.
Mein Vati erinnert sich jetzt an viel früheres, vieles was wir vergessen haben. Das ist auch schön und verbindet auf eine bestimmte Art.
Ansonsten ist es in vielen Momenten furchtbar und ich fühle mich hilf- und sprachlos.
Es hat diese 2 Seiten.

Ich wünsche euch viel Kraft!

undine
17.12.2011, 18:08
Liebe Carlotta,

fühle dich ganz fest gedrückt! :knuddel:

Es tut mir so leid und entschuldige, dass ich momentan nicht trösten kann, auch wenn ich es gerne möchte.

Auf alle Fälle kannst du sicher sein, dass ich an dich denke und ich wünsche dir unendlich viel Kraft und bald endlich wieder gute Nachrichten!

Alles Liebe, Undine :1luvu:

Carlotta76
21.12.2011, 10:56
Liebe Anja,

vielen lieben Dank für Deine lieben Worte und bitte entschuldige Dich nicht, dass Du eine Auszeit vom KK genommen hast. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.

Liebe Anja, ich hoffe, dass es Dir etwas besser geht. Ich glaube gerne, dass die Zeit, wenn sich der Todestag jährt, besonders schwer ist und viel, viel Kraft kostet. Daher möchte ich Dich gerne in die Arme nehmen.:pftroest: Es bedeutet mir sehr viel, dass Du bei mir schreibst und so lieb Anteil nimmst.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Liebe Bosko,

es hat mich sehr gefreut, dass Du Dich wieder gemeldet hast. Und ja, im Moment kann ich verstehen, was Du meinst. Meiner Mama geht es sehr schlecht. Aber die Angespanntheit zwischen mir und meinem Papa ist weniger geworden. Ich empfinde es gerade auch so, dass der Druck kämpfen zu müssen weicht. Aber vielleicht ändert sich das auch wieder. Es ist ein ständiges Auf und Ab.

Liebe Bosko, ich sende Dir ganz liebe Grüße und ein großes Kraftpaket.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Liebe Undine,

es hat mich sehr gefreut, dass Du bei allem, was Ihr gerade durchmacht, die Zeit gefunden hast, mir zu schreiben. Bei mir haben sich die Ereignisse in den letzten Tagen überschlagen, und ich konnte nur mit dem Handy ins Internet, aber ich habe immer bei Dir rein geschaut.

Liebe Undine, ich denke viel an Euch.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta


Hallo,

meine Mama ist in die Thoraxklinik (das ist ihre behandelnde Klinik) verlegt worden. Sie haben am Freutag in Freiburg eine Lungenentzündung diagnostiziert. Außerdem miente der behandelnde Arszt, dass von einem massiven Progress auszugehen ist und so wurde sie gestern in die Thoraxklinik verlegt. Es sieht nicht gut aus.

Meiner Mama geht es schlecht. Sie ist teilweise verwirrt und hat große Angst.

Liebe Grüße

Carlotta

Tipsu
21.12.2011, 22:10
Hallo Carlotta, ich lese seit einiger Zeit bei Dir und ein paar Anderen im Forum mit und möchte Dir und Deiner Mutter viel Kraft und gute Wünsche mitgeben !!! Habe 2006 meinen Vater an sch...LK verloren!
Liebe Grüsse Tipsu

Carlotta76
21.12.2011, 22:46
Liebe Christa,

ich habe mich unendlich gefreut, dass Du geschrieben hast. Das bedeutet mir sehr viel. Ich habe Deine Nachricht sogar meinem Papa vorgelesen. Hab ganz lieben Dank!

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Liebe Tipsu.

vielen Dank für Deine liebe Nachricht und Deine guten Wünsche. Es ist wirklich eine furchterregende Krankheit. Dass Du daran Deinen Vater verloren hast, tut mir sehr leid.

Liebe Grüße

Carlotta

Hallo,

wir kommen aus der Thoraxklinik wieder, und ich kann nur kurz schreiben, da ich noch so geschockt bin. Meine Mama liegt jetzt auf der Palliativstation. Die Ärztin auf der normalen Station teilte uns mit, dass auf dem Röntgenbild ein gravierender Tumorprogress sichtbar wäre. Auf das CT hätten sie verzichtet. Eine Chemo-Therapie lehnen sie aufgrund des stark reduzierten Allegeminzustandes meiner Mama ab.

Ich kann das gar nicht fassen. Das geht alles so schnell. Ich fühle mich...so leer.

Liebe Grüße

Carlotta

undine
21.12.2011, 23:38
Liebe Carlotta,

oh je, fühle dich ganz fest gedrückt! :pftroest:

Ich wünsche dir von Herzen, dass es deiner Ma bald wieder besser geht und vielleicht ist dann ja eine Chemo möglich! Ich habe hier schon so viele Geschichten gelesen, die einen Wunder glauben machen lassen und auch meine Ma ist auch ein echtes kleines Wunder, deshalb verzweifle bitte nicht!!!

Ich denke ganz arg an dich,
Undine :1luvu:

bosko
22.12.2011, 07:59
Liebe Carlotta,

es tut mir weiterhin so leid für deine Mutti und für euch alle!
Ich hoffe ihr werdet zusammen gut von der Palliativstation betreut.
Für mich war es in dem ganzen Chaos ein großes Stück Erleichterung als mein Papa in palliative Betreuung gekommen ist (bisher ambulant), da ich wußte das nun alles getan wird um ihm das Leben zu erleichtern. Auch wenn es keine Heilung oder einen langen Stillstand mehr gibt. Ein Aussetzen der Chemo bringt zwar keine Behandlung des Tumors, aber oft verbessert sich der Allgemeinzustand nochmal. Ich wünsche euch das so sehr!!!

Viel Kraft und viel Liebe für Euch!

Tiina
22.12.2011, 15:42
Liebe Carlotta,
das tut mir so leid... :pftroest:
Ich erinnere noch gut, wie schwer diese schlechten Nachrichten zu ertragen sind und wenn das dann noch so plötzlich bergab geht... Kein Wunder, dass Du geschockt bist...

Vielleicht können sie Deine Mama auf der Palliativstation ja nochmal aufpäppeln, so dass es ihr nochmal besser geht - das wünsche ich Euch!
Ansonsten kann ich Dich nur virtuell in den Arm nehmen, das ist alles so furchtbar... :knuddel:
Anja

Tipsu
24.12.2011, 02:22
Liebe Carlotta, irgendwie ist mein Antwort eben im Nirvana verschwunden !(Comtputerproblem) :-(
Mir fehlen die Worte um zu beschreiben, was ich fühle wenn ich Deine oder auch Undines Zeilen lese. Auch wenn wir uns nicht "kennen" ich bin ganz bei Euch ...alles Liebe Tipsu

Carlotta76
24.12.2011, 09:30
Hallo Ihr Lieben,

es tut mir leid, dass ich das jetzt alles so zusammen fasse. Mir fehlt gerade die Kraft, hier viel zu schreiben.

Ich habe mich über jede einzelne Nachricht von Euch sehr sehr gefreut.:1luvu: Ich wünsche Euch frohe Weihnachten. Und danke, dass Ihr da seid.

Mein Papa und ich verbringen Weihnachten auf der Palliativstation bei meiner Mama. Sie ist sehr schwach aber klar. Aufpäppeln für eine Chemo ist wohl nicht angedacht. Ich versuche unsere gemeinsame Zeit auszukosten, aufzusaugen, aber ich habe Angst, so viel Angst.

Carlotta

carla44
28.12.2011, 08:45
Liebe Carlotta,

auch wenn ich in den letzten Tagen nichts bei Dir geschrieben habe, bin ich doch in Gedanken bei Euch.

Es is eine schwere Zeit. Und es ist gut, wenn Ihr die Stunden zusammen verbringen könnt.

Ich hoffe sehr, dass Ihr Euch gegenseitig stützen könnt.

Die Welt da draußen ist plötzlich nicht mehr wichtig. Es zählt nur hier und heute. Ich wünsche Euch viele gute Momenten und vor allem, dass Deine Mama keine Schmerzen haben muss.
Ganz liebe Grüße
Carla

Carlotta76
28.12.2011, 10:08
Liebe Carla,

vielen Dank für Deine liebe Nachricht. Es freut mich sehr, dass Du mir wieder geschrieben hast.:1luvu:

Mein Papa und ich fahren jeden Tag zu meiner Mama. Ihr geht es sehr schlecht, teilweise ist sie sehr verwirrt, das ist für mich sehr schwer auszuhalten. Dann aber ist sie wieder sehr klar. Mal denkt sie, sie kommt bald wieder nach Hause und dann geht es wieder aufwärts, ein anderes Mal sagt sie, sie wisse, dass sie nicht mehr heim käme und dass sie ja gar nicht transportfähig sei.

Über Schmerzen klagt meine Mama nicht, manchmal aber über Atemnot. Das wird mit einer Morphium-Bauchspritze aber besser.

Gestern war ich zum ersten Mal alleine bei ihr. Da ist dann die Psychoonkologin gekommen (bei der ich auch seit Diagnosestellung regelmäßig war) und dann musste sie so sehr weinen und meinte, was sie denn machen solle, sie könne doch ihr Liesi (so nennt sie mich) nicht verlieren.

Das tat so sehr weh, ich kann es nicht beschreiben.

Liebe Grüße

Carlotta

undine
28.12.2011, 11:33
Liebe Carlotta,

ich umarme dich!!! Alles Liebe!!!

Es ist so zum Verzweifeln! Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr einen Weg zusammen finden werdet, beieinander zu sein, nah zu sein und trotzdem Abschied zu nehmen. Für mich waren die letzten Wochen die wichtigsten in meinem Leben!

Alles, alles Liebe! Ich denke an dich!

carla44
28.12.2011, 12:22
Liebe Carlotta,

der Schmerz ist wirklich unbeschreiblich. Ich erinnere mich jeden Tag daran, wie das war, als mein Papa da so hilflos lag oder an den Tag, wo er nicht mehr alleine aufstehen konnte. An dem Tag hat er wohl auch begriffen, wie schnell es mit ihm bergab geht...
Leider hat mein Papa ja nicht mehr viel gesprochen, er war nie der große -über -Gefühle-Redner. Aber seine Augen haben das genauso ausgedrückt, dass ich das verstehen konnte und sein zaghaftes Lächeln, wenn ich zur Tür reinkam.

Ich kann Dir auch nur sagen, genieße jede klare Minute Deiner Mama, sei einfach so oft wie möglich da. Das sind die Momente, die Dir keiner mehr nehmen kann.

Es ist eine Sch...zeit, man will so vieles tun und ist doch gleichzeitig so hilflos.
Liebe Grüße und eine liebe Umarmung.
Carla

Carlotta76
29.12.2011, 13:39
Liebe Undine,

es bedeutet mir so viel, dass Du mir geschrieben hast, das kann ich nicht in Worte fassen. Vielen, vielen Dank.

Überhaupt finde ich überhaupt keine Worte, es ist so unvorstellbar schrecklich schlimm, viel schlimmer als ich es mir ausgemalt hatte, und ich (als unverbesserliche Pessimistin) habe es mir sehr schlimm ausgemalt.

Ich schaue stündlich in den KK und bin doch nicht fähig etwas zu sagen. Außer Danke. Danke, dass ihr da seid. Liebe Carla, das gilt natürlich auch für Dich!

Entschuldigung für mein ungeordnetes Gestammel.

Mein Papa und ich fahren jetzt gleich zu meiner Mama.

Alles Liebe

Carlotta

Tiina
02.01.2012, 14:18
Liebe Carlotta,
es tut mir so leid, das tut so weh... :weinen:
Phasen von Verwirrtheit fand ich auch so schwer zu ertragen... und die Äußerung Deiner Mama ist so traurig...

Ich habe keine tröstlichen Worte, ich schicke Dir nur eine Umarmung und denke an Dich :pftroest:
Anja

Carlotta76
08.01.2012, 13:57
Liebe Anja,

vielen Dank für Deine lieben Worte. Darüber habe ich mich -wie immer - sehr, sehr gefreut.

Ich hoffe, Dir geht es einigermaßen gut, und ich wünsche Dir von ganzem Herzen ein erfreuliches 2012.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Hallo,

meine Mama liegt immer noch auf der Palliativstation. Nachdem sie ihr weniger Tavor geben, ist sie wieder ziemlich klar. Sie isst nichts mehr und trinkt nur noch ganz wenig.

Mein Papa und ich sind natürlich jeden Tag bei ihr. Die letzten beiden Tage hat sie sich ein Bier gewünscht, da haben wir ihr eine Flasche Warsteiner mitgebracht. Gestern hat sie mit mir angestoßen und gesagt, "Liesi, ich habe Dich so sehr lieb". Das zerreißt mir das Herz.

Ansonsten redet meine Mama mehr mit meinem Papa. Eigentlich redet sie nicht, sie flüstert. Sie sagt zu ihm, dass sie nicht mehr könne... Es tut so unglaublich weh, seine Mama bzw. einen geliebten Menschen zu verlieren, ich kann es mit Worten nicht beschreiben. Aber das muss ich ja auch nicht, da ihr, die ihr hier lest, das ja - leider - wisst.

Liebe und verzweifelte Grüße

Carlotta

bosko
08.01.2012, 19:46
Liebe Carlotta,

ich kann es so nachfühlen. Heute morgen habe ich meinen Papa ins Krankenhaus gebracht, da es ihm sehr schlecht ging. Bevor wir fuhren hat er immer wieder seinen Hund gestreichelt und ganz lange dem Haus hinterher gesehen. Ich dachte es zerreißt mich.
Ich wünsche euch weiter viel Kraft!

Monika Rasch
09.01.2012, 18:41
Aber das muss ich ja auch nicht, da ihr, die ihr hier lest, das ja - leider - wisst.

Ja.
So ist es.
Uns brauchst Du es nicht zu erklären.

Und jemandem, der SO ETWAS noch nicht selber ERLEBT hat- kannst Du es nicht erklären.

Weil niemand es sich vorstellen kann...wie es sein könnte,wenn so etwas passiert.

Und das ist eigentlich gut so.
Gut, dass es immer noch Menschen gibt, die kein Leid erfahren mussten.

Besser wäre aber oft, wenn einige dieser Menschen etwas feinfühliger wären und taktvoller und duldsamer mit einem Trauernden umgehen könnten .

Meine Schwester ist beinahe ein Jahr tot, und mir ist es die ganze Zeit so präsent, wie die letzten Wochen waren.

Letzte Nacht habe ich von meiner Schwester geträumt, sie hat vor Schmerzen geschrien.
Als ich wachwurde(regelrecht hochgejagt), war ich froh, dass sie tot ist.

Das es nur ein Traum war, dass ich DAS nicht noch einmal in Wirklichkeit erleben muss.

Euch wünsche ich noch eine gute Zeit mit Euren Lieben...

Carlotta76
10.01.2012, 15:52
Liebe bosko,

Danke, dass Du Dich gemeldet hast, das hat mich sehr gefreut. Es ist wirklich fürchterlich.

Ich hoffe, Deinem Papa geht es im Krankenhaus wieder etwas besser.

Es ist so bedrückend, wenn man mekt, dass die Betroffenen traurig und ängstlich sind, man möchte so gerne helfen und kann es nicht...

Wenn ich darf, umarme ich Dich :pftroest: und wünsche Dir ebenfalls viel, viel Kraft in dieser schweren zeit.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta


Liebe Moni,

ich sehe es ähnlich. Den einen braucht man es nicht zu erklären, den anderen kann man es nicht erklären.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich das Forum so sehr brauche. Ich habe hier das Gefühl, hier sind Menschen, die verstehen mich. Menschen, die das durchleben oder durchlebt haben, was ich durchlebe. Durch dieses Forum hier habe ich das Gefühl, ich bin nicht allein.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta


Hallo,

seit gestern arbeite ich (vorerst) wieder. Heute in der Mittagspause war ich bei meiner Mama. Sie war sehr erschöpft und hat gedöst, und ich wollte sie nicht mit zu viel reden stressen. So bin ich einfach da gesessen und habe ihre Hand gehalten. Dann hat sie auf einmal die Augen aufgemacht, mich angeschaut und gesagt, sie könne ihr Liebstes nicht loslassen, das sei so unglaublich schwer für sie. Während ich das schreibe, muss ich weinen.

Ja Mama, ich kann Dich auch nicht loslassen, auch wenn ich weiß, dass ich muss.

undine
13.01.2012, 01:53
Liebe Carlotta,

ich verstehe so gut, dass du weinen musstest. :pftroest:

Diese Augenblicke kenne ich auch, in denen einem die Worte der Mama zum Weinen bringen. Aber trotz aller Traurigkeit und dem Gefühl,dass es einen mitten durch zerreißt, sind es auch unglaublich reiche Momente.

Als meine Ma mir sagte, ich sei ihr das Wichtigste auf der Welt, hat es mich ebenfalls zerrissen, weil ich wusste, dass der Mensch, der mich am meisten liebt, bald nicht mehr da sein wird.
Aber ich bin so unglaublich reich, dass ich so geliebt worden bin! Und dass ich es auch erfahren durfte! Dass unsere Mütter uns sagen können, wie wichtig wir ihnen sind!

So oft lese ich, dass erkrankte Eltern nicht über ihre Gefühle sprechen können, oder gar aggressiv werden. Manchmal ihre Angehörige wegstoßen, wohl auch, um es ihnen leichter zu machen, loszulassen.

Da fühle ich mich - gerade wegen dieser Augenblicke, in denen man nur weinen und weinen kann, weil einem die Mama sagt, wie sehr sie einem liebt, so unglaublich reich.

Alles Liebe! Ich denke oft an dich! :1luvu:

JessyHH
13.01.2012, 17:01
Hallo Carlotta,
auch mein Papa hat ein Adenokazinom in der Lunge und auch Fernmetastase, allerdings im Hirn.
Ich lese schon eine ganze weile bei dir mit und wollte mich jetzt auch mal zu wort melden und dir ganz viel Kraft wünschen.
Auch wir haben die Weihnachtstage und den Jahreswechsel im Krankenhaus verbracht da mein Papa mit starken Krampfanfällen zu kämpfen hatte und das Tavor leider auch nicht gut verträgt. Dementsrechend kann ich zur Zeit leider nicht viel Kraft abgeben, aber das was noch übrig ist sende ich dir jetzt hiermit zu.

Fühl dich gedrückt.

Ganz liebe Grüße

Jessy

undine
14.01.2012, 00:51
Liebe Jessy,

ich wünsche dir auch ganz, ganz viel Kraft!!! :pftroest:

Alles Liebe! :1luvu:

JessyHH
14.01.2012, 11:16
Danke Undine. Die kann ich gut brauchen.
Fühlt euch alle ganz dolle gedrückt. :knuddel:

Carlotta76
14.01.2012, 17:29
Liebe Jessy,

es tut mir sehr leid, dass Ihr auch mit dieser furchterregenden Krankheit zu kämpfen habt. Ich hoffe, dass Dein Papa nicht zu viele Schmerzen und Ängste hat. Man steht so hilflos daneben.

Liebe Jessy, ich möchte Dich ermutigen, hier zu schreiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, wenn ich meine Gedanken und Gefühle mitteile. Und man sieht, wie viele Menschen es leider gibt, die ähnliche Situationen durchleben beziehungsweise durchlebt haben.

Vielen Dank für Deine lieben Worte. Die Kraft, die ich noch übrig habe, möchte ich Dir geben.:pftroest:

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Liebe Christa,

ich bin gerührt, dass Du wieder bei mir geschrieben hast. Andererseits habe ich ehrlich gesagt auch etwas Angst, dass Dir die Leserei bei mir nicht gut tut.

Ganz liebe Grüße:1luvu:

Carlotta

Liebe Undine,

das, was Du geschrieben hast, ist so schön und richtig. Einerseits tut es so weh, wenn man hört, wie lieb einen die Mama hat und man gleichzeitg weiß, dass sie dies nicht mehr lange zu einem sagen können wird. Andererseits ist es ein Geschenk über das man sehr froh sein darf. Daran habe ich gedacht, als ich vorhin meine Mama besucht habe. Ich bin zur Tür reingekommen und habe gesagt "Hallo Mama", und sie hat gesagt "Hallo Liesi, schön, dass Du da bist". Sie war erst sehr klar, und wir haben uns unterhalten. Dann hat sie gemeint, sie bekommt so schlecht Luft und wollte eine Morphin-Spritze. Danach war sie schläfrig. Ich bin einfach da gesessen und habe ihre Hand gehalten. Ich habe ihr beim Atmen zugeschaut und mit Schrecken festgestellt, dass sich nur noch die linke Seite hebt, wenn sie atmet. Die rechte Seite, auf der der Tumor sitzt, macht nichts. Mein Papa sagt, das sei ihm auch schon aufgefallen.

Liebe Undine, ich kann heute nur abgehackt schreiben, ich bin zu aufgewühlt. Vielen Dank, dass Du mich so lieb unterstützt. Ich hoffe, Du kannst schon etwas Frieden finden.

Alles Liebe :1luvu:

Carlotta

Tiina
16.01.2012, 14:58
Liebe Carlotta,

ich kann das so gut nachvollziehen - einerseits ist es so schön, die Liebe zu spüren, andererseits tut die Vorstellung so unendlich weh, diesen Menschen zu verlieren... Meine Mami hat mir auch so oft gesagt, dass ich der wichtigste Mensch für sie bin...

Es ist so schön für Deine Mama, dass Du bei ihr bist, dass sie mit Dir sprechen kann, wenn es geht und Du ihre Hand hältst wenn es nicht mehr geht - auch wenn der Schmerz und die Hilflosigkeit Dich zerreißen...

Ich denke an Dich und fühle mit Dir!
Alles Liebe,:1luvu:
Anja

JessyHH
16.01.2012, 22:43
Liebe Carlotta,
ich danke auch dir für deine lieben Worte. Du hast recht, es tut unheilmch gut zuwissen dass man (leider) nicht allein mit solch einer wirklich schrecklichen Situation zu kämpfen hat.
Ganz liebe Grüße

Jessy

Carlotta76
17.01.2012, 07:55
Keine Schmerzen mehr.
Keine Ängste.
Kein Leid.

Meine Mama ist am 17.01.2012 um 04.10 Uhr auf der Palliativstation verstorben.

Carlotta

undine
17.01.2012, 08:32
Liebe Carlotta,

ich nehme dich ganz fest in den Arm.

Es tut mir unendlich leid, aber du hast vollkommen Recht:

keine Schmerzen mehr; kein Leid.

Weil wir unsere Mamas so sehr lieben, wissen wir das.

Liebe Carlotta, ganz, ganz viel Kraft wünsche ich dir!

Alles, alles Liebe von Undine, die ganz viel an dich denkt!

Rachel
17.01.2012, 09:20
liebe carlotta, mein aufrichtiges beileid - aber du hast es schön geschrieben, das leid und die schmerzen sind für deine mama vorbei.

ich wünsch dir und deiner familie viel kraft
lg gitti

carla44
17.01.2012, 11:06
Liebe Carlotta,

es tut mir sehr leid, dass Du Deine Mama verloren hast.
Ich umarme Dich still und kann nur in Gedanken bei Dir sein.
Liebe Grüße.
Carla

Tiina
17.01.2012, 13:57
Liebe Carlotta,

es tut mir so leid, mein tiefes Mitgefühl.

Du hast es sehr schön gesagt, "kein Leid mehr" - ich wünsche Dir, dass Du darin ein bißchen Trost finden kannst in Deinem eigenen Leid.

Ich denke an Dich,:1luvu:
Anja

bosko
17.01.2012, 19:21
Liebe Carlotta,

ich denke fest an euch! :1luvu:
Nun haben wir beide innerhalb von ein paar Tagen ein Elternteil verloren. Und neben dem Schmerz ist auch die Erleichterung das nun das Leid vorbei ist!

Ich denke ganz fest an Dich und wünsche Dir viel Kraft!

Monika Rasch
17.01.2012, 20:15
Und neben dem Schmerz ist auch die Erleichterung das nun das Leid vorbei ist!

Liebe Carlotta,
ich bin sehr traurig, dass Du Deine Mama verloren hast.
Und das Zitat oben....
ja...
JA, so ist es, im Moment.

Irgendwann wird möglicherweise aber auch so ein Zorn kommen, dass man
vor Türen treten möchte.

Und doch kannst Du es nicht ändern, es ist , wie so oft im Leben ,etwas
was man hinnehmen muss .

Wir wissen alle, dass, wenn alles "gut" läuft, unsere Eltern vor uns sterben
werden- denn so ist es normal.

Und trotzdem wollen wir das nicht, und schon gar nicht wollen wir dass
unsere Eltern so leidvoll krank werden.

Es ist einfach furchtbar,wenn man nichts tun kann um sie zu retten.

Nur da sein, wenn sie uns brauchen.
Das ist das Allerschwerste.

Aber auch eine große Chance, alles noch auszusprechen was einem auf der Seele liegt.

Liebe Carlotta, ich :knuddel:Dich mal.

Carlotta76
20.01.2012, 18:55
Hallo Ihr Lieben,

habt vielen lieben Dank für Eure Anteilnahme. Ich habe mich über jedes einzelne Wort von Euch sehr gefreut.

Im Moment bereite ich die Trauerfeier für meine Mama vor, die kommenden Dienstag um 13.00 Uhr sein wird.

Danach werde ich mich nochmal melden, bevor ich den Thread schließen lasse.

Bereits jetzt möchte ich mich bei allen, die mich in den letzten vier Monaten so lieb unterstützt haben, von ganzem Herzen bedanken. Ihr wart mir eine so große Hilfe! Jeden Tag habe ich mehrmals in den Krebs-kompass geschaut. Dann habe ich gesehen, wie viele Menschen dasgleiche durchmachen oder durchgemacht haben und erkannt: Wir sind nicht allein. Und dieses Wissen hat mich die Zeit durchstehen lassen.

Und jetzt stehe ich wieder am Beginn eines neuen Zeitabschnitts. Und zögerlich - in kleinen Schritten - werde ich diesen schwierigen Abschnitt beschreiten. Wie jemand mal so schön schrieb, geht man vielleicht zunächst einen Schritt vor und anschließend wieder zwei zurück, aber vielleicht - irgendwann - sind es auch zwei Schritt vor und nur einer zurück.

Darauf hoffe ich.

Liebe Grüße

Carlotta

JessyHH
20.01.2012, 21:20
Liebe Carlotta,
auch von mir mein herzliches Beileid. Es tut mir so leid!
Wünsche dir für die kommende Zeit ganz viel Kraft.

Fühl dich gedrückt :pftroest:

Jessy

Jutta
25.01.2012, 15:21
Hallo,

Carlotta bat um die Schließung des Threads.