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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche Hilfe gibt es f. Angehörige


13.12.2001, 14:48
Das frage ich mich nun schon seit 3 Jahren. Seit dieser Zeit muss ich mich als Ehefrau u. Mutter damit auseinandersetzen. Als bei meinem Mann die Diagnose kleinzelliges BC gestellt wurde drehte sich vorrangig alles darum, wie und wo kann ihm am besten geholfen werden. Versteht mich nicht falsch, das war im Moment das Wichtigste. Aber nachdem Therapie und Krankenhaus aufeinander folgten und ich jeden Tag nach Gerlingen auf die Schillerhöhe fahren mußte, daneben noch voll berufstätig war und Haushalt und Kinder versorgen mußte, hieß es immer nur, " du bist stark, du schaffst das schon ". Keiner war da, wenn ich abends bzw. nachts geheult habe wie ein Schlosshund oder oft nicht weiter wusste. Mit keinem konnte ich über meine Ängste sprechen. Ich denke auch die Angehörigen sollten in die Therapie mit eingeschlossen werden, denn denen gehts oft genauso dreckig wie dem Patienten.

18.12.2001, 20:44
Hallo Brigitte,
habe Deinen Aufruf gelesen und fühle mich angesprochen.
Wenn du reden willst über was und egal wann ----ich bin da:
Caty2@t-online.de
umarme dich
Caty

18.12.2001, 23:02
Hallo Brigitte,
ja, andere wissen immer am besten Bescheid, von wegen, dass man ja so stark ist etc.
Aber es muß doch irgendjemanden geben in Deiner Umgebung, der Dich mal entlasten kann ?! Wie geht es denn Deinem Mann, was kann er denn noch selbst erledigen ?
Ich habe leider "nur" 3 Monate meine Mama gepflegt, ich hätte es so gern noch länger getan, aber vor 4 Wochen ist sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Ich habe zwar keine Kinder, nur Haushalt und Mann und konnte mich zum Glück 2 Monate für die Pflege beurlauben lassen, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich gar keine Hilfe von anderen wollte, da ich lieber alles selbst mache. Und für meine Mama hätte ich sowieso noch viel mehr getan...

Natürlich bin ich unendlich traurig, auch dabei kann mir niemand "helfen".
Leider kann ich Dir keinen Rat geben, außer, wirklich zu überlegen, ob es nicht jemanden gibt, der vielleicht einfach von Dir angesprochen und gefragt werden will und sich von sich aus nicht "traut", aber gern helfen würde...

Alles Gute für Dich bzw. Euch,
Sabine

22.12.2001, 01:31
Hallo,liebe Brigitte, auch ich bin Angehörige und seit 8 Monaten mit der Krebserkrankung meines Mannes konfrontiert worden. Auch ich habe mich durch den Schock der Erstdiagnose, 14 Wochen lang tägliche Krankenhausbesuche, volle Berufstätigkeit und der plötzlichen Tatsache, alle Dinge des Alltags nun ganz allein bewältigen zu müssen durcharbeiten müssen und habe so meine Durchhänger, wo ich abends dann Heulkrämpfe allein für mich in der Badewanne bekomme. Ich weiß auch nicht, woher ich die Kraft nehme, ich stehe eben jeden Früh auf und sage mir, es muß weitergehen. Allerdings haben mir gerade der Gedankenaustausch und E-mails von Betroffenen und Angehörigen geholfen und dann fühlt man sich nicht ganz so allein mit seinen Sorgen,Ängsten usw. Es sind regelrechte Freundschaften entstanden und z.Teil telefoniere ich inzwischen mit diesen Leuten und es tut unendlich gut, wenn man sich auch mal als Angehöriger austauschen kann. Wenn Du willst, maile mich ruhig an und wir könne uns gern austauschen. Ansonsten wünsche ich Dir viel Kraft,und ich weiß,daß diese nur aus Dir selbst kommen kann,aber Du bist nicht allein!!! Ganz herzliche Grüße Dagmardagmar_wallbruch@web.de

26.12.2001, 23:56
hallo, du sprichst mir aus der seele. ich habe eine krebskranke tochter, habe noch einen sohn, bin alleinerziehend und halbtags berufstätig.

ich bekomme auch immer nur zu hören:" du bist stark du schaffst das schon" mich sieht abends auch keiner heulen.
ich bin bei diesen sprüchen sehr oft innerlich agressiv geworden. ich habe mich verdammt oft nach jemandem gesehnt bei dem ich mich mal anlehenen und ausheulen kann. wenn man aber mal schwächen zeigt bekommt man nur zu hören : du mußt jetzt stark sein, es wird schon bald besser"

wie geht es denn dir ? hast du denn jemand bei dem du dich manchmal fallen lassen kannst ?

29.12.2001, 00:40
Hallo, liebe Inge, ich hatte schon gestern Abend eine Antwort an Dich geschrieben,aber irgendwie hat es mit dem Versenden nicht geklappt, sorry.
Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für Dich ist,weil nicht nur Deine Tochter Dich braucht, sondern Du ja auch noch einen Sohn hast, der Deine Liebe und Zuwendug dringend braucht, um mit der Krankheit seiner Schwester fertig zu werden. Wie alt sind Deine Kinder?
Ich habe eine 28- jährige Tochter und einen Schwiegersohn, die mir in den Zeiten der OPs meines Mannes, der Radio-und Chemotherapie eine große Hilfe waren. Aber auch heute noch, versucht man eher die eigene Tochter zu trösten und den Kummer von ihr fern zu halten. Also höre ich auch nur die gleichen Sprüche wie Du, die sicher aus einer gewissen Hilflosigkeit der Mitmenschen resultieren. Dabei würde es einem doch schon reichen, wenn man nur mal selbst auch in den Arm genommen würde und getröstet würde. Ich habe zwar noch Geschwister,aber diese leben auch alle verteilt in Deutschland und Canada,wobei diese sich offenbar auch bis auf meinen Zwillingsbruder scheuen anzurufen und nach 8 Monaten Kampf einfach gar nicht so genau wissen wollen, wie unsere und schon gar nicht wie meine Befindlichkeit ist. Das ist sicher menschlich verständlich, aber auch enttäuschend. Und so bleibt mir auch meistens nur, mich gedanklich selbst in den Arm zu nehmen und gut zu mir zu sein, Sch... das ist aber einfach nicht das gleiche, wie sich mal bei jemandem richtig auszuheulen.
Allerdings habe ich über das Inkanet (www.inkanet.de) sehr liebe Menschen kennengelernt, Betroffene und Angehörige, mit denen ich mich regelmäßig schreibe und telefoniere und das hilft mir sehr, da diese Menschen einen wohl auch am besten verstehen, da wir alle im gleichen Boot sitzen. Durch das Inkanet habe ich gelernt, daß ich nicht allein mit meinem Kummer,Ängsten usw. bin und Du bist es auch nicht. Gern tausche ich mich weiter mit Dir aus und Du kannst mir auch direkt mailen,wenn Du möchtest. Ich wünsche Dir alles Gute und laß von Dir hören, liebe Grüße Dagmar

29.12.2001, 19:48
ich habe meinen mann gestern beerdigt und weiß nicht wie ich damit zurechtkommen kann.

wer kann mir dabei helfen

liebe grüße

andi

29.12.2001, 23:02
Liebe Andrea, das tut mir so unendlich leid, ich weiß gar nicht,was ich Dir schreiben kann, nur soviel, Du bist nicht allein und weine,wenn Du weinen mußt, schreie,wenn Du wütend bist, Du hsst jedes Recht dazu. Wieder einmal hat diese Sch...Krankheit gesiegt,aber laß Du Dich nicht auch von ihr besiegen. Das ist sicher ein Wunsch Deines Mannes. Es gibt auch hier im Forum direkt eine Rubrik für Hinterbliebene. Vielleicht schaust Du da mal rein,sicher findest Du auch dort liebe Mitmenschen, die Dir gern beistehen. Ich wünsche Dir nur Gutes und fühle Dich von mir umarmt, Du bist nicht allein!!! Liebe Grüße Dagmar

30.12.2001, 19:08
Hallo,
Mein Name ist Elke, ich weiß aus eigener Erfahrung dass man sich als Angehöriger oft sehr alleingelassen fühlt, bei meiner Suche nach Hilfe bin ich auf folgende Seite gestoßen.
Austausch von Angehörigen und Betroffenen bzgl. Krebs Club
http://www.urbiaclub.de/cgi-bin/fc/fc.cgimod=chg&id=123235
Ihr könnt mir auch gerne eine Mail zusenden, wenn ihr mal einfach nur Reden wollt, oder spezielle Hilfe sucht,
Ich werde versuchen euch zu helfen
Alles Liebe
Elke
elke1peter1@aol.com

08.01.2002, 10:13
Hallo
wir haben ein grosses "problem", ich setze das in Anführungszeichen weil ein Mensch ansich kein Problem sein sollte. Aber der Mann meiner Schwiegermutter hat Krebs. Es ist vor 6 Wochen festrgestellt worden.Lunge, Niere und Kopf.Er ist nun zu Hause und wird Ambulant behandelt und macht allen Familienmitgliedern das Leben zur Hölle. Er war schon immer agressiv und es steigert sich nun ins unermessliche. Ich kann nicht viel tun da wir 400km auseinander wohnen. Er ist meiner Meinung nach eine grosse Gefahr für seine Familie, nur, scheinen die Ärzte das nicht so zu sehen , obwohl er TÄGLICH etwas zertrümmert und meine Schwiegermutter demütigt und tyrannisiert. Weiss jemand Rat?Ich muss wohl nicht erwähnen das sich dort keiner traut die Polizei zu rufen, leider

09.01.2002, 10:32
Liebe Kalla, Deine Zeilen haben mich tief betroffen gemacht. Natürlich ist die Daignose Krebs für alle Beteiligten ein riesiger Schock. Die einen reagieren mit völliger Erstarrung, andere mit Zurückziehen und wieder andere wohl mit Agressivität,die sich nun auch gegen die eigene Familie richtet. Ich habe dafür auch kein Patentrezept,aber wenn es mit Deinem Schwiegervater so schlimm wird, sollte doch jemand mit seinem behandelnden Arzt sprechen und die Probleme schildern. Wahrscheinlich braucht er fachliche psychologische Betreuung und die ganz dringend. Wenn man dem Arzt einige Vorfälle schildert, ohne daß Gefühl zu geben,daß man den Patienten nur "anschwärzen" oder "Los sein" will, wird er sich sicher damit beschäftigen. Leider kann ich Dir keinen besseren Rat geben. Aber vielleicht überdenkt Ihr Eure Möglichkeiten noch mal in diese Richtung. Alles Liebe und viel Kraft Biggi

10.01.2002, 12:10
Hallo Biggi
Danke für Deine Zeilen
Ich habe mich mittlerweile mit der Beratungsstelle "Rat und Tat ev"" die auch im internet vertreten sind in Verbindung gesetzt. Habe auch sehr schnell eine Antwort erhalten. Aber wie man es dreht und wendet, ich von hier aus bin machtlos.Die unmittelbar betroffenen müssen den Notarzt oder die Polizei anrufen. Das kann ich zwar von hier aus auch , aber nur wenn man mich informiert. Ich habe allerdings mit dem berhandelnden Arzt geredet und erfahren das meine Schwiegermutter die Situation sogar etwas beschönigt hat ! ! ! Versteh einer die Menschen. Nun weiss er bescheid und wird uns helfen ,hoffe ich.
Viele Grüsse Kalla

19.01.2002, 19:59
Hallo zusammen,
bin heute das erste Mal auf dieser Seite, un wenn ich Eurer Beiträge lese bekomme ich feuchte Augen. Ich stehe eigentlich auf der anderen Seite des Zauns, ich selbst habe Krebs. Ich möchte Euch allen meine höchste Bewunderung aussprechen, dafür das Ihr da seid. Ihr seid die Stützen der Kranken, obwohl Ihr selbst gestützt werden müsstet. Leider haben wir Kranke (da schliesse ich mich selbst leider ein) solche tiefs und wissen einfach nicht mehr weiter, und dann bekommt Ihr unsere Launen unverdienter weise zu spühren. Ich weiss es ist ein schwacher Trost, aber das ist ein ungerechter Schrei unserer Seele und ich glaube die meisten von uns bereuen es schon beim sagen, aber das was da bei Dir abgeht, das ist wirklich nicht mehr lustig. Wie wäre es mit einem Psychologen??? Und ansonsten sollte Euch der behandelnde Arzt weiterhelfen können.
Alles Liebe für Euch und weiterhin viel Kraft

27.01.2002, 00:18
Hallo an alle Angehörigen!
Mein Vater befindet sich im Endstadium einer Krebserkrankung und bekommt morphinhaltige Schmerzpflaster und sonstige Schmerzmittel. Seitdem ist er psychisch völlig verändert und begegnet mir höchst unterschiedlich: von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt; insbesondere aber extrem aggressiv und fordernd. Ich bin die einzige Tochter, seine "Freundin" hat sich in der letzten Zeit merklich zurückgezogen und gibt vor, selber krank zu sein. Alle Last hängt an mir, und dies hat(te) nunmehr wohl auch Auswirkungen auf meine Arbeit. Mir wurde nach 17 Jahren nahegelegt zu kündigen. Einer Beurlaubung ohne Bezüge wurde nicht zugestimmt. Nun habe ich zwei "Kampfplätze" und merke, daß ich es nicht mehr schaffe. Mein Chef macht mir das Leben zur Hölle, so wie er es angedroht hat, und meinem Vater geht es nicht gerade besser, sondern schlechter. Beides zusammen konnte ich nicht schaffen, also habe ich mich (seit 4 Wochen) erstmal "krankschreiben" lassen. Meine Umwelt begegnet mir mit Unverständnis, ich habe ja nichts! Ich werde wohl für ein "Sozialschwein" gehalten, faul etc. Ich finde keinen Ausweg und kann auch einfach nicht mehr. Ich habe mich gefragt, ob es legitim ist, sich einfach "krank-schreiben" zu lassen in meiner Situation. Ich bin so am Ende, daß ich mehr heule als noch lebe. Es heißt immer so schön, die Angehörigen müssen sich auch Raum für sich selbst nehmen, sich was gutes tun etc.
Wie soll ich da noch irgendwelche Perspektiven sehen, ein dickes Fell anziehen (Zitat meines Arztes, der allmählich auch ungeduldig wird)?
Ich habe immer häufiger den Gedanken, wegzulaufen...einfach abzuhauen... Aber auch mich mit Tabletten vollzustopfen, um mal nichts mehr fühlen zu müssen.
Ich bin dankbar für jede Antwort, besonders auf die Frage, ob das "Kranksein" im Falle eines Angehörigen okay ist, wenn es keine andere Wahl gibt.

27.01.2002, 09:12
liebe paula, dein eintrag hat mich tief betroffen. was du nur für einen unmenschlichen chef. natürlich ist es ok wenn du dich krankschreiben läßt. ich bin selber auch nicht krank. ich habe eine kranke tochter und bin auch berufstätig. ich habe allerdings einen super-arbeitgeber der mich wo er nur konnte unterstützt hat. ich habe mich auch mehrer wochen einfach nur so krankschreiben lassen weil ich zeitweise auch nicht mehr konnte. ich glaub ich kann mir sehr gut vorstellen wie du dich fühlst meiner tochter ging es zwichendurch auch sehr schlecht und ich hatte die selben gedanken wie du. man kann sich in einer solchen sitzuation kein "dickes fell " anlegen wie dein arzt sagt. hast du denn sonst keine freunde bei denen du dich mal so richtig ausheulen kannt ?
die stimmung meiner tochter schwankte durch die medikamente ( kortison und morphin ) auch andauernd hin und her. sie war teilweise auch sehr agressiv und ich fand es sehr schwer damit umzugehen.
komm doch mal abends in den chat.
ich wünsche dir alles gute und ganz ganz viel kraft.
liebe grüße
inge

27.01.2002, 10:32
Liebe Inge,
danke für die schnelle und liebe Antwort. Es tut gut, wenn frau weiß, daß es noch Menschen gibt, die einen verstehen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass in unserer leistungsbezogenen Welt auch meine unmittelbaren Mitmenschen und selbst "Freunde" von argem Mißtrauen (=Neid) geprägt sind, wenn jemand "krank feiert". Wobei ich selbst dies keineswegs als "feiern" betrachten kann. Allerdings als Chance, mir auch über Machtstrukturen von Arbeitgebern Gedanken zu machen und mich zu fragen, ob ICH das denn noch will. Mich trifft es sehr, wenn nachbarn und "Freunde" immer als erstes fragen: "Bist du denn noch krankgeschrieben?" Dies scheint die zentrale und alles interessierende Frage zu sein...In solchen Situationen erkennt man wirklich seine Handvoll wirklicher Freunde!
Ich denke wirklich, daß das nur verstehen kann, wer schon in einer solchen Situation war. Ein dickes Fell? Tja, das brauche ich schon bei den Aggressionen und Eskapaden des Kranken, aber auch noch in einem 8STunden-Tag? Kann ich nicht schaffen. - Mir macht überdies eine ungeahnte Schlaflosigkeit zu schaffen - aber auch das nimmt ja niemand wirklich ernst! Die Ärzte verschreiben letztlich auch nur Schlafmittel. von denen ist man dann den ganzen Tag eingelullt, und man muß so schon genug erledigen.
Ich finde es auch schrecklich anstrengend, alle 8-14 Tage wieder zu meinem Arzt zu tapsen und ihm zu sagen, daß es "immer noch nicht geht". Manchmal habe ich Angst, daß er mir auch eine Standpauke hält und sagt, ich müsse mich jetzt allmählich mal zusammenreißen. Ja, das ist es: der Anspruch meiner Außenwelt, ich müsse mich "nur" etwas mehr zusammenreißen!
Mit traurigen Grüßen
Paula

29.01.2002, 17:47
an alle, die "nicht mehr können":
hallo,
ich mußte/durfte auch meine Mutter bei ihrer Krebskrankheit begleiten. Unterstützung hatte ich nur von meiner Oma, die aber auch nicht mehr so konnte wie sie wollte.
Ich hatte einen 24-Stunden-Tag. Arbeit, meine Mutter pflegen, meine Oma betreuen, meinen Mann....ich hatte das Gefühl, ich müsse mich zerreissen. Ich war damals gerade in der Ausbildung, und als ich schon wieder krank war oder den x-ten Urlaubstag wollte für meine Mutter, auch für mich, weil ich einfach nicht mehr konnte, durfte ich mir in der Arbeit von meiner Ausbilderin anhören: "meine Mutter hatte auch Krebs. Da tut es ja nur gut, zu arbeiten und mal abzuschalten." Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig!!!! Wie um alles in der Welt soll man denn abschalten, wenn die eigene Mutter im Bett dahinvegitiert??? Das Ende vom Lied war, dass ich meine Ausbildung abbrechen mußte, um meine Mutter pflegen zu können und mich nicht selber kaputt zu machen. Denn ich konnte damals ja nicht ahnen, dass 2 Monate später meine Mutter starb.
Danach konnte und wollte ich nicht arbeiten. Das Arbeitsamt hatte dafür natürlich kein Verständnis. Mein Arzt hat mich krank geschrieben, und Gott sei Dank hatte ich einen lieben Mann, der das verstand und mich unterstützte, weil ich nicht arbeiten ging.
Nach dem tod meiner mutter war ich so daneben und ausgelaugt, ich dachte, ich würde ein Jahr durchschlafen.....
Nach 4 Monaten war ich so weit dass ich wieder ins Berufsleben zurückgehen konnte.
Ich verstehe jeden, der sich in so einer Situation krankschreiben läßt, und die Arbeitgeber, die das nicht verstehen wollen, die müssten das erst mal mitmachen, um dann zu urteilen, ob man noch leistungsfähig ist oder nicht!!!!

29.01.2002, 19:56
Liebe Sabine,
Du sprichst mir aus der Seele. Was Du da schreibst vom SCHLAFEN! Ich kann seit langem nicht mehr durchschlafen, und inzwischen ist es so, daß ich mich tagsüber wenigstens mal ein wenig hinlegen muss und dann sofort einschlafe. Auch ich fühle mich - mehr von der psychischen Anspannung her - völlig ausgelaugt...Ja, ein Jahr durchschlafen...das wäre derzeit der Traum meines Lebens!
Ich frage mich, wie es kommt, daß man/frau durch die Betreuung so ausgelaugt und angespannt ist. Manchmal habe ich den Eindruck, ich kann einfach das Leid nicht ansehen; ein andermal habe ich das Gefühl, der Kranke steckt mich regelrecht an mit seiner Hilflosigkeit und Ohnmacht. Es ist für mcih so schwer, dabei zu sein und doch bei mir zu bleiben.

29.01.2002, 21:17
hallo Paula,
ich denke, dieses Ausgelaugtsein kommt davon, dass man eigentlich nur noch funktioniert, ich kam mir vor wie ne ferngesteuerte marionette, die alles tut. Und das strengt sehr an. Wer hat bei Dir die Krankheit? Wie kümmerst Du Dich? Sind noch andere da, die Dir helfen?
Grüße
Sabine

31.01.2002, 17:48
Hallo Paula,
(ich bin eine andere "Sabine", also "Sabine II")
Was Du so schreibst, kann ich so sehr verstehen. Ich habe mich auch oft krankschreiben lassen, hatte dabei ein schlechtes Gewissen, weil, wie Du auch sagst, man hat ja äußerlich nichts, wie andere meinen...
Ich finde es sehr traurig, dass in der Gesellschaft psychische Extrembelastungen wie Trauer nicht für voll genommen werden, sondern immer nur gesagt wird, das ist normal, das geht wieder vorbei und so weiter. Die üblichen Floskeln eben...
Mit Deinem Arbeitgeber ist das ja der Hammer schlechthin ! Der verdient, dass Du noch länger ausfällst, ganz hart ausgedrückt. Ist natürlich auch keine Lösung auf Dauer.
Ich kann nur mehr als froh sein, einen super verständnisvollen Arbeitgeber zu haben. Obwohl ich noch kein halbes Jahr dabei war, habe ich einen 2-monatigen Sonderurlaub für September und Oktober genehmigt bekommen, in der Zeit habe ich dann meine Mutter gepflegt, ab November habe ich dann meinen Vollzeit- auf Teilzeit-Job geändert, da ich dachte, so kann ich beides gut vereinbaren. Aber leider ist meine über alles geliebte Mama am 21. November eingeschlafen, es ging alles so unglaublich schnell bergab.

Seitdem leide ich auch extrem unter Schlaflosigkeit. Wie gesagt, andere, die die Situation nicht kennen, verstehen das nicht ! Und so dachte ich schon selber, ich "stelle mich nur an".
Der Arzt verschreibt auch nur Schlaftabletten, die mir dauerhaft auch nicht sinnvoll erscheinen !

Also, wer hat nützliche Tips, wie man nervlich am Ende wieder zu erholsamen schlafreichen Nächten kommt ???

Danke für Euer "Zuhören",
Gruß an alle,
Sabine

01.02.2002, 12:09
hallo Ihr Lieben,

tja einen guten Tip kann ich da auch nicht geben. Wie bei dir Sabine ist meine Ma am 18.November eingeschlafen. Die Diagnose wurde am 31.Mai festgestellt. Darmkrebs + Lebermetastasen auf der ganzen Leber verteilt und somit nicht operabel. Von da an hieß es für uns 3 Geschwister abwechselnd meine Ma zu betreuen, was ich auch sehr gern gemacht habe. Zwischenzeitlich immer wieder ins Krankenhaus, das 25 km entfernt war. Ich bin alleinerziehende und berufstätige Mutter eines 8j. Sohnes, der mit einer wahnsinnigen Liebe an seiner Oma hing und auch immer noch hängt.
Ich kenne auch dieses Gefühl, in dieser Zeit habe ich einfach nur funktioniert, alle zufriedenzustellen war mein Ziel und ich blieb auf der Strecke. Die letzten 4 Tage haben meine Schwester und ich meine Mutter im Hospiz beim Sterben begleitet. Es war grausam mitansehen zu müssen und nicht helfen zu können. Die letzten 2 Tage wurde ihr jede 2 Stunde eine Morpium gegeben. Sie war nicht mehr ansprechbar obwohl sie die Augen auf hatte, es sah so aus wie eine Art Wachkoma. Letztendlich werde ich die letzten Minuten niemals vergessen. Nicht friedlich, nein sondern grausam an ihrem eigenen Wasser erstickt mußte sie von uns gehen. Was danach kam, möchte ich gar nicht erst schreiben. Diese Bilder, das Gluggern der Lunge begleitet mich fast täglich und abends im Bett höre ich es immer noch sehr deutlich. Ich fange langsam an, zu verarbeiten aber es fällt sehr schwer. Ich vermisse sie jeden Tag, sobald ich aufwache denke ich an sie.
Ich habe das große Glück, einen Partner zu haben, der großes Verständis hat und mich oft auffängt.
Auch ich habe mich die letzten 3 Wochen krankschreiben lassen um bei meiner Mutter sein zu können. Denn ich hätte niemals mit dieser innerlichen Unruhe arbeiten könne. Es hätte niemanden geholfen. Und wie gesagt, der für so etwas kein Verständis hat, dem wünsche ich nicht, auch mal in so einer Situation zu kommen denn nur diese Leute können einem das nachempfinden. Wer nicht, der sollte mich dann einfach in Ruhe lassen, denn dann sollte ich mir Gedanken machen, ob es sich überhaupt lohnt, solche sogenannten Freunde zu haben oder ob ich an einem Gespräch mit Bekannten Interesse habe.
So, nun habe auch ich mich mal hier ausgemert. Danke
für´s Zuhören.

Achja, meine Schwester hat auch sehr darunter zu leiden und weint sehr oft.
Auch ich habe seitdem keine Nacht durchgeschlafen, nehme aber überhaupt keine Medikamente. Das will ich nicht.

Gruß an alle und ganz viel Kraft

Nadia

01.02.2002, 13:33
Liebe Sabine II!
Es ist gut zu hören, daß andere Ärzte auch nur Schlaftabletten verschreiben. Ich komme soeben vom Arzt, und ich habe ihm ABGERUNGEN, mich eine weitere Woche krankzuschreiben. Dabei bin ich mittlerweile völlig down und frage mich, ob ich wirklich ernsthaft körperlich krank werden muß, damit man mich ernst nimmt. Ja, es scheint ein massives gesellschaftliches Problem zu sein, daß psychische Belastungen (nicht Krankheiten!) nicht ernst genommen werden. Jede wirkliche "Krankheit" ist legitim - psychische Belastung, Trauer, Angespanntheit, Schlaflosigkeit, Ruhelosigkeit sind Dinge, die man einfach, indem man sich mal etwas "zusammenreißt" auf die Reihe zu kriegen hat! Ich habe heute morgen wieder gedacht: wahrscheinlich muß ich erst richtig umkippen, bevor irgendein Mensch mich ernst nimmt. Ich kann einfach nicht mehr. Ich liege abends im Bett und heule...prima, darüber schlafe ich sogar manchmal ein. Aber das dauert allenfalls 3-4 Stunden, und dann bin ich hellwach, und die Gedanken kreisen und kreisen. Auch ich bin eine Gegnerin von allen Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln. Inzwischen soll ich noch ein Antidepressivum nehmen! Auch ich lehne die chemische Keule inzwischen ab - zumal sie nichts nutzt und mich nur noch müder sein läßt am Tag. Ich kriege allmählich einen Haß auf die ganze "Gesellschaft", die uns als Angehörige mit zum Teil extremen Belastungen einfach nicht sehen kann oder will. Ich denke, mein Hauptproblem ist nicht unbedingt die schwere Krankheit meines Vaters, sondern diesen langsamen, schleichenden Verfall ansehen zu müssen und nichts TUN zu können. Daneben zu sitzen und zuzugucken...und nichts, aber auch garnichts tun zu können außer DA-SEIN. Und dieses letzte geringe, dieses DA-SEIN, wird uns erschwert durch mir immer weniger wichtig erscheinende und "banale" Dinge.
Ich bin dankbar und froh, dieses Angehörigen-Forum gefunden zu haben. Ich grüße alle, die mir darin geschrieben haben oder die überhaupt schreiben. Es ist hilfreich, viele Beiträge zu lesen, weil man fühlt, daß man nicht allein ist mit seiner Not, seiner Traurigkeit und auch seiner Enttäuschung über viele Menschen. Dennoch wollte ich den Weg,den ich momentan gehe, nicht missen. Die Dinge beginnen andere Wichtigkeiten zu bekommen, und vielleicht sind wir "Angehörigen" allein dadurch auf dem Weg in eine bessere, sensiblere Welt!?

04.02.2002, 18:24
hallo Sabine II,
ich bin die andere, deswegen nenne ich mich jetzt Bine.
Bei mir vergingen die schlaflosen Nächte, als ich über die ganze Situation reden konnte. Ich ging zu einer Therapeutin, weil ich das Gefühl hatte, die Schallplatte leiert schon, indem ich meinen Freunden und meinem Mann ständig das gleiche erzählen mußte. Es war nichts neues. Aber dennoch konnte ich nicht richtig darüber reden, nur so beiläufig oder als würde ich von einer dritten sprechen und nicht von mir.
Bei der Therapie war das anders. Ich konnte alles rauslassen, und seitdem ging es besser mit dem Schlafen. Ich hatte vorher auch nie Träume über meine Mutter, aber jetzt schon. Es war richtig erlösend.
Ich weiß natürlich nicht ob Du ähnliche Probleme hast, aber vielleicht hilft Dir ja der Tip.
Noch was: Ein super Tip, um zu schlafen und zu entspannen ist eine Dampfkompresse.
Falls Du oder jemand anderes Interesse daran hast, sag mir bescheid, dann erkläre ich wie die Dampfkompresse geht ( würde jetzt zu lange dauern, das aufzuschreiben...)
Den Tip habe ich vom Krankenhaus bekommen, als ich dort gelernt habe...hilf super.
Ansonsten alles Liebe
bine

04.02.2002, 18:43
Hallo Bine,

danke für Deine Tips. An der Dampfkompresse bin ich sehr interessiert, ich möchte so viel wie möglich versuchen, natürliche Hausmittel anzuwenden.

Gehst Du denn inzwischen wieder arbeiten ? Die mehrmonatige Pause tat bestimmt gut, was ? Mein Teilzeitjob ist auch sehr hilfreich zur Zeit, ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich bin immer vollzeit arbeiten gegangen, aber das kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen...

Jeder Tag ist so oder so ziemlich anstrengend wegen der permanenten Grübelei (hätte..., wäre..., was wäre, wenn.....) und diese unendliche Sehnsucht, die mich wahnsinnig macht ! Dieser Schmerz ist doch unerträglich auf Dauer, oder ? Wie lange ist das mit Deiner Ma schon her ?

Ich komme mir im Alltag und bei sämtlichen Unternehmungen wie eine Marionette vor, als wäre ich das gar nicht, wenn ich dann alleine bin, bricht alles über mir zusammen, alles andere ist nur "Show", damit einen andere überhaupt noch akzeptieren...

Auch auf den Frühling kann ich mich nicht richtig freuen, so wie sonst immer, meine Mama ist doch so gern Fahrrad gefahren, wie soll ich das alles genießen können, wenn sie es nicht mehr kann ???

Jetzt heule ich schon wieder hier rum.

Danke,
Sabine

04.02.2002, 19:15
hallo Sabine,
erstmal zu der Dampfkompresse:
Nimm eine Schüssel und breite ein Handtuch darin aus. Dann nimmst irgend ein dünnes Laken oder Lappen, das du zu einem kleinen ca 4-lagigen, ca 20 cm großen Viereck ( Kompresse )falten kannst. Das legst Du auf das Handtuch. Dann bringe Wasser zum kochen ( es muß richtig kochen ), mit dem Wasser machst Du das Viereck naß, mit dem Handtuch wringst Du das Viereck aus.
Dann umwickle die Kompresse noch mal einlagig mit einem dünnen Tuch ( damit deine Haut nicht verbrennt ).
Diese umwickelte Kompresse legst Du dann auf Deinen Solarus Plexus ( Dreieck unter deinem Brustbein, wo Dein Magen anfängt )
Du mußt es ein bischen probieren, bis Du die Hitze auf jDeiner Haut aushälst. Dann umwichle Dich mit einem Tuch oder decke Dich zu. Das hilft prima bei Nervosität, Schlafstörungen, Rücken oder Kopfschmerzen, nervösem Magen.
Viel Glück und Gutes Entspannen!!!!

So, nun zu meiner Mutter: Sie ist vor eineinhalb Jahren gestorben, nach 8 monatigem Dahinvegetieren ( anders kann ich leider nicht sagen.) Sie hatte wie gesagt Speiseröhrenkrebs, konnte nichts mehr essen oder trinken. Hat Chemo bekommen, und darauf Lungenentzündung. Die Speiseröhre ist durchgebrochen zur Luftröhre, sie hat sich ständig verschluckt, Schleim gespuckt und sich übergeben ( es kam aber nichts mehr raus, da der Tumor schon alles verstopfte. Ab der Diagnose ging alles sehr schnell, sie hatte dann noch Leber, Nieren und Knochenmetastasen, war am Schluß verwirrt und nicht mehr ansprechbar. Sie ist einem Hospiz eingeschlafen, ich und meine Oma waren dabei....es war furchtbar...
Ich war noch kein einziges mal an ihrem Grab, hab Angst, dass ich zusammenbreche. Sie fehlt mir auch sehr, zumal viele Ungeklärte Dinge noch im Raum stehen.....
Dass ich danach nicht gearbeitet habe, tat mir wahnsinnig gut. Ich wäre auch nicht ín der Lage gewesen, ich hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, aber in diesen Beruf konnte und wollte ich nicht mehr zurück.
Ich arbeite seit Oktober halbtags in einem Büro. Da wird man nicht täglich mit Leuten wie meine Mutter konfrontert, im Gegensatz zum Krankenhaus.
Ich werde erstmal weiterjobben, und dann wird sich zeigen was die Zeit bringt.

Liebe Sabine, das mit dem Frühling kann ich sehr gut verstehen. Meine Mum ging sehr gerne zum Flohmarkt verkaufen. Ich bin dann alleine hin, als sie nicht mehr da war. Es fiel mir schwer, aber ich hatte ständig das Gefühl, sie wäre bei mir.
Setz Dich doch einfach auf Dein Fahrrad und mach ne Tour, denke dabei an sie, auch wenn es sehr schwer fällt, vielleicht radelt sie ja mit....rede mit ihr, wie schön es war und auch noch IST!!! Vergiss Dich nicht, es gibt viele schöne Dinge im Leben, die es wert sind, sie zu genießen. Und man DARF auch geniesen, man genießt dann einfach für zwei.
Ich weiß, das das nicht so einfach ist, ich hänge ja selber noch in den Seilen, aber solche gewissen Dinge, die auch unsere Mütter gerne gemacht haben, helfen oft, zu verarbeiten, wenn sie selbst auch macht.

Wenn Du willst, dann erzähl von Deiner Mum, das tut manchmal ganz gut...

Alles liebe
bine

04.02.2002, 21:53
Hi Bine... und hallo auch Sabine!
Ich kann euch beide sehr sehr gut verstehen! Wenn ich das alles lese kommen mir echt die Tränen!Meine Mama ist vor einem Jahr gestorben...nach ca. 5 Jahren Krankheit!Das schlimme ist, das sie uns zum Schluss alles verheimlicht hat! Keiner von uns wusste das letzt Jahr das sie wieder krank war...und auf unsere Fragen hat sie uns nie eine Antwort gegeben!Den letzten Tag an dem ich sie gesehen habe werde ich wohl nieeeee vergessen! Sie hatte nur etwas über Kreuzschmerzen geklagt..(was eigentlich schon ein Alarmzeichen gewesen wäre...den sonst hat sie vor uns nie etwas gesagt) und am nächsten Tag so gegen Mittag ist sie einfach umgefallen... und kurze Zeit später gestorben!
Auch mir kommt bei vielen Sachen der Gedanke, das ich mich eigentlich gar nicht freuen darf... jetzt wo sie sich auch nicht mehr freuen kann!
Aber so ist es nicht! Im Gegenteil! Ich weis genau, dass das einzige was meine Mama für uns Kinder wollte ist, daß wir glücklich und zufrieden weiterleben, und unseren eigenen für uns richtigen Weg gehen! Sie war sicherlich die LETZTE die wollte, dass wir um sie trauern! Deswegen wohl hat sie auch alles geheim gehalten! Und das müssen wir einfach respektieren!
Auch bei Euch wird das wohl so sein! Ich z.B. gehe sehr gerne auf den Friedhof... das hilft mir sehr sehr gut! Ich rede dann mit ihr.. und ich weis ganz genau das sie mich hört! Und irgendwann sehen wir uns wieder.... ganz ganz bestimmt! Dann gibt es keine zeit und keinen Raum mehr... dann gibt es nur mehr uns und viel viel Liebe!
Aber bis dahin müssen wir alle unser Leben weiterleben! Und wenn es mal ganz schwer ist... dann einfach immer daran denken, was wohl unsere Mama jetzt wohl gewollt hätte, das wir tun! Glaubt mir, das hilft wirklich!
Und eines kann ich euch auch versichern... Es gibt ein Leben nach dem Tod... ganz ganz bestimmt!

10.04.2002, 21:55
Kann nicht mehr weinen,mein Vater hat nun schon seit 17 Jahren Krebs.Bei der ersten Diaknostik war ich 15..Nebennierenrindentumor,die Niere wurde entfernt.Ruhe ,4 Jahre dann erneut ein Tumor.Immer die Angst ihn zu verlieren...dann 1999 Lungentumor,Lebermetastasen...OP, erfolgreich.Wieviele Tränen hat ein Mensch?2001 Gehirntumor...wieder angst ,wieder Tränen...2002,erneuter Tumor,diesesmal keine OP möglich...ich kann nicht mehr weinen,habe nur eine unglaubliche Angst ihn diesmal unbeweint zu verlieren.Wer hat ähnliches erlebt und weiß Rat?Meiner Mutter geht es richtig schlecht,mein kleiner Bruder ist fast hysterisch.Von mir wird Kraft und Ruhe erwartet,aber wenn ich nicht weine denken doch alle ich wäre "kalt"...ich weiss auch nicht mehr weiter.Wer kann mir helfen...

10.04.2002, 23:11
Liebe Gaby,

manchmal frage ich mich "mein Gott, wieviel kann ein Mensch aushalten?!?" - dein halbes Leben dreht sich ja um den Krebs - wir haben gerade mal anderthalb Jahre damit zu tun gehabt und waren am Schluss alle fertig... FÜHL DICH GANZ FESTE GEDRÜCKT!!!!!

Als die "Große" erwarten von dir alle Hilfe - das kannst du auf Dauer nicht alleine leisten! Ich kenne das durch einen anderen Zusammenhang - du gehst auf Dauer daran kaputt!!

Ich würde dir zwei Dinge raten: 1. (als Sofortmaßnahme ) schau mal hier in den Chat rein!! Da sind viele Betroffene und Angehörige, die dich verstehen und mit denen du über alles reden kannst. Und wenn du nicht reden magst - auch o.k., lies einfach mal mit, lass dich von dem Unsinn, der teilweise dort verzapft wird (es wird auch gealbert, muss auch mal sein) ablenken, aber alle haben immer ein Ohr, wenn jemand seine Probleme loswerden will! Und dann: such dir einen Therapeuten! Wenn du in einer größeren Stadt wohnst, hast du vielleicht sogar das Glück, einen onkologisch geschulten zu finden (vielleicht haben die Heidelberger da Adressen?) - es ist nichts dabei, sich Hilfe von außen zu suchen, es hat nichts mit Nicht-Stark-Sein zu tun - ich finde, die Stärke liegt gerade darin zu sagen, Leute, ich schaffe es nicht alleine, helft mir! Tu es für dich und auch für deine Familie - du kannst niemandem helfen, wenn du selbst zusammenklappst....

Ich wünsche Dir alles Glück und alle Kraft dieser Erde!
Alles Liebe

Janka.

10.04.2002, 23:42
Janka,so schnell Hilfe ,gibt es das?DANKE!!!Deine Anteilnahme,hilft mir schon...Ich bin in der Ausbildung zur Familientherapeutin...das zum Thema Therapie...bin abgedeckt,wissen nur alle nicht um die Dramatik,eine geliebten Menschen so zu verlieren!!!Bin Erzieherin im Behindertenbereich habe auch Kinder im Wachkoma ,aber mein Vater ist für mich BESONDERS...Danke für deine Worte,fühle mich verstanden...!!!!Gaby

11.04.2002, 18:32
bei meiner mutter wurde vor 2 wochen brustkrebs festgestellt. sie ist 68 jahre alt und ein kämpfertyp. leider bin ich nicht so stark.
für mich brach eine welt zusammen als ich die diagnose hörte und ich weiß einfach nicht wie ich das bewältigen kann.
man denkt sofort mit schrecken an tod und langes siechtum. leider
hilft mir anteilnahme auch nicht weiter, obwohl wir sehr viel
unterstützung erfahren. außerdem weiß ich genau das unsere mutter
uns wahrscheinlich nicht alles sagen wird, auch wenn es ihr später schlechter gehen sollte, wird sie uns damit zu schützen versuchen.
wenn sie sterben sollte (ich denke immer daran)weiß ich nicht wie es weitergehen soll,da ich damit nicht fertig werden werde. das mag
sich als erwachsener mann blöd anhören aber ich habe jetzt schon schlafstörungen,plötzliche weinkrämpfe und denke ohne unterlaß an ihren tod.keiner wird einer person helfen können die einen geliebten menschen plötzlich verliert, davon bin ich überzeugt auch wenn man
noch so oft sagt, denke an deine familie und an dein kind. es wird einen etwas weggenommen was man sehr liebt und was nie wiederkommen wird. wäre ich ein eifriger christ hätte ich vielleicht hoffnung, aber ich habe keinen glauben mehr, weder an die menschheit noch sonst was. ich bin einfach nur traurig.


gruß

erich

13.04.2002, 19:33
Hallo Brigitte,
bei uns ist die Sache genau rumgedreht, meine Frau und ich haben eine relativ gute Lösung gefunden.
Wenn Du einfach mal über uns was wissen möchtest, oder wie jeder einzeln, oder wir zusammen mit den Problemen umgehen, dann meld Dich doch mal. Wir freuen uns,wenn wir helfen können. Denn, ich denke, daß die Probleme auch uns betreffen und wir auch davon einen Nutzen haben.
Bis bald, Micha und Petra
loos.michael@t-online.de

22.11.2002, 23:03
Hallo, an alle,
ich bin vollzeit berufstätig und vollzeit gestreßt. Mein Beruf hat mir aber immer vorrangig auch Spaß gemacht. Jetzt ist aber mein Vater schwer krank und schlecht drauf. Seit März. Ich liebe meine Eltern und bin seither fast jeden Tag wenigstens für ein oder zwei oder mehr Stunden abends bei Ihnen. Wir versuchen auch - wenn es geht - am Wochenende zusammen etwas zu unternehmen. Es gibt viele schöne Momente, die ich nicht missen will und von denen ich hoffe, das sie von meinen Eltern auch als schön empfunden werden.


Aber heute bin ich einfach fertig. Ich kann bald nicht mehr. Ich kriege haushaltstechnisch nichts mehr auf Reihe und schaffe es noch nicht einmal regelmäßig zu essen. Mein Job ist Dauerstreß und ich bin keinen Abend vor acht Uhr zu Hause. Meinen Eltern würde ich gern viel mehr helfen aber ich weiß nicht, wann. Und zudem ärgere ich mich seit Monaten über meinen Bruder (sechs Jahre älter als ich), der 350 km von uns entfernt wohnt und sich kaum um unsere Eltern kümmert. Wie er mir am Telefon sagte, hätte er keine Zeit. Er muß halt auf seinem Grundstück mauern und Pflastersteine setzen. Er bekäme ja auch keinen Urlaub (Beamter auf Lebenszeit). Ich schaffe das auch bald nicht mehr. Und ich will eigentlich nur alles schön haben - für meine Eltern und für mich. Und jetzt sitze ich hier und heule, sehe schon ewig aus wie ein Haufen Mist und denke, daß ich bald bei der Sache liegen bleibe und auch keinem helfe. Ich helfe sowieso keinem, so oder so nicht. Mein Bruder ist wahrscheinlich realistischer; es kommt eh alles wie es kommen muß.

Ich weiß, daß auch mein Selbstmitleid völlig unangebracht ist. Aber heute kann ich nicht anders. Morgen geht es bestimmt wieder.

25.11.2002, 11:05
Hallo Ihr lieben Angehörigen,
ich bin selber Brustkrebsbetroffene und lese hier ganz ...naja, geknickt ... Eure Einträge.

Ich kann Euch gut verstehen, denn Ihr macht oftmals das ähnliche wie wir Betroffenen durch: Rückzug von Freunden,
dieses ewige "Nicht-Ernst-nehmen",
diese dauernden "Mutzusprüche" die nicht viel bewirken,
Arbeitgeber, die von uns verlangen, voll weiter zu funktionieren,
oder diese schlaflosen Nächte, ... diese Ungläubigkeit, Hilflosigkeit, der Schmerz und diese Wut,
usw.

Ihr seid jene Menschen, die für uns Betroffenen die Stützen sind, die "Mit-Leiden" können, die uns so viel bedeuten, die uns lieben und die auch wir so sehr lieben ... und dafür umarme ich Euch alle ganz fest.
Aber schaut mal, auch Ihr habt alle Eure Grenzen, Grenzen der Stärke. Ihr könnt nicht etwas leisten, das über Eure Kraft hinaus geht. Denn sobald diese Grenze überschritten ist, wird sie auf Eure eigene Gesundheit zurück gehen. Lasst es bitte nicht zu, dass Ihr aus Leid, Sorgen und Trauer selber krank werdet.
Versucht doch, zwischendurch etwas Pause zu machen. Nur für Euch alleine, ja? Gönnt Euch selber mal etwas Schönes, etwas das Euch entspannt und Euch die Sorgen für einen Augenblick vergessen lässt.
Wisst Ihr, wir Betroffene sind nicht wütend auf Euch, wenn Ihr auch mal zwischendurch Euren Spass habt, wenn Ihr lachen könnt und abschalten könnt. Denn hinterher werdet Ihr nämlich um so "ruhiger" wieder bei uns sein und uns von Eurer neu getankten Kraft etwas schenken können.

Macht Euch keine Sorgen darum, wie "oft" Ihr bei uns seid, denn wir Betroffene spüren es, dass Ihr es überhaupt tun WOLLT, weil Ihr uns lieb habt. Dieses "Wollen" bedeutet uns bereits sehr viel.

Grämt Euch nicht über die Sinnfrage, denn wir Betroffene finden selber auch keine Antwort darauf.

Wenn Ihr nicht mehr weiter wisst, dann sprecht darüber. Gespräche, Gespräche und nochmals Gespräche. Das kann mit anderen Angehörigen geschehen, oder vielleicht auch mit Psychologen. Ein Psychologe oder Psychiater ist nichts Schlimmes, viele von uns Betroffenen gehen da selber hin, um das Ganze zu verarbeiten.
Tja, take it easy!
Aber ... Gespräche mit dem Betroffenen selber bringen Euch je nach dem sogar MEHR. Denn nur durch ihn wisst Ihr, WIE Ihr ihm helfen könnt. Stellt Fragen. Und er wird Euch antworten.
Aber nicht drängen. Denn es gibt Tage, da möchte der Betroffene sprechen, und es gibt Tage, da möchte er es nicht tun. Und es gibt Zeiten, da glaubt der Betroffene, dass ihm eh keiner helfen kann. Doch es gibt auch Zeiten, wo die kleinste Hilfe ein grosses Geschenk für ihn ist.
Wenn Ihr also wisst, wie Ihr ihm am besten helfen könnt, dann wird Euch alles ein wenig leichter fallen.

Informiert Euch vielleicht auch so viel es geht, denn je mehr Ihr über die Krankheit und den Umgang mit Krebspatienten wisst, um so besser könnt Ihr es angehen und auch verstehen.

Und ... ja, lasst Euch krankschreiben, wenn es Euch zu viel wird. Aber denkt daran, ein gewöhnlicher Arzt tut das vielleicht eine Weile, aber ein Dr. Psychiater tut es nicht nur weil er es versteht, ... er WEISS es auch.

Und ... ja, Ihr Lieben, weint ruhig mit uns, ... aber lacht auch mal zwischendurch mit uns, denn das tut uns immer so gut!

Ich drücke Euch alle ganz herzlich!
Die "krasse" Brigitte

25.11.2002, 12:10
Hallo krasse,

schön dich mal wieder zu lesen. Wo warst Du???

Geht es dir soweit gut?

Fühl dich umarmt und lieb gegrüßt

Li(ane)

25.11.2002, 13:01
Hi Li,
klar, ich bin immer noch da! Bin zwar nicht mehr so oft hier im Forum, aber doch mal hin und wieder. Ich "wurschtle" mich dann durch alle Themen durch, hm-hm! Bin mal hier, mal da. Mal am krass schimpfen (grins! Du weisst schon!), mal aber wieder ganz lieb!
Soweit geht's mir gut, jaja! Hoffe, das bleibt noch lange Zeit so.
Und Du? Alles okay bei Dir?

Liebe Grüsse
von der "krassen"

26.11.2002, 11:47
Liebe Känguruh,
dein Beitrag hat mir sehr geholfen.
Bin selber Angehörige, meine Mutter hat Speise-
röhrenkrebs mit Metastasen in der Leber.
An manchen Tagen weiss ich auch nicht mehr wie ich ihr noch helfen soll,dann überkommt mich das heulende Elend.
Dann aber denke ich ,dass ich stark sein muss
für sie.
Ich versuche nun ein bisschen abzuschalten und Kraft zu tanken um diese dann vielleicht weitergeben zu können an meine Mutter.

Alles Liebe wünscht dir
Andrea

27.11.2002, 23:46
Liebe Känguruh, liebes Forum!
Deine Worte tun sehr gut! Ich bin im Moment total angespannt, mein anstrengender Kranker..., mein momentan ätzender Job...alles ein bisschen viel im Moment...Ich denke ernsthaft darüber nach, mir psychologische Hilfe zu suchen. Aus diesem Grund auch hier meine Frage: Hat jemand Erfahrung damit? Ich meine nämlich eigentlich von mir, daß ich das vielleicht auch "alleine" schaffen werde. Aber ich habe auch Angst davor, daß ich es, falls es mal wieder schlimmer wird, ich meinem Partner keine Stütze sein kann, weil ich selber "am Stock gehe...". Auch habe ich gelesen, daß die Krankenkassen das nicht unbedingt übernehmen.

Gruß Claudi14

27.11.2002, 23:47
P.S. Noch ein Nachtrag von mir!
An dieser Stelle wäre ich auch sehr dankbar für Literaturhinweise zu diesem Thema!!!

Gute NACHT!

28.11.2002, 10:43
Hallo Ihr Lieben,
es freut mich, wenn ich Euch ein bisschen aufmuntern konnte - irgendwie jedenfalls.
Die Sache mit dem Psychologen/Psychiater, liebe Claudi14, sollte man vielleicht abklären.
Ich selber bin ja aus der Schweiz. Bei uns ist es so, dass Psychologen nicht GANZ von der Kasse bezahlt werden. Wenn es aber ein Psychiater ist, also ein Arzt mit Doktortitel, dann wird dieser vollumfänglich von der Kasse übernommen.

Desweiteren hätte ich Euch vielleicht auch den Tip, dass Ihr Euch an die Krebshilfe wenden könnt. Die haben dort Beratungen oder vielleicht auch Broschüren und Bücher, wie man selbst als Angehöriger damit klar kommen kann.

Was ich noch erwähnen wollte: Wegen dem "Pause" machen für Euch. - Ich weiss, wie das ist. Denn gerade in jenem Moment des "Abschaltens" kommt vielleicht schnell mal das schlechte Gewissen, oder das Gefühl, dass ja gerade in DEM Moment was schlimmes mit dem lieben Kranken geschehen könnte. Und vor lauter Sorgen darum, wagt man es erst gar nicht, diese "Pausen" einzugehen.
Hier kann ich Euch vielleicht nur den folgenden Ratschlag geben: Die "Pausen" zu geniessen, wenn Ihr eh im Augenblick nichts tun könnt oder den lieben Kranken nicht besuchen könnt.
Es GIBT natürlich diese Schicksalsschläge, wo der eine oder andere Angehörige gerade dies oder jenes für sich getan hatte, während der liebe Kranke in der Zwischenzeit sogar verstorben ist.
Doch an diese - relativ seltenen - Zufallsmomente sollte man sich nicht zu sehr in Gedanken klammern.
Also auch Ihr habt Eure Pausen zwischendurch verdient. Versucht einfach abzuwägen, WANN sie am besten machbar sind, ja?

Alles Liebe und eine dicke Umarmung an Euch alle!
Die "krasse" Brigitte

28.11.2002, 23:54
Liebe Claudi14!
Mein Mann ist seit 2 Jahren an Krebs erkrankt. Zuerst hat er gemeint alles alleine schaffen zu können. Das hat aber nicht gut geklappt. Unter anderem mußten unsere Kinder ziemlich darunter leiden. Als jetzt im Sommer der Rückfall kam, habe ich meinen Mann überreden können eine Psychologin aufzusuchen. Das war am Anfang gar nicht so einfach überhaupt einen Psychologen / Psychiater zu finden! Und dann waren auch keine Kapazitäten bei den Ärzten vorhanden! Wörtlich : melden Sie sich doch bitte nächstes Jahr noch mal! Da hat mein Mann geantwortet: bis dahin habe er sich erhängt.
Wie Du siehst, es ist nicht so einfach den oder die passende Person zu finden ( es muß auch die Sympatie stimmen, wenn man den Arzt nicht leiden kann, hat das alles wenig Sinn).
Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, es ist extrem wichtig einen Psychologen zu haben. Man meint am Anfang immer, es sei alleine zu schaffen, aber ich habe mittlerweile auch eine Psychologin aufgesucht und es hat mir sehr geholfen.
Ich rate Dir, nimm das Vorhaben "in Angriff". Ob die Kasse das bezahlt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab: von der Erkrankung, von der Art der Kasse und auch, ob der Arzt eine Kassenzulassung hat. Soweit ich weiß, sind die ersten Sitzungen zum Kennenlernen und zur Diagnosesicherung auf jeden Fall abgesichert. Einfach mal bei der Psychologin nachfragen!
Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen.
LG, Kerstin

29.11.2002, 12:07
Hallo Claudi14,

erstmal zur Unterscheidung ich bin noch eine andere Kerstin....bin Angehörige.

Ich habe gerade eine Therapie begonnen, bei einem Therapeuten der ist kein Dr. aber kann mit der Kasse abrechnen. Min. 5 Termine zahlt die Kasse auch bei einem solchen Therapeuten ohne Antrag (so ist es zumindest bei meiner gesetzlichen KK....im Zweifel einfach bei Deiner Kasse nachfragen) ....dann muss Antrag gestellt werden, der muss vom Hausarzt unterstützt werden. An diesem Punkt bin ich gerade, aber mein Therapeut hat schon gesagt das wird kein Problem sein. Wenn Du keine Empfehlungen hast für Therapeuten oder Psychologen oder Psychiater an deinem Wohnort: einfach in die gelben Seiten oder ins Internet kucken, oder bei deiner Kasse nachfragen evtl. können die Dir auch welche nennen? Und dann hast du bei jedem neuen Therapeuten die besagten 5 Termine "frei", man muss ja auch sehen ob man mit demjenigen klarkommt....natürlich haben die guten Therapeuten + Ärzte Wartelisten....aber ein guter Psychologe/Therapeut wird sich auch bemühen dich wenn es dringlich ist in seinen Behandlungsplan schnellstmöglich einzugliedern, wenigstens für gelegentlich Termine...das hilft dann ja vielleicht auch schon etwas...so war es bei mir.

Natürlich übernehmen die Kassen heutzutage nicht gern irgendwelche Leistungen....aber wenn Du Dich so fühlst wie du schreibst dann reicht das allemal....nimm die Leistungen in Anspruch, es lohnt sich. Mit Büchern/Ratgebern bist du dann doch wieder nur allein.....

Schreib mal wie du damit weiterkommst! Alles Gute!

Kerstin63

10.12.2002, 01:42
Hallo,
ich habe in den letzten Wochen meine Mutter betreut, die am Freitag an Eierstockkrebs gestorben ist. Wir waren zu dritt und in der letzten Woche tag und nacht im Einsatz ( mein Vater, mein Mann und ich ). Wir hatten Unterstützung von meinen Schwestern und Freunden, so dass wir tagsüber mal rauskamen.Wir hatten einen Super Pflegedienst und eine Hausärztin, die den ganzen Prozess toll unterstützt haben, so dass meine Mutter (mit Unterstützung von Morphium und Valium) friedlich einschlafen konnte. Trotzdem war das Ganze mit seinen Auf- und Abs seelisch sehr anstrengend und ich denke, alleine hätte ich zumindest es nicht geschafft. Ich hatte Urlaub und kann voll verstehen, dass eine Krankschreibung notwendig ist und würde bei dem Arbeitgeber auch keine Skrupel haben ( Meiner hat gesagt, die Arbeit kommt jedes Jahr wieder, eine Mutter hat man nur eine !) .
Viele Gruesse und viel Kraft,
Claudia

14.12.2002, 20:13
Hi Claudia,
ich sende Dir eine dicke Umarmung.
Du hast übrigens einen super Arbeitgeber, echt!

Vor fünfzehn Jahren hatte meine Mutter Leukämie. Ich lebe ja in der Schweiz, aber damals hatte meine Mutter wieder geheiratet und war nach Mannheim umgezogen. Ich weiss noch, als es ihr einmal sehr schlecht ging, wollte ich unbedingt zu ihr, auch wenn ich mir die Fahrt nach Mannheim finanziell gar nicht leisten konnte. Ich fragte meinen Arbeitgeber, aber dieser ... stellte sich quer und fand das nicht nötig, dass ich jetzt deswegen von der Arbeit fern blieb! Für IHN war die Arbeit also wichtiger! - Man muss sich das mal vorstellen!
Damals wurde ich so wütend, dass ich meinen Kopf durchsetzte und einfach GING! Es wäre mir völlig egal gewesen, hätte ich deswegen meine Stelle verloren, echt!

Aber der Arbeitgeber hatte mich damals deswegen nicht entlassen. (Wäre rechtlich wahrscheinlich auch gar nicht erlaubt gewesen.)
Ich hatte diese Stelle dann irgendwann später selbst gekündigt. Wegen einem anderen Arbeitsrecht, an welches sich der Arbeitgeber nicht gehalten hatte. Natürlich habe ich es mir da (grins!) nicht nehmen lassen, ihm - bevor ich ging - zuerst das aufgeschlagene Gesetzbuch auf seinen Tisch zu knallen! - Es war mein wirklich coolster und schönster Abgang!

Alles Liebe Euch allen und ein schönes Wochenende wünscht Euch
die "krasse" Brigitte

15.01.2003, 02:04
vor 15 jahren starb mein vater, und ich konnte bei ihm sein. den preis dafür bekam ich jahre später vom arbeitgeber präsentiert. mobbing mit folgendem arbeitsplatzwechsel aufgrund der tatsache, dass ich hohe fehlzeiten während der pflege meines vaters hatte. mittlerweile bin ich im vorzeitigen ruhestand aufgrund vielfacher belastungen und chron. erkrankung. ca. 10 jahre nach dem tod meines vaters erkrankte mein kind lebensgefährlich, ist jetzt aber wieder okay. nun wird montag meine mutter operiert: verdacht auf eierstockkrebs. ich kann nicht mehr helfen. und das tut mir so weh.
was mich halbwegs wieder auf die beine brachte war ein aufenthalt in einer ganzheitlich orientierten klinik.
ich wünsche euch allen ganz ganz viel kraft und mut!
shushu

15.01.2003, 18:53
Hallo,

mein Mann ist glücklicherweise seit ca. 1,5 Jahren in Remission und ich dachte, ich hätte den Psychostress überwunden. Bei einer kürzlichen Nachsorge wurden wir jedoch ziemlich geschockt: Verdacht, dass es wieder losgeht. Da die Feiertage dazwischen waren, waren wir 2 Wochen zwischen Hoffen und Bangen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Doch jetzt merke ich, dass ich wohl vieles nur verdrängt habe, die Angst hat sich während dieser schrecklichen 2 Wochen richtig festgesetzt in mir, ich habe manchmal Atemnot und schlimme Verlustänge, klammere emotional unheimlich. Ich hab so das Gefühl, dass ich vielleicht zuviel verdrängt habe und alleine da nicht mehr rauskomme.
Wie sind Eure Erfahrungen mit einem Psychologen? Ich habe da irgendwie noch Scheu davor. Bringt das was? Was bringt das Euch?
Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn Ihr ein bisschen "aus dem Nähkästchen" plaudern würdet.
Danke schon mal vorab!

15.01.2003, 20:23
Hallo Petra,
also ich als Krebsbetroffene gehe auch zu einer Psychiaterin. (Ein Psychologe wäre bei mir nicht ganz von der Kasse bezahlt worden, weil er kein anerkannter Arzt ist.)
Es ist schwierig, durch solche Zeiten zu gehen, und manchmal schafft man das gar nicht alleine, sei es nun, wenn man selber Betroffener ist oder Angehöriger.
Wenn Du selber das Gefühl hast, Du bist mit all dem überfordert und kommst da gar nicht mehr richtig raus, dann würde ich Dir schon raten, Dir professionelle Hilfe zu suchen. Soooo schlimm ist es gar nicht. Ich weiss, es braucht ein bisschen Überwindung dazu, ganz besonders am Anfang.
OB es was bringt, hängt erst mal von einem selbst ab, und dann natürlich auch von dem Psychologen oder Psychiater.
Also hier mal ein "Nähkästchen"-Tip:
Zuerst den Richtigen finden: Ein Psychiater/Psychologe sollte aufmerksam zuhören können, er sollte aber auch aktiv sprechen können! (Ehrlich, es gibt Psychiater, die fragen nur und hören nur zu, und dann ist für sie die Sache schon erledigt! Das hilft einem zwar im Moment, weil man selber reden kann, aber da könnte man ja das Ganze auch genau so gut nur in ein Tagebuch schreiben!) Er sollte also auch neben seinen eigenen Fragen Ideen vorbringen können, wie man selbst von seinen Problemen und Sorgen heraus kommen kann.
Das ist natürlich immer einfach gesagt, denn manche Psychiater gehen so psychologisch vor, dass sie durch ihre Fragerei den "Patienten" zu eigenen Antworten heraus fordern. Ist aber ja eigentlich auch okay so. (Nur, manchmal merkt man's nicht so schnell! - Grins!)

Also meine Psychiaterin fordert mich da manchmal auch ein bisschen heraus. Manchmal meine Wut, manchmal meine Einsichten. Manchmal versucht sie mich auch zu "spiegeln", indem sie meine eigenen Sätze wiederholt. Manchmal lobt sie mich und lacht mit mir.
Manchmal gehe ich aus unserer "Sitzung" raus, wobei ich das Gefühl habe, dass es überhaupt nichts gebracht hat heute. Manchmal gehe ich aber auch aus der "Sitzung" heraus, mit einem wirklich guten Gefühl. Es ist immer verschieden.
Ich kann nicht sagen, wie lange meine "Therapie" bei ihr dauert. Aber mir tun die Gespräche einfach gut. Wenn ich das Gefühl habe, es ist nicht mehr nötig, dann kann ich die "Sitzungen" jederzeit wieder beenden.

Die "Bereitschaft" zu einem Psychiater oder Psychologen hin zu gehen, sollte schon von Anfang an da sein. Damit meine ich, die Bereitschaft dazu, sich ein gutes Stück öffnen zu können und nachdenken zu können. Auch Veränderungen bei sich selbst zuzulassen. Hilfe zuzulassen.
Ich war auch nie ein "Fan" von sowas, Petra, denn manchmal hat man schon mal Mühe damit, wenn Leute einen dann plötzlich fragen: "Waaaaas? Du gehst zu einem Psychiater?" Zudem hatte ich immer den Grundgedanken, dass Psychiater ja sowieso nur immer in der ganzen Kindheitsgeschichte "herum wühlen" wollen!
Aber ich bin da trotzdem durch gegangen. Mir ist egal, was andere Leute darüber denken, WEIL ich zur Psychiaterin gehe. Zudem habe ich in den ganzen ersten Monaten NIE über meine Kindheit gesprochen, und ... erstaunlicherweise hat meine Psychiaterin nie gross danach gefragt! Sie überliess es wirklich mir selbst, WANN ich damit anfangen wollte. - Also eigentlich ganz locker, das Ganze.

Es gibt natürlich auch solche Geschichten, die man hört, ... dass der Besuch bei einem Psychiater alles nur noch schlimmer machen könnte! - Vielleicht? Ich denke, es liegt auch ein bisschen an uns selbst, den "richtigen" Mann (oder Frau) für diese Hilfe zu finden. Man kann den Psychiatern oder Psychologen auch den Vorschlag machen, nur mal zu einem "Probegespräch" zu kommen, oder es auch einfach mal für drei Monate oder so zu versuchen. In der Regel gehen sie darauf ein (ausser, sie sind völlig ausgebucht!)

Was meinst Du, Petra? Vielleicht kann Dir eine Krebsorganisation die entsprechende fachliche Hilfe anbieten? Dort kennt man vielleicht eher Psychologen oder Psychiater, welche auch Krebspatienten und deren Angehörigen helfen können.

Sich in psychologische oder psychiatrische Behandlung zu begeben, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Es "klebt" eben noch immer dieses Etikett an dem Ganzen, dass man "Gaga" sein muss, sobald man so eine Hilfe braucht. Dem ist ganz und gar nicht so. Die Psyche gehört zum Menschen, und wenn diese überfordert ist - wie auch immer - dann benötigt sie genau so einen Arzt, wie der Körper einen Arzt braucht.
Finde ich jedenfalls.

Ich wünsche Dir alles, alles Liebe und viel Kraft, und Deinem Mann ganz, ganz viel Gesundheit.
Liebe Grüsse von
der "krasse" Brigitte

PS. Liebe shushu, ich umarme Dich ganz fest.

21.01.2003, 02:36
Meinem Mann geht es momentan nicht wirklich gut,hat 9.chemo erhalten,die aber verändert werden musste,da sein Blutbild nicht gut war.Er hat lauter blaue Flecken am Körper,da sagte er zu mir,das sind Totenmale!! Ich erschrak ,weil ich mir vor einigen Tagen genau das selbe gedacht habe. Seine Schwester vor 2 Jahren an Lungenkrebs,Blutkrebs innerhalb 6 Wochen verstorben,hat am Anfang ihrer akuten Erkrankung genauso ausgesehen!!Sie selbst wusste es sicher schon länger!!!
Zum ersten mal seit Sep.2001,hat er so negative Gedanken geäussert,er war immer der positivere !
Anstatt wir nett zueinander sind,sind wir beide wie Hund und Katze zueinander,eigentlich schlimm,nicht?
Unser Onkologe mit dem wir alles bereden können,meinte ich soll doch mal wenns möglich ist ,ein paar Tage alleine Urlaub machen.
Das kann ich doch nicht tun,denn mein Mann wünscht sich doch nichts sehnlicher wieder in Urlaub zu fliegen!Am liebsten in den Süden,aber das getraue ich mir nicht mehr. Hatten letzten Herbst grosse gesundheitliche Probleme.
Ich könnte mich doch sicher nicht erholen,wenn ich dauernd denken muss wie gehts ihm dabei,und überhaupt.

Wenn ich so hier im Forum lese schickt man Euch auch während einer chemobehandlung in eine Reha oder Kur.Bei uns ,wir sind aus Vorarlberg wurde es als nicht gut abgetan,erst soll er alle 14 Chemos machen,dann sieht man weiter.
Ich denke das hat sicher damit zu tun,dass er nicht mehr im Arbeitsprozess ist. Er in Reha ich auf Kur oder einige Tage nur abhauen,das wäre doch auch eine Lösung ,oder seht ihr das anders,aber so funktionierts nicht!!
Kann zur Zeit auch kein Buch lesen,geht nichts in den Kopf rein!!!
Schreibe sicher etwas konfus,bin es auch.
Was könnte ich machen? Zisle51




Ischia Teneriffa oder Gran Canaria

21.01.2003, 08:24
Liebe Zisele
Wenn ich deinen Beitrag lese, so lese ich daraus, das du wirklich für Dich Hilfe brauchst und an deine Grenzen stosst. Das kann ich sehr gut verstehen. Hast du schon mal daran gedacht, dich an die Vorarlberger Krebshilfe in Hohenems zu wenden. Du bekommst dort wirklich sehr gute Betreung und man ist sehr bemüht, auch für dich was zu finden, was dir gut tut. Die Beraterinnen dort sind wirklich erstklassig, einfühlsam und sehr bemüht.Übrigens ich bin auch aus Vorarlberg und selber dort in Begleitung seit 3 Jahren.
Alles Liebe und weiterhin viel Kraft von Angelika

21.01.2003, 11:01
Hallo Zisle!
Mir geht es gerade genauso wie Dir! Mein Mann ist jetzt nach einem Krebs- Rezidiv wieder soweit genesen, dass er letzte Woche wieder angefangen hat (stundenweise) zu arbeiten. Trotzdem ist er so unzufrieden, das wir uns dauernd streiten. Ich habe während der letzten Therapie (Hochdosis) ziemlich zurückstecken müssen. Das ist mir auch gar nicht schwer gefallen. Auch unsere beiden Kinder hatten so ihre Probleme mit der Situation. Nun ist mein Bruder vor 3 Monaten nach Amerika gezogen und ich würde ihn im Sommer gerne dort besuchen. ALLEINE!, ohne Familie. Ich habe das Gefühl, einfach auch mal wieder an mich denken zu müssen! Mein Mann macht mir jetzt deshalb schwere Vorwürfe. Ich weiß nicht mehr was noch richtig ist. Bin ich wohl doch egoistisch?
Kerstin

21.01.2003, 17:00
Hallo Ihr Lieben,
Egoistisch? Ja und nein. Aber irgendwie sind wir das ja alle. Auch wir Betroffenen. Manchmal ja, manchmal nein.

Aber bitte denkt immer daran, dass Euch Eure Lieben, die vom Krebs betroffen sind, unbedingt brauchen. Sie selbst können nicht einfach "flüchten" irgendwo hin gehen, und alles für eine kurze Zeit "vergessen". Irgendwann geht das vielleicht, aber dazu muss die Gesundheit schon einigermassen stabil sein.
Also, liebe Zisle51, während Dein Mann jetzt noch seine Chemo aushalten muss, wäre es ein bisschen krass für ihn, wenn Du gerade jetzt nach Teneriffa oder so verschwinden würdest.
Es sei denn, Dein Mann wäre damit voll einverstanden, und hat noch andere liebe Menschen um sich herum, was ja sehr wichtig ist.
Und es ist wieder was anderes, wenn ER diese Chemo am liebsten abbrechen und einfach mal zur Kur fahren möchte. (Aber wahrscheinlich weiss er, dass er das nicht kann, ... dass auch er weiter aushalten muss.)

Bitte sucht unbedingt das Gespräch mit Euren Männern, gell Kerstin? Wenn Dein Mann Dir schwere Vorwürfe macht, weil Du im Sommer mal alleine weg fahren möchtest, ... ist das für IHN natürlich noch unglaublich weit weg (zeitlich gesehen). Er selber lebt in seiner Krebsangst, (im Jetzt) und weiss JETZT natürlich noch nicht, WIE es ihm im Sommer gesundheitlich gehen wird. Der Gedanke, Dir da jetzt zuzustimmen, muss ihm sehr schwer fallen, und vielleicht ... fühlt er sich auch ein bisschen von Dir im Stich gelassen?
Versuche ihm in einem ruhigen Gespräch klar zu machen, dass Du dringend Pause benötigst, aber gib ihm zu verstehen, dass Du NICHT gehst, wenn es ihm wieder schlechter gehen würde. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt.

Es ist nicht einfach, abzuwägen, wann man da sein sollte, und wann nicht. Wann der Zeitpunkt für eine Pause gekommen ist, und wann nicht. Ihr könnt es wahrscheinlich nur mit lieben Gesprächen heraus finden.
Wisst Ihr, mir geht's im Moment mit meinem Krebs auch gut, und trotzdem tut es mir heute noch ein wenig weh, wenn meine Lieben einfach so in Urlaub gehen. Es ist auf eine Art verletzlich, zusehen zu müssen, wie sich die gesunden Angehörigen um ihren "normalen" Alltag kümmern, während man selber tagtäglich mit dem eigenen Krebs konfrontiert ist und Ängste aussteht. Das hat nicht gross was mit Neid zu tun, es ist ein Gefühl des ... na, Verlassen seins. (Schwer zu erklären!)
Also, ehrlich gesagt, die meisten meiner Leute GEHEN einfach, sie fragen mich nicht mal erst, ob ich sie vielleicht brauchen könnte ...!

Darum sucht vielleicht das Gespräch? Ein Betroffener weiss nichts von Eurer eigenen Überforderung, wenn Ihr immer stark seid und ihm nichts davon sagt, nicht wahr?

Ganz liebe Grüsse an Euch alle, viel Mut und Kraft, gell?
Die "krasse" Brigitte

21.01.2003, 22:34
Hallo Brigitte!
Du hast sicherlich recht, wenn Du von der Angst sprichst. Auch mein Mann hat diese Angst. Bei ihm ist es nur so, das er immer meint er mache alles zum letzen Mal! Also lebt er in einer ständigen Angst vor der Zukunft. Und so sieht er das dann auch mit meiner eventuellen Reise! Wir haben wirklich sehr viele Gespräche darüber geführt, nur ist er im Moment nur "bockig" und für keine Argumente zugänglich. Du hast vollkommen recht: wenn man nie sagt, das man gerade die Kraft nicht hat, kann der Angehörige es auch nicht nachvollziehen, wenn es dann nicht mehr geht.
Ich bin gerade in einer ziemlichen Zwickmühle. Ich weiß gar nicht mehr was ich tun oder lassen soll.
Bis demnächst, Kerstin

21.01.2003, 23:46
Ah, Kerstin,
das IST so, wenn man Krebs hat. Man hat dann sehr oft das Gefühl, alles zum LETZTEN MAL zu machen! (Ich glaube daher nicht mal, dass Dein Mann bockig ist. Ich kann ihn nämlich sehr gut verstehen.)
Dieses Gefühl, alles vielleicht zum letzten mal zu tun, ist irgendwie unheimlich, es macht Angst, und es kommt ja auch aus der Angst.
Aber es hat auch was Positives: Dieses Gefühl, etwas vielleicht zum letzten mal zu tun, ... ist viel intensiver, ja oftmals sogar schöner.
Vielleicht die letzte gute Mahlzeit?
Vielleicht der letzte Sommer?
Vielleicht der letzte Urlaub mit der eigenen Frau?

Heute, oder morgen, ... kann es immer das letzte mal sein. Für einen Krebspatienten steht diese Wahrscheinlichkeit viel näher. Auch wenn es nicht unbedingt so sein muss. Aber das Gefühl ist da.
Das kommt aus der Angst. Aber das muss nicht unbedingt negativ sein, oder?
Ich habe zum Beispiel die letzten Weihnachtstge auch so gefeiert, als wären es meine letzten. Es war ganz komisch, aber irgendwie auch ... viel schöner. Und die nächsten Weihnachtstage sind für mich doch noch soooo weit entfernt ...
Weisst Du, wie ich meine?

Ich drücke Dich ganz fest. Ich bin sicher, Du wirst bald wissen, was das Richtige für Dich und Deinen Mann sein wird.
Ganz liebe Grüsse
von der "krassen" Brigitte

Dagi
22.01.2003, 00:42
Liebe Angelika
Ich weiss schon länger ,dass ich wieder Hilfe brauche,aber der erste Schritt zu tun das ist so schwer!Die Telefonnummer von der Krebshilfe trage ich schon Wochen mit mir herum,aber eben der erste Schritt will noch nicht gelingen.Aber ich merke ja selber das ich was unternehmen muss,bevor ich wieder in einem ganz tiefen Loch sitze.Hatte vor ca & Jahren eine schwere Depression,da hat mich mein Mann zu einem Facharzt geschleppt,er konnte mein elend nicht mehr ansehen.Soweit gehts mir ja jetzt noch gut,aber ich sollte nicht wieder so lange warten!
Danke nochmals für deine netten Zeilen.
PS:
Aus welcher Gegend bist du?
Zisle aus Rankweil

22.01.2003, 01:29
Liebe Kerstin
Mein Mann kann leider nicht mehr arbeiten,er musste die Rente beantragen!Die letzten 3,5
Jahre war er noch selbständig. Was ihn so nervt ist,dass er nichts mehr auf die Reihe bringt,immer müde und schlapp ist.Ich habe das alles was seit Sept.02 zu tun war für meinen Mann immer gerne getan,aber seit einiger Zeit ist mir vieles zu viel.Wir hatten das letzte Jahr auch familiäre Schwierigkeiten(Söhne),das kam noch dazu.Fühlte mich nur noch als Dienstmagd und Putzfrau,für alle. ( Nun beide eine eigene Wohnung!)

Bei dem langen Gespräch hat unser Arzt halt auch gemerkt,dass ich am Ende meiner seelischen Kraft bin.
Vor der Erkrankung meines Mannes bin ich fast jeden Dienstag Nachmittag in eine Bastelrunde,wo sich Depressive Patienten freiwillig zusammenfinden konnten.Das habe ich 6Jahre lang gemacht.Muss dazusagen ich hatte vor den Depressionen einen Schlaganfall mit linksseitiger Lähmung,die aber immer schwächer wurde mit der Zeit.Um die linke Hand zu trainieren bin ich da ja hingegangen.Durch die Erkrankung meines Mannes musste ich leider aufhören.
Bei uns ist es ein bischen anders,mein Mann will dass ich ein paar Tage "abhaue"!Aber ich kann das doch nicht wirklich machen,und überhaupt wo soll ich denn alleine hin?
Wir waren heute in der Stadt sind an einem Ledergeschäft vorbeigekommen,er zog mich rein und hat mir einen tollen Rolley gekauft.Dann sagte er jetzt gehst du,nachher ich!Und nach der Chemo fliegen wir in den Süden!!!
Kerstin ich glaube nicht dass du egoistisch bist!
Wenn man von morgens bis abends nur noch Krankheit hört und sieht,möchte man doch nur mal ein paar Tage abschalten können,nichts anderes!
Dein Gefühl wird dich schon spüren lassen,was für Dich richtig ist!
Alles liebe und Danke für deine Zeilen!

Zisle

22.01.2003, 02:02
Liebe "krasse Brigitte"
Wie vielleicht oben gelesen möchte mein Mann ja MICH loswerden,für ein paar Tage!Wie gesagt ich gehe ihm vielleicht auch schon auf den Wecker!

ICH möchte auch nicht in den Süden,sondern er ist der Meerfan,war mal Seemann als junger Spund.
Doch wo soll ich alleine schon hin?Ich bin nicht der Typ er schnell Anschluss findet und nur im Hotelzimmer sitzen ist auch nicht das Wahre!
Meine Freundin ist vor 2Jahren gestorben,hab sonst niemand,selber schuld.
Aber ich bräuchte einfach einige Tage Ruhe,um zu mir selbst zu finden,momentan steh ich mir selbst am meissten im Wege.

Was mich auch etwas bedrückt dass niemand von unseren Bekannten oder Verwandten mal fragt wie es mir geht,immer fragt man nur wie gehts Günter,klingt vielleicht Eifersüchtig,bin es sicher auch ein wenig!Bin ehrlich!
Alles Liebe, Zisle

22.01.2003, 09:48
Hi Zisle,
Du bist ja ein richtiger Nachtschwärmer hier (grins!).
Ah, dann habe ich es falsch verstanden bei Dir. Also Dein Mann möchte, dass Du mal Pause machst und weg gehst. - Toll, Dein Mann ist da sehr verständnisvoll, trotz Chemo, die er gerade durchmacht. (Hut ab vor ihm!)

Jetzt kommt natürlich die Frage, wohin Du alleine gehen sollst. Naja, versteh' ich, ich gehe auch nie gerne alleine Reisen.
Tapetenwechsel tut aber immer gut. Vielleicht hast Du Verwandte oder so, zu denen Du mal ein oder zwei Wochen hin gehen kannst? Spielt ja keine Rolle, WO sie wohnen und leben, hauptsache, Du kommst ein bisschen raus, siehst andere Dinge und hast andere Leute um Dich herum.
Wenn Dein Mann ja damit einverstanden ist, dass Du ein bisschen abschalten kannst, dann wird er es auch okay finden, wenn ihr für ein paar Tage nur mal telefonischen Kontakt habt, denke ich.
Ein schlechtes Gewissen brauchst Du dann ja nicht zu haben, wenn Dein Mann so etwas unterstützt, oder?

Aber eigentlich geht es ja bei Dir um das "Pause machen", um etwas zu tun, das für Dich eine Erholung sein kann, gell? Wenn Du jetzt GAR nichts hast, wo Du hin gehen könntest, hätte ich da noch eine andere Idee:
Wie sieht es bei Dir aus mit Hobbies? Gibt es da etwas, das Du gerne mal tun würdest? - Keine Ahnung, ich bringe da jetzt einfach mal Beispiele, ja? Vielleicht wolltest Du schon immer mal einen Töpferkurs besuchen? Oder einen Malkurs? Oder vielleicht Strickst Du gerne?
Es gibt für alle Hobbies irgend welche Treffpunkte, Kurse usw., wo man andere Leute treffen und abschalten kann.
Wäre doch auch was, oder? Auch wenn's vielleicht nur ein oder zweimal die Woche ist, so hättest Du etwas, das zu DEINEM Vergnügen stattfindet, und wobei Du Dich wohl fühlst und ein bisschen abschalten kannst. - Dein Mann ist mit sowas bestimmt auch einverstanden.
Ist nur eine Idee, aber was meinst Du dazu?
Oder den Bastelkurs wieder aufnehmen, mit welchem Du aufgehört hast? (Da geht's ja auch um DEINE Gesundheit, ... lässt Du diese denn einfach im Stich? - Und, sag doch mal, war das damals auch im Sinne Deines Mannes, dass Du den Bastelkurs wegen IHM aufgegeben hast?)

Ich grüsse Dich ganz lieb,
bis dann, ja?
Die "krasse" Brigitte

22.01.2003, 11:46
Hallo Zisele!

Ich kann dich verstehen, es kostet Überwindung den Schritt zu tun und sich selbst einzugestehen, das man doch Hilfe braucht. Aber ich kann dir nur sagen, bitte versuche es, und rufe dort an. Vormittags zwischen 10.ooh und 12.ooh ist Frau Baldauf immer selbst am telefon und sie ist wirklich total nett und sehr bemüht.Wenn ich so lese, so ist es bei dir höchste Zeit, du bist an deinen Grenzen.Ich wünsche dir, das du es schaffst!!
Ich selber bin Betroffen und komme aus Klaus.

Alles Liebe von angelika

22.01.2003, 12:51
Hallo alle miteinander!
Ich bin Angehörige eine Krebspatienten, der im Mai 02 ein Rezidiv hatte. Ich bin nun auf der Suche nach einer geeigneten Psychotherapeutin. Ich hatte jetzt je ein Gespräch bei je einer Therapeutin, um zu schauen, wer mir besser gefällt. Gleich zu Beginn sind schon eklatante Unterschiede festzustellen. Die eine will mir in erster Linie Techniken vermitteln, die mir den Umgang mit Streß erleichtern. Sie sagt, sie will nicht weiter "in mir wühlen", weil sie denkt, daß es nun erst einmal wichtig ist, mich stabil zu halten, bzw. wieder stabil zu machen. Sie würde nur zu Themen, die ich anrege tiefer dringen.
Die andere Psychotherapeutin will "wühlen", weil sie sagt, daß mein Umgang und Leben mit meinem kranken Partner mit meinen Kindheitserfahrungen unmittelbar zusammenhängt. Ich bin grundsätzlich beiden Ansätzen aufgeschlossen, habe aber Angst, daß ich durch das Wühlen tatsächlich unstabil werde! Was meint Ihr, welche Erfahrungen habt Ihr mit Psychotherapeuten gemacht?

Gruß Claudi14

Kerstin63
22.01.2003, 13:54
Hallo Claudi14,

ich hatte dir in diesem Forum im letzten Jahr schon mal zu diesem Thema geschrieben. Inzwischen bin ich von der "Warteschleife" mit gelegentlichen Terminen zur Überbrückung richtig aufgenommen und habe meine Verhaltenstherapie begonnen.

Zu Beginn hatte man mir es ähnlich wie Dir erklärt, d.h. es gibt im wesentlichen die Möglichkeit einer Analyse (nach welcher Methose auch immer) in welcher die Ursachen für "Störungen", Ängste usw. aufgearbeitet werden, da geht man auf jeden Fall intensiv in die Kindheit usw., meistens sind die Analysen langfristig ausgelegt, und soweit ich weiss liegt man auch bei einer Analyse.

Bei einer Verhaltenstherapie ist der Ansatz sozusagen praktischer, d.h. man stellt sich den vorliegenden Problemen und versucht über Verhaltensänderung die Probleme zu lösen. Ich hatte erst ca. 8 oder 10 Termine bei meinem jetzigen Therapeuten und mir tut es sehr gut. Ich habe das Gefühl jedes Mal etwas weiter zu kommen, natürlich wird das alles dauern aber soweit läuft es für mich sehr positiv. Für mich ist es auch OK dass es ein Mann ist. Ich kann auch jedes Mal anprechen was ich möchte. Gefunden habe ich ihn über die Empfehlung eines Psychiaters der demnächst in Rente geht + darum mit mir keine langfristige Therapie mehr beginnen konnte, und diesen hatte ich einfach aus den Gelben Seiten. Ich glaube du musst keine Angst haben davor dass du dadurch instabiler wirst, denn schliesslich wird nicht nur einfach "gewühlt" und du dann damit allein gelassen.... letztendlich musst du dich den Dingen ja auch stellen um weiter zu kommen. Auch in der Verhaltenstherapie spricht man natürlich über Kindheit, Eltern, Freunde, Erinnerungen usw.. Meine Freundin hat gerade ihre Langzeitanalyse beendet (über ca. 2 Jahre, 3 mal pro Woche, "auf der Couch")und dieser Weg war für sie der Richtige, ich habe den anderen gewählt und bin auch sehr zufrieden und zuversichtlich auch wenn ich erst am Anfang stehe. Vielleicht musst du dir mehrere Therapeuten mal ansehen, die Chemie + Vertrauensverhältnis sind ja sehr wichtig, und natürlich muss der Therapeut über die Kasse abrechnen dürfen. Ich habe gerade meine Zusage von der KK bekommen, wie mein Therapeut gesagt hatte ist es eine Regelleistung und kein Problem genehmigt zu bekommen vor allem wenn es das erste Mal ist. Wenn du noch Fragen hast schreib gern.

Alles Gute
Kerstin63

22.01.2003, 14:44
Liebe Brigitte,

ja ich bin ein Nachtschwärmer,immer schon gewesen,aber in letzter Zeit ist es extrem,vor 3,4h geh ich kaum ins Bett,weil ich nicht schlafen kann. Spazieren,baden usw... helfen nichts mehr,kann einfach nicht mehr abschalten.
Ja mein Mann ist ein ganz lieber,er denkt immer zuletzt an sich! Er ist der älteste von 10 Kindern!Kennt es nicht anders,da sein Vater sehr früh gestorben ist.
Die Bastelrunde habe ich aufgehört,weil ich nach 6Jahren auch nicht mehr wusste was ich noch machen sollte. Mit der Zeit war es immer dasselbe.
Teddys,Puppen Stofftiere,Polster,Weihnachtsdeko,usw.....
Habe die ganze Verwandschaft beschenkt damit,da meine Wohnung schon überfüllt war!
Auch wollte ich nicht immer mit Krankheit konfrontiert werden,zumal es mir da immer besser ging!
Ich bin auch alle 14 Tage in eine Frühstücksrunde gegangen,wo zwei Psychologinen alle möglichen Themen besprochen haben,Ärzte kamen,konnten Fragen stellen,wir haben zusammen gemalt,haben Tagesausflüge gemacht,gingen zum Fasching maskiert,und und und!!!!!Dort konnte man aber nur für eine bestimmte Zeit,das auch neue Patienten
die Chance hatten.

Ich denke dass ich meinen Nervenarzt wieder

aufsuchen sollte,bin wieder auf der Kippe.

Ich nehme schon länger Seropram,ich denke die helfen nicht mehr.
Infusionen werde ich wohl wieder brauchen!

Erst danach ist es denke ich sinnvoll,einige Tage zu "verschwinden".

Vor vielen Jahren als meine beiden Buben noch sehr klein waren ist mir auch mal die Decke auf den Kopf gefallen,aber mein Mann wollte nicht in Urlaub. Da flatterte ein Prospekt von einer Werbe fahrt ins Haus!
Bis zu dem Zeitpunk wo mich mein Mann zur Bushaltestelle brachte hatte er nicht geglaubt dass ich das alleine mache,10 Tage Insel Rügen,Berlin,Polen.Ich hatte sofort Anschluss,davor hatte ich am meisten Bammel!
Bestellt habe ich natürlich nichts!!!!
Ich habe einige Jahre davon gezehrt,es hat mir gutgetan.
Mein Mann erinnert mich immer daran,sagt weisst Du noch wie gut dir, aber auch mir das getan hat.
Ich denke auch er wäre froh wenn ich ein paar Tage mal " verschwinde" denn ich nerve ihn schon,würde ihn öfters bevormunden sagt er,was ich aber sicher nicht bewusst tue.
Zu Verwandten möchte ich nicht,wir sehen uns ja
öfters.
Andere soziale Kontakte habe ich keine,bin wie oben beschrieben,aber selbst dran schuld,und in den 4Wänden kann ich nun mal auch keine Kontakte knüpfen.
Da ich und mein Mann uns die letzten Jahre als kleine Messies entwickelt haben,getrauten wir uns immer weniger Bekannte einzuladen,suchten immer Ausreden,dass ja niemand unangemeldet kam.
Ich habe keinen Dreck,das mag ich garnicht leiden,aber eben viel zu viel,was sich angesammelt hat.Die letzten Monate haben wir aber sehr viel entsorgt,und wieder den Flohmärkten gespendet. Aber es ist immer noch zu viel!
Das belastet uns Beide,dass wir das nicht auf die Reihe kriegen.Aber wir sind auf dem Weg!
Wir haben eine 100qm Wohnung da hat eben viel Platz!
So ich höre ,mein Soh ist gerade eingetrudelt,mag sicher was essen!
Alles liebe Zisle

22.01.2003, 15:36
Liebe Zisle,

ersteinmal ganz kräftig gedrückt.

das du nicht allein in den urlaub irgendwo in den süden willst, kann ich verstehen.

aber wie wärs denn einmal mit einem verlängerten "wellness-wochenende" (jetzt ja ganz gross in mode) irgendwo in der etwas näheren umgebung ? dort wirst du von morgens bis abends verwöhnt, massagen, bäder, packungen, gutes essen, vielleicht ein bisschen schwimmen und spazierengehen ?
vielleicht hilft es dir, wieder ein wenig kraft zu tanken, mit abstand etwas nachzudenken und einfach nur ein bisschen seele baumeln lassen, damit du den kopf ein bisschen freier bekommst.
es muss ja nicht gleich ein längerer aufenthalt ganz weit weg sein. so kannst du im bedarfsfall jederzeit schnell nachhaus und hast trotzdem ein bisschen abstand.

ganz liebe grüße

heike

22.01.2003, 19:19
Hallo Kerstin63!
Vielen Dank für Deine Erklärungen. Ich denke, die Zeit wird es zeigen, mit welcher Therapeutin ich klar kommen werde. Und ich bin sehr froh darüber, daß ich nun zumindest einen Anfang gemacht habe. Ich war gestern nach der Sitzung nur ziemlich durcheinander.Und ich möchte mich eigentlich nicht auch noch mit weiteren Dingen belasten, die meine Kindheit usw. angehen oder die meine Beziehung belasten oder sie in Frage stellen.
Vielleicht komme ich aber da auch nicht drum herum.

Es tut sehr gut, zu lesen, daß auch andere Probleme in ihrer Paar-Beziehung haben, ausgelöst durch die Erkrankung. Dieses schlechte Gewissen, dass man trotz Krankheit so böse miteinander umgehen kann, ist schon erschreckend. Das ist schwer zu verstehen und manchmal auch nicht leicht zu ertragen. Und dann wieder das Gefühl: "Jawoll, das musste jetzt gesagt werden. Es musste raus."

Ach, es ist nicht leicht, aber wir dürfen nicht verzweifeln...

Mit einem Gruß an alle!
Claudi14

22.01.2003, 19:39
Hallo Zisle,
ja, die Idee von Heike ist auch sehr gut! Ein Wellness-Wochenende, woaw! Finde ich sogar eine super Idee! - Vielleicht eine ganze Woche mal Wellness? (Boh-eh, ich würde gleich mitkommen!)

Kann ich verstehen, wenn Du da sechs Jahre lang gebastelt hast, und es dann irgendwann eben doch immer das selbe wurde. - Irgendwann hat man dann ja auch wirklich genug gebastelt!
Gibt es sonst noch was, das Du gerne tun würdest? Oder: Wenn Du Dir etwas wünschen könntest - für DICH - was würdest Du Dir wünschen? - Könntest Du Dir diesen Wunsch erfüllen? (Ist eine ganz wichtige Frage, wenn man sonst so viel für jemand anderen aufopfert, finde ich.)

Na, wie auch immer, Du hast Dir jetzt ganz sicher mal eine Pause verdient. Mit etwas Schönem, oder eine kleine "Verwöhnung". Und wenn Deine letzte Reise da mit dem Car schon ein paar Jährchen her ist, dann wird es also wieder mal Zeit dafür.
Weisst Du, ich bin jetzt ganz fest davon überzeugt, dass Du voll und ganz für Deinen Mann da bist, egal was auch passieren mag. Dein erstes Mail habe ich wohl ein bisschen falsch interpretiert, sorry, gell? (Es klang für mich so ein bisschen nach ... dem Wunsch nach "Flucht". Was ja eigentlich auch verständlich ist.) Aber inzwischen ist mir klar, dass Du ganz dringend eine Pause benötigst, hm-hm! Kein Problem, Zisle, vor allem nicht, wenn Dein Mann voll damit einverstanden ist. Eigentlich ist das sogar toll, findest Du nicht auch?

Wellness? Aaaah!
Mach Dir keine Sorgen wegen dem "Anschluss", damals hat es auch geklappt, oder? Zudem: Du tust es ja in erster Linie für Dich. DU kommst jetzt mal zuerst. Alles andere ergibt sich dann wie von selbst, auch der "Anschluss".
Wellness? Soooo schön!
Du kannst Dich verwöhnen lassen, und gleichzeitig in Kontakt mit Deinem Mann bleiben. Es wird ihm - so wie es aussieht - ja auch gut tun (lach!). Und letzten Endes hat er eigentlich MEHR von Dir, wenn es Dir wieder gut, bzw. besser geht, nicht wahr?

Pause machen tut immer gut. Pause machen bedeutet nicht, für den anderen nicht mehr da zu sein. Pause machen ist okay, wenn es für beide Parteien stimmt. Pausen machen sind notwendig für die Gesundheit.
Dafür hört jede Pause irgendwann wieder mal auf. Meistens zu schnell. Und dann fängt der Alltag ja eh wieder an.
Drum gönn Dir ruhig wieder mal was.
Damit Du wieder durchschlafen kannst.
Damit Du für Deinen Mann stark sein kannst.
Damit Deine eigene Gesundheit erhalten bleibt.
Damit Du wieder lächeln kannst, ja?

Alles Liebe von
der "krassen" Brigitte

Dagi
22.01.2003, 20:26
Hallo Heike,hallo Brigitte
Die idee mit der Wellnesswoche hatte mein Mann auch,ist aber nicht wirklich was für mich!Bei Grösse150 fast 90 Kilo,ist das so eine Sache!Mein Selbstwert ist am Boden,getraue mich nicht mich massieren zu lassen,oder in eine Sauna.Meinem Mann zuliebe sind wir vor ein paar Wochen in die Nähere Schweiz in ein Thermalbad,nach Bad Ragaz.
Habe mich garnicht wohl gefühlt,dann bringts ja auch nicht viel.
Ich habe mir schon länger etwas überlegt,und werde es auch tun,nur wann? ist die Gretchenfrage. Da ich ja erst seit kurzem am PC bin,ich die Söhne nicht mehr fragen kann,könnte ich doch einige Stunden Nachhilfe nehmen,zumal ein guter Kollege meines Mannes,eine Schule für Nachhilfe hat.
Doch dringender ist glaube ich für mich der Arztbesuch,das habe ich nun erkannt.
Ich brauche immer jemanden der mich an die Hand nimmt,oder mir Bildlich einen Arschtritt verpasst.
Ich muss wirklich schauen dass ich wieder stabil werde,sonst nütze ich meinem Mann nicht,und wie du schreibst ,damit ich wieder lächeln kann!
Danke für eure Zeilen, Zisle

22.01.2003, 20:52
Hm, ja Zisle, (lächel!), ist gar nicht so einfach, Dich an die Hand zu nehmen ...

Okay, Arztbesuch wird das Beste momentan für Dich sein. Vielleicht kann ER Dir ja eine kleine Kur verschreiben? (Wäre doch auch super, oder?)

Und Nachhilfe im Computer? Ja, gute Idee! Wenn es Dir Spass macht und Du Interesse hast? - Ist aber auch eine hartnäckige Konzentrationssache, da wird man schnell mal müde! Aber vielleicht hilft es Dir dann ... zum Einschlafen?
(Ich mach Scherze, Zisle, gell? Vielleicht lächelst Du jetzt ja!)

Ich drück Dich ganz fest!
Bis dann, ja?
Liebe Grüsse von
der "krassen" Brigitte

22.01.2003, 22:54
Hallo Brigitte, hallo Zisle!
Ich habe nur einen Tag Computer-Pause gemacht und schon ist wieder eine ganze Seite voll in diesem Forum!
Also Brigitte: wir haben uns da etwas mißverstanden- mit BOCKIG meine ich nicht die Stimmung meines Mannes, sondern seine Wutausbrüche. Er hat vor ein paar Tagen vor lauter Wut über unseren mal wieder nicht funktionierenden Computer ein Schränkchen kaputt geschlagen. Versteh mich nicht falsch, diese Wutanfälle hat er immer mal wieder gehabt, das kenne ich schon. Aber seit er meint alles zum letzten Mal zu machen (Weihnachten war bei uns auch so), werden diese Anfälle immer häufiger und vor allem auch heftiger. Es vergeht kaum eine Woche an der nicht irgendwas kaputt geht. Seine Psychologin meint dazu nur, er solle sich einen Ausgleichssport suchen. Ich weiß aber auch nicht, ob er der alles erzählt!
Ich habe mich jetzt jedenfalls entschlossen, im Sommer in die USA zu meinem Bruder zu fahren. Dann kommen meine Schwiegereltern und passen auf die Kinder auf. Mein Mann akzeptiert das und kann auch damit zurecht kommen m- sagt er jedenfalls. Schaun`wir mal.
Gruß, Kerstin

22.01.2003, 23:02
Hallo Zisle!
Die Idee mit dem Wellness-Wochenende ist doch wirklich nicht schlecht. Kannst Du Dich vielleicht besser entspannen, wenn Du in ein Hotel oä. gingest, das etwas weiter weg ist von zuhause? So nach dem Motto: hier kennt mich ja Niemand? Ich bin auch nicht gerade dünn und gehe nicht gerne im Badeanzug durch die Gegend, aber damit könnte ich glaub ich leben!
Das mein Mann wieder arbeiten kann, ist sehr gut. Er liebt seinen Beruf sehr und wenn er mit 30 Jahren schon in Rente geschickt worden wäre, wäre das sein Ende gewesen.
Übrigens ist Deine Idee mit dem Computer-Kurs doch auch nicht schlecht.Wenn auch bestimmt nicht so erholsam wie ein freies Wochende.
Der Taufspruch meiner Tochter lautet: Überlege genau, was du tun willst und dann tue es entschlossen. Ich finde das paßt zu Dir und auch zu mir im Moment ziemlich gut, oder?
Also, ich habe mich entschieden!( Hoffentlich richtig)
Liebe Grüße, Kerstin

Dagi
23.01.2003, 13:03
Hallo Kerstin,hallo Brigitte,
Eine Hiobsbotschaft folgt der nächsten!
Vor einer Stunde bekam ich von meiner Schwägerin die telephonische Nachricht, dass mein Bruder notfallmässig ins Krankenhaus gebracht werden musste.
Er hatte immer Magenschmerzen ,hat anstatt mal zum Arzt zu gehen lieber gerne getrunken!Seine Frau hat ihn nun so lange bekniiet bis er endlich mal
zum Arzt ging. In die Röhre!
Er wurde garnicht mehr nach Hause gelassen es sei zu gefährlich,müsse sofort operiert werden,ein grosser Tumor in der Leber und noch einem Organ. Hab in der Aufregung vergessen wo noch!
Bin fix und fertig!!
Bin am Nachmittag natürlich gleich im Krankenhaus. Meine Schwägerin hat weder Auto noch Führerschein.
Vor ein ppar Wochen rief mich meine Cousine aus der Schweiz an ihr Mann hätte auch Ausfälle an der linken Hand!
Da sie unsere Geschicht ja kennt ,war sie auch in grosser Panik,ich auch ,gottlob ist es bei ihm kein Tumor,obschon die Ärzte im nahelegten,er solle nur noch 50% arbeiten,aber nein er macht es natürlich nicht!!Ob das lange gutgeht?! Bei ihm liegt es am Stress,Sauerstoffzufuhr ist nicht ok.
So ,ich bin wieder voll auf 100,wie soll ich da nur zur Ruhe kommen. Ich lande bald in der Klinik,wenn das nicht bald mal aufhört!!
Eine verzweifelte,Zisle

23.01.2003, 18:56
Ach Zisle, lass Dich nochmal ganz fest von mir drücken, ja?
Das ist ja wirklich mühsam und hört nie auf!

Aber schau (ich nehme Dich jetzt an die Hand, spürst Du's ..?), vergiss nicht DICH SELBER bei all dem Schlimmen um Dich herum, okay? Sei da für die anderen, aber schau jetzt auch auf Dich. Nimm Dir ein entspannendes Schaumbad heute abend, oder verwöhne Dich mit etwas, das Dir gut tut. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist.
Und dann nimm Dir vor, Deinen eigenen Arzttermin festzulegen, ja? Heute. Spätestens morgen, okay? Tu es einfach. Du wirst sehen, sobald Du den Schritt getan hast, wirst Du etwas ruhiger werden, denn Du hast dann bereits etwas für Dich getan, etwas für DICH in die Wege geleitet.

Geniesse Dein Schaumbad in vollen Zügen, oder was Du sonst gerade für Dich tust, gell?

Ich denk an Dich.
Ganz liebe Grüsse
von der "krassen" Brigitte

23.01.2003, 19:16
Hi Kerstin,
will Dir auch noch liebe Grüsse schicken.

Ach ja, dieses "bockig" hat wohl verschiedene Gesichter?
Ist schon ein Teil dieser Wut, die man in sich haben kann beim Krebs. Da können schon solche Aggressionen raus kommen. Natürlich nicht bei jedem. Ist ja jeder anders.
Ich selbst habe aber auch entdeckt, dass da tief in mir drinnen was steckt, das unbedingt raus muss. Also habe ich mir letzten Sommer einen Boxsack angeschafft! Inklusive Boxhandschuhe! (Bevor ich mein ganzes Geschirr zerdeppert hätte, hm-hm!) - Macht sogar noch Spass, das Ding!
Wäre vielleicht ja auch eine Idee für Deinen Mann?

Ganz liebe Grüsse
von der "krassen" Brigitte

23.01.2003, 22:33
Ach Brigitte!
Ich Danke dir so fürs Händchen halten,genau das brauche ich!
Den Arzttermin muss ich machen bevor ich noch in die "Klapse" eingeliefert werde,aber vor nächster Woche nicht möglich. Ich bin heute eine Stunde mit dem Hund der Freundin meines Sohnes laufen gegangen! Hat mir unheimlich gut getan,das werde ich jetzt öfters tun.

Was mich immer mehr nervt ist der Spruch aller um mich rings herum,du musst jetzt stark sein,kann es aber nicht mehr,irgendwann ist die Batterie leer.
Nun ist sie leer!!

Ich hoffe ich kann sie bald wieder füllen, Zisle

24.01.2003, 02:20
Hallo

zur zeit fällt es mir aus rgendeinen grund schwer, mich regelmäßiger zu beteiligen. wollte aber Kerstin und auch Zisle 1 sagen...

Tut Euch bitte selber den Gefallen, und denkt auch an Euch. Es ist nämlich keineswegs egoistisch, auch mal an sich zu denken. Auch mal etwas Abstand zu allem bekommen und die Batterie aufzutanken.
Eigentlich ist etwas Egoismus im Leben sogar das beste, was einem passieren kann.
Denn das heißt für mich nur, das Derjenige gelernt hat, für sich zu sorgen. Und wenn man/frau das bisher nicht gelernt hat, bedeutet es nicht, es jetzt nicht doch einmal lernen zu können. Ich habe 46 Jahre gebraucht und viele, viele Erkrankungen. Jetzt durch meine Krebserkrankung habe ich endlich die richtige Richtung (für mich - ich kann ja nicht sagen, das es für Jedem die richtige Richtung ist)entdeckt :-)

@ Kerstin noch einmal. Dieses Gefühl zu haben, es ist das letzte mal, das ich "das oder das" mache, kenne ich auch sehr gut. Geht mir seit einiger Zeit eigentlich nicht anders. Es muss ja gar nicht so sein, aber es könnte eben so sein. Keiner von uns weiß das hier. Jetzt gab und gibt es wohl dann auch mindestens 2 Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich selber habe mich endlich dazu entschieden, es dann wenigstens so richtig zu genießen. Nicht darüber nachdenken, was mir vielleicht verloren geht - sondern darüber nachdenken, was mir dieser eine Tag, dieses eine Erlebnis dann noch so zu bieten hat. Ich sauge zur Zeit alles einfach nur auf. Ich verliere gar nichts - sondern dadurch gewinne ich fast jeden Tag etwas hinzu.
Und wenn es dann eben im nächsten Jahr doch noch dazu kommt, diesen einen Tag, dieses eine Ereignis noch einmal zu erleben, dann hatte ich in diesem Jahr diesen schönen Tag - und eben im nächsten Jahr noch einmal einen solchen Tag, oder noch einen schöneren?
Es gibt die Tage, wo ich einfach in Löcher verschwinde - wo alles um mich herum versinkt. Aber das gute an Löchern ist, das man da wieder rauskrabbeln kann, ist nicht immer ganz so einfach, aber es gelingt doch mittlerweile immer wieder ganz schön schnell.

wünsche allen einen schönen Tag
elisabeth

24.01.2003, 14:28
Hallo Elisabeth!
Danke, für Deine Worte. Es wird immer schwieriger richtige Entscheidungen zu treffen. Ich hatte mich ja eigentlich fest entschlossen in die USA zu fliegen, nun machen mir meine Schwiegereltern einen Strich durch die Rechnung. Sie wollen zu der Zeit, wenn ich fliegen wollte, auch in den Urlaub in den Schwarzwald fahren. Somit habe ich keine Betreuung für die Kinder und das ganze Vorhaben fällt ins Wasser.
Wie konnte ich nur so dumm sein, mich vorher schon darauf zu freuen?
Bin ziemlich gefrustet!
Gruß, Kerstin

25.01.2003, 09:58
Hallo Kerstin

mh - jep, das ist wirklich ein wenig blöd. Aber muss es denn unbedingt dann zu dem Termn sein?
USA gibt es immer, und Flüge dorthin doch auch? Vielleicht kannst Du Dich mit dem Gedanken anfreunden, den Flug um 4 Wochen zu verschieben?
Oder hast Du oder Dein Mann Geschwister, die nicht so weit weg wohnen? Tanten und Onkel können doch auch mal auf die Kids aufpassen. Müsste doch mglich sein, Dir diese Freude zu erfüllen.

Dein Bruder freut sich sicherlich auch ein paar Tage später über Dein Kommen.

Gib den Plan nicht auf Kerstin. Ein bißchen Belohnung für all die Zeit hast Du Dir auch verdient. Und, es führen immer viele Wege zum Ziel :-)

viele Grüße
elisabeth

26.01.2003, 14:45
Hallo Elisabeth!
Leider ist es nicht möglich, später oder früher zu fahren. Vorher sind hier noch Schulferien - da bekomme ich keinen Urlaub und nachher bekommt mein Bruder im Amiland keinen Urlaub. Mehr Geschwister habe ich leider nicht und auch sonst keine Verwandten in der Nähe, die dann Zeit und Lust hätten. Das Problem ist auch, das mein Mann 24 Stunden Dienst hat. Dh. er geht morgens um 8.00 zum Dienst und kommt erst am nächsten morgen um 8.00 Uhr wieder nach Hause.Tagsüber könnte ich die Kinder wohl unterbringen, aber nachts ist das Problem. So ganz habe ich die USA auch noch nicht aufgegeben, aber es sieht nicht sehr gut aus.
Trotzdem Danke, für Deine Vorschläge!
Kerstin