Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Vater, Malignes Melanom
Hallo Ihr Lieben.
Seit Anfang 2011 bin ist stille Mitleserin in diesem Forum. Es hat mir sehr geholfen. Nun bin ich soweit dass ich selber unsere Geschichte schreibe.
Es geht um meinen Vater, er ist 55 Jahre jung. Ein Mensch der nie krank war, sogar bei Grippe etc blieb er verschont. Ein Sportler, niemals geraucht, nicht getrunken, einigermaßen gesund ernährt, physische Arbeit...
Ende 2010 wurden alle krank, Grippe/Virus, da gingt was rum, gesamte Familie war krank. Bei meine Vater dauerte es länger bis er gesund wurde, ein hartnäckiger Schnupfen blieb, es folgte Nasenbluten, also gings zum HNO Arzt, da wir befürchteten dass seine Polypen die mal entfernt worden sind nachgewachsen sind. Auf dem Ultraschall war etwas zu sehen, man sagte er muss einen CT machen. Es wurde was gefunden. Eventuell ein Papillom. Anfang 2011 wurde Rechts der Isar operiert, irgendwie wurden wir da nicht gut aufgeklärt es wurde sehr wenig mit uns gesprochen, immer mussten wir Ärzte suchen wurden hin und her geschickt. Nach dem kurzen Eingriff lag mein Vater im Zimmer und erholte sich, wir dachten es wäre "der Eingriff" gewesen und nun wird alles gut. Als wir endlich einen Arzt gefunden haben der mit uns sprechen konnte, hörten wir (meine Mama und ich) nur noch so Begriffe wie "Probe - Histologie - Krebs-Bestrahlung - Radikal Op - Chemo" meine Mama wäre fast zusammen geklappt, ich musste Sie stützen, mir schossen die Tränen in die Augen und ich habe angefangen bitterlich zu weinen... das war der Anfang...
Paar Wochen später war das Ergebnis da. Malignes Melanom, Tumor in der Nasennebenhöhle, verläuft bis hinters Auge, hat sich durch Knochen durchgefressen bis hin in die Stirn, geht Richtung zweites Auge und Gehirn.
Rechts der Isar sagte, radikal Op, Orbitaausräumung, Schädeldecke anheben, rausoperieren, Wangenknochen entfernen usw... alles sehr heftig, in 5 Minuten fast schon im Gang des Krankenhauses erklärt und Op Termin fix gemacht. Bei der "kleinen" Besprechnung waren mein Vater, meine Mama, mein Mann und ich anwesend.
Wir wollten uns eine zweite Meinung einholen und ich kam irgendwie auf Klinik Regensburg. Ich rief an erzähle die Geschichte. Der Prof hatte eigentlich keine Termine und keine Zeit... als er hörte mein Vater ist Privatversichert, bekamen wir einen Termin. Er sagte er kann sein Auge retten, er wird sehen können, das bekommen wir schon hin, alles wird wieder gut. Er nahm sich viel Zeit, machte einen super ruhigen Eindruck, irgendwie Vertrauenswürdig, der Haken war das mein Vater keine Prof Leistung in der Privaten Versicherung hatte und wenn der Prof die Op machen sollte dann würde es extra kosten. Wir haben das Geld zusammengekratzt, bzw meine Eltern, es geliehen. Mein Vater hatte ein gutes Gefühlt beim Prof.
Mai 2011 Op - Tumor entfernt. Auge erhalten. Leider sah mein Vater total mitgenommen aus nach der Op, erschreckend Ihn so zu sehen. Er zitterte, hat abgenommen, sah nicht gesund aus. Es tut weh Ihn so zu sehen. Aber wichtig war, dass alles gut verlaufen ist. 2 Tage nach der Op bekam er keine Luft mehr, er erlitt eine Lungenembolie, Intensivstation... am nächsten Tag sollten wir kommen und uns schon mal verabschieden, es stand nicht gut um Ihn und man sagte uns er kann jederzeit sterben. Fürchterlich seinen Papa so an Maschinen zu sehen. Aber, er rappelte sich hoch. Er schaffte es, sogar die Ärzte sagten dass Sie das nicht gedacht hätten. Nach einigen Tagen war er zu Hause.
Folge Theraphie sollte eine Bestrahlung sein. Die dürfte er in München machen, (wohnen in der Nähe) damit wir nicht extra nach Regensburg fahren müssen. Papa hatte einen Termin in der Onkologie Rechts der Isar, die sagten dort, wenn wir Sie bestrahlen, dann werden Sie bling auf dem Auge und wir müssen es rausoperieren. Mein Vater verstand die Welt nicht mehr, erst retten dann bestrahlen und wieder rausoperieren? Wir riefen in Regensburg an, die sagten dass man es so bestrahlen kann dass das Auge erhalten werden kann. (mit der gleichen Wirkung) also fuhren meine Eltern 6 Wochen lang jeden Tag nach Regensburg... (120 km jeden Tag)
Mein Vater war wieder fit, er machte Sport, arbeitete wieder, nahm richtig am Leben teil.
Herbst 2011 wurde eine Kontrolle gemacht im KH wo wir wohnen, die Radiologin entdeckte was auffälliges und schickte die Bilder nach Regensburg, die in Regensburg sagten aber da sei nichts. (Im übrigen bekam mein Vater ein Transplantat aus dem Latisimus Muskel in sein Gesicht verpflanzt)
Januar 2012 fing sein Auge an zu tränen, immer wieder, er lief nur noch mit Taschentuch rum. Es wurde immer gelber. Augenarzt sagte es sei alles okay, dann wurde er mit Kortisonhaltigen Tropfen behandelt. Soweit alles okay hies es. HNO Arzt sagte dasselbe. Es wurde aber schlimmer, das Auge quoll immer mehr raus, war geschwollen. Wir sind in die Augenklinik nach München, der Prof dort sagte er weiss nicht an was es liegt, aber wenn er die Aufnahmen sieht dann ist alles okay, da ist nichts gewachsen usw. Da wir vorher diese Sorge hatten haben wir vor Erleichterung angefangen zu weinen. (Mama und ich) mein Vater fragte wieso wir weinen und wir sagten Ihm dass der Verdacht bestand da wäre wieder was. Erleichtert fuhren wir nach Hause. Der Prof der Augenklinik sagte aber wir sollen nochmals zum HNO. Leider wurde es schlimmer, meine Eltern fuhren zum HNO, der war geschockt (mein Vater klebte sich zu der Zeit sein Auge ab weil es schlimm aussah und er die Mitmenschen nicht beängstigen wollte) und schickte meine Eltern sofot zur Klinik Großhardern. Es folgten CT, PTT ? MRT, Untersuchungen etc....
Diagnose, Rezediv, Tumor wieder da hinterm Auge. Man muss operieren solange es noch geht... mein Vater wollte nicht mehr, wir bekamen Bedenkzeit, erkundigten uns über andere Methoden, Chemo würde bei der Tumorgröße nicht helfen, Metastasen waren noch keine da, der Tumor ist lokal, besser wäre die Op... Radikal, also Auge raus.
Mein Papas Auge sah so schlimm aus (ich habe es zum späten Zeitpunk nicht gesehen) dass er selber sagte, machen wir die Op, ich will dass dieser Tumor weg ist.
Juni 2012 Op Klinikum Großhardern. Obritaausräumung.
Papa war tapfer ich bewunderte Ihn. Er sah nach seiner 2ten 14 Stündigen Op(!) sehr gut aus, auch so erholte er sich super. Schon einen Tag nachher. Alles toll, Hoffnung dass es besser wird. Er sollte eine Chemo machen, Bestrahlung durfte er nicht machen. Die Chemo bei Malignes Melanom hat ja nicht so viele Nebenwirkungen hieß es. Mein Vater fing paar Wochen später das Arbeiten an, war fit, machte Sport (obwohl Ihm ein Transplantat aus dem Bein genommen worden ist für sein Gesicht und Haut am Arm etc.) Chemo verlief gut, es folgte eine Kontrolle, wie immer... Besprechnung.
August 2012 schlechte Nachrichten... Resttumor an der operierten Stelle, Metastasen in Lunge und Schulter. Sie sind unheilbar krank, Tumor wird in die USA geschickt um zu schauen ob er mutiert ( nein tut er nicht) eine Theraphie mit Ipilimumab danach gibt es noch ein Medikament was in Frage kommt.
Nun hat mein Vater die letzte Sitzung durch und irgendwie schauts nicht toll aus. Er hat sich im KH auch noch MRSA Besiedelung zugezogen, hatte eine Wunde im Gesicht die geschwollen war wie eine große Orange, war 10 Tage im KH und wurde mit falschen Antibiotika behandelt. Jetzt muss er wohl auch noch mit MRSA Besiedelung leben. Die Schwellung ist auf jeden Fall weg. da wo das Auge mal war (haben Lid erhalten für ein späteres Glasauge) ist kein Loch mehr sondern eine Schwellung, da ist wohl der Resttumor gewachsen so groß und schnell, oder die Zellen sind "angeschwollen" nach der Theraphie. Danach war diese Partie im Gesich immer leicht aufgeqollen.
Bei der Entzündung (MRSA) die im Gesicht ist / war, wurde ein CT gemacht und die Ärzte sagten dass die Tumore größer geworden sind und der in der Wange abstirbt weil die Durchblutung so schlecht ist, deswegen läuft meinem Vater auch gelbe Flüssigkeit aus der Nase und dem Mund. Dieses Sekret ist vom Tumor.
Ich habe viel zu der Theraphie gelesen , vorallem viele Studien und da stand immer dass es sein kann das die Tumore zuerst größer und mehr werden und dann anfangen sich zu verkleinern. Damit mache ich immer meinem Vater und meiner Mutter Mut, aber irgendwie verlässt meine Mama und mich dieses positive denken, denn immer wenn wir positiv gedacht haben haben wir nochmals eins draufbekommen... Mein Vater will alles nicht so wahrhaben, denkt er wird weiter leben, macht Pläne, will nächste Woche arbeiten gehen usw...
Heute, am 04.12.12 hätte er MRT und CT gehabt und am 06.12.12 die Besprechnung, er musste sich mehrmals übergeben Heute Nacht und Heute Morgen und meine Eltern haben die Termine abgesagt.
Jetzt hat meine Mama gelesen dass Morphium was er nimmt und die Schlaftabletten die er bekommen hat wohl Nebenwirkungen hervorrufen und er sich wohl deshalb übergeben hat. (Mein Vater hat starke Schmerzen im Bereich der Tumore, vorallem Abends/Nachts)
14.12.12 ist sein neuer Termin für CT und MRT.
Alles ist so doof... alles so schwierig, und ich sehe dass so viele das Schicksal haben. Es tut so weh.
Ich hoffe ich kann mich hier austauschen mit Betroffenen und vorallem Angehörigen!
Ich wollte schon lange schreiben, irgendwie hab ichs jetzt geschafft und es tut gut!
Lieber Gruß an Alle und kämpft weiter!
Alwina
Mein Vater hat seit mehreren Tagen so starke Schmerzen dass seine Schmerzmittel nicht helfen. Der Onkologe der Ihn betreut (Wohnort) verschreibt Ihm nichts anderes, die Onkologie in München (wo er Therapien macht) versucht auch nichts neues. Er hat sich Gestern mehrmals übergeben, nichts gegessen und kaum getrunken. Gestern ist der Notarzt gekommen und hat Ihm eine Schmerzspritze gegeben und Tabletten dagelassen. Heute habe ich es geschafft einen Termin in der Palliativstation auszumachen, die behandelt scheinbar auch ambulant. Ich hoffe dass er endlich ein Medikament bekommt was Ihm gegen seine starken Schmerzen hilft.
driver 68
05.12.2012, 18:13
Versuch ein SAPV - Team in das Boot zu holen war bei meiner Frau auch so und über die Medikamente mit denen und evtl dem Onkologen zusammen entscheiden. Morphium in Tabletten oder flüssiger Form. Wenn das nicht geht über einen Zugang oder Port wenn vorhanden.Dann kann evtl. alles zuhause gegeben werden.
Liebe Alwina,
es tut es mir sehr leid, dass es deinem Vater so schlecht geht und er zudem die Medikamente so schlecht verträgt.
Vielleicht gibt es ja wirklich in eurer Gegend, wie Driver schreibt, einen ambulanten Palliativdienst, der deinen Vater zu Hause gut und fachgerecht mit Schmerzmitteln versorgen kann, ohne das ihm übel werden muss.
Ich hatte aber auch den Gedanken, ob die Übelkeit mit dem Tumor im Kopfbereich zu tun hat. Auch von Augen-Op´s ist bekannt, dass sie zu extrermer Übelkeit führen können. Dann würde es gar nicht an den Medikamenten liegen sondern an zahlreichen irritierten Nerven - da würde ich mal die Ärzte nach fragen!
Leider gibt es so gar nichts Tröstendes zu sagen - die Situation ist einfach sehr traurig und ich fühle mit dir! Mein Vater ist ja auch an Hautkrebs erkrankt und so glaube ich mir vorstellen zu können, wie es dir als Tochter damit geht.
Fühle dich gedrückt und ich wünsche dir viel viel Kraft!!
Zottie
Sinneswandel
06.12.2012, 02:26
Liebe Alwina,
Deine Geschichte hat mich berührt. Ich denke, dass ich gut nachvollziehen kann, was in Dir vorgeht. Wir hatten dieses schlechte Spiel vor fast 7 Jahren.
Darf ich Dich etwas fragen?
Kann Dein Vater ohne Probleme laufen oder gibt es Gleichgewichtsstörungen? Wenn ja, seit wann ungefähr?
Kann er ohne Probleme mit Messer und Gabel essen? Dumme Frage, ich weiss, aber ist Dir eine Veränderung aufgefallen?
Ist Dein Vater in letzter Zeit einmal hingefallen oder konnte nicht aufstehen?
Passt jetzt gut auf ihn auf und lasst ihn so wenig wie möglich allein, wenn er so ist wie meiner...wird er protestieren aber trotzdem sehr dankbar dafür sein.
Liebe Grüsse
Vielen Dank an Alle für Eure Worte...
@Sinneswandel:
Noch ist er recht fit, natürlich wenn er keine Schmerzen hat. Er hatte MST (Morphin) 30 mg genommen, Morgens und Abends, eine Woche lang hat er das gut vertragen aufeinmal waren etreme Schmerzen da und er musste brechen. Der Notarzt hat Ihm was anderes gegeben, ebenfalls mit Morphin etwas glaube ich, jetzt nimmt er die Tabletten und die scheinen zum Glück zu helfen.
Bisher ist er körperlich "fit" wenn man das so sagen kann, trotzallem liegt und schläft er viel. Ihm ist nicht ganz bewusst dass er nicht mehr lange leben wird, oder er weiss es instinktiv und verdrängt es, das kann halt auch sein.
Er kann immer noch ALLES.... das ist ja das schlimme... die Ärzte sagten wenn der Tumor erstmal das Gehirn erreicht hat (wächst wohl rein) dann weiss man nicht wie was usw....
Meine Mutter wollte wissen wie lange er noch hat, auch da sagen die Ärzte leider nichts. Ich weiss dass man das nie genau sagen kann, dass es von vielen Faktoren abhängt, dennoch würde man gerne wissen wie viel kostbare Zeit einem noch verbleibt.
Mein Mann und ich haben 2 kleine Kinder (4 Jahre und 2 Monate), alles ist etwas stressig derzeit. Vorallem weil so viel zu klären ist. Mein Vater war selbstständig, Handwerker, meine Eltern haben ein Haus, im Prinzip müsste es verkauft werden, das können wir Ihm gerade nicht "antun" da er ja denkt es wird bald normal weitergehen... wenn man versucht etwas realistischer mit Ihm zu reden sagt er sowas wie "ich will es nicht hören..." oder "ach das stimmt nicht..." oder "Du willst mich jetzt schon beerdigen...." das ist hart. Anderseits gibt es kaum Einkünfte, Raten können bald nicht mehr bedient werden etc.
Mein Mann und ich haben erst letztes Jahr ein Haus gebaut. Mein Vater hat sehr viel in dem Haus selber gemacht, und das nach seiner ersten Op damals. Jetzt haben wir mit der Bank gesprochen ob wir eine Umschuldung machen können, d.h. so schwers auch fällt, wir verkaufen unser Haus und kaufen das meiner Eltern. Meine Mutter soll in Zukunft mit uns zusammen wohnen, das Haus ist größer und Sie hätte einen großen eignen Bereich. Es fällt mir und meinem Mann schwer, aber das Haus von meinen Eltern war der größte Traum meines Vaters, er würde sich freuen und es wäre sein Wunsch wenn das Haus in der Familie bleibt. Hach, mit solchen Dingen müssen wir uns zusätzlich rumschlagen... :-( Stattdessen dass man sich voll auf das andere Thema konzentriert, solche Sorgen.
Außerdem hat mein Vater Anfang des nächsten Jahres weiterhin laufende Verhandlungen (Gericht) wegen Ärztefehler. So viel Zeug was normal nicht sein müsste.
Vielen Dank nochmals für Eure lieben Worte.
Sinneswandel
06.12.2012, 18:52
Liebe Alwina,
Erstmal bin ich froh, dass es Deinem Papa körperlich einigermassen gut geht.
Die kleinen Biester genannt Hirnmetastasen haben die unangenehme Angewohnheit sehr plötzlich aufzutauchen, aber auch dann ist noch nicht alles verloren.
Gehen wir das mal der Reihe nach durch, einverstanden?
Und gleich am Anfang...wenn ich mit Ratschlägen nerve...ganz ehrlich einfach sagen.
Zu den Ärzten: Ich kann Dich gut verstehen, ich habe die Ärzte, das Personal im Krankenhaus und alles damit verbundene gehasst. Bis mir klar wurde: Es sind keine Götter in weiss sondern Menschen, die Fehler machen und die Schwächen haben, ausgebildet um Krankheiten zu heilen oder zu behandeln, aber leider nicht gut ausgebildet, schlechte Nachrichten zu übermitteln. Aber mal ehrlich....wer gibt gern schlechte Nachrichten?
Vom Gesetz her sind sie verpflichet, Euch die Wahrheit zu sagen. Aber es liegt in ihrem Ermessen, in welchem Umfang und zu welchem Umfang sie Euch diese Wahrheit mitteilen.
Wenn ihr gezielt fragt, sind sie verpflichtet, aber nur mit dem Einverständnis Deines Papas.
Vielleicht solltet Ihr (Deine Mama und Du) gemeinsam das Gespräch mit dem Arzt suchen und gezielt fragen und ihm vorallem auch die Situation (selbständig, Firma, Hypothek) erklären.
Aber selbst dann kann er (und auch niemand anders) keine genaue Prognose geben.
Jeder Krebs verläuft anders, er kann Euch höchstens Richtwerte geben.
Zu Deinem Papa: Als Selbständiger ist er gewohnt, Entscheidungen zu treffen. Und seine Entscheidung ist, erstmal nicht über den Verlauf seiner Krankheit zu sprechen. Was er Dir sagen will ist: „Lass mich, ich bin noch nicht so weit“. Respektiere das und dränge ihn nicht.
Sprich nicht mit ihm über seinen Tod oder sein Sterben wenn er es nicht will. Er hat ein Recht auf seine Hoffnung. Seine Einstellung kann sich ändern, muss sie aber nicht. Achte auf seine nonverbale Kommunikation, Du wirst merken, wann es soweit ist.
Und dann (wenn er bereits ist) frag ihn ruhig mal was er über seine Krankheit denkt, ob er Angst hat und wovor. Was er im Moment braucht ist....ganz einfach das Wissen, nicht allein zu sein und so akzeptiert zu werden, wie er ist.
Versucht, ihn mit schönen Dingen zu beschäftigen, lasst ihn ruhig arbeiten, wenn er das möchte. Es ist seine Art es zu ver-arbeiten. Nur im Falle dass ein Risiko besteht weil er mit gefährlichen Maschinen etc. arbeitet, sollte er in der Arbeit nicht alleine sein. Wir hatten den Vorteil, dass ich seine Arbeit kannte und auch dabei war, so hatte ich ihn liebevoll auf „Station Beobachtung“, aus dem Hintergrund natürlich.
Zu Deiner Mama: Es ist schwer für sie, am schwersten ist die Ungewissheit. Auch sie sollte ihn nicht drängen. Unterstütze sie, aber vergiss Dich selbst nicht dabei. Die Zeit, die jetzt kommt wird intensiv. Wechselt Euch ab, so dass sie auch etwas Zeit für sich hat. Und respektiert, wenn sie nicht will, dass Dein Papa bis zum Schluss zuhause bleibt, obwohl sie überfordert ist. Es ist keine Schwäche zu sagen: „Ich kann das nicht!“. Und es ist kein Grund für Schuldgefühle.
In dieser Zeit ist alles erlaubt, nichts wirklich richtig und nichts wirklich falsch. Also keine Angst etwas falsch zu machen. Denn Ihr werdet vieles falsch machen und die Alternative wäre auch nicht richtig gewesen. Es gibt kein richtig, kein falsch. Lasst es laufen....ganz einfach.
Zu Dir: Wichtig ist, dass Du auf Dich achtest und Dir die Unterstützung holst, die Du brauchst. Bereite Deinen Mann darauf vor, Du wirst seine Unterstützung brauchen. Sag ruhig auch: „Hey, kann sein, dass ich unerträglich werde, aber es geht dann nicht gegen Dich.“
Zu den Finanzen: Nichts überstürzen, mit der Bank sprechen wegen einer Stundung. Mit der Firma...gibt es Angestellte, die mehr machen können? Sozialdienste helfen mit Rat weiter.
Psychoonkologen sind ebenfalls gute Ansprechpartner, vorallem auch für Angehörige.
Was ich gemacht habe und worüber ich froh bin...ich habe ihm ein wunderschönes Weihnachtsfest bereitet, da ich wusste, es wird das letzte sein.
So, genug unerwünschte gute Ratschläge gegeben für heute.
Dir und Deiner Familie wünsche ich für den Moment alles, alles Gute und ganz viel Kraft.
Liebe Grüsse
Hallo Sinneswandel,
vielen Dank für Deine Antwort...
Es ist schon alles sehr schwer und meine Mama und ich sind wirkliche Nervenbündel geworden, das letzte Mal wo es meinem Papa so schlecht ging und er sich übergeben hat, hat meine Mama Panik bekommen und ist bewusstlos geworden, vom Stuhl gefallen und hat sich Kopf angestoßen. Sie verliert immer das Bewusstsein wenn Sie sich Sorgen macht um ein Familienmitglied. (bei Krankheit etc)
Die Firma meines Papas ist abgemeldet, er hat keine Angestellten oder ähnliches. 2-3 Monate schafft es meine Mama danach geht nichts mehr. Unsere Bank weiss auch bescheid und wir versuchen schnellstmölglichst eine Lösung zu finden. Wir werden auch in 2 Monaten mit der Bank meiner Eltern reden, noch gehts.
Ich möchte unbedingt in das Elternhaus, auch wenn es nicht "unseres" ist aber es ist eigentlich meins, weil ich darin teilweise ausgewachsen bin. Ich weiss dass meinem Papa das Haus sooo viel bedeutet und möchte dass es weiterhin in der Familie bleibt.
Wir respektieren dass er nicht darüber sprechen mag, über seinen Tod usw. Wir sprechen auch nicht mit Ihm darüber, meine Mama deutete nur mal an "wir sollten uns überlegen was mit dem Haus wird" und er wimmelte gleich ab und sagte alles wird wieder so wie früher. Also lassen wir das. Auch unser "Bänker" sagte, lasst in, er sollte damit gar nicht belastet werden, also machen wir bisher alles hinter seinem Rücken, anders gehts halt nicht, wollen Ihn nicht belasten. Er soll sich nur noch auf schöne / normale Dinge konzentrieren. Das mit dem Arbeiten ist schlecht, wir haben Angst dass er ein Rezidiv erlitten hat WEIL er eben immer viel zu früh wieder arbeiten ist... er ist nach seiner ersten schweren Op und Lungenembolie 6 Wochen später arbeiten! Hat damals unser Haus 100 m2 Fliesen verlegt... alleine mit allem drum und dran und ab da an wieder normal gearbeitet... auch nach seiner zweiten Op im Juni hat er nach (!) Wochen wieder normal gearbeitet. Wir machen uns Vorwürfe weil wir Ihn haben gehen lassen zur Arbeit. Vielleicht war er nicht so weit. Jetzt weiss ich nicht ob das gehen würde, denn er arbeitet ja mit Werkzeug usw. Außerdem schaut sein Gesicht wirklich nicht "gesund" aus. Tumore stehen hervor, es fließt dauernd Sekret von den Tumoren durch Nase und Mund usw. Zu Hause schläft er fast die gesamte Zeit also relativ viel. Die Ärztin versucht gerade Tabletten umzustellen, also die Einnahme der Uhrzeit. Vielleicht ist / war die falsch. Mal schauen ob es klappt.
Das wird wohl das letzte Weihnachten sein, das kann man nicht leugnen... :-( Ich kann mir gar nicht vorstellen dass er mal nicht mehr da ist. Es ist so unrealistisch alles was passiert, so wirklich wie ein Horrorfilm, wie ein Alptraum.
Sinneswandel
07.12.2012, 20:03
Hallo Alwina,
Dass Dein Papa viel schläft kommt sehr wahrscheinlich von den Medikamenten. Bei uns war das anders. Mein Vater war schmerzfrei (zumindest hat er das gesagt) und bekam keine Medikamente. Er wollte bis zum Schluss arbeiten, Handwerker, ein „Macher“. Habe ich Schuldgefühle, weil ich ihn liess? Nein, in keinster Weise, es hat ihm gut getan. So fühlte er sich nützlich und man merkte, dass es ihm Energie gab wenn er sah, dass noch was geht.
Heute denke ich oft mit einem Schmunzeln zurück, da vieles was er tat nicht mehr „brauchbar“ war. Ich hab das dann korrigiert wenn er es nicht sah. Rückblickend, auch wenn es den einen oder anderen verwundert.....wir haben wahnsinnig viel gelacht in der Zeit, ich glaube, das war es, was es meinem Vater leichter machte.
Beispiel: Er konnte nicht mehr Auto fahren, also fuhr meine Mutter zu unserem Treffen. Ich fragte ihn, als sie ankamen: „Na, alles klar?“ Seine Antwort: „Ganz ehrlich, bevor ich nochmal zu Deiner Mutter ins Auto steige, fahre ich lieber selbst. Ich hatte noch nie soviel Angst um mein Leben.“ Ich sollte vieleicht erwähnen, dass er da bereits wusste, dass wir vielleicht noch 3 Monate haben.
Auch ihr solltet Euch keine Gedanken machen, ob er ein Rezidiv hat weil er gearbeitet und zu früh wieder angefangen hat. Was wäre die Alternative gewesen? Zuhause sitzen und auf das Rezidiv warten? Glaub mir, dann wäre es noch früher gekommen.
Er hat, wie mein Vater, das getan, was er wollte und was er immer getan hat. Grösstmögliche Normalität war die Devise. Und jetzt mit Abstand betrachtet bin ich mir noch sicherer als ich es damals war...es war richtig und gut so wie es war.
Wenn es Dich beruhigt: Meine Mutter hatte die selben Gedanken damals und deshalb habe ich mich vor ca. 5 Jahren mit einem befreundeten Arzt unterhalten. Der hat gelacht und gesagt:“ Nein Mädel, von körperlicher Arbeit hat noch keiner Krebs bekommen.“
Dass Deine Mama und Du am Limit seid ist ganz normal. Und falls Ihr manchmal denkt „hoffentlich ist das bald vorbei, egal wie“ ist auch das ganz NORMAL und Ihr solltet keine Schuldgefühle deshalb haben oder Euch für diese Gedanken schämen. Die hat JEDER gelegentlich in dieser Situation, nur dass es die wenigsten zugeben würden.
Bei dem, was Du über Deine Mama schreibst, wäre es vielleicht ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Der kann ihr etwas zur Beruhigung und Stabilisierung verschreiben. Oder pflanzliche Mittel nehmen. Es ist normal, dass der Kreislauf verrückt spielt. Also keine Panik. Meine Mutter hatte damals furchtbare Angst, dem ganzen nicht gewachsen zu sein, etwas falsch zu machen und vorallem...vor dem was nachher kommt.
Wie ich schon erwähnte ist es wichtig, dass sie „Auszeiten“ hat in denen sie sich auf sich konzentrieren und (soweit möglich) ausspannen kann. Bei uns war es einfacher: In der Zeit, in der ich mit ihm in der Firma war, hatte sie Zeit für sich. Danach war er bei ihr und ich hatte Zeit für mich. Vielleicht wäre das bei Euch irgendwie machbar? Dass Du bei ihm bist (wenn möglich irgendwo anders und nicht bei Deinen Eltern zuhause)? Was macht er gerne (ausser arbeiten)? Spaziergang? Heimwerkermarktbummel? Etwas bei Dir im Haus reparieren? Wenn es ihm gut geht natürlich. Für ihn wäre es „Beschäftigungstherapie“ und für Deine Mama „Auszeit“.
Ich habe damals,( als er bemerkt hatte, dass er die Arbeiten in der Firma nicht mehr erledigen kann) manchmal gesagt wenn ich wusste, dass meine Mutter etwas zuhause zu erledigen hatte wo mein Vater „störte“ (seien wir ehrlich...aufräumen geht nicht mit Mann im Haus, Krebs hin, Krebs her!), ich würde als seine Tochter seine Beratung brauchen, da ich ein neues Auto brauche, einen Termin mit einem neuen Geschäftspartner habe oder weil ich mir die Bauweise eines Fertighauses ansehen möchte und ihn gern dabei hätte. Ja, ich habe gelogen...und gesehen, wie gut es ihm tat, trotz seiner Krankheit noch „gebraucht“ zu werden.
Dass Du denkst „das ist nicht wirklich, nicht real“ kann ich nachvollziehen.
Ich habe damals zu meinen Freunden gesagt: „So, ich besauf mich heute und dann haut mir jeder von euch eine rein damit ich aufwache und dann ist alles wieder gut“.
Kommt Dir das bekannt vor? Aber ich kann Dir sagen: Ausser einem Riesenkater und ein paar blauen Flecken hat die Aktion rein gar nichts gebracht! Also...nicht zur Nachahmung empfohlen.
Der Arzt meines Vaters hat damals gesagt: „Auf der Zielgeraden wird der Gegenwind rauher.“
Aber er hat mir auch gesagt: „Ihr seid den Marathon gelaufen, Ihr schafft das.“
Ihr schafft das auch, ganz sicher. Und wegen dem Haus Deiner Eltern....ich verstehe es, würde aber trotzdem nichts überstürzen. Es ist jetzt nicht der richtige Moment dafür. Haltet die Sache von Deinem Papa fern und lass auch Deiner Mama Zeit für die Entscheidung, denn im Moment kann sie das nicht (und da spreche ich aus Erfahrung)
Im Moment wünsche ich Dir und Deiner Familie ein ruhiges Wochenende
Herzliche Grüsse
Hallo Sinneswandel,
ja was Du da schreibst kommt mir sehr bekannt vor...
Ich muss die letzten Tage immer so schrecklich oft weinen und kann mich kaum beruhigen wenn ich daran denke dass er bald nicht mehr da ist, dass das unser letztes Weihnachten zusammen ist, unser letztes Neujahr (und ich hoffe wir erleben noch dieses Weihnachten und Neujahr überhaupt zusammen) Ich stelle mir zwangsläufig immer vor wie die Beerdigung sein wird, das Grab, wie er diese riesengroße Lücke hinterlässt, wie es sein wird Feiertage ohne Ihn zu sein, Geburtstage ohne Ihn, Momente ohne Ihn, dass er nicht sieht wie meine Kinder aufwachsen, das schlimme, dass seine Enkel Ihn nicht mehr sehen... nicht mehr haben. Erzählungen, Fotos ja, aber er ist nicht mehr da. Wie schwer es wird das riesige Haus zu "entrümpeln" das Lager von Ihm mit den ganzen Baumaterialien etc... seine Bekleidung und sonst noch was... (er hatte eine riesen Sammelleidenschaft ´für alles mögliche) Solche Gedanken habe ich jetzt... Oder im Haus zu sein und zu warten dass Papa nach Hause von der Arbeit kommt... doch er wird nicht kommen, in den Urlaub fahren ohne Ihn (er liebte unser gemeinsamen Urlaube nach Spanien zusammen mit der ganzen Familie) ... dann denke ich an meine Mama, wie es für Sie sein wird ohne Ihn im Bett zu schlafen, Ihn nicht mehr bei sich zu haben. Briefe zu schreiben, alles mögliche "abzumelden"... Menschen zu sagen dass er gestorben ist... Ich heute jetzt schon wieder bei all diesen Gedanken die ich gerade aufschreibe.
Es ging Ihm die letzten 2 Tage "sehr gut" Heute hat er wohl wieder seine Schmerztablette bisschen zu spät eingenommen und die Schmerzen fingen wieder an... er kann nichts mehr machen. Er wollte zu uns ins Haus kommen da hier noch paar Dinge gemacht werden müssen und meine Mama meinte zu Ihm (gelogen) "Bevor Du wieder anfangen willst zu arbeiten, mach erstmal testhalber paar Sachen bei Deiner Tochter im Haus, so wie Silikon etc"... aber es ging Ihm so schlecht Heute dass nichts daraus wurde.
Außerdem wächst der Tumor in der Wange in den Mund rein, sodass er von Mal zu Mal etwas unverständlicher spricht, jetzt hab ich auch Angst dass er bald nicht mehr richtig essen kann, er hat jetzt schon bisschen Probleme damit, dieser Turmo wächst so schnell, auch da wo sein Auge war, alles riesen groß und drückt schon wieder leicht raus.
Wenn ich Geschichten lese im Forum wie sehr manche leiden müssen, mussten... ich habe Angst davor... ja, einerseits hoffe ich dass es "schnell geht" dass er nicht so lange leiden muss, anderseits will ich nicht dass er stirbt. Ich bemerke zur Zeit auch dass ich am Tag paar Mal Phasen habe wo ich versuche es ganz zu verdrängen und paar Minuten oder ne halbe Stunde so lebe als wäre alles in Ordnung und so wie früher... wäre ich nicht abgelenkt durch ein Kleinkind und Baby, dann weiss ich nicht was wäre.
Normalerweise wollten mein Mann und ich noch 2 Jahre mit Nachwuchs warten, mein Vater fragte immer soooo oft nach erneutem Nachwuchs, sodass ich letztes Jahr dachte, es ist der richtige Zeitpunkt, Papa hat sowas Großes überstanden, ein Neuanfang, ein neues Jahr, außerdem wollte ich dass mein Papa noch lange was vom Enkelkind hat... jetzt bin ich froh dass er Ihn kennengelernt hat, wenigstens ein kleiner Trost.
Ach es ist einfach so schrecklich traurig und tut so weh...
Geht es weg? Wird es leichter? Kann man irgendwann ein "normales" Leben wieder führen? Ich habe noch nie einen Tod gehabt in der Familie, wird sind eine sehr kleine Familie (Rest ist im Ausland und die kenne ich alle nicht, außer meiner 85 Jähriger Oma) und schon stirbt mein 55 Jähriger Papa, ich dachte wir hätten noch sooo viel Zeit.
Was war denn bei Deinem Papa wenn ich fragen darf? Wie war der Krankheitsverlauf?
Meine Mama bekommt Antidepressiva und Schlafmittel.
Lieber Gruß und schönes WE
Sinneswandel
09.12.2012, 02:18
Hallo Alwina, wie geht es Deinem Papa? Besser mit den Medikamenten jetzt? Weisst Du, das ist „Tagesabhängig“. Heute super, morgen ganz schlecht, übermorgen so la-la. Bei uns änderte sich das sogar innerhalb von Minuten, was von den Hirnmetastasen kam. Im Augenblick würde ich mir keine Gedanken über Werkzeug, Lager, etc. machen. Auch Beerdigung und alles andere würde ich ausblenden. Nutzt die Zeit jetzt für Euch, für Deinen Papa, Deine Mama, Deine Kinder, Deinen Partner etc., sie ist kostbar und sollte nicht mit Dingen vertan werden die noch unwichtig sind. Das kommt noch früh genug und auch wenn es jetzt wie ein Berg von Problemen aussieht...wenn es soweit ist, wirst Du sehen dass es halb so schwierig ist wie es jetzt aussieht. Vieles wirst Du erledigen ohne es wirklich zu registrieren, wie in Trance. Später wirst Du Dich dann fragen: „Hab das wirklich ich alles erledigt?“ Deine Gedanken, was passieren wird, was sein wird....sind mir vertraut. Auch wir hatten Angst, weil wir nicht wussten, was auf uns zukommt, wie es sein wird etc. Aber ich habe damals beschlossen nicht daran zu denken. Ganz bewusst habe ich all das ausgeblendet und auch meiner Mutter gegenüber klar gemacht: „Er lebt, wir leben, und zwar hier und jetzt. Und was später oder morgen sein wird werden wir sehen wenn es soweit ist...und zwar später, morgen.“ Der Krankheitsverlauf meines Vaters....es ist lange her und ging relativ schnell, wir hatten 18 Monate. Malignes Melanom am Innenschenkel, der Tumor war zu gross, die Eindringtiefe zu gewaltig. Der Hautarzt hatte es nicht erkannt . Als mein Vater es nochmals in der Klinik untersuchen liess, weil es nun nässte, wurde er sofort operiert. Den genauen Ablauf möchte ich hier nicht schildern, denn ich möchte niemandem die Hoffnung nehmen. Es waren 18 Monate zwischen Hoffen und Bangen, Achterbahnfahrt rauf und runter, wobei sich die Gondel auch noch nach links und rechts bewegte und sich um sich selbst drehte. Und auch nach seinem Tod ging diese Fahrt noch eine ganze Zeit weiter. Gestorben ist er genaugenommen nicht am Krebs sondern an einer Hirnblutung, die nicht zu stoppen war, 3 Wochen vorher hatte er eine Hirn-OP erfolgreich überstanden. Später wurde uns gesagt, dass dies fast sogar besser für ihn gewesen ist, da bereits wieder neue Metastasen im Gehirn vorhanden waren die nicht operabel gewesen wären. Wie ich schon erwähnte....diese Biester wuchsen so rasant schnell. Samstag morgen um 7.00 Uhr eingeliefert da grosse Schmerzen (zum ersten Mal),aufstehen oder hinsetzen nicht mehr möglich, Sprechen nur noch undeutlich, will nicht in die Klinik, kann mir aber noch antworten als ich sage: „Gut, jetzt Krankenhaus und dann wieder heim.“ Seine Antwort:“ Nein, ich glaube diesmal nicht.“ Klinik, Untersuchungen, künstliches Koma da Schmerzen nicht kontrollierbar, gestorben Samstag nacht 23.14 Uhr. Vielleicht sind die Chancen heute höher, in der Medizin hat sich ja einiges getan aber vor 7 Jahren..... Zu Deiner Frage, ob es leichter wird: Ein ganz klares JA. Es dauert, bei jedem Menschen unterschiedlich lang. Aber es wird besser, es verändert sich. Du wirst Deinen Papa nie vergessen, aber Du wirst anders an ihn denken. Man könnte sagen (zumindest ist das meine Meinung)...überwunden hast Du es, wenn Du an ihn denken kannst ohne Trauer, Bedauern oder Groll zu verspüren sondern mit einer inneren Ruhe und Wärme die sehr, sehr angenehm ist.Wenn Du sagen kannst, ich denke mit einem Lächeln an Dich und bin Dir dankbar, dass Du da warst, habe von Dir Laufen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen etc. gelernt, wie man in und durch diese Welt geht und auch wie man sie verlässt. Wenn Du sagen kannst, Ja, ich habe Dich gern und ich habe Dich gut gekannt, auch Deine Fehler und ich erinnere mich gern an Dich, mit all Deinen guten Eigenschaften und Deinen Fehlern. Wenn Du keinen Groll mehr gegen die Ärzte oder andere Menschen hegst, denen Du jetzt noch eine Schuld oder Mitschuld an der Krankheit Deines Vaters oder deren Verlauf gibst. Wenn Du Dich mit jemandem, der ihn gekannt hat, unterhälst und ihr gemeinsam über Anekdoten lachen könnt, nach dem Motto: „Weisst Du noch, wie Vater damals....?“ Dann bist Du mit Dir und ihm im Reinen und er hat den richtigen Platz in Deinem Leben eingenommen. Heute kann ich für mich sagen, dass mich die Zeit damals stärker und auch ruhiger, gelassener gemacht hat. Vieles nehme ich nicht mehr so wichtig, anderes wichtiger. Mein Vater hat mir damals, 2 Tage bevor er starb, etwas gesagt, vielleicht das Wichtigste überhaupt: „Gehe stets den selbstgewählten Weg.“ Das kannst Du jetzt nicht nachvollziehen, da Du die Vorgeschichte nicht kennst, aber für meinen Vater und mich war in diesem Satz alles enthalten. Wir waren im Reinen als er ging. Herzliche Grüsse
Hallo Sinneswandel,
es beruhigt mich zu lesen dass es mal leichter wird, schon die Gewissheit dass es mal leichter wird ist gut, wann... ist mir egal hauptsache ich weiss es. Mir kommt es nämlich eher vor als ob es schwerer wird.
Die Krankheitsgeschichte von Deinem Papa hört sich auch sehr schlimm an, ich glaube jede schwierige Krebserkrankung ist es. Am Anfang kamen wir uns vor wie die einzigen auf der Welt. Durch das Forum und das Internet habe ich erst gesehen wie viele Menschen betroffen sind. Durch Tipps, Mitgefühl und Ratschläge fühlt man sich doch besser und ich wünschte ich hätte vielleicht schon früher hier rein geschrieben, aber vielleicht war es auch gut so wie es jetzt ist. Alles hat bekanntlich seinen Grund.
Die letzten Tage ging es Papa ganz "okay" und Heute Nacht hatte er wieder schlimme Schmerzen (Druckschmerzen) sodass er mehr Schmerzmittel nehmen musste. Morgens wachte er auf, erzählte Mama dass er Schmerzen hatte (hat) und mehr Schmerzmittel Nachts gebraucht hat. Dann sagte er wieder mal dass er weiter schlafen geht... hat wieder nichts gefrühstückt. Dann rief mich meine Mama wieder ganz nervös und fertig an und sagte dass aus der Tumorstelle wo das Auge war Blut rausläuft weil Papa sich übergeben musste. Ich habe sofort auf der Palliativ Station angerufen und der Bereitschaftsarzt (Nakosearzt) hat mich zurückgerufen und mir gesagt dass entweder wo man Ihn operiert hat, da der Krebs aber unheilbar ist und inoperabel, soll er mit dem Rettungsdienst zu denen gerbacht werden, in die Ambulanz damit der Chirurg ein Blick drauf wirft und dann Palliativ Station. Für den Fahrdienst müssen wir uns noch anmelden. Bisher hats nicht nachgeblutet und mein Vater ist zu Hause, er will halt nicht ins KH, er ist lieber zu Hause. Morgen wird meine Mama mit dem betreuenden Onkologen eine Anmeldung für den Fahrdienst (Palliativfahrdienst) machen, komisch dass er das nicht angeboten hat, denn er ist in diesem "Team" vor Ort. Naja, Ärzte halt. Wir haben da eh irgendwie keine guten Erfahrungen bisher, ab und zu treffen wir aber auch noch auf gute, nette Ärzte und Personal.
Die Erkrankung habe ich bereits akzeptiert, denke meine Mama auch, wie gesagt kam die Diagnose erst Anfang 2011. Ende 2010 (um Weihnaten rum) bemerkte er / wir ja nur dass da was ist, also HNO Bereich, Schnupfen der nicht weggeht, Nase zu, Nasenbluten. Er war sonst fit. Das ist ja wohl das schlimme an der Krankheit, dass man das eben zu spät rausfinden kann... der Tumor war damals schon soooo groß... man sagt sich immer "wärst Du früher zum Arzt...." aber, er sagt immer wieso zum Arzt wenn man sich gut fühlt? Wenn man fit ist? Wenn einem nichts fehlt? Ich habe von unserem Geschäftsfüher der Bank gehört (kommt aus Medizinerfamilie) dass 50 % aller Krebspatienten die daran erkranken gesund leben. So ist es beim Papa auch. Der hatte bis zur Chemotheraphie 2012 super Blutwerte... nur während der Chemo 2 Werte die nicht gut waren, danach aber wieder TOP Blutwerte.
Ich versuche schon eine ganze Weile mich mehr und mehr damit auseinander zu setzten, mir selber zu sagen dass es Schicksal ist. Als der Rezidiv war, bzw wir es erfahren haben, versuchte meine Mama und ich (waren natürlich dabei) stark zu bleiben, wir sind alle zusammen nach Hause gefahren und meine Mama stieg aus dem Auto, ich fing an mit Papa zu reden und der sagte damals mir " Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich glaube an die Wiedergeburt... mich macht es nur traurig Euch alleine zu lassen.... Mama, Dich..." meine Mama sagt mir, dass er das gesagt hat selber aber Angst hat, Sie weiss es, Sie sieht es, Sie sagt Sie kennt Ihn viel zu gut, (35 Jahre verheiratet)
Schade ist, dass er das ja nicht so bewusst haben will oder wie Du sagst nicht soweit ist darüber offen zu reden, denn es gibt vieles was ich Ihm gerne sagen würde, aber, wenn ich das tue dann weiss er wie ernst es um Ihn steht weil ich das nicht sagen könnte ohne in Tränen auszubrechen. Insgeheim weiss ich aber dass er das weiss... was ich Ihm sagen will.
Vielleicht bekomme ich noch die Möglichkeit Ihm das zu sagen... ich rede und telefoniere mit Ihm täglich, aber ich habe Ihn seit einer Woche leider nicht gesehen weil ich Ihn nicht anstecken will, bei uns sind alle Krank (Kinder) Bindehautentzündung und Virus. Ich hoffe dass ich die Woche zu Ihm kann.
Ich weiss nicht wie viel Zeit uns bleibt, wir haben von keinem eine Schätzung bekommen... Dein Vater ist an einer Hirnblutung gestorben... die meisten Sterben wohl an was anderem, Lungenentzündung, Blutvergiftung, Versagen der Organe usw...
Wir wissen ja nicht mal was sich getan hat bei Ihm... MRT ist ja erst am Freitag, den 14.12. und die Besprechung wird dann wohl am 17. oder 18.12. sein, zu der Besprechnung wird er vielleicht nicht hingehen, bzw wollen wir fragen ob er sich das anhören mag, wenn nicht, dann schicken wir meinen Bruder hin. Der macht in München die ganzen "Arztgespräche" zur Zeit mit weil meine Mama das nicht mehr alleine kann...
Wahrscheinlich hat er schon Hirnmetastasen, im August von der Immuntherapie hatte er ja Lungenmetastasen, die waren sicher auch Hirnmetastasen, es stellte sich damals aber raus dass noch keine im Hirn sind. Aber, der Haupttumor wandert ja in Richting Gehirt, also da wo das Auge war, in die Stirn rein...
Ich habe irgendwo mal gelesen, bei Krebs stirbt man jeden Tag einbisschen... das ist so hart und traurig aber irgendwie trifft es genau zu. Schlimm ist das mit den Schmerzen, er bekommt Morphin 2 Mal am Tag, und dann hat er noch ein anderes Morphin Medikament bekommen was er nehmen soll wenn der Schmerz plötzlich ist, die wirken wohl schneller, nichts hat Nachts geholfen. Das find ich schlimm... Schmerzen auch noch. Man denkt immer wie viel muss der Mensch noch ertragen?!
Gott werd ich Ihn vermissen... irgendwie vermisse ich in jetzt schon....
Sinneswandel
10.12.2012, 01:44
Hallo Alwina,
ja, das stimmt, bei Krebs stirbt man jeden Tag ein bisschen mehr.
Die ersten 14 Monate waren bei meinem Vater relativ gut, aber die letzten 4 Monate waren die Hölle weil man als Angehöriger ständig in Alarmbereitschaft ist. Bei uns war das eben so, dass von einer Minute zur nächsten ein Ausfall kam, dann war wieder 2 Tage Ruhe, dann wieder ein Ausfall, dann wieder gut, dann umgekippt, und so weiter. Und so blöd das klingt, aber wir konnten ihn doch nicht im Bett anbinden und wollten das auch nicht. Also.. beobachten 24 Stunden am Tag.
Dass Ihr Unterstützung von und Kontakt zu einer Palliativstation oder einem ambulanten Dienst habt finde ich grossartig. Das gab es bei uns nicht, leider. Wir hatten nur die Möglichkeit Klinik oder zuhause. Hier machen Ärzte nicht mal Hausbesuche.
Im Moment wird es schwerer, das empfindest Du richtig. Und auch wenn es Dein Vater „geschafft“ hat, ist da erstmal ein Riesenloch. Aber dann wird es nach und nach besser. Das geht nicht linear, das entwickelt sich vorwärts, dann wieder zurück, irgendwie kreuz und quer, aber irgendwie merkst Du doch, dass es in die richtige Richtung geht. Der Begriff „Trauerarbeit“ ist korrekt, es ist wirklich Arbeit.
Du wirst ihn sogar ganz wahnsinnig vermissen, aber auch das verändert sich. Es lässt sich schwer beschreiben, das muss man er-LEBEN.
Ich gehe davon aus, dass Dein Vater weiss, wie es um ihn steht. Er will nur nicht darüber reden, vermutlich, um Euch nicht noch mehr weh zu tun. Er macht sich Sorgen um Euch, was dann mit Euch ist, wenn er nicht mehr da ist. Das könnt Ihr eventuell etwas mildern, wenn er jetzt mitbekommt, dass Ihr als Familie zusammenhaltet, eine gewisse Ruhe ausstrahlt (klingt total doof, ich weiss) etc. (und auch das mit der Hypothek etc.nicht anmerken lassen)Ihr könnt vielleicht auch beiläufig anklingen lassen, dass er sich keine Sorgen machen muss. Ich habe mal gelernt, dass 80% unserer Kommunikation nonverbal stattfindet. Das heisst, alles was Du ihm sagen möchtest....zeig es ihm einfach. Und ausserdem...er weiss es, dass Du ihn liebst, ganz sicher. Was auch eine Möglichkeit ist....achte einfach mal darauf, ob er etwas sagt wie...“ich hätte mal wieder gern...“ und wenn da was kommt, was ganz lange her ist, wie z.B. etwas, was Ihr an Weihnachten gemacht habt, als Ihr noch Kinder ward, etc....kannst Du davon ausgehen, dass er weiss, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt.
Natürlich hat Dein Vater Angst vor dem Sterben, ich habe mit vielen Menschen zu tun und viele davon sind krank und ALLE haben Angst vor dem Sterben. Mein Vater hatte auch Angst, wir haben darüber geredet. Ich bin froh, dass wir das konnten. Wir haben zusammen geheult und dann darüber gelacht. Irgendwie schon komisch.
Als mich meine Mutter an diesem Samstag morgens anrief, bin ich im Schlafanzug ans Haus meiner Eltern gerast und war auch so im Krankenhaus. Mantel drüber, fertig, los.
Seltsamerweise war ich, als ich im Haus meiner Eltern ankam, ihn sah, den Notarzt rief etc. wieder total ruhig und auch dann im Krankenhaus. Aber als mich meine Mutter anrief..Panik, so schnell wie möglich da hin, egal wie. Hätte ich Lockenwickler in den Haaren gehabt, wäre ich auch so los. Wenn ich heute daran zurückdenke....Schmunzeln! Mein Lebensgefährte hat mir dann was zum Anziehen gebracht, ich glaub der Arzt war etwas durcheinander als er mich in meinem Snoopy- Schlafanzug sah. Aber korrekter Mensch...hat sich nie dazu geäussert!
Dein Vater ist noch recht jung, nein es ist nicht fair, nicht korrekt, noch viel zu früh, noch nicht der richtige Zeitpunkt. Aber irgendwie ist wohl auch nie der richtige Zeitpunkt.
Wenn Du ganz, ganz viel Angst hast vor dem Sterbeprozess generell, also was da passiert etc. kannst Du Dich auch mal mit jemandem von der Palliativstation unterhalten. Die erklären Dir das und vielleicht hilft Dir das. Aber eigentlich ist das bei jedem doch sehr individuell. Ich war dabei, war auch das erste Mal, aber ich muss sagen, ich habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil. Es war eine Erfahrung die mir später bei der Verarbeitung sehr geholfen hat. Und vorallem weil ich mitbekam, dass er keine Schmerzen hatte als er ging. Auch wenn mich hier jetzt einige erwürgen wollen...für mich war es eine wunderschöne Erfahrung.
Dass wir uns hier in diesem Forum getroffen haben war wirklich ein grosser Zufall. Ich bin nämlich auch erst seit ein paar Tagen hier und eigentlich eher wegen Informationen generell zum Thema Arzt-Patientenverhältnis (was ja nicht immer so ist wie man das gerne hätte)
Wenn Du wieder zu Deinem Vater kannst...drück ihn unbekannterweise ganz herzlich von mir.
Ich werde mal versuchen, ob ich meinen Vater erreiche und ihm Bescheid geben, dass vielleicht bald jemand kommt mit dem er sich über Werkzeuge, Maschinen, Fliesen und die genaue Planung eines Dachausbaus unterhalten kann. Und wer weiss...velleicht gibt es da ja auch Tapasbars und sie können gemeinsam ein Glas Rotwein geniessen.(Weil Manna...Manna geht gar nicht!)
Ganz liebe Grüsse :winke:
Hallo Sinneswandel,
ach Mensch es ist so ein trauriges Thema... immer wenn ich hier reinschreibe muss ich weinen...
Ich finde es schön dass Du dabei warst bei Deinem Papa als er starb, ich hoffe sehr dass ich bei meinem Papa sein kann. Es war von Anfang an mein Wunsch, ich will es, ich will einfach bei Ihm sein wenn er geht und ich hoffe so sehr dass es geht, das ich das schaffe. Aber ich wäre auch froh darüber wenn er mal ohne Schmerzen Nachts bei Schlafen "einschläft" ... in aller Ruhe. Wichtig ist es dass er keine Schmerzen hat, denn wie ich bereits erwänte hat er diese. Die Schmerztherapie ist jetzt einigermaßen gut eingestellt, nur Nachts hat er eine Lücke. Heute wird meine Mama sich mit der Ärztin von der Palliativstation in Verbindung setzten damit die Lücke Nachts geschlossen wird. Außerdem fahren sie Heute zum Arzt, Ihr betreuuender Onkologe, und ich habe gesagt dass er Ihnen diese Überweisung ausstellen soll für den Palliativdienst (station) muss ja auch noch von der Krankenkasse genehmigt werden die Hausbesuche.
Bei uns machen die Ärzte auch keine Hausbesuche, außer eben letztens der Bereitschaftsarzt. Ich glaube im KH vor Ort wären die mit meinem Papa überfordert... auch so, ein Tumorpatient... alles sehr schwer, wir hatten schon nach jeder Op Probleme mit den Ärzten, vorallem nach der wo das Auge entfernt worden ist, als er Probleme hatte, schaute sich keiner sein "Auge" an... niemand traute sich da ran. Ich fand es erschreckend, ich meine, es sind doch Ärzte... Sie vermittelten meinem Vater das Gefühl dass Sie selber Angst und Panik und Ekel haben. Ich fand es so traurig und musste auch deswegen weinen, weil nach jedem Arztbesuch, ob HNO, Augenarzt oder Chirurg (!) rief mich meine Mama an und sagte, "Sie haben nicht reinschauen wollen und sagten wir sollen da hin wo man Ihn operiert hat".... (wenn er so kleine Entzündungen hatte, ne Salbe gerbaucht hat oder ein Antibiotikum...)
Meine Mama arbeitet 2-3 Mal die Woche Halbtags... falls wir mal soweit sind (Pflegefall) werde ich wohl die Tage rübergehen um Papa zu betreuuen. Ich weiss er mag keine Krankenhäuser, und wenn die Möglichkeit besteht und ich mich organisieren kann, dann werde ich schauen dass ich helfen kann.
Ich kann mir nicht vorstellen dass wir noch 18, 12, oder 6 Monate haben... dazu sitzen seine Tumore wirklich schlecht. Nicht nur dass Sie täglich wachsen, (man kanns richtig ansehen) sondern der Ort der Tumore ist sehr ungünstig. Der große Tumor am Auge (oder da wo es mal war) wird wohl richtig den Schädel durchbrechen und zum Hirn gelangen. Der andere ist in der Wange. Lungenmetastasen die man das letzte mal .... im August gesehen hat... wie gesagt kommt jetzt am 14.12. das MRT und dann 17.12. oder 18.12. Besprechung. Wir hoffen dass er das MRT machen kann, weil er da ja diese Flüssigkeit trinken muss, er hat ja ab und an ein Problem mit dem Erbrechen.
Ich werde es meiner Mama nochmals sagen dass es Up and Downs geben wird. Ich habe Sie schon etwas vorbereitet auf alles was so kommen könnte. Sie wollte das nie hören, aber irgendwann mal sah Sie die Realität und bekgan zu zu hören, ich wollte nicht dass beide fern ab der Realität leben. Ich habe auch am Anfang der Diagnose gaaanz positiv gedacht, auch nach Op Nr 1, auch nach Op Nr 2... nachdem sein Auge entfernt worden ist war ich mir sicher, "so jetzt hat er sein Opfer gebracht, jetzt hat er 1,5 Jahre so leiden müssen, so viel durchgestanden, jetzt wird er einigermaßen gesund..." Und schon wieder ein Schlag... und jedes Mal wird dieser stärker und heftiger.
Irgendwann habe ich angefangen alle möglichen Krebsgeschichten hier zu lesen und eben gemerkt dass es soooo viele Menschen gibt denen es genauso geht, sogar schlechter, dass ich angefangen habe diese Krankheit zu akzeptieren. Mein Vater sagte mir irgendwann mal dieses Jahr im Sommer, wenn der da oben will, dann holt er mich schon, egal wann egal wie... da kann man noch so viel kämpfen... das sage ich auch immer meiner Mama...
Meine Mama meinte dass es ist so la la geht Heute, moralisch nicht so gut, ich sagte Ihr, dass ich glaube dass er es weiss und er spürt es auch. Man kann ja seinen körperlichen Zustand einschätzen, und ich denke das tut er, bzw ist er noch in der Lage dazu, trotz vielen Schmerzmitteln...
Tag X wird kommen das ist klar, nur hoffe ich dass wir noch Weihnachten & Neujahr zusammen haben werden...
Ja, sag Deinem Papa bescheid :-) vielleicht gibt es da wirklich eine Verbindung, mein Papa glaubt an sowas, sehr sogar.
Ganz lieber Gruß
So, meine Mama war eben beim Onkologen der meinen Papa hier vor Ort betreuut und hat mit Ihm geredet.
Er meldet Ihn zum Palliativfahrdiest an.
Außerdem sagte er wir sollten keine Chemo mehr machen, wozu sollte er leiden, die bringt Ihm sowieso nichts mehr, er hat genug gelitten.
Somit würde auch der MRT Termin am Freitag entfallen, ebenfalls, wozu, man sieht es und kann nichts mehr machen.
Er hat auch gesagt, wenn Papa bei Ihm in der Praxis sein sollte, wird er Ihm sagen wie lange er noch hat. Er hat gesagt wir müssen es Ihm sagen, das wir das nicht hinter seinem Rücken machen sollen.
Was machen wir jetzt???
Er hat nur noch 1- max 3 Monate sagte er ... nur noch so wenig Zeit mit Papa. Entweder er verdeängt es, oder er will es nicht hören, er plant Urlaub nach Spanien mit Auto... er plant so viel...
Wenn wir sagen keine Theraphie kein MRT wird er sicherlich fragen...
Wir haben Angst wie er sein wird wenn er es hört wie lange noch.
??? wir wissen nicht mehr weiter? Sollen wir es Ihm sagen oder Ihn einfach so in Ruhe lassen?
Insgeheim müsste er das doch wissen, denn er ist zu HAuse, darf nicht mehr arbeiten, stellt auch keine Fragen dazu wie es weiter geht, ob finanziell oder auch so. (Mama arbeitet ja nur auf 400 Euro) damit will ich sagen, er macht sich diese Gedanken nicht... also verdrängt er das jetzt oder nicht?
Wir sind gerade sehr überfordert mit dem Gedanken es Ihm zu sagen.
1-3 Monate.... :-(
Bitte helft mir...
Eine Aktualisierung, meine Mama sagte Ihm jetzt dass der Onkologe gesagt hat dass eine neue Chemo zu gefährlich sei und dass daher ein MRT nicht nötig ist.
Sie hätte gedacht dass er darauf ein paar Fragen hätte wieso weshalb warum und was jetzt....
Aber er sagte "ich bin auch der Meinung dass ein MRT nicht nötig ist, die erschrecken sich sonst, denken dann noch dass die Immuntherapie nicht geholfen hat, aber sie wird helfen..."
Er hat also viel Hoffnung dass die Therapie noch hilft... :-( dass er noch viel Zeit hat.
Vielen Dank für Deine Antwort. Wir haben auch entschieden dass wir es Ihm nicht sagen werden und ich habe auch den Onkologen eine E Mail geschrieben.
Es würde Ihn fertig machen und runterziehen, er würde sich ins Bett verkriechen und nicht mehr aufstehen, so hat er noch Pläne, Träume, Ziele von denen er erzählt... dennoch weiss er ja dass er unheilbar krank ist.
Sinneswandel
11.12.2012, 00:34
Hallo Alwina,
tut mir leid, ich bin gerade erst nach Hause gekommen und hab es jetzt erst gesehen.
Erstmal....ganz ruhig. Du kannst das, Ihr könnt das.
Wenn der Arzt es ihm sagt, sollte Dein Vater dort nicht allein sein. Alternative wäre ein Psychoonkologe. Das ist ein Aussenstehender, der darin geschult ist, schlechte Nachrichten zu überbringen. Normalerweise gibt es auf jeder Palliativstation einen. Das ist kein Onkologe, sondern ein speziell auf diesem Gebiet geschulter Psychologe. Ihr könnt da hin gehen, auch als Angehörige und Euch Unterstützung holen, wie man Deinem Vater das sagt und normalerweise bieten die auch an, das für Euch zu übernehmen.
Oder aber Ihr sagt es ihm selbst.
Ich habe das damals gemacht, weil es hier keinen Psychoonkologen und auch sonst niemanden gab. Vielleicht hilft es Dir, wenn ich Dir den Ablauf schildere:
Ich war bei seiner Onkologin, wusste von Anfang an die Prognose meines Vaters (manchmal nicht gut, in diesem Bereich ausgebildet zu sein), wollte aber als die neurologischen Ausfälle begannen wissen wie lange wir jetzt noch haben. Nach der Hirn-OP wollte ich einfach Gewissheit, da es eben auch um die Firma ging. Es hiess 3 Monate (eigentlich waren es dann nur noch 2 Wochen).
Ich fuhr nach Hause, leerte eine Flasche Wein und überlegte, wie ich ihm das sage, denn der Kommentar seiner Ärztin war...sie überlässt es mir.
Am nächsten Tag ging ich sehr lange spazieren damit ich zur Ruhe komme.
Dann fuhr ich zu meinem Vater. Wir machten uns einen Kaffee, redeten belangloses Zeug und irgendwann fragte ich ihn, was er über seine Krankheit denkt. Es kam keine Antwort, meine Mutter sass da und wartete, was jetzt passiert. Ich fragte ihn, ob er es wissen wollen würde, wenn die Ärzte nichts mehr machen könnten. Und seine Antwort war:“ Ich weiss, dass sie nichts mehr machen können.“
Wir haben nicht darüber gesprochen wie lange ihm noch bleibt. Er hat dann angefangen, seine Sachen zu ordnen, uns letzte Anweisungen zu geben, mit mir zu reden. Wir hatten die Möglichkeit, über seine Angst zu sprechen, darüber, was er möchte, was er sich wünscht und er konnte seinen Frieden mit uns machen.
Du brauchst Ruhe und Kraft, um es ihm zu sagen. Und besser wäre es, wenn die ganze Familie da wäre. Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wenn er Euch sagt, dass er es weiss.
Und sei nicht überrascht, wenn er trotzdem nicht mit Euch über seinen Tod sprechen will.
Gehe einfach immer davon aus, dass alles was Du fühlst (Schock, Angst, Trauer, Schmerz) er genauso fühlt wie Du.
Lass es laufen und nimm es wie es kommt, es gibt kein allgemein gültiges Rezept.
Seine Pläne die er für Spanien macht ist eine Verdrängung, ein Nicht -Wahrhaben –Wollen der Situation, die mir zeigt, er ist nicht so weit.
Fragt ihn, ob er es wissen wollen würde...kommt keine Reaktion, hat er ein Recht, es nicht zu wissen. Auch wenn das für Euch schwerer ist, es ist dann vielleicht der letzte Liebesdienst, den Ihr ihm erweist. Wichtig ist nur, sei Du selbst und schenk ihm das Gefühl, dass Ihr da sein werdet, egal was passiert und dass ihr ihn liebt und respektiert, egal wie er entscheidet. Und ganz wichtig ist auch, dass er weiss, dass „Nichts-Mehr-Machen-Können“ nicht heisst, dass man nichts mehr für ihn tut. Er muss wissen, dass seine Schmerzen unter Kontrolle sein werden und dass alles getan werden wird, um es ihm so leicht wie möglich zu machen.
Ich wünsche Euch jetzt ganz viel Kraft und Ruhe und die richtigen Worte im richtigen Moment.
Bin in Gedanken bei Euch.
Liebe Grüsse
Sinneswandel
11.12.2012, 00:36
Hallo Alwina,
habe wohl nicht alles gelesen.
Egal, was Ihr entscheidet, es wird richtig sein.
Liebe Grüsse
Hallo Sinneswandel,
vielen Dank für Deine Nachricht.
Wir haben uns dafür entschieden es nicht zu sagen. Ich habe diese fünf Phasen des Sterbens gelesen und war baff als ich Phase 1 las, "Verdrängung, seien Sie nicht überrascht wenn Ihr Angehöriger eine Reise plant...." da war ich geschockt. Und auch weitere Punkte, "Wut, Trauer, allein sein wolllen...." auch diese Phase hat er öfters...
Er hat ja zum Beispiel vor Wochen meine Mama aus dem Schlafzimmer "entfernt"... Sie schläft seit Woche in einem anderen Zimmer. Jetzt erzählte ich Ihr aber es wäre gut wenn er nicht allein sterben würde, falls es Nachts passiert und Sie sagte " er will nicht dass ich bei Ihm schlafe" Ich sagte Sie soll Ihn mal fragen, weil er vielleicht jetzt anders denkt Sie aber nicht danach fragt. Und schau her, Sie fragte Ihn und er sagte, "Ja schlaf wieder bei mir..."
Ich habe auch den Arzt geschrieben, de schrieb mir Mitternacht zurück, er sagte es sind Monate, und bei Tumoren im Gesicht und Kopf kommt es zur Blutung bzw zum Verbluten , es wird ein plötzlicher Tod werden.
Das sind wieder neue Worte die ich gerade Heute gelesen habe....
Der Palliativdienst ist verständigt, die Erkrankung vom Papa wurde besprochen mit dem Arzt. Ich habe meine Hilfe Mama angeboten, wenn Sie arbeiten geht werde ich bei Papa sein. Wird schwer, mit 4 Hunden einem Kleinkind und einem Baby... aber für Ihn ist es zu Hause besser.
Ich lese momentan sehr viele Geschichten, viel über den Tod usw vieles beruhight mich vieles macht mir Angst. Aber ich lerne auch viel und bereite mich und meine Mama psychisch etwas vor, was wichtig ist während dieser Sterbephase, auf was wir achten sollten.
Heute hat meine Mama einen Termin bei Röntgen, Lunge. Ihr gehts gesundheitlich zZ nicht gut, ich hoffe dass es "nur" der Stress ist... die Belastung.
Jetzt weiss ich nicht, auch wenn wir keine Chemo mehr machen, ist ein MRT sinnvoll oder nicht? Der Onkologe vor Ort sagt, braucht er nicht mehr.... die aus München, aus der Klinik beraten sich mit der Prof. ob er es braucht.
Lieber Gruß
Sinneswandel
11.12.2012, 17:52
Hallo Alwina,
das sind doch, innerhalb dessen was im Moment passiert, gute Nachrichten.
Deine Mutter soll nicht überrascht sein, wenn Dein Vater nun nach und nach von sich aus über seine Ängste spricht.
Ich denke, das Grausamste ist, wenn ich als Palliativpatient weiss oder ahne, was mit mir passiert, aber mit niemandem über meine Ängste sprechen kann.
Ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind, kann ich aus der Entfernung nicht sagen. Das muss der Arzt entscheiden. Ich würde es nicht machen, unnötige Anstrengung, unnötiger Stress.
Ich werde nicht mehr so oft hier sein, aber so alle paar Tage mal nach Dir sehen. :)
Lass uns hier wissen, wenn es Neuigkeiten gibt.
Es ist hart und keiner kann uns das abnehmen. Aber das mit der Palliativstation finde ich grossartig, das gibt etwas Erleichterung.
Ganz liebe Grüsse
Heute habe ich mal einen Tag wo ich noch gar nicht geweint habe, :-) das freut mich richtig.
Leider bin ich seit Gestern total krank, also werde ich erst Morgen zu meinen Eltern zu Besuch fahren.
Gestern war ein guter Tag für Papa und Heute auch. Gestern war er mal wieder unterwegs und die holten den Weihnachtsbaum, er hat uns besucht, bisschen mit dem Baby geknuddelt. Heute waren meine Eltern mit den Hunden im Wald spazieren und haben meine Große mitgenommen (4 Jahre).
Außerdem war die Schwester vom Palliativdienst Heute zu Besuch bei meinen Eltern. Leider stimmt die Chemie nicht so überein, mein Vater fühlt sich nicht wohl bei Ihr. Eine "Wahl" haben wir / er nicht, da dieser Dienst in unserem Ort ist (Mobiler Palliativdienst) und er nur aus paar Krankenschwestern + Ärzten besteht. Er sagte er braucht Sie gar nicht, (Sie will Morgen wieder kommen...)ich versuchte Ihn zu beruhigen und sagte, Du wirst Sie schon mal brauchen wenn Du wieder Schmerzen hast und nicht ins Krankenhaus fahren willst... dann hat er mich richtig böse angeredet, dass ich Ihm Schmezen wünsche, und wieso überhaupt Schmerzen, wieso sollte er welche haben... naja... okay.
Ach ja, was mir noch aufgefallen ist, meine Mama erzählte ja mir Gestern noch diese "Vedrängungs-Phase" Sache...
Er sagte zu Ihr Gestern, dass er in den FS eintragen muss dass er nur ein Auge hat. Dann sagte Sie, Du darfst kein Auto fahren, dann fragte er wieso und meinen Mama sagte, auf Grund von Morphin Schmezmittel, dann sagte er "ich werde die ja nicht für immer nehmen müssen oder?" ....
Solche Dinge halt... ich meinte zur Mama vielleicht sind es auch so kleine Wege um nachzufragen oder nachzufühlen... ob wir was sagen, was antworten usw. Nach dem Motto, Du wirst weiterhin Morphin nehmen, Du wirst kein Auto mehr fahren dürfen...
Sowas würden wir NATÜRLICH niemals sagen...
So wie er vorher über den Palliativdiest rumgemeckert hat und mich geschimpft hat war er fast schon so wie immer wie früher :-) komisch dass man das jetzt "mag" oder sich drüber freut dass er noch so richtig schön seine Meinung vertritt, besser als Ihn schwach mit Schmerzen zu sehen.
Im übrigen weiss mein Vater nicht was ein Palliativdienst ist oder ein Hospiz oder eine PalliativStadion. Es ist für Patienten mit chronischen Schmerzen, vorallem Krebspatienten etc, so hab ich Ihm das erklärt.
So viel zu dem Heutigen Tag, eigentlich ganz okay für alle... Morgen gehts zu meinen Eltern und dann kann ich auch etwas Zeit mit Papa verbringen.
Lieber Gruß an Alle
Sinneswandel
16.12.2012, 18:06
Hallo Alwina,
wie geht es Dir? Und Deinem Vater?
Die Fragen Deines Vaters sind versteckte Fragen nach seinem Gesundheitszustand. Er versucht zu erfahren, ob Ihr mehr wisst, als Ihr im sagt oder der Arzt ihm sagt.
Einerseits hat er Angst vor der Wahrheit, andererseits spürt er was los ist.
Wichtig ist, dass er nicht das Gefühl hat, dass Ihr ihn hintergeht und täuscht.
Das heisst, wenn Ihr beschlossen habt, es ihm nicht zu sagen...müsst ihr darauf achten, dass Ihr ihn nicht in der Ansicht bestärkt, dass er wieder gesund wird, sondern vielmehr...dass Ihr seine Meinung akzeptiert.
Das hört sich kompliziert an, ist es auch.
Das ist, was ich meinte, als ich schrieb...es ist für Euch komplizierter und schwerer.
Liebe Grüsse
Hallo Alwina,
Dein Vater errinnert mich ein wenig an meine Mutter, die im Juli gegangen ist.
Zuletzt hatte sie rund 12 Metaas, unter anderem in Leber, Knochen, Lunge und den Hirnhäuten.
Sie hat immer verdrängt, daß sie nur noch wenig Zeit hat und hat andererseits oft gefragt, wann denn die abschließende Diagnose kommt und das Tumorboard sich für eine Therapie entscheidet- Dabei war das alles längst vorbei.
Ein Homecare-Arzt hat sie versorgt und der ist einmal richtig wütend geworden, weil meine beiden Eltern ihn bedrängten, weitere sinnlose Untersuchungen zu machen. Das hört sich jetzt schlimm an, aber ich kenne meinen Vater und kann den Arzt verstehen...sein Vorwurf, meine Mutter nicht richtig zu behandeln traf ihn sehr persönlich.
Eine Psychologin vom ambulanten Hospiz stand ihr zur Seite und half mir zu verstehen, was meine Mutter bewegt. Letztlich nahm sie langsam Abschied, ich sagte "Es ist alles in Ordnung, keine Angst, es wird alles gut".
Ein sanfter Händedruck sagt manchmal so viel...
Ich denke, ich habe ihr vor allem mit meiner ruhigen Stimme geholfen, habe keine Hektik verbreitet (der 2. Name meines Vaters ist Hektiker), keine Fragen angesprochen, die ins Leere führen, wie "Warum ausgerechnet ich" oder "Welcher Arzt hat da was übersehen". Klar, meine Mutter hatte jahrelang Übelkeit, Schwindelgefühle und Sprachausfälle, aber das Wissen darüber hätte ihr alles nur schwerer gemacht.
Ich habe kein Rezept für Dich, aber ich denke, es hilft Dir, wenn Du Dich selbst nicht so verantwortlich fühlst für die Krankheit, die Schmerzen oder den Gefühlszustand Deines Vaters. Du kannst ihn unterstützen, indem Du ihm zuhörst, aber Du mußt auf seine Fragen keine Antworten haben.
Wie lange wird es noch dauern ? Ich weiß es nicht.
Werde ich wieder gesund ? Das kann Dir keiner versprechen, aber Du bist sehr, sehr krank.
Ruhe Dich aus. Du hast so viele Jahre uns alle behütet und betuttelt, jetzt bis Du dran.
Gruß,
Michael
Hallo Sinneswandel,
danke für die Nachfrage. Ich bin momentan ganz froh nicht ins Forum "zu müssen" da es uns ganz gut geht, also den Umständen entsprechend.
Meinem Papa gehts ganz gut soweit, die letzten Tage bin ich jeden Tag da, das macht Spass... er ist lustig, macht Witze, geht und macht mal ein Nickerchen, dann trinken wir alle zusammen Kaffee und Tee, reden usw... er sagte Gestern zu meiner Mama (hatte sehr gute Laune) "ich werde wieder gesund... ganz sicher" (heul) was soll man da sagen... schön dass er noch so denkt... so positiv.
Wir freuen uns auf Weihnachten... und freuen uns dass es Ihm ganz gut geht die Tage. Die täglichen Besuche lenken Ihn ab wie man merkt. Wenn er mal Ruhe braucht geht er nach oben und legt sich für ein Stündchen hin. Ansonsten alles gut, wird bei Beschwerden vom Mobilen Palliativdienst versorgt. (Antibiotika, Schmerztabletten oder ähnliches)
Toi toi toi dass es noch lange so bleibt........
@ Michael:
Vielen Dank auch für Deine Worte... ja das Verdrängen ist ab und zu schwer, schwer, wenn man sowas hört wie "ich werde wieder gesund..." oder "Nächstes Jahr im Sommer fahren wir alle gemeinsam nach Spanien... wir sollten vielleicht ein Wohnmobil mieten..." und solche Dinge...
Es wird noch sehr hart werden, aber ich Denke im Hier und Jetzt...alles hat seinen Grund, Schicksal... da kann man nichts machen. Gekämpft hat er sehr viel und ich bin froh dass er nicht so viel leiden musste während der letzten 2 Jahre. Er hatte 2 große Ops... eine Lungenembolie... die Bestrahlung lief damals gut, bei den Chemos hatte er auch keine Nebenwirkungen... dazwischen hat er immer gearbeitet, einiges gemacht... normal gelebt.
Jetzt schläft er, ruht sich aus, schaut Tv und wir erfüllen Ihm kleine Wünsche... Essenswünsche ;-) usw... so Kleinigkeiten eben (da er ja denkt dass alles okay ist, sein wird)
Lieber Gruß
Sinneswandel
20.12.2012, 14:57
Hallo Alwina,
das ist schön wenn Ihr gute Laune habt. Daran wirst Du Dich immer erinnern.
Jetzt wünsch ich Dir und Deiner Familie erstmal ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest. Macht es Euch so schön wie möglich.
Und ja, ist besser, wenn Du jetzt die Zeit mit Deiner Familie verbringst und so wenig wie möglich im Forum bist.
Ganz herzliche Grüsse
Hallo...
die letzten 2 Tage geht es meinem Papa moralisch gar nicht so gut wie er auch selber sagt...
Er ist sehr gereizt, leider lässt er vieles an meiner Mama aus. In der Situation kann man nichts machen, dabei kocht Sie alles für Ihn und backt und macht einfach alles... wenn Sie Ihn fragt wie es schmeckt sagt er sowas wie "geht so"... er ist nicht immer sehr nett zu Ihr und da macht Sie traurig, aber er hat wohl viel Wut und lässt es an Ihr raus weil Sie die Einzige ist, die bei Ihm ist, Tag und Nacht.
Den mobilen Palliativdienst mag er gar nicht, ich glaube er versteht auch nicht den Sinn davon, dabei erklären wir Ihm das immer wieder wie toll das ist, und dass es besser ist als zum Arzt zu fahren, dort zu warten usw...
Sein Gesicht schaut zZ nicht gut aus, die Tumore wachsen fast schon stündlich. Ich befrüchte dass der ganz große bald irgendwo nach außen durchbricht, die Wange / Gesichtshälfte ist so feuerrot und zu groß.
Im Prinzip kann er nicht "abschalten" weil er es selber ständig sieht und damit beschäftigt ist, schon allein die Hygiene wie er sagt.
Die letzten zwei Tage musste er sich wieder übergeben, Morgens und Abends... hatte wenig Hunger bzw gar keinen Appetit, Gestern hat er fast den kompletten Tag geschlafen...
Ich bin seit Vorgestern richtig krank, Bronchitis, mit Fieber, extremen Hustenanfällen und liege nun flach im Bett. Telefonieren mag er auch nicht mehr so wie früher... das eine Mal hab ich Ihn angerufen und geredet, dann sagte er nach 2 Minuten mal " da ist jemand anders auf der Leitung, wahrscheinlich Mama.... ich ruf Dich später zurück...." er hat nicht zurück gerufen und es hat Ihn wohl keiner angerufen. Das selbe hat er Gestern wieder gemacht, 1 Minute telefoniert und dann sagte er gleich wieder "da ruft jemand auf der anderen Leitung an, es ist Mama ich muss rangehen".... dann rief mich Mama an und ich fragte ob Sie mit Papa telefonierte da sagte Sie "nein"....
Er sagte auch letztens zu mir dass er nicht mehr gefragt werden will wie es Ihm geht... dass Ihn das immer an seine Krankheit erinnert. Er wurde wütend und sagte dass Ihn das so aufregt weil Mama Ihn mehrmals am Tag fragt wie er sich fühlt.
Dann sagte er mir, dass den Ärzten verboten gehört zu sagen wie lange man zu leben hätte... er sagte, "wenn mir das ein Arzt sagen würde, zBsp Sie haben nur noch 2 Monate zu leben, da würd ich mich hinlegen und die Tage zählen...." Genau das haben wir ja geahnt und gedacht, ein Glück dass wir Ihm nichts gesagt haben. Ich sagte dann, wir akzeptieren dass Du nicht über Deine Krankheit reden magst und werden das auch nicht mehr tun, außer Du willst... aber es gibt auch viele Menschen und Betroffene die wollen es wissen, die wollen darüber reden. Dann fragte er mich wieso und ich erklärte Ihm, dass es viele gibt denen es hilft darüber zu reden, dass es viele gibt die dann Ihre Zeit anders gestalten, sich anders verhalten, sich sogar "vorbereiten" usw... er ist dann nach oben und ist schlafen gegangen...
Mal schauen wie alles weitergeht........ Weihnachten steht vor der Tür und Papa und Mama kommen zu uns.
Im Übrigen haben wir nun die Nachricht von der Bank bekommen, "Zahlenmäßig" passt alles, d.h. wir können unser Haus verkaufen und kaufen dass meiner Eltern. Noch was was nebenbei laufen wird/ muss... wie stressig aber das muss halt sein. Wir haben auch Papa die Nachricht erzählt, nach dem Motto, "da Du ja nicht mehr so arbeiten wirst wie früher (er denkt ja er wird bald wieder arbeiten können) haben wir uns dazu entschlossen unser Haus zu verkaufen und zu Euch zu ziehen, wir übernehmen das Haus und Du kannst Dein Leben genießen" .... er hat sich gefreut und ich hoffe nun dass er von seinen Ängsten befreit ist. Denn das sagte er auch vor ein paar Tagen zu mir, ich muss wieder abreiten gehen, wir müssen das Haus zahlen ... aber wer gibt mir so Aufträge, so wie ich aussehe usw... da hab ich damals noch zu Ihm gesagt "wir bekommen das schon hin wir helfen Euch" Dann sagte er "Wie denn....??" und nun konnten wir Ihm sagen wie.
Ich merke richtig diese Phasen des Sterbens bei Ihm, sehr abwechselnd, durcheinander, andere Reihenfolge und immer wieder kommend, diese WUT und Ärger Phase... dann Depressionen.... dann wieder Verdrängung.... dann wieder Wut... dann dieses Zurückziehen wie Gestern...
Heute hat mir eine Bekannte geschrieben dass Ihre Schwiegermama am Dienstag an Lungenkrebs gestorben ist, und dass Sie seit Dienstag kaum geschlafen hat und nur noch weint... dass man sich nicht darauf vorbereiten kann... und ich bilde mir die ganze Zeit ein dass ich vorbereitet bin, dass ich mich vorbereiten kann.... man ist es wohl nie..... :-(
Lieber Gruß
und schöne Feiertage
Hallo,
die letzte Woche war soweit okay bei meinem Papa. Er ist zu Hause, ich war mehrere Tage da um Ihn Essen zu machen, mit dem Baby.
Er schläft viel, das habe ich jetzt auch gesehen. Was mich sehr freut, ist dass er immer noch keine großen Einschränkungen hat (toi toi toi dass es so bleibt!!!) d.h. er kann reden, gehen, sich waschen, essen, usw usw... das einzige was stört ist, dass man eben die Tumore sieht, dass seine Gesichtshälfte befallen ist, dass aus dem Auge der Tumor nun rauswächst. Es ist schwer für Ihn, das senkt seine Laune macht Ihn depri, das merkt man, denn er hat Gestern ohl eine halbe Stunde lang sich nur im Spiegel angesehen, ständig hat er seine Hände im Gesicht und tastet. Ich tue nun so als wäre "nichts"... wie er es will und wollte... mit meiner Mama redet er wohl mehr über das was passiert. Er fühlt sich unwohl das merkt man, er will keine Körpernähe, das muss meine Mama momentan akzeptieren. Wenn Sie zu Hause ist, ist Sie stark, sobald Sie draussen ist weint Sie.
Einanhalb Wochen hat er sich nicht mehr übergeben, Heute das erste Mal wieder. Trotz der Zäpfchen. Scheinen wohl nicht immer zu wirken.
Appetit ist wenig da, das habe ich gemerkt. Ich habe immer gekocht und mit Ihm zusammen zu Mittag gegessen, die gesamte Woche. Er stochert viel im Essen rum, isst die Hälfte... dann sagt er zu mir "meine Güte bist Du aber schnell mit dem Essen, Dein Teller ist ja leer..." Dabei war schon über eine halbe Stunde vergangen. Wenn nicht mehr.
Heute sollen wir (Meine Kinder, mein Mann und ich) nicht kommen, er hat keine Lust auf Besuch (31.12.) aber in paar Tagen sagte er.
Soweit gehts Ihm aber noch gut, außer dass er viel liegt, schläft, Tv schaut... (Und natürlich die Tumore wachsen sieht und spürt, sowie den Druckschmerz ab und zu hat trotz Medikamente, und das Erbrechen ab und an) ....
Ich hoffe dass er noch lange bei uns bleibt, ich hoffe so sehr dass er nicht leiden und sich quälen muss...
Morgen fängt das neue Jahr an, das Jahr 2012 war nicht gut, hatte aber auch viele schöne Momente... das schlimme ist, dass man jetzt schon weiss dass das Jahr 2013 auch kein gutes wird :-( denn man weiss ja,- in dem neuen Jahr wird mein Papa von uns gehen. :-( Schmerz, Verlust, Hoffnungslosigkeit,... viele Veränderungen.... alles etwas hart, wie kann man sich darauf freuen???
Ich wünschte ich könnte etwas positiver auf das Jahr 2013 schauen. Es geht nicht.
2012 war schwer, schlimme Diagnosen, schlimme Arzttermine, Op von Papa, aber es hatte viele schöne Momente, überstandene Op... dass es Ihm so gut ging, dass er wieder normal lebte, arbeitete, dass er viel Zeit mit mir verbracht hat, die Geburt unseres Sohnes (seines Enkels).... aber 2013....??? Vielleicht kann mir jemand helfen und die Sicht der Dinge für mich ändern, aber was soll man positves am Tod sehen???
Wünsche Euch einen guten Rutsch, und allen GESUNDHEIT... und viel Kraft, Energie...
Hallo Alwina,
bisher habe ich immer gedacht, Hautkrebs wäre so etwas wie eine "saubere" Krebsart, im Gegensatz zu Darmkrebs z.B., den ich auch bei einem Verwandten miterleben durfte, wo ich auch bei den hygienischen Problemen Hand anlegen mußte.
Deine Beschreibung macht mich betroffen, einerseits wegen des Gesundheitszustands Deines Vaters, andererseits aber auch, weil Ihr so wenig an einem Strang zieht und Euch gegenseitig das Leben so schwer macht.
Leider ist dies manchmal so. Auch bei meiner Mutter fand ich nicht alles richtig. Da kam der Pflegedienst und dann hat mein Vater einfach den Vertrag gekündigt. Oder es wurde zugestimmt, daß der Pflegedienst 2x täglich kommt, obwohl meine Mutter tagsüber völlig zugesch... im Bett lag. Damals hatte ich zu aller Traurigkeit auch noch dicken Krach mit meinem Vater wegen seiner Unfähigkeit, Hilfe von aussen zu akzeptieren.
Letztlich war der Tod meiner Mutter für alle eine große Erleichterung, daß das Leid endlich zuende ist. Ich habe in den ersten Wochen nie empfunden, daß sie nun weg ist, sondern sie war mir nah, vor allem, wenn ich ihre Sachen regeln mußte, wenn wir ihre Habseligkeiten durchgesehen haben, und alte Erinnerungen hochkamen. Natürlich fließen dann die Tränen, das ist völlig ok.
Erst später kam es dahin, daß ich dachte, ich ruf sie mal an - ach ja, geht nicht mehr. Jetzt, gerade in diesen Tagen, zum Fest, merke ich, wie sehr sie mir fehlt.
Es ist einfach schwer, das schlimme Schicksal eines nahe stehenden Menschen zu ertragen. Dazu kommt, daß man sich verantwortlich fühlt, etwas zur Linderung seiner Last beizutragen. Man möchte so gern helfen, aber manchmal geht das einfach nicht, das Schicksal hat bestimmt, daß er sein Leid allein tragen soll.
Deine Aufgabe ist es dann, dies zu akzeptieren, mit etwas Glück an dieser Aufgabe zu wachsen, stärker zu werden, zu reifen....
Du bist nicht verantwortlich für das Schicksal, wohl aber, daß Du im Rahmen Deiner Möglichkeiten verantwortlich handelst.
Und ich sehe Dich da auf dem richtigen Weg.
Liebe Grüße,
Michael
Hallo Micha,
danke für Deinen Beitrag.
Ich muss sagen dass ich mich vor der Erkrankung meines Vaters nie mit Kerbs beschäftigt habe, wir waren alle sehr positive, optimistische Menschen... mit positiven Gedanken, - bis es uns getroffen hat. (Schicksal ja)
Das letzte Jahr habe ich mich sehr rein gelesen in das Thema, Krebs.
Die meisten die ich bisher virtuell kennen lernen durfte hatten oder haben Hautkrebs in den Organen oder im Inneren. Bei Ihm tritt das halt nach außen, Gesicht... schaut nicht so schön aus, aber für mich okay. Das heisst, ich habe mich daran gewöhnt, ich liebe meinen Papa, so wie er ist. Dasselbe gilt für meine Familie. Ich bin so froh dass meine Tochter (4 Jahre) ganz normal mit Ihrem Opa umgeht, ohne Ihn anzustarren, irgendwas zu fragen usw.... das tut Ihm gut. Man merkt wie schwer Ihm das Äußere zu schaffen macht, die Tumore im Gesicht, im Kopfbereich. Ich vermute dass die irgendwann durchbrechen... so schaut es momentan wirklich aus.
Der Geruch ist ziemlich stark geworden, es ist schwer sehr nahe bei Ihm zu sein... obwohl man will... :-( ich finds lächerlich dass ich sowas schreibe, es müsste mir doch eigentlich egal sein, sollte Wichtigeres geben, aber Heute saß ich 5 Minuten ganz nah neben Ihm und musste mir dann einen Vorwand suchen schnell aufzustehen und den Raum verlassen weil mir übel wurde :-( mich packt das schlechte Gewissen...
Heute hat er zu meine Mama gesagt, es wird Zeit für eine neue Chemo oder eine Op, ich kann langsam nicht mehr essen... wir bemerkten schon dass er Probleme hat, er isst immer weniger.... die Portionen werden weniger, der Appetit... die Mahlzeiten.... nun bekommter Trinknahrung. (Der Tumor ist wohl aus der Nasennebenhöhle / Wange, in die Mundhöhle reingewachsen)
Wir wissen nicht wie es weitergeht... alles...
Ich muss sagen, ich bin nicht der Meinung dass wir nicht an einem Strang ziehen... wir unterstützen uns alle sehr gut, wir schonen halt Papa, so viel es geht... er ist Bestens versorgt (meine Mama ist ein Engel!) und auch ich helfe wo es nur geht.
Momentan geht alles und ich kann nicht sagen dass es eine Erlösung wäre... ich glaube spätestens wenn Papa schlimme Schmerzen hätte oder nicht mehr "normal" Leben könnte würden wir das vielleicht sagen können.
Er kann bisher alles soweit machen, selber gehen, waschen, essen (naja gut, das wird nun schwieriger) reden (dasselbe wie beim essen....)... er kann sich bewegen, laufen, ist noch "da"... man kann Gespräche führen... er schläft viel ja... ich glaube er ist jetzt in eine richtige Depression gefallen, das merkt man.
Ich akzeptiere das Schicksal, meine Mama auch... was bleibt uns übrig, mein / unser größter Wunsch ist dass er nicht leiden muss,...
Sinneswandel
03.01.2013, 00:24
Hallo Alwina,
habe mich lange nicht gemeldet (war im Urlaub).
Erstmal....willkommen im neuen Jahr.
Nachdem ich Deine Nachrichten im Forum gelesen habe möchte ich Dir doch mal wieder schreiben.
Ist vielleicht eine blöde Idee, aber gegen die „Geruchsbelästigung“ und damit Dein Vater nicht „daran herumtastet“...wie wäre es, die betroffene Stelle abzukleben, d.h. unter einem Gazeverband? Wenn Ihr hier ein paar Tropfen Pfefferminzöl oder Zitronenöl drauf macht, ist das für Euch angenehmer und könnte auch für Deinen Vater angenehm sein, da er es nicht immer sieht, selbst nicht so riecht, nicht daran tasten kann und...das Öl hilft gegen Übelkeit und Müdigkeit.
Zitrone auch etwas gegen die Depression. Pfefferminze appetitanregend. Stell Dir mal vor, Du riechst das selbst und siehst das im Spiegel....verständlich, dass Dein Vater nicht essen will.
Hinzu kommen die Schluckbeschwerden.
Viele der Dinge, die Du beschreibst, könnte man auch assoziieren. Beispiel: Schlucken. Es ist anzunehmen, dass er Schmerzen hat, aber durch die Psyche werden diese Beschwerden verstärkt. Er will „das nicht schlucken“. Das langsame Essen..er „hat daran zu kauen“.
Dein Vater sagt, dass es jetzt dann Zeit wird für eine neue OP oder eine neue Chemo...er will Hilfe.
Die beste Hilfe, die Du ihm geben kannst, ist, da sein, sei kreativ, sei Du.Ganz normal ist, dass Dein Vater mehr mit Deiner Mutter über alles spricht. Sie ist seine Frau, seine Partnerin. Ihr Kinder seid...seine Kinder, seine Schutzbefohlenen. Er will stark sein für Euch, so wie er es immer war.
Was vielleicht ein Weg wäre, dass Dein Vater über seine Ängste spricht...weint Deine Mutter eigentlich auch mal in seinem Beisein? So seltsam das klingt, aber indem sie ihm ihre Sorge und Traurigkeit zeigt...könnte es sein, dass es Deinem Vater leichter fällt, „sich fallen zu lassen“.
Dass er keinen körperlichen Kontakt möchte könnte auch daran liegen, dass alle um ihn herum so stark sind, er sich seiner Schwäche bewusst ist und deshalb den Kontakt ablehnt.
2012 war ein schlechtes Jahr für Euch und das begonnene 2013 wird, wie Du selbst sagst, nicht besser. Aber Ihr werdet das überstehen.
Niemand kann Euch das abnehmen, aber Du fragst, was am Tod gut sein soll....und da möchte ich gerne ansetzen.
Und zwar mit einer Frage: Wie waren Deine Schwangerschaften und die Geburt Deiner Kinder für Dich?
Hallo Sinneswandel,
schön von Dir zu hören, Dir auch ein frohes neues Jahr.
Ich werde meiner Mama mal die Idee / Vorschlag machen dass Sie vielleicht sich fallen lassen sollte was Ihre Gefühle angeht, aber irgendwie habe ich das Gefühl dass es falsch wäre...
Er hatte mir ja selbst gesagt, wenn er wüsste wie lange er noch zu leben hat bzw dass er nicht mehr lange leben wird, dann "würde ich mich ins Bett legen nicht mehr aufstehen und warten bis der Tod kommt" (so er wortwörtlich)
Auch die Dame vom Palliativdienst (die Heute mit meinen Eltern zusammen beim HNO war) hat gesagt dass viele von den Endstadium Patienten, vorallem so junge wie Papa (55) den Tod verdrängen und versuchen so weiterzuleben als ob alles in Ordnung wäre, machen Pläne, Ziele denke es wird schon usw. Die wollen es nicht wahrhaben und es ist wohl "normal" sagte Sie. Sie sagte Sie kennt viele solcher Patienten und Sie wird auf gar keinen Fall Papa irgendwas sagen dass Ihn daran zweifeln lässt.
Der HNO hat Ihn Heute untersucht, der Tumor wächst ja in die Wange rein, deswegen hat er Probleme beim Essen, es ist nicht das Schlucken, mein Papa sagte zu mir, es ist so als ob man die gesamte rechte Mundhälfte mit einem Ball ausgestopft hätte (weichen Ball) .....da kann man nicht kauen, essen usw.
Er hatte an der Stirn eine große "Beule" wir dachten es wäre der Tumor, der HNO hat einen Ultraschall gemacht und gesagt dass es Flüssigkeit war, er hat es punktiert und mein Vater hatte gleich eine Erleichterung, Druckgefühl ist weg, jetzt darf er einmal die Woche zum Punktieren in die Praxis außerhalb der Sprechstunde kommen.
Nach dem "Arztbesuch" / Ausflug Heute fühlte er sich wohl ganz gut zu Hause. Meine Mama sagte Sie weiss nicht wie Sie Ihn dazu bekommen soll mal das Haus zu verlassen, er soll ja nicht zum Einkaufen oder in Menschenmengen gehen, aber einfach mal an die frische Luft, die haben Hunde, ins Auto und ab in den Wald so wie früher... ich meinte nur vielleicht mag er einfach nur faulenzen, liegen, schlafen, Tv...
Du hast gefragt wie die Geburten waren? Die Schwangerschaften? Wunderschön... schmerzvoll aber wunderschön. Kann mir kaum vorstellen dass der Tod meines Papas so sein wird, also damit meine ich wunderschön... schmerzvoll ja...
Das Schöne ist, dass er weiss dass wir das Haus kaufen, und er freut sich sehr darüber. Eine Sorge weniger und Freude darüber dass wir da zusammen wohnen werden. Ich habe Ihm und meiner Mama diesen letzten Wunsch erfüllt mit Hilfe meines lieben Mannes. Das freut mich sehr.
Wegen dem Geruch... ich trau mich gar nicht was zu sagen, auch meine Mama nicht, es ist uns unangenehm und wir wollen Ihn nicht zusätzlich belasten, er fühlt sich eh nicht so toll wie er ausschaut, was mit Ihm und seinem Gesicht passiert, wir wollen Ihm keine unnötigen Komplexe und Gedanken machen. Meine Mama sagt, Sie hat sich schon fast an den Geruch gewöhnt, ich empfand es das letzte Mal als ganz schlimm und musste kurz den Raum verlassen, meine Mama kann mittlerweile normal neben Ihm sitzen. Aber das mit dem Verband und dem Öl werd ich mal Vorschlagen, trotzallem.
Ich bin nur so stolz auf meine Kleine - die Ihren Opa so annimmt wie er ist, ohne ein Wort! Ohne Fragen, so ganz natürlich.... ohne anstarren... normal mit Ihm redet, spielt etc.
Schauen wir mal wie es so weiter geht... den Dezember haben wir schon mal überstanden. Wir hatten zusammen ein kurzes Weihnachtsfest mit Fotos, (von einer Seite) mit den Kindern, mit Papa :-) Erinnerungen die Gold wert sind.
Lieber Gruß,
Alwina
Sinneswandel
03.01.2013, 20:10
Hallo Alwina,
also das mit dem Punktieren ist gut.
Erstens bringt es Erleichterung, zweitens kommt Dein Vater raus und drittens sieht er, dass was getan wird (seitens der Ärzte).
Gut ist auch, dass Ihr Fotos habt, die werden für Eure Kinder und auch für Euch genau wie Du sagst, Gold wert sein.
Deine Kleine gefällt mir, die sagt sich einfach: „OK, sieht etwas anders aus, aber Opa bleibt Opa.“
Das mit dem Verband könnte man vielleicht so anbringen, dass es gut ist gegen die Schwellung, gut für die Wunde etc.etc. Ich sehe ja Deinen Vater nicht, deshalb ist das von hier etwas schwer zu beurteilen.
Wie könnte Deine Mutter Deinen Vater dazu bringen, aus dem Haus zu gehen? Also wir haben das ganz einfach gesagt: „Das tut Dir gut, frische Luft im Wald ist gut gegen die Schwelllungen, man schläft besser und der Appetit ist auch besser. Ausserdem stärkt es die Abwehrkräfte. Und Spass macht es auch.“
Waldspaziergänge sind gut gegen Depressionen, na ja...für mich sind sie Allheilmittel. Wenn ich die Wahl habe zwischen Strand- und Waldspaziergang, wird es immer der Wald sein. War schon als Kind so. Liegt aber wohl auch daran, dass ich im Wald aufgewachsen bin (mehr oder weniger).
Seid nicht so besorgt, wenn er weniger isst. Das ist normal und gehört zum Sterbeprozess. Der Körper braucht nicht mehr so viel und da er viel schläft, noch weniger. Nur Flüssigkeit ist wichtig, dass er ausreichend trinkt, darauf solltet Ihr achten. Auch deshalb, weil, wenn es riecht, heisst das, dass Zersetzungsprozesse stattfinden und diese zersetzten Zellen sollten abtransportiert werden, denn die sind ja auch innen im Körper.
Und auch, wenn mich hier jetzt Mediziner ohrfeigen...wenn Dein Vater gern Bier trinkt, dann lass ihn das trinken. (wenn es nicht gerade Starkbier ist, Doppelbock etc.)
Ich weiss jetzt nicht, welche Medikamente Dein Vater nehmen muss, wenn die absolut nicht mit Alkohol verträglich sind (was ich nicht glaube, er soll ja die Medikamente nicht mit Bier einnehmen). Sonst eben alkoholfreies. Mir geht es hier um die beruhigende, appetitanregende Wirkung und um die Mineralien, die da drin sind. Und spült gut durch und ist ausserdem Flüssignahrung aufgrund der Kalorien. Flüssig Brot....ein Begriff? Hopfen und Malz...Gott erhalt´s!:)
Bitte beachten (für alle Abstinenzler) Wir reden hier nicht von 10 Litern am Tag! :cool:
Auch gut ist, dass er weiss, dass das mit dem Haus geregelt ist.
Und jetzt zu dem, was ich gefragt habe. Was haben Deine Schwangerschaften/Geburten Deiner Kinder mit dem Sterbeprozess Deines Vaters zu tun....
Beides sind tiefe Erfahrungen im Leben und beide gehören zum Leben dazu.
Auch wenn es zwei völlig verschiedene Ereignisse sind, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten und beide lehren uns etwas.
Mein ehemaliger Chef, unser kleiner Philosoph, hat uns da mal etwas erzählt von dem ich der Meinung bin, dass darin doch viel Wahrheit steckt.
Vergleichen wir mal eine Schwangerschaft/ Geburt mit einem Sterbeprozess durch Krankheit und darauffolgendem Tod. Beides...zum ersten Mal im Leben.
Feststellung der Schwangerschaft: Freude und ein wenig Angst
Feststellung der Krankheit: Trauer und Angst
Bei beidem weiss man nicht, wie es endet.
Im Verlauf der Schwangerschaft: Hoffnung, Freude, Besorgnis, Angst, etc.
Im Verlauf der Krankheit: Hoffnung, Trauer, Besorgnis, Angst etc.
Am Ende der Schwangerschaft: Angst vor der Geburt
Am Ende der Krankheit: Angst vor dem Sterben, dem Tod
Die Wehen: Unterschiedlich lang je nach Geburt, schmerzhaft, das gesamte Umfeld nervös, anstrengend, anstrengend auch für das Kind, aber nicht schmerzhaft für das Kind.
Dann....Stille und Tränen, Erschöpfung
Der Sterbevorgang: Unterschiedlich lang, schmerzhaft, das gesamte Umfeld nervös, anstrengend, anstrengend auch für den Sterbenden, aber nicht schmerzhaft für den Sterbenden.
Dann....Stille und Tränen, Erschöpfung
Wir wissen nicht, was oder ob etwas nach dem Tod kommt. Vielleicht ist es nur ein Übergang, denn wie man sieht, gleichen sich beide Vorgänge. Bevor wir geboren wurden, wussten wir auch nicht, dass wir geboren werden würden. Ist doch eigentlich ganz schön, wenn wir uns vorstellen, dass es weitergeht und wir irgendwo schon erwartet und in Empfang genommen werden.
Und wenn danach nichts kommt...brauchen wir auch keine Angst davor zu haben.
Hmm...wäre interessant zu wissen, ob so ein Baby bevor es geboren wird Angst vor der Geburt hat.
Sicher ist: Den ersten Todesfall in Deinem Umfeld erlebst Du anders, da Du keine Ahnung hast, was auf Dich zukommt. Ähnlich wie Deine erste Schwangerschaft.
Beim zweiten Mal ist es genauso schmerzhaft, aber Du weisst in etwa, was auf Dich zukommt und dass Du es schaffst.
Beide Erfahrungen, Geburt und Tod, sind wichtige Erfahrungen in unserem Leben. Und beide sind notwendig.
Hat der Tod einen Sinn? Ja, denn paradoxerweise wären wir vermutlich schon längst ausgestorben, gäbe es den Tod nicht.
Ich weiss nicht mehr, wer das gesagt hat, aber es blieb mir in Erinnerung:
„Man sagt, uns wird das Leben geschenkt, aber eigentlich schenkt man uns den Tod, denn dass einer leben wird ist nicht sicher, dass einer sterben wird schon.“
Bei Deinem Vater bin ich mir sicher, dass er gelebt hat. Und das tut er noch, also geniesst die Zeit und sagt ruhig mal: „Bewegung jetzt, aufstehen, anziehen, Gassi gehen, ab in die Gehölzenen (neudeutsch für Wald.).“
Liebe Grüsse :winke:
Liebe Sinneswandel,
danke für deinen letzten Beitrag. Die Gedanken sind toll, machen mir Mut und nehmen mir Angst, auch wenn ich noch nicht so ganz akut betroffen bin vom Tod, aber eigene Rückschläge machen ihn doch immer wieder sehr präsent.
Und dir Alwina und deiner ganzen Familie sende ich ganz viel Kraft. Ihr macht das toll!
lg, Anka
Sinneswandel
06.01.2013, 23:58
Hallo Anka,
danke. Freue mich wenn meine Gedanken helfen.
Und jetzt schocke ich Dich :D
Das mit dem Klaps auf den Po hatte ich vergessen. ;)
Aber ich denke wir werden es überleben (kleines Wortspiel)
Schreib doch mal eine PN und erzähl mir von Deinen Rückschlägen.
Liebe Grüsse
Es war so schön ruhig die letzte Zeit, ich habe irgendwie es geschafft "normal" zu leben, soweit es halt geht. Böse Dinge verdrängt und eine schöne Zeit gehabt, nicht soooo viel nachgedacht und irgendwie war alles ruhig, normal...
Heute Morgen kam meine Mama zu mir und sagte mir dass es Papa die letzten 2 Tage so gut geht, er hat so viel gegessen (wie ein normal gesunder Mensch) hat sich bewegt, hat sich gut gefühlt.
1 Stunde später (gerade eben) ruft Sie mich an und weint... sagt, Sie hat das Gefühl dass sich was geändert hat, dass die ganzen Dinge vor denen Ihr ich hier alle gewarnt habt (oder besser gesagt aufmerksam gemacht habt) losgehen...
Er sitzt am Frühstückstisch und trinkt eine Tasse Kaffee... meine Mama fragt Ihn ob Sie Ihm was nachschenken soll, er sagt "nein ich habe noch Kaffee..." Sie schaut sich die Tasse an und die ist leer... dann sieht Sie im lange zu wie er trinkt und trinkt... die Tasse ist aber leer... Sie fragt Ihn wieder, "... soll ich Dir Kaffee nachschenken, die Tasse ist doch leer..." Er sagt "Nein, danke, ich habe noch Kaffee und trinkt weiter..."
Seine Hände haben auch aufeinmal angefangen zu zittern....
Ich bin aufeinmal wieder am Ende und weine... ich habe jetzt schon seit... Mitte Dezember nicht mehr geweint, weil ich alles verdrängt habe und den IST Zustand genossen habe... mir ist so schlecht, so übel und ich habe so Angst... es ist so komisch solche Dinge zu hören und wahrscheinlich zu sehen beim eignen Papa / Ehemann...
Ich habe Angst was die Tage noch kommt... mein Bruder der auch als Unterstützung für uns da ist, ist auf Geschäftsreise in den Staaten ab Heute bis zu 11.01. .... ich habe so Angst...
Sinneswandel
07.01.2013, 15:12
Hallo Alwina,
dass Du Angst hast ist verständlich. Wenn es Dich ein bisschen beruhigt...Dein Vater bekommt diese Dinge nicht mit.
Seltsam, wie sich alles gleicht in Deiner und unserer Geschichte.
Weihnachten begannen die Ausfälle, dass er nicht mehr mit Messer und Gabel essen konnte, bzw. er schob das Essen vom Teller.
Bei meinem Vater war es der 05.01. als ich ihn ins Krankenhaus brachte, weil er umgefallen ist. Dort wurde die Hirnmeta festgestellt. Er musste einige Tage dort bleiben, war aber dann bis zur OP „normal“. Ich weiss nicht mehr, was sie mit ihm in der Klinik gemacht haben, aber wie gesagt, bis zur OP hatten wir keine Ausfälle.
Aber ich kann mich noch erinnern, dass mir mein Vater an besagtem 05.01. in der Klinik sagte, dass er wahnsinnigen Hunger hat, weil er seit 2 Tagen nichts gegessen hat, was definitiv nicht stimmte, er hatte 3 Stunden vorher ordentlich gegessen. Und er hat gelacht und gesagt: „Mir geht es doch gut, warum sind eigentlich alle so aufgeregt?“
Mir wurde damals gesagt, dass wir Glück haben, denn wenn die Hirnmeta in einem anderen Bereich des Gehirns gewesen wäre, hätte er sich nicht mehr mit uns verständigen können.
Was soll ich Dir sagen?
Ob es nun eine Gehirnmeta ist oder eine Flüssigkeitsansammlung (Du hast ja gesagt, dass er jetzt punktiert wird) kann nur in der Klinik festgestellt werden. Welche Ausfälle kommen und wann ist bei jedem unterschiedlich. Wieviel Zeit Deinem Vater noch bleibt....ich weiss es nicht.
Es war gut, dass Du es in der letzten Zeit „verdrängt“ hast. Dadurch konntet Ihr die Zeit besser geniessen.
Wie ich schon einmal geschrieben habe....die Zeit wird sehr intensiv. Aber Ihr schafft das, da bin ich sicher.
Ein guter Freund von mir (Lungenkrebs mit Hirnmetastasen), gestorben 2008 mit 36 Jahren, hat mir damals kurz vor seinem Tod gesagt, als ich traurig war:“Keiner von uns weiss, wie lange das Fest dauert und wie lange die Musik spielt, aber solange wir hier sind sollten wir tanzen.“
Noch ist Dein Vater da, noch kann vieles getan werden. Also lass Dich, auch wenn das sehr schwer ist, nicht von Deiner Angst lähmen. Und die Tränen....lass sie laufen, wir dürfen traurig sein.
Ich umarm Dich.
Liebe Grüsse und drück Deine Mutter von mir.
Hallo Sinneswandel,
Gestern war schon komisch...
Erst das mit der leeren Kaffeetasse, dann sagte er was von "müssen wir zum Flughafen fahren" als er aufwachte... später erinnerte er sich nicht mehr ans Frühstück, und fragte wann er gefrühstückt hat und oben oder unten? (Küche im EG oder DG wo er immer liegt)
Ich bin sofort zu meinen Eltern am Nachmittag, mein Mann hat Nachtschicht und ist somit die Woche Tagsüber da, hab Ihn mit der Großen alleine zu Hause gelassen und bin dann mit dem Kleinen zu meinen Eltern, wollte einfach da sein. Er war dann auch den ganzen weiteren Tag "normal"... konnte sich an alles erinnern, war wie immer.
Schauen wir mal was Heute ist. Es ist jetzt (09:45) und er wacht immer gegen 10 Uhr auf... und meine Mama hatte das Gefühl dass er Morgens etwas verwirrt sei und ab Nachmittags normal. Vielleicht liegt es noch am schläfrig sein, aber wohl kaum...
Was halt sich definitiv geändert hat, seine Hände zittern... Arme zittern... Gestern saß ich bei Ihm auf dem Bett und hab mit Ihm Tv geschaut, hab Ihn dann angesehen und er fragte mich "was ist los, wieso schaust Du mich so an?" Ich sagte "nichts..." ich schaue Ihn mir gerne an, weil ich Ihn noch so gerne (wie blöd es auch klingen mag!) lebendig sehe, mir das Bild einpräge... ab und zu macht er sein Auge zu oder es fällt zu, von alleine... ab und zu schaut er so schummrig aus, als ob er abwesend wäre, ist aber von einer Sekunde zur anderen voll da...
Ach ja jetzt hat meinen Mama angerufen, normalerweise frühstücken die um 10 Uhr, er will aber weiterschlafen, Sie hat Ihn nicht wach bekommen... Sie hat Ihn nur gezwungen paar Tabletten zu nehmen die er mit murren zu sich genommen hat. Schläft weiter...
LG
Alwina
Ich werde Heute wieder Nachmittags zu Papa fahren... er sagte meiner Mama, dass er unsere Große vermisst. Hat gefragt ob Sie im Kindergarten ist und ob meine Mama und er Heute zu uns fahren können, natürlich fahre ich nach dem Kindergarten mir Ihr zu Ihnen.
Irgendwie sagt Sie ist er da, aber irgendwie auch nicht... er hat ab und zu einen leeren Blick in die Weite ist abwesend...
Mir kommt es vor als würde er beginnen sich zu verabschieden...
Das ist alles so schwer...
Rosalie27
08.01.2013, 12:28
Ja, das ist alles sehr schwer, und ich bewundere deine Kraft,
wie du alles geregelt bekommst.
Wenn er deine Große gerne sehen möchte, kann das sicher auch mit
Abschied zusammen hängen.
Wenn es möglich ist, würde ich ihm diesen Wunsch zeitnah ermöglichen.
Ich wünsche dir weiterhin ein gute Händchen
und viel Kraft.
Alles Liebe Rosalie
Sinneswandel
08.01.2013, 23:59
Hallo Alwina,
ich finde nicht, dass es sich blöd anhört, wenn Du sagst, dass Du Deinen Vater gerne ansiehst.
Tja, was soll man sagen? Es ist verdammt schwer. Eben auch das, weil es einen sehr erschreckt, wenn man sieht, dass der Vater nicht mehr "Herr seiner Sinne "ist. Und vorallem, weil man nie weiss, was als nächstes kommt.
Drück Dich, bis jetzt machst Du das doch ganz klasse.
Grüsse
Sinneswandel
Hallo Sinneswandel,
ja, es ist sehr schwer... Heute war er "normal" wo wir alle da waren. Irgendwie wollte mein Mann auch nicht gehen (hat uns abgeliefert) und ist geblieben. Mein Vater ist dann irgendwann hoch und wollte sich hinlegen und sagte dass meine Tochter nochmal hochkommen soll. Bin dann später nochmal rauf zu Ihm und Sie war einfach im Raum und hat gespielt und er hat zugehört und lag im Bett sagte wir stören nicht (Mama fragt immer ob er Ruhe will schlafen etc) wir sollen da bleiben er hört uns.
Morgen gehts wieder zu Ihm nach dem Kiga. Da wir uns nicht normal und oft "ich liebe Dich" gesagt haben in der Familie, (habs Ihm vor der Op immer gesagt ode nach der Op) trau ich mich jetzt das nicht zu sagen, WEIL ich habe Angst dass er dann schwach wird oder dass er sich irgendwelche Gedanken macht wieso ich das aufeinmal sage. Bei uns wurde halt das nicht oft gesagt, aber wir wissen alle dass wir uns lieben... klingt komisch, ist aber so...
Die Betreuung vom Palliativdienst sagte meiner Mutter Heute am Telefon, "er weiss alles, er fühlt es, auch wenn er andere Dinge sagt und plant... "
Heute sagte er paar Mal so Kleine Sachen die wohl nicht de Realität entsprachen aber ansonsten war alles okay.
Weisst Du was noch schlimm ist? Ich habe mich bei Bestattungsunternehmen schon schlau gemacht bzw mache ich das gerade... wir wissen ja nichts was wie usw. Und wollen auch keine Fehler machen. Komisch sowas zu planen / sich darüber Kopf und Gedanken zu machen. Aber im Prinzip bin ich jetzt informiert.
Ja, Du hast recht, diese Ungewissheit ist es, was noch kommt.
Ich habe Angst vor jedem Telefonklingeln... wenn ich lese "Mama".... klopft mein Herz. Und ich freue mich wenn Sie gar nicht anruft, wie Heute Abend, weil ich weiss alles ist okay, Sie schauen TV zusammen und Ihm gehts (den Umständen entsprechend) gut.
Ich sehe jetzt schon nur noch die positiven Sachen an meinem Papa. All die Negativen Sachen sind weg aus meinem Kopf, bzw verziehen und vergessen... seltsam... die letzten Jahre waren schön mit Ihm, ich bin erwachsen geworden und wir haben eine schöne Beziehung aufgebaut die wir früher nicht so hatten. Das schöne ist, ich habe ein sehr enges Verhältnis zu meinen Eltern und spreche wirklich über ALLES mit ihnen. Meine Güte wird er mir / uns fehlen. Er war ein super Papa. Hat alles für uns gemacht. Er hat uns viel ermöglicht, er hat immer an mich geglaubt und mich soooo lange unterstützt (meinen Bruder auch noch) er war immer so großzügig, hat gerne geschenkt... hat gerne einem Freude bereitet. Er hat so viel gemacht. Und man konnte immer so viel mit Ihm reden, wenn er begonnen hat dann ist er immer von Thema ins Thema gerutscht und es wurde lang... Komisch wenn ein Mensch einfach nicht mehr da ist... auch wenn er nur im Bett liegen würde... und viel schläft und nichts sagt,- würde er dennoch da sein... und ich würde mich freuen. Es ist so unvorstellbar dass er bald "weg" Ist. So traurig. Ich muss die letzten Tage nur noch weinen... Ich glaube der Tag kommt näher und ich habe das Gefühl,dass er einschlafen wird... friedlich. Ich habe jeden Morgen Angst dass es bereits passiert ist. Es wäre wohl ein schöner Tod, denn er müsste nicht leiden... einfach einschlafen. Ich vermisse Ihn schon jetzt so sehr! Wie kommt das?? Wie er immer schaut, da sitzt, so irgendwie noch da in einer Sekunde und dennoch nickt er immer kurz weg oder schaut so komisch in die Ferne mit einem verschwommenen Blick, dann nimmt er wieder kurz Teil an der Unterhaltung, trinkt seinen Espresso mit Vanilleeis... :) gibt mir paar Erziehungstipps und schaut wieder in die Ferne und nickt ein... am liebsten würde ich Ihm an den Hals springen und schreien "gehe nicht weg Papa...." Aber ich habe in den Sterbephasen etwas davon gelesen dass das falsch ist, dass man am Sterbebett das Gegenteil sagen soll, "lass los, gehe, alles wird gut... mach Dir keine Sorgen..." Ich muss so weinen bei diesen Gedanken. Mir hat es bisher wirklich geholfen hier im Forum zu sein! So sehr, mir und meiner Mama. Ich habe hier so viel gelernt und gelesen, von Dir Sinneswandel von anderen Usern, gelesen was auf uns zu kommen kann, und es hat mir wirklich geholfen auf einige Dinge vorbereitet zu sein. Meiner Mama diese weiter zu leiten.
Er hat es gut gemacht. Er hat gekämpft - er hat alles durchgemacht, alles probiert... nicht aufgegeben. Das Beste draus gemacht die letzten 2 Jahre! Ich bin so stolz auf Ihn. Ich bewundere Ihn so sehr.
Das Schlimme ist auch noch dass ich immer Verlust Angst hatte, ich hatte immer Angst dass meinen Eltern was passiert, schon als kleines Kind. Ich habe immer gebetet, als kleines Kind, damit meinen Eltern nie was passiert und habe mir immer Gedanken gemacht wie schlimm es mal sein wird wenn ich irgendwann mal meine Eltern nicht mehr habe..... irgendwann mal wenn ich 40,50,60 bin............ aber nicht wenn ich 27 bin. Ich habe hier im Forum gelesen, "ich fühle mich selber noch wie ein Kind.... und verliere mein Elternteil" so fühle ich mich. Ich fühle mich immer noch wie ein Kind und komme mir jetzt schon so "allein" vor. Auch das Haus wird leer sein ohne Ihn, auch wenn wir bald dort leben werden mit meiner Mama zusammen, mit den Kindern und den Hunden. Er wird einfach so fehlen.
Auf einer Bestattungsseite habe ich gelesen "Er hat viel gegeben und es wird viel fehlen" ...........
Ich glaube und vermute dass ich noch in ein sehr tiefes Loch fallen werde wenn das hier alles vorbei ist... aber ich kanns mir eigenrlich nicht so erlauben, mit 2 kleinen Kindern. Einer Mama um die ich mich auch kümmern muss... und anderen Dingen die auf uns noch zu kommen.
Sinneswandel
09.01.2013, 16:56
Hallo Alwina,
seinen Vater oder seine Mutter zu verlieren ist immer ein Einschnitt im Leben, egal wie alt Du bist. Aber mit 27 Jahren ist es definitiv zu früh.
Ich gebe der Dame vom Palliativdienst recht, Dein Vater weiss es, spürt es. Und meiner Meinung nach will er dass Deine Tochter bei ihm ist, weil er dann nicht allein ist, gleichzeitig aber trotzdem mit sich allein sein kann, seinen Gedanken nachgehen kann. Auch wenn wir uns noch so bemühen, Normalität herrschen zu lassen, unsere Gestik und Mimik, unsere Körpersprache verrät uns. Bei Deiner Tochter ist das nicht so, da sie noch nicht versteht, nicht weiss was kommt, ganz natürlich da ist, nicht fragt, nicht besorgt ist.
Es ist nicht so wichtig, Deinem Vater 50 mal zu sagen, dass Du ihn liebst. Er weiss es und ich denke es ist wichtiger, es ihm stattdessen 1 mal zu zeigen und das tust Du jeden Tag genau wie Deine Mutter und Deine Tochter.
Dass Du im Moment nur die guten Eigenschaften Deines Vaters siehst ist auch normal und richtig. Aber Du kannst mir glauben, dass sich das mit der Zeit ändert. Kein Mensch ist nur gut und wenn Du Deinen Trauerprozess abgeschlossen hast, wird Dein Vater den richtigen Platz eingenommen haben. Du wirst Dich an seine „Macken“ erinnern, mit einem Lächeln, einem Augenzwinkern und mit Zärtlichkeit.
Es ist verständlich, dass Du im Moment sagst „ich will dass er bleibt, auch wenn er nur noch im Bett liegen würde, nicht sprechen könnte etc. aber er wäre wenigstens da“.
Aber bedenke bitte auch, was das für Deine Mutter und auch Deinen Vater bedeuten würde.
Stell Dir bitte die Situation vor....würdest Du das wirklich für Deine Eltern wollen?
Wirst Du in ein Loch fallen? Davon ist auszugehen, denn das ist die normale Reaktion. Es wird viel diskutiert, ob bei einer vorhergegangenen Krankheit der Trauerprozess schon da anfängt. Nach meinen Erfahrungen ist dem nicht so, er beginnt nochmal, ist anders und heftiger, da wir schon viel Kraft während der Krankheit aufgebracht haben und der Zorn und die Wut nocheinmal aufflammen.
Aber Du wirst das meistern und Deine Kinder werden Dir da eine grosse Stütze sein, denn mit ihnen hast Du das Leben im Haus.
Deine Mutter wird Dich brauchen aber Du auch sie. Es ist noch etwas früh, das zu sagen, aber achte bitte darauf, dass sie „Freiraum“ für ihre eigene Trauerarbeit hat. Wir neigen dazu, unsere Eltern, bzw. den verbliebenen Elternteil ablenken und beschäftigen zu wollen. Aber richtiger und effektiver ist es, dass sie sich selbst mit sich auseinandersetzt und dafür braucht sie Freiraum, Zeit zum Alleinsein. Führ sie hin zu ihrer Trauer, nicht weg von ihr. Und das Gleiche gilt für Dich. Du wirst Deine eigene Trauerarbeit leisten müssen und dafür brauchst Du Deinen Freiraum.
Wie wird Dein Leben weitergehen ohne Deinen Vater? Er wird eine Lücke hinterlassen. Und auch wenn Du es jetzt nicht verstehst, diese Lücke wirst Du füllen, mit Dir selbst. Vieles wirst Du anders sehen, Dein Blickwinkel wird sich verändern und wenn Dein Trauerprozess beendet ist, wirst Du sehr wahrscheinlich intensiver leben und zu einem gossen Teil auch Deine eigene Angst vor dem Tod verlieren.
Vorallem aber wirst Du durch alles was im Moment passiert, stärker, reifer und selbstbewusster werden. Ganz einfach deshalb....erinnere Dich, was Du gerade alles leistest und wie gut Du das machst. :)
Liebe Grüsse
Hallo Sinneswandel,
Gestern konnte ich viel zu lange nicht einschlafen, ich musste immer an Papa denken und weinen... Heute war ich leider nur kurz da, da wir einen wichtigen Termin hatten, aber unsere Tochter war gute 2 Stunden alleine beim Papa und hat gespielt.
Er hat mich Heute Mittag angerufen, das hat er schon lange nicht, einfach mal so...
Er braucht einen Hausarzt der Hausbesuch macht. Sie waren mit deren "normalen" nicht zufrieden und haben dem Palliativdienst gesagt dass der Hausarzt irgendwie kein Interesse zeigt an der Erkrankung bzw nicht so gut damit umgeht. Die Palliativmitarbeiterin hat sich wohl mit Ihm zusammengesetzt und er sagte er will UNBEDINGT Hausbesuch machen. Jetzt war er da, und hat wie immer nicht mal Blutdruck gemessen, kam für paar Minuten und ist dann weg, aber das SCHLIMME, er schaut Papa ins Gesicht und sagt "Sie wissen schon dass man nichts mehr für Sie tun kann" Ich bin so sauer, entsetzt... mit fehlen die Worte... Mama hat gesagt dass Papa das voll verstanden hat, da saß und nichts gesagt hat, muss weinen wenn ich daran denke. Unser Papa ist so... wie ein großes Kind, er war schon immer so, er hat eine leicht kindliche Art immer gehabt, und wenn ich Ihn jetzt so ansehe, krank, abgebaut, voller Tumore überall, im Gesicht, ohne Auge, zitternde Hände und in seinem Auge wirklich Angst, Verzweiflung, man sieht Ihm das an... und dann sagt der Arzt sowas zu Ihm. Ich verstehe das nicht, wieso glaubt er Ihm das sagen zu müssen?! Er hat nicht gefragt, saß nur da... Papa war nur anwesend - hat nicht sonderlich gesprochen...
Ich merke wie ich mehrmals am Tag immer weinen muss, es tut so weh, das ist bisher das aller schlimmste was ich in meinem Leben erlebe und das ist das schlimmste wovor ich immer Angst hatte, dass einem meiner Lieben was Schlimmes zu stößt.
Ich habe verabrede mich die Tage mit einer Dame vom Bestattungsunternehmen vor Ort. Ich habe schon mit Ihr telefoniert. Wie doof es ist, wie traurig es ist das jetzt zu machen, wir wollen jetzt schon paar Infos haben - weil wir befürchten dass wenns soweit ist , dass vieles nicht mehr geht bzw uns noch zusätzlich stresst.
Selbst wenn ich das jetzt mache kommt mir alles nicht real vor... aber die bieten auch Gespräche an für die Angehörigen Tauerbewältigung usw, ich denke vielleicht dass das für mich in Frage kommt. Ich bin von Haus aus ein sehr emotionaler Mensch, genauso wie meine Mama und unsere Tochter, und ich glaube ich werde die Hilfe brauchen.
Ich liebe Ihn so sehr. Wieso ist das Leben so gemein? Er war so fleißig im Leben, so viel gearbeitet, so viel getan, so wenig für sich getan, er lebte gesund, nicht geraucht nicht getrunken sport gemacht gesund ernährt, er war IMMER gesund. er ist doch erst 55. er sah noch 2009 top fit aus, nicht wie ein 52 Jähriger, nein, er wurde immer auf 45 geschätzt, er sah immer jünger aus, war immer gesund, hatte die Grippe, nichts... und dann sowas.
Ich hoffe so so so sehr dass es Ihm wo er auch immer sein mag sehr gut geht. Dass es wirklich einen Ort gibt an dem es schön ist. Wo er glücklich ist. Wenn ich das nur wüsste, wirklich wüsste dann würde das schon eine riesen Erleichterung sein und man könnte etwas mehr loslassen.
Früher (vor paar Monaten) bin ich in Tränen ausgebrochen wenn ich mit anderen darüber geredet hab, in der Bank, oder mit der Erzieherin im Kiga schossen mit Tränen in die Augen, oder mit Ärzten... mittlerweile bin ich draussen hart und rede normal darüber, schreibe normal darüber, aber zu hause weine ich mich dermaßen aus dass ich danach nicht mehr richtig atmen kann, rot bin und Kopfweh habe. Meine Mama meinte ich soll vielleicht etwas Baldrian nehmen... der Schmerz ist so komisch er schnürt mir die Luft weg. Man will umfallen. So sehr tut das weh. Aber wem erzähgle ich das, Du hast ebenfalls Deinen geliebten Papa verloren und weisst wie das ist. :(
Lieber Gruß und vielen Dank für Deine Hilfe. Es tut gut zu Schreiben.
Sinneswandel
10.01.2013, 00:25
Hallo Alwina,
ja, ich weiss dass es schwer ist. Baldrian zur Beruhigung....besser eine Kombi aus Passionsblume, Baldrian und Melisse. Das bringt ein bisschen Erleichterung, aber wie gesagt: nur ein bisschen. Passionsblume hat den Vorteil, dass es beruhigt ohne zu benebeln. Was ich Dir auch rate: Mach Du den Waldspaziergang, den wir für Deinen Vater wollten und nehm ihn im Geiste mit. Es wird Dir gut tun, vertrau mir.
Der Arzt hat es ihm also gesagt....ja, nur eben wie. Aber auch das ist nichts Neues. Bei uns lernen die Studenten etwas sehr Wesentliches, alles basierend auf einem ganz einfachen Satz: „Die Wahrheit sollte wie ein Mantel gereicht werden in den der Patient schlüpfen kann und sie sollte ihm nicht wie ein nasser Lappen um den Kopf geschlagen werden.“
Aber so schlimm sich das jetzt anhört und so furchtbar wütend Du auf diesen Arzt bist....nach dem ersten Schock, den Dein Vater jetzt hat ist es besser für ihn und für Euch auch.
Der Schock Deines Vaters kann ein paar Stunden dauern oder ein paar Tage, aber dann wird er sich damit auseinandersetzen und in gewisser Weise ist das heilsam für die Seele.
Sein Unterbewusstsein kannte die Wahrheit bereits, sein Bewusstsein hat nun Gewissheit erhalten. Dies muss er erstmal verarbeiten, lass ihm diese Zeit.
Was daran gut ist: Ihr könnt offen sein, er kann offen sein. Er kann sich von Euch verabschieden und Ihr Euch von ihm. Er darf jetzt schwach sein, traurig, zornig und Ihr auch. Du wirst sehen, dass nun sehr viel Spannung und emotionaler Stress verschwindet und das ist eine Erlösung, für alle.
Dein Vater darf nun ganz offen seine Angst zeigen, seine Verzweiflung und Ihr auch.
Gefühle zeigen dürfen....meinst Du nicht, dass das viel leichter wird jetzt?
Wir (meine Kollegen und ich) versuchen immer, diese Situation die Ihr hattet, nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich weiss nicht, wie man in Deutschland sagt, aber frei übersetzt ist vielleicht „Stille Verschwörung“ treffend. Diese findet man oft, weil man ja seinen Angehörigen weitestgehend schützen und schonen will. Das ist kein Vorwurf, Ihr habt ganz normal reagiert.
Auch wenn es jetzt nicht danach aussieht und Du „Mordgelüste“ dem Arzt gegenüber hast...sehr wahrscheinlich wirst Du ihm eines Tages dankbar sein. Denn er hat Euch in gewisser Weise eine grosse Last von den Schultern genommen. War zwar nicht die feine, englische Art wie er es gemacht habt, aber (und jetzt hau mich nicht) er hat Euch entlastet, auch wenn jetzt im Moment alles dagegen spricht.
Es kann sich jetzt einiges ändern ABER es MUSS nicht. Das heisst, es kann sein, dass Dein Vater aus der Verdrängungsphase nicht herauskommt. Aber ich denke nicht, dass es so sein wird.
Was nun wichtig ist: Da sein, verständnisvoll, ihm die Sorgen und die Angst minimieren und vorallem klarstellen, dass Ihr ihn nicht alleine lasst und dass Ihr da seid, falls er reden möchte.
Gibt es Gewissheit, dass es nach dem Tod weitergeht? Nein, es gibt keine Gewissheit, es gibt nur Träume. Ein paar Wochen nach dem Tod meines Vaters hab ich von ihm geträumt. Er kam strahlend und lachend auf mich zu und sagte:“ Ich hab vergessen, mich zu bedanken. Danke.“
Es war zwar nur ein Traum, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass es ihm gut geht, wo auch immer er ist. :)
Und wie gesagt: Ich bemühe mich um Kontaktaufnahme zu meinem Paps, damit er vorbereitet ist auf Deinen. Paps soll schon mal einen Tisch in der Tapasbar reservieren (Datum flexibel).
Die haben da ganz SICHER Tapasbars (wär ja sonst kein Himmel und ausserdem hätte mein Paps in meinem Traum nicht so gestrahlt!)
Weisswein kalt stellen oder Rotwein dekantieren? Was wird bevorzugt? Fischtapas genehm?
Oder wie wäre Chorizo al Sidra? Patatas bravas? Die sollen da auch gutes Alioli (Knoblauchmayo) haben....und Tomaten mit Thunfisch „para chuparse los dedos“(= zum Fingerablecken...alle Zehne!) :)
Liebe Grüsse
Hallo Sinneswandel,
mein Vater hat schon mal gesagt bekommen dass er unheilbar krank ist, das hat er auch wahrgenommen und er wusste das seit der Metastasen in den Organen. (Das war so Ende Sommer 2012) Das er nun unheilbar krank ist,- dass er mit der Krankheit so leben muss, dass es niemals weggeht, er wusste / weiss das.
Er hat nur nie aufgegeben und immer gesagt "die wird weggehen, ich werde gesund" Und er will oder würde gerne noch weiter sich therapieren lassen, nur haben wir halt gesagt, dass es in dem Zustand grad nicht geht usw usw....
Klar weiss er das instinktiv was los ist, fühlt es, so wie die Dame vom Palliativdienst das sagt, aber trotzallem hat der Arzt sehr unsensibel reagiert. Vorallem ohne Grund... er wurde nicht gefragt, wollte er etwas so ein Gespräch aufbauen?! Naja, der kommt nicht mehr ins Haus. Die anderen vom Palliativdienst oder der Arzt der Ihn Heute punktiert (HNO) sind ganz vorsichtig, sensibel und gehen sorgsam mit Ihm um. Auch haben wir nun erfahren dass hier in der Nähe eine sehr gute Palliativstation ist, noch näher als wir sonst gefahren wären falls was wäre. Das ist auch schon mal gut. Dennoch hoffe ich dass es klappt, dass Papa bis zum Schluss zu Hause bleibt. Auch die Beerdigung ist soweit durchdacht, so wie wir es gern hätten, so wie er irgendwann mal davon geredet hat.... (Zeiten wo er noch gesund war...)
Du hast gesagt, Du weisst nicht wie man das in Deutschland sagt... bist Du keine Deutsche? Darf ich auch fragen was Du beruflich machst? Du hast ja scheinbar auch im medizinischen Bereich Deinen Beruf?
Ich habe richtige Schlafstörungen bekommen seit der Woche, ich kann nicht früher als 01 Uhr ins Bett und liege noch traurig rum, weine und dann bin ich irgenwann so fertig dass ich einschlafe...
Ich hoffe so sehr dass es Ihm gut geht... mein Vater glaub an das Gute nach dem Tod, trotzallem sieht man wirklich seine Angst Ihm an. Diese Ungewissheit "was passiert eigentlich gerade mit mir..." er sieht es ja im Spiegel / fühlt es... von einem Tag auf den anderen verändert sich so viel in seinem Gesicht, dieser Krebs... einfach. Sch....
Sinneswandel
10.01.2013, 18:42
Hallo Alwina,
dass Dein Vater Angst hat ist doch verständlich. Wie ich schon mal schrieb....er fühlt das Gleiche wie Du. Nicht immer zeitgleich, aber er hat das selbe Gefühlschaos.
Es ist im Grunde immer so, dass man die Prognose gesagt bekommt, so in etwa, aber am Anfang ist da Hoffnung und die ist ja auch berechtigt. Und der Mensch ist darauf programmiert zu sagen: „Ich schaff das, ich werd wieder gesund.“ Das ist ein Instinkt und oft ist es ja auch so.
Meine Oma hat mir, da war ich so 5 Jahre alt, eine Kette mit einem Anhänger (Kreuz, Herz, Anker) geschenkt und gesagt:“ Glaube, Liebe, Hoffnung, mit diesen 3 Dingen kommst Du sicher durchs Leben und darüber hinaus.“ Ich bin nie religiös erzogen worden, Glaube ist wohl auch so zu sehen: Glaube an Dich selbst, an andere, etc. Da gibt es wohl viele Definitionen. Aber es ist sicher was dran, Glaube, Liebe, Hoffnung...ohne sie geht gar nichts. :)
Das mit der Palliativstation ist doch mal eine gute Nachricht. Und wie Du siehst sind nicht alle Ärzte gleich. Ist ja auch normal, Menschen sind unterschiedlich. Und da gibt es eben sensible Exemplare und unsensible. In der neuen Palliativstation....frag mal nach, ob es da einen Psychoonkologen gibt (im Normalfall ja). Das wäre toll für Euch, auch für Deinen Vater, denn die haben die entsprechende Ausbildung, Deinem Vater und auch Euch einen Grossteil der Angst zu nehmen. Du selbst kannst der einfachen Regel folgen: Dein Vater hat die selben Ängste wie Du, mach das, was Du Dir für Dich wünschen würdest, wenn Du an seiner Stelle wärst (lauf in seinen Schuhen) und bedenke, dass die Hauptangst die Angst vor dem Unbekannten ist. Und wenn man darüber redet und Meinungen austauscht, ist es gar nicht mehr soooo unbekannt.
Dein Vater ist 55 Jahre alt, das heisst, 55 Jahre lang wusste er nicht, was am nächsten Tag kommen würde oder die nächsten 5 Minuten. Und trotzdem hat er es getan, er hat gelebt und liess es auf sich zukommen. Wir wissen nicht, ob etwas und was nach dem Tod kommt....aber wussten wir, was uns das Leben bringt, ob es gut oder schlecht sein würde, ob es ein morgen gibt? Wo ist im Grunde der Unterschied? :confused:
Wegen Deiner Schlafstörungen (die auch ganz normal sind) versuch ruhig mal das mit einem Kombiprodukt Passionsblume, Baldrian und Melisse. Das beruhigt, macht aber nicht müde, trotzdem ist es so, dass man besser schläft, weil man tagsüber ruhiger ist. Waldspaziergang lege ich Dir wirklich ans Herz. Oder wir machen das wie der alte Kneipp. Wasch Dich vor dem Schlafengehen mit kaltem Wasser. :)
Du hast geschrieben, dass im Bestattungsunternehmen Trauerbegleitung angeboten wird. Kann sinnvoll sein, ist aber bei Euch meiner Meinung nach nicht notwendig.
Ich würde es so machen: Wenn nach 3 Monaten Bedarf besteht, OK. Am Anfang: nein, erst mal selber schauen ob man es selber schafft. Und bei Deiner Tochter...sie ist noch so klein, ich glaub nicht, dass es da Probleme gibt. Ihr müsst nur auf ein paar Dinge achten, aber das sag ich Dir dann noch. Deine Mutter und Du...Ihr schafft das.
Und wenn nicht, würde ich zu jemandem gehen, der eine wirkliche Ausbildung darin hat und nicht einen Wochenendkurs. :( Heisst: Wenn es in der Palliativstation einen Psychoonkologen gibt, wäre der für Euch, falls notwendig, sehr viel besser.
Zu Deinen Fragen: Du darfst mich alles fragen, eine andere Sache ist, ob ich antworte. :D
Ich bin Deutsche, aber schon so lange im Ausland, dass ich zeitweise nicht mehr weiss, welche Nationalität ich habe. Sagen wir besser: Ich bin Europäerin. Manchmal muss ich mich konzentrieren und Wörter suchen, und das in meiner Muttersprache. Krass! :(
Ausbildungen: Verschiedene, und einige Weiterbildungen im medizinischen Bereich (alles in allem mit Unterbrechungen so ca. 6 Jahre bisher....irgendwie wirst Du in dem Bereich nie fertig mit der Ausbildung). Heisst: Ich kann Verbände anlegen, Infusionen legen, Spritzen geben, Blutdruckmessen, und eine Blutanalyse im Labor würde ich mit Nachschlagen in meinen Unterlagen und dem nötigen Material vielleicht auch nochmal hinbekommen. Aber hauptsächlich „verarzte“ ich das Gemüt von Patienten, Angehörigen und Klinikpersonal. ;)
Meine Arbeit: Übersetzerin in Kliniken, Begleiterin, Kummerkasten, Prügelknabe, die, die Dir die Angst vor OP´s nimmt oder vor dem morgigen Tag und die, die sowohl gute als auch schlechte Nachrichten überbringt, teilweise innig geliebt und teilweise heiss gehasst. Also hauptberuflich manchmal Engel, manchmal Teufel oder sagen wir einfach: Mensch :)
Mein Vater war mit meiner 2.Berufswahl (erste war im kaufmännischen Bereich) nie wirklich einverstanden. Erst als er selbst krank wurde, bekam er Zugang dazu. Und er hat mir kurz vor seinem Tod mit diesem Satz „gehe stets den selbstgewählten Weg“ zu verstehen gegeben, dass er sich geirrt und ich recht hatte.
Na komm, Kopf hoch und umarm Deine Mama mit Grüssen von mir. :pftroest:
Bis dann
Hallo Sinneswandel,
Gestern musste meine Mama in die Arbeit und ich war mit unserem Kleinsten von 13:30 - 18:30 da um "auf Papa aufzupassen"....
Wir haben zusammen Mittag gegessen, leider habt er im Prinzip nichts gegessen... absolut nichts... habe mit Absicht drauf geachtet, er hat nur mit dem Essen gespielt. Danach hab ich Ihm einen kleinen Kaffee gemacht und er hat von einer klitzekleinen Sahneschnitte circa 80 % gegessen, immerhin... wir haben viel geredet, ab und zu ist er immer mal wieder eingenickt bzw ist sein Auge zu gegangen und er ist kurz "abwesend" gewesen, dann wieder voll und klar da. Bis um 16:30 haben wir zusammen Zeit verbracht und geredet.
Einmal hat er gesagt "Wir waren Heute beim Arzt..." Dann sagte ich, "Nein Papa, Ihr wart Gestern..." - Dann sagte er "Ja kann sein, oder Gestern..."
Ansonsten gabs nichts auffälliges mehr seit dem einen Tag, was diese Verwirrtheit angeht.
Er plant immer noch ab und zu Sachen / Dinge... Arbeiten... sagt ich soll den Leuten die das Haus kaufen wollen seine Visitenkarte geben dass er denen die Terrasse fliesen kann usw.... Oder dass er das Bad im Haus neu macht....
Dann ist er nach oben zum Schlafen und sagte wir sollen mitkommen, ich kann ja Tv schauen und er schläft etwas nebenbei... ich bin dann hoch und hab Tv ausgemacht und mich einfach hingesetzt mit dem Kleinen und war da.
Später kam meine Tochter zusammen mit meinem Mann und meine Kleine ist hoch zum Opa, um Tschüss zu sagen (die haben mich abgeholt)
Sie sagte Tschüss und nahm seine Hand und wollte gerade die Treppe wieder runterrennen, da sagte Papa, "Hol Sie nochmal kurz her, ich will Sie mir nochmal anschauen...".... gesagt getan...
Wenn man sowas hört, da wird einem echt anders...
Jedenfalls hab ich Versprochen Heute Nachmittags nochmals vorbei zu kommen, werd ich auf machen.
Würde meine Hündin nicht läufig sein, dann würden wir für paar Wochen zu meinen Eltern ziehen, damit ich einfach mehr Zeit mit Ihm verbringen kann.
Aber meine Eltern haben einen Rüden, der würd durchdrehen....
Erbrochen hat es Ihn Gestern, sogar einmal in der Nacht und Morgens. Meine Mama meint er hat die Zäpfchen vergessen, er meint immer diese genommen zu haben und wenn meine Mama Ihm zeigt dass er sie vergessen hat dann fangen Diskussionen an und Ärger und dass will Sie ja auch nicht.
Sogar etwas Blut war beim Übergeben dabei, aber ich hoffe dass es nur der Druck war weil die Tumore ja im Gesicht / Nasennebenhöhle / Auge... und sonst wo sind... (Lungemetastasen hat er ja auch seit Aug 2012)
Nur wissen wir seit August nicht wo noch... haben ja keine Aufnahmen mehr gemacht, nur eine vom Kopf im Nov 2012 da wo die Ärzte sagten dass die Tumore mehr und größer geworden sind im Kopfbereich. (Was man ja jetzt eh definitiv sieht)
Hoffe auf ein ruhiges normales positives (man muss ja das Beste draus machen) WE...
Lieber Gruß,
Alwina
Sinneswandel
12.01.2013, 17:13
Hallo Alwina,
ich wünsch Dir auch ein schönes positives Wochenende.
Es geschehen im Moment ganz viele Dinge um Dich herum, darunter auch sehr viele positive.
Die Unterstützung Deines Mannes, Deine Kinder, der Zusammenhalt der Familie und nicht zuletzt auch mit Deinem Vater, denn er teilt Dir ohne Worte ganz viel mit.
Er geniesst Deine Gesellschaft und die Gesellschaft Deiner Kinder, sagt Euch so wie sehr er Euch liebt. Er fühlt sich geborgen bei Dir. Zeigt Dir damit, wie sehr er Dir vertraut und wie sehr er daran glaubt, dass Ihr das alles schaffen werdet. Er traut Dir das zu, also? Er ist stolz auf Dich.
Er versucht, so viele schöne Erinnerungen wie möglich mitzunehmen, indem er Deine Kinder, vorallem DeineTochter, und Dich ansieht, Eure Anwesenheit spürt. Das ist gut, er lässt Euch ganz langsam los.
Ich hatte gestern ein Treffen mit ehemaligen Studienkollegen (monatliches Philosophie-Brainstorming :)). Irgendwie kamen wir auf Dich, Deine Geschichte und wie schwer das Loslassen fällt. Einer sagte mir:“Hm, erzähl ihr von Julie.“
Ja, ich denke, die Geschichte könnte Dir gefallen, sie wurde uns im Studium erzählt und wir fanden sie toll. Eine Geschichte vom Loslassen.
Die ist aber etwas länger, willst Du sie lesen?
Lieber Gruss
Hallo Sinneswandel,
immer her damit... alles was hilft, hilft beim Verarbeiten.... hilft loszulassen....
Lieber Gruß,
Alwina
Sinneswandel
14.01.2013, 19:23
Hallo Alwina,
ich habe Dir Julies Geschichte als PN geschickt.
Handelt vom Loslassen, aber auch davon, dass Prognosen nicht immer stimmen, von Hoffnung und ganz vielen anderen Sachen.
Jeder sieht in der Geschichte viele Dinge.
Liebe Grüsse
Neues Problem im Anmarsch...
Papa ist der Meinung seine Medikamente genommen zu haben obwohl das nicht stimmt... die Box ist voll und er sagt er habe die schon genommen... Sind wohl die Hirnmetastasen...
Das Problem ist, er hatte bereits vor 7 Wochen extrem starke Schmerzen die unerträglich waren, sodass man Ihn auf die Palliativstation schon verlegen wollte. Mir der guten Schmerztherapie die jetzt perfekt eingestellt worden ist, ist es gelungen die Schmerzen fern zu halten. Diese müssten nun sogar noch stärker sein, da die Tumore ja bereits riesig sind, Kopfbereich, Gesicht, Mund, Auge, Hirnmetastasen etc etc... das Zeug ist ja leider überall...
Ich habe grad am Telefon zugeredet und zugeredet, hoffe er nimmt die. Sagte immer "Schauen wir mal... und ich habe die genommen..." einmal um 10 und 22 Uhr muss die nehmen. Wieso muss das so schwer sein?!
Da sind wichtge Sachen drin, Schmerzmittel, Antidepressiver, was gegen Angstzustände, Antibiotika gegen seine Entzündung usw... :-(
Man ich hoffe er nimmt die....
Hallo Alwina,
Deine Erfahrungen mußte ich bei meiner Mutter auch machen, mit zunehmenden Metas und der notwendigen zunehmenden Medikation wird Dein Vater immer mehr wirres Zeugs reden und den Bezug zur Realität verlieren.
Trotzdem ist es sein Weg, er kann seine Medis nehmen oder weglassen, was ist daran so schlimm ? Ihr könnt nur versuchen, ihn immer wieder sanft in die Spur zu bringen.
Ab einem gewissen Punkt ist eine Palliativstation bzw. ein Hospiz garnicht so schlecht. Dort kann man Problemlos die Medis per Injektion oder Infusion geben, dazu Kohsalzlösung, denn meistens ist es mit dem Trinken auch nicht mehr so doll. Meine Mutter war immer wie ausgewechselt, wenn der Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung gebracht worden war.Und man kann dort Medis weglassen und bei Bedarf auch wieder hoch dosiert geben, so wie es halt gerade notwendig ist.
Meine Mutter lag zum Schluss im Hospiz und hatte dort rund um die Uhr jemand zum Reden...das könnt Ihr so in der Qualität vermutlich garnicht durchhalten, weil man als Angehöriger immer zu emotional reagiert.
Wie gesagt, Dein Vater geht jetzt seinen Weg, Ihr könnt ihn noch eine Weile begleiten, und die letzten Schritte geht er dann allein.
Liebe Grüße,
Michael
Er nimmt diese Medikamenten schon eine Weile, wirre Zeug hat er bisher nicht mehr geredet, nur eben einmal etwas verwirrt vor circa 1,5 Wochen, aber bisher kam nichts mehr nach... zum Glück. Er ist geistig top fit momentan, ich hoffe es bleibt noch lange so. Toi toi toi...
Aber... eben das mit den Medikamenten ist Gestern vorgefallen, da kommt er wohl etwas durcheinander. Er hat Sie Gestern zum Glück genommen.
Und ja, er muss die nehmen... es ist besser für Ihn. Er hat schlimme Angstzustände / Panikattacken, höllische Schmerzen / Druckgefühl / Durchbruchschmerzen, Entzündungen auf den Tumoren innen und außen, im Mund usw...
Palliativstadion wird der letzte Weg sein, wenns gar nicht mehr geht.... bisher geht es sehr gut und wir wollen Ihn bei uns haben. Ich bin ja da, meine Mama und zur Not wenns hart auf hart kommt mein Bruder. Außerdem haben wir ja den mobilen Palliativdienst der einmal die Woche kommt und auch so, 24 Stunden können wir anrufen und es kommt jemand.
Mein Vater mag keine KH - er hat schlechte Erinnerungen, Erfahrungen und ist einfach ein Mensch der lieber zu Hause ist, er hat es sich oben im DG gemütlich gemacht und es passt alles. Mein Vater ist sogar mit uns nicht mehr sooo gesprächig wie früher, der wird mit andren eh nicht reden... (außerdem ist es auch ein sprachliches Problem, Deutsch + man versteht Ihn schwer weil er Tumor im Mund hat) Deswegen braucht er niemanden zu Austausch, ich glaub das wäre das letzte was er will, weg von Zuhause. Solange es geht, gehts.
Ich habe Gestern mit der Mitarbeiterin vom Palliativdienst gesprochen, er kann sogar jederzeit ein Pflegebett haben. Das wollen wir momentan nicht, da er ja so weit wie Möglich von dem Gedanken "ich bin sterbenskrank" entfernt werden soll / will....
Ach ja, Heute erzählte mir meine Mama... Sie wacht um 02 Uhr Nachts auf und er sitzt auf dem Bett und beobachtet Sie beim schlafen :-( .... dann sagt wie was er da macht, und er soll doch bitte wieder schlafen... er sagte dann... ach ich wollte den Hund streicheln, (der am anderen Raumende lag)
Mir ist auch aufgefallen dass er zZ mich oft beobachtet wenn ich mich gerade nicht beobachtet fühle, die Enkel usw... traurig... aber ich mache das auch wenn er schläft oder sein Auge zu hat.
Sinneswandel
18.01.2013, 19:02
Hallo Alwina,
ich sehe die Problematik nicht.
So wie Micha schreibt....Medikamente gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, Palliativdienst kann auch öfter kommen falls notwendig, Flüssigkeitszufuhr ist besonders wichtig (hab ich aber glaub schon mal geschrieben). Stimmt der Flüssigkeitshaushalt nicht, haben Medikamente eine andere Wirkung und auch die „Verwirrung“ kann ein Symptom für ein Flüssigkeitsdefizit sein.
Dass Dein Vater die Medikamente vergisst...kann sein, dann eben danebensetzen und kontrollieren. Wenn er sie vergessen hat und keine Schmerzen oder andere Symptome hatte, kann es nicht so schlimm sein, wenn er sie mal vergisst.
Wenn er sich „weigert“,sie zu schlucken, weil sie vielleicht schlecht einzunehmen sind wegen dem Tumor im Mund, gibt es die meisten auch als Tropfen, in ein Glas Saft oder Wasser und mit Strohhalm einnehmen. Morphine gibt es flüssig. Alles andere im Normalfall auch.
Vielleicht wird ihm von den Medikamenten auch schlecht und er fühlt sich unwohl. Dann mit dem Arzt abklären und nach Alternativen suchen.
Wenn gar nichts hilft, diese Medikamente wirklich wichtig sind und Ihr ihn zuhause versorgen wollt, kann der Palliativdienst auch täglich kommen und Injektionen geben oder per Infusion verabreichen. (was allerdings etwas komplizierter da zeitintensiver ist)
Grüsse
Hallo,....
trotz dass sein Gesicht (seine Tumore) wirklich stündlich wachsen und schlimm aussehen, hatten wir 2 Tage die super waren. Das war der Sonntag und der Montag. Er war lustig, hat viel geredet... zwar schwach (er geht seit Wochen nicht mehr Treppe runter, ist nur noch im Bett) aber dennoch, wir hatten gute Gespräche, er hat geredet etc... sogar etwas mehr als sonst gegessen, trotz dem Tumor im Mund der mittlerweile wie ich ahnte anfängt rauszuhängen.
Heute... sch.... Tag... er ist schwach, Hände zittern aufeinmal wieder, seine Auge schließen sich andauernd, er ich nur am schlafen, sitzen, sogar auf der Toilette... er saß eine halbe Stunde drauf, ist immer eingeschlafen und hat dabei gezittert... so seinen Papa zu sehen ist echt fies... ich hasse diese Krankheit. Ich hoffe dass er so wie er zBsp Heute ist, nicht leiden muss. Ich habe Ihm ein Mini Häagen Dazs Eis gebracht und er hat es gegessen, ich habe mich so gefreut wie ein keines Kind, da er Heute bisher noch nichts gegessen hat, weder zum Frühstück noch zu Mittag. Er schläft immer noch sagt Mama, es is jetzt 17 Uhr.
Er reagiert Heute kaum das ist das erste Mal...
Die letzten Tagen waren so dass er von 10 Uhr fast durchegehn wach bis zum Abend war. Das war schön...
Ich hoffe er ist nur ein sch... Tag ... und das wieder bessere kommen....
Sinneswandel
23.01.2013, 18:28
Hallo Alwina,
ja, es ist fies den Vater so zu sehen und nichts machen zu können. Hoffen wir, dass er noch einige „gute“ Tage hat.
Es ist eben so seltsam, dass das so tagesabhängig ist, aber war bei uns auch so. Irgendwie kann man sich auf nichts einstellen.
Trinkt Dein Vater genug? Zumindest mit Trinken und Essen hatten wir keine Probleme, mein Vater hat während der Krebserkrankung bis zum Schluss kein Gramm abgenommen.
Grüsse
Hallo....
Gestern bekam er eine Infusion (Flüssigkeit) und Abends war er so fit, gut drauf, machte Scherze... hat viel gegessen und war lange wach... das erzählte mir meine Mama Heute Morgen um circa 08 Uhr, da schlief er noch...
Jetzt hab ich gerade erfahren dass es Ihm sehr schlecht geht. Er ist verwirrt, geistig... zittert wie verrückt, kann nichts halten, im ist Kalt, von wenigen Tropfen Tee hat er brechreiz, er ist schwach und das Atmen fällt Ihm schwer.... :-(
Rosalie27
25.01.2013, 12:55
Liebe Alwina,
ich verfolge deine Geschichte nun schon eine ganze Weile...
Viel Sinnvolles kann ich dir nicht sagen, außer das ich an dich denke
bzw an Euch, und das ich hoffe das ihr einen guten Weg findet.
Du hast mir viele Denkanstöße gegeben...
Alles Liebe Rosalie
Hallo...
die letzten Tage werden immer schlimmer, härter und schmerzhafter...
Oft schläft er, ohne dass man Ihn wecken kann... dann die Vewirrtheitszustände die zunehmen, das ist sowieso "krass" das mitzuerleben. Dann wieder voll fit, geistig, erinnert sich an Kindheit... erzählt, fitter Zustand, circa eine Stunde oder so, dann wieder so eine Art Koma Zustand... ernährte sich die letzten 1-2 Wochen von Sahnetorten, Eis... etwas Brei... Husten schlimmer... Metastasen mehr (haben Heute noch welche entdeckt beim waschen)
Ach, Heute ist der aller schlimmste Tag muss ich berichten... er ist Heute gar nicht aufgewacht... normal circa 10 Uhr Morgens mit längerer Anlaufzeit... mit etwas Verwirrtheit... Heute konnte man Ihn nicht wecken, nicht ansprechbar, schwere Atmung, Tabletten nicht genommen, Spritze nicht bekommen.... Fieber, Schwitzt seit Wochen, kalter Schweis.... Zuckungen, konnte nichts reden, Auge nicht öffne, Hand drücken aber... wir haben gemerkt da stimmt was nicht und ich sagte "ich glaube es wird bald passieren..." Der Palliativdienst kam...
Er bekommt jetzt Infusionen schon seit Wochen, täglich... nun bekommt er per Spritze Schmerzmittel, Infusion... mit Morphin, dann auch Schlafmittel usw... ab Morgen wollen die das mit der ? Sedierung anfangen, hoffe ich habe das Wort so richtig gelesen. Ich habe darüber schon öfters gelesen, dass ist eine Art von künstliches Koma oder?
Er soll nicht leiden, soll nichts vom dem Jammer dem Leid mitbekommen, so die Worte von dem Palliativdienst. Ich fragte Sie nämlich ob es jetzt denn soweit ist? Denn mein Gefühl sagte mir "Heute".... Er war den gesamten Tag sozusagen bewusstlos. Atmete schwer, schwitze, zuckte... dann entdeckten wir beim waschen Metastasen an den Armen... das war auch irgendwie fürchterlich, der Krebs... überall...
Gerade eben bin ich zurück zu Hause, habe meine Große schlafen gelegt, essen gemacht, Hunde gefüttert, rausgelassen nun warte ich auf meinen Mann und fahre dann Abends wieder hin und übernachte damit Mama nicht alleine ist. Sie hat Angst alleine, da es bei Papa zu einer Verblutung kommen kann. Ich muss da sein. Ich bin ja sowieso jeden Tag da, helfe bei der Pflege usw. Jetzt muss ich noch mehr helfen, damit Mama bei Ihm ist, muss Mama helfen, damit Sie etwas isst und trinkt. Richtiger Spagat. Doch leider habe ich das Gefühl (Wie auch Palliativdienst) dass es in den kommenden Tagen passiert. Vielleicht Heute, Morgen, Spätestes Übermorgen... da er jung ist, (55) funktioniert sein Körper einfach... seine Organe usw.
Für mich gibt es nichts wichtigeres momentan, ich sagte Ihm seit guten 2 Wochen tausend Mal wie ich Ihn liebe, bei bewusstsein, beim Schlaf, er sagt es auch, und sagt "komm bitte wieder, mit den Kindern..." ich küsse Ihn, streichle seine Hand, halte Sie. Heute als er "weg" war, wo ich dachte es passiert jeden Augenblick sagte ich wie sehr ich Ihn liebe, wie sehr wir Ihn alle lieben, das alles gut wird, dass er schlafen soll, sich ausruhen soll, dass er nicht alleine ist, dass immer jemand da ist, Mama oder ich, dass wir Ihn auch beim schlafen nicht alleine lassen (was Fakt ist seit Heute) dass er ein ganz toller Papa ist. Und er drückte meine Hand, seine Mimik veränderte sich, seine Atmung wurde anders. Man spürt es. Vorhin als ich ging, hat er mich angesehen ich habe Ihn geküsst und er hat mir wie immer seine Wange hingehalten.(Er kann mich nicht mehr Küssen durch den Tumor im Mund, kann sich nicht mehr richtig bewegen)
Ich liebe Ihn so sehr. Ich werde Ihn so vermissen, schwelge jetzt schon immer in Erinnerung und lache... jetzt schon.Ich bin so unendlich stolz auf Ihn wie er kämpft wie er mit der Krankheit zu Recht kommt (gekommen ist) wie er das alles macht und meistert. Ich bewundere Ihn seit der Krebserkrankung so sehr. Habe solch einen Respekt. Er war so toll! Ich bewundere meine Mama für Ihre Stärke, für Ihre Hingabe, wie Sie Ihn pflegt und sehe nun was wirklich Liebe ist. Ich mache das auch so gerne. Richtig "gerne" Ihn pflegen. Das tut meiner Seele gut und am Ende des Tages habe ich diese "Ruhe" wie Heute den gesamten Tag, trotz des Wissens dass es vielleicht sein letzter ist.
Wahnsinn wie schnell sich so ein Zustand ändern kann.
Er lag immer auf einem Doppelbett, auf der linken Seite... immer... seit 2 Monaten... in den letzten Wochen war er nur noch im Bett, er stand max 3-4 Mal Am Tag auf um mit sehr viel Hilfe auf die Toilette zu gehen, oder in die Badewanne. Immer linke Seite. Gestern aufeinmal hat er sich (wissen nicht wie) alleine auf die andere Bettseite gelegt. Er kann gar nicht mehr alleine aufstehen hat keine Kraft mehr sich abzustützen, wie er das gemacht hat ist uns ein Rätsel. Er lag die geasmte Nacht auf der anderen Bettseite, redete wirres Zeug... meine Mama rief mich Gestern Nacht an und sagte "er ist jetzt gerade irgendwie anders... so komisch... ,ich habe ein komisches Gefühl" und Heute war es wirklich alles sehr komisch, anders, seltsam, irgendwas eben anders. Ich merke er fängt wirklich an "wegzugehen...."
Ich bin eingentlich NOCH ruhig, was unerwartet ist.
Ich bin ruhig, konzentriere mich, versuche einfach Ruhe zu bewahren für Beide, Papa und Mama. Es gelingt, sogar leicht, was sein wird wenn er für immer einschäft (vorallem wie!) weiss ich nicht.
Aber wir wollen für Ihn da sein, wir wollen Ihn waschen und anziehen. Das letzte Mal. Ich hoffe dass der Wunsch in Erfüllung geht.
Wichtig ist nur dass er keine Scherzen hat , kein Leid, keine Angst.
Dass er spürt dass wir da sind, dass er weiss dass wir Ihn lieben.
Das habe ich hie gelernt von Euch allen...
SChauen wir mal wie lange mein Papa noch kämpft, nach einem gesamten Tag in einem "Komazustand" habe ich vorhin erfahren dass er ein kleines Eisgegessen hat und nun auf die Seite gerollt etwas Fernseh schaut. Gott tut das gut sowas zu hören. Naja, ab 23 Uhr bin ich wieder bei Ihm.
... Danke dass Ihr an uns denkt... und danke für die Hilfe bei allem, für alle Tipps, Denkanstöße, Psychologische Hilfe (danke Sinneswandel!) ich habe seit dem Tag wo es hieß man kann nichts mehr tun... alles durch dieses Forum erfahren. Ich wusste nichts über Palliativmedizin, Palliativstationen, Dienst(das sind wirkliche Engel für uns), nichts über Medikamente gewusst... über Krankheitssymtome... wie man mit so einem kranken Menschen umgehen soll/kann/darf...
Nun hoffe ich dass alles "gut" wird...
Eure Alwina
Sinneswandel
29.01.2013, 23:51
Hallo Alwina,
ich komme gerade von der Arbeit, schau noch kurz hier rein und sah Deinen „Lagebericht“.
Erstmal: Nichts zu danken, gern geschehen.
Es ging dann doch sehr schnell. Du hast Recht, meistens sind wir im entscheidenden Moment erstaunlicherweise sehr ruhig. Nach meiner Erfahrung bleibt das so, Du befindest Dich jetzt in einem Zustand, der sich schwer beschreiben lässt. Diese Ruhe verschwindet meist erst nach der Beerdigung (1 Woche +/-). So wie Dein Vater sich auf einer Form des „Transit“ befindet, ist das bei seinem Umfeld ähnlich.
Der Palliativdienst will sedieren. Das heisst, er wird in ein künstliches Koma versetzt, das komplett oder partial sein kann. Es kann auch sein, dass die Sedierung Zeit benötigt, bis die Wirkung einsetzt. Das ist meist der Fall, wenn der Patient im Vorfeld hohe Dosen an Morphium erhalten hat.
Wenn Ihr das Gefühl habt, dass Dein Vater alles mit Euch ins Reine gebracht hat, ist das die „humanste“ Art sich zu verabschieden. Für ihn und für Euch. Im Falle Deines Vaters und Deinen Schilderungen zufolge, glaube ich auch, dass eine Sedierung gut ist. Denn wie Du schreibst, denke ich, dass er mit Euch und sich im Reinen ist. Es ist alles gesagt.
Bei der Sedierung ist es so, als ob er schlafen würde. Wenn er jetzt eine „schwere“ Atmung hat, wird das so bleiben, allerdings möchte ich Dir sagen, dass sich das nur so anhört und es nur so aussieht, als ob er keine Luft bekommt. Es ist eine Reaktion des Körpers, der versucht, einen Mangel an Sauerstoff auszugleichen, der durch die Abbauprodukte der Tumore und durch die Beschaffenheit des Blutes (wäre jetzt etwas länger zu erklären) entsteht.
Kurz: Hab keine Angst, Dein Vater leidet nicht.
Wenn er sediert ist heisst das nicht, dass er nichts mehr mitbekommt, was um ihn geschieht. Will heissen, halt seine Hand, streichle ihn und wenn Du merkst, dass seine Atmung ruhiger wird, wenn Du ihm ein kühles Tuch auf die Stirn legst oder eine kühle Hand...dann tu das.
Du wirst herausfinden, was ihm gut tut, an der Atmung vorallem.
Er wird ruhiger gehen, wenn er Eure Anwesenheit spürt.
Wie unser Arzt gesagt hat:“ Ihr seid den Marathon gelaufen, den Rest schafft Ihr.“
Ich wünsche Deinem Vater einen leichten und liebevollen Übergang und Euch ganz viel Kraft und Ruhe für die letzte Strecke auf der Ihr ihn begleiten könnt. Ihr bringt ihn zur Tür, hindurchgehen wird er selbst.
Morgen werde ich Dir ein paar Dinge schreiben, wie Du Deiner Tochter am besten alles erklärst. Das heisst, eigentlich gibt es nur ein paar Sachen, die Du vermeiden solltest.
Alles Liebe
Sinneswandel
30.01.2013, 02:07
Hallo Alwina,
ich schreibe Dir das schon heute Nacht, da ich nicht weiss, ob die Zeit drängt, lies aber bitte auch die vorherige Nachricht von mir.
Während der Sedierung kannst Du vielleicht auch darauf achten, dass seine Lippen befeuchtet sind, das heisst, mit etwas Mandelöl oder in regelmässigen Abständen mit einem Eiswürfel befeuchten.
Erzähl ihm Geschichten, gerne auch von Deiner Vorstellung von dem Ort, an den er jetzt geht. Erzähl ihm von wunderbar schönen Dingen, die ihn jetzt erwarten. Sehr oft kann man feststellen, dass die Atmung ruhiger wird dadurch und dass sich der Körper entspannt, das siehst Du am Hals und an der Spannung in den Händen. Oder erzähl ihm von Julies Traum.
Sag ihm, ganz ruhig und entspannt, dass er keine Angst haben muss vor gar nichts.
Es kann dann Stunden, aber auch durchaus ein paar Tage (eher selten) dauern.
Wenn es „geschafft“ ist....nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Bleib da sitzen solange Du es für richtig erachtest. Rede mit ihm, verabschiede Dich. Niemand weiss genau, wann der Sterbeprozess beendet ist. Mach ein kleines Ritual...öffne zum Beispiel ein Fenster, damit er gehen kann und zünde eine Kerze an, damit er den Weg findet.
All das hilft Dir, Dich zu verabschieden. Irgendwann wirst Du mir Recht geben, diese Dinge, diese Rituale helfen uns, der Trauerprozess wird dadurch eingeleitet und einfacher.
Den Arzt verständigen etc.etc. hat jetzt keine Eile. Hab keine Angst wenn Du ein „Röcheln“ hörst, das ist nur die Luft, die aus der Lunge entweicht. Andere sagen, es ist der „Odem“ der sich auf die Reise macht.
Und jetzt zu Deiner Tochter:
Als 4-jährige gibt es da normalerweise keine Probleme. Allerdings sollte man ein paar Sachen beachten.
Ich nummeriere das jetzt, das ist einfacher:
1. Nicht sagen „er hat uns verlassen“ oder „er ist weggegangen“. Das könnte Angst machen, dass sie von noch mehr Leuten verlassen wird. Ausserdem könnte sie dann denken, er ist gegangen, weil sie etwas angestellt hat oder nicht brav war.
2. Nicht sagen, „er schläft“ oder „er ist eingeschlafen“. Das könnte bewirken, dass sie denkt er kommt wieder und dass sie auf ihn wartet oder aber, dass sie Angst vor dem Einschlafen und dem Zubettgehen bekommt.
3. Nicht sagen, „er ist im Himmel“. Das könnte dazu führen, dass sie ihm nachreisen will.
4. Nicht sagen“Gott hat ihn zu sich geholt“. Je nachdem, was sie irgendwann mal glauben will, es könnte sein, dass sie damit negativ beeinflusst wird. Das würde aber jetzt zu lange dauern, das zu erklären. Ausserdem hast Du ein Problem, wenn Du ihr sagst „Opa ist im Himmel“ und sie geht mit zur Beerdigung und es sagt jemand „Opa ist da im Grab“. Kinder sind nicht dumm.
5. Nicht sagen „Opa war krank und ist gestorben“. Das könnte dazu führen, dass sie bei jedem der eine Grippe hat, Angstzustände bekommt. Wenn, dann musst Du betonen „Opa war SEHR,SEHR,SEHR krank und ist gestorben“.
6. Nicht sagen „Opa war alt und ist gestorben“, das könnte verursachen, dass sie Angst bekommt, die Oma oder Euch zu verlieren. Für eine 4-jährige sind alle Erwachsenen alt.
Ausserdem:
1. Sagen „Du bist nicht schuld, niemand ist schuld“
2. Sagen „Opa hat Dich sehr lieb und er ist ganz ganz stolz auf Dich“
3. Sagen „Ich bin auch sehr traurig, dass er nicht mehr da ist“
4. Sagen „Opa war sehr, sehr, sehr krank und hatte ganz, ganz, ganz starke Schmerzen und deshalb hat sein Körper beschlossen jetzt zu sterben damit der Opa keine Schmerzen mehr hat“.
5. Sagen, dass alle alles versucht haben, dass der Opa wieder gesund wird, dass es aber vorkommt, dass das alles nicht genug ist wenn jemand sehr, sehr, sehr krank ist.
Vorallem:
1. Zeig ihr Deine Trauer, weine vor ihr, zeig, dass es ganz schlimm ist auch für Dich und dass Du ihn genauso vermisst.
2. Erklär ihr, was es bedeutet, wenn jemand stirbt. Wenn Dir nichts einfällt, sag ihr ehrlich, dass Du es nicht erklären kannst, weil keiner wirklich weiss, was Sterben und Tod ist.
3. Gib ihr zu verstehen, dass sie ihre Fragen ruhig stellen soll und frag sie, was sie denkt.
4. Gib ihr ganz klar zu verstehen, dass Opa nicht mehr wiederkommt und dass sie ihn nicht mehr sehen wird.
5. Verbiete ihr nicht, zur Beerdigung zu gehen aber bestehe auch nicht darauf. Lass sie entscheiden und sag ihr (sofern sie mitgeht) dass sie fragen soll, wenn sie etwas nicht versteht und erklär ihr was alles vor sich geht. Wenn sie nicht mitgeht, solltet Ihr ein kleines Abschiedsritual machen für den Opa. Zum Beispiel, dass sie ihm noch ein Bild malt, das ihr mit in den Sarg legt oder dass sie ihm eins Ihrer Stofftiere mitgibt, das auf Opa aufpassen soll (kann man auch machen wenn sie mit zur Beerdigung geht), dass Ihr eine Kerze anzündet und einen Blumenstrauss in den Fluss oder Bach werft oder ein Papierschiffchen mit einer Kerze drin treiben lässt etc.etc.
Du hast den „Vorteil“ dass Deine Tochter bei Deinem Vater die Tumore und seine Veränderung gesehen hat. Deshalb wird sie eher verstehen, dass Opa eben sehr, sehr krank war und deshalb gestorben ist.
Hilfreich können auch Bücher speziell für Kinder sein, in denen das Thema Tod erklärt wird.
Hier bin ich nicht mehr ganz auf dem Laufenden aber vielleicht wäre „Und was kommt nach Tausend?“ ganz gut. Einfach mal in einer Buchhandlung schauen und altersbezogen aussuchen.
Die Bücher sind meist in der Form eines Märchens oder einer tollen Geschichte, so können sich Kinder ihre eigenen Gedanken machen und ihre Phantasie spielen lassen, was sich positiv auf den Trauerprozess auswirkt.
Alles Liebe
Papa hat Heute Nacht gegen 02:30 uns verlassen... er ist eingeschlafen...
babs_Tirol
31.01.2013, 14:56
Liebe Alwina;
Wenn die Sonne des Lebens untergeht,
leuchten die Sterne der Erinnerung.
Keiner wird gefragt, wann es ihm recht ist, Abschied zu nehmen.
Ich spreche Dir hiermit meine herzliche Anteilnahme aus.
-babs_Tirol-
Nastja13
31.01.2013, 15:05
Liebe Alwina,
mein Beileid für Dich und deine Familie.
Nadja.
Sinneswandel
31.01.2013, 16:05
Liebe Alwina,
ich denke an Dich und Deine Familie.
So gebe ich Dir als kleinen Trost dies hier mit auf den Weg:
Wenn Ihr mich sucht, dann sucht in Euren Herzen,
wenn Ihr mich dort findet, dann lebe ich in Euch weiter.
Alles, alles Liebe
Jenny B.
31.01.2013, 18:09
Hallo
Wenn immer "einer von uns" von dieser furchtbaren Krankheit betroffen wird,
damit kämpfen muss, zu überleben, alles versucht, sind wir betroffen und leiden mit.
Schlimmer aber, wenn jemand an dieser Krankheit sterben muss.
Es tut weh, schmerzt in der Seele und in die Augen wegen der Tränen.
Von ganzem Herzen - mein aufrichtigstes Beileid.
In stiller anteilnahme Jenny
Thomas1962
31.01.2013, 19:11
Liebe Alwina,
herzliches Beileid!
Jetzt hat dein Papa seinen Frieden.
Viel Kraft für die schwere Zeit, die euch jetzt bevorsteht.
Thomas
driver 68
31.01.2013, 19:18
Liebe Alwina auch von mir mein herzlichstes Beileid ich kann Dich verstehen meine Frau ist am 31.08.2012 ins Licht gegangen.
Fischer Christiane
31.01.2013, 19:37
Hallo Alwina,
ich wünsche dir ganz viel Kraft für die schwere Zeit. Ich selbst habe mein Papi auch am 05.01.2013 verloren.
Mein Beileid.
Grüße
Christiane
Liebe Alwina,
Mein herzliches Beileid für Dich, Deine Mutter und Eure ganze Familie.
Markus
Vielen Dank an Euch alle...
Die letzten 2 Tage waren eigenartig, stressig und taten weh.
Sein Zustand wurde Dienstag schon schlimmer, also beschloss man ja am Mittwoch eine Schmerzpumpe anzuschließen. Er wachte an dem Tag gar nicht mehr richtig auf, öffnene nur kurz die Augen. Seine Arme sind immer nach hochgeschreckt während er in seinem Bett lag, manchmal hat er es nicht geschafft, die Kraft fehlte. Die Hände wanderten immer zu den Tumoren im Gesicht, also saßen wir fast ganze 2 Tage an seinem Bett und hielten Hand, abwechselnd, Mama und ich... mein Bruder kam viel öfter zu Besuch denn ich sagte Ihm dass ich glaube dass es bald passiert. Er öffnete nur noch selten sein Auge und er war wie weggetreten. Es tat so weh Ihn so zu sehen. Die Schmerzpumpe wurde am Mittwoch Mittag angeschlossen, die Menge der Medikamente richtete sich leider an den Dienstag, der Bedarf am Mittwoch war wohl viel höher. Wir drückten und drückten, der Pallitivdiest besorgte noch 10 Ampullen Morphin für die Nacht weil die Angst da war dass die Schmerzpumpe leer sein wird zum Morgen hin, und wir mussten a 24 Stunden durchhalten. Dann kam auch noch sein Onkologe auf Wunsch vorbei. Er stand lange da und hat Papa angesehen, der war in diesem "Schlafzustand" ....
Er sagte "jederzeit" wahrscheinlich Nachts... alle hatten Angst vo Verblutung weil die Tumore im Gesicht und Kopfbereich alle fast durchgebrochen waren / sind. Er wäre wohl sofort verblutet, wäre gleich tot gewesen aber füs uns wäre das ein schlimmer Anblick.
An diesem Tag fuhr ich Abends nach Hause, ich wusste dass er wohl die Nacht nicht überlebt, aber trotzdem fuhr ich. (die vorige Nacht hab ich übernachtet) .... mein Mann hatte Nachtschicht... ich legte mir das Handy neben mich hin, und wusste dass der Anruf kommen wird...
Mittwoch auf Donnerstag Nacht, 02:59 klingelt das Telefon und Mama sagt, "Papa ist gestorben... was soll ich jetzt machen?"
Ich bin auf,- meine Große geweckt, gesagt was passiert ist, angezogen, Baby angezogen, Taxi gerufen und rüber. Die Große wollte unbedingt tschüss sagen... Sie ist gleich hoch und sagte "Tschüss Opa" und winkte Ihm zu. Ich habe Sie dann hingelegt zum Schlafen und die Kinder haben dann weiter geschlafen. Dann haben Mama, Ihre Freundin und ich erstmal geweint, getrauert usw. Ich habe mich zu Ihm hingekniet und mich verabschiedet. Das habe ich Heute nun mehrmals gemacht, wir haben Ihn um 18 Uhr erst abholen lassen. Vorher waren wir alle immer wieder oben... Bruder, meine Große nochmals... Mama (total am Ende) ich....mein Mann war auch einmal bei Ihm.
In der Früh kamen 2 vom Palliativdienst um nochmals sich zu verabschieden in aller Würde, haben gebtet, Ihn gesegnet, selbst sein Onkologe wollte selber kommen um den Tod festzustellen. Sie sagten dass ganze Team sei froh dass es solch ein Tod war. Keine Verblutung. Er ist wohl an einer Sepsis gestorben durch den MRSA Virus der sich druchgefressen hat, denn er hatte 2Tage Fieber.
Er ist auch wohl ruhig eingeschlafen. Das komische.... meine Mama ist kurz von seinem Bett weg, hat sich auf die Nebencouch gesetzt und ist aus Versehen eingenickt (ist Ihr noch nie passiert...) dann aufgestanden nach einer halben Stunde zum Spritze geben... und er war schon still, Körper war noch warm... er hat den Zeitpunkt genützt an dem Mama NICHT seine Hand hält. Die vom Palliativdienst sagen, dass es das öfters gibt, dass manche nicht loslassen können... erst dann wenn der Geliebte Mensch kurz "weg" ist... er war auch wohl in dieser "Terminalen Unruhe"... wir wollten dass er keine Schmerzen mehr hat, er hatte wohl auch welche... mit den Zusatz Spitzen gings dann wohl auch. Ist wohl ruhig eingeschlafen, denn sonst hätte man was deutlich gehört sagen alle.
Morgens hab ich gleich die Bestattungsfirma angerufen, alles mit Mama schnell durchgeplant. Um 18 Uhr kamen die und haben Papa im Beisein von meinem Bruder gewaschen und angezogen. Dann unten im Wohnzimmer in den Sarg eingebettet.
Samstag haben wir Trauerfeier....
Was soll ich sagen... ich will jetzt gar nicht über Mama reden, .... mir sagt jeder Arzt, Palliativdienstmitarbeiter und sonst alle, ich soll auf Sie aufpassen, dieses Band was meine Eltern wohl verbunden hat war so fest. Komisch ist, dass Heute ein Mitarbeiter der Klinik anrief und sagte zu Ihr "Frau.... wir mussten Gestern an Sie denken, und ich dachte ich rufe Heute mal an und frage wie es Ihnen und vorallem Ihrem Mann geht.... " Und das am Todestag... Er sagte er habe es selten erlebt dieses Band, unzertrennlich waren sie.
Was mich angeht hatte ich meine Weinmomente Heute... aber ich war viel ruhig, gelassen, erleichtert, dann wieder ganz traurig... leer.... die Seele im Haus fehlt, ein Stück vom Herzen fehlt, als ob jemand es rausgerissen hat, ganz komisch.
Heute übernachtet nochmals die Freundin und mein Bruder bei Mama, ich Morgen, und das WE..... mein Mann hat Nachtschicht, ich bin gerade alleine in unserem Haus (Kinder schlafen)... auch dieses Haus fühlt sich komisch leer und ohne Seele an, also liegts nicht an den Häusern sondern wohl an meinem Zustand...
Ich liebe Ihn so sehr. Ich vermisse Ihn so sehr. Ich kanns mir nicht vorstellen dass er nie wieder kommt. Dass er nie wieder vor mir sitzt, lacht, Spass macht,.... ich fühle mich so schrecklich. Und ich denke mir "wo bist Du, wie geht es Dir? " Mache mir Sorgen dass es Ihm nicht gut geht, dass er ohne uns ist... ganz seltsam alles, so frisch. Man bereitet sich vor, ist aber trotzdem nicht bereit für dieses Erlebnis. Was tun gegen den Schmerz...
Heute reden wir in der Küche ... diskutieren, Mama und ich... wie lange haben wir in der einen Wohnung gewohnt... es geht hin und her hin und her, dann sagt ich "Frag doch Papa...." und wir müssen weinen... das war so selbstverständlich dahergesagt... eben, das geht nicht mehr.
Wieso wieso wieso..???? Einfach nicht mehr da... vor 2 Tagen noch da, jetzt weg... einfach weg....
Wollte noch was dazuschreiben... mir kommt es momentan noch vor wie ein Film... so unreal alles.... :(
Sinneswandel
31.01.2013, 23:30
Hallo Alwina,
jetzt fängt eine Zeit an, die schmerzhaft, leer, nicht real und seltsam ist. Alles geht kreuz und quer.
So richtig intensiv wird es ab der Beerdigung. Aber Du schaffst das, da bin ich überzeugt.
Kleine Tips:
Führ ein Trauertagebuch, das hilft und nach einem Jahr oder zwei, lies es. Dann siehst Du, dass sich alles korrekt entwickelt. Wenn Dir danach ist, etwas kaputtzuschlagen...tue es. Wenn Du allein sein willst...mach es. Und wenn Du Zorn verspürst weil alle sagen, dass Du jetzt auf Deine Mutter achten musst , für sie da sein musst, Dich um sie kümmern musst und alles in Dir schreit:“ Und was ist mit mir? Ich bin auch traurig!“ dann nimm Dir eine Auszeit.
Es ist richtig...sie hat ihren Mann verloren, aber...Du auch Deinen Vater. Und so hart sich das jetzt anhört: Ehemänner kann man viele haben, aber wir haben nur einen Vater. Dein Umfeld MUSS akzeptieren, dass Du ebenfalls trauerst und ein RECHT darauf hast.
Und: Ihr werdet nicht immer in der gleichen Trauerphase sein, denn das verläuft nicht linear und auch nicht bei jedem Menschen gleich, das heisst...es kann sein, dass Ihr nicht immer konform läuft, aber auch das ist ganz normal.
Es kommt tatsächlich oft vor, dass der Angehörige genau in dem Moment geht, wenn er alleine ist. Es ist SEINE letzte Reise und wenn er beschliesst, dass er keine Abschiedsszenen am Bahnhof haben will....müssen wir das akzeptieren. Deine Mutter soll sich keine Vorwürfe machen. Es war sein Entschluss sie auf diese Art loszulassen.
Ganz toll habt Ihr das gemacht, dass sich Deine Tochter verabschiedet hat. Das war sehr, sehr gut. Sie weiss jetzt...das war nur noch der Körper, das war nicht mehr Opa, Opa ist nicht mehr da.
Dass Ihr ganz automatisch sagt:“Frag doch Papa“ ist auch ganz normal. Wir brauchen in der Regel 3 Tage bis unser Gehirn das Ganze akzeptiert, das heisst, auch unser Unterbewusstsein.
Ihr habt das grossartig gemacht. Und mach Dir keine Gedanken (obwohl ich weiss, dass die ganz normal sind und wir uns immer Gedanken machen): Deinem Vater geht es jetzt sehr gut, ich glaube nicht, dass er Schmerzen hatte, da eine Sepsis (so seltsam es klingt) Schmerzen eher ausblendet.
Er hat sich sehr friedlich und ruhig auf die Reise gemacht.
Weiter möchte ich jetzt gar nichts kommentieren, denn jetzt ist nicht die Zeit für Kommentare, jetzt ist die Zeit, Dir einfach zuzuhören.
Alles Liebe
Fischer Christiane
01.02.2013, 15:21
Hallo Sinneswandel,
mensch toll, ich muss deine Berichte immer wieder lesen. Es stimmt einfach. Ich habe mein Papi auch am 05. Jan. 2013 verloren. Es war wirklich wie im Film.
Super danke für dich Berichte, ich habe sie ausgedruckt.
Grüße
Christiane
Sinneswandel
01.02.2013, 16:56
Hallo Christiane,
Du druckst meine Berichte aus? Ich hoffe, sie werden nicht gegen mich verwendet, sonst müsste ich dem Motto folgen: „Ohne meinen Anwalt sag ich nix!“ :rolleyes:
Nein, im Ernst: Ich freue mich, wenn es hilft, auch wenn es schriftlich niemals so gut sein kann wie persönlich.
Grüsse
Sinneswandel
Fischer Christiane
01.02.2013, 17:21
Hallo Sinneswandel,
natürlich nicht gegen mich, aber mir hilft es in den schweren Stunden sehr.
Danke nochmals!!!
Grüße
Christiane
Sinneswandel
01.02.2013, 17:27
Hallo Christiane,
wie war das bei Deinem Vater? An was ist er gestorben?
Und nichts zu danken, gern geschehen.
Grüsse
Liebe Alwina,
auch ich möchte dir und deiner Familie mein Beileid für den Verlust deines geliebten Vaters ausdrücken.
Auch wenn euch keiner den Schmerz nehmen kann, so ist es ja immer so, dass wir von diesen großen Herausforderungen und Schicksalen dennoch viel lernen/mitnehmen können. Bei euch ist es wirklich, dass ihr als Familie euch verlässlich geliebt und alle gegeben habt nach all euren Möglichkeiten. Vielleicht nicht jetzt, aber irgendwann später werdet ihr feststellen, dass trotz der Trauer alles "gut" war.
Ihr seid toll!
Zottie
Sinneswandel
05.02.2013, 03:25
Hallo Alwina,
ich muss Dir einfach erzählen, was am Wochenende passiert ist, vielleicht kannst Du da etwas positives rausziehen, auch wenn ich weiss, dass Du traurig bist. :(
Mein Freund und ich hatten ein schönes, entspanntes Wochenende geplant, Samstag leichte Wandertour, abends Übernachtung im Wellnesshotel, Sonntag ganz entspannt lange schlafen, nochmal im Spa verwöhnen lassen und langsame Rückreise.
Aber: Manchmal kommt es ganz anders als man denkt....und nicht immer ist alles, was auf den ersten Blick düster aussieht, wirklich nur schwarz.
Aufbruch Samstag am Morgen, eine kleine Tour von 6 Stunden abseits der Pfade. Wir wussten, dass es leicht windig werden würde....aber was dann kam, damit hatte niemand gerechnet.
Wir waren ungefähr 3,5 Stunden unterwegs, als der Wind heftiger und eisig wurde, dann fing es auch noch an zu regnen. :mad: In einiger Entfernung sahen wir eine Steinhütte, schien bewohnt zu sein, wir wollten da nicht stören, beschlossen aber, uns da wenigstens irgendwo unterzustellen, bis der Wind etwas nachliess.
Gesagt, getan, Unterstand mit Ziegen und Hühnern geteilt (nach vorheriger Anfrage beim Eigentümer und beim Wachhund). Es dauerte nicht lange, da kam der Mann wieder aus dem Haus und liess uns wissen, dass seine Frau gesagt hat, wir sollten reinkommen, ..sei zu kalt und nass da draussen. (Vielleicht hatten sie auch einfach Angst, dass die Milch der Ziegen sauer wird durch uns oder die Hühner keine Eier legen!) Aber wir nahmen dankbar an und gingen hinein. :)
Hast Du nicht gesehen.....ein dunkles Natursteinhaus mit gestampftem Lehmboden und 2 kleinen Fenstern, ohne Strom, ohne Handyempfang, ohne alles irgendwo im Nirgendwo, ABER ein riesiger verkohlter Holzofen, so ein Herd von anno dazumal mit einem schönen Feuerchen und einer Bilderbuchoma die mich sofort in eine Decke packte die nach Ziegen, Rauch, Kernseife und was weiss ich roch ABER „kuschelisch“. Ab vor den Ofen und wir bekamen eine Riesentasse mit Hühnerbrühe (hausgemacht und sehr lecker!). Eine dieser Suppen, bei der mehr Augen rausschauen als rein.
In dem Raum gab es den Herd, eine Wasserpumpe mit Spülstein, ein Sofa, einen Tisch, ein paar Stühle, einen Schrank und hinter einem Vorhang einen Anbau (ihr Schlafzimmer) mit einem Bett und einem Schrank. Dann noch ein Aussenplumsklo mit einer Superkonstruktion ......Toilettenspülung war gespeist vom Ablauf des Spülsteins...da muss man erstmal drauf kommen!
Ich fand’s klasse!!!! Ich war noch nie mit Kerze auf dem stillen Örtchen! :D
Nach ca. einer Stunde bekamen wir „Zuwachs“, noch 2 die „Asyl“ brauchten. 2 ältere Herren (ein Engländer und ein Norweger). Mein Freund (Franzose), ich als Deutsche und unsere „Pflegeeltern“ (Spanier). Ein buntes Multi- Kulti- Grüppchen.
Der Hausherr meinte: „Ganz schön was los hier heute.“ Und erstmal bekamen die „Neulinge“ ein heisses Süppchen zu trinken. Merke: Völkerverständigung geht durch den Magen.
Das Wetter wurde nicht besser, die Männer waren mittlerweile beim Rotwein (aus eigener Produktion, wie fast alles was wir da bekamen). Und so war für unsere Gastgeber klar:“Ihr bleibt!“ Ich glaub, die waren ganz dankbar für die Abwechslung. Die Männer sollten im Schober neben dem Ziegenstall schlafen, ich bekam das Sofa zugewiesen (weil ich mit keinem der Männer verheiratet war und sie eine „Aufsichtspflicht“ hatten für das einzige weibliche Wesen der „Invasionsgruppe“! Tja ja....alte Schule eben!)
Und bewacht vom Wachhund....der übrigens meistens nicht wach war. War aber irgendwie schön, den vor dem Sofa zu haben (ich glaub das war seine Decke und die hat er bewacht, nicht mich!)....ein riesiges gutmütiges Haarmonster....und der konnte schnarchen, mein lieber Herr Gesangsverein!!!! Vom Hausherrn wollen wir mal gar nicht reden, so ein Vorhang ist nicht wirklich ein Schallschutz! :)
Ich war später neidisch....die „Männes“ haben da im Schober später noch anständig was weggekippt und geklönt und ich durfte mich auf dem Sofa langweilen ABER ich hatte es dafür schön warm. (Ätsch!)...und die haben mit Sicherheit genauso geschnarcht wie der Hund!
Am Abend machten „Oma“ und ich uns ans Kochen. Hast Du schon mal auf so einem Herd gekocht? Das ist eine Erfahrung.....“Begegnung der 3.Art“.
Kurz...es gab:
Röstbrot mit Tomaten, Knoblauch und Olivenöl
Hühnerbrühe mit Nudeln
Kartoffeltortilla mit dem Hühnerfleisch aus der Suppe
Gemischten Salat mit verschiedenen wilden Kräutern die ich nicht kannte (wenn es die Ziege frisst, kann es nicht schlecht sein wurde mir auf Anfrage gesagt)
Fritierte Zwiebeln
Eingelegte Gürkchen und Oliven
Gebratenen frischen Ziegenkäse
Gebratene frische Mandeln (gesalzen)
Gebratene, eingelegte Paprika
Hinterher: Eierflan mit karamelisierter Zuckerkruste und Rotwein- Honig- Orangen (Lecker!)
Dazu: Rotwein, Quellwasser und hinterher Kräuterlikör (heftig!)
EIN FEST!!!! Bei Kerzenschein!!! :tongue
Das war sooooooooooo saulecker alles und so urgemütlich. Und später gab es vom Hausherrn sogar noch eine musikalische Einlage. Das alles hätten wir in keinem 5-Sterne-Hotel gehabt.
Am Sonntag war das Wetter super und wir machten uns gemeinsam auf den Weg, nicht ohne grosse Abschiedszene und einen grosszügigen Obulus dazulassen für die Gastfreundschaft.
Neue Freundschaften der besonderen Art...und ganz ohne Facebook! Genial!
Fazit:
Es kommt im Leben nicht immer wie geplant, aber die Alternativen können manchmal durchaus sehr positiv sein.
Nicht immer sind düstere Stürme nur schlecht und nach einer Weile verziehen sie sich und es wird wieder besser, kein Sturm dauert ewig.
Wenn man das Gute im Kleinen schätzen kann und offen dafür ist, ist das Leben wirklich lebenswert.
:knuddel: Na komm....ich weiss dass es schwer ist.....aber es wird besser werden...ich versprech´s!
Hallo an Alle...
Vielen Dank Zottie...
Hallo Sinneswandel...
Die ersten 2 Tage waren irgendwie traurig und schwer... momentan befinde ich mich in einem komischen Zustand... ich trauere nicht richtig, bin nicht richtig traurig, weine nicht, lebe normal weiter... es heisst ein "Schutzmechanismus" meines Unterbewusstsein? Stimmt das??! Komme mir vor wie ein kalter Fisch. Bin sogar fröhlich, was mir Angst macht. Habe eine innere Ruhe. Es gibt natürlich Momente wo ich in mich gehe, mich an Ihn erinnere, kurz weine, Tränen habe, kurzen Schmerz / Verlust verspüre, dann aber wieder weiterlebe, .... das klingt seltsam oder doch nicht!?
Ab und zu komme ich mir vor wie ein Egoist... als ob ich mir denken würde, er ist nicht mehr da... egal... ich lebe weiter. Was zum Teufel ist mit mir los?!?
Die Woche leben wir bei Mama... mein Mann hat frei. Wir übernachte da, zum WE kommen Freunde zum Abendessen und bleiben ebenfalls über Nacht.
In Russland (Orthodox) ist das so, am 9. Todestag und am 40. kehrt die Seele zurück und da macht man ein Abendessen.
Ich habe tatsächlich ein Gefühl dass es Papa gut geht. Ich fange langsam an ab und zu mit Ihm zu reden, als ob er da wäre.
Meine Mama hat Gestern mit meiner Großen oben das DG geputzt und ausgeräumt, Medikamente, Bett (Matratze entsorgt) Bad geputzt, alles desinfiziert, gewischt, gelüftet usw... alles rein gemacht, umgestellt...
Schon die Trauerfeier war nett am 02.02. mit Freunden und Familie. Ein Russischer Pfarrer war da, offener Sarg, wir konnten Abschied nehmen und Papa zum letzten Mal sehen. Danach hatten wir ein Abendessen zu Hause bis in die Nacht rein. Es war "lustig" wir haben Fotoalben angesehen, getrunken, viele Geschichten erzählt, Mama hat ab und zu geweint aber auch viel gelacht. War ein Abend im Sinne von Papa!
Schlimm ist, dass 2 Tage später auch der (kranke) Hund verstarb. Er was auch der Hund von Papa. Er litt schon 1-2 Tage, dann ließen wir den Arzt kommen und er bekam seine erlösende Spritze und ich auch zu Papa... wir sagen, Papa hat Ihn geholt. Mama war danach auch nochmal richtig fertig... ich wieder total "ruhig".... sollte mir mein Zustand Sogren machen? Sollte ich mir Gedanken machen? Es kommen bestimmt nochmal andere Phasen oder?? Seltsam ist es. Ja, wie ein Film genau... ich beobachte, es passiert, realisieren tu ich nichts.
Ich lebe gerade einfach so weiter...
Ich will dass endlich eine gute Zeit anfängt. Die letzten 2 Jahre waren wirklich sehr sehr hart, schwer, voller Traurigkeit, Verzzweiflung, Arbeit, Anstrengung, ich habe viel für meine Eltern gelebt. Meine Mutter nur für Papa und Hund (erweiterte Speißeröhre, Sie musste Ihm spezielles Essen selber machen und in spezielle, Stand / Position füttern aus der Hand und das circa 6 Mal am Tag) dann auch und erschreckend schlechte Tage... Normalerweise bekommen wohl diese Hunde gleich die erlösende Spritze aber meine Mama schaffte es dass er ein Jahr ein gutes Leben hatte. Ich habe mich sehr verändert diese 2 Jahre, viel durchgemacht, meine Familie, meine Kind(er), mein Mann, meine Hunde... ich habe alles vernachlässigt was für mich SELBSTVERSTÄNDLICH IST, DENN ich habe lediglich 2 Jahre so gelebt und mein Vater hat 2 Jahre um sein Leben gekämpft, aber, ohne meinen geliebten Vater wäre ich nicht hier, und er hat mein Leben zu dem gemacht was es ist, er hat mir alles gegeben und er hat mich sehr geliebt, das weiss ich, das wusste ich... ich will dass meine Familie und ich jetzt alle wieder glücklicher sind, wieder leben, das wäre im Sinne von Papa, ganz sicher...
Lieber Gruß
Alwina
Sinneswandel
06.02.2013, 16:13
Hallo Alwina,
:):):):):):):).......Jap, alles ganz normal.
Kein Grund zur Beunruhigung.....es verläuft alles gaaaaanz normal.
Es gibt Phasen. Und Du hast recht, es kommen andere.
Aber im Moment.....alles in Ordnung.
Ganz liebe Grüsse
Hallo...
Heute ist der 13. Todestag... und bisher geht es mit erstaunlicher Weise immer noch ganz gut. Es gibt täglich ein paar traurige Momente, ab und zu kullern ein paar Tränchen, meinst aus Traurigkeit, weil ich Ihn nie wieder lebendig vor mir sehen werde, weil es Ihn nicht mehr gibt so wie es mal war, weil er so krank war, weil er mir so leid tut, weil er noch so jung war... usw...
Aber ansonsten... geht es mir wirklich gut.
Heute Nacht hatte ich einen interessanten Traum... real, nah, eigentlich sollte dieser gruslig sein / erschreckend, aber für mich war er das nicht. Ich bin immer noch sehr ruhig. Vielleicht geht es Ihm wirklich gut und ich spüre das. Gerne würde ich das so sehen...
Ich glaube mir hat das Forum hier sehr sehr geholfen mit dem Thema "Loslassen" umzugehen...
Sinneswandel
12.02.2013, 23:24
Hallo Alwina,
ja, das ist Trauer. Trauer heisst nicht, dass wir ständig weinen, ständig traurig sind. Trauer heisst, einen Verlust zu verarbeiten und seinen eigenen Weg wieder zu finden ohne den bisher gegangenen und die, die uns begleitet haben zu vergessen.
Und da gehört auch Lachen dazu, alles gehört da mit rein. Das ist Leben, so einfach ist das.
Ich wünsche Dir alles, alles Gute :winke:
Sinneswandel
Noch 6 Tage... dann ist es bereits ein Monat...
Es ist so eigenartig, so seltsam und immer noch nicht real, wie ein Film... das Leben geht irgendwie weiter. Habe immer noch wenig traurige Momente, lebe so als wäre er noch hier. Oder nur in der Arbeit, verreist, kurz weg... oft stehe ich da und sage mir mehrmals hintereinander laut "Papa ist gestorben..." oder "Papa ist nicht mehr da" Ich sage das 5 oder mehrmals hintereinander, doch trotzdem verstehe ich das irgendwie noch nicht. Es ist wirklich seltsam, diese "Phase"....
Lieber Gruß an Alle Kämpfer & Angehörige, und stille Mitleser
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