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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geht's Euch auch so?!


sanna53
08.11.2012, 19:47
Hallo, hab schon mal geschrieben wegen Problemen mit Sondennahrung über die PEG, das hat sich bald erledigt, da mein Mann dann Nahrung über den Port erhalten hat. Der hat sich leider entzündet und wir haben das gleiche Problem jetzt wieder. Mein Mann ( spk- drittes rezidiv seit 1996) lehnt die PEG-Nahrung mittlerweile ab. Nächste Woche soll er wieder einen Port bekommen, ich hoffe dass dies auch geht, da er mittlerweile nur noch Haut und Knochen ist. Die Chemotherapie plus Bestrahlung sind seit einiger Zeit vorbei, aber er hat leider alle Nebenwirkungen mitgenommen. Nach 200 ml Sondenkost per PEG ist er voll bis oben. Mein eigentliches Problem ist, dass er immer ungerechter und bissiger mir gegenüber wird. Ich kann ihm nichts mehr recht machen, selbst Arzttermine sind mit einer sinnlosen Diskussion verbunden. Wenn er nach etwas Sondennahrung voll ist bin ich schuld dran. Weiß gar nicht mehr wie ich mich verhalten soll. Kennt jemand von Euch diese Art mit Angehörigen umzugehen? Ich trau mich schon nicht mehr mal fragen, ob ich was zu essen machen soll( er kann alles essen). Bin um jede Antwort dankbar, weil ich nicht mehr weiß was ich noch tun soll. Beim verhungern zusehen kann ich nicht, essen wird entsorgt und selbst nach 200ml bin ich Schuld an seinem Zustand ?! Vielen Dank mal in voraus für Eure Antworten, vielleicht hat ja jemand ein gleichen Erfahrungen gemacht wie ich- die böse Ehefrau, der man jeden Tag einen neuen ungerechten Text reindrücken muss. Liebe Grüsse

Mirilena
08.11.2012, 21:37
Liebe Sanna,

solche Erfahrungen habe ich nicht gemacht, aber ich habe oft davon gehört, dass die Chemo auch psychische Nebenwirkungen hat. Dass Menschen ihr Wesen verändern, aggressiv und ungerecht werden... Es muss sehr, sehr schwer für dich sein, diese Reaktionen deines Mannes zu ertragen und nicht persönlich zu nehmen. Denn persönlich nehmen darfst du das nicht. Wenn ich bedenke, dass ihr bereits seit 1996 kämpft... Das ist verdammt hart. Ich hoffe, dass dir hier ganz viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen schreiben und dir hilfreiche Tipps geben können.

Kann dein Mann über seine Gefühle sprechen? Wenn ja, wäre es vielleicht denkbar, dass er das Gespräch mit einem Psychoonkologen sucht? Ich denke, du tust bereits alles, was in deiner Macht steht, um deinen Mann zu unterstützen, zu begleiten und ihm alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Mehr geht nicht! Und vielleicht wäre es auch gut, wenn du Hilfe in Anspruch nehmen könntest. Und wenn du dich einfach nur mal bei jemanden über die derzeitige Situation ausk... könntest. Wenn nicht, dann tu es hier im Forum!

Ganz liebe Grüße
Miriam

sanna53
10.11.2012, 10:58
Hallo, hallo Miriam,danke dir erst mal für deine Antwort.psychoonkolgische Gespräche lehnt mein Mann ab, für ihn ist das "jammern".einmal haben wir zusammen in einer onkologischen Fachklinik eins gehabt, er hat alles schön geredet, Zuhause sei alles gut, er könne Zuhause auch essen. Das ist das gleiche wie Hilfe und Unterstützung annehmen, das fällt ihm schwer. Natürlich versuche ich seine Boshaftigkeit nicht ernst zu nehmen, denke er ist frustig und seine Wut muss raus. Aber jeden Tag so zu leben ist einfach nichts. Ich dachte wir stehen auch den Mist gemeinsam durch, leider komme ich mir die letzte zeit vor wie ein Fremdkörper im eigenen Haus. Ich trau mich schon gar nicht mehr fragen, was er essen will. Wenn er stationär muss bin natürlich ich dran Schuld. Er denkt ich will ihn los werden. Zum Glück habe ich wenigstens gute Freunde zum reden. Aber es sollte mal ein Gespräch mit ihm stattfinden, es gibt so viel zu besprechen, aber ihm ist immer alles egal. Ich frage mich oft, wie andere Paare so mit der Krankheit leben, wenn ich im Forum lese habe ich immer das Gefühl da wird zusammen gehalten. Aber es kann doch nicht sein, dass nur mein Partner sich so verändert hat? Liebe Grüße -Sanna

Mirilena
10.11.2012, 18:13
Liebe Sanna,

nein, ich glaube auch nicht, dass nur dein Mann sich so verändert hat. Bestimmt gibt es zahlreiche Menschen, denen es ähnlich geht wie dir und die auch das Gefühl teilen, manchmal am liebsten weglaufen zu wollen... Das zumindest käme mir in den Sinn... Es ist sehr mutig von dir, deine Gefühle hier zu benennen. Ich kann mir vorstellen, dass viele sich nicht trauen, auch negative Gefühle hier zu äußern, weil sie dann ein schlechtes Gewissen haben. Meine Mutter meinte, mein Vater hätte sein Wesen auch sehr durch die Chemo verändert. Er sei ihr gegenüber oft maulig und manchmal auch sehr ungerecht gewesen. Davon habe ich nichts mitbekommen, aber ich war ja auch nicht 24 Stunden am Tag dort. Manchmal konnte meine Ma damit umgehen und manchmal ist ihr der Kragen geplatzt (was ich durchaus nachvollziehen kann). Dann hat sie meinem Vater wohl auch die Meinung gesagt so nach dem Motto "Bis hierhin und nicht weiter! Hier ist eindeutig meine Grenze erreicht!" Später hat mein Vater sich dann wohl auch entschuldigt, wenn er über sein Verhalten nachgedacht hatte. Er hat sich auch geweigert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wollte lieber alles mit sich selbst ausmachen und Gespräche über die Krankheit, die Konsequenzen etc. gingen immer von meiner Mutter aus... Erst als sich im Januar dieses Jahres die Situation zuspitzte, d.h. als mein Vater wieder ins Krankenhaus musste und dann die Aussage "Sie sind austherapiert" kam, konnte er sich für ein Gespräch mit der Psychoonkologin entscheiden. Und Sanna, du glaubst nicht, wie gut ihm das getan hat. Anschließend hatten wir das Gefühl, als habe man ihm Felsbrocken von der Seele genommen. Er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb und er hatte seinen Frieden geschlossen. Da konnte er sich öffnen und Nähe zulassen.
Sag mal, kannst du deinem Mann sagen, wie du dich fühlst, wenn er so ungerecht reagiert und dich so behandelt? Weiß er, wie verzweifelt und traurig du bist?
Ich kann ja verstehen, dass dein Mann total wütend ist auf die ganze Welt, mit seinem Schicksal hadert und dass ihn das alles verändert hat. Aber ich finde es wichtig, dass er erkennt, dass du immer an seiner Seite kämpfst, zu ihm hältst und dass seine Krankheit auch dein Leben extrem verändert hat. Ich wünsche dir von Herzen, dass ihr wieder einen besseren Zugang zueinander findet. Und pass gut auf dich auf, denn auch du bist wichtig!!!
Liebe Grüße
Miriam :pftroest:

sanna53
10.11.2012, 20:48
Hallo Miriam, hab mich über Deine Antwort grad sehr gefreut. Heute war wieder ein furchtbarer Tag, hab mich bis jetzt zu einer Freundin geflüchtet. Mein Mann war den ganzen Tag beleidigt, weil ich heute morgen gebeten habe, er möge doch normal mit mir reden und nicht immer so bissig sein. Die Folge war, dass er heute so eine Art Hungerstreik gemacht hat, wobei ich nicht weiß, ob er wirklich nichts essen wollte oder nix runtergebracht hat. Er redet eben nicht mit mir. Als ich jetzt Heim kam war er schon im Bett. Normalerweise geht er immer sehr spät schlafen, also weiß ich wieder nicht was los ist. Er/wir wissen eigentlich nichts, das Ergebnis vom PET- ct steht ja noch aus. Jedenfalls tuts weh zuzusehen wie er jeden Tag weniger wird. Ich glaube, er ist sich selbst nichts mehr Wert, da er sich ja immer über Arbeit identifiziert hat. Nun geht's nicht mehr. Leider kommt von ihm auch kein Zeichen, dass er sich mal aufrappeln will, isst und trinkt. Ich kann die Situation nicht einschätzen, damit meine ich kann er nicht oder will er nicht. Er ist schon immer sehr stur gewesen, hat immer seine Meinung durchgesetzt, jetzt kenne ich seine Meinung nicht mehr. Ich habe jeden Tag Angst, dass es sein letzter Tag sein könnte, dann denke ich mir die Energie zum schimpfen hat er noch. Bin momentan ganz schön fertig, weil unrecht tun will ich ihm ja auch nicht.
Gesagt wies mir geht habe ich ihm oft, aber ich glaube das es nicht angekommen ist. Das ich immer für ihn da bin ist wohl mittlerweile eine Art von Belastung für ihn- er war ja immer der starke, der Macher eben.
An mich denken sollte ich, das sehe ich jeden Tag so. Besonders weil meine Krankenkasse mir immer mehr Ärger macht wegen meiner Depression,deshalb bin ich seit Mitte August krank. Mein Arbeitgeber wird auch Ärger machen, klar. Aber ich hab mir immer gesagt, mein Mann kommt zuerst, alles andere ist ist unwichtig.
Nun bin Ich am überlegen, ob ich den Dingen seinen Lauf lassen soll, Zuhause mein Mann, der mich irgendwie jeden Tag ablehnt, evtl wäre es besser an mich zu denken, auch wenn's schwer ist wieder zu arbeiten - hab da aber zur zeit keinen klaren Kopf dafür. Leide da psychisch so sehr mit ihm. Ich denke auch, dass er weiß, dass ich viel für ihn mache, aber es scheint ihm auch egal zu sein.
So, nun hab ich schon wieder viel zu viel geschrieben - danke fürs lesen/ zuhören. Liebe Grüße! Sanna

Mirilena
10.11.2012, 22:38
Liebe Sanna,

ach, das tut mir so leid! Es ist furchtbar, wenn der Partner so reagiert und einen mit Nichtachtung straft. Das ist schlimmer, als wenn er schreien und toben würde, oder?

Ich denke, du hast schon ganz gut für dich herausgefunden, was deinen Mann so umtreibt. Wenn er sich hauptsächlich in seinem Leben über die Arbeit identifiziert hat und stolz darauf war, für seine Familie sorgen zu können, ist es für ihn ungleich schlimmer, wenn dieser Part jetzt weggebrochen ist. Da muss er sich unweigerlich wertlos fühlen, auch wenn er das keinesfalls ist. Und bestimmt fällt es ihm sehr schwer, dass er jetzt sozusagen diese "Rolle" an dich abgeben musste. Nichts von dem, was ihn einmal ausmachte, kann er noch tun. Das muss sehr schwer sein, dies zu akzeptieren und anzunehmen. Schade, dass er jedoch außer Acht lässt, dass er eine tolle Beziehung und eine wunderbare Frau hat, die 100% hinter ihm steht! Vielleicht sieht er es aber auch und weil er mit sich selbst so ein Problem hat, verhält er sich dir gegenüber so ungerecht. Aber das sind alles nur Spekulationen meinerseits.

Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass du dir Auszeiten nimmst. Zeiten, in denen du etwas für dich tust, dir etwas Gutes tust, denn auch du brauchst auch dringend kleine Inseln, um Kraft zu tanken. Wie schön, dass du zumindest gute Freunde hast, mit denen du offen reden kannst.

Bist du denn wegen der Depressionen in Behandlung? Auch das wäre wichtig für dich. Was die Arbeit angeht... wenn es dir psychisch nicht gut geht und du Depressionen hast, wäre es jetzt keine gute Idee, wieder in den Job einzusteigen. Das wäre eine zusätzliche Belastung für dich, die du nun nicht gebrauchen kannst.

Ach, Sanna, ich schicke dir ein großes Kraftpaket und jede Menge Sonnenstrahlen und hoffe, dass dein morgiger Tag besser sein mag!!!
Liebe Grüße und schlaf gut,
Miriam

sanna53
11.11.2012, 10:51
Hallo! Ja es wäre wohl besser wenn mein Mann mal toben würde und seine aufgestaute Wut mal rauslassen würde. So würde ich wenigstens mal wissen was los ist. Ich kann nie unterscheiden, ob er nun einfach nicht mehr will und psychisch nicht mehr kann, oder ob er durch die Erkrankung körperlich einfach schon so kaputt ist. Ich hab immer Angst, dass er einschläft und wir die Zeit so miteinander verbracht haben wie jetzt. Aber da er nicht redet werde ich das nicht rausfinden. Meine Freundin ist 2006 an einem laut Ärzten gut heilbaren Lungenkrebs innerhalb eines Jahres verstorben, wir haben oft zusammen über ihre Krankheit gesprochen, sie wollte das und es hat ihr gut getan. Sie hat gekämpft, auch als keine Aussicht auf Heilung mehr da war. Das hat mich damals sehr beeindruckt, ihre Ehrlichkeit und ihr Kampfgeist. Leider vermisse ich das bei uns. Als 2009 das zweite Rezidiv festgestellt wurde haben wir sehr viel geredet und Pläne gemacht, das hat uns sehr verbunden in dieser Zeit. Wieso es jetzt nicht mehr geht weiß ich nicht. Ich habe beim dritten Rezidiv auch gesagt, dass schaffen wir und ihm gesagt, wenn's nicht geht mit der ganzen Therapie bleib ich bei dir und nimm mir eine Auszeit in der Arbeit, egal ob ich Ärger bekomme oder sonst was. Bin dann anfangs noch zur Arbeit, aber irgendwann nach einigen Wochen konnte ich dann nicht mehr. Ich habe nur noch funktioniert, bis ich dann im Urlaub festgestellt habe, dass ich nicht mehr kann, hab oft jeden Tag nur noch vor mich hingeflennt,dass hat er aber nie mitbekommen. Mittlerweile bin ich ganz schön drin in einer Depression, merke das jeden Tag. Liegt an dem " nicht wissen was kommt" und den ganzen Umständen. Hätte nie im Leben gedacht, dass sich alles so negativ verändern kann. Leider kann man das Schicksal nicht beeinflussen. So, danke fürs zuhören! Sanna

Mirilena
12.11.2012, 08:10
Guten Morgen Sanna,

da hast du Recht, wir können gewisse Dinge und Verläufe nicht beeinflussen. Wenn ich mir überlege, dass ihr bereits beim dritten Rezidiv angelangt seid, dann frage ich mich, woher ihr die Kraft nehmt... Das ist eine ungeheure Belastung und ständig die Sorge darum, wie es weitergehen mag, ob es weiter geht?! Sag mal, bekommt ihr eigentlich im Pflegebereich Unterstützung? Das wäre ein klein wenig Entlastung für euch beide.

Ich kann sehr gut nachempfinden, dass du am Rande deiner Kräfte bist. Und die Tatasache, dass dein Mann sehr vieles mit sich selbst ausmacht und nicht reden mag, macht die Situation nicht gerade einfacher für dich. Wahrscheinlich fühlst du dich geradewegs ausgeschlossen und das, obwohl du genauso wie er gefangen bist in der Situation. Als "Angehöriger" ist man zwar nicht selbst krank, aber es ist unglaublich schwer, einen geliebten Menschen leiden zu sehen und man vergeht vor Sorge. Und für mich war das Schlimmste die Hilflosigkeit, die Ohnmacht. Ich konnte nichts tun, konnte meinen Vater nicht wieder "gesund machen", musste einfach nur sitzen, warten, bangen, beten und hoffe, zur Untätigkeit verdonnert. Das empfand ich als unerträglich. Ich war geradezu dankbar für jeden kleinen Handgriff, den ich meinen Eltern abnehmen durfte, denn dann konnt eich wenigstens aktiv etwas tun. Mein Vater gehörte auch eher zu den "verschlossenen" Menschen, die weder gern über Gefühle sprechen noch ihr Innerstes nach außen kehren. So eine Offenheit und Nähe war erst sehr spät möglich, nachdem er für sich selbst angenommen hatte, dass ihm nicht mehr viel Zeit hier verblieb. Die Monate, die er zuvor daheim verbracht hatte, war er auch in einer Depression gefangen und meine Mutter war traurig, dass sie so viel kostbare Zeit mit Fernsehen vergeudet haben. Heute sagt sie, dass es schade sein, aber zu dem zeitpunkt ging es eben nicht anders. Hauptsache, sie seinen zusammen gewesen...

Liebe Sanna, versuch, dir ein wenig von dem Druck zu nehmen, dem du dich selbst aussetzt. Ich habe als Außenstehende den Eindruck, du würdest gern alles "perfekt" machen, noch besser sein, alles richtig machen und vergleichst euch beide beispielsweise mit deiner Beziehung zu deiner Freundin. Aber das funktioniert nicht, denn dein Mann ist eben ganz anders als deine Freundin. Mit ihrer Offenheit hat deine Freundin dir den Umgang mit ihr und ihrer Krankheit erleichtert. Vielleicht kannst du nun einiges von dem, was du von ihr gelernt hast, bei deinem Mann anwenden? Und alles, was du tust, tust du aus Liebe zu deinem Mann. Da spricht so viel Liebe aus deinen Zeilen und auch Verzweiflung. Du bist für ihn da, an seiner Seite und auch wenn er sich dir derzeit nicht anvertraut, seid ihr miteinander verbunden.

Glaub an dich!!! Ich tue es auch!:)
Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche
Miriam

sanna53
12.11.2012, 20:15
Hallo, hallo Miriam, danke für Deine Antwort, Du hast so eine tolle Art zu schreiben und Gefühle auszudrücken. Und es stimmt, ich möchte immer alles richtig machen, immer nur das beste für meinen Mann tun. Ich freu mich über jedes kleine Essen und über jeden ml der über die PEG vertragen wird. Leider kommt er täglich nicht über 300 bis 400 kal drüber und wird immer dünner.
Jedenfalls hat er nächste Woche einen Termin bei einem Gesprächstherapeuten und soll evtl. auf ein Antidepressiva eingestellt werden. Vielleicht ändert das seine Stimmung und regt den Hunger an. Diese Woche stellt er sich in der Chirurgie bei uns vor und dann wird überlegt, ob er wieder einen Port bekommt. Das wäre eine Erleichterung, dann könnte die Nahrung über den Port über Nacht laufen. Ich hoffe, dass es klappt. Georg - so heißt mein Mann- will das auch. Mir graut immer mehr vor dem PET-CT-Ergeniss, das steht diese Woche auch an. Denke aber das Georg wohl wieder Chemotherapie braucht, das CT nach der ganzen Therapie war ja auch nicht gut. Ob er das nochmal erträgt? Ich kann es mir nicht vorstellen, dafür hat er keine Substanz mehr.
Ich habe gesehen, dass Du aus dem hohen Norden kommst, wir sind aus Bayern-70 km von München entfernt. Mich ziehts aber auch immer in den Norden, obwohl München über gute Kliniken verfügt, Georg wurde immer im rechts der Isar behandelt. Jetzt läuft die Behandlung in Ingolstadt, wo wir wohnen, da ist sein ambulanter Onkologe. Seine letzte Chemotherapie wollte Georg in einer Fachklinik für Onkologie, da haben wir eine gute gefunden, die ist in der Nähe zur Grenze zu Österreich, also falls wieder Chemo dann nur dort.
Ich hoffe die Woche bringt vielleicht mal was gutes, auch Dir eine schöne Woche!
Liebe Grüsse-Sanna:confused:

sanna53
12.11.2012, 21:52
Hab's ganz vergessen, Georg ist vollkommen mobil, ist nur müde und schlapp, ob's der Tumor ist oder seine Psyche weiß ich nicht. Jedenfalls braucht er keinen Pflegedienst- noch nicht. Er versorgt sich selbst und kann auch die Sondennahrung selber an und abhängen. Ein Pflegedienst hätte nichts zu tun zur Zeit, dafür bin ich auch dankbar. Sanna

Mirilena
13.11.2012, 08:56
Liebe Sanna,

na, ein wenig besser klingt das alles doch schon! Ich bin froh, dass dein georg den Termin beim Gesprächstherapeuten nächste Woche wahrnimmt. Gerade gestern habe ich wieder gelesen, dass Depressionen auch eine "Begleiterscheinung" der Krebserkrankung sind, was mich nicht wundert. Das ist ein so tiefer und massiver Einschnitt und erzeugt so viel Angst, dass viele Menschen darüber verzweifeln. Und diese andauernde Belastung des "nicht Wissens, wie es weiter geht"... Ich drücke ganz fest die Daumen, dass der Therapeut deinem Georg sympathisch ist und sein Vertrauen gewinnt und ihm auch helfen kann. Das wäre derzeit bestimmt genauso wichtig wie eine Verbesserung des körperlichen Zustands. Und diese Müdigkeit und Erschöpfung können bei Georg wohl von beiden kommen, dem Tumor und der Chemo. Ich glaube, das nennt man Fatigue. Ich schätze, mein Vater hatte das auch, denn er hat tagsüber sehr viel geschlafen. Ist ständig eingedöst und kleinste "Erledigungen" haben ihn derart erschöpft, dass ihm anschließend wieder die Augen zufielen. Kennst du die Internetseite der Deutschen krebsgesellschaft? Da findest du ganz gute Ratgeber. Zum einen zu den Erkrankungen, aber auch wertvolle Tipps für Angehörige.
Ich hatte gestern abend übrigens ein langes Gespräch mit einer Dame vom Hospizverein und werde ab Januar einer Trauergruppe beitreten. Dieses Seminar sollte eigentlich schon im September starten... Nun ja, ich denke, es wird mir gut tun und ich werde eine Menge über mich, das Leben und das Sterben lernen. Die Dame, mit der ich sprach, hatte so viel Einfühlungsvermögen und strahlte so viel Güte und Wärme aus... Ich kann dich nur ermutigen, solche Gespräche zu suchen, liebe Sanna!
Berichte mal, wie die Gespräche für Georg verlaufen sind, wenn du magst! Meine Daumen sind jedenfalls gedrückt! Vor allem auch für das ergebnis des CTs.

Ich schicke dir eine frische Brise aus dem Norden;)
Liebe Grüße
Miriam

sanna53
13.11.2012, 19:11
Hallo, hei Miriam, die Brise ist angekommen. Und wieder mal hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. In dieser onkologischen Fachklinik haben die Ärzte bei ihm dieses Fatigue-Syndrom auch festgestellt. Sie meinten es wär sehr massiv bei ihm. Einen guten Tag hatten wir heute nicht so wirklich, wir waren in der Stadt unterwegs, haben uns mit einem Freund zum Kaffeetrinken getroffen. Georg war leider sehr schwach, muss sich nach ein paar Metern gehen immer wieder hinsetzen. Der kleine Kaffee liegt ihm bis jetzt im Magen und er hat noch nichts gegessen heute. Heute morgen hat er einfach so zu mir gesagt: es geht dahin mit mir. Ich wusste zuerst gar nicht was ich sagen soll. Leider seh ich ihn ja jeden Tag etwas dünner und bleicher werden.
Das mit dem Seminar finde ich gut, es hilft einem selber und man kann dann auch- wenn die Zeit ist- evtl anderen damit helfen.
Ich habe z. B. einen Job, bei dem Gespräche wichtig sind, oft tut ein einfaches Danke fürs Gespräch gut. Die Arbeit vermisse ich, aber momentan kann ich nix weitergeben. Da bin ich viel zu viel mit mir beschäftigt. Bin zur Zeit auch auf der Suche nach einem guten Therapeuten. Aber die guten sind alle ausgebucht. War 2009 mal bei einem- unmöglich, vielleicht empfinde ich das aber auch weil ich selber in der Psychiatrie arbeite. Mal schauen, morgen probiere ich es weiter. Georg hat morgen auch seinen Termin in der Chirurgie, Freitag soll dann der Port rein. Über das PET - CT Berichte ich Dir wenn wir den Befund haben.
Wo lebst Du im hohen Norden, bin immer gern an der Ostsee, die ich aber nur von Finnland aus kenne. Kiel kenne ich vom Tatort, stells mir dort schon vor. Auch wenn es viele immer nach Bayern zieht, ich kann mit den Bergen nichts anfangen. So, schon mal wieder endlos geschrieben! Hör jetzt auf! Liebe Grüsse-Sanna

Mirilena
13.11.2012, 20:15
Liebe Sanna,

aber dann wisst ihr jetzt immerhin, worauf diese massive Erschöpfung Georgs zurückzuführen ist und das ist besser, als wenn man ständig rätselt und es womöglich auf sich selbst bezieht. Ich kenne Georg ja nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass auch diese Fatigue ein Grund für sein Verhalten ist. Wenn ich mir vorstelle, dass mich die kleinsten Handgriffe derart ermüden würden, dann wäre ich bestimmt auch unleidlich. Überhaupt habe ich oft gedacht, dass ich persönlich nicht "tapfer" wäre, würde ich so krank sein. Und ich würde auch die Schmerzen nicht schweigend ertragen. Wahrscheinlich würde ich das ganze Krankenhaus zusammenschreien:D Aber wir können ja nur versuchen, uns in den anderen hineinzuversetzen. Was tatsächlich in uns vorgehen würde, wissen wir nicht.
Ich finde es aber schön, dass ihr euch mit einem Freund auf einen Kaffee getroffen habt. Das bringt so ein klitzekleines bißchen Normalität in den Alltag zurück. Was mag Georg denn gern und was könnte ihn ein wenig ablenken? Ist ja schwierig, wenn es einem körperlich so schlecht geht und man so erschöpft ist. Mein Vater hatte sich immer gewünscht, er könne wieder ein gutes Buch lesen, aber er hatte keine Kraft, ein Buch zu halten. Ich habe ihm dann viele Hörbücher mitgebracht und die mochte er stattdessen ganz gern hören. Mensch, ich hoffe, dass es mit dem Port für Georg klappt, damit er wieder ein wenig zu Kräften kommt! Ich weiß, wie schlimm es ist, wenn man einen geliebten Menschen dabei zusehen muss, wie er immer weniger wird...

Sag mal, Sanna, wie sieht es denn bei euch mit Psychoonkologen aus? Ich habe zu Beginn der Erkrankung meines Vaters das Gefühl gehabt, ich müsse mir jetzt professionelle Hilfe holen. Also habe ich im Internet gesucht und sämtliche Psychotherapeuten angefragt, die ich finden konnte. Alle hatten Wartezeiten von mindestens 3 Monaten. Aber bei einer hatte ich Glück. Als ich sagte, ich wäre akut in einer Krise wegen der Krebserkrankung meines Papas, wurde mir ein Termin gegeben (nur 2 Wochen Wartezeit). Und dann bin ich auch noch zufällig bei einer Psychotherapeutin mit psychoonkologischer Zusatzausbildung gelandet. Die nahm mich auch nur wegen der Krebserkrankung... Da hatte ich unglaubliches Glück. Wenn du selbst in der Psychiatrie arbeitest, kennst du ja vielleicht ein paar Leute, die dir helfen könnten? Das wäre doch wirklich wichtig, dass du JETZT Hilfe bekommst.

Ich wohne ca. 45 Autominuten von der Ostsee entfernt. Wir fahren immer gern nach Hohwacht zum Spazierengehen:) Und gebürtig bin ich eine Kielerin:D Ich finde die Berge aus der Ferne sehr schön, aber leben muss ich am Meer, selbst wenn ich nicht so oft hinfahren kann. Ich muss zumindest wissen, dass ich jederzeit schnell dort sein könnte. Kommst du denn ursprünglich aus Bayern (oder bist du aus Skandinavien)?

Liebe Grüße und lass' dich von nichts und niemandem unterkriegen!!!
Miriam
P.S.: Ich hoffe, Georg konnte dann heute Abend noch etwas zu sich nehmen?!

sanna53
14.11.2012, 19:21
Hallo Miriam, leider sind Wirtin Ingolstadt mit Psychologen und besonders Psychoonkolgen dünn besiedelt. Bin ja selber auf der Suche nach einem Gesprächstherapeuten. Ist schwierig, die guten sind bis auf Monate ausgebucht. Leider setzt mich meine Krankenkasse unter Druck, die wollen dass ich eine stationäre Therapie machen-Finds traurig, denn sie wissen doch den Hintergrund meiner Depression. Also was soll das-Georg mal für ein paar Wochen alleine lassen?! Wenn ich nicht bald einen Therapeuten finde, werde ich zu meinem Sachbearbeiter sagen er möge mir doch einen backen, der freie Plätze hat. Da werde ich jetzt schon bald aggressiv über diese Art.
Georg hat auch gestern nicht viel gegessen. Heute war das Aufklärungsgespräch für den neuen Port, sein dritter jetzt. Die anderen mussten wegen Infektionen raus. Am Freitag wird's dann gemacht. Hoffe ohne Komplikationen, leider nimmt er zur Zeit alles mit.
Ach ja, nein ich bin aus Bayern. Aber Finnland ist meine zweite Heimat, habe schon oft Urlaub dort gemacht. Als meine Mutter 2004 gestorben ist habe ich überlegt ganz nach Finnland zu gehen. Aber Georg findet nichts an dem Land, er kommt aus Niederbayern und kommt schon außerhalb Bayerns nicht klar! Ich habe in Espoo, gleich bei Helsinki eine gute Freundin- sie ist Finnin( die Schwester meiner verstorbenen Freundin). Ihre Wohnung können wir /ich jederzeit nutzen. Auch die Familie von Ihr in Südwestfinnland stellt uns immer eine Wohnmöglichkeit zur Verfügung. Meine Freundin ist Fachkrankenschwester für Onkologie, arbeitet schon 23 Jahre auf einer Krebsstation. Sie ist ein richtiges Fachbuch für mich. Im Sommer war sie bei uns und hat mir viel erklärt, ich habe ja immer nur in der Psychiatrie gearbeitet und das merkt ich schon, dass ich ein richtiger Fachidiot geworden bin.
Georgs Befund steht noch aus, werde morgen mal beim Onkologen anrufen, aber eigentlich wollen wir es gar nicht wissen, mein Gefühl sagt mir auch nichts gutes, Georg denkt das gleiche. Er ist für viele Ärzte sowieso eine Art medizinisches Wunder, weil er seit so langer Zeit noch hier ist.
Ich schreib Dir und freu mich, wenn Du mir schreibst, liebe Grüsse! Sanna

sanna53
14.11.2012, 19:23
Schon sonderbar was Georgs iPad oft für komische Wörter einbaut, hoffe mein Laptop geht bald wieder:confused:

Mirilena
14.11.2012, 19:44
Liebe Sanna,

alles okay, ich kann's gut lesen:D Mensch, das macht mich auch richtig wütend, wenn ich so über die Therapeuten und die Krankenkasse lese. Offensichtlich sind die alle fernab der Realität... Wie solltest du jetzt stationär eine Therapie machen können?! So ein Blödsinn!!! Außerdem habe ich bei dir nicht den Eindruck, dass deine Depression aus heiterem Himmel über dich gekommen ist. Sie hat sicherlich mit der jahrelangen Belastung durch Georgs Krankheit zu tun. Irgendwann streikt auch deine Gesundheit. Selbst wenn der Körper funktioniert, dann meldet sich jetzt die Seele.

Ich weiß nicht, ob es dir helfen würde, aber hast du mal daran gedacht, nach einer Selbsthilfegruppe Ausschau zu halten? Oft hilft das schon ungemein, denn auch dort hast du einen geschützten Ort, an dem du alle deine Sorgen und Ängste loswerden kannst. Und meistens werden die Gruppen ja auch von Profis geleitet. Bei uns gab's nichts in der Nähe, sonst hätte ich gern so eine Gruppe besucht. Ich werde wohl ab Januar zu einer Trauergruppe gehen (vom Hospizverein). Zwar geht es mir nicht mehr so schlecht, aber ich bin mir sicher, dass ich von der Gruppe profitieren werde. Außerdem habe ich hier im Forum sehr tolle Menschen kennen gelernt, die mir unheimlich geholfen haben. Ich wünsche dir, dass du ganz bald eine Möglichkeit für dich findest, denn du brauchst dringend eine "Auftankstation".

Ach, ich kann dich und Georg echt so gut verstehen!!! Es ist schrecklich, wenn so ein Befund aussteht und man eigentlich lieber gar nichts wissen will... Ich drücke ganz fest die Daumen für morgen!!! Und natürlich auch für Freitag, wenn Georg den Port gesetzt bekommt.

Liebe Grüße mit frischem Wind, der dir ein wenig die Sorgen wegpusten soll (und wenn das nur für einen Moment ist)
Miriam

sanna53
15.11.2012, 16:24
Hallo Miriam, heute ist mal wieder ein furchtbarer Tag. Georg hat Bauchschmerzen, kommt wohl von der Sondennahrung, er trinkt auch zuwenig. Der Befund aus München ist auch noch nicht da, zugesagt wurde der uns für Mitte dieser Woche. Also heissts wieder warten übers Wochenende. Der Port kommt morgen um9.45 rein. Danach schaffen wir es wohl kaum mehr zum Onkologen, der schließt seine Praxis Mittag. Hoffe jetzt nur, dass Georgs Bauchschmerzen besser werden und er mal aufs WC kann. Er hatte schon mal fast einen Darmverschluss, war dann stationär und wurde abgeführt, dann ging's ihm wieder gut.
Ich kenne einen Mitarbeiter vom Hospitzverein, er wohnt 5min von uns weg. Den hab ich damals meiner Freundin vermittelt, das lief dann ganz gut, weil die Mitarbeiter sich Zuhause um sie lieb gekümmert haben. Aber ich kann Georg nicht den Hospitzverein anbieten, das würde er gleich mit Sterben verbinden. Er tickt ja schon immer aus, wenn er es mit Ärzten zu tun hat. Am liebsten hat er seine Ruhe.
Es gibt hier auch noch einen Krebshilfeverein, den meidet er aber auch. Macht eben alles mit sich selbst aus.
Ich bin auch nicht so der Typ für Selbsthilfegruppen, weiß nicht weshalb.
So, jetzt mal schauen wie der Rest des Tages noch so wird! Liebe Grüsse! Sanna

Mirilena
15.11.2012, 17:54
Liebe Sanna,

oje, das ist ja blöd mit den Bauchschmerzen. Ich komme auch gerade von meiner Hausärztin, weil ich die ganze Woche schon Probleme hatte. Irgendwie spielt mein Magen bzw. Bauch verrückt und auf Dauer ist das unangenehm. Aber bei mir ist das alles ja harmlos...

Kann ich verstehen mit der Selbsthilfegruppe. Das ist ja auch nicht jedermanns Sache. Und bei Georg kann ich das auch verstehen. Da scheint er halt ein typischer Mann zu sein. Die meisten mögen ja nicht so gern reden... Obwohl es bisweilen schon helfen würde, wenn man nicht alles mit sich allein ausmacht.

Ach, das ist schlimm, dass ihr wieder warten müsst! Das ist so zermürbend, die Gedanken fahren Karussell und du malst dir die schlimmsten Dinge aus.

Hilft Georg Wärme, wenn er Bauchschmerzen hat oder bewirkt die womöglich noch das Gegenteil? Sonst vielleicht ein wärmendes Körnerkissen?

Liebe Grüße
Miriam

sanna53
15.11.2012, 18:24
Hallo Miriam, war heute den ganzen Tag nur Zuhause, Georg hat nach wie vor noch Bauchschmerzen, hab heute mit dem Herrn vom Home Care Team telefoniert, er denkt das liegt an der hochkalorischen Nahrung, hab Georg jetzt einiges an Wasser über die PEG gegeben. Natürlich mag er jetzt auch nicht essen. Da wird der Tag morgen dann wohl doppelt anstrengend. Ich schreib Dir dann, Gruss aus dem vernebelten Bayern-Sanna:mad:

sanna53
16.11.2012, 13:15
Hallo Miriam, heute ist Gott sei Dank alles gut verlaufen. Leider könnte seine Laune besser sein. Ich darf seit gestern mal wieder gar nichts fragen, sagen etc. Es belastet mich sehr, gerade immer vorm Wochenende wenn Beschwerden da sind. Habe keine Lust mehr ständig am Wochenende den Notdienst zu rufen.
Mal schauen wies wird. Seinen Onkologentermin hat er heute einfach nicht wahrgenommen, obwohl es zeitlich gut geklappt hätte und der Onkologe seine Praxis gleich neben der Klinik hat. Also jetzt Termin am Montag. Ich hoffe, dass der neuer Port bald benutzt werden kann, dann kann da wieder Ernährung drüber laufen. Dann ist wenigstens das leidige PEG-Thema/Drama vom Tisch.
Liebe Grüsse-Sanna

Mirilena
17.11.2012, 07:53
Liebe Sanna,

tut mir leid, dass ich erst jetzt schreibe, bin am Donnerstag vor der Mittagspause aus dem Büro geflüchtet, weil es mir richtig schlecht ging. Mein Magen macht Probleme. Aber es ist ja nichts Schlimmes. Gestern lag ich allerdings den ganzen Tag und mir war so übel... Heute scheint's wieder etwas besser zu sein.

Mensch, das liest sich ja nicht gut. Könnte es sein, dass Georg auch eine Art Depression hat? Vielleicht könntest du ihm mal einen Brief schreiben und all das loswerden, was dich umtreibt. Ich meine als Alternative, wenn er denn nicht reden will... Vielleicht würde es dir schon ein wenig helfen, all das mal in Worte zu fassen. Unabhängig davon, ob du Georg dann den Brief gibst oder auch nicht. Ist nur so eine Idee von mir...

Und dann haben wir auch noch dieses trübe neblige Novemberwetter...Das trägt ja auch nicht gerade dazu bei, dass man sich besser fühlt. Das Patenkind meines Papas hat meiner Mama immer geraten, dass sie sich selbst nicht ganz vergessen soll. Sie müsse sich kleine Inseln schaffen und etwas für sich tun. Und wenn es nur ein Spaziergang sei oder Kaffee trinken mit einer Freundin. Denn es ist wichtig, dass man seinen Energietank auch wieder füllt! Insofern kann ich dir nur raten, hin und wieder auch an dich zu denken, liebe Sanna!

Ich hoffe, dass ihr das Wochenende gut übersteht und keinen Notarzt rufen müsst!
Ganz liebe Grüße
Miriam

Alpenveilchen
17.11.2012, 10:26
Liebe Sanna,

ich habe mir gerade Deine Beiträge durchgelesen und verstehe, wie bemüht Du um Deinen Mann bist und wie frustrierend sein Verhalten sowohl gegenüber der Krankheit als auch Dir gegenüber für Dich ist. Ich verstehe auch, wie gerne Du diesen Kampf gemeinsam mit ihm kämpfen möchtest, Du Dir wünschst, dass Ihr die Hürden zusammen nehmt und dass Ihr Euch in dieser Zeit, die für Euch beide schwer ist, gegenseitig unterstützt.

Wenn man Krebs bekommt, ist das immer ein Verlust der Kontrolle über sich und sein Leben. Man hat etwas in sich, was stärker ist als man selbst und gegen den eigenen Willen den Körper verändert und gar schliesslich zum eigenen Tod führt. So grausam ist es. Es gibt Menschen, die kommen mit diesem Verlust der Kontrolle besser zurecht, da sie vielleicht auch sonst im Leben nicht so viel Kontrolle über die Dinge hatten und damit gut leben konnten, und es gibt Menschen, denen es immer schon sehr wichtig war, die Kontrolle über sich selbst und die Dinge um sie herum zu bewahren. Letztere Gruppe hat z.B. leichter Angst vorm Fliegen als die erst genannte Gruppe. Dein Mann scheint Deiner Beschreibung nach eindeutig jemand zu sein, dem die Kontrolle über sich und sein Leben immer sehr wichtig war. Du schreibst z.B. "er war ja immer der starke, der Macher eben", "Hilfe und Unterstützung annehmen, das fällt ihm schwer" und "(er) macht eben alles mit sich selbst aus". Das macht die Akzeptanz der Krankheit doppelt schwer für ihn. Dennoch ist er im Klaren darüber wie es um ihn bestellt ist, wenn er sagt "es geht dahin mit mir".

Es ist wichtig, dass Du Dir immer mal wieder in Erinnerung rufst, dass es seine Krankheit ist und nicht Deine. Es ist die letzte Kontrolle, die ihm noch bleibt, zu entscheiden, wie er mit seiner Krankheit umgeht, ob und wann er isst, ob und welche Ärzte er wann trifft usw. Diese Freiheit musst Du ihm einfach lassen. Dein Mann mag ja sehr "stur" sein, wie Du schreibst, aber es ist auch sein Recht, stur zu sein. Es ist seine Krankheit, auch wenn es schmerzlich für Dich ist, Dich nicht so engagieren zu dürfen, wie es Dein Herz möchte. Manchmal ist Liebe nicht, alles für ihn zu tun, von dem Du denkst, dass er es braucht, sondern ihn seinen eigenen, selbst gewählten, kurvigen Weg gehen zu lassen.

Eine andere Sache ist seine Laune und sein Verhalten Dir gegenüber. Die Machtlosigkeit gegenüber der Krankheit, die stur ihren eigenen Weg geht und sich nicht im geringsten um seine Wünsche und seinen Willen kümmert, ist für ihn unglaublich frustrierend. Er ist daher innerlich geladen. Wenn Du nun ebenfalls Dinge gegen seinen Willen vorschlägst, bist Du ein willkommener Blitzableiter und bei Dir findet er wenigstens eine Reaktion. Du reagierst so, wie er es sich von seiner Krankheit wünschen würde. Du bist geknickt und gehst ihm aus dem Weg. Stell Dir vor, die Krankheit würde dasselbe tun!Das wäre doch sein höchster Wunsch. Das tut die Krankheit aber leider nicht und daher bekommst Du den Kübel ab. Da sieht er, dass er doch zumindest noch etwas Kontrolle in seinem Leben hat, noch etwas bewirken kann, dass sein Unmut/Angst/Verzweiflung nicht völlig ins Leere geht, sondern zumindest Dich knickt.

Natürlich ist so ein Verhalten völlig destruktiv und nützt ihm in der Verlängerung nichts, weil die Krankheit bleibt und er dabei nur auch noch Deine Nähe verliert. Auch wenn, ihm diese Streitigkeiten zu Hause genau in diesem Moment, wo sie stattfinden, eine gewisse Erleichterung (Entladung) und Genugtuung geben, macht er sich damit nicht glücklicher, sondern auch seine Situation wird nur trostloser. Das einzige, was Du tun kannst, ist das Spielchen nicht mitzuspielen. Versuche a) ihm so viel Kontrolle über sich wie möglich zu geben und respektiere sein Verhalten sich selbst und seiner Krankheit gegenüber und b) versuche Dich nicht umhauen zu lassen, von seinem Verhalten, sonder versuche, sachlich zu bleiben und wiederum seine Wünsche zu respektieren.

Wenn er z.B. sauer ist, weil Du ihn zu einem Arztbesuch überreden willst, runde das Gespräch ab mit "OK, dann gehen wir eben nicht zum Onkologen." oder wenn er nicht essen möchte, "OK, dann stelle ich XX in den Kühlschrank. Dann kannst Du ja nachher noch was nehmen." Wenn Du nicht mehr gegen seine Sturheit kämpfst und nicht mehr Deinen guten Willen für ihn verteidigst, sondern seine Wünsche einfach respektierst, und Dich nicht mehr knicken lässt, wird es schnell uninteressant für ihn, Dich anzumotzen, und Du bekommst wieder eine bessere Beziehung zu ihm. Versuche ausdrücklich, nicht sein Blitzableiter zu sein. Das ist ganz wichtig.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für Deine Aufgabe und hoffe, dass Dir Deine Freundin, zu der Du Dich flüchten kannst, die emotionale Unterstützung geben kann, die Du zu Hause nicht findest. Natürlich sind auch das Forum und Miriam eine prima Unterstützung. Du bist nicht alleine, auch wenn Du den Kampf zu Hause alleine ausfechten musst.

Sei nun ganz lieb gegrüsst
vom Alpenveilchen

Gabi1964
17.11.2012, 15:42
liebe sanna, ich kann nur kurz vom tablet aus reagieren. aber mein mann ist fast der gleiche wie deiner. ich soll hier oder in anderen foren nicht so viel lesen. er moechte nicht, dass ich mit forenmitgliedern telefoniere, weil ICH mich und ihn nur verrueckt machen wuerde. ich solle soweit wie moeglich ein normales lebenfuehren, er vefsuche es ja schliesslich auch. ich hab mich fast daran gewohnt. wenn er reden will tun wir es, ansonsten wird das thema krebs umgangen.
norbert hat nierenkrebs, beide nebennieren raus, rechte niere, teil vom netz weg, inoperable lungenmetas. inzswischen lass ich ihn. sonst wird er auch sauer uber seine permanente krankenschwester. auch wenn er sich spaeter quasi entschuldigt. ich will mir und damit uns nicht immer weh tun. und wenn es mir zu bunt wird geh ich auch mal weg.
er ist krank,er muss seinleben leben, ich kann ihn nur begleiten wohin er gehen will.
viele liebe gruesse und ein grosses kraftpacket aus nuernberg gabi

sanna53
17.11.2012, 20:26
Hallo, danke für Eure Antworten, hab auch zurückgeschrieben, aber irgendwie stimmt da was mit der Technik nicht, mein Schreiben ist nicht angekommen?
Versuchs morgen nochmal, bis dann und danke für Eure Antworten

sanna53
18.11.2012, 09:59
Hallo an Euch! Der Samstag ist ohne große Probleme verlaufen, es ist schon sonderbar, wenn man auf einmal um jeden Tag froh ist, an dem nichts ist.
Georg ist depressiv, dass fällt jedem in unserem Freundeskreis auf. Ich hoffe, das er am Dienstag bei seinem Gespräch in der psychiatrischen Ambulanz ein Antidepressiva bekommt-und wenn ja, es auch hilft. Ist aber wohl ein Problem, da was gutes zu finden, besonders weil Georgs Nierenwerte nicht die besten sind. Natürlich versuche ich jeden Tag ihm selber machen zu lassen, aber dann ist er nur passiv, er würde sich selber um gar nichts kümmern und einfach auf dem Sofa liegen. Wie Du geschrieben hast, Alpenveilchen, er ist sich selber gegenüber destruktiv, also bleibt mir oft gar nichts anderes übrig, als zu reagieren. Natürlich hasst er das, weil er merkt, dass sich die Rollen verändert haben und er nicht mehr der Macher ist. Aber dass er es selbst leider für sich soweit gebracht hat bemerkt er scheinbar nicht. Ich versuche meist gelassen zu reagieren, auch wenn es dann soweit kam, dass letztendlich der Notarzt kommen müsste, weil er seine Beschwerden mal wieder mit sich selber ausgemacht hat. Dazu müssten wir miteinander reden. Über das aktuelle reden wir schon miteinander, aber die Grundsatzfrage wird nicht diskutiert. Damit meine ich, ob er etwas dazu tun will, dass es ihm mal wieder besser geht oder ob er gar nichts mehr machen lassen will.
Gabi, Du bist wohl auch in die Rolle der Privatkrankenschwester gerutscht, das ergibt sich denke ich mir durch die Krankheit einfach so, ich meine diese Sache läuft so unbewusst ab. Vielleicht wäre es von Anfang an besser, sein eigenes Leben weiter zu leben, aber ich bin da so hineingezogen worden. Natürlich ist man dann auch lästig, weil man eben weniger Partner als Pflegemanager ist. Mein Mann weiß glaub ich schon, dass ich hier im Forum schreibe. Es ist ihm wohl egal, sonst hätte ich da schon Protest bekommen. Ich denke mir auch jeden Tag, ich muss versuchen so viel Alltag wie möglich zu leben, aber oft geht das eben nicht.
So, nun hab ich schon wieder soviel geschrieben, morgen ist nun ein Termin beim Onkologen, da bekommt Georg den PET -CT- Befund aus München. Ihm graut bestimmt genauso davor wie mir, aber das macht dann wieder jeder mit sich selber aus. Falls wieder Chemotherapie ansteht, bin ich gespannt, ob Georg das nochmal mitmachen will bzw. ob sein Zustand das überhaupt noch zulässt.
Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit, liebe Grüsse! Sanna:huh:

Mirilena
18.11.2012, 11:32
Liebe Sanna,

ich finde die Tipps von Alpenveilchen sehr, sehr gut, wobei es sicherlich schwierig ist, sie in die Tat umzusetzen... Aber es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, oder?

Ich schicke dir jede Menge wärmende Sonnenstrahlen :pftroest:
Miriam

sanna53
18.11.2012, 12:00
Hallo Miriam, ja Alpenveilchen hats gut erkannt, ich weis es ja selber auch. Halte mich seit Freitag ziemlich zurück. Wir gehen heute evtl. noch auf eine Ausstellung, habs Georg überlassen. Er muss entscheiden, ob er sich fit genug dazu fühlt. Aber mal Abwechslung würde gut tun.
Der morgige Tag kommt ja auch immer näher. Der 19.11.2009 war der Tag seiner grossen OP, morgen wieder der 19.11! Leider ist das auch mein Geburtstag, finds irgendwie sonderbar. Vor 3 Jahren habe ich im Rechts der Isar in München zusammen mit einer Freundin Stunden vor der Intensiv gezittert, jetzt ist es wieder so eine Situation.
Wünsch Dir einen schönen Sonntag und hoffe, dass Dein Magen sich wieder beruhigt hat.
Sanna

Mirilena
19.11.2012, 12:03
Liebe Sanna,

meine allerbesten Wünsche für dich zum Geburtstag und alles, alles Liebe! Auch wenn heute wieder ein schwerer Tag für euch ist, so hoffe ich inständig, dass ihr von einem guten Ergebnis positiv überrascht werdet! Das wäre wahrscheinlich dein schönstes Geburtstagsgeschenk...

Hoffentlich kannst du deinen Tag heute wenigstens ein kleines bißchen genießen! das wünsche ich dir!

Liebe Grüße
Miriam

sanna53
19.11.2012, 15:41
Hallo Miriam,
Danke!!!!
Der Befund aus München ist da, es hat sich nicht wirklich was getan durch die Therapie. Unser Onkologe kann den Befund auch schwer werten, aber es liest sich für mich furchtbar. Nun soll Georg nach 3 Monaten nochmal untersucht werden. Ich hab's so verstanden, dass Georgs viele Entzündungen, vor allem in der Lunge die Beurteilbarkeit beieinflussen. Auch von Knochenmetas ist jetzt wieder die Rede, das war in München schon Thema und hat sich aber nicht bestätigt, da waren es degenerative Veränderungen. Jetzt heisst es wieder warten. Gemacht kann derzeit eh nichts werden, Georg soll erst mal besser vom Allegemeinzustand her sein. Von erneuter Chemotherapie war keine Rede-wie ich das zu deute habe, weiß ich nicht.
Hab ein bisschen im Forum gestöbert, hab das Bild von Deinem Vater gesehen, ein sympathischer Mensch, er strahlt so eine Ruhe aus. Hat direkt wehgetan, wenn man das Schicksal dahinter kennt. Mein Vater starb als ich 28 war, plötzlich und unerwartet wie es immer so heißt. Er war topfit, brauchte nur einen Bypass am Herz, 3 Tage nach der Op ist er in der Klinik einfach nicht mehr aufgewacht. Für meine Mutter war's schlimm, ich habe ihr oft meinen Hund dagelassen, der musste dann aber kurz danach auch eingeschläfert werden.
Meine Mama war lang krank, kein Krebs, sie war 1 Jahr ein totaler Pflegefall, ihren Tod habe ich als Erlösung für sie gesehen, obwohl sie gerne noch, trotz massiver Schmerzen gern noch lang gelebt hätte.
So- schon wieder genug geschrieben! Ich schicke Dir liebe Grüsse! Sanna

Mirilena
19.11.2012, 19:07
Liebe Sanna,

also nicht so positiv, wie ich es euch gewünscht habe... Doch wenn Georgs Allgemeinzustand derzeit eher schlecht ist, dann wäre es auch eine Zumutung, ihm jetzt wieder mit einer Chemo zu kommen. Die würde ihm bestimmt mehr schaden denn nützen. Versuch mal, nicht allzu viel zu forschen und zu lesen. Es macht dich nur noch trauriger und "wuschiger". Ich habe mir das letztes Jahr abgewöhnt, denn ich fand so viele widersprüchliche Angaben, dass ich anschließend alles nur in Frage gestellt habe. Die Hauptsache ist, dass Georg Vertrauen in seine behandelnden Ärzte hat und sich somit gut aufgehoben fühlt. Und es wäre schön, wenn seine Seele auch wieder lernt, ein wenig zuversichtlicher zu sein und zu lächeln. Vielleicht schafft er es dann auch, in der Gegenwart zu leben und muss nicht mehr um das trauern, was er nicht mehr hat.

Das tut mir leid, dass du dich schon so früh von deinem Vater verabschieden musstest und deine Mutter es so schwer hatte. Es ist schon ein gewaltiger Einschnitt, wenn man die Eltern verliert.

Nun zünde dir mal eine Geburtstagskerze an und mach es dir gemütlich! Vielleicht findet dein Tag dann doch noch einen positiven Ausklang.

Liebe Grüße
Miriam:pftroest:

sanna53
19.11.2012, 20:13
Hei Miriam! Danke für die Kerze, hab heute eine geschenkt bekommen, haben am Nachmittag doch noch unerwartet Besuche bekommen. Ich hab den Befund schon x-mal gelesen. Es scheint sich im Kreis zu drehen, alles ist Verdacht auf, ich glaube auch, dass unser Onkologe sich nicht sicher ist, was jetzt zu tun ist. Wie Georg sich aufpäppeln soll, weiss ich nicht. Der Port zur Ernährung kann ab nächsten Montag genutzt werden. Die Nahrung läuft dann wieder über Nacht mit einer Pumpe. Es ist für jeden sonderbar, dass Georg nicht einfach essen tut-medizinisch spricht nichts dagegen. Sonderbarerweise sind wir vor der Portentfernung wie gewohnt oft zum Essen gegangen, Georg isst Fleisch, ich bin schon vegetarisch aufgewachsen, so sind wir oft mal zum Italiener etc. Irgendwie glaube ich, dass er so was wie eine Anorexie entwickelt hat, sein Gehirn hat das Gefühl für Hunger vergessen. Hoff nur, dass er vielleicht morgen bei seinem Termin etwas Antidepressives verschrieben bekommt. Oft wirken diese Medikamente auch appetitanregend. Kenn das von mir, seit ich abends ein Antidepressiva nehme habe ich zugenommen. Es schadet mir nicht, ich finds gut, weil ich eher immer zum Untergewicht neige-so 47 kg, jetzt wiege ich 50, freu mich irgendwie drüber, weil ich doch knapp 170cm gross bin. Vielleicht hilft es Georg auch. Er hängt jetzt wieder an seiner PEG, mal schauen wie lang.
Liebe Grüsse, ich drück Dich mal gedanklich ganz fest! Sanna

Alpenveilchen
19.11.2012, 20:54
Liebe Sanna,

ja, vielleicht hast du recht mit der Anorexie. Vielleicht hat er das Gefühl, er würde beim Essen nur den Krebs füttern, und das will er nicht. Das ist jetzt natürlich reine Spekulation von mir. Es gibt doch das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" oder so ähnlich. Vielleicht wäre das etwas für ihn und er möchte dann wieder bestimmte Lebensmittel essen. Leider holt sich der Krebs sowieso was er will. Da ist es doch besser mit einer vielleicht kohlenhydratarmen Ernährung, um zumindest den Körper in seinem Kampf zu stärken.

Liebe Grüsse und ganz viel Kraft für dich
vom Alpenveilchen

Mirilena
20.11.2012, 07:50
Guten Morgen Sanna,

oje, das ist schon ein Problem! Ja, wie soll Georg aufgepäppelt werden und sich sein allgemeiner Zustand verbessern, wenn er gar keinen Hunger oder Appetit verspürt?! Und dabei verbraucht der Sch...krebs doch so viel Energie und zehrt ihn aus. Vielleicht hat Alpenveilchen recht? Bei meinem Papa war's so, dass er auch den Appetit verloren hat. Außerdem hat die Chemo wohl riesige Auswirkungen auf seine Geschmacksnerven gehabt, denn vieles, was er zuvor gern essen mochte, hat er dann verabscheut und Fleisch war ihm ein Graus. Schon der Geruch von Fleisch ließ ihn würgen... Auf der Palliativstation hat er ein appetitanregendes Medikament bekommen (ich glaube, es enthielt auch Cortison), doch wirklich geholfen hat das nicht. Ich hatte bei ihm den Eindruck, dass es ihm am besten geholfen hat, als wir das Essen einfach nicht weiter thematisierten. Aber auch in diesem Punkt sind wir Menschen alle individuell.

Mensch, bist du ein zartes Persönchen! Da wiegst du ja weniger als meine knapp 15jährige Tochter und die ist schon sehr schlank! Ich würde dir ja gern ein paar meiner überzähligen Kilos per Eilpost zuschicken:D Und dann könnte ich Georg auch gleich noch etliche abgeben... Schade, dass es sich nicht so einfach regeln lässt.
Freut mich sehr, dass du gestern noch Überraschungsbesuch bekommen hast! Dann ist einem doch ein bißchen feierlicher zumute. Und es tut gut zu wissen, dass andere Menschen an einen denken.

Wie schon geschrieben, ich wünsche Georg, dass er heute auf einen angenehmen und ihm sympathischen Therapeuten trifft, der ihm hoffentlich ein wenig helfen kann. Schön wäre es, wenn Georg außer der Lust aufs Essen auch Lust auf's Sprechen bekäme, denn es würde ihn bestimmt erleichtern, wenn er sich bei einer "neutralen" Person mal aussprechen könnte. Und es würde euch beiden helfen! Also, meine Daumen sind gedrückt!!!

Liebe Grüße
Miriam

sanna53
20.11.2012, 18:56
Hallo an Euch! Wieder ist ein anstrengender Tag vorbei, der nur stressig war. Dr Ärger mit meiner Krankenkasse hört nicht auf, ich überlege ob ich mir Hilfe durch den VDK holen soll, muss das am Freitag auch mit meinem Nervenarzt besprechen. Hab's heute der Sachbearbeiterin von Georgs Krankenkasse erzähl, sie kennt unsere Situation und findet es unmenschlich wie ich von meiner Kasse behandelt werde.
Georg war heute zum Gespräch, leider kam nicht viel dabei raus, außer dass ein Psychiater dazu kam, mit dem ich ein sehr gutes Verhältnis durch meine Arbeit habe. Jetzt bekommt er ein Antidepressiva, das den Appetit anregen soll. Ich hoffe es hilft.
Alpenveilchen, das Buch kenne ich, glaub hab's sogar Zuhause, Georg würde das aber nicht lesen, weil es ihn nicht interessiert. Er liest solche Bücher überhaupt nicht. Er setzt sich wenig mit seiner Erkrankung auseinander, besser gesagt könnte ja was drin stehen, das gut für ihn sein könnte. Das Thema Ernährung war heute beim Therapeuten auch Thema, da hab ich richtig gemerkt, dass er gar nichts davon hören will.
Miriam, so ein Medikament mit Cortison hat Georg auch mal bekommen, hatte auch einen tollen Namen, irgendwas mit Blue.... ich hab dann den Beipackzettel gelesen, es war einfach nur Cortison, gebracht halbes auch nichts. Da hat auch der tolle Name nix geholfen.
Jedenfalls ist er heute wieder ganz schön gereizt, hat aber im Gespräch gemeint, er sei nicht depressiv. Er hat überhaupt keine Wahrnehmung für sich selbst.
Jetzt hoffe ich, dass das neue Medikament etwas hilft. Ich nehm ja seit 3 Jahren so was ähnliches - es hat mich 3 kg über 3 Jahre schwerer gemacht. Mal sehen wies bei ihm wirkt.
So, nun wünsche ich Euch einen schönen Abend, liebe Grüsse und danke für Eure Antworten, freu mich immer sehr drüber! Sanna

sanna53
20.11.2012, 18:59
Sorry, aber mein Laptop geht immer noch nicht und mit dem iPad vom Georg tu ich mir schwer, bitte diese komischen Rechtschreibfehler nicht ernst nehmen!

sanna53
21.11.2012, 19:35
Hallo an Euch! Mein Mann und ich haben heute beschlossen, dass er stationär in eine onkologische Fachklinik geht. Dort war er zur letzten Chemo, wir haben immer Verbindung mit der Klinik gehabt, man kann dort jederzeit anrufen und um Rat fragen. Ich habe auch die Befunde immer an die Klinik gefaxt. Heute hat mich der Chefarzt angerufen und den Vorschlag gemacht, dass es sinnvoll wäre, er würde stationär kommen und sich aufbauen lassen und dann ein neuer Versuch einer Chemotherapie-Georg ist damit einverstanden. Ich hoffe, dass wir zeitig einen Termin bei unserem Onkologen bekommen um mit ihm Rücksprache zu halten und dann zeitnah einen Aufnahmetermin in der Klinik. Das zuhause sitzen und aufs "aufpäppeln" warten geht nicht. Ich finds gut, dass sich Georg mal nicht gegen eine stationäre Aufnahme wert, sondern es auch will. Die Klinik ist in der Nähe der Grenze zu Österreich, aber die Anfahrt nehmen wir gern in kauf, von uns aus (wenn man den Dauerstau auf der Autobahn zwischen Nürnberg und München nicht einplant) dauert ca. 2 Stunden. Ist vielleicht auch ein "Tapetenwechsel", da die Klinik keinen "Klinikcharakter" hat, sondern eher wie eine Pension in den Alpen wirkt, mit Speisesaal und so. Die arbeiten ganzheitlich, Georg hat sich bei dem einen Aufenthalt auch gut gefühlt.
Bitte Daumen drücken, dass er davon profitiert!!!!
Liebe Grüsse-Sanna

Mirilena
21.11.2012, 19:44
Mensch Sanna,

das klingt doch super! Das freut mich riesig, dass Georg zugestimmt hat und ich bin mir sicher, dass er dort gut aufgepäppelt werden kann. Vielleicht findet er seinen Appetit wieder und auch seine Zuversicht. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass alles klappt und ihr ganz bald die Reise antreten könnt!

Endlich mal eine gute Nachricht:D :D :D

Ganz liebe Grüße
Miriam

sanna53
21.11.2012, 20:11
hallo miriam, ich bin froh, dass georg das angebot annimmt. ob er eine erneute chemo übersteht wird sich zeigen, aber irgendwie habe ich vertrauen in die klinik.
ich verstehe unseren onkologen auch nicht-will er nichts mehr machen oder kann er georg nicht die wahrheit sagen. ohne behandlung wird georg den kontrolltermin in 3 monaten wohl gar nicht erleben. jetzt fangen auch schmerzen an, auf der rechten seite im oberkörper, da sind ja die metastasen. der chefarzt heute meinte, die sind in die rippen eingewachsen, das stimmt auch mit dem pet-befund überein.
jeden tag ein neues erschrecken, aber das motto von dem chefarzt ist, dass schönreden nichts bringt. ich bin der gleichen meinung, vor allem weil ich ja seh, dass es georg jeden tag schlechter geht-man sieht ihn so richtig zusammenfallen, gegessen hat er heute gar nichts-etwas nahrung über die peg und das wars. er hat heute eigentlich nur geschlafen, gut er mußte heute morgen früh raus wegen einem hautarzttermin.
ich beginne immer mehr zu trauern, kann das nicht abstellen, was soll ich ohne georg in dem haus mit dem großen garten. denk oft drüber nach, dass ich (im todesfall-heul) nach finnland gehe. da kann ich genauso leben und arbeiten und finnland habe ich schon immer schön gefunden, war wohl echt kein nachteil, dass ich zum spass die sprache gelernt habe. finds schlimm, dass ich diese gedanken nicht abstellen kann. aber meine familie hier gibt es nicht mehr, ich habe einen tollen freundeskreis, das schätze ich auch sehr. aber sonst hält mich hier irgendwie nichts. du hast ja deine mam und wie ich gelesen habe eine tochter-du bist nicht allein! das macht wohl vieles leichter, denke ich mir zumindest. ich hätte gern geschwister oder noch eltern, die einfach da sind und mir mal unter die arme greifen. ein kind wollte ich nie, jetzt tuts mir leid. soviel für heute, ich drück dich ganz fest, den bayerischen nebel wünsche ich dir nicht, liebe grüße-sanna

Mirilena
22.11.2012, 07:54
Guten Morgen liebe Sanna,

hab' kein schlechtes Gewissen, dass du jetzt schon trauerst. Es ist die Zeit der tausend und abertausend kleinen Abschiede. Ich habe das auch so erlebt. Ich habe mich sogar dabei ertappt, dass ich an die Zeit "danach" dachte und fühlte mich so schlecht dabei. Doch offensichtlich gehört das dazu, man beginnt einfach schon früher mit der Trauer. Vielleicht aus dem Grund, dass sie uns dann nicht völlig überwältigt oder um zu verstehen, was überhaupt passiert. So wie diejenigen, die gehen müssen, sich auf ihre Weise auf den Abschied vorbereiten.

Ich finde es gut, wenn du Pläne für die Zeit danach machst. Vielleicht hilft es dir ein bißchen, eine Perspektive zu haben, wie es weitergehen könnte. Irgendwie wird es auf jeden Fall weitergehen. Alles wird dann anders sein, aber es wird nicht für immer dunkel und grau sein.

Ansonsten, versuch' in der Gegenwart zu sein und die guten Momente mit Georg zu genießen und in dich aufzunehmen. Ich hoffe ganz inständig, dass Georg nicht solche fürchterlichen Schmerzen ertragen muss und dass es mit dem Klinikaufenthalt klappt!

Ja, ich habe eine Tochter und ich bin auch echt froh, dass ich sie begleiten darf. Aber sie kommt allmählich in das Alter, da sie ihre eigenen Wege sucht und geht. Das ist ja auch gut und wichtig, doch manchmal macht mich das ein wenig wehmütig... Da muss ich mir halt auch andere "Aufgaben" suchen, doch ich bin ganz optimistisch, dass sich etwas finden lässt.

Hier ist es heute ziemlich windig und regnerisch... November halt! Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, oder?!:D
Liebe Grüße
Miriam

sanna53
22.11.2012, 17:23
Hallo Miriam! Heute waren wir beim Onkologen, die Idee mit dem stationären Versuch zum "aufpäppeln" findet er gut, aber die Chemo hat er Georg nicht geraten, er meint sein Zustand ist zu schlecht. Jetzt frage ich mich, wie das weiter geht oder gehen soll. Wird therapeutisch nichts gemacht wird Georg den Krebs nicht überleben. Das mit der Chemotherapie könnte ihn aber auch umbringen. Bin da total damit überfordert. Ich hoff das da letztendlich eine gute Lösung gefunden wird. Am Sonntag ist jetzt Aufnahmetag und ich hoffe so, dass Georg dort wieder etwas auf die Füße kommt, denn Zuhause geht gar nichts vorwärts. Ich bin dann auch mal etwas entlastet, möchte aber schauen dass ich so oft wie möglich hinfahren kann.
Hab heute für Georgs iPad noch Kopfhörer und ein Teil besorgt, dass er in Ruhe Fernsehen und seine Musik hören kann. Mehr kann ich irgendwie nicht tun zur Zeit.
Morgen habe ich einen Termin bei meinem Psychiater, hoffe der ewige Ärger mit der Krankenkasse kann jetzt mal geklärt werden.
In den Alpen ist wohl schönes Wetter, hoff das bleibt die nächste Zeit so.
Liebe Grüsse! Sanna

Mirilena
22.11.2012, 20:21
Liebe Sanna,

ich kann sehr gut nachempfinden, was dich da umtreibt und dass die widersprüchlichen Aussagen der Ärzte dich verrückt machen. Im nachhinein kann ich dir nur empfehlen, nicht zu weit in die Zukunft zu planen und nur einen Schritt nach dem nächsten zu gehen. Jetzt muss Georg erst einmal aufgepäppelt werden und dann kommt der nächste Schritt. Sobald er das geschafft hat, kann neu beraten werden, wie es weiter geht. Versuch bitte, alle anderen Gedanken zu verdrängen und im JETZT zu leben. Ich weiß, wie schwierig das ist, aber vielleicht hilft es dir, ganz laut STOP zu sagen, wenn deine Gedanken Karussell fahren wollen oder du stellst dir eine rote Ampel vor. Man kann solche Muster verdrängen. Und dann versuch', dich auf etwas in deiner Umgebung zu konzentrieren und das bewusst wahrzunehmen. Egal, ob es ein Buch, eine Blume, ein Duft oder etwas anderes ist.
Es ist furchtbar, keinen Einfluss nehmen zu können und keine positiven Veränderungen der Krankheit bewirken zu können, doch du tust so viel für Georg. Du bist da, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Mehr kannst du nicht für ihn tun. Gib jetzt die Verantwortung ab und vertraue auf den Aufenthalt in der Klinik. Georg tut das auch!

Und für deinen morgigen Termin... da denke ich an dich! Irgendwie wird es schon weitergehen! Vielleicht kann ja auch der Psychiater mal helfend bei der Krankenkasse vorsprechen? Ich wünsche es dir!

Liebe Grüße aus dem Norden
Miriam

sanna53
23.11.2012, 18:08
Hallo Miriam, ja das Hirn ausschalten zu können wär schön, wenigstens mal für eine kurze Zeit. Aber das konnte ich schon immer schlecht. Und irgendwann ist es einfach zu viel im Kopf.
Der Besuch bei meinem Nervenarzt war gut, er kennt die Schickanen der Kasse und hat gemeint, ich soll mich einfach nicht damit beschäftigen. Er entscheidet über meine Erkrankung, Behandlung und wie lange ich Zuhause bleibe.
Georg hat heute wieder viel geschlafen und eigentlich gar nichts wirkliches gegessen. Heute hat er wieder gemeint, dass es nichts mehr wird mit ihm. Vielleicht spürt er mehr als man sich als nicht Betroffener vorstellen kann. Er tut mir so leid, vor ein paar Monaten hatte er Pläne, Spass und wir hatten trotz Einschränkungen ein lebenswertes Leben. Es wird jeden Tag ein wenig schlechter, hoff nur noch auf die Klinik.
Morgen werde ich wie so oft dieses Jahr wieder seine Tasche packen.....ist doch wie ein schlechter Film.
Bis bald! Sanna

Mirilena
23.11.2012, 23:24
Liebe Sanna,

ja, das fühlt sich wirklich wie ein schlechter Film an und niemand hat euch gefragt, ob ihr überhaupt die Hauptrollen übernehmen wollt... Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ein kranker Mensch am besten spürt, was mit ihm los ist und wie es ausschaut. Bei meinem Papa war es zumindest auch so. So hoffnungsvoll er anfangs auch war und so sehr er auf die angebotenen Therapien vertraut hat... Es kam der Moment, da er spürte, dass die Krankheit nicht aufzuhalten ist und ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Das hat mir echt das Herz gebrochen. Und andererseits war es wichtig, darüber zu reden, wenn er reden wollte. Das Merkwürdige ist (so habe ich es persönlich empfunden), dass man noch so viel "wissen" kann, das Gefühl jedoch seine eigenen Wege sucht. Obwohl wir wussten, dass Papa sterben würde, haben wir insgeheim immer noch auf ein Wunder gehofft. Das tun wir wohl alle und vielleicht ist das auch notwendig, um diese Zeit irgendwie zu überstehen. Um jeden Morgen wieder aufzustehen und zu leben, zu überleben trotz der Schwere.
Ich bin froh, dass du offenbar einen guten Arzt hast, der dich tatkräftig unterstützen wird im Kampf gegen die Krankenkasse. Du kannst jetzt wirklich jede Unterstützung gebrauchen.
Also, liebe Sanna, gib trotz allem die Hoffnung nicht auf! Packe einfach ein wenig Hoffnung in Georgs Tasche mit hinein! Auf jeden Fall werden sich das Team in dem Krankenhaus gut um deinen Mann kümmern. Und fahrt vorsichtig, ja!
Gute Nacht und schlaf gut
Miriam

sanna53
24.11.2012, 12:05
Hallo Miriam!
Dieses auf ein Wunder hoffen kenn ich nur zu gut, 2mal war's ja auch ein Wunder bei Georgs Krankengeschichte. Ob es auch ein drittes gibt weiß ich nicht. Ich kann es uns nur wünschen. Gestern Abend hat er Schmerzen gehabt, genau dort wo im PET was gesehen wurde. Er hat seinen Befund nicht gelesen, es hat mich traurig gemacht. Der Befund ist wohl doch sehr ernst zu nehmen. Hab an meine Freundin gedacht, sie hat auch gespürt, dass ihr Tumor schon überall ist.
Ich bin dabei jetzt seinen Koffer zu packen, viel Kraft kommt da auch mit rein.
Morgen müssen wir dann zeitig los. Mir graut dann wieder vor den Tagen allein hier. Der einzige Trost ist der, dass ich weiß er ist in der Klinik gut aufgehoben, als er dort im September war hat er sich ganz gut gefühlt. Auch die anderen Patienten dort konnten nur positives berichten.
Mein Laptop hat ein Freund von uns wieder hinbekommen, also kann ich weiter im Forum lesen und schreiben.
Liebe Grüsse! Sanna

Mirilena
26.11.2012, 20:16
Liebe Sanna,

ich hoffe, dass ihr gestern gut in der Klinik angekommen seid und alles geklappt hat. Hoffentlich hat Georg ein schönes Zimmer bekommen und wurde nett empfangen. Bist du denn gut heim gekommen? Für dich fühlt es sich jetzt sicherlich sehr seltsam an, allein zu Haus zu sein und dich mal wieder nur um dich selbst kümmern zu müssen, oder? Versuch mal, die Zeit ein wenig für dich zu nutzen und Kraft zu tanken. Vielleicht kannst du dich mit Freunden treffen und etwas tun, was dich ablenkt oder dir einfach Freude bereitet?

Und wenn du etwas loswerden musst, dann weißt du, wo du es lassen kannst;)!

Ich wünsche dir einen schönen Abend,
Miriam

sanna53
26.11.2012, 20:44
Hallo Miriam, wir sind gestern sehr herzlich empfangen worden. Georg bekam gleich eine Infusion und wurde untersucht. Er hat bisher noch ein Einzelzimmer und seine Ruhe. Leider geht mit Essen gar nichts, er hat schon wieder 4 kg abgenommen, 55 kg bei knapp 180 cm. Was jetzt weiter gemacht wird, weiß ich nicht, diese Woche erst mal aufpäppeln und dann wird weiter beraten. Bin heute kurzentschlossen hingefahren, weil ich wissen wollte was gemacht wird. Georg ist nur müde und schlapp, wir waren in dem kleinen Ort in einem Café, das hat ihn schon genug angestrengt.
Ich werde am Mittwoch wieder reinfahren, vielleicht weiß ich dann mehr. Morgen werde ich mal so einen Putztag einlegen, hab beim Ikea neue Pflanzen für den Wintergarten gekauft-Ablenkung einfach. Hilft ja kurzzeitig mal, vielleicht schaut Georgs Freund vorbei, das ist auch immer ok. Besuch will Georg keinen, obwohl einige gern mitfahren würden.
Ich wünsch Dir mal was, bis bald - Sanna

sanna53
28.11.2012, 19:36
Hallo! Mein Mann ist jetzt seit Sonntag in der onkologischen Fachklinik, dass es aufwärts geht bemerke ich leider nicht. Er kann nach wie vor nichts essen und lebt nur von Portnahrung. Heute bin ich reingefahren und traurig wieder heim.
Mittag hat er 3 Löffel Suppe gegessen. Mehr geht nicht. Jetzt hat er einen Rollator bekommen, weil er sich mehr bewegen müsste, aber es kostet ihn wohl zu viel Kraft, wir waren nur im Cafe, das sind von der Klinik aus ca. 100 Meter, danach war er fertig. Tut alles in der Seele weh. Liebe Grüsse! Sanna

Mirilena
29.11.2012, 07:44
Liebe Sanna,

so schnell geht das nicht, hab' ein wenig Geduld! Georg hat so ein Untergewicht, dass es einfach dauert, bis er wieder ein bißchen zu Kräften kommt. Dass dir das alles in der Seele weh tut, kann ich so gut nachempfinden. Es ist einfach nur schrecklich mit ansehen zu müssen, wie ein geliebter Mensch leiden muss. Ich hoffe inständig, dass man ihm in der Klinik helfen kann und er wieder auf die beine kommt. Auf jeden Fall ist es doch schön, dass er herzlich willkommen geheißen wurde und ihr damit wisst, dass die Menschen sich dort auch wirklich kümmern werden.

Und leg' du auch mal Verschnaufpausen ein, wenn du alles daheim hübsch hergerichtet hast. Ich glaube, ich werde am Wochenende ein paar Plätzchen backen. Ich liebe diesen Geruch von frischen Keksen.;) Eine besonders begnadete Bäckerin bin ich ja nicht gerade, aber vielleicht bringt das ein bißchen Adventsstimmung. Die will bei mir auch gerade nicht aufkommen, seit ich in meiner Firma "degradiert" wurde und man mir ein anderes Aufgabengebiet zugeteilt hat. Nun bin ich verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Job. Um ehrlich zu sein, ich suche seit Monaten nach einem anderen Job, aber hier im Norden ist das auch nicht gerade einfach... Nun tröste ich mich jeden Tag selbst, indem ich mir sage, dass ich mich einfach in Geduld üben muss und ich irgendwann schon die richtige Person zur richtigen zeit sein werde. Das Jahr 2012 ist rückblickend so ziemlich das kraftraubendste und traurigste, was ich bisher erlebt habe. Also sage ich mir, dass es nur besser werden kann;) Glaube versetzt ja angeblich Berge!!!

In diesem Sinne fühle dich geknuddelt
Miriam

sanna53
29.11.2012, 19:38
Hallo Miriam, hast schon recht-Geduld, die fehlt mir. Aber mein Gefühl sagt mir, dass uns die Zeit davonläuft. Georg verfällt immer mehr, wird immer apathischer. Das macht mir einfach Angst, es ist gerade so, als wenn er sich selbst aufgegeben hätte. So niedergeschlagen und wortkarg kenne ich ihn nicht. Auch dass er jetzt mit einem Rollator einverstanden ist - vor ein paar Monaten hätte er den mir nachgeschmissen macht mich nachdenklich. Eigentlich kennt ihn niemand so, Georg war immer ein Kämpfer und hat auch meist das Gegenteil eines Rats vom Arzt getan. Nun scheint alles alles egal zu sein, das nächste was er will ist wahrscheinlich ein Pflegebett. Ich sehe einfach keine Spur von Lebenswillen mehr. Und so kenne ich ihn einfach gar nicht.
Ja, das Haus ist jetzt sauber, das hat's heute mal gebraucht. Tut auch gut, selbst wenn es ihm egal ist, wenn er heimkommt. Mir tuts gut. Morgen fahre ich wieder hin, kann auch übers Wochenende in der Klinik bleiben, mal sehen, das mach ich vom Wetter abhängig. Ich weiß eben nicht wie ich die Zeit dort rumbringen soll. Um den Kater kümmern sich die Nachbarn, hier schneit es halt ein wenig aber in den Bergen ist's dann schon für einen Flachländer wie mich schwer mit Autofahren.
Ich weiß nicht was Du beruflich machst- irgendwas im Büro? Jedenfalls wünsch ich Dir da viel Erfolg bei der Jobsuche. Das wird sich auch geben, auch wenn's immer heißt da steht Bayern gut da. Hab da keine Ahnung davon. Ich weiß nur das Pflegepersonal immer gesucht wird. Auch kein Trost, weil die einzige riesige Klinik die ist, in der der ich arbeite. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende-liebe Grüsse -Sanna

Mirilena
30.11.2012, 07:24
Guten Morgen liebe Sanna,

ich möchte dir zumindest eine gute Fahrt wünschen! Bei euch kommt ja ordentlich Schnee runter. Hier regnet es nur und es ist unangenehm nasskalt. Brrrr!

Da können wir uns die Hand reichen, was die Geduld angeht. Ich bin auch ein eher ungeduldiger Mensch, doch je älter ich werde, desto besser diszipliniere ich mich :D Zumindest manchmal!

Ich glaube, dass Georg derzeit einfach keine Kraft mehr hat und alles über sich ergehen lässt in der Hoffnung, dass es ihm irgendeine Erleichterung verschafft. Das Kämpfen kostet auch so extrem viel Kraft... Manchmal ist es da besser, eine Verschnaufpause einzulegen und in sich hinein zu horchen. Da dein Georg ja nicht derjenige ist, der viel von sich und seinen Gedanken preisgibt, weißt du wahrscheinlich auch nicht, was ihn gerade so bewegt. Vielleicht versucht er innerlich, sich mit der Krankheit abzufinden und irgendwie zu arrangieren. Das muss unglaublich schwer sein. Und auch wenn er oft so unwirsch und launisch wirkt, denke ich, dass er sich sehr viel Sorgen macht. Auch und insbesondere deinetwegen. Mensch, wenn ich mir vorstelle, dass er nur 55 kg wiegt bei seiner Körpergröße... Kein Wunder, dass da derzeit einfach keine Kraft mehr ist. Woher soll die kommen? Ich hoffe ganz stark, dass der Aufenthalt in der Klinik Gutes bewirkt. Ich finde es schön, dass du Georg am Wochenende besuchst. Vielleicht kannst du ihn einfach ein wenig ablenken.

Ich habe übrigens drei Katzen (ein Kater und zwei Mädels). Eine Katze ist eine norwegische Waldkatze. Wunderschön und sehr eigenwillig mit einem so buschigen Schwanz wie ein Eichhörnchen:D Da sie immer auf dem Dach herumturnt, verknotet sich ihr wuscheliges Fell ganz oft und ich sitze dann mit ihr hier und versuche verzweifelt, ihr die Knoten aus dem Fell zu "operieren". Katzen sind doch etwas Wunderbares! Ich liebe es, wenn sie sich zusammen rollen und vor Behaglichkeit schnurren. Mich beruhigt das immer ungemein.

Und ja, ich arbeite im Büro (Marketing). Gesucht werden hier aber vorwiegend auch Pflegekräfte... Da kann ich mit meiner Ausbildung keinen Blumentopf gewinnen;) Aber das wird schon!

Also, dann fahr' vorsichtig durch die Berge und ich denke an euch!
Liebe Grüße
Miriam

sanna53
30.11.2012, 19:09
Hi Miriam, war heute nicht lang in Brannenburg. Georg hat nur geschlafen, ich bin mit einem sehr unguten Gefühl wieder nach Hause gefahren, hab mir schon überlegt, ob ich dort bleibe. Aber das schlechte Wetter dort hat mich davon abgehalten und immer in Georgs Zimmer sitzen halte ich auch nicht aus.
Georg wurde heute eine neuer Versuch einer Chemotherapie angeboten, er will keine mehr. Das hat mich so traurig gemacht, aber es ist sein Leben und ich denke auch, dass er genau weiß das ihm die Kraft dazu einfach fehlt. Weiterdenken fällt mir schwer, ich kann ihn auch nicht so Leiden sehen.
Jetzt sitz ich traurig Zuhause, unser Kater ist kein besonderer Trost, er will immer nur fressen, das ist sein Lebensinhalt und wenn der Napf nicht voll ist schreit er rum. Katzen sind Georgs Ding, ich bin mit Hunden aufgewachsen und hatte zuletzt 14 Jahre einen Irish Setter. Hätte immer gern einen Dobermann, aber Georg kann mit Hunden nicht, zumindest nicht mit einem eigenen.
Ich drück Dir die Daumen ganz fest, dass das mit Deinem Job mal was richtiges wird und Du was findest, was Dich zufrieden macht, die Kohle soll auch stimmen! Liebe Grüsse aus dem etwas verschneiten Bayern-Sanna

Mirilena
01.12.2012, 09:13
Guten Morgen Sanna,

nach einem wunderschönen Kratzkonzert meiner Katzen an der Tür bin ich aus dem Bett gepurzelt und habe als erstes wahrgenommen: es hat geschneit! Zumindest die Dächer und Bäume rundherum sind voller Schnee und das sieht sehr schön aus. Also habe ich mich in eine Decke eingemummelt und bin samt Katzen auf den Balkon gegangen. Die drei toben nun im Schnee herum, doch mir war's ein wenig zu ungemütlich:tongue Ich sitze lieber in meinem alten Ohrensessel und trinke einen Kaffee.

Es wundert mich ja sehr, dass man Georg nun wieder eine Chemotherapie angeboten hat... Wie sollte er das jetzt überstehen?! Ich bin zwar ein medizinischer Laie und ich kenne Georg nicht, doch nach alldem, was du geschrieben hast, denke ich, dass es keine gute Idee wäre, zu diesem Zeitpunkt wieder mit einer Chemo zu beginnen. Ich kann Georgs Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Ich denke, es würde ihm mehr schaden als dass es Gutes für ihn bewirkte. So traurig und niederschmetternd es für dich auch ist, aber du hast recht, es ist seine Entscheidung, seine Krankheit und sein Weg. Ich hoffe nur inständig, dass Georg wenigstens gut eingestellt ist und nicht solche Schmerzen hat. Liebe Sanna, ich weiß gar nicht so recht, was ich dir Aufmunterndes schreiben soll, denn ich habe irgendwie das Gefühl, dass es nicht besser wird... Und das tut mir unendlich leid. Auch wenn ich Georg nicht kenne, dann muss ich sagen, dass ich ihn dafür bewundere, dass er seit so vielen Jahren kämpft, um die Krankheit zu besiegen. Und du mit ihm! Mein Papa hatte nur 10 Monate von der Diagnose Lungenkrebs mit Knochenmetastasen bis zu seinem Tod und diese 10 Monate haben uns ebenfalls unheimlich viel Kraft abgerungen. Wenn ich mir dann vorstelle, es wären 7 Jahre gewesen... Und ständig diese Aufs und Abs, diese aufkeimende Hoffnung, die dann mit einem Satz wieder zerschmettert wurde. Das ist so hart. Vor allem gibt es wohl nichts Schlimmeres, als einen geliebten Menschen so leiden zu sehen und nichts tun zu können außer da zu sein. Es fühlt sich an, als würde man selbst am Abgrund stehen. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ich habe dann wie als Kind immer so komische Deals ausgehandelt mit Gott oder wem auch immer... Wenn ich dieses und jenes tue, dann muss das Untersuchungsergebnis so und so für Papa ausfallen... Hat eigentlich nie geklappt. Meine Tochter und ich waren uns da sehr ähnlich. Wir haben beide mit Gott und dem Schicksal gehadert. Und es hat sehr lange gedauert, bis wir auch in der Hinsicht einen Frieden schließen konnten. Heute glaube ich, dass vieles einfach von vornherein bestimmt ist. So auch unsere Lebenszeit hier auf Erden. Elisabeth Kübler Ross schreibt ja, dass wir sozusagen hier sind, um etwas zu lernen, unsere Lektionen zu erfüllen und wenn uns all das gut gelungen ist, dann gehen wir sozusagen in eine andere Ebene. Hmmm, ob das so ist? Aber es beschäftigt mich sehr, dieses Thema. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass ich meinen Vater wieder sehen werde, wenn ich denn diese Erde verlasse. Ich hoffe, dass er mich dann abholt und mir den Weg weist. Da fällt mir spontan immer das Buch "Die Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren ein und dass Jonathan und Karl sich in dem Land Nangijala wieder getroffen haben. Das finde ich eine sehr tröstliche Vorstellung. Viele mögen das als kindisch abtun, aber das interessiert mich nicht.

So liebe Sanna, ich hoffe, dass du nicht zu viel grübelst am Wochenende! Wenn dir daheim die Decke auf den Kopf fällt, dann versuch', Freunde zu treffen. Euer Kater scheint ja tatsächlich kein guter "Gesellschafter" zu sein;) Schade, dass du so weit im Süden bist! Sonst hätte ich gesagt, lass uns auf einen Spaziergang durch den Schnee treffen und anschließend einen schönen heißen Tee trinken! Liebe Grüße
Miriam

sanna53
01.12.2012, 17:52
Hallo Miriam,
Die Chemotherapie wurde angeboten mit der Option, dass es nicht gleich sein muss. Er kann es sich überlegen und sich auch nach 3 Wochen dafür entscheiden. Es wäre ein Versuch, entweder geht der Tumor zurück oder er bleibt gleich, was auch gut wäre. Unbehandelt wird es wohl nicht lange gut gehen und dann werden die Beschwerden los gehen. Das möchte ihm man ersparen, wo doch noch eine kleine Hoffnung besteht. Warum Georg jetzt gar so teilnahmslos und antriebslos ist kommt wohl nicht direkt durch die Erkrankung, das müsste dann alles fortgeschrittener sein. Werde morgen wieder hin fahren, auch wenn's sehr anstrengend ist, gerade bei dem Wetter. Gestern bin ich in einen richtigen Eisregen hinter München gekommen. Wenigstens fahren morgen keine Laster, das ist schon mal was Wert, nehm auch für den Notfall wieder ein bisschen Gepäck mit.
Dir ging es genauso wie mir, einen Menschen den man liebt kann man nicht Leiden sehen, wenn man wirklich helfen könnte wäre es noch erträglich. Das mit den kleinen Deals kenn ich auch-das ist so wie wenn man nur auf die hellen Fliesen steigen darf und auf die dunklen nicht. Schön, dass ich jetzt jemand kenne, der auch so einen winzigen Tick hat-Hauptsache etwas wird gut. Ich habe den Tag mit viel Heulen verbracht und mich über einen netten Besuch gefreut. Dem entsprechend Schau ich jetzt auch aus. Na ja, egal.
Den Spaziergang durch den Schnee holen wir irgendwann mal nach-ich Reise gerne und die Ostsee, Hamburg und Lübeck etc. standen schon lang auf meinem Plan-dann kommt Kiel eben noch mit auf die Liste!
Ich wünsch Dir was, schöne Zeit und bis bald-Sanna

Mirilena
02.12.2012, 07:35
Guten Morgen Sanna,

es ist stockfinster draußen und ich weiß auch nicht, weshalb ich bereits aufgestanden bin. Der Schnee ist bereits gestern weg getaut und nun ist es wieder nasskalt.

Hoffentlich konntest du heute Nacht einigermaßen gut schlafen und dir tut dein Kopf nicht so weh wegen des Weinens. Dennoch ist es ja gut, wenn du die Tränen fließen lassen kannst und nicht alles sich nach innen kehrt. Mir hat das Weinen oft geholfen. Manchmal saß ich hier und musste aus heiterem Himmel losheulen. Oft auch beim Auto fahren, was etwas störend war, weil ich dann nichts mehr sehen konnte. Und ich kenne das, irgendwann ist frau völlig verquollen und die Augen schmerzen... Aber letztlich spülen die Tränen auch immer ein wenig der unterdrückten Gefühle heraus und erleichtern die Seele ein wenig. Ich habe auch oft im Auto geschrien, so laut ich konnte und bis mir die Luft weg blieb. Auch das hat mir geholfen.

Aber fahr um Gottes Willen vorsichtig, wenn du dich heute auf den Weg zu Georg machst! (Ich klinge schon wie meine eigene Mutter :D)

Trotz allem wünsche ich dir und Georg einen schönen ersten Advent...
Miriam

P.S. Irgendwie drollig, dass wir beide diesen Tick mit den Deals haben, oder?

sanna53
02.12.2012, 18:51
hallo miriam, bin sehr frustig heute schon ziemlich schnell wieder nach hause gefahren. wollte eigentlich drin bleiben, schaffs aber psychisch nicht. georg gehts wieder eine ecke schlechter. ich frag mich wie das mit der entlassung dienstag oder mittwoch gehen soll. er baut so rasend schnell ab. jetzt werde ich gleich morgen früh wieder reinfahren und auf ein gutes arztgespräch hoffen. ich muss ja für hier so wie es aussieht einiges organisieren-pflegedienst, ein pflegebett etc., das geht nicht in 2 tagen. georg meint, er könnte sich einfach so ins auto setzen und heimfahren, nach oben ins schlafzimmer gehen und so. da hat er eine ganz andere wahrnehmung als. es wäre schön, wenn er in brannenburg bleiben könnte. in den bergen war er immer gern. aber will heim, versteh ich ja, nur macht er sich keine gedanken wie es zuhause noch gehen soll. falls es sich organisieren lässt bin ich ja auch dafür. nur allein schaff ich das nicht.
so, jetzt wünsch ich dir auch eine schöne adventszeit. liebe grüsse! Sanna

Mirilena
04.12.2012, 08:04
Guten Morgen Sanna,

das hört sich nicht gut an. Da bleibt dir tatsächlich nicht viel Zeit alles zu organisieren, was notwendig ist. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es dennoch machbar ist und ihr schnellstmöglich ein Pflegebett erhaltet und du einen guten Pflegedienst findest. Wie sieht es mit Palliative Care aus? Ich würde das Thema unbedingt ansprechen, denn ich denke, dass es dir sehr helfen würde, wenn jemand mit Palliativausbildung dich und Georg unterstützt. Das nimmt dir ein Stück weit von der Verantwortung und vor allem kannst du rund um die Uhr das Palliativnetzwerk anrufen, wenn etwas sein sollte. Uns hat das extrem viel geholfen und ich kann es vorbehaltlos empfehlen. Ich wusste überhaupt nicht, dass es soetwas gibt und von SAPV hatte ich noch nie gehört. Dazu riet man uns hier im Forum und ich habe mich sofort darum gekümmert und ich muss sagen, es war das Beste, was uns in der Situation widerfahren konnte. Auch meine Mutter und mich hat es aufgebaut und wir fühlten uns damit sicherer.

Es ist ein schwerer Schritt und es verlangt dir sehr viel ab. Vielleicht kannst du eure Freunde bitten, dass sie dich gelegentlich unterstützen, denn du kannst wirklich jede Hilfe brauchen. Außerdem ist es wichtig, dass du ab und an eine kleine Verschnaufpause einlegst.

Ach Sanna, ich wünschte, Georgs Aufenthalt in der Klinik wäre positiver verlaufen und er hätte sich etwas erholt...

Liebe Grüße
Miriam

sanna53
04.12.2012, 10:30
Hallo Miriam, heute - ich weiß es noch nicht, werde ich wohl mal Zuhause bleiben. War heute beim Hausarzt und habe mich dann mit der Palliativstation bei uns in Verbindung gesetzt , allein lassen kann ich Georg nicht mehr, er braucht rund um die Uhr Betreuung. Das kann ich Zuhause auch mit Pflegedienst und sapv - Team nicht gewährleisten. Ich habe ja niemand hier und Georg soll die bestmögliche Pflege bekommen. Auch wenn ich ihn gern Zuhause haben möchte, aber ich muss ja auch mal schlafen etc.
Für mich ist das jetzt alles zu schnell gegangen, er hat doch noch seine Wanderschuhe und einen Reiseführer eingepackt. Wieso sich jetzt alles so rasant nach unten entwickelt hat, ist für mich unvorstellbar. Er wollte ja zum aufbauen stationär. Nun liegt er nur noch, will nicht mal mehr Fernsehen und sein geliebtes Heimatblatt liest er auch seit Tagen nicht mehr. Was da in so kurzer zeit passiert ist ist so unbegreiflich. Gestern hatte ich das Gefühl er nimmt mich gar nicht so richtig war, alles geht an ihm irgendwie vorbei, er wollte auch keine Visite. Ich bin mittlerweile so verheult, dass ich mich gar nicht mehr ansehen kann.
Ich hoffe nur, dass er keine Schmerzen haben muss und bei uns auf der palliativstation ein Bett bekommt. So Leids mir tut, aber Zuhause bin ich damit überfordert. Die Ärzte meinten ihm wär's egal, so wie ihm alles egal geworden ist. Und ich dachte immer uns bleibt noch zeit -wenn vielleicht nicht mehr so viel, aber ich dachte immer, wir werden nochmal gemeinsam Urlaub machen oder so. Nun muss ich begreifen und Umdenken, gestern der Arzt hat toll mit mir geredet und auch gemeint, dass es für Georg zu früh ist und für mich mit 44 auch. Da hätte man eigentlich andere Sachen im Kopf.
Liebe Grüße- Sanna

Mirilena
04.12.2012, 18:47
Liebe Sanna,

das tut mir wahnsinnig leid!!! Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn da immer noch die Hoffnung flackert und man dann so mit der knallharten Realität vom Arzt konfrontiert wird. Das tut so weh, dass es einen zu zerreißen droht. Und dennoch ist es gut, dass Georg solche Ziele hat(te) wie Wandern gehen. Und dass ihr einen gemeinsamen Urlaub ins Auge gefasst habt.
Uns bzw. meinem Papa wurde von der Psychoonkologin gesagt, dass es egal ist, ob man diese Ziele noch erreicht. Hauptsache ist, man habe welche... Wichtig ist vielleicht, dass einem bewusst wird, was einem etwas bedeutet...

Ich denke auch nicht, dass Georg alles egal ist. Ich denke, er hat einfach keine Kraft mehr. Alles ist zu viel geworden und kostet so viel Energie, die er einfach nicht aufbringen kann. Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass er auf die Palliativstation kann. Wir haben dies Anfang des Jahres als große Erleichterung empfunden für meinen Papa. Dort hat man ihn als Menschen wahr genommen und ihm geholfen. Dort wurden ihm die Schmerzen genommen, so gut es ging. Und er musste um nichts bitten, da spürten die Leute einfach, was ihm gut tat und wo er Hilfe benötigte. Und auch wir als Angehörige fühlten uns dort aufgenommen mit unseren Ängsten und unserer unendlichen Traurigkeit. Ich fühlte mich dort immer außerhalb von Zeit und Raum und es war einfach nur friedlich. Eine sehr schöne Atmosphäre. So sehr sich mein Vater anfangs gesträubt hatte, so froh war er, diesen Schritt dann getan zu haben. Das wünsche ich Georg auch, dass er sich dort gut aufgehoben fühlt. Ich denke, dass es dir auch gut tun wird, denn da kannst du einfach Zeit mit ihm verbringen oder einfach an seiner Seite verweilen und musst dich nicht um die Pflege und den Alltag kümmern.

Ich wünsche dir ein Hand voller lieber Menschen, die dich jetzt ein wenig auffangen können und auch einfach an deiner Seite sind!

Traurige Grüße aus dem Norden
Miriam

Mirilena
05.12.2012, 21:58
Liebe Sanna,

habe gerade noch hier reingeschaut. Ich hoffe ganz stark, dass Georg bei euch in der Nähe auf einer Palliativstation aufgenommen werden kann. Wenn du magst, dann melde dich hier. Wenn nicht, kann ich dich auch sehr gut verstehen. Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich an euch beide denke! Das hilft euch zwar auch nicht, aber ich möchte, dass du weißt, dass du nicht so allein bist, wie du dich jetzt wohl fühlen magst.

Liebe Grüße aus dem verschneiten Norden
Miriam

sanna53
06.12.2012, 19:14
hallo miriam, gestern war ich zu müde zum schreiben, heute bin ich innerlich so zerrissen, weil ich nicht weiss, ob die entscheidung mit palliativ/hospitz die richtige war. ich habe mit 2 ärzten gesprochen, sie sagen heilung ist nicht mehr möglich, mit dem versuch einer chemo könnte man bestenfalls einen stillstand erreichen. wie lange er dann ruhe hat weiss niemand, aber so recht überzeugt ist keiner von erneuter chemo. da georg sich kaum äussert, bleibt viel an mir hängen, er ist einfach zu müde und kann sich schwer wach halten. nun kann er wahrscheinlich nächste woche ins hospitz zu uns verlegt werden. das ist so ein schwerer schritt für mich, weil ich nie hören möchte, dass ich ihm eine chance nicht gegeben hätte. aber er unverändert, isst und trinkt nicht, nimmt auch irgendwie an nichts mehr teil. gestern war seine schwester mit dabei, sie war richtig schockiert, dass ihr bruder so verfallen ist. das ging jetzt einfach zu schnell für alle, ich denke immer er mag halt nicht mehr. auch wenn er es nicht sagen kann, zeigt er es mit seinem verhalten. ich weiss nicht, was falsch ist oder richtig jetzt. morgen fahr ich wieder hin, aber ich denke nicht, dass sich was verändert hat.
ich habe gute freunde, die mich immer etwas auffangen, aber trotzdem fühl ich mich jeden abend allein und einsam im haus. heute geh ich früh schlafen, weil mich das autofahren in die berge ganz schön viel kraft kostet. der schnee jeden tag macht daraus eine kleine irrfahrt.
ich wünsch dir was, bis bald, freu mich, dass du an uns denkst! liebe grüsse-sanna

Monika Rasch
06.12.2012, 20:16
Liebe Sanna,
ich bin auch am mitlesen.
Es tut mir so leid, dass dein Georg(meiner hiess auch so) keine Chance mehr
hat auf ein erträgliches Leben.
Er scheint es begriffen zu haben, dass er nicht überleben wird...ist aber
sprachlos Dir gegenüber weil er so traurig ist Dich allein lassen zu müssen.

Vielleicht....schaffst Du es ihm zu sagen was er Dir bedeutet und dass Du weisst dass er kämpfen würde wenn noch Hoffnung wäre...

dass aber leider die Chemo ihn noch schneller sterben lassen würde und dass Du doch noch ZEIT mit ihm haben möchtest...GUTE ZEIT, schmerzfreie Zeit... und diese Zeit kann er im Hospiz bekommen, weil die wissen wie es geht....
Zeit die nur für Euch ist, ohne dass Haushalt gemacht werden muss...die Zeit im Hospiz die Du DORT bist ist nur für Georg.

Mirilena
06.12.2012, 21:35
Ach Sanna,

das tut mir so unendlich leid! So etwas möchte man auf keinen Fall hören, wenn man einen Menschen so lieb hat wie du Georg. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll, das dich nur ein klitzekleines bißchen trösten könnte. Ich weiß noch genau, wie ich mich fühlte, als mir klar war, dass mein Papa nicht mehr viel Zeit hat.

Monika hat so recht, so schwer dir die Entscheidung auch fällt, Georg in ein Hospiz ziehen zu lassen, so kann ich dich auch nur darin bekräftigen. Dort kann man Georg seine Schmerzen nehmen und es ihm so angenehm wie möglich machen. Und du kannst die Zeit mit ihm verbringen ohne dich um Haushalt oder Ähnliches zu kümmern. Du kannst dich ganz auf Georg konzentrieren. Dort herrscht bestimmt eine besondere Atmosphäre, ein wenig so, als wärt ihr außerhalb von Zeit und Raum. Stille und Frieden. Liebe Sanna, ich wünschte so, ich könnte dir irgendwie helfen, aber ich kann es leider nicht. Wie hilflos musst du dich nur in dieser Situation fühlen?! Es ist so unsagbar schwer loszulassen. Die schwerste Lektion, die wir wohl lernen und durchleben müssen. Und doch ist es ein Akt der Liebe loszulassen, wenn keine Kraft mehr da ist. Ich wünsche euch beiden, dass noch Zeit bleibt mit schönen, warmen, innigen Momenten. Augenblicke voller Intensität.

In Gedanken bin ich bei dir
Miriam

sanna53
07.12.2012, 17:18
Hallo, bin wieder zurück aus den Alpen. Georg hat mal wieder seine Visite verschlafen. Mittags wurde er dann wach, hat mich zum Einkaufen geschickt, es hat mich richtig gefreut, dass er eine Zeitung und Saft wollte. Dann haben wir die ganzen Sachen fürs Hospitz ausgefüllt, ich glaube das er es besser annehmen kann als ich. Er meinte nur,mei es geht halt dahin mit mir. Dieser Satz hat wieder so weh getan, dass ich es nicht beschreiben kann. Nun bin ich wieder allein im Haus, gut ich könnte auch etwas unternehmen, aber dazu habe ich keine Lust. Ich bin froh, wenn Georg wieder hier ist und ich mit unserem dicken Kater zu ihm fahren kann. Nächste Woche kann er wohl ziemlich sicher dann ins Hospitz verlegt werden. Auch diese Zeit werden wir irgendwie verbringen müssen, ich denke mir zum Trost es wird keine bessere Zeit, sondern eine andere Zeit werden. Was nach dieser Zeit dann sein wird weiß ich nicht.
Vielen Dank für eure lieben Beiträge, es tut doch einfach gut, wenn man weiß, dass man mit diesen ganzen Problemem nicht allein ist. Sanna

Mirilena
07.12.2012, 18:29
Ja, liebe Sanna, es wird eine andere Zeit sein. Womöglich eine Zeit der Stille, der Nähe, der Liebe. Eine Zeit, die man mit Worten schwer beschreiben kann. Für dich wird es sicherlich auch eine schwere Zeit, eine Zeit des Abschieds. Aber es ist auch eine wichtige Zeit und im nachhinein wirst du sicherlich froh sein, dass du diesen Weg mit Georg gegangen bist.

Wenn du etwas loswerden musst, dann weißt du ja, wo du uns findest! Wir haben immer ein offenes Ohr und wir werden versuchen, einfach für dich da zu sein. Mir hat das damals auch sehr geholfen. Allein die Tatsache, dass andere Menschen ebenso empfinden und Ähnliches durchleben und mich verstehen.

Dann ruhe dich jetzt mal aus und kuschel' dich ein und schlaf dich ordentlich aus!

Liebe Grüße
Miriam

sanna53
08.12.2012, 19:19
Hallo, hab mal ins Forum geschaut, das Wochenende war traurig, dieses gedankenkreisen hört nicht auf. Morgen fahr ich wieder in die Alpen, mit einem immer schlechteren Gefühl. :weinen: ich bin momentan wie versteinert, alles geht an mir vorbei. Auch wenn mir jeder bestätigt, dass das Hospiz das beste im Moment ist, kann ich es nicht Glauben, dass das das Ende sein soll. Ich dachte immer wir hätten noch zeit. Ich meine damit gute zeit mit allem was dazu gehört. Immer wieder denk ich mir, was soll ich allein im Haus ? Heute war ein Freund von uns hier, der hat erst mal den Geschirrspüler wieder hingebracht, ich hab mich doch nie um sowas gekümmert, jetzt merk ich immer mehr wie sehr Georg hier fehlt. Es tut mir momentan gut hier zu schreiben, weil ich immer mehr verstehe, dass ich nicht allein bin und es nicht nur mir so Elend geht. Was ist wohl, wenn der schlechte Film ein Ende hat?
Ich drück Euch jetzt ganz fest in Gedanken!Sanna

Mirilena
09.12.2012, 07:53
Guten Morgen Sanna,

das glaube ich dir gern, die Gedanken kreisen unaufhörlich und nichts von alldem, was man da denkt, bringt einen irgendwie weiter bzw. ist tröstlich. Ich kann auch sehr gut verstehen, dass der Gedanke an das Hospiz dich beunruhigt, da du es als letzte Station ansiehst.

Als mein Papa Anfang des Jahres auf der Palliativstation lag (nachdem er einen Oberschenkelhalsbruch hinter sich hatte) und mir bewusst wurde, dass nichts mehr bei ihm eine Besserung herbeirufen konnte, ging es mir auch richtig schlecht. Ich bekam so eine irrationale Panik, dass wenn er stirbt, er dann ja allein gehen müsse, während Mama, meine Tochter und ich zusammen bleiben. Diesen Gedanken konnte ich nicht ertragen. Frag mich nicht weshalb, ich weiß, es war alles irgendwie unlogisch, doch das passt zu den Deals mit "wenn ich beim Hüpfen nicht über die Stein trete, dann passiert dieses und jenes nicht..." Also bestellte ich mir kurzerhand zwei Bücher von Elisabeth Kübler Ross und die verschlang ich dann. Und sie haben mich getröstet, die Worte von Frau Kübler Ross. Sie schreibt, dass wir alle einen Schutzengel oder Geistführer (wie auch immer wir das nennen wollen) haben, der uns unser ganzes Leben begleitet. Auch bis in den Tod hinein, denn er weicht niemals von unserer Seite. Man könne ihn auch rufen und wenn man Glück habe, zeige er sich. Genau das habe ich dann getan. Ich wollte nicht nur glauben, dass mein Papa so einen Begleiter hat, ich wollte es wissen. Und er hat mir ein Zeichen gesandt... Da war ich sicher und du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mich das beruhigt hat. Wenn mein Vater schon gehen musste, dann wenigstens nicht allein... Ich habe am folgenden Tag mit meinem Papa darüber gesprochen. Ich sagte ihm, dass ich nun weniger Angst hätte, da ich wüsste, sein Schutzengel sei Tag und Nacht bei ihm. Eigentlich sind wir keine sehr gläubigen Menschen, doch es gibt so einige christliche Elemente, die mich trösten konnten.

Warum ich dir das alles erzähle? Ich könnte mir vorstellen, dass zu deiner Verzweiflung und Traurigkeit auch Ängste kommen. Wie soll das alles werden, wie kannst du überhaupt ein Leben ohne Georg leben. Und allein bei dem Gedanken daran, kommt umgehend das schlechte Gewissen hoch. Wie kann man nur so etwas denken? Sanna, es sind tausende von Abschieden, die du bereits genommen hast und sie führen dich zu dem Ende des Weges. Ich wünsche dir von Herzen, dass dir noch gute Momente mit Georg bevorstehen. Momente, in denen er klar und bei Bewusstsein ist, ihr miteinander sprechen könnt. Aber selbst, wenn dem nicht so sein sollte, manchmal braucht es keine Antwort und Sprache, um sich auszudrücken. Manchmal reicht ein Blick oder ein schwaches Lächeln, ein Händedruck.

Ich zünde jetzt zwei Kerzen an, eine für dich und eine für Georg und wünsche euch trotz aller Traurigkeit einen schönen zweiten Advent. Fahr vorsichtig, denn selbst hier im platten Norden hat's geschneit und schneit es noch!

Ich umarme dich
Miriam

monika100
09.12.2012, 09:05
Liebe Sanna,

ich lese seit längerem bei dir mit. Es tut mit so leid, was ihr durchmachen müsst.

Auch wenn ich nicht so oft schreibe, ich denke an dich und deinen Mann.
Ihr seid nicht allein:pftroest::pftroest:

Alles Liebe
von Monika

sanna53
09.12.2012, 16:45
hallo an euch, komme grad von georg nach hause. hier schneit es ganz furchtbar. georg hat fast nur geschlafen, weisst mich immer etwas ab. eine schwester hat ihn heute morgen gewaschen, glaub das war ihm gar nicht so recht. es muss schlimm sein, seinen eigenen verfall so zu sehen. vielleicht schaffen die im hospitz es, ihm wieder ein bisschen zuversicht zu geben, sonst wirds da auch keine schönen momente mehr geben. ich bin froh, dass ich nicht alleine bin in diesem sonderbaren leben. ach miriam, dein vater hat ja auch keine ruhe gehabt, wenn ich dann lese oberschenkelhalsbruch, reichts nicht irgendwann mal für einen menschen. das tut doch nur noch weh.
so, jetzt muss ich georgs bmw-coupe mal anschauen, bin damit voll in den carport gerutscht, nicht dass das auto jetzt vorne beschädigt ist! das hat er vor 2 jahren haben wollen, ich hoffe er wird noch mal so fit, dass ich ihn damit für ein paar stunden nach hause holen kann. das wäre schon schön und für ihn ein grosser fortschritt. im moment sieht es leider nicht so aus.
jetzt wünsch ich euch noch einen schönen sonntag!:huh: sanna

sanna53
10.12.2012, 19:06
Hallo, jetzt ging's ganz schnell-georg wird morgen ins Hospiz zu uns verlegt.
Hab heute schon die Pornahrung hingebracht, morgen mache ich den heimvertrag. Dann bring ich auch seine Lieblingssachen mit kuschelbettwäsche und einen cd - Player hab ich noch gekauft, damit er seine cds hören kann. Ging jetzt alles zu schnell, aber vielleicht besser so. Er hat ein schönes Zimmer mit viel licht uns ein tv ist auch schon drin. Hoff, dass er sich dort gut aufgehoben fühlt. Für mich ist es immer noch so etwas unbegreifliches, bin auf Autopilot.
Es fällt auch schwer Sachen von Zuhause dort hinzufahren. Aber es geht nicht anders. Kann mich nicht damit abfinden, dass das sein letzter Ort ist. Ich denke ihr wisst, was ich meine. Sanna
Ps: sogar ein katzengeschirr hab ich noch gekauft, dass ich den dicken Kater mitnehmen kann:(

monika100
10.12.2012, 19:22
Liebe Sanna,

das kann ich mir gut vorstellen, dass du das alles noch gar nicht realisieren kannst, ist auch sehr schwer und irgendwie so unwirklich.

Der Umzug bedeutet ja auch nicht, dass Georg übermorgen stirbt, er ist dort einfach nur optimal versorgt. Jetzt kannst du deine Zeit ganz ihm widmen, ohne störende Pflege- und andere Arbeiten.
Und ich denke, auch für dich werden Gespräche und Begleitung angeboten werden, das kann dir nur gut tun.

Eine Freundin von mir arbeitet ehrenamtlich in der Sterbebegleitung, ist auch öfter in Hospizen. Sie erzählt schon mal ein bisschen und ich glaube, man kann sich da fallen lassen.

LG Monika

Mirilena
10.12.2012, 19:37
Liebe Sanna,

Moni hat recht, es wird euch beiden gut tun. Aber ich kann nachempfinden, dass es für dich dennoch ein Alptraum ist und du im Autopilotenmodus unterwegs bist. Es ist immer zu früh und immer unfassbar...

Ich bin gerade ganz gerührt, dass du sogar ein Katzengeschirr besorgt hast, damit du Georg seinen Kater zu Besuch bringen kannst. Oje, hoffentlich ist der nicht so verrückt wie unser Oscar, denn der hat sich bald selbst hingerichtet, als meine Tochter ihm dieses Katzengeschirr anlegte. Ansonsten vielleicht doch den Katzenkorb mitnehmen. Dann kann der Kater mit Georg kuscheln. Die Idee mit den CDs finde ich auch total schön!!! Seine eigene Musik zu hören ist sehr beruhigend und entspannend. Ich bin sicher, dass Georgs Zimmer sehr behaglich ist und er sich dort wohl fühlen wird.

Ach Mensch, dir gehen sicherlich tausende Dinge durch den Kopf... Hoffentlich kommst du heute Abend wenigstens ein wenig zur Ruhe. Ich habe mir bzw. uns gerade zwei Kerzen angezündet und schaue gleich in die Flamme. Das beruhigt. Irgendwie haben Feuer und das Meer immer so eine meditative Wirkung auf mich. Ich hoffe, dass es etwas gibt, das dich ein wenig beruhigen kann.

Liebe Sanne, fühle dich in den Arm genommen!
Liebe Grüße
Miriam

sanna53
10.12.2012, 19:49
Hallo Monika, ja ich hoffe darauf dass Georg sich dort gut fühlt. Versuch auch es ihm dort so schön wie möglich zu machen. Aber ob er das auch so sieht weiß ich nicht. Er wollte immer nach Hause, hat zig Sachen gehabt, die er machen wollte. Nun geht das nicht mehr, unbegreiflich für mich und seine Schwester. Dass das Hospiz nun Endstation ist ein einfach schwer zu verstehen, mir fehlt da auch ein Vorlauf. Er wollte in die onkoloschische Fachklinik zum fitwerden, warum er jetzt so verfallen kann sich niemand erklären. Vor 2 Wochen hat er sich Zuhause, wenn auch unter Anstrengung um seine Sachen gekümmert, nun liegt er nur noch und schläft, das ist das unbegreifliche an der ganzen Sache. Ich muss mich damit abfinden, und versuchen es ihm erträglich zu machen in dem Haus. Dass er uns evtl.schnell alleine lässt ist einfach ein sonderbares Gefühl.
Ich drück dich jetzt mal ganz fest-Sanna

sanna53
10.12.2012, 19:57
Hei Miriam, danke für die Kerzen , Zünd auch immer welche an, es beruhigt mich auch ein ein wenig. Werd euch schreiben wies läuft im Hospiz . Traurig, aber es ist so. Jedenfalls solls Georg da so schön wie möglich haben, er soll sich Zuhause fühlen, da er ja wahrscheinlich nicht mehr heimkommt. Es ist alles so unrealistisch, warte immer drauf, dass jemand sagt, hei Susi, der schlechte Traum ist vorbei, aber so ist es leider nicht, den schlechten Traum gibt's wahrscheinlich mit Wiederholungen , so nun werd ich noch denn rest für morgen ins Auto bringen und dann muss ich früh raus um den Vertrag zu machen, liebe Grüße!

monika100
10.12.2012, 20:15
http://www.baumbluete.de/images/smiley/copain.gif

sanna53
11.12.2012, 17:39
hallo, georg ist heute morgen im hospitz angekommen,hat nur tief geschlafen. nun druck ich grad bilder für sein zimmer am pc aus. ob er noch viel davon wahrnimmt, weiss ich nicht. aber vielleicht hat ihn die fahrt dorthin auch zu sehr angestrengt. die schwestern in der klinik meinten er packt seinen koffer selber, weil er das will. konnts mir gar nicht vorstellen. jedenfalls wurde ich dort sehr herzlich empfangen, morgen kann ich dort mit einem psychologen reden, der das haus betreut. übermorgen nehme ich den kater mit.
es macht einen ruhigen eindruck, das personal lässt sich zeit für die bewohner, sie wollten alles von georg wissen und ich hatte ein langes gespräch. die gedanken, dass georg nochmal heim kann oder mit mir ins cafe kann glaub ich kann ich vergessen. er wird immer müder und schwächer, das scheint immer schneller zu gehen. es hat mir heute direkt angst gemacht, hab mich lang nicht gehen trauen, weil ich immer dachte er hört gleich auf zu atmen. :weinen:
eine ganz komische und traurige zeit ist das, aber ich glaub ihr wisst was ich meine. grüsse an euch-sanna

Mirilena
11.12.2012, 18:23
Liebe Sanna,

dennoch bin ich froh, dass Georg gut angekommen ist! Du denkst an so viele Dinge, um ihm den Aufenthalt angenehm zu machen, so dass er ein Stück von daheim dort hat.

Ja, ich glaube dir, dass es sich sehr komisch anfühlt. Ich habe auch das Gefühl, dass alles viel zu schnell geht. Als du anfingst hier zu schreiben, da kannte ich aus deinen Zeilen einen Georg, der bisweilen etwas mürrisch war, doch so wäre er uns jetzt lieber, oder? Nun ist er offensichtlich so schwach, dass ihm ständig die Augen zufallen und auch keine Kraft mehr zum Sprechen vorhanden ist. Aber vielleicht kann er sich noch mal aufrappeln. Das wünsche ich euch von Herzen. Doch auch, wenn er schläft, hört er alles, was um ihn herum geschieht und so kannst du ihm wenigstens noch sagen, was dir auf dem Herzen liegt. Und auch wenn er womöglich zu schwach sein sollte, um sich über Bilder, CDs und auch seinen dicken Kater zu freuen, tief in ihm drin wird all das ankommen, Sanna. Da bin ich ziemlich sicher! Erzähl ihm mal, dass oben im Norden ein Nordlicht für ihn brennt...

Ach Sanna, es ist eine so traurige Zeit! Du befindest dich jetzt außerhalb von Raum und Zeit und wirst dich vielleicht fühlen wie auf einer Insel. Ich wünsche dir, dass dich dieser tiefe Frieden erfassen wird. In dieser Zeit sind die Grenzen zwischen den Welten sehr brüchig und dünn. Fast ist es so, als würden sie sich aufheben und nur noch das Wesentliche zählt. So habe ich das empfunden. So traurig es sich anfühlte, ich fühlte mich auch erfüllt von ganz viel Liebe und Frieden und tiefer Dankbarkeit. Und es war, als würde sich jede Faser meines Seins ganz allein auf meinen Papa konzentrieren.

Der Tag war heute bestimmt unglaublich anstrengend für dich. Überhaupt erinnere ich mich, dass ich ständig müde war. Versuch mal, zu schlafen!

:pftroest:
Miriam

monika100
11.12.2012, 20:39
Hallo Sanna,

schön, dass ihr gut im Hospiz empfangen worden seid.
Dass die Menschen da mehr Zeit haben und sich auf jeden Gast besonders einstellen, das ist ja das was das Hospiz so "besonders anders macht" gegenüber einem Krankenhaus.

Ich finde es auch gut, dass du dort zu einem Psychologen gehen kannst, "Im normalen Leben" hättest du Monate Wartezeit und wärest wohl erstmal gar nicht dran gekommen.
Und gerade auch du brauchst dringend Unterstützung, denn du musst nicht nur alle Schritte mit Georg mitmachen - du musst auch irgendwann einmal "hinterher" weiterleben können. Darum finde ich das auch so wichtig für dich.

Dass Georg total erschöpft von seinem Umzug ist, kann ich mir vorstellen, vielleicht ist er morgen fitter.
Aber selbst wenn er weiterhin viel schläft, das hat auch seine guten Seiten - im Schlaf leidet er nicht, weder seine Seele noch sein Körper.

Ich wünsche dir, dass du auch schlafen kannst, dein Georg ist gut untergebracht.
Fühl dich gedrückt,

Monika

sanna53
12.12.2012, 18:28
Hallo, heute war ein besserer Tag. Georg hat was gegen Schmerzen bekommen, hat dann auch geduscht. Hat gepasst so. Muss mich heute kurz halten, weil ich jetzt noch Besuch bekomme. Morgen früh Fahr ich mit einer Freundin hin, wir nehmen die katze mit. Denk an euch und wünsch euch einen schönen Abend , sanna

Mirilena
12.12.2012, 19:21
Das ist doch schön, Sanna! Klingt viel besser! Dann genieße mal den Abend und ich bin so gespannt, was Georg morgen sagt, wenn du mit dem Kater aufschlägst. Hoffentlich spielt der Kater nicht verrückt. Ich wünsche mir, dass er sich bei Georg auf die Bettdecke legt, sich einrollt und schnurrt!

Liebe Grüße
Miriam

monika100
12.12.2012, 21:52
Liebe Sanna,

das ist doch schon mal ein guter Anfang!

Ich wünsche euch, dass es noch viele "Aufs" gibt.

Alles Liebe
Monika

sanna53
13.12.2012, 13:02
Hallo, heute war ich mit Freundin und Katze bei Georg. Dem Kater hat der Ausflug nicht gefallen, hat dann auch noch in die Tasche meiner Freundin gepinkelt. Georg hat sich glaub ich schon gefreut. Er hat heute ein wenig gefrühstückt und sich für seine Zeitungen interessiert. Konnts gar nicht Glauben und hab mich gefreut drüber. Jetzt Besuche ich ihn dann mit seiner Schwester, hoff dass es ihm nicht zuviel wird. Ich werd's Euch berichten, liebe Grüße-Sanna

Mirilena
13.12.2012, 17:21
;) Na, zum Glück hat Katerchen nicht auf Georgs Bettdecke gepinkelt! Ja, Katzen sind sehr eigen und er war bestimmt total verunsichert. Ist aber dennoch schön, wenn Georg sich gefreut hat!!! Das war die Mühe wert!

Klasse, dass Georg auch ein wenig gefrühstückt hat. Das ist doch schon wieder ein klitzekleiner Erfolg. Ja, Besuche sind manchmal auch anstrengend, aber wenn es ihn zu sehr anstrengt, schließt er bestimmt die Augen und döst ein wenig. Ich bin heute auch so müde, ob's am Wetter liegt? Ich könnte mich glatt ins Bett legen und pennen.

Liebe Sanna, hab einen schönen Abend, wenn du wieder daheim bist!
Liebe Grüße
Miriam :winke:

monika100
13.12.2012, 19:21
Hallo Sanna,

das ist doch schön - nicht das Gepinkele:) - sondern dass Georg was gegessen hat und vor allem auch, dass er sich für seine Zeitungen interessiert hat.

Vielleicht fühlt er sich jetzt richtig aufgehoben und behütet und ist daher ruhiger und irgendwie "angekommen".

Und schon gehts auch dir besser:knuddel:.

LG Monika

sanna53
13.12.2012, 20:51
hallo an euch, der vormittag war schön, gut dass fritz nicht in georgs bett gepisst hat!
am nachmittag war ich mit seiner schwester drin, leider war er nur abweisend und bissig. wir wollten ihm einen schönen tv besorgen, das wollte er nicht. auch seine antworten seiner schwester gegenüber waren nur bistig, sie ist nicht drauf eingegeangen und nach einer stunde hat sie ihre sachen gepackt und ist gegangen. traurig, georg ist so ein nachzügler, seine schwester hat ihm mit 16 jahren die windeln wechseln müssen.
ich bin auch sehr frustig heim, wir wollten es ihm doch so schön wie möglich machen, aber er lässt nichts zu. ich habe ihm angeboten ihn morgen früh zu duschen, auch das hat er abgelehnt. sein rollator ist auch gekommen, den wollte er unbedingt, jetzt will er ihn nicht mehr. verstehs nicht-es wären tolle angebote dort und die zeit würde auch schneller vergehen. auch bei schmerzen meldet er sich nicht, obwohl ich es ihm ankenne, dass er welche hat. so ist doch die zeit dort nicht gedacht. bin auch sehr traurig heim, weil ich jetzt gar nicht mehr durchblicke. vielleicht fällt euch ja was dazu ein, ich finds einfach masochistisch dieses ganze verhalten.
heute hab ich mir gedacht-was ich nie könnte, ich besuch ihn jetzt mal eine zeit nicht mehr. ihm scheint alles egal zu sein, dabei wäre echt was los dort, auch therapiehunde gibt es dort, eigentlich volles programm.
morgen fahr ich ihm dann sein ipad rein, damit kann er fernsehen.
verdrehte welt, ich bin mir heute bewusst geworden, dass ich unser wohnzimmer seit dem klinikaufenthalt nicht mehr betreten habe, bin immer nur in der küche und mache nur das nötigste. so kenn ich mich nicht, hoffe, dass sich das mal wieder legt. nun genug für heute, der tag hat mir gereicht.
liebe grüsse - sanna

monika100
14.12.2012, 08:24
Guten Morgen Sanna,

dann hattest du ja nach dem kleinen "Auf" am Morgen leider am Nachmittag/Abend schon wieder ein "Tief". Das tut mir leid.

Ich glaube du kannst gar nichts "richtig" oder "falsch" machen - Georg muss erst einmal mit sich selbst, seiner Krankheit, seinen Schmerzen - mit seinem eigenen Gefühlschaos fertig werden.
Und so weit ist er wahrscheinlich nicht.

Ich kann das auch ein wenig nachempfinden, man muss mal versuchen, sich gedanklich in seine Lage zu versetzen.
Da wird alles vorhanden sein: Frust, Wut, Angst, Nicht-Wahrhaben-Wollen, Neid auf die "Gesunden", grübeln "Warum ich", den Partner wegstoßen wollen, aber doch dringend brauchen usw.
Sei einfach bei ihm, viel mehr kannst du nicht tun.

Ich wünsch dir für heute ein paar schöne Momente mit ihm und deinem Georg ganz viel Kraft für seinen Weg!

LG Monika

Mirilena
14.12.2012, 10:02
Liebe Sanna,

Monika hat es bereits geschrieben, ich denke genauso! Ich frage mich immer wieder, wie ich wohl reagieren würde, wenn man mir sagte, ich müsse diese Welt demnächst verlassen... Ich wäre zornig auf alle und jeden, diese Ungerechtigkeit und überhaupt! Ich würde vielleicht schreiben, schimpfen, wäre auch biestig und sarkastisch. Ich würde womöglich auch die Menschen, die mich lieben, zurückweisen, weil ich nicht wollte, dass sie "Mitleid" haben. Weil ich vielleicht dächte, wenn ich sie ablehne, würde ihnen der Abschied von mir leichter fallen... Alles nur Gedankengebäude. Ich habe keine Ahnung, was in einem Menschen vorgeht, wenn er so viel durchmachen muss wie dein Georg. Es ist kaum vorstellbar, was einen da alles beschäftigt und wie man sich dann wohl fühlt.

Moni hat so recht, du kannst nichts falsch oder richtig machen. Alles, was du tust, tust du aus Liebe und aus deinem Herzen heraus. Mehr geht nicht! Und wenn vieles dich auch enttäuschen mag, weil du befürchtest, die Botschaft komme nicht an, im Grunde seines Herzens weiß und spürt Georg, wie sehr du ihn liebst und auch wie traurig du bist.

Ich wünsche dir eine innere Ruhe, die dir ein wenig hilft, das Schwere zu überstehen!

Liebe Grüße aus dem kalten Norden (und grüß' mir mal den Fritz:tongue)
Miriam

sanna53
14.12.2012, 20:13
Hi, heute wars ein langer und schwieriger Tag. Georg hat sich gegenüber den Schwestern mal wieder verweigert was Körperpflege angeht, von mir wollte er sich auch nicht helfen lassen. Dann hat er gemeint, dass er nicht versteht was er im Hospiz soll, er geht nach Hause. Mir ist gar nichts mehr eingefallen, hab dann nur gemeint, er stehe ja gar nicht auf, wie soll's dann Zuhause gehen. Danach ist er aufgestanden und hat nach ein paar Metern gemerkt, dass nichts geht. Irgendwie kann er doch so gar nichts annehmen und lässt seinen Frust ganz schön an mir ab. Auch einen passenden TV will er nicht, jetzt hab ich entschieden, dass ich einen kaufe und zu ihm sag, der ist jetzt für ihn und danach als Spende für das Haus gedacht, weil sich das einfach so gehört und andere das auch so machen. Dass ich es einfach will, dass man sich mit einer Spende für die Bemühungen bedankt. Es könnt alles etwas einfacher sein, so schwer hab ich mir das nicht vorgestellt. Auch die heimleitung, eine total liebe Frau hat ihn heute besucht mit ihrem Labrador und gleich für morgen eine Frisöse für ihn organisiert, das alles auf eine ganz liebe Art. Ich hoffe, dass er sich jetzt mal einrenkt dort. Hab ihm auch gesagt, dass ich ja mal wieder arbeiten muss und nicht arbeitslos sein will.
Frag mich jeden Tag wie das weitergehen soll. Nun einen lieben Gruß von einer traurigen Sanna!:confused::confused::confused:

monika100
14.12.2012, 21:20
Hallo Sanna,

komm lass dich mal drücken:knuddel::pftroest:

Ja, das ist alles sehr schwierig - für dich, aber besonders für Georg.
Ich könnte mir auch nicht vorstellen, wie es mir gelingen würde, SOWAS anzunehmen und mich darin zu fügen...
Gib ihm und dir Zeit!

Drück dich,
Monika

Mirilena
15.12.2012, 09:53
Liebe Sanna,

was kann ich dir bloß schreiben, um dich ein wenig zu trösten?! Ich habe den Eindruck, dass Georg in sich zerrissen ist. Es gab eine Phase, da er sich offenbar "abgefunden" hatte, dass ihm womöglich hier nicht mehr viel Zeit bleibt und er gehen muss. Das war die Phase, als du dachtest, ihm sei alles egal. Da hatte er aufgegeben. Nun scheint es mir so, dass sich im Innersten das Blatt wieder wendet und er sich aufbäumt gegen das Schicksal, die Krankheit, und es nicht akzeptieren will. Könnte sein, dass er deshalb auch alles ablehnt. Den Rollator, hilfreiche Hände, wohlmeinende Gespräche. Wozu braucht er all das, da er doch nach Haus will? Was soll er überhaupt da im Hospiz?! Es muss sehr, sehr schlimm sein für Georg, der ja immer ein Macher war, sein Leben unter Kontrolle hatte und allein entscheiden konnte. Jetzt geht nichts mehr, sein Körper verweigert sich und das akzeptieren zu müssen, ist sicherlich grauenhaft. Und sich dann eingestehen zu müssen, das NICHTS diesen Abgrund, in den man zu stürzen droht, aufhalten kann... So stelle ich mir das vor. Bei meinem Papa war's anders, doch mein Papa war auch viele Jahre älter. Ich denke, er hatte sich auf der Palliativstation mit dem Sterben und dem Tod auseinander gesetzt und irgendwann seinen Frieden gefunden. Aber auch ihm fiel es sehr schwer, den Verfall seines Körpers zu akzeptieren. Dieser Körper gehorchte ihm einfach nicht mehr und selbst die einfachsten Dinge waren am Ende nicht mehr möglich. Das hat ihn wütend gemacht und traurig. Ich stelle es mir auch schlimm vor, wenn man bei jedem Handgriff auf Hilfe angewiesen ist und die selbstverständlichsten Dinge kaum mehr möglich sind. Und dazu kommt die Angst vor dem Ungewissen und die Trauer darum, die Menschen zu verlassen, die man liebt. Das alles zusammen ist extrem, oder? Und es erklärt sicherlich auch die unwirschen Reaktionen und das Zurückstoßen. Dir tut es weh, weil du nur das Beste für ihn möchtest. Da sein, ihm helfen, ihn trösten. Ich weiß leider auch keine Lösung, kann dich nur ermutigen, diesen Weg weiterhin zu gehen. Vielleicht kannst du ja mal mit der Dame vom Hospiz sprechen? Sie hat da sicherlich sehr viel mehr Erfahrung und kann dir bestimmt besser helfen.
Auch ich schicke dir eine feste Umarmung!
Liebe Grüße
Miriam :winke:

sanna53
15.12.2012, 10:07
Hallo, bin am überlegen ob die Idee mit dem TV gut ist, oder macht es die Sache noch schlimmer und endgültiger?

Mirilena
15.12.2012, 10:18
Wenn Georg den TV ausdrücklich nicht will, dann solltest du seine Entscheidung akzeptieren. Das ist meine Meinung. Ich denke, es würde ihn arg verletzen, wenn du dich über ihn hinwegsetzt. Vielleicht würde er es so auffassen, als wäre selbst seine Meinung nichts mehr wert... Verstehst du, was ich meine? Sollte er seine Meinung ändern, kannst du immer noch einen Fernseher besorgen. Da hast du ja nichts zu verlieren. Ich habe damals den Fehler gemacht, mich über die Wünsche meines Vaters hinweg zu setzen und da wurde er richtig wütend. Denn er sei ja nur körperlich krank, jedoch funktioniere sein Gehirn noch ganz prächtig...

Kopf hoch Sanna! Das wird schon, heute ist ein neuer Tag und vielleicht sieht auch für Georg die Welt heute anders aus als gestern...

:pftroest:
Miriam

Alpenveilchen
15.12.2012, 11:08
Liebe Sanna,

ich glaube, da musst Du bei Georg ein bischen zwischen den Zeilen lesen. Hat er sonst immer sehr gerne TV geguckt? War ihm das immer wichtig? Will er wirklich nicht? Wird es ihm zu viel mit dem Geflimmer von Bildern und dem Ton oder ist es eher ein Teil seiner Einstellung, dass sich für ihn ja eh nichts mehr lohnt? Das ist für Aussenstehende sehr schwer zu beurteilen. Der Schuss kann in beide Richtungen gehen. Er kann sich ohne TV noch mehr in seine Einsamkeit und Depression vergraben und sich darin bestätigt fühlen, dass sich für ihn nichts mehr lohnt, oder er fühlt sich, wie Mirilena schreibt, entmündigt, wenn Du gegen seinen Willen mit einem TV kommst. Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass Du es mal versuchen willst, ob ihm der TV nicht doch etwas positive Ablenkung verschafft, kannst Du vielleicht irgendwo einen TV leihen? Das würde die Sache vielleicht etwas entdramatisieren, damit er zumindest mal ausprobieren kann, wie es mit TV ist und wenn dieser stört, nimmst Du ihn wieder mit.

Liebe Grüsse
vom Alpenveilchen

sanna53
15.12.2012, 17:59
hallo! das problem mit den tv hat sich von allein erledigt. das hospiz hat ihm heute einen großen besorgt. er hat dann zumindest mal den nachmittag eine sendung angschaut. und heute seit wochen mal wieder was gegessen. aber ansonsten ist er unzufrieden und mürrisch. jetzt wird am montag ein psychologe mal mit ihm reden. also die sind echt bemüht um ihn, ich hoff dass er da mal ankommt und sich aufgehoben fühlt. dieses ewige hin und her macht mich ganz schön verrückt. schade finds ich auch, dass wir uns kaum unterhalten. aber ich weiss auch schon nicht mehr was ich sagen soll. mit dem pflegepersonal redet er auch nicht, die kommunikation läuft meist über mich, auch was schmerzen betrifft und so. alles nicht einfach, aber er ist ja schon immer schwierig gewesen und warum sollte er sich jetzt ändern. es wär halt gut, wenn er mal merken würde, dass er sich doch nur selber alles schwer macht.
ich wünsche euch ein schönes wochenende-sanna

Mirilena
17.12.2012, 04:06
Guten Morgen Sanna,

na, dann hast du eine Sorge weniger wegen des TV! Wie war denn dein Wochenende? Halbwegs erträglich? Wie geht es Georg? Hat er schon mit dem Psychologen gesprochen? Ich hoffe sehr, dass er sich auf das Gespräch einlässt und ihm so eine Last von der Schulter genommen werden kann. Wer weiß schon, was so alles in ihm vorgeht und es ist so schade, wenn er das alles mit sich allein ausmachen will. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass sich das ändert!

Falls du dich wunderst, weshalb ich in aller Herrgottsfrühe schreibe...bin aus dem Bett gefallen;) Hatte gestern meinen Migräne-Sonntag mit allem Drum und Dran. Als ich dann heute um 3.30 Uhr aufwachte und keine Schmerzen mehr hatte, bin ich lieber aufgestanden aus Angst, falls ich wieder einschliefe, könnte es dann womöglich wieder meinem Dickschädel schaden;-)

Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche!
Liebe Grüße aus dem Norden
Miriam :winke:

sanna53
17.12.2012, 07:36
Hallo, hallo Miriam, das Wochenende war eigentlich nicht so schlecht. Ich empfand es als eher seltsam für mich. Georg hat nicht davon geredet, dass er Heim will. Er war müde, hat aber auch einen Teil seiner zeit mit lesen und Fernsehen verbracht. Kontakt zum Pflegepersonal nimmt er nicht auf, obwohl die immer um ein Gespräch bemüht sind. Dass er Schmerzen hat musste ich mal wieder weitergeben. Das psychologengespräch soll heute sein, ich hoffe sehr, dass der zu ihm durchdringt. Vorstellen kann ich es mir nicht. Ich mach mir da viel um mich sorgen, falls er unbedingt wieder nach Hause will, es würde Zuhause einfach nicht gehen. Dann müsste eine 24 Stunden - Betreuung gewährleistet sein. Das ist unbezahlbar, die Kasse übernimmt dafür keine kosten. Und ich bin schon zu lang krank, muss jetzt dann Anfang nächstes Jahr mal wieder arbeiten.
Ich bin auch nicht gern ständig daheim. Allein ist das immer so ein komisches Gefühl, fühl mich meist einsam und jetzt soll ich mich daran gewöhnen mich zu beschäftigen. Das ist nicht leicht, da wir immer viel zusammen gemacht haben. Und allein macht's dann keinen Spaß. Dann kommt das schlechte gewissen dazu, ich kann und er nicht. So hab ich dieses Wochenende verbracht, mit dem wissen, dass es jetzt wahrscheinlich immer so sein wird.
Nun muss ich los, habe einen arzttermin, danach geht's ins Hospiz. Heute wollen die Schwestern von Georg mit, Krankengymnastik soll anfangen und es ist auch noch so eine Art wellnesstag dort. Wahrscheinlich wird das Georg zuviel. Mal sehen, wie die Woche wird.
Wünsch einen schönen Tag, ohne Kopfschmerzen!
Liebe Grüsse - Sanna

Mirilena
17.12.2012, 07:43
Liebe Sanna,

ja, das stelle ich mir auch sehr schwer vor, allein im Haus zu sein und alles allein zu machen. Da fühlt man sich einfach unendlich verlassen und einsam. Alle Dinge, die ihr früher zusammen unternommen habt und gemeinsam erledigen konntet... Alles liegt nun vor dir. Lass dich jetzt nicht unter Druck setzen. Nur du allein weißt am besten, was dir jetzt gut tut und was dich überfordert. Wenn dir momentan nicht der Sinn nach irgendwelchen Unternehmungen steht, dann brauchst du auch nichts zu unternehmen. Das hat alles Zeit! Du bist wahrlich ausgelastet, sowohl körerlich als auch psychisch.

Für das heutige Gespräch wünsche ich ganz dolle, dass Georg sich auf den Psychologen einlassen kann. Aber vielleicht braucht es mehr als ein Gespräch, damit er Vertrauen aufbaut?! Auf jeden Fall habe ich einen sehr guten Eindruck von dem Hospiz bei euch. Die sind alle wirklich sehr darum bemüht, es Georg so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ich drücke dich
Miriam :remybussi

DDU
18.12.2012, 02:01
Das ist alles so..."krass"... sowas haben wir uns vorher doch nie ausgemalt....ich bin in einer sehr ähnlichen Situation...vielleicht mit weniger Zeit als ihr...aber ich kann deine Gefühle 100% nachvollziehen... Alles Gute Dir und Euch!!!

Mirilena
18.12.2012, 17:11
Hallo liebe Sanna,

wie geht es dir und wie geht es Georg heute? Wie ist das Gespräch mit dem Psychologen verlaufen? Konnte er ein wenig zu Georg durchdringen? Melde dich mal kurz, wenn du magst, ja? Ich mache mir ein bißchen Sorgen!!!

Umarmung
Miriam

sanna53
18.12.2012, 18:40
Hallo, leider ist alles was für gestern geplant war ausgefallen. Georg hat sich die ganze Nacht übergeben und war den ganzen Tag nur am schlafen. Die letzte Nacht war auch nicht anders und er wird immer schwächer. Das zusehen wie er immer mehr in sich zusammenfällt ist Elend. Bin gestern sehr lang im Hospiz geblieben und war auch heute bis 18 Uhr drin. Hab ein schlechtes Gefühl. Aber ganz dort bleiben schaff ich nicht. Da kommt dann aber auch gleich wieder ein schlechtes gewissen hoch.....
Nun muss ich mich doch mal ein bisschen ums Haus kümmern, obwohl ich keine Lust dazu habe, bin meist müde und kann dann trotzdem nicht richtig schlafen.
Ich habe immer irgendwie gedacht, dass wir vielleicht an Weihnachten mal für ein paar Stunden nach Hause können, aber Weihnachten steht ja schon fast vor der Tür.
Traurige Grüße aus dem ewig verregneten Bayern! Sanna

Mirilena
18.12.2012, 23:08
Liebe Sanna,

hatte irgendwie das Gefühl, dass ich noch einmal hier reinschauen sollte. Klingt nicht gut... Das tut mir so unendlich leid! Ich sehe dich geradewegs vor mir und wie es dir das Herz zerreißt, dass Georg so leidet und es ihm so elend geht. Kann ich auch so gut verstehen, dass du gehofft hast, Weihnachten doch noch mit ihm daheim zu verbringen und wenn es nur einige Stunden wären. Es ist so hart akzeptieren zu müssen, dass es keine Besserung mehr geben wird. Und loslassen ist wohl eine der schwersten Lektionen, die wir bewältigen müssen. Oft fällt es uns schon schwer, schlechte Gewohnheiten einfach los zu lassen. Wie viel schwerer wiegt es da, einen geliebten Menschen los zu lassen... Du bist sehr tapfer und mach dir bitte keinen Kopf, wenn du nicht die Nacht im Hospiz verbringen kannst. Ein paar Stunden Schlaf benötigst du einfach auch, um wieder die Kraft für einen weiteren Tag zu sammeln.
Es mag jetzt absurd klingen, doch genieße die Zeit mit deinem Mann, jeden Augenblick. Und wenn es in der Stille ist und du dir doch wünschtest, dass ihr noch sprechen könntet. Mache ganz viele Fotos mit deiner inneren Kamera, schnuppere an Georg, halte seine Hand, wenn es ihm angenehm ist. Ach Sanna, ich bin wirklich traurig, doch wenn keine Kraft mehr da ist, dann wird Georg gehen und sich auf seine Reise machen. Du kannst mit ihm die letzten Schritte ganz bewusst gehen und ihm dann sanft winken...
Ich hoffe, dass du jetzt, während ich hier schreibe, vor Erschöpfung eingeschlafen bist und ein wenig Ruhe findest. Und ich hoffe, dass Georgs Übelkeit verschwindet und er keine Schmerzen hat...

Ich denke an euch beide
Miriam

sanna53
19.12.2012, 20:22
Hallo, hallo Miriam, Georg geht's nicht gut, er erbricht jeden Tag, jetzt wird alles über die peg abgeleitet. Es tut mir so leid, dass er sich so quälen muss. Aber er scheint nicht loslassen zu können-ein Kämpfer wie er immer war. Auch das Morphium und etwas benzos machen ihn nicht ruhiger. Zum wc will er ausstehen und kann sich kaum auf den Beinen halten. Ich hatte ein gutes Gespräch mit dem Psychologen dort-ein sehr verständnisvoller Mann, es hat wirklich gut getan. Nun erlaub ich mir das heimfahren vom hospiz etwas leichter. Morgen kann ich mich dann erst mal mit Georgs Zusatzversicherung ärgern und so lästiges Zeug.
Morgen schreib ich wieder, liebe Grüsse-Sanna

Mirilena
20.12.2012, 09:18
Liebe Sanna,

oje, dann ist Georg genauso sturköpfig wie mein Vater es war... Der konnte sich auch nicht mehr auf den Beinen halten, musste aber mit Gewalt aufstehen, um die Toilette benutzen zu können. Das war echt schlimm! Vor allem hatten wir immer solche Angst, dass er noch einmal umfallen könnte und dann wiederum ein Knochenbruch dazu käme.

Bekommt Georg die Morphiumpflaster? Und wenn er gar so unruhig ist... meinem Papa hatte da ein Medikament namens Tavor geholfen.

Ach Mensch, das ist alles wirklich traurig! Ich finde es schlimm, dass Menschen so viel erleiden müssen. Da hat Georg so viele Jahre gekämpft und er will sich jetzt einfach nicht geschlagen geben. Er ist wirklich ein tapferer Kämpfer. Ich hoffe für ihn, dass er dennoch im richtigen Moment loslassen kann, damit es leichter für ihn wird...

Sanna, ich weiß nicht, was ich sagen soll... Es ist nahezu unerträglich für dich. Immer ist da diese Angst, es könnte der letzte Tag sein. Ich erinnere mich, dass mich eine seltsame innere Ruhe erfasste und ich tatsächlich außerhalb von Raum und Zeit war. Nichts außer meinem Vater war noch interessant, alles konzentrierte sich auf ihn. Das hat es mir erleichtert, Abschied zu nehmen. Ich wünsche dir, dass es dir ähnlich ergehen mag!

Wegen des Schreibens mach dir keinen Kopf, okay! Du schreibst, wenn du Zeit dafür hast und dir danach zumute ist! In Gedanken bin ich bei dir und halte deine Hand!
Miriam

sanna53
21.12.2012, 18:53
Hallo, Georg ist heute kurz vor 13 Uhr eingeschlafen, ich durfte dabei sein, so wie ich es wollte und seine Hand halten. Er sah zufrieden und erlöst aus.

Alpenveilchen
21.12.2012, 23:21
Liebe Sanna,

mein herzliches Beileid. Das ging ja dann doch alles sehr schnell. Schön, dass Du bei ihm sein konntest und dass Du das Gefühl hattest, er wirkte erleichtert und erlöst. Für die kommende Zeit wünsche Ich Dir jetzt erst mal ganz viel Kraft.

Alles Liebe
vom Alpenveilchen

monika100
21.12.2012, 23:37
Hallo Sanna,

das gibts doch nicht - so schnell. Das hätte ich nicht erwartet.

Das tut mir so leid, mein herzliches Beileid.
Bewahr diesen Frieden in seinem Gesicht in deinem Herzen und denk bewusst daran, wenn es dir schlecht geht.

Ich denk an dich:pftroest::pftroest:

Monika

Mirilena
22.12.2012, 08:54
Liebe Sanna,

es tut mir so leid, dass Georg viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Ich kann es gar nicht so recht glauben... Und dennoch bin ich erleichtert, dass er jetzt, da keine Kraft und keine Hoffnung auf Besserung mehr bestand, gehen durfte. Wie schön, dass er losgelassen hat und du ihn bis zum Schluss begleiten konntest und seine Hand gehalten hast. Nun hat er nie wieder Schmerzen und muss sich nicht mehr quälen. Jetzt ist er wieder ganz und heil und wo immer er sein mag, dort geht es ihm gut...

Ich war gestern erst in der Nacht daheim und habe daher deine Nachricht eben gelesen. Sonst hätte ich mich sofort bei dir gemeldet. Ich hoffe, dass in dir gerade ein gewisser Frieden und Ruhe eingekehrt ist und du dich jetzt erst einmal zurückziehen kannst. Es ist sehr schwer, Worte des Trostes zu finden.Eigentlich gibt es wohl kaum etwas, das dich jetzt trösten kann. Viel zu groß und unermesslich ist der Verlust deines Partners. Daher wünsche ich dir jetzt von Herzen Menschen, die dich halten, offene Ohren, wenn du reden möchtest, einen Händedruck, wenn die Worte fehlen und die Zeit, die du benötigst. (Und du weißt ja, wo du mich findest...jederzeit!!!)

Ganz traurige Grüße und eine stille Umarmung aus dem Norden von
Miriam

mayflower64
22.12.2012, 10:35
liebe sanna,
auch von mir mein herzliches beileid.
wünsche dir kraft und liebevolle unterstützung für die zeit die jetzt für dich kommt.

sanna53
23.12.2012, 11:48
Hallo, Danke an Euch! Es tut gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Georg ist erst am Freitag gegangen und es kommt mir vor, als wenn es schon viel länger her ist. Wahrscheinlich habe ich es noch gar nicht begriffen, dass er nie wieder kommt. Ich habe alte Fotos angeschaut, da ich nicht immer das letzte Bild von ihm im Kopf haben möchte.....
Liebe Grüsse, Sanna:shocked:

Mirilena
23.12.2012, 12:55
Liebe Sanna,

das ist gut, wenn du dir die Fotos aus glücklichen Zeiten anschaust. Das habe ich auch getan, weil ich vor meinem inneren Auge immer nur meinen kranken leidenden Papa sah und das hat mich verrückt gemacht. Ich habe mir dann mein Lieblingsfoto von meinem Papa gerahmt und so aufgestellt, dass ich es immer anschauen kann. Das hat mir echt geholfen. Heute kann ich meine Erinnerungen so abrufen, wie ich es möchte. Vor einigen Monaten war mir das noch nicht möglich.

Dass du noch gar nicht begreifen kannst, was geschehen ist, dann kann ich sehr, sehr gut nachempfinden. Wahrscheinlich ist auch das ein Schutzmechanismus unserer Seele, weil sie so viel Schmerz auf einmal gar nicht ertragen könnte. Sie lässt es nur scheibchenweise zu, wie wir es verkraften.

Ich bin mir sicher, dass Georg noch in deiner Nähe ist. Vielleicht spürst du ihn, vielleicht auch erst in den kommenden Tagen und Nächten. Sicherlich wird er dir ein Zeichen senden, dass alles gut ist.

Ich schicke dir ein wärmendes Licht
Miriam

monika100
23.12.2012, 19:21
Liebe Sanna,

Miri hat wieder mal alles gesagt, was man nur sagen kann.

Daher lass ich dir nur einen lieben Gruß da - Ich denke an dich:pftroest:.

Monika

Mirilena
24.12.2012, 09:09
Liebe Sanna,

als meine Mama und ich im April zur Gedenkandacht in der Jona-Kapelle waren, wurde uns folgendes gewünscht:

Ich wünsche dir
Ein Netz, das dich nicht ins Bodenlose fallen lässt,
Eine unsichtbare Hand, die dich auf deinen dunklen
Und den hellen Wegen begleitet. Tränen, die den
Stau lösen. Eine Boje im Meer deines Schmerzes.
Einen Ort für deine Klage. Brot und Wein zum Leben.
Manchmal etwas Süsses. In den Nächten eine gute
Handvoll Schlaf. Räume und Zeiten, um deine wirren
Gedanken zu ordnen. Tage mit Lust und Freude.
Trost, der dir nicht deine Trauer nimmt. Einen
Menschen, der dir ein Ohr leiht.
Der dir bei steht und nicht alles besser weiß.
Ich wünsche dir, dass das, woran du glaubst,
Nicht zerbricht. Dass du das Unfassliche
Als nicht begreifbar einer anderen guten Kraft
Überlassen kannst. Ich wünsche dir, dass du deinen
Stillen Humor nicht verlierst.
Dass du dein Lächeln behältst.
Das wünsche ich dir und mir.

von L. Matouschek

All das wünsche ich dir, doch es wird seine Zeit dauern, bis du auch das Schöne wieder zulassen kannst...

Liebe Grüße
Miriam :engel:

sanna53
24.12.2012, 12:26
Hallo! Der Text ist sehr schön! Heute ist Weihnachten, ich weiß nicht, was ich machen soll. Habe ein paar Einladungen bekommen, aber Weihnachten ist so ein Familienfest, da fühl ich mich nicht wohl. Werd kurz mal bei jedem vorbei schauen, alles andere wird mir wahrscheinlich zu viel.
Ich wünsch Euch ein Frohes Fest mit Freude und Spass! Eine entspannte Zeit, ohne traurige Gedanken und für alle die auch allein sind das Wissen das der Mensch den man verloren hat wohl möchte, dass man nicht traurig ist!
Sanna

mayflower64
26.12.2012, 11:40
hallo sanna.
hoffe dir geht es einigermassen und die trauer hat dich nicht extrem überrollt an den feiertagen...
ja,ich denke dein gedanke ist völlig richtig,das unsere angehörigen nicht wollten das die zurückbleibenden zu traurig sind...
es ist sicherlich schwer damit umzugehen..aber vielleicht schaffst du es dir eure schönen gemeinsamen erlebnisse nocheinmal nach zu empfinden...
ich wünsche dir alles gute und ganz viel schöne erinnerungen die dich durch diese tage tragen...
glg mayflower64

sanna53
26.12.2012, 18:14
hallo, weihnachten ist geschafft, bin froh. aber es waren viel liebe freunde für mich da. da verging die zeit doch. morgen muss ich mich um georgs grab kümmern und schauen, was alles jetzt erledigt werden muss. das ist mir jetzt schon zu viel!
georg fehlt hier, jeden tag, jede stunde und jeden augenblick, der gedanke, dass das jetzt immer so ist wirkt irreal.
ich grüss euch ganz lieb und hoffe ihr habt schöne weihnachtstage gehabt, trotz krankheit und verlust-sanna:winke:

sanna53
03.01.2013, 10:06
Hallo! Die Feiertage sind geschafft, bin froh drüber. Das erste Weihnachten und Neujahr ohne den Mann den ich einfach geliebt hab. Nun muss ich wieder funktionieren und die Besetzung hinter mich bringen. Zwischen den Feiertagen konnte ich nichts erledigen.
So tuts mir jeden Tag weh, an dem ich ausstehe und mein Tag mit mir allein anfängt.
Denke, dass es vielem von Euch auch so ging, ich wünsche Euch jetzt einen guten Start ins neue Jahr mit viel Kraft und ganz.....viel Gesundheit. Sanna

Mirilena
03.01.2013, 12:08
Liebe Sanna,

ja, es ist geschafft mit den Feiertagen... Für dich war es ungleich schwerer als für viele von uns, denn bei dir ist es ja alles so frisch. Und es ist auch schlimm, wenn dann diese Feiertage kommen und man einfach da sitzen und warten muss. Da ist man in so einem merkwürdigen Schwebezustand und dann prasselt alles auf dich ein.

Ich hoffe, dass es irgendwie für dich weiter geht, dass es bereits einen festen Termin für die Abschiedsfeier von Georg gibt und dass du alles in seinem Sinne gestalten kannst. Auch das spendet ein wenig Trost, weil es sich so anfühlt, als würde man einen letzten Wunsch erfüllen. Lass dich bloß nicht beeinflussen von irgendwelchen Menschen, die meinen, es besser zu wissen! Schließlich stehst du Georg am nächsten und ich denke, du bist diejenige, die ihn am besten kennt. Sollte er also "Highway to hell" geliebt haben, dann darf man auch solch einen Song auf der Trauerfeier spielen. Ich würde es einfach tun:D

Ich denke ganz oft an dich und frag emich, wie es dir gehen mag. dazu dann noch dieses seltsame Wetter...immer grau, immer nass. Aber irgendwie schaffst du es doch und hinterher fragst du dich, woher du die ganze Kraft genommen hast...

Umarmung
Miriam

mayflower64
03.01.2013, 12:16
hallo sanna,
wünsche dir für die kommenden tage ganz viel kraft.
hoffe du hast unterstützung...

:knuddel::knuddel:
glg mayflower64

Laesperanza
04.01.2013, 07:31
Auch ich schicke Dir einen stillen Gruß, ein ganz großes Kraftpaket und ich drücke Dich ganz fest. Obwohl wir uns nicht persönlich kennen, denke ich fast jeden Tag an Dich (und auch an viele andere hier im Forum).

monika100
04.01.2013, 09:57
Hallo sanna,

du bist nicht allein - wir sind bei dir!:pftroest::pftroest:

LG Monika

sanna53
04.01.2013, 18:33
Hallo, vielen Dank an Euch, ich bin nicht allein, das tut gut.
Morgen kommt der Pfarrer-Georg war katholisch- und bespricht die Trauerfeier mit mir.
So bin ich mit Sortieren beschäftigt- Georgs Kleidung etc. ,viel bekommen Freunde von ihm , dass hätte er sich auch so gewünscht.
Man schreibt sich, liebe Grüße -Sanna

Mirilena
06.01.2013, 10:06
Liebe Sanna,

ich hoffe, das Gespräch mit dem Pfarrer hat dir gut getan. Es sind so viele Dinge, um die du dich kümmern musst. Zum einen ist das schlimm, doch vielleicht hilft es auch, dass die Trauer dich nicht mit sich hinwegschwemmen kann.

Ich wünsche dir, dass du alles in Georgs Sinne vorbereiten kannst, denn auch das ist tröstlich. Abschied zu nehmen in dem Wissen, dem geliebten Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen. Ein kleiner Trost nur, aber es gibt auch diese Gefühl von Nähe und Verbundenheit und Liebe.

In Gedanken bei dir
Miriam

sanna53
07.01.2013, 18:16
Hallo an Euch! So ziemlich alles ist geregelt, die Urnenbeisetzung findet am Freitag statt, ich hoff ich steh das alles durch. Vor allem, weil Georg noch so präsent ist, ich hab immer das Gefühl, dass er nur im Urlaub wär.
Ich habe mich für eine Beisetzung im kleinen Kreis entschieden, so gibt's danach Kaffee und Kuchen bei mir, mit den Menschen die wir möchten.
Immer wieder ein kleiner Abschied, ich freue mich über Eure Anteilnahme und drück Euch in Gedanken! Sanna

monika100
07.01.2013, 19:02
Liebe sanna,

du hast schon so viel geschafft - das kriegst du auch noch hin.

Ich werde Freitag ganz fest an dich denken und dir eine Portion Kraft rübersenden - und sicher auch noch einige Andere hier.

Georg ist sicher sehr stolz auf seine Frau:knuddel:

LG Monika

Mirilena
07.01.2013, 19:51
Ja, das hat Moni schön geschrieben!:1luvu: Ich denke auch am Freitag ganz fest an dich und ich finde es ganz schön, dass ihr im Anschluss im kleinen Kreis verbringt mit den Menschen, die euch beiden wichtig sind.

Ganz liebe Grüße
Miriam

Alpenveilchen
07.01.2013, 20:01
Liebe Sanna,

auch ich werde am Freitag an Dich denken. Wenn Du Photos oder gar Photoalben hast, lege sie Dir am besten schon mal für Freitag bereit. Es kann einem sehr gut tun, nach der Trauerfeier gemeinsam mit denen, die einem wichtig sind, Photos anzuschauen und Erinnerungen auszutauschen. Auf den meisten Photos sieht Georg sicherlich so aus, wie Du ihn die meiste Zeit gekannt hast und wie er auch gerne in Erinnerung bleiben möchte. Die anderen werden sich sicherlich noch an viel erinnern, was Dir gerade nicht so präsent ist und das stärkt dann Deine Erinnerungen und tut unheimlich gut.

Alles Liebe
vom Alpenveilchen

mayflower64
08.01.2013, 09:53
liebe sanna,
ich wünsche dir für freitag viel kraft und liebe menschen die dich halten....

:pftroest: mayflower64

sanna53
12.01.2013, 10:53
Hallo, so jetzt ist Georgs Beisetzung vorbei. Es war eine schöne Trauerfeier, kurz und schlicht. Viel mehr Freunde und Bekannte sind gekommen, als ich mir gedacht habe. Wieder ein kleiner Abschied mehr. Ich danke Euch für Eure lieben Worte und denke an Euch! Liebe Grüsse! Sanna

monika100
12.01.2013, 12:35
Hallo sanna,

ich hab öfter an dich gedacht und dir gewünscht, dass du die Beisetzung einigermaßen hinter dich bringst.

Schön, dass so viele Freunde und Bekannte gekommen sind.

Alles Liebe für dich,

Monika

Mirilena
12.01.2013, 19:50
Liebe Sanna,

auch ich habe am Freitag an euch gedacht! Und ich habe zu Haus eine Kerze angezündet. Ich hoffe, dass es dir gut getan hat, dass so viele Menschen mit dir Abschied von Georg genommen haben und dass ihr gemeinsam in eurer Trauer vereint ward.

Du hast einen weiteren wichtigen Schritt getan. Ich schicke dir eine Umarmung...

Miriam

sanna53
19.01.2013, 08:24
Hallo! Nun ist Georgs Beisetzung seit gestern 1 Woche her. Gestern war ich am Grab. Mich erstaunt es immer wieder, was zurück bleibt, passt ein Mensch in so eine kleine Urne, frag mich wies ihm jetzt geht. Der einzige Trost ist das Wissen, dass er nicht mehr leiden muss und vor allem, dass er nicht mehr über seine Krankheit nachdenken muss und diese erdrückende Angst vor der Zukunft nun vorbei ist. Jeden Tag frage ich mich, wie es Euch nach so einem heftigen Verlust geht, am schlimmsten ist doch dieses was wäre wenn-Denken. Jedenfalls fehlt er hier jeden Tag aufs Neue. Selbst unser Kater hat sich verändert und scheint ihn zu suchen.
Wünsch Euch ein schönes Wochenende-Sanna

Mirilena
19.01.2013, 09:48
Guten Morgen Sanna,

ach Mensch, ich musste eben schlucken, als ich deinen Eintrag las... Der Satz , dass selbst der Kater Georg zu suchen scheint, berührt mich sehr...

Lass dich mal in den Arm nehmen! Zumindest virtuell... Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, den geliebten Partner zu verlieren, aber das stelle ich mir ganz besonders schlimm vor. Unermesslich der Verlust. Aber du kannst stolz auf dich sein, dass du Georg bis zum Schluss begleitet hast, dass du immer an seiner Seite warst und auch, dass du die Trauerfeier so gestaltet hast, wie Georg es sich gewünscht hätte. Vielleicht tröstet dich das irgendwann ein kleines bißchen. Die Zeit bis dahin wird schwer. Am besten lebst du immer von einem Tag zum anderen. Mehr kann man sich anfangs wohl auch nicht vorstellen.

Ich knuddel dich
Miriam :knuddel:

monika100
19.01.2013, 10:18
Hallo Sanna,

ich kann mich Miri nur anschließen.

Der liebste Angehörige, den ich verloren habe, ist mein Vater - und das tat und tut manchmal noch schrecklich weh. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es dir geht:pftroest:

Wahrscheinlich ist es so, dass du einen Tag nach dem anderen irgendwie umkriegen musst.
Vielleicht hilft es dir auch mit Menschen zu sprechen, die das Gleiche erlebt haben.?

Drück dich,

Monika

sanna53
19.01.2013, 11:43
Hallo Monika, ja, stimmt immer ein Tag nach dem anderen, am schlimmsten sind aber die Abende, da ich nicht so der Fortgehtyp bin und mir auch nichts aus Fernsehen mache sitzte ich oft einfach nur die Zeit ab. Das sind auch die Lücken, die zuerst durch die Krankheit bestimmt waren.
Ich habe schon oft mit Freunden über Georgs Tod gesprochen, aber nur 2 haben das schon selbst erlebt, da passt das Alter wohl nicht so. Aber viele verstehen mich und helfen mir so gut es eben geht. Hier gibt es immer wieder Trauergruppen vom Hospizverein, kann sein, dass ich mal eine besuche, aber ob es was helfen würde weiß ich nicht. Ich denke jeder geht auf seine Art damit um, und weinen kann ich am besten mit mir selbst. Es wäre auch leichter, wenn Georg mal so richtig gejammert hätte und sich mal hätte gehen lassen, aber er war bis zum Schluss zuversichtlich und wollte leben, der Gedanke tut am meisten weh.
Danke, dass Du an mich denkst-Sanna

monika100
20.01.2013, 23:00
Hallo sanna,

hab heute öfter an dich gedacht und wollte nur mal hören, ob du das Wochenende einigermaßen erträglich rumgekriegt hast??

Arbeitest du im Moment oder bist du krank geschrieben?

Das mit der Trauergruppe finde ich eigentlich gut. Ich habe meine Mutter damals, als mein Vater nach 44 Jahren Ehe gestorben ist, auch dorthin "geschleppt" und es hat ihr ganz gut getan.
Aber das musst du für dich allein entscheiden. Dem Einen hilft es unter Gleichgesinnten zu sein und dem Anderen eben nicht.

Ich hoffe, du kannst nachts etwas schlafen?


:knuddel: Monika

sanna53
21.01.2013, 10:46
Hallo! Das Wochenende hab ich so halbwegs verdaut, natürlich ist es jetzt ein anderes Wochenende, eins mit mir allein, mit Unterstützung von guten Freunden, sonst würde ich wohl die Wand hoch gehen. Arbeiten tu ich noch nicht, möchte aber bald wieder.
Leider ist die Zeit unter der Woche immer sehr mit Terminen ausgefüllt, die Bürokratie hat mich im Griff. Dachte nie, dass es so viel zu regeln gibt.
Ich wünsch eine ruhige, schöne Woche, Sanna

sanna53
26.01.2013, 11:24
Hallo, wieder mal Wochenende und Leerlauf. Die ganze Woche war ich mit Behörden beschäftigt. Das Wochenende holt mich dann oft ein und ich vermisse meinen Mann. Jetzt plan ich immer etwas vor. Letzten Montag war ich auf einer Beerdigung, der Mann war 1 Jahr jünger als meiner, da hat's mich ganz schön geworfen. Er ist auch an Krebs verstorben. Ich dachte nur, auch so ein sinnloser und viel zu früher Tod. Hoff allen von Euch geht es erträglich und grüß Euch ganz lieb-Sanna:winke:

Mirilena
26.01.2013, 14:59
Liebe Sanna,

ja, die Wochenenden sind sicherlich am schwersten. Da hat man wenig Möglichkeiten, sich abzulenken, kommt zur Ruhe und fühlt sich dann sehr einsam. Dennoch, ich finde es ganz großartig, wie du dein Leben meisterst. Du hast schon so vieles geschafft und da kannst du sehr stolz auf dich sein!!! Georg ist ganz bestimmt stolz auf dich!

Ich finde es auch gut, dass du alles so anpackst und diese furchtbaren Behördengänge in Angriff genommen hast. Da hast du bereits sehr viele Schritte erledigt. Und es ist schön, wenn du etwas für dich planst. Ganz gleich, was es ist, Hauptsache, es tut dir gut!

Und wenn du etwas loswerden musst, dann weißt du ja, dass du hier alles lassen kannst.

Ich wünsche dir, dass du etwas Schönes am Wochenende vor hast!
Ich :knuddel: dich!
Miriam