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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Papa hat Lungenkrebs und Knochenmetastasen


Myri78
13.01.2013, 21:30
Mein Vater hat diese Woche die Diagnose Lungenkrebs erhalten, Befall von Metastasen bereits in den Knochen, leider sind es schon viele. Dienstag muß er zur Biopsie, damit schnellstmöglich die Behandlung beginnen kann. Angefangen hat es ca. im Oktober, daß er Schmerzen im Bereich der Hüfte/Becken/Oberschenkel bekam. Er war immer wieder beim Orthopäden, da wir auf die Hüfte tippten. Er bekam Spritzen, die nutzen nix. Krankengymnastik, das hat ihm gut getan. Ende Oktober wurde ein Röntgenbild der rechten Hüfte gemacht, dort war nix von Metastasen zu sehen. Evtl. waren sie noch nicht da oder man kann sie nicht erkennen.

Er holte sich nun eine 2. Meinung bei einem anderen Orthopäden und dieser schickte ihn ins MRT. Dort wurde ihm dann mitgeteilt, daß er Metastasen im Beckenbereich hat, rechts wie links. Er müßte sehr vorsichtig sein, daß die Knochen nicht brechen, sonst hätte er noch eine Femurfraktur, das wäre gar nicht gut. Ich muß noch erwähnen, daß mein Papa sonst gesund ist, keine Grunderkrankungen hat, er hat jedoch Übergewicht und ist bereits 82 Jahre alt. Viele Menschen denken vielleicht, ok, er hat sein Alter und er hat sein Leben gelebt.

Auf der einen Seite mag das ja stimmen, als Trost usw. aber mich triftt es hammerhart, es ist und bleibt nun mal mein Papa, da ist es egal, wie alt er ist. Einen Tag später kam er sofort ins CT, damit man gucken konnte, wo der Primärtumor herkommt - er sitzt wohl in der Lunge und ist ca.2 cm groß, wenn ich mich richtig erinnere. Auch dort sieht man schon Metastasen in den Knochen. Den Tumormarker weiß ich noch nicht, der lief gestern noch beim Arzt und jetzt ist Wochenende. Sein Blutbild ist hervorragend, außer 2 Werten, die leicht erhöht sind. Nur leicht, nicht mal sehr auffallend.

Ich weiß leider nicht mehr, wie die Werte heißen, ich weiß nur noch, daß 1 Wert anzeigt, daß etwas mit den Knochen im Gange ist. Ich hab jetzt schon viel gegoogelt und ich kann es drehen und wenden wie ich will: ich fürchte, daß sein Stadium schon das Endstadium ist oder ? Hat jemand Erfahrung damit ? Das kuriose dabei ist, er hat null Beschwerden, außer dem bißchen Beinweh rechts, er braucht keine Schmerzmittel - nix. Es tut ihm auch nur weh, wenn er das Bein belastet. Er kann dadurch halt schlecht laufen und nimmt lieber einen Stock zur Unterstützung.

Er hat Hunger, ißt wie immer, kein Gewichtsverlust, kein Husten, kein Auswurf - nix. Die Hausärztin meinte, er ist in einer sehr guten Konstitution für die Chemo und die Bestrahlungen. Allerdings habe ich inzwischen schon die Befürchtung, daß der Onkologe nach der Gewebsentnahme sagen wird, daß dies alles schon nix mehr bringt. Dass es keine Heilung gibt, ist uns allen klar, auch ihm aber er möchte einfach gerne noch ein bißchen leben - er ist so von einem Tag von kerngesund auf totkrank geworden.

Ich bin unendlich traurig, bin froh, dieses Forum gefunden zu haben und würde mich freuen und wäre sehr dankbar für Infos von Euch, egal ob positiv oder negativ.

Lieben Dank im voraus.
Myriam

Bremensie
14.01.2013, 08:49
Hallo Myriam,
Erstmal herzlich Willkommen auch wenn es kein erfreulicher Anlass ist. Ihr müsst erstmal alle Untersuchungsergebnisse abwarten. Dann wird man euch sagen können wie es weitergeht. Gut dass ihr auch eine Zweitmeinung einholt. Wie es aussieht möchte dein Vater kämpfen. Wenn in einem Bericht was über Stadium IV auftaucht dann ist es das Endstadium. Aber auch damit kann man klar kommedn. Da greift dann die Palliativmedizin. Nur auf Grund der Gewichtsabnahme braucht man nicht gleich das schlimmste annehmen. Deinem Vater hilft es wenn du ihm sagst dass du für ihn da bist und seine Entscheidungen bezüglich seiner Krankheit mit trägst. Ich wünsche euch ganz viel Kraft.

GeMa
14.01.2013, 09:15
Hallo Myriam,
fühl dich gedrückt von mir.:pftroest:
Ich kann dir auch nur raten, erst einmal alle Untersuchungen abzuwarten und deinem Papa einfach das Gefühl zu geben, für ihn da zu sein.

Liebe Grüße,
Marina

Myri78
14.01.2013, 09:39
Hallo,
lieben Dank für Euren Zuspruch und Eure Hilfe.

Gewichtsabnahme hat er noch gar keine. Er hat eigentlich noch überhaupt keine Anzeichen, außer daß ihm beim Laufen das Bein ein bißl weh tut. Dies ist auch nicht jeden Tag gleich. Es ist zum verrückt werden... ich schwanke immer zwischen Hoffnung und Verzweiflung :weinen:

Vavi
14.01.2013, 09:48
Hallo Myri...
auch mein Papa hat im September erfahren das er Lungenkrebs hat.
Mein Papa hat auch schon Metastasen in der Leiste,er kam vorgestern mit ganz starken schmerzen ins Krankenhaus und gestern Abend hab ich nochmal mit ihm gesprochen.Sie denken das der Knochen nun gebrochen ist.
Sie haben sein Bein nun Still gelegt.Heute oder morgen muss er Operiert werden.Wenn etwas kommt dann kommt es knüppeldicht,aber auch dann muss man weiter stark sein.Ich schicke dir ganz viel Kraft!!!
Lg Vavi

Myri78
14.01.2013, 10:20
Hallo Vavi,
ach herrje, das auch noch. Davor haben wir auch Angst, er nimmt es noch nicht so ernst, das mit dem Brechen der Knochen. Aber Mum und ich schon. Er darf keine Treppen mehr steigen und fühlt sich eingeschränkt, es nervt ihn. Wir dürfen ihn auch nicht zu sehr in Watte packen, was ich am liebsten tun würde, sonst fehlt ihm auch von seiner gewohnten Lebensqualität noch mehr...

Wie viele Metas hat Dein Papa denn ? Meiner hat wohl schon ganz viele :-(
Und welche Art Tumor hat er ? Was sagen die Ärzte ? Hat er ambulant Therapie oder muß er stationär bleiben ?

Wie alt bist Du und wie alt ist Dein Papa ?

Ich schicke Dir auch ganz viel Kraft, damit alles gut läuft für die OP und er sich davon gut erholen kann !

Liebe Grüße,
Myri

Vavi
14.01.2013, 12:02
Huhu...
leider lese ich nur die Kurzbriefe fürn Hausarzt,da die Klinik weit weg ist.Ich könnte ihn nur am we besuchen aber da ist er immer wieder zuhause.Über die Woche schaff ich es nicht,weil ich zurzeit in einer Ausbildung bin und mein Papa es nicht möchte das ich es schleifen lasse.
Im Brief steht eine Metastase in der Leiste,aber das glaub ich nicht mehr wirklich,da er solche schmerzen hat.Im Bauch haben die noch nix gefunden an Metastasen,also Leber,Niere ect. Meine Geschwister und ich haben jetzt gesagt nächste mal wenn er in Hemer ist,wollen wir einen Arzt sprechen.
Ich selber bin 23. und mein Papa 54.ein bisschen überfordert bin ich schon damit.Mein Papa hat einen kleinzelligen im linken Oberlappen mit mehreren schatten und rechts einen nicht-kleinzelligen.Beide nicht operabel. Mein Papa ist in Hemer nur so.ca.3-4 Tage Stationär, also nur so lange während die Chemo bei ihm durchläuft.Dann kann er wieder nach hause,bekommt ein Kurzbrief mit und ich mache während meiner Ausbildung die Arzttermine mit ihm zusammen.Er bekommt immer einen Termin für die nächste Chemo,aber bis dahin passiert immer wieder etwas anderes:(:(:(So wie jetzt halt,jetzt liegt er in unsere nähe,wegen seiner Leiste,die wollten ihm wegen denn starken schmerzen nicht bis nach Hemer transportieren.

Mirilena
14.01.2013, 12:20
Hallo Myri,

auch mein Vater hatte Lungenkrebs und Knochenmetastasen, als die Krankheit diagnostiziert wurde. Ähnlich wie bei deinem Papa hatte er seit geraumer Zeit Schmerzen im Schulterblatt und nichts half... Uns traf die Diagnose wie ein Hammer, mein Vater war gerade 70 geworden. Bei ihm war leider bereits das Stadium IV erreicht, keine Heilung möglich und sämtliche Maßnahmen palliativ.

Dennoch hat mein Vater zwei verschiedene Chemotherapien gemacht und sich bestrahlen lassen. 10 Monate hat er gekämpft, vergeblich. Heute denke ich anders über Therapiemöglichkeiten. Vor ca. 2 Jahren wollte ich unbedingt, dass er alles mitmacht, was die Ärzte angeboten haben. Jetzt sehe ich das anders. Ich bin mir sicher, dass die ihm verbleibende Zeit angenehmer ohne die Nebenwirkungen der Chemos und Bestrahlungen gewesen wäre.

Knochenmetastasen sind oft sehr, sehr schmerzhaft. Wenn dein Papa derzeit kaum Schmerzen hat und sich gut fühlt, ist das wirklich Gold wert. Aber die Metas sind heimtückisch. Mein Vater konnte an einem kalten Januarmorgen einfach nicht mehr sein Bein bewegen und kippte um - Oberschenkelhalsbruch... Verursacht durch eine Knochenmetastase, von der wir nicht einmal wussten, dass sie bereits existierte. Also, oberste Vorsicht ist geboten!!! Das muss dein Papa ernst nehmen! Ansonsten soll er genießen, dass es ihm körperlich gut geht!

Und ich weiß genau, was du meinst... Es ist vollkommen egal, wie jung oder alt ein Mensch ist, wenn sein Leben bedroht wird. Es ist immer zu früh für diejenigen, die ihn lieben. Diese Diagnose Krebs schmeißt dein gesamtes Leben durcheinander! Gut, wenn du hier schreiben magst und dich austauschst!

Liebe Grüße
Miriam

Myri78
14.01.2013, 21:30
Hallo Ihr Lieben,
oh Mann, ihr habt schon sovieles mitmachen müssen, es ist sooo traurig... warum gibts nur kein Wundermittel gegen diese Sch.. Krankheit ???

Heute ist wieder ein Tag voller Gefühlsschwankungen gewesen. Ich war heute in meiner Mittagspause bei der HÄ, um die Unterlagen für die Untersuchung morgen an der Uni zu holen. Der NSE-Wert fehlt leider noch, den erwarten wir morgen.
Papas Blutbild ist 1A - außer dem CEA Wert, der ist 32,8 - Normwert liegt bis 5.
Hab dann noch lange mit der HÄ geredet, sie kann es sich nicht erklären, daß es Papa so gut geht und das Blutbild auch so toll ist, sie vermutet, daß es sich bei den "Knochenmetastasen" um sog. Plasmozytom handelt, der Lungentumor evtl. ein Zufallsbefund ist und vielleicht doch operabel. Das würde seine gute Verfassung erklären. Ist zwar auch kein tolles Ergebnis aber ich glaube, er hätte mehr Chancen als wenn es ein kleinzelliges Karzinom wäre.
Es hilft alles nix, wir müssen morgen abwarten. Wenns nur schon rum wäre. Ich hab Angst, daß es Komplikationen gibt bei dem Eingriff und evtl. erst "Alarm" ist, wenn wir ihn schon wieder zu Hause haben. NEINNNNNNNNNNNNNNNNNNN - ich muß positiv denken !!!! ich sags mir immer wieder.

Drückt uns ganz fest die Daumen, er ist um 8 Uhr schon dran... ich werde morgen gleich berichten, obs was Neues gibt.

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
15.01.2013, 06:47
Die Daumen sind ganz fest gedrückt für deinen Papa und vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass der Tumor operabel ist und die Knochenmetastasen gar keine sind!!! Ich wünsche es euch von Herzen!!!

Bis später
Miriam :winke:

Myri78
15.01.2013, 19:05
Hallo Ihr Lieben,
heute waren wir also zur Bronchoskopie, soweit ist alles gut verlaufen. Die Ärztin hofft, daß sie genügend Gewebe erhalten haben, damit auch ein Ergebnis zu erwarten ist. Sollte das nicht so sein, muß Papa nochmal hin und das selbe in Vollnarkose machen lassen - hoffentlich nicht !!!!!!!!!!!!!!!!
Heute Mittag hat er dann geschlafen, er hatte eh schon ne schlaflose Nacht und dann die "Betäubung", er war mächtig müde. Auch jetzt ist er grad wieder ins Bett. Er hat ein bißchen Blut beim Nase putzen, Bluthusten hat er nicht. Allerdings hat er jetzt "Fieber" 37,5 Grad. Ich hab Mama gesagt, sie soll um 21 Uhr nochmal messen. Temperatur kann ja vorkommen aber ich weiß nicht, wie lange man warten sollte oder wo die Grenze liegt nach so nem Eingriff... ab wann sollte man denn einen Arzt holen ? was meint ihr ? Ich bin da schnell dabei und ruf den Krankenwagen, da kenn ich nix...
Hoffentlich wirds nicht noch schlimmer...

Die Ärztin hat mir jedoch die Hoffnung genommen, daß es sich um ein Plasmozytom oder wie das heißt, handelt. Sie denkt schon, daß die Metastasen vom Tumor her kommen :-(

Heute hat er wieder ein Stück mehr begriffen, daß er nicht zu heilen ist, es tut mir leid, mit anzusehen. Er hat vorhin gesagt: da arbeitet man das ganze Leben wie ein Blöder und warum muß ich das jetzt noch kriegen ? Ich hab darauf leider keine Antwort...

Wie war Euer Tag ?

lg, Myri

PS: vielen lieben Dank fürs Daumen drücken :-)

Mirilena
15.01.2013, 19:19
Hallo Myri,

dann hat dein Papa das ja schon mal hinter sich! Die Ergebnisse lassen meist auf sich warten und das ist zermürbend.

Eigentlich ist das noch erhöhte Temperatur, die dein Papa hat. Wartet mal ab, vielleicht hat sich die Körpertemperatur morgen wieder normalisiert.

So, dann hab einen schönen Abend und versuch mal zu entspannen!
Lieber Gruß
Miriam

Myri78
15.01.2013, 19:28
Ich hoffe, dass die Temperatur nicht ansteigt. Papa hat recht schnell Fieber, das kenn ich schon von ihm, ich hab damit auch schon fast gerechnet. Und wieder hab ich Recht und in diesen Dingen hasse ich es, Recht zu haben...

Ich fühl mich so hilflos und weiß nicht, wie das noch so werden soll. Ob ich da mit "reinwachse" ? Ich muß mir jetzt schon überlegen, ob ich mir da Hilfe suche, um die Zeit irgendwie zu verarbeiten. Mir graut so davor und ich hab Angst.

Ab wieviel Grad würdest Du denn einen Arzt holen ? kann man warten bis morgen oder lieber den Krankenwagen holen ?

Mirilena
16.01.2013, 09:04
Liebe Myri,

sorry, habe gestern nicht mehr hier reingeschaut! Ich hoffe sehr, dass sich die Temperatur deines Papas stabilisiert hat. Mein Vater wäre mir übrigens an die Gurgel gegangen, wenn ich einfach einen Krankenwagen gerufen hätte bei 37,5°C :D Wenn dein Papa zu Fieber neigt, dann würde ich persönlich ab 39°C einen Arzt kontaktieren. Aber ich habe keine Ahnung, bin ja nur ein Laie...

Ach, ich kann dich so gut verstehen! Es ist alles furchtbar und die Diagnose zieht einem den Boden unter den Füßen weg! Auch als Angehörige muss man das alles erst einmal realisieren und das dauert. Hinzu kommen Wut, Angst, Zorn und Hilflosigkeit. Wenn du für dich erkannt hast, dass du jetzt Hilfe benötigst, dann hole sie dir, liebe Myri! Genauso habe ich es auch gemacht. Ich hatte drei Gespräche mit einer Psychotherapeutin, die mir sehr geholfen haben und zwar gleich am Anfang der Krankheit meines Vaters. Es ist gut, wenn man dann die Kraft tankt, denn später braucht man sie!

Alles Liebe
Miriam

Myri78
16.01.2013, 17:30
Die Temperatur ist nicht weiter gestiegen und ist jetzt wieder unten. Puhh, immer wenn ich nachts aufgewacht bin, hab ich gedacht, hoffentlich klingelt das Telefon nicht und Mama sagt mir, daß das Fieber hoch geworden ist...
Heute war ich bei der Hausärztin und hab noch den fehlenden Wert, den NSE-Wert geholt. Der ist im Normalbereich, d.h. doch, daß es sich um KEIN KLEINZELLIGES Karzinom handelt oder ? Könnt ihr mir da weiterhelfen ?
Es wird irgendwie immer mysteriöser und ich bin wirklich gespannt, was dabei rauskommt... mein Dad hat erst heute wieder gesagt, daß er immer noch glaubt, dass es noch nicht so schlimm es ist und es evtl. was anderes sein könnte.

Die Werte die nicht stimmen, sind der CEA-Tumormarker, der ist bei 39,8 - der Alpha Globulin 1 und 2 ist auch leicht erhöht. Alles andere ist im Normalbereich. Könnt ihr aus Euren Erfahrungen dazu was sagen ? ich hab schon alles gegoogelt aber wenn es schon mal jemand hatte, dann ist es einfacher. Im Internet gibts so viele Möglichkeiten...

Lieben Dank an Euch...

@Vavi: wie gehts denn Deinem Dad ? Hat er immer noch so große Schmerzen ? Konntest Du ihn besuchen ?

Mirilena
17.01.2013, 08:17
Guten Morgen Myri,

ich kann leider überhaupt nichts zu den Werten sagen. Damit kenne ich mich kein bißchen aus. Ich kann verstehen, dass du alles ergründen möchtest und genau wissen willst, welcher Wert was bedeuet. Mein Tipp: besprich das alles mit einem Arzt deines Vertrauens! Lass dir erklären, was genau diese Werte aussagen und welche Bedeutung das Ganze hat.

Ich persönlich habe eines Tages während des Krankheitsverlaufs meines Vaters gar nichts mehr auf irgendwelche Werte gegeben... Dafür schwankten sie bei meinem Papa zu sehr. Mal war es gut, dann wiederum waren die Blutwerte (auch Tumormarker) zwei Wochen später katastrophal. Und genauso fühlte auch ich mich dann. Irgendwann entschied ich mich dafür, mich nur noch auf die Gegenwart und auf meinen Vater zu konzentrieren. Und das Einzige, was für mich zählte, waren die "guten Tage", die mein Papa hatte. Die Tage, an denen er weniger Schmerzen hatte und es ihm relativ gut ging.

Ganz liebe Grüße
Miriam

Myri78
17.01.2013, 19:05
Heute habe ich mit der Ärztin telefoniert, die die Biopsie gemacht hat und nachgefragt, ob sie schon ein Ergebnis haben. Sie haben es: es ist ein großzelliges Karzinom, wohl ein Adenokarzinom, schon weit fortgeschritten.
Sie meinte auch, daß man keinen Zeitraum angeben kann wie lange er noch hat usw. , wichtig wäre einfach, daß er wieder schmerzfrei laufen kann, da würden die Bestrahlungen aber schon sehr helfen. Da wir am Montag den Termin beim Onkologen haben, wird uns dieser sehr gut beraten, hat sie gesagt.
Ich hab es meinem Dad gesagt und heute hat er das 1. Mal gesagt: Jetzt tut mir ja nix weh (vom Bein abgesehen und das ist ja auch jeden Tag anders) und es geht mir gut. Und wenn ich mich dann behandeln lasse, dann gehts mir schlecht oder ?
Genau das ist auch meine Angst, habe ich ihm aber nicht gesagt.
Ich weiß nicht, was ich machen soll, kann usw. Ich bin fix und foxi - hat er noch 6 Monate ? Hat er noch 1 Jahr ? wie lange hab ich meinen Papa noch ? Die Ärztin meinte, daß er schon an diesem Krebs sterben wird, wenn das Herz so lange mit macht. Da sie ja ein Geräusch gehört hat, hat er morgen einen Termin beim Kardiologen, ich gehe dieses Mal nicht mit, Mama ist dabei und ich hoffe, sie registriert auch alles, was der Doc sagt. Sie ist eh schon fix und foxi und auch nicht mehr die Jüngste (das soll jetzt nicht böse klingen) aber ich bin schon immer gerne dabei, damit ich Bescheid weiß.
Ich frage mich, wie ich mich auf den Tod meines Vaters "vorbereiten" kann und eigentlich weiß ich ja, dass man das wohl gar nicht kann. Ich will es auch nicht irgendwie, weil ich nicht will, daß er stirbt. Was mache ich denn ohne meinen Papa ??? Ich hab solche Angst und ich hab das Gefühl, mir rennt die Zeit davon... und daß es ihm schlecht geht, sobald die Therapie anfängt.
Leider weiß man ja nicht, wie lange der Tumor schon wütet und ob er schnell wächst oder wie schnell sich Metastasen bilden...
Ich fühl mich soooo unendlich leer...

Mirilena
17.01.2013, 19:19
Ach Myri,

ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst... Das ist einfach schrecklich und wenn man die Fakten von einer Ärztin gesagt bekommt, dann wird man noch mit der Nase darauf gestoßen. Es tut mir unendlich leid, dass es deinen Papa auch getroffen hat.

Die Sache mit der Bestrahlung und der Chemo wird der Onkologe euch erklären. Letztlich gibt es nichts anderes, was man derzeit gegen den Krebs ausrichten kann. Sicherlich haben diese aggressiven Therapien auch Nebenwirkungen, doch immerhin besteht die Chance, dass der Tumor sich nicht weiter ausbreitet oder sich womöglich verkleinert. Im Lungenkrebsforum schreiben ja auch viele Betroffene, dass sie der Krankheit zum Trotz weitermachen und bestimmt ist es nicht einfach, aber es gibt einige, die es schaffen! Dein Papa kann wohl nicht vom Krebs geheilt werden, aber es besteht doch die Chance, dass er noch mehr Zeit hat, als du derzeit vermutest. Das wünsche ich euch von Herzen!!! Wichtig ist, dass dein Papa vernünftig und ehrlich aufgeklärt wird und dass er dann für sich eine Entscheidung trifft, welche Therapien er machen möchte. Und dann ist es wichtig, dass ihr diese Entscheidung mit ihm tragt und hinter ihm steht.

Mein Vater hat die erste Chemotherapie gut vertragen. Die einigen Nebenwirkungen waren die Erschöpfung und Müdigkeit. Ihm war aber nicht übel und er konnte essen. Allerdings hat er sich seitdem vor Fleisch geekelt . Ansonsten ging es aber. Ich möchte euch nur Mut machen! Es muss keine Katastrophe eintreten, wenn dein Papa die Behandlung antritt.

Und aus eigener Erfahrung kann ich dir nur raten: versuch, in der Gegenwart zu leben. Von einem Tag zum nächsten. Mach einen Schritt nach dem anderen und das ganz bedächtig. Und genieße die guten Momente mit deinem Papa und natürlich deiner Mama. Keiner weiß, wie lange er hier verweilen darf. Auch wir "Gesunden" nicht!

Ich schicke dir eine Umarmung
Miriam :winke:

Myri78
17.01.2013, 19:33
Ich bin nur am Heulen grad. Wie soll das nur werden ohne ihn ? Ich weiß schon, daß ich daran nicht denken darf jetzt und ich jeden Tag genießen muß aber trotzdem kommt der Gedanke immer wieder - wie lange wohl noch ? Ich hab solche Angst davor, wie die kommende Zeit wird. Ich denke, daß Papa dem Onkologen schon sagen wird, was er will und was nicht und wir werden bedingungslos hinter ihm stehen, egal, was er möchte und wie er sich entscheidet...

Mirilena
17.01.2013, 19:44
Myri,

am besten verdrängst du diese Gedanken... Du kannst dich nicht auf den Tod vorbereiten. Das soll natürlich nicht heißen, dass man nicht über das Sterben oder den Tod reden darf. Im Gegenteil, ich finde es sehr wichtig, sich mit damit auseinander zu setzen.

Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt dafür! Ich kann dich ja so gut verstehen, denn ich befand vor knapp 1,5 Jahren in genau dieser Situation. Es ist auch gut, wenn du weinen kannst. Lass die Tränen laufen, du hast jeden Grund, traurig und besorgt zu sein. Oft hilft es schon ein wenig, wenn man seinen Gefühlen nachgeben kann und das Weinen erleichtert ein bißchen. Zumindest für den Moment. Deine Angst vor der Zukunft ist auch nachvollziehbar, aber Myri, ihr werdet es schaffen. Egal, was auf euch zukommt, ihr werdet es bewältigen - gemeinsam! Ihr seid eine tolle Familie und haltet zusammen und habt euch lieb. Das ist das Allerwichtigste und du wirst dich wundern, welche Kraftreserven tief in dir wohnen.

Und du bist nicht allein... hier schreiben noch mehrer junge Frauen, die auch Töchter sind und sich sehr um ihre Mama oder ihren Papa sorgen. Ihr könnt euch hier gegenseitig Mut machen und euch trösten und auf Verständnis treffen. Du wirst erleben, dass auch in dieser Dunkelheit ein paar schöne Lichter auf dich zukommen...

Liebe Grüße
Miriam :knuddel:

Myri78
17.01.2013, 19:55
Oh Mann, ich weiß nicht, wie viel Kraft ich noch habe, seit Sommer 2011 hab ich immer um meine Gesundheit kämpfen müssen und erst letzten Monat ist Ruhe eingekehrt. Ich befürchte, ich hab noch nicht soviel Kraft gesammelt, um das zu schaffen. Meine Halbschwestern (auch Papas Töchter) sind nicht so "nah" mit dran. Eine hat mit ihm gebrochen seit 2004 und die andere wohnt etwas weiter weg. Es nagt auch an ihm, daß er mit der einen keinen Kontakt mehr hat, gerade in solchen Situationen... Ich muß irgendwie alleine durch, obwohl ich noch 2 Geschwister habe, das machts mir nicht gerade leichter... aber ich würde für meine Eltern alles tun, sie haben auch immer alles für mich gemacht und ich genieße die letzten Tage schon viel mehr mit ihm. Zum Glück wohnen wir seit knapp 1 Jahr wieder unter einem Dach, das erleichtert vieles. Ich hab Angst, daß er sich womöglich für die Therapie entscheidet, nur uns zuliebe und er es eigentlich gar nicht möchte... mein Leben steht total Kopf und wenn ich die ganzen Berichte hier lese, frage ich mich, wie ihr das alles überstanden habt bzw. gelernt habt, damit umzugehen. Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen, irgendwann wieder lachen zu können, wenn mein Dad nicht mehr da ist...

Gina79
17.01.2013, 20:33
Liebe Myri! Ich bin auch eine besorgte Tochter, deren Paps schon seit gut einem Jahr mit der Diagnose Lungenkrebs lebt. Als "wir" die Diagnose bekommen hatten, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich irgendwann wieder einmal lachen kann oder wiedermal was normales für mich machen kann. Aber es geht. Zwar nicht immer und an manchen Tagen gar nicht aber ich bemühe mich! Ich weiß, es ist so schwer und man leidet selber so mit!
Ich ertappe mich auch manchmal, dass ich schon an den Tod oder ans Ende denke. Aber dann denke ich mir, mein Papa lebt, und das ist das wichtigste für mich im Moment. Und mein Ziel ist es, dass es Papa wieder besser geht und auf das baue ich auf!
Wie Mirilena schon gesagt hat habe ich mir auch schon angewöhnt nicht mehr alle Blutwerte zu überdenken, das hat mir bisher nur Kopfschmerzen gebracht, denn am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders sein. Schau nach vorne, aber positiv nach vorne und denk dir die schlimmen Tage müssen überstanden werden damit auch wieder positiver Tage kommen, SChritt für Schritt und Tag für Tag!
Ich freue mich jeden Tag in der früh, dass mein Papa noch lebt! Und ich freue mich auch, dass ich lebe, denn auch wir Gesunden wissen nicht wann wir gehen müssen!

Ich weiß, es ist schwer und ich kämpfe auch sehr damit! Wünsche dir noch viele positive Momente mit deinem Papa! Liebe Grüße Nina

Vavi
17.01.2013, 21:31
Huhu,mein Papa wurde gestern operiert...heute ging es ihm sehr gut und konnte schon Witze reißen..die Op ist gut verlaufen,nur etwas Blut hat er bekommen...sie sind aber mit allem sehr zufrieden...die Metastasen konnten auch alle entfernt werden...in der Hüfte hat er ein neues Gelenk und Aufhänger bekommen...also soweit so gut... Jetzt heißt es,ihn ganz viel Kraft geben...und auch wir tanken in denn guten Momenten ganz viel Kraft...
Ich wünsche noch einen schönen Abend

Myri78
18.01.2013, 05:28
Guten Morgen an Euch alle :-)
Danke schön für Eure lieben Worte und für das Mut machen. Es hilft mir jetzt schon und ich hoffe, der Onkologe ist so "zuversichtlich" wie es geht und mein Papa ist noch eine Zeit in unserer Mitte.
Heute muß er zum Kardiologen wg. Ultraschall Herz, um das Geräusch abzuklären, das die Ärztin beim Abhören vor der Biopsie gehört hat. Hoffentlich kommt nicht noch was dazwischen wg. Chemo usw., damit bald damit begonnen werden kann. Schrecklich... und ihr seid alle so tapfer.
Ich fühl mich so hilflos und schwach gerade.

Ich wollte im Internet ein bißl mehr erfahren, bzw. hier im Forum lesen wg. der Art des Krebses. Jetzt hab ich mal ne blöde Frage: die Ärztin meinte gestern, es wäre ein großzelliger und dann hat sie noch von Adenokarzinom gesprochen. Das ist ja nicht gaaanz das gleiche oder ? und ein nicht-kleinzelliger Krebs heißt nicht, daß er automatisch großzellig ist, steht überall zumindest. Oder steh ich auf dem Schlauch ? Wißt ihr mehr darüber ?

@Vavi: ich freu mich so für Euch, daß Dein Papa die OP so gut überstanden hat und drücke ihm/Euch auch weiterhin ganz fest die Daumen.

Ich bin froh, mich hier austauschen zu können, das tut wirklich gut.

Danke :-)
Liebe Grüße, Myri

Vavi
18.01.2013, 18:24
Huhu Myri...
Ich war mit Papa heute schon draußen 10min. und dann wieder rein...Er wusste gar nicht das es doch soooo kalt draußen ist.hehe...Alle Schläuche sind ab und die Ärzte sind mit ihm sehr zufrieden...
Mit der Tumorart habe ich leider keine Ahnung von...Ich selbst bin auch soooo froh das ich hier im Forum bin...Die lieben Worte von euch allen tun echt gut...
schönen Abend noch....
Vavi
ps. Lass von dir hören,was beim Kadiologe raus kam...ich hoffe nicht auch noch etwas mit dem Herzen...

Myri78
18.01.2013, 19:30
HUHU,
beim Kardiologen ist soweit alles o.k. - eine Herzklappe wäre wohl etwas verkalkt aber nicht weiter schlimm. Ich wills mal glauben.

Heute hab ich den Bericht von der Biopsie bekommen - ich würde am liebsten die Vogel-Strauß-Technik anwenden und den Kopf in den Sand stecken. Ich bin total fertig, wütend auf diese Krankheit und unendliche Traurigkeit macht sich breit.

Es steht da, daß es ein großzelliges Karzinom ist und dem Adenokarzinom am ehesten ähnelt. Ist es dann eines oder ist es ein großzelliges ? da gibts doch Unterschiede ?
Das Stadium klingt leider nicht gut. cT2a cN3 cM1 - also sind die Lymphknoten auch betroffen, ich habs befürchtet :cry:

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom rechter Lungenunterlappen. Da steht noch was von "ossär", muß ich erst gucken, was das bedeutet.

Als ich heute von der Arbeit kam, bin ich zu Papa rein und er hat sich gefreut, mich zu sehen. Plötzlich hat er mich lange angeguckt und ich wußte, es geht ihm nicht gut. Er hat geweint und geweint und Mama und ich auch. Ich glaube, ich hab Papa ein paar Mal erst weinen gesehen, dann gehts ihm richtig sch..., wenn das ist. Jetzt hat er Angst, er schläft auch nicht mehr nachts. Er hat sich so gefreut, als ich vor 1 Jahr im Haus meine Wohnung gebaut habe und wir alle 3 zusammen sein können und jetzt muß er sterben.
Er ist allerdings noch voller Hoffnung, daß er, weil er sonst nichts spürt und fit ist, gute Chancen hat, die Chemo usw. gut zu überstehen.
Soll ich ehrlich sein ? Ich glaube da nicht dran, die Angst frißt mir die ganzen Hoffnungen weg - da ist nur Leere, Angst und ich zitter, wenn ich nur dran denke. Er macht sich Gedanken, was Mama und ich machen, wenn er nicht mehr da ist und wer nach dem Rechten schaut. Er will nicht gehen und ich fürchte, es kann ganz schnell gehen, das Stadium ist schon immens weit wie ich finde.

Heute hustet er plötzlich viel und ich weiß nicht, ob das noch mit der Bronchoskopie vom Dienstag zusammenhängt oder ob es womöglich jetzt richtig losgeht mit anderen Beschwerden.

Letzte Woche habe ich geträumt, daß er an meinem Geburtstag sterben wird: am 09.09.13 - ich krieg das gar nicht mehr aus dem Kopf, total irre. Das gemeine ist nur, daß schon viele Dinge so eingetreten sind, die ich geträumt habe, bis jetzt waren es aber nur Schöne Dinge. Ich hab Angst. Ich will nicht ohne meinen Papa sein.

Hab mir heute das Buch: Krebszellen mögen keine Himbeeren gekauft. Schaden kann es ja nicht und ich will tun was möglich ist - ich fühl mich so hilflos...

@Vavi: oh toll, Deinem Papa gehts besser *freu* - jaaaa, es ist schweinekalt, bei uns auch, er soll lieber drin bleiben :-)

Mirilena
18.01.2013, 19:58
Hallo Myri,

kennst du die Seite der Deutschen Krebsgesellschaft? Da gibt es viele gute und sinnvolle Informationen wie z.B. die Klassifikation unter http://www.krebsgesellschaft.de/tnm_klassifikation,30298.html oder eine Broschüre zum Thema Lungenkrebs.

"Ossär" bezieht sich auch die Knochenmetastase.

Weißt du, ich finde es gut, dass ihr drei zusammen geweint habt... Ich hoffe, es hat euch alle ein wenig erleichtert. Viele Angehörige meinen, immer stark sein zu müssen, aber ich denke, wenn man traurig und verzweifelt ist, dann darf man auch mal weinen. Wenn der allgemeine Zustand deines Papas okay ist, dann sollte eine Chemo ihn nicht umhauen. Sie hat natürlich Nebenwirkungen und ist wahrlich kein Spaziergang, doch es muss nicht sein, dass es ihm dann unweigerlich schlecht gehen wird.

Das Husten kann von der Bronchoskopie kommen, sehr wahrscheinlich sogar. Mein Vater hatte nach der Untersuchung sogar blutigen Auswurf beim Husten, doch die Ärztin meinte, das sei normal nach einer Gewebeentnahme. Das gab sich auch nach zwei Tagen.

Also, ihr müsst jetzt wohl erst einmal die Diagnose und den Bericht sacken lassen. Das tut schrecklich weh, wenn man so etwas schwarz auf weiß liest. Aber gib die Hoffnung nicht auf!!! Es lohnt sich immer zu kämpfen!

Liebe Grüße
Miriam :pftroest:

Myri78
18.01.2013, 20:16
Ich bin auch irgendwie froh, daß er "endlich" mal geweint hat, ich merke ihm ja schon die ganze Woche an, seit wir es wissen, daß es ihm zu schaffen macht. logischerweise. Am liebsten hätte ich gesagt: "Ja, wein es alles raus, Papa !"

Und doch tut es so unendlich weh...

Er sagt, ihn haut die Chemo nicht um, das kann er sich gar nicht vorstellen. Er ist kräftig usw. und daher ein "Bär" :-) aber ich weiß, daß auch kräftige Männer abbauen können und ich fürchte mich vor den Nebenwirkungen. "Es" frißt mich auf...

Bestünde denn theoretisch die Möglichkeit, daß alles einfach zum Stillstand kommt, noch in diesem, im letzten Stadium ?

Am liebsten würde ich ihm die restliche Zeit seines Lebens aufm Schoß sitzen und ihn nicht mehr aus den Augen lassen. Ich hab keine Lust mehr, arbeiten zu gehen und zu wissen, daß mein Dad zu Hause mit dem Krebs kämpft. Mir fehlen mind. 9 Tagesstunden mit ihm... zum Glück ist Mum bei ihm...

Woher sollen wir nur die Kraft nehmen für diesen großen Kampf der uns bevorsteht ?:confused:

Danke für den Link, da werde ich gleich mal nachlesen. Und "ossär" steht bei der Metastasenformel, dann sind evtl. gar nicht alle Lymphen gemeint... ich bin so nervös vor Montag, da gehen wir zum Onkologen...

Gina79
18.01.2013, 21:35
Hallo Myri! Ich denke auch, dass der Husten von der Brocho kommt, mein Papa hatte schon 3 x eine Bronchoskopie und danach immer argen Husten mit Schleimauswurf. Bei ihm hat es sogar mal 2 Wochen gedauert bis er sich gelegt hat. Jetzt hustet er auch grad wieder stark weil sie gestern erst eine Lungenspiegelung gemacht haben!
Liebe Grüße

Myri78
21.01.2013, 17:22
Heute hatten wir den 1.Termin beim Onkologen. Es wurde Papa Blut abgenommen und ein kurzes Gespräch mit dem Arzt hat stattgefunden. Er hielt sich sehr bedeckt, da er erst die Blutwerte usw. abwarten will, am Donnerstag haben wir den nächsten Termin und ein längeres Gespräch, indem er dann sagen kann, welche Therapie in Frage kommt. Papa hat ihn, wie ich schon vermutet habe, gefragt, "ob es sich überhaupt noch lohnt"... Der Arzt meinte, er kann noch gar nichts dazu sagen, da er erst die Ergebnisse abwarten will. Ich verstehe das allerdings nicht ganz, es liegen alle Blutwerte von der Hausärztin schon vor, genauso wie das Biopsie-Ergebnis, indem steht, Großzeller, Adenom-ähnlich. Was will er denn jetzt noch am Blut feststellen ? er weiß doch schon alles ? mmh...
Papa hatte Tränen in die Augen und hat gesagt, daß er es nicht versteht, ihm tut doch nur das Bein weh...
Es bricht mir jedes Mal fast das Herz, wenn ich Papa mit Tränen sehe, das kenn ich gar nicht von ihm. Wie verzweifelt er doch sein muß... Mama hat dann natürlich auch angefangen und der Arzt hat mich angeschaut und ich habs in seinen Augen gesehen... Papa wird nicht mehr lange Zeit haben in diesem Stadium...
Was soll ich denn nur ohne meinen Papa machen ?!?!?!?!? :confused:
ICH WILL DAS ALLES NIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIICHHHHHHHHHTTTTT !!

Am Donnerstag erfahren wir dann auch, ob eine Chemo parallel zur Bestrahlung laufen kann oder eher versetzt, wenn ich ihn richtig verstanden hab. Er meinte, es kommt je nachdem auch eine Chemo mit Tabletten in Frage. Kennt sich jemand damit aus ? Heißt das, die sind besser verträglich oder was ist der Unterschied zu den Infusionen ?

Auf der Rückfahrt hat keiner ein Wort gesprochen...
Und wißt ihr, wobei ich mich auch total beschissen fühle ? Seit 2 Tagen überlege ich ernsthaft, ob es klug ist, die Chemo usw. zu beginnen ? Er hat schon ein so fortgeschrittenes Stadium, daß ich ihm die ganze Tortur wg. evtl. 2 Wochen länger leben, ersparen möchte. Das klingt jetzt vielleicht makaber aber ich hab Angst, daß er nur noch leidet unter der Therapie und es ihm jetzt so - also ohne - noch relativ gut geht... daran ist bestimmt meine Angst Schuld ! *traurigbin*

Mirilena
21.01.2013, 19:09
Hallo Myri,

erstmal eine Umarmung... Oje, eure Stimmung ist wahrscheinlich total im Keller. Und ich kann dich so gut verstehen, das tut so weh, den eigenen Papa so zu sehen und mit den Worten des Arztes (oder vielmehr seinem Blick) konfrontiert zu werden. Und wie gern möchtest du helfen und fühlst dich einfach nur ohnmächtig.

Meinem Vater wurde wohl auch genau diese Tablettenchemo angeboten. Die kann nicht jeder Patient nehmen, denn es ist anscheinend abhängig von der Tumorart. Die erste Chemo, die mein Vater gemacht hat, war die ambulante Infusion im Krankenhaus. Die zweite waren dann die Tabletten. Der Vorteil daran war, dass mein Vater dafür nicht ins KH musste, sondern eben jeden Tag eine Tablette zuhaus einnehmen konnte. Auch die Nebenwirkungen waren nicht so offensichtlich. Diese Chemo zieht sich über einen Zeitraum von 3 Monaten hin. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, da ich nichts darüber weiß.

Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, denn deine Gedanken sind nicht schlecht. Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die ich heute habe, hätte ich meinem Papa wohl geraten, die zweite Chemo nicht mehr anzutreten. Aber da habe ich noch die Hoffnung gehabt, dass sie doch etwas Positives für meinen Papa ausrichten kann... Die Entscheidung kannst du deinem Papa aber nicht abnehmen. Ich würde ihn an deiner Stelle in dem bestärken, was er tun will und ich bin mir sicher, dass du das ohnehin tun wirst.

Fühle dich in den Arm genommen
Miriam :knuddel:

Myri78
21.01.2013, 19:22
Hallo Miriam,
danke für Deine lieben Worte, sie tun mir immer und immer wieder gut...

Ja, wir werden Papa in allem den Rücken stärken, was er möchte, ich fürchte nur, daß er das Ausmass nicht in Betracht zieht, wie so eine Chemo laufen kann. Ist ja vielleicht auch wieder gut so auf der anderen Seite.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann hat die Tablettenchemo Deinen Dad "mehr angetan" als die Infusionen oder ? Meinst Du, das wirkt genauso gut wie ne Infusion ?

Ja, ich fühl mich hilflos - ohnmächtig - und soooo traurig. Ich kann mir beim Gedanken, daß er stirbt nicht vorstellen, jemals wieder lachen zu können. Und ich habs einfach im Gefühl... dass es nicht allzu lange gut geht.

Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann denke ich: das ist das letzte Mal, wo er den Schnee sieht.. und so gehts mir bei ganz vielen Dingen, die ich sehe oder an die ich denke... ich hasse mich für diese Gedanken aber sie sind einfach da :weinen:

Ich hab Angst vor dem Onko-Termin am Donnerstag...

UND: Ich knuddel ich heute ganz fest Mirilena - es ist nämlich Weltknuddeltag :-)

Mirilena
21.01.2013, 19:30
Hallo Myri,

nein, die zweite Chemo (Tabletten) hat ihm nicht mehr angetan... Die erste Chemo (Infusion) wirkte anfangs, der Tumor verkleinerte sich geringfügig und wir waren alle so glücklich und zuversichtlich. Doch dann begann der Tumor wieder zu wachsen und die Chemo wurde bei Zyklus 5 abgebrochen. Dann bot man meinem Vater die Tabletten an, doch da war sein Allgemeinzustand schon ziemlich schlecht. Ich denke, dass auch diese Chemo nichts aufhalten konnte, doch sie war nicht so aggressiv in ihren Nebenwirkungen (rein äußerlich betrachtet, ich hab ja keine Ahnung, was sie im Körper meines Vaters angerichtet hat).

Myri, deine Gedanken hatte ich auch... Ich habe mir sogar vorgestellt, wie es sein würde, wenn mein Papa nicht mehr bei uns ist. Das war schrecklich! Ich kann dir echt nur empfehlen, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn die Angst dich beherrscht, dann kannst du dich nicht auf deinen Papa konzentrieren und da möchtest du jetzt aber um so mehr. Versuche mit allen Sinnen bei deinem Papa zu sein und die guten Momente zu genießen. Und versuche, die Zukunft jetzt erst einmal weg zu schieben!

Alles, alles Liebe und am Donnerstag denke ich ganz besonders doll an dich, an euch!
:knuddel:
Miriam

Myri78
21.01.2013, 19:41
Ich werde mir ganz fest Mühe geben, im Hier und Jetzt zu leben, jeden Tag neuen Mut aufzubringen und viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen zu können. Aber wenn ich abends nach Hause komme von der Arbeit und ich dann nicht mehr sooo lange bei ihm bin, weil ich einfach geschafft und müde bin, dann hab ich ein schlechtes Gewissen und denke immer: Mensch Myri, reiß Dich zusammen und nimm Dir die Zeit - aber - so wie heute, ich bin total müde und brauch ein bißl Zeit für mich. Ich empfinde das als egoistisch und das will ich gerade gar nicht sein :-(

Hast Du einen Thread geschrieben, in dem Du alles über Deinen Papa geschrieben hast ? In welchem Stadium haben sie bei ihm den Krebs entdeckt ?
(sorry, vielleicht steh ich auch aufm Schlauch...)

Danke fürs Schreiben, zuhören und an uns denken :-) :remybussi

Mirilena
22.01.2013, 11:24
Liebe Myri,

meinen alten Thread findest du hier:

http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=51104

"Mein Vater hat Lungenkrebs im fortgeschrittenem Stadium"

Vielleicht magst du da nachlesen, vielleicht entdeckst du Parallelen oder fühlst dich damit nicht so allein. ...Und dann sind wir auch noch Namensvetterinnen...

Und nimm es dir bitte selbst nicht übel, wenn du mal einen Tag keine Zeit für deinen Papa hast! Er weiß, dass du ihn über alles liebst und er will auch, dass du dir Zeit für dich selbst nimmst. Die braucht jeder Mensch, um wieder ein wenig Kraft zu tanken. Mit einem leeren Tank kann man nun einmal nicht fahren! Es ist unglaublich wichtig, dass du dir kleine Kraftinseln schaffst, auf die du dich gelegentlich zurückziehen kannst und es ist wichtig (bei aller Angst und Sorge), dass ihr es schafft, wieder so eine Art Alltag einkehren zu lassen. Das mag seltsam und bescheuert klingen, doch deinem Papa wird es helfen, wenn er möglichst viel Normalität um sich hat. Die Krankheit schränkt ihn ein, aber er wird nicht ständig darüber reden wollen... So war es bei meinem Papa. Er wollte abgelenkt werden und irgendwie auf seine Art am Leben teilhaben. Ich habe ihm immer viel von meinen "Problemchen" auf der Arbeit erzählt, ihn viel um seinen Rat gefragt, so dass er eingebunden und wichtig war. Das gab ihm das Gefühl zurück, nicht "nutzlos zu sein" sondern gebraucht zu werden. Du weißt schon, wie ich das meine! Auch das ist immens wichtig, denn ein kranker Mensch beginnt meist, sich selbst als Belastung für seine Familie zu empfinden, da er nichts mehr von dem tun kann, was er gewohnt war. Das muss sich scheußlich anfühlen, wenn der eigene Körper die Dienste versagt und schwach ist...

Also, wenn du irgendwelche Fragen hast, die du hier nicht stellen magst, schick mir gern jederzeit ein PN (Persönliche Mitteilung), okay?

Ich knuddel dich
Miriam :knuddel:

Myri78
23.01.2013, 05:56
Hallo Miri,
es stimmt, ich muß mir auch mal Zeit für mich nehmen aber es fällt mir auch sehr schwer. Ich denke dann immer, diese Zeit und diese Momente werden mir mit ihm mal fehlen und vielleicht eher als mir lieb ist.
Gestern hat er wohl ein bißchen angefangen mit Mama über alles zu reden, das hat er bisher immer nur, wenn wir alle in einer Runde waren. Sie hat mir dann erzählt, daß er gemeint hat: "mmh... heilen kann man das ja nicht mehr... wie läuft denn so ne Chemo ab ?" Sie hats ihm dann versucht zu erklären, dass wir erst am Donnerstag so richtig Bescheid wissen, es aber Infusionen oder Tabletten gibt, je nachdem. Er meinte dann noch: Meine Zeit ist halt gekommen, es ist einfach so... Ich glaube, er denkt darüber nach, die Chemo nicht zu machen... gesagt hat er aber (noch) nichts davon.

Morgen haben wir den Termin beim Onko-Doc und ich hab mir schon Fragen aufgeschrieben, die ich stellen möchte.

Mama hat mir noch erzählt, dass es ihm gestern schwindlig war. Es kann natürlich ganz harmlos sein aber ich fürchte, dass dieser Sch... Krebs im Hirn auch schon seine Spuren hinterlassen hat. Darüber haben wir mit Papa noch nie gesprochen, an diese "Möglichkeit" denkt er noch gar nicht und wir wollten das auch nicht. Aber ich muß es wohl beim Doc ansprechen.
Kann denn die Chemo und die Bestrahlungen beginnen, auch ohne Knochensinti usw. oder muß das vorher erst noch alles geprüft werden ? Ich will endlich, dass es los geht, dieses Warterei und diese Angst, daß der Krebs einfach weitermacht in diesen Tagen des "Stillstandes" bringt mich fast um den Verstand...

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
23.01.2013, 07:37
Guten Morgen Myri,

in der Regel fängt die Therapie sprich Bestrahlung und / oder Chemo erst dann an, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Das kann für den Erkrankten und die Familie eine wahre Tortur sein... Wir mussten Wochen auf das Ergebnis der Biopsie warten und ich bin seihnerzeit fast durchgedreht. Ich hätte die Ärzte alle killen mögen, weil ich fand, dass Zeit unser wichtigstes Gut war, von dem mein Papa einfach zu wenig hatte. Heute denke ich, dass man eben den Körper auf den Kopf stellt, um alle Eventualitäten auszuschließen und keine "falsche" Behandlung zu beginnen. Denoch ist es schrecklich, wenn man daheim sitzt und wartet. Man ist ja zur Untätigkeit verdonnert und macht sich um so mehr Sorgen. Mit einem Ergebnis kann man sich auseinandersetzen, doch dieses Warten verursacht nur noch mehr Ängste.

Aber leider geht es uns allen so und wir müssen diesen Zustand wohl oder übel ertragen. Du und deine Mama, ihr könnt deinen Papa am besten einschätzen. Wieviel Wahrheit verträgt er und was sollte man ihm besser verheimlichen bzw. verschweigen? Bei meinem Vater war es so, dass er die meisten Gespräche (und davon gab es arg wenige) allein mit dem Onkologen geführt hat. Er hat es abgelehnt, von meiner Mutter begleitet zu werden... Leider... Und wenn man ihn anschließend fragte, dann hatte er die Hälfte vergessen (absichtlich?!). Wir waren nur bei dem einen Gespräch dabei und da habe ich meinen "Fragenkatalog" rausgeholt und der Arzt schaute mich ziemlich entgeistert an...:tongue Egal, Myri, es ist das Beste, was du tun kannst. Alle Fragen notieren und Zettel mitnehmen!!! Man ist sonst oft so aufgeregt und vergisst so viel.

Also, meine Süße, ihr schafft das! Und mach dich nicht verrückt wegen des Schwindels, das kann auch eine harmlose Nebenwikung sein (Medikamente, Kreislaufprobleme, vieles Liegen...)

Ganz liebe Grüße
Miri (mit i)

Myri78
24.01.2013, 09:31
Nachher ist es soweit, Termin beim Onko-Doc, um alles zu erfahren. Ich habe mir mega viele Fragen aufgeschrieben, ich weiß nicht, ob er "Lust und Zeit" hat, die alle zu beantworten. Er soll mir ja keinen Roman drüber erzählen aber ein paar Dinge muß ich einfach wissen.

Ich habe ganz unruhig geschlafen heute Nacht, sonst gehts eigentlich ganz gut. Da schöpfe ich meine ganze Kraft draus. Aber die Nacht vor nem Arzttermin ist irgendwie immer anders...

Gestern hat Papa eine Todesanzeige gesehen von einer Frau, die meine Mama kannte, gestorben an Lungenkrebs, der auch zu spät erkannt wurde. Er meinte dann, guck mal und sie war noch 9 Jahre jünger als ich. Er versucht es sich mit seinem Alter "schön zu reden"... ihr wißt schon, wie ich es meine... mir gelingt das nicht. Bei mir schlägt einfach das Tochterherz :weinen:

Dann hat er mich wieder gefragt: meinst Du, es sind noch 2 oder 3 Monate ? Wieder hab ich ihm gesagt, daß ich es nicht sagen kann, wir abwarten müssen... gedacht habe ich aber: er denkt in immer kürzeren Abschnitten, letzte Woche wars noch die Frage nach 1 Jahr. Hab danach mit Mama gesprochen und hab ihr gesagt, daß ich Angst habe, er will nicht mehr kämpfen. Sie meinte dann aber er hat gerade zu ihr gesagt: so schnell gebe ich nicht auf, da haben manche schon Angst bekommen :-) Ich glaube, er ist hin-und hergerissen...
Er redet die letzten Tag mehr darüber, was ihn beschäftigt, ich finde das gut. Auch wenn es traurige Dinge sind. Nur raus damit ! Er meinte, die Chemo macht ihm bestimmt zu schaffen, davor graut ihm.
Uns auch...

Drückt uns die Daumen nachher, mein Herz klopft bis zum Hals... und die Angst macht sich breiter, je weiter der Uhrzeiger läuft...

Liebe Grüße und ganz, ganz vielen Dank für Eure Unterstützung !

Myri

Mirilena
24.01.2013, 10:41
Meine Daumen sind ganz, ganz fest gedrückt!!! Und lass dich nicht einschüchtern oder abwimmeln! Stelle freundlich und bestimmt deine Fragen, euch steht es zu, dass ihr aufgeklärt werdet und dass man sich Zeit nimmt für deinen Papa!!!

Liebe Grüße
Miri :remybussi

Myri78
24.01.2013, 18:25
Hallo ihr Lieben,
ui ui ui... mir brummt der Kopf - war das viel Input heute, unglaublich...

Wir saßen ca. 30 min. beim Onko-Doc und er hat den weiteren Ablauf erklärt. Also:

Es ist definitiv ein Adenokarzinom und Knochenmetastasen, als Chemo bekommt er Carboplatin und Alimta (könnt ihr mir nochmal sagen, wofür das Alimta ist ?). Der Arzt hat Papa dann nochmal erklärt, daß es keine Heilung gibt aber man durch die Chemo versucht, den Tumor einzudämmen. Und: Am MONTAG gehts schon los ! Hört sich vielleicht blöd an aber ich bin soooo froh, dass es endlich los geht, diese Warterei und die Angst, dass der Tumor jeden Tag ungehindert weiterstreut, ist unerträglich. Am Mittwoch bekommt er dann die Infusion mit Bondonat (heißt das so ? ist das für die Knochen oder ?) und heute hat er schon die erste Vitamin B12 Spritze bekommen. Dann hat er den Montag drauf wieder Chemo, dann 1 Woche Pause. Also immer 2 Wochen hintereinander Chemo, 1 Woche frei. So sollen 6 Zyklen gemacht werden. Ende März CT zum Vergleich, ob es anschlägt.
Papa hatte wieder Tränen in den Augen, als der Arzt ihm gesagt hat, dass es ein verlängern des Lebens ist. Er hatte glaube ich bis zuletzt die Hoffnung, dass es irgendwie wieder gut wird.
Erst heute hat er mir von einem Prostata-Bekannten erzählt, dessen Tumor quasi "ausgetrocknet" ist - er hoffte wohl, dass das bei ihm auch geht. Ist ja aber leider nicht so oder meint ihr, dass es das bei Lungen-CA auch gibt oder sich der Tumor irgendwie Verkapseln kann ? Ich habs noch nie gehört.
Dann hatten wir noch in einer anderen Praxis nen Termin für die Besprechung für den Port. Das wußten wir bis heute noch gar nicht. SURPRISE ! Dieser wird am 8.2. eingesetzt und Vollnarkose, für uns war es gerade wieder ein Schlag und Papa war total überfordert, was da noch alles auf ihn zukommt. Ich irgendwann auch. Ich bin hier umzingelt von Unterlagen, Infoblättern, Überweisungen, Rezepten, Taxischein usw. Die Medis hab ich heute in der Apotheke schon bestellt. Die sollen der Übelkeit ein Schnippchen schlagen, hoffentlich wirkts.
Jetzt muß ich erstmal Ordnung in das Choas bringen, in das Papierchaos sowie in das Chaos in meinem Kopf.
Der Arzt hat Papa keine "Lebensdauer" gesagt, wie ich erwartet hatte. Aber als wir raus sind, bin ich extra als letztes mit dem Arzt aus dem Zimmer und habe gewartet, bis meine Eltern weg waren und hab ihn gefragt, was er wirklich denkt, wie lange er noch zu leben hat. Er druckste rum und ich sagte dann: wird es noch 1 Jahr ? er meinte: es ist wahrscheinlich. Ich sagte dann: es kann aber auch nur 6 Monate sein ? er meinte, wenn es schlecht läuft, 6 Monate. Ok, das hat mir schon gereicht. Er hat sich nicht festgelegt und ist so ein netter Arzt, ich bin froh, wie geduldig er auch alles von mir beantwortet hat. Und doch hatte ich irgendwie das Bedürfnis diese Frage ihm stellen zu können, weil ich inzwischen so verunsichert war... ich weiß schon, dass ich mich nicht darauf versteifen darf und kann, ich werde Papa natürlich auch nix davon sagen aber es geht mir etwas besser damit.
Da ich am Samstag zu meinem Heilpraktiker gehe und Papa will, daß ich ihm die Unterlagen mitnehme und er so was nehmen will, habe ich das auch angesprochen bzw. nachher nochmal angerufen weil ich es vergessen hatte :-) (Dummerle *g*). Sie haben nix dagegen, wenn er sowas machen möchte, wir sollen nur vor Einnahme durchgeben, was er nehmen möchte und nachfragen, ob das ok ist. Das ist ne prima Sache. So machen wir es.
War es bei Euch auch so, dass ihr z.Bsp. Eier nur hart gekocht haben durftet, Fleisch gut durchgegart usw. ?
Bestrahlungen werden wohl nicht angestrebt, es wäre Schmerztechnisch eine Option aber Papa sagt immer noch, er hält die schmerzen im Bein aus. Oh Mann... was für ein Tag. Ich bin total platt, nur vom Reden und Zuhören.

Habe ich das richtig verstanden, dass die Chemo auch die Metastasen erreicht und nicht nur den Tumor und die Lymphknoten ? Die Lymphknoten in der Lunge sind voller Metastasen, nennt man das dann auch Lungenmetastasen oder wären die dann direkt im Lungengewebe ? Wie muß ich mir das vorstellen ? wiviele hat man denn davon in der Lunge ?

Das Taxi für Montag ist auch bestellt, Mama kann auch mitfahren, das ist prima. Wir hoffen so, dass er es gut packt, nicht zu viel Übelkeit ertragen muß, keine Infekte oder Fieber usw. - aber wer wünscht sich das nicht ?

Ein Knochenszinti wird nicht gemacht, das hatte ich noch gefragt. Da es nicht viel bringen würde, wenn man noch 2 oder 3 kleinere finden würde. Wie immer ich das auch verstehen soll. Ich glaube ein paar Restfragen kommen noch in den nächsten Tagen, wir dürfen jederzeit anrufen. Der Onko-Doc ist Tag und Nacht erreichbar, wenn was ist. Das find ich super, kennt ihr das auch so ?

Vielen Dank an Euch alle fürs Daumen drücken :-)

Liebe Grüße,
Myri

Die anderen Medis lt. Plan heißen:
Emend, Dexamethason, Folsan, MCP, Granisetron, Tavanic (bei Fieber)

Mirilena
24.01.2013, 19:29
Hey Myri,

na, trotz der blöden Krankheit, das Gespräch heute ist doch sehr gut gelaufen! Das scheint ja wirklich ein sehr netter und einfühlsamer Onkologe zu sein, der sich auch Zeit genommen hat. Leider kenne ich das überhaupt nicht so... Es ist nicht selbstverständlich und da hat dein Papa Glück, dass er an einen so menschlichen Onkologen geraten ist! Das ist unheimlich viel wert, denn wenn dein Vater sich dort gut aufgehoben fühlt, trägt es natürlich auch zu einer erfolgreichen Behandlung bei.

Ich finde es auch gut, dass es bereits am Montag los geht! Die Chemo, die dein Vater ja wohl per Infusion erhält (das dauert in der Regel mehrere Stunden), erreicht ja nicht nur den Primärtumor in der Lunge sondern alle Zellen seines Körpers, d.h. man kann hoffen, dass sie auch die Knochenmetatstase und die in den Lymphknoten eindämmt. Deshalb findet dann auch in geraumer Zeit eine Kontrolle statt, um zu sehen, wie diese Wirkstoffe bei deinem Vater anschlagen.

Ja, die andere Infusion bekommt dein Vater zur Stärkung seiner Knochen wegen der Knochenmetas. Das ist wichtig und hat keine negativen Auswirkungen!

Und die Medis gegen die Übelkeit soll dein Papa bestenfalls schon am Wochenende einnehmen. Meinem Vater haben die super geholfen, er hatte überhaupt keine Probleme mit Übelkeit während der Chemo. So konnte er wenigstens auch Nahrung zu sich nehmen. Allerdings hatte er bedingt durch die Chemo einen Ekel vor Fleisch entwickelt und mochte einige Sachen überhaupt nicht mehr essen. Gut ist, wenn dein Vater immer dann isst, wenn er Appetit hat, denn der Sch...tumor verbraucht sehr viel Energie, d.h. er zerrt an deinem Vater und klaut ihm seine Energie. Also muss er über die Nahrung mehr zu sich nehmen. Er darf ruhig mal Sahnequark essen oder einen Schuss Sahne in die Soße, eine Extraportion Butter etc.

Was die Lebenszeit angeht: Myri, mach dich nicht verrückt! Es gibt Menschen, die durchaus noch länger mit der Krankheit gelebt haben und andere, bei denen die Krankheit sozusagen explodiert ist. Wenn sie nicht heilbar ist, dann ist das Wichtigste, dass die Lebensqualität größtmöglich gehalten werden kann. Das bedeutet: keine Schmerzen! Wenn dein Papa sich jetzt gut fühlt, ist das prima!!! Das Wichtigste für dich: genieße die guten Momente, die er hat! Macht euch schöne Tage und eine schöne Zeit, ja? Es gibt diesen Spruch: Nicht dem Leben mehr Tage geben sondern den Tagen mehr Leben... Im Endeffekt wissen wir alle nicht, wie viel Zeit uns bleibt und wichtig ist, was wir aus der Zeit machen, die wir haben, oder?

Also Myri, nun entspanne dich erst mal und versuche, den Kopf ein wenig leer zu bekommen :remybussi Das wird schon!

Ganz liebe Grüße
Miri

heaven
24.01.2013, 21:26
Liebe Myri,
wir hatten ja schon per PN Kontakt. Prima,das es sofort mit der Chemo losgeht,dein Dad bekommt die selbe Chemo wie ich. Wenn sie anschlägt (wovon wir ausgehen!) kann Alimta mono dann im Anschluss als Erhaltungstherapie gegeben werden. Erhaltungstherapie heisst: den erreichten Zustand nach der Chemo (Schrumpfen des Tumors/der Metas) möglichst lange aufrecht zu erhalten. Emend (3 Tabletten) gegen Übelkeit :1 Tag vor der Chemo,1 am Tag der Chemo,1 am Tag danach. MCP und Granisetron nach Bedarf. Dexto soll Entzündungsprozesse verhindern. Folsäure (Folsan) wird durchgängig tägl. genommen,da Alimta massiv in den Folsäurehaushalt eingreift und Nervenschäden verursachen kann.
Ich wünsche euch alles Gute und wenig NW!!

Sei lieb gegrüsst von
Heaven (dem Himmel so fern)

Myri78
24.01.2013, 21:43
Ach Heaven,
wie schön, dass es Dir so gut geht und ich drücke auch Dir weiterhin ganz fest die Daumen. Ich hoffe es so sehr, dass die Therapie auch bei meinem Dad anschlägt. Das wäre wundervoll....
Der Doc meinte allerdings, der Tumor würde wieder wachsen, sobald man mit der Chemo aufhört ? blöd.. und ob man das schon so sagen kann ? ich weiß nicht...
Das Alimta bekommt er jetzt aber auch schon gleichzeitig oder ? Evtl. wird mal noch entschieden, ob er auf Tabletten umsteigen kann, hat der Doc gemeint ( mein Dad hofft es... :-) ) Er ist schon ganz glücklich, dass er nicht stationär ins Krankenhaus muß, daheim ist es halt doch am Schönsten :-) das kann ich gut verstehen. Hattest Du Fieber während der Chemo ? Lungenentzündung oder so ? davor graut Mum und mir etwas, weil Papa leicht mal Fieber hat und auch schon mal fast an einer Lungenentzündung gestorben wäre...

Liebe Grüße,
Myri

heaven
24.01.2013, 21:51
Hey Myri,
ja,das Alimta bekommt er jetzt schon zusammen mit dem Carboplatin. Ob er Tabletten-Chemo (Tacerva,Iressa) bekommen kann,ist davon abhängig,ob der Tumor bestimmte Mutationen (z.B. EGFR) aufweist. Das kann durch Tumorgewebe-Probe getestet werden. Fieber/Lungenentzündung hatte ich GsD nicht!

Liebe Grüsse von
Heaven (dem Himmel so fern)

Myri78
24.01.2013, 21:57
Oh nein, nochmal ne Gewebeprobe ? Ich glaube, das wird dann noch eine Überredungskunst.. jetzt machen wir erstmal Schritt für Schritt...

Ich drücke uns und Euren Lieben ganz fest weiterhin die Daumen, wir dürfen die Hoffnung niemals aufgeben !

Liebe Grüße,
Myri

Myri78
25.01.2013, 20:53
Oh, vielen Dank für deine pn, ich glaube aber nicht, dass es jemanden stört, wenn Du hier mitschreiben möchtest, Du hast sooo viel Power und Kraft - das gibt bestimmt vielen etwas Hoffnung und Aufschwung, wie auch mir :-)

Morgen fahre ich zu meinem Heilpraktiker, mit im Gepäck: Papas Krankenakte.
Ich hab heute die Medis aus der Apotheke geholt, manno mann, sind das viele. Ich hoffe nur, sie halten auch was sie versprechen :-)

Ich werde Papa die Tabletten immer richten, habe ich beschlossen, er ist durcheinander und traurig genug und ich hab wieder das Gefühl, ihm helfen zu können. Das scheint so wichtig zu sein...

Wie gehts Euch allen heute ?

Myri78
27.01.2013, 11:19
Ich wollte mich mal wieder melden... heute bekam Papa die 1.Tabletten vor der Chemo und morgen früh um 8 Uhr bekommt er die erste Infusion - der Kampf beginnt jetzt wirklich. Ein komisches Gefühl, ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Ich bin froh, dass es "endlich losgeht" aber es ist auch viel Angst mit dabei.

Habt ihr auch Schüssler Salze verwendet ? Ich hab gelesen, dass die Salze 4,10 und 25 in Frage kommen. Potenz D6, kennt ihr Euch damit aus ? Werde morgen noch beim Onkologen nachfragen, ob es ok ist, wenn wir das auch machen...

Wie gehts Euch heute und Euren Lieben ?

Fühlt Euch gedrückt !

Wünsche Euch einen schönen Sonntag,

liebe Grüße,
Myri

Myri78
27.01.2013, 11:34
Hallo Svenja,
vielen Dank fürs Daumen drücken, das können wir sehr gut gebrauchen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, ran an den Feind !!!!!!!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße,
Myri

Gina79
27.01.2013, 11:52
Hallo Myri! Ich wünsche euch auch alles Gute für den Start der Chemo morgen. Der Tumor soll einiges drüber bekommen und die Nebenwirkungen sollen sich in Grenzen halten!
Schüssler Salze hat mein Papa auch mal kurze Zeit genommen. Er hält allerdings nicht allzu viel davon. Nr. 4 - für den Flüssigkeitshaushalt weil er immer so wenig trinkt.
Ich nehme schon seit längerer Zeit Schüssler Salze für die Nerven und zur Beruhigung ein Nr. 10 und Nr. 5, sie tun mir gut!
Ich denke schaden kanns auf keinen Fall wenn er sie nimmt denn was der Körper nicht braucht scheidet er automatisch wieder von selbst aus!
Liebe Grüße und toi toi toi für morgen! Nina

Gina79
27.01.2013, 11:53
Nachtrag - Sorry, hab mich vertippt, ich nehme die Salze 5 und 7!

Mirilena
27.01.2013, 13:13
Hey Myri,

meine Daumen sind auch ganz doll gedrückt für den Start der Chemo! Ich hoffe, dass dein Papa sie gut verträgt ohne allzu dolle Nebenwirkungen. Geh mal davon aus, dass er ziemlich müde und abgeschlagen sein wird direkt nach der Infusion. Das ist vollkommen normal.

Ansonsten toi, toi, toi und bleibt optimistisch!!!

Ganz liebe Grüße
Miriam

Myri78
27.01.2013, 21:32
Vielen Dank Euch allen fürs Daumen drücken, das können wir sehr gut gebrauchen !

Ich mache mir gerade (wiedermal) Gedanken darüber, dass Papa keine Bestrahlungen für die Knochenmetastasen erhalten soll. Findet ihr das nicht seltsam ? Werden diese denn durch die Chemo auch erreicht und evtl. aufgehalten ? Ich dachte, dass kann nur die Bestrahlung... mmh...

Ich glaube, ich muß den Arzt nochmal deswegen fragen, was meint ihr ?

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
28.01.2013, 08:56
Liebe Myri,

das wird schon gut gehen!

Ich finde es auch vernünftig, dass dein Papa nicht beide Sachen, sprich Chemo und Bestrahlung, gemeinsam als Doppelpack erhält. Das ist eine ungeheure Belastung. Bei meinem Vater war es so, dass er erst bestrahlt wurde und dann kam die Chemo. Beides zusammen ist zuviel für einen so geschundenen Körper...

Vertrau jetzt darauf, dass es alles gut läuft, okay? Das wird schon!

Und berichte heute Abend mal, wie es deinem Papa ergangen ist!

Liebe Grüße
Miriam :pftroest:

Myri78
28.01.2013, 17:44
Heute morgen war es dann soweit: Papa hat seine 1.Chemo bekommen und es geht ihm gut. Bis jetzt keinerlei Übelkeit oder sonstige Nebenwirkungen aber nach ein paar Std. kann man vielleicht auch noch nicht viel sagen. Er ist jedenfalls guter Dinge, voller Hoffnung und hat den Kampf aufgenommen. Heute hat er gesagt, daß ihm niiiiiemals schlecht werden wird... wie sehr ich es ihm doch wünschen würde... er hat wohl die halbe Praxis bei Laune gehalten, hat meine Mum erzählt aber immerhin hat er die Menschen dort zum Lachen gebracht. Ich glaube, das ist ganz wichtig für alle. Und ich bin froh, wenn er noch Witze machen kann :)

Am Mittwoch bekommt er dann eine Infusion, die die Knochen stärken soll, ich weiß noch gar nicht, ob bei dieser auch mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Ich bin so voller Hoffnung, dass ich mich manchmal selbst wieder in die Realität zurückholen muß und mir sagen muß, dass er Krebs hat und die Prognosen leider nicht so gut sind. Aber ich schiebe es momentan ganz weit von mir weg... die Hoffnung, der Wunsch und der Glaube daran, dass er den Kampf für lange Zeit gewinnt und es ihm länger als vorausgesagt gut geht, überwiegen.

Ach Papa...

Wie gehts Euch heute ?

Liebe Grüße,
Myri

Gina79
28.01.2013, 18:32
Das ist die richtige Einstellung, Myri! Genieße jeden Augenblick und jeden neu angebrochenen Tag! Auch wenn es nicht immer leicht fällt und man sich selbst dann immer wieder mal aus einem schlechten Gedankenbad rausziehen muss, immer positiv denken und die Hoffnung auf eine lange gute Zeit niemals aufgeben! Das ist schon die halbe Miete!
Alles Gute für dich und deinen Daddy!

PS: Das sind richtige Kämpfernaturen! Mein Papa hat bei seiner ersten Chemo auch gesagt, dass er keine Nebenwirkungen haben wird und er hatte auch wirklich (fast) keine! Dazu hat sicherlich auch die positive Einstellung beigetragen!

Myri78
28.01.2013, 18:56
Ja, die Hoffnung nicht aufgeben, das ist das A+O.

Hatte dem Onko-Doc heute noch nen Fax gemacht wg. zig Fragen. Er hat mich gerade angerufen und war wie immer voll nett und hat alles "brav" beantwortet :-) Schüssler und die pflanzlichen Mittel dürfen genommen werden, er möchte nur wissen, was er dann nimmt und über "seltene" pflanzliche MIttel möchte er vorher gerne drüber gucken. Aber für uns kommen jetzt erstmal die Schüssler Salze in Frage.
Er hat mir auch gesagt, daß die Untersuchung auf die Mutation schon am laufen ist und er diese Woche noch auf das Ergebnis hofft. Könnt ihr mir sagen, was es damit genau auf sich hat ? das spielt wohl eine wesentliche Rolle...

Diese Woche werden auch noch die Ärzte vom Krankenhaus anrufen, die sich um eine evtl. Bestrahlung kümmern möchten. Sie möchten es sich aber alles erst ganz genau anschauen und dann entscheiden, ob es gemacht wird. In welchen Abständen und wie es mit der Chemo parallel laufen kann (oder auch nicht), da es ja auch belastend ist. Papa soll viel an die frische Luft und laufen, das wäre gut für die Muskulatur, die ja auch die Knochen hält, gerade wenn da Metastasen sind. Papa wird noch Novalgin-Tropfen bekommen wg. den Schmerzen, bis jetzt hat er ja nix genommen, weil er es immer noch aushält. Heute hat er gar keine im Bein und ist überglücklich.
Aber an die frische Luft und Schmerzen beim laufen ist halt sch...., ich hab Mama vorgeschlagen, daß wir zur Sicherheit nen Rollator nehmen könnten und er daran etwas sicherer laufen könnte. Ich werde mich morgen mal erkundigen, ich fürchte, er will das (noch) nicht, am Rollator gehen. Aber wenns doch den Muskeln hilft :-) obwohl: vorhin hat er zu mir gesagt: Ich mache alles was Du sagst :-) und hat gegrinst wie ein Honigkuchenpferd.

Wir geben nicht auf, wir schaffen das... lieben Dank an Euch, ihr seid mir eine große Stütze !

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
28.01.2013, 20:40
Hallo Myri,

Bravo!!! Ich bin unbekannterweise auch stolz auf deinen Papa, dass er die erste Chemo so gut und humorvoll weggesteckt hat:D

Von der knochenaufbauenden Infusion hatte mein Dad null Nebenwirkung. War nicht schlimm und tat nicht weh.

Bewegung ist immer gut, da sonst auch das ohnehin angeknackste Lungenvolumen schwindet. Aber alles in Maßen und so, wie es deinem Papa möglich ist. Die Idee mit dem Rollator ist sehr gut, denn so kann dein Papa sich aufstützen, wenn er mal schwächelt oder sich sogar hinsetzen. Er soll aber auf jeden Fall aufpassen und wenn ihm irgendetwas komisch vorkommt, lieber hinsetzen. Schon daher wäre ein Rollator Gold wert!!!!!!

Klar schafft ihr das! Ihr seid auf dem besten Weg und ihr habt ja wirklich einen sehr angenehmen Onkologen an eurer Seite, für den dein Papa nicht nur eine Nummer sondern ein Mensch ist, dem geholfen werden soll.

Alles Liebe
Miriam

Myri78
28.01.2013, 20:47
Hallo Miriam,
vergiß das mit dem Rollator wieder - den will er nicht, wie ich mir schon gedacht habe. Mama konnte ihn diesen nicht "verkaufen" :-) er sagt, wenn er seinen Stock nimmt und Mama auf der anderen Seite ist, dann geht das schon. Und in unserem Park sind alle paar Meter Bänkchen zum Hinsetzen, also wird das erstmal versucht. Hoffentlich passiert nix - ich darf gar nit dran denken.

Typisch Papa, hält wieder alle bei Laune in der Praxis. Er hat mir erzählt, dass die eine Helferin so nett war, er hat ihr dann gesagt, dass er am Mittwoch wieder kommen würde. Sie meinte dann, da wäre sie nicht da. Er meinte dann ganz trocken: dann komm ich da auch nicht !
Na prima, da haben sich ja 2 gefunden, schon haben wohl alle wieder gelacht. Wäre ja schön, wenn das so bleiben könnte.

Ach, erstmal bin ich glücklich :-) soweit man es sein kann in dieser Situation.

Fühlt Euch gedrückt :knuddel:

Mirilena
29.01.2013, 06:20
Guten Morgen Myri,

kenne ich! Mein Vater hat den Rollator erst nach seinem Oberschenkelhalsbruch akzeptiert. Vorher wollte er gar nichts davon wissen. Ich kann es ja irgendwie auch verstehen...

Es ist großartig, dass dein Papa seinen Humor nicht verliert! Wenn man in so einer Situation sogar andere noch zum Lachen bringen kann, dann ist das viel wert. Bekanntlich ist Lachen ja die beste Medizin. Und es nimmt die Angst vor so einigen Dingen. Wie ich gerade sehe, bist du auch schon wach... Ich hoffe, du hast gut sowie tief und fest geschlafen!

Hab einen angenehmen Tag
Miriam

Mirilena
31.01.2013, 06:05
Hallo Myri,

alles okay bei dir? Ich hoffe es!!! Hier stürmt es so gewaltig im Norden, dass der Wind alles von meinem Balkon gefegt hat und ich um 5 Uhr aus dem Bett gefallen bin. Schrecklich! Meine Katzen können auch nicht verstehen, weshalb sie nicht raus dürfen... Die fliegen mir noch weg! Hat echt keinen Sinn bei den fiesen Windböen.

Melde dich mal wieder, wenn du magst!
Ganz liebe Grüße
Miriam :remybussi

Myri78
31.01.2013, 19:29
Hallo Miriam,
melde mich nur kurz :-( liege mit Verdacht auf Blinddarm seit gestern Abend flach, wenn es heute Nacht schlimmer wird, muß ich ins Krankenhaus... das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Jetzt machen sich Mum + Dad Sorgen um mich, dabei haben sie doch selbst grad genug davon... es ist zum Heulen.

Bei uns hat es heute auch ganz extrem gestürmt, bei über 10 Grad +
Doofes Wetter...

Papa gehts soweit gut, er kann etwas besser laufen und morgen hat er den Termin wg. evtl. Bestrahlung für das Bein... und ich kann nicht mit... hoffentlich können Sie sich alle Infos merken...

Sorry, daß ich mich so kurz halte aber ich muß wieder ins Bett und liegen, sonst dreh ich durch..

Ganz liebe Grüße und gute Nacht :knuddel:

Myri

Mirilena
31.01.2013, 21:37
Oh nein, du arme Maus! Das ist ja ganz blöd... Pass gut auf dich auf und wenn es denn sein muss, dann raus mit dem kleinen Wurmfortsatz!!! Sonst kann das nämlich gefährlich werden, Myri!

Deine Eltern schaffen das schon! Sie werden schon aufpassen und sich alles merken. Und wenn nicht, dann fragen sie einfach nach.

Hauptsache ist, dass du keine Schmerzen mehr hast! Also, dann drück' ich dir ganz fest die Daumen, dass alles gut verläuft und dann melde dich erst wieder, wenn es machbar ist, ja? Ich denke ganz doll an dich und schicke dir gaaaaaaaaaaaaaaaanz viel "Gesund-mach-Wünsche"

:remybussi
Miriam

Myri78
01.02.2013, 19:13
Hallo Miriam,
danke für Deine Wünsche - es hilft glaube ich schon ein wenig :-)

Vom Blinddarm gibt es höchstwahrscheinlich Entwarnung. Eigentlich warte ich noch auf mein Blutergebnis aber.. der Doc hat nicht mehr angerufen, super ! :mad:

Heute war die Besprechung für die Strahlentherapie von Papa. Es wäre 5x die Woche, 3 Wochen lang. Der Doc will dann mit dem Onkologen sprechen, ob dies während der Chemo geht oder dies zu belastend ist und die Chemo evtl. ausgesetzt werden soll. Das gefällt mir allerdings gar nicht, da ich die Chemo viiiel wichtiger finde als die Bestrahlung, da Papa die Schmerzen im Bein noch gut aushält, er will auch keine Schmerzmittel, so schlimm wäre es nicht. Auf einer Skala zwischen 1-10 gibt er den Schmerz mit 4-5 an.
Das kann man ja dann dem Onkologen bestimmt sagen, dass man lieber die Chemo weitermachen würde oder ?
Papa ist dann Mama noch gegenüber ausfällig geworden während des Gespräches und jetzt ist wohl "Funkstille" zwischen Mum und Dad angesagt. Na prima... als ob wir momentan keine anderen Sorgen hätte, er kann da wirklich unmöglich sein. Das ist jetzt auch nix Neues wg. der Krankheit oder so, das hat er leider schon immer ;-(

Wie gehts Dir denn ?

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
02.02.2013, 08:20
Liebe Myri,

eigentlich wollte ich heute mal genüsslich ausschlafen, doch um 7 Uhr war es dann vorbei... :tongue Je älter ich werde, desto weniger ausgiebig wird das mit dem Ausschlafen! Ist wohl so eine Begleiterscheinung! Aber dann habe ich morgens immer viel Zeit, um hier rein zu schauen:D

Mensch, da bin ich aber froh, dass du offenbar keine akute Entzündung hast! Das stelle ich mir nämlich auch äußerst schmerzhaft vor. Das ist ja schon mal eine gute Nachricht!

Und was deinen Papa angeht: als rein medizinischer Laie würde ich nicht empfehlen, Bestrahlung und Chemo parallel durchzuführen. Das ist eine so extreme Belastung für den Körper. Man sieht ja rein äußerlich nicht, was das so alles anrichtet, doch auch die Bestrahlung ist kein "Spaziergang"... und bringt so etliche Nebenwirkungen mit sich. Ich kann natürlich gar nicht beurteilen, was jetzt wichtiger und besser für deinen Papa ist, doch beides gleichzeitig zu machen halte ich für grenzwertig. Bei meinem Vater haben sie das letztendlich getan und das hatte keine guten Auswirkungen. Ich habe den Eindruck, dass es deinem Papa den Umständen entsprechend gut geht und er sich tapfer hält. Gerade deshalb wäre es gut, ihm nicht zu viel zuzumuten. Und na klar könnt ihr dem Onkologen sagen, dass ihr die Fortsetzung der Chemo vorzieht.

Dann hoffe ich, dass du wenigstens ein erholsames Wochenende vor dir hast ohne Bauchschmerzen!!! Mir geht es übrigens sehr gut! Ich bin meinen beknackten Job nun endgültig los und die restlichen beiden Monate frei gestellt! Das bedeutet ich habe zwei ganze Monate Zeit!!! Zeit für mich und Zeit, mir einen neuen Job zu suchen. Herrlich! Das ist doch Luxus pur! Wäre natürlich großartig, wenn ich demnächst irgendwo eine Zusage erhielte, denn dann könnte ich meine freie Zeit sorgloser und unbeschwerter genießen. Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass es auch mal klappt demnächst!

Also, hab ein schönes Wochenende!

P.S.: Mein Vater war auch manchmal ganz schön zickig! Ist normal, oder?!

:remybussi
Miriam

Myri78
07.02.2013, 20:46
Hallo ihr Lieben,
wollte mich hier mal wieder melden :-)

Papa hatte am Montag seine 2. Chemo und er hat noch keinerlei Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Haarverlust usw. Er ist etwas heiser und hat schon ca. 5 kg abgenommen - ansonsten alles prima. Seine Laune ist nicht immer die Beste aber das ist auch immer ein auf-und ab.

Morgen um 12.45 Uhr hat er den Termin für die Einpflanzung des Ports. Ich hab Angst davor und hoffe so sehr, dass alles gut läuft, sich nix entzündet usw. Er ist weiterhin voller Hoffnung und der Meinung, dass der Krebs ihn nicht klein bekommt. Ich wünsche es mir soooo sehr !!!!!!!

Aber oft fällt mir das positive denken schwer, es wird wohl zu sehr überschattet von der Angst. Ich hab das Gefühl, dass ich ein richter "Schisshase" geworden bin *schnief* und bin ganz dünnhäutig.

Ich werde Euch morgen dann berichten, wie es ihm geht und hoffe, es geht Euch allen gut !

Ganz liebe Grüße,
Myri

Mirilena
07.02.2013, 21:52
Hallo Myri,

die Daumen für deinen Papa sind morgen auf jeden Fall gedrückt!!! Das wird schon alles gut gehen!

Dass du jetzt so dünnhäutig und ängstlich bist, ist nicht erstaunlich! Du machst dir halt unsagbare Sorgen und all dein Sein und Tun kreist um deinen Papa. Da ist man besonders verletzlich und sensibel. Das ist an sich auch gar keine schlechte Eigenschaft, oder? Es zeigt doch, wie sehr du liebst und dass du mitfühlst.

Alles, alles Liebe
Miri :winke:

Myri78
08.02.2013, 18:15
Hallo ihr Lieben,
Papa ist nach 1 Std. Verzögerung endlich dran gekommen und hat mir vorhin breit grinsend die Türe geöffnet. Es geht ihm prima nach der OP und bis jetzt hat er auch keine Schmerzen und lt. ihm wird er auch keine bekommen :)

Morgen früh werde ich mit ihm nochmals in die Praxis fahren, dort wird die Wunde kontrolliert werden.

Ohhh bin ich froh, dass es ihm so gut geht. Jetzt hoffe ich mal, dass es gut verheilt und keine Komplikationen auftreten.

Jetzt hatte er mächtig Hunger, kein Wunder, heute morgen um 6 Uhr hat er noch 2 Toast essen dürfen, das wars dann. Und er mußte ja nüchtern bleiben bis zur OP um 14 Uhr. Mein Kreislauf fände das glaube ich nicht so prickelnd.

Ich werde gleich nochmal zu ihm gehen und gucken, ob alles klar ist.

Wie gehts Euch ?

Fühlt Euch gedrückt !

Liebe Grüße,
Myri

Myri78
10.02.2013, 18:56
Gestern war ich mit Papa zur Kontrolle und zum Pflasterwechsel in der Praxis. Der Arzt war sehr zufrieden und Papa hat auch keinerlei Beschwerden.

Heute Abend meinte er dann, er hätte kalte Füsse und im Zimmer war es jedoch seeeehr warm... das kam mir schon komisch vor.
Jetzt hat Mama Fieber gemessen, die Temperatur ist auf 37,7 Grad angestiegen :( sie mißt jetzt öfter nochmal und wenn es über 38 Grad steigt, müssen wir dem Arzt anrufen, hieß es. Hoffentlich steigt es nicht weiter...
Immer wenn er anfängt Temperatur zu bekommen, steigt es relativ schnell und auch hoch, er hatte auch schon mal ne richtig schlimme Lungenentzündung, ich krieg hier schon leicht die Krise... er liegt jetzt im Bett und ist dort eingemummelt in die warme Decke.
Ich hab Angst, dass sich die Wunde evtl. entzündet hat oder innen drin was schief läuft beim Port. Ich denke schon, dass es von dem Eingriff herrührt, nicht vom Krebs...

Habt ihr Erfahrung damit nach Port-OP`s ?

Ganz liebe Grüße an Euch,
Myri

Myri78
24.02.2013, 12:44
Ich wollte mich mal wieder melden... meinem Dad geht es soweit ganz gut, morgen hat er die nächste Chemo, dann wieder eine Woche Pause. Danach wäre der 2.Zyklus beendet. Er hat Gewicht verloren, allerdings hat er in der Chemo-Pausen-Woche wieder 2 kg zugenommen. Beginnt die nächste Chemo, nimmt er wieder ab. Die Temperatur ist recht konstant bei 37 Grad.
Er hat des öfteren Probleme mit der Verdauung, er trinkt nun jeden Morgen 1 Glas lauwarmes Wasser und ißt ein paar Trockenpflaumen. Leider hilft es nicht immer, so daß er Movicol einnehmen muß.

Seit ein paar Tagen tut ihm sein Bein mehr weh, er hat mir heute die Stelle gezeigt, wo es ihm am meisten weh tut, das ist dort, wo die 7cm Metastase sitzt :-( immerhin hat er jetzt (nach einigen Diskussionen :rolleyes:) eingesehen, daß er ruhig Novalgin-Tropfen nehmen kann. Er hält sich die letzten 2 Tage daran. Auch heute hat er gesagt, es tut weh, er möchte wieder Tropfen haben. Sonst merkt er ansonsten nix, ich hab nur immer die Befürchtung, dass er nicht alles sagt. So wars mit den Beinschmerzen jetzt auch :-(

Er sträubt sich etwas, weil er immer denkt, er nimmt soviel "Chemie" ein, ich hab ihm gesagt, dass die Novalgin-Tropfen gut sind und er die ruhig nehmen kann. Aus diesem Grund die Schmerzen aushalten zu wollen / müssen, ist doof.

Heute hat er zu Mama gesagt, dass er sich wünscht, dass wenn die Chemo und nichts mehr hilft, es schnell geht und er sterben kann. Ich hab dann immer ein Kloß im Hals aber ich merke, wie es ihn beschäftigt und uns ja letztendlich auch. Ich glaube, davor haben alle Menschen Angst, egal, was sie haben oder nicht. Friedlich einschlafen ist unser aller Wunsch...

Er bekommt morgen zusammen mit der Chemo auch wieder Bondronat (?) für die Knochen.

Ich werde nun am 07.03. in meine Reha fahren, da meine Beschwerden und Schmerzen immer schlimmer werden. Meine HÄ hat mir dazu geraten, da mein Papa jetzt soweit ja "stabil" ist und dann da bin, wenn es ihm schlechter geht. Und 2. ist meine Bewilligung auch nur noch 4 Wochen gültig. Für Mum und Dad ist es ok (ich bezweifle, ob sie es mir sagen würden, wenn nicht) aber ich fühl mich doch grad etwas überfahren, es geht jetzt so schnell, das ist ja schon in 1,5 Wochen. Ich möchte natürlich, daß es mir besser geht und ich auch Kraft tanken kann aber was ist mit Mama und Papa ? Ich hab das Gefühl, sie im Stich zu lassen, egal ob "stabil" oder nicht.

Mama hat dann auch noch meine 2 Kaninchen zu versorgen, die sehr "anspruchsvoll" sind, im Sinne von: Mogli frißt nicht mehr, sobald er nach einer Woche merkt, dass ich nicht mehr da bin und läßt sich von Mum nicht anfassen und Nala ist sowieso scheu und ängstlich, weil sie beim Vorbesitzer wohl ziemlich viel mitgemacht hat und brutal angefasst wurde.

Meint ihr, es ist richtig, in die Reha zu fahren ? mir graut davor, wegen zu Hause, für mich und meinen Körper wäre die Auszeit gut.
Ich habe mit Mama vereinbart, dass wir jeden Tag mal telefonieren und sie mir sofort Bescheid gibt, wenn was ist. Ich kann dann immer noch abbrechen und nach Hause fahren (sind ca. 400 km).

Liebe Grüße an Euch,

Myri

Mirilena
24.02.2013, 15:20
Liebe Myri,

ich finde, der Zustand deines Papas klingt wirklich ganz stabil und das freut mich! So eine Knochenmetastase muss ja nicht zwingend Schmerzen verursachen. Mir wurde mal erklärt, dass es auch nicht unbedingt die Metastase selbst ist, sondern dass sie eine Knochenhautentzündung auslöst und die ist so furchtbar schmerzhaft. Jeder Tag, an dem dein Papa sich relativ wohl fühlt, ist ein guter Tag!!!

Und Myri, du solltest deine Reha unbedingt JETZT antreten! Deine Hausärztin hat Recht, du musst jetzt Kraft auftanken und deinem Körper Ruhe gönnen. Noch kommen deine Eltern prima zurecht, aber das kann sich irgendwann ändern und dann wäre es gut, wenn du körperlich und psychisch stark bist, damit du sie unterstützen kannst. Mach dir also nicht so viele Sorgen und tritt die Reise an. Sollte tatsächlich etwas geschehen, dann wird deine Mama dich das wissen lassen.

Ganz liebe Grüße
Miri

Myri78
28.02.2013, 09:14
Papa hat am Montag keine Chemo bekommen, die Leukozyten waren zu niedrig :-( er hat aber die Infusion für die Knochen bekommen.

Er ist extrem müde, den ganzen Tag. Gestern hatte er wohl extreme Kreislaufprobleme.

Heute bin ich auf der Arbeit und Mama hat gerade angerufen. Papa hat 38,1 Fieber und starke Schmerzen im Bein. Mama hat ihm die Novalgin-Tropfen gegeben, dies wurde dann etwas besser. Er hat dann zu Mama gesagt, dass er nicht leben will, das wäre nur noch ein dahinsiechen. Er hat gesagt, er ruft der HÄ an, sie soll ihm was geben, damit es rum ist. Aber so einfach ist es nicht, er hat Vorstellungen...
Mama hat dann gleich beim Onkologen angerufen, sein Doc ist zwar diese Woche nicht da aber der andere Onko, der mit in der Praxis ist, war da. Er hat gesagt, Mama soll ihm das eine Antibiotikum geben und immer wieder Fieber messen. Wenn es steigt, soll sie gleich anrufen, dann kommt Papa ins Krankenhaus. Papa hat dann gefrühstückt und die Tablette genommen und auch dort hat er wieder gesagt, dass er nicht mehr möchte.

Ich sitze hier am Schreibtisch, Tränen überströmt und weiß gar nicht, was ich davon halten soll. Ich hab einfach nur Angst und irgendwie geht grad alles so schnell. Mama hat schon sicherheitshalber eine Tasche für KH gepackt.

Was soll ich nur denken und machen ? Am Donnerstag sollte ich ja in die Reha, das wäre der 2. Versuch geworden aber so kann und will ich doch nicht weg :eek:

Ich weiß auch gar nicht so genau, was das mit den Leukos alles auf sich hat. Heißt das, er ist infektanfälliger oder hat es noch mehr zu bedeuten ? Heißt es automatisch, dass die Chemo gar nicht greift ?

Ich dreh hier total am Rad :sad:

Liebe Grüße,
Myri

Mirilena
28.02.2013, 16:13
Oh nein, das sind ja keine guten Nachrichten... auch hier kann ich mich Moni nur anschließen.

Was es genau mit den Leukos auf sich hat, würde ich ebenfalls mit dem Arzt besprechen. Dass dein Papa Tage wie heute hat, an denen ihn all sein Mut verlässt, das ist normal in Anbetracht der schweren Erkrankung. Auch wenn er es vielleicht nicht zugibt, ich denke, dass auch er Angst hat vor all dem, was auf ihn zukommen könnte. Und dass man dann bisweilen nicht kämpfen mag, das kann ich absolut nachvollziehen. Vielleicht sieht seine und somit auch eure Welt morgen oder übermorgen bereits sehr viel besser aus.

Dennoch ist dein Papa vielleicht nicht so stabil, wie die Hausärztin (und ich auch) angenommen haben. Und daher muss ich Moni recht geben bezüglich der bevorstehenden Reha. Sprich mal mit deiner Krankenversicherung (oder wer auch immer dafür zuständig ist) und schildere deine jetzige Lebenssituation. So wie ich dich kenne, wirst du tatsächlich nicht entspannen können, wenn du die Reha antrittst. Und somit wird sie auch keine wirkliche Besserung bringen...:(

Ach Myri, was soll ich sagen? Es ist sehr schwer, hör' auf dein Herz und dann wirst du die für dich richtige Entscheidung treffen!

Umarmung
Miri :pftroest:

Myri78
28.02.2013, 18:06
Hallo Ihr Lieben,
Danke für Eure Worte. Als ich in der Mittagspause nach Hause kam, bin ich gleich zu Papa. Er war schon wieder besser drauf, d.h. keinerlei Schmerzen, 37,7 Temperatur. Die erste Tablette hat somit schon gut angeschlagen, hoffentlich bleibt das auch so. Heute Nachmittag war es noch 37,3 Grad. Er redet mit mir wie ein Buch über alles mögliche und hat mir "befohlen" - im ernsten Vater-Erzieher-Ton, dass ich in die Reha gehen MUSS. Er wird sonst noch verrückt vor Sorge um mich. Das belastet ihn sehr und Mama auch. Sie sagen immer noch, dass ich gesund werden muß.
Ich bin hin-und hergerissen, ich will auch nicht, dass sie sich Sorgen machen und ich muß wirklich gesund werden. Auf der anderen Seite hab ich Angst, die beiden alleine zu lassen. Dieses Gefühls-Chaos macht mich weich... ich bin total durcheinander. Momentan tendiere ich wieder mehr zur Reha, weil Papa sich wirklich sorgt um mich und noch eine Belastung kann er wirklich nicht gebrauchen. Er hat gesagt, dass sich Mama so toll um ihn sorgt, rennt und tut und macht usw.
Ich glaube, ich werde es so machen: wenn er jetzt kein Fieber mehr bekommt und es ihm gut geht, dann werde ich fahren. Ich hab mit Mama das "Abkommen", dass sie mir SOFORT anruft, wenn was ist. Sie hat es versprochen. Dann werde ich die Reha abbrechen und bin in ca. 4 Std. Fahrtzeit zu Hause. Verschieben kann ich die Reha nicht mehr, die Bewilligungszeit läuft ab. Dies ist meine letzte Chance... da läßt auch die Rentenversicherung nicht mit sich reden, die waren beim 1. verschieben schon nicht so angetan.

Was meint ihr ? vertretbar ?

Ich drück Euch ganz fest, danke, dass ihr hier seid !

Myri

elisabetz
28.02.2013, 18:17
Ich würde zur Kur fahren!

Erstens sorgst du dann für dich, du musst auch wieder gesund werden, und deine Eltern werden dich in nächster Zeit brauchen, mach dich fit dafür.

Ich würde das wie im Flugzeug sehen: zuerst soll man sich selbst mit Sauerstoff versorgen, dann kann man auch anderen helfen.

Zweitens erfüllst du deinem Vater damit seinen Wunsch!!!!

Alle Liebe Elisa

Mirilena
28.02.2013, 19:47
Vollkommen vertretbar, liebe Myri!!! Und wenn dein Papa sich das ausdrücklich von dir wünscht, dann solltest du es tun.

Du weißt ja, dass er nicht alleine ist und deine Mama gut für ihn sorgt. Insofern ist doch alles gut!

:remybussi
Miri

Myri78
28.02.2013, 19:53
Naja, dann hab ich ja jetzt sowas wie nen "Plan"... noch ist es fast 1 Woche bis dahin, mal schauen, wie es sich entwickelt.

Ich bin froh, dass ich Euch habe und meine Sorgen aufschreiben kann.

Lieben Dank an Euch !

Myri

@Miri: ich melde mich morgen bei Dir, ja ? bin schon wieder sooo platt :-( hoffe, es geht Euch gut ! Und für nachher drücke ich Dir die Daumen !

Myri78
01.03.2013, 16:17
Liebe Moni,
vielen lieben Dank für Deine Worte. Du hast Recht: ich plane und organisiere gerne aber für so eine Krankheit und deren Verlauf gibts keinen Plan, leider - oder Gott sei Dank...

Papa hatte gestern seit 2 Tagen mit Verstopfung zu kämpfen. Er hat dann wieder Movicol getrunken und dann endlich "Erlösung".
Heute morgen war die Temperatur bei 36,8 und wieder konnte er zur Toilette. Er denkt, dass die erhöhte Temp. von der Verstopfung her kam, unsere HÄ hat das mal erwähnt und als er mal 37,7 hatte, war es auch, als er Verstopfung hatte. Wenn es nur das ist, ist ja prima :-)

Er muß das AB trotzdem fertig einnehmen, insgesamt 5 Tage lang. Am Montag hat er die nächste Chemo - sollten die Leukos wieder gut sein.

Er ist gestern Abend dann noch ein paar Runden in unserem Hausflur gelaufen, die Novalgin-Tropfen helfen gut, man sieht es gleich an seinem Gangbild. Appetit hat er auch wie immer, allerdings ist er nach dem Essen total erschöpft.

Und nun hat er unten Zahnfleischprobleme bekommen, es tut ihm weh, obwohl er schon seit Beginn der Chemo vorbeugend 3x tlg. die empfohlenen Mundspülungen macht :-( das kommt glaube ich hauptsächlich von dem Bondronat für die Knochen. Zum Glück hat er eine Vollprothese, wenn er noch eigene Zähne hätte, würde es viel schlimmer werden.
Habt ihr noch einen Tipp, was man evtl. noch machen könnte ausser Spülungen und nix scharfes oder saures Essen/Trinken ?

Ich hab mir vorhin überlegt, dass ich gerne seine Stimme irgendwie aufnehmen möchte aber die gute alte Zeit der Kassettenrekorder ist rum und mit dem Handy hört es sich glaube ich blöd an.
So kann ich mindestens seine Stimme ab und zu hören, wenn er nicht mehr bei uns ist - findet ihr das arg crazy ?

Liebe Grüße,
Myri

Myri78
14.04.2013, 20:28
Hallo Ihr Lieben,
ich war lange nicht mehr hier... ich war 3 Wochen zur Reha, in der ich viel Kraft geschöpft habe, mich ganz gut entspannen konnte und viele nette Menschen kennengelernt habe. Ich habe jeden Tag öfters mit meinen Eltern telefoniert. Papa ging es die ganze Zeit recht gut, so daß ich mir keine weiteren großen Sorgen machen mußte. Nun bin ich wieder zu Hause und alles holt mich ein - die Angst um ihn, die Sorgen, ich fühle mich momentan so gelähmt irgendwie. Der Alltag hat mich wieder, arbeiten, nach Hause, ins Bett und dann wieder das gleiche von vorne.

Papa hatte ein bißchen dickere Backen bekommen, wahrscheinlich vom Cortison. Essen tut er noch wie eh und je aber die Schmerzen im Bein werden immer schlimmer, er nimmt jetzt die Höchstdosis Novalgin-Tropfen, 4 x tgl.
Anfang April war das 1.Kontroll CT und einen Tag danach die Besprechung beim Onkologen. Meine Mum war dabei. Dieser meinte, er wäre zufrieden mit dem Ergebnis, der Tumor wäre in "Schacht", jedoch sollte nun mit den Bestrahlungen angefangen werden, d.h. erstmal eine längere Chemo-Pause, denn beides zusammen würde er nicht schaffen. Er war auch schon in der Klinik zum erneuten Gespräch, wo das gemacht werden soll. Dieser Doc meinte dann, dass der Tumor ein bißchen kleiner geworden wäre, auch die Lymphmetas in der Lunge sind weniger, jedoch sind die Metas in den Knochen am Bein erheblich mehr geworden, das war erstmal ein Schock, da dies der Onko nicht gesagt hatte. Die Bruchgefahr ist wohl ziemlich hoch, auch wenn Papa keine Treppen läuft, also auf ebener Fläche.
Wir haben solche Angst, dass er sich was bricht... er hatte jetzt 3.Zyklen Chemo, jetzt ist ihm auch schlecht davon und er hat Kreislaufprobleme. Er versteht das alles gar nicht, will es nicht wahrhaben und siniert. Er liegt dann im Bett, weil er zu schwach ist, um aufzustehen und hadert mit dem Leben. Er möchte nicht mehr leben... und ich kann ihm einfach nicht helfen... ich sehe seine Traurigkeit in seinen Augen, es tut so unendlich weh. Wie soll das nur noch werden !?!?!? Ich will nicht, dass er leidet, ICH WILL ES NIIIIIIICHHHHHHT!!!!
Er ist dann auch aggressiv und schlecht gelaunt und läßt alles an Mama und mir aus - irgendwie verständlich - aber unsere Nerven liegen auch blank und wir sind sowieso nahe am Wasser gebaut. Und alles können wir uns auch nicht gefallen lassen, manchmal müssen wir ihn in die Schranken weisen..

Er sagt, es ist alles nur noch ein dahinvegitieren, warum kann man es nicht einfach beenden ? wenn er so redet, reißt es mir das Herz aus der Brust. Ich kann ihn verstehen und ich hab solche Angst, vor dem, was noch kommt.

Er hat den Onkologen wieder gefragt, wie lange er noch hat, dieser meinte, dass wir dieses Jahr noch schaffen... erstmal für uns eine tolle Nachricht, da wir daran eigentlich nicht mehr geglaubt haben - auf der anderen Seite: wie werden die Monate ??? er soll einfach nicht leiden... hört sich vielleicht blöd an aber da müssen wir an ihn denken und nicht an uns: was "nützt" es, wenn er an Weihnachten noch bei uns ist und womöglich ein Pflegefall ? Er will auf keinen Fall bettlägrig werden, das wäre das allerschlimmste für ihn.

Ich hab so eine Wut auf diesen Sch... Krebs !!! zur Zeit weine ich wieder viel, es macht mich fertig. Noch immer habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich mit Freunden treffe.. zu Hause liegt mein sterbenskranker Papa und ich lache mit Freunden - wie ungerecht. Und doch muß ich mal raus. Es ist ein Spagat, den ich da machen muß :-(

Wir hoffen auf die Bestrahlung, dass die den Knochen wieder aufbaut und die Schmerzen weniger werden - das ist die einzige Chance. Der Doc meinte, dass es in vielen Fällen klappt. Ich möchte, dass wir bei diesen Fällen sind. Allerdings fürchte ich schon wieder, was der Tumor macht, wenn er 4 Wochen Chemo-Pause hat - legt er gleich wieder los ?

Es ist irgendwie so unberechenbar...

Heute war Papa mit Mama an einem Geburtstag bei einem Freund von ihnen. Zuerst war ich nicht sooo begeistert, weil da so viele Leute sind und evtl. Viren durch die Gegend fliegen. Aber Papa muß ja auch mal raus. Sie sind gerade heimgekommen und Mama hat gemeint, es hat Papa so gut getan, sie hat ihn endlich wieder lachen gesehen :-) *freu*

Am liebsten würde ich ihn jeden Tag heulend in den Arm nehmen und schreien, daß ich nicht will, dass er stirbt !!!!!!! Aber ich reiße mich zusammen... ich darf ihm das so nicht zeigen, das macht ihn nur noch trauriger...

Ich werde jetzt zu ihm gehen und ihm gute Nacht sagen, in der Hoffnung, er sieht nicht, dass ich geweint habe...

Liebe Grüße an Euch,

Myri

Myri78
22.04.2013, 18:17
Ich wollte mich mal wieder hier melden...

Papa hat zunehmend mehr Schmerzen im Bein, heute hatte er wieder Chemo und die Bondronat-Infusion. Morgen wird "angezeichnet" für die Bestrahlung. Ab 29.04. fangen die Bestrahlungen an, wahrscheinlich 3 Wochen lang, 5 Tage die Woche. Ich hab ein bißl Angst davor, wie er das wohl verkraftet, ich hoffe so sehr, dass seine Knochen nicht brechen und er bald weniger Schmerzen hat.

Ich werde Euch weiter berichten - drückt uns die Daumen, ja ?

Liebe Grüße,

Myri :winke:

Mirilena
23.04.2013, 07:21
Liebe Myri,

meine Daumen sind ganz fest gedrückt!!!

Und wenn dein Papa einen guten Tag hat, dann ist es wunderbar, wenn er gemeinsam mit deiner Mama etwas unternimmt. Das muss ja nichts "Großartiges" sein. Aber es lenkt ihn von seiner Krankheit ab und er kann dann auch mal wieder an etwas anderes denken. Und der Geburtstag des Freundes hat ihm ja ganz offensichtlich gut getan. Ich denke, dass es ihm ein Stück weit der "Normalität" zurück gibt und er dann vielleicht wenigstens für ein paar Stunden die Krankheit vergessen kann.

Versucht weiterhin, im Jetzt zu leben und mach dir möglichst nicht so viele Gedanken, wie es werden könnte in ein paar Monaten. Wenn es heute relativ gut ist, dann genieße das und denke höchstens an den kommenden Tag. Ich weiß selbst, wie schwer das ist, doch es hilft, wenn man mit seinem Kopf nicht ständig Wochen und Monate voraus hastet.

Alles Liebe für dich und für deine Eltern
Miri

Myri78
26.04.2013, 20:57
Heute ist ein besch.... Tag. Papa hat nun nicht nur im Sitzen und beim Laufen Schmerzen im Bein, sondern auch beim Liegen bzw. wenn er sich im Bett umdrehen möchte. Ich hab mit Mum geredet und ihr gesagt, dass er das nicht auszuhalten braucht und sie bei der HÄ nach einem anderen Schmerzmittel fragen soll. Der Onkologe hatte das letzte Mal schon gesagt, dass Papa das jederzeit von der HÄ bekommen kann, er soll es sagen, wenn die Novalgin-Tropfen nicht mehr helfen.
So war es dann heute Mittag auch: er bekommt jetzt morgens und abends jeweils 1 Tablette Morphin 10mg. Immerhin hat die 1.Tablette schon zur Linderung beigetragen. Aber trotz alledem bin ich traurig, dass wir jetzt schon auf Morphin zurückgreifen müssen und er solche Schmerzen hat. Er hat in den letzten Wochen stark abgebaut, man kann quasi dabei zuschauen. Und zuschauen ist furchtbar. Es tut sooooooo weh !!!!!!!!!!!!!

Als Mama ihm die Tablette gebracht hat, meinte er nur: "Hättest mir lieber ne Giftpille gebracht!"
Er will nicht mehr, er sagt den ganzen Tag: "Das ist doch alles scheiße!"

Die letzten 2 Tage war auch Funktstille zwischen meiner Mum und ihm. Da hatte er die Schmerzen noch nicht so wie heute aber er sucht den ganzen Tag regelrecht nach Gründen, die keine sind, um meine Mutter "fertig zu machen". Sie hat nur noch geweint und er macht immer und immer weiter. Er hat dann gestern nicht gefrühstückt, obwohl gedeckt war und ist beleidigt wieder ins Bett gegangen. Er meinte am Tag zuvor zu Mum, dass er nicht mehr will und darauf hinarbeitet, dass es zu Ende geht - er isst nichts mehr.... uns hat es die Kehle zugeschnürt. Allerdings isst er sehr wohl noch ... er hat nach wie vor normalen Appetit und isst nicht gerade wenig. Er hat auch nicht an Gewicht verloren, immerhin.

Am Montag beginnen die Bestrahlungen, dann hat er erstmal 2-3 Wochen keine Chemo. Wir hoffen so, dass er die Bestrahlungen einigermaßen gut übersteht und die Nebenwirkungen nicht eintreten.

Aber die ganze Situation ist ganz schrecklich - wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie es weitergeht und was noch alles kommt :-(

Hoffentlich hilft diese Dosis an Morphin für lange Zeit... hauptsache er muß nicht leiden...

Traurige Grüße,
Myri

Myri78
27.04.2013, 21:43
Heute morgen um 5.30 Uhr klingelte mein Telefon. Ich saß senkrecht im Bett, Mama war dran. Papa ginge es überhaupt nicht gut, er hat gestern Abend die 10mg Tablette Morphin genommen und ihm war relativ schnell schlecht, übel usw. und die ganze Nacht hatte er Schmerzen im Bein und alle Nebenwirkungen, die man sich so denken kann. Er hat gesagt, dass die Tablette das volle Gegenteil von der mittags (5mg) ist.
DIESE WÜRDE ER NIEEE WIEDER NEHMEN - da könnten wir machen was wir wollen. Mama hat mich dann gerufen, weil er Pippi machen wollte und nicht aufstehen konnte. Er saß dann aufm Bettrand und hat dann dort Pippi in ein Eimerchen gemacht, es "stockte" zwischendrin - ist wohl auch ne Nebenwirkung. Dann hatte er kalten Schweiß auf der Stirn, hat die Augen verdreht und dann wollte er was trinken. Er konnte das Glas nicht mal mit beiden Händen richtig halten, geschweige denn zum Mund führen. Dann hat sie mir angerufen.
Er wollte dann etwas schlafen und wir saßen in der Küche und haben beraten, was zu tun ist. Das Morphin einfach absetzen sollen wir nicht lt. HÄ gestern. Die WE-Vertretung ist eine Katastrophe, die fiel gleich mal aus der Auswahl raus. Blieb der Onkologe, der Rettungsdienst oder zur HÄ privat fahren. Ich rief dem Onko an und er meinte, Morphin einzustellen sei nicht einfach, wir sollten dem Notdienst anrufen, er müßte dann vielleicht doch ins KH. Keine gute Idee, denn in das KH wo sie hin hinbringen würden, wollen wir auf keinen Fall. Und Papa wollte auch nicht ins Krankenhaus.

Ich hab dann meine Freundin ausm Bett telefoniert, sie hat mal bei der HÄ gearbeitet, ob sie evtl. ne private Nr. hat. Hatte sie aber leider nicht. Also ist Mama hingefahren und ich blieb neben Papa.

Die HÄ war natürlich nicht sooo begeistert, dass um 6.30 Uhr am WE Mama klingelt - Mama hat sich 1000 Mal entschuldigt und ihr alles erklärt und dass er nicht ins Krankenhaus will usw. Sie war perplex, dass alle Nebenwirkungen quasi aufgetreten sind aber die Schmerzen noch komplett da waren. Sie hat gesagt, er solle es nicht mehr nehmen und hat Tilidin Tabletten verschrieben. Ich kenne von mir letztes Jahr Tilidin als Tropfen, die fallen inzwischen unters BTM, die Tabletten nicht. Mich hat es voll weggebeamt letztes Jahr. Oh je, dachte ich. Die NW sind auch nicht besser. Man kann es auch mit Novalgin-Tropfen ergänzen.

Wir haben es Papa erklärt und er meinte, er will nur erstmal die Tropfen 4xtgl, sagt uns aber, wenn es nicht ausreicht wg. der Tabletten. Jetzt ist ihm nicht mehr übel nachdem er auch die Tablette gegen Übelkeit genommen hat. Alles quasi wieder "normal", Novalgin reichte ihm heute, er war ganz glücklich, dass sie wieder so gut gewirkt haben. Wir stehen vor einem Rätsel: ich kann nicht glauben, dass Morphin die Schmerzen kein bißchen genommen hat und die Tropfen so toll wirken. Ich bin ja im Grunde glücklich darüber, ich hatte nur ganz andere Vorstellungen.

Er hat auch super gegessen heute, meint ihr, er hält das Gewicht wg. des Kortisons ? Mama meinte nämlich, dass er am Po und an den Beinen schon abgenommen hat aber das Gewicht ist immer noch gleich.

Heute Abend hat er mir gesagt, dass er im Schritt irgendwie was hat. Mama hat es sich angeschaut und meinte, es ist die Schleimhaut. Toll, das auch noch. Weh macht es ihm nicht und Mama hat ihm was draufgemacht. Ach manno...

Hab ihm heute noch ne Bettpfanne gekauft, weil er ja nicht aufstehen konnte, für alle Fälle. Er schaute mich an wie ein Auto als er die sah. Das erste war: "Da mach ich auf keinen Fall rein !" Ok, das Thema wäre auch erstmal geklärt...

Dann kam Mama heute noch mit der Urinflasche an, die wir ja schon seit Anfang an für den Notfall "gebunkert" hatten. Wieder guckte er Mum an und meinte: "Spinnt ihr eigentlich ? was bringt ihr da noch alles an ? da kann ich nicht reinmachen!" Ok, auch das wäre erstmal ad akta gelegt.

Jetzt hat er noch ein Brot gegessen, seine Tropfen genommen und schläft. Ich glaube, diese Nacht wird ruhiger.

Er will am Montag auch mit dem Rollator zur Bestrahlung laufen. Wir haben immer noch Bedenken, da er keine Kraft mehr im Bein hat. Aber er ist nicht eingegangen auf den Versuch einen Liegendtransport zu bestellen. Bitte, lieber Gott, lass den Knochen nicht brechen...

Drückt uns die Daumen !

Liebe Grüße
Myri

Bine 60
27.04.2013, 22:04
Liebe Myri!

Ich möchte dir und deinen Eltern Mut machen, auch mein Mann hat Lungenkrebs mit Knochenmetastasen. Auf die Frage nach der Lebenserwartung erklärte ihm der Hausarzt, er solle sich für das Jahr 2013 nichts mehr vornehmen. Und er lebt immer noch.

Er bekommt zur Zeit seinen dritten Block Chemo und seine Lunge wird bestrahlt, da der Krebs den Bronchialast einengt, sodaß er schlecht Luft bekommt. Zeitgleich wird auch noch eine Hautmetastase hinter dem Ohr bestrahlt.

Im letzten Jahr bekam er Bestrahlungen der Knochenmetastasen, sodaß das Wachstum eingedämmt wurde. Zur Stärkung der Knochen bekommt er täglich eine Tablette und alle 4-6 Wochen eine Infusion.

Es geht ihm einigermaßen, er ist häufig müde, meistens vormittags. Besuch haben wir auf die Nachmittage gelegt und auf zwei Stunden beschränkt, ist ihm sonst zu anstrengend.

Am Montag hat er wieder ein Kontroll- CT. Ich habe Angst, daß er inzwischen Lebermetastasen hat, aber auch diese Herausforderung werden wir annehmen und bekämpfen. Auch wir hatten Höhen und Tiefen, und er hat des öfteren darüber geredet, daß er endlich gehen möchte. Aber gerade heute war seine Tochter mit Mann da und wir haben Pläne für den Sommer geschmiedet.

Mach deinem Vater Mut.

Ich drück euch ganz doll und wünsch für die Bestrahlung alles Gute und nicht so viele Nebenwirkungen.

Sabine

Bine 60
27.04.2013, 22:14
Hallo Myri,
habe gerade deinen letzten Bericht gelesen, und daß er im Schritt anscheinend wund ist. Gegen das Wundsein hilft ganz gut Bepanthenol Creme. Und, bitte nicht lachen, Penaten. Die man auch nimmt für Baby`s Popo. Schön dick auftragen, wie beim Baby eben.Mein Mann war im letzten Jahr nach der Bestrahlung unter dem Kinn wund, da hat es ihm wunderbar geholfen.

Schönen Abend noch und liebe Grüße. Sabine

Myri78
28.04.2013, 13:45
Heute Nacht war eine ruhige Nacht. Heute morgen war Papa wieder etwas übel vom Magen her. Er hat aber in der Küche gefrühstückt, nicht im Bett und hat dann 2 MCP Tabletten genommen. Er ist dann wieder ins Bett und dann wurde es auch besser.

Zum Mittagessen hab ich ihm geholfen sich anzuziehen und wir sind langsam in die Küche gegangen, am Rollator. Er läuft soooo schlecht, so schwach und ich kann nur zugucken - ich werde fast wahnsinnig dabei. Er meinte heute morgen noch zu Mama, dass es bergab geht. Sie fragte ihn, wie er das meint und warum, ob er Schmerzen hat oder so. Er zuckte dann mit den Schultern und meinte: Einfach so....
Sie denkt, er merkt halt, dass er schwächer wird.

Er hat wieder super zu Mittag gegessen, alles wie eh und je. Dann sind wir am Rollator zurück und er meinte, ihm ist "so blöd" im Kopf. Er kann es nicht richtig beschreiben, das macht es etwas schwierig sich reinzuversetzen. Nicht übel vom Magen her, nicht schwindelig aber "blöd" im Kopf. Kennt ihr das ?? Zum Glück wissen wir ja, dass er keine Hirnmetas hat, sonst würden bei mir schon wieder die Alarmglocken klingeln. Er wollte jetzt schlafen, im Bett ginge es ihm am Besten, hat er gesagt.

Ich weiß nicht, wie das morgen werden soll, mit der Bestrahlung. Mama sollte da nen Rollstuhl organisieren, ich kann mir nicht vorstellen, dass das anders gehen soll. Ich will ja nicht schwarz malen aber ich sehe das Unglück schon kommen, er stürzt und der Oberschenkel bricht bzw. der Knochen bricht und er stürzt deshalb.

Papa bekommt seit Beginn der Entdeckung 1x Folsäure am Tag, alle 4 Wochen die Infusion für die Knochen und leider sind trotzdem die Metas im Oberschenkel mehr geworden und "haben an Ausdehnung sehr zugenommen" . So steht es im CT-Bericht.

Sabine, wieviele Metas hat Dein Mann denn in den Knochen ? Papa hat ganz viele, eine, ich glaube, das ist auch die einzige die ihm weh tut, ist am Anfang schon 7cm groß gewesen, keine Ahnung, wie es jetzt aussieht mit der Größe.

Und der Doc hat schon gesagt, dass das langwierig ist, bis das Bestrahlen anschlägt. Es bräuchte Zeit - prima, das ist genau das, was wir ja gar nicht mehr haben.

Als ich jetzt von Papa gegangen bin, meinte er nur, es geht halt zu Ende, was wollen wir da noch machen ?

Mama und ich gucken uns dann immer verzweifelt an, wir wissen gar nicht mehr, was wir noch sagen sollen, um ihm Mut zu machen.

Habt ihr ne schöne Idee für ein kleines Geschenk zum Vatertag ? Es beschäftigt mich sehr... wegfahren und Essen gehen können wir nicht, weil er zu schwach ist. Kleidung möchte er auch keine mehr - wofür hat er gesagt, ich kann sie ja eh nicht mehr anziehen.
Und ich fürchte, es ist der letzte Vatertag.... ich bin sooo traurig :(

Und Mama kann ich auch nicht dazu bewegen, etwas für sich zu tun, sie will keine Ablenkung, sie hätte da eh keine Ruhe, wir reden jeden Tag darüber. Ich hab solche Angst, dass sie mir irgendwann zusammenklappt...

Traurige Grüße,
Myri

Bine 60
28.04.2013, 17:25
Hallo Myri,

mein Mann hat mindestens zwei Knochen-Metastasen, eine am Brustwirbel und eine am linken Oberarm. Durch eine ganz einfache Bewegung hat er sich im Mai letzten Jahres den Oberarm gebrochen. Dadurch haben wir erst erfahren, daß er Lungenkrebs hat. Stadium IV. Chemo und Bestrahlung, alles nur palliativ.

Die Bestrahlung hat bei meinem Mann auch nicht sofort angeschlagen, Bestrahlung wirkt auch noch Wochen später. (So habe ich es jedenfalls verstanden.) Deshalb wurde ein Kontroll-CT drei Monate nach der Bestrahlung gemacht. Die Metastase an der Wirbelsäule ist noch da, aber nicht mehr ganz so groß. Trotzdem mache ich mir große Sorgen, denn wenn durch die Metastase die Wirbelsäule bricht...ich will gar nicht daran denken.

Schmerzen hat er auch und bekommt Schmerzmittel dagegen. Hin und wieder wird ihm dann auch "dödelig" im Kopf. Das kommt dann von den Medis, die beeinflussen den Kreislauf. Er ißt nämlich nicht mehr sehr viel, morgens zwei Stullen. Eventuell am Abend zwei Kartoffeln mit einem Ei. Das ist alles. Er hat keinen Appetit. Um sein Gewicht zu halten nimmt er drei Flaschen Fresubin zu sich. (Astronautenkost). Und Paranüsse, reichlich.

Am Anfang waren mein Mann und ich in der gleichen Verfassung wie deine Eltern. Er redete immer von seinem Ende und hat sogar Überlegungen über seine Beerdigung angestellt. Und auch ich habe die Diagnose Lungenkrebs als schnelles Todesurteil angesehen. Nur: wir haben während der Chemo viele andere Patienten gesehen und gesprochen. Einige leben mit dieser Diagnose bereits mehrere Jahre, andere sah man nur kurzzeitig und danach dann nie wieder. Dadurch haben wie Hoffnung geschöpft, Hoffnung daß auch wir noch eine schöne Zeit haben werden, die wir intensiv (soweit möglich) nutzen. Natürlich wissen wir, daß er an dem Sch...Krebs sterben wird, aber jedenfalls nicht heute und auch nicht morgen.

Während ich hier schreibe, sitzt er neben mir. Ich soll euch und besonders deinen Vater unbekannterweise grüßen. Und zum Vatertag ist er der Meinung, du solltest ihm das schenken, was du möchtest. Wenn du nicht mit ihm essen gehen kannst, vielleicht könnt ihr euch was leckeres liefern lassen ( muß ja nicht unbedingt Pizza sein). Und die Sache mit der Kleidung, mein Mann hatte im März zu seinem Geburtstag auch einen neuen Gürtel von seiner Tochter bekommen. Und er hat sich darüber ehrlich gefreut.

Wir wünschen euch für morgen alles Gute. Sabine und Wolfgang

Myri78
28.04.2013, 19:00
Liebe Sabine, lieber Wolfgang,

während ich Deine Zeilen lese, laufen mir die Tränen über das Gesicht... ich komme gerade von meinem Dad, habe ihn gerade ins Bad begleitet und Mama hat ihm die Haare gewaschen. Er ist so verzweifelt und hadert mit dem Leben. "Ich war so ein Kerl und jetzt bin ich nix mehr", hat er gesagt. Er hat so gut wie keine Kraft mehr in den Beinen, wenn das Bein bricht - dann gehts mir wie Dir / Euch. Ich darf gar nicht daran denken. Er liegt jetzt schon den ganzen Tag im Bett, es ist schrecklich.

Appetit hat er zum Glück wie immer, er bringt noch immer stolze 105kg auf die Waage. Ich könnte ihn nicht mal auffangen, wenn er zu stürzen droht, fürchte ich.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Knochen wieder stabiler wird, so groß wie die Meta ist und er hat den ganzen Beckenbereich voller Metas. 2 Wirbel hat er gebrochen, 5+6 wenn ich mich richtig erinnere aber das liegt nicht an den Metas, das hat er wohl schon vorher gehabt. Er merkt da aber nix, das wußten wir gar nicht. Aber die Schmerzen im Bein müssen grauenhaft sein.

Welche Art Lungenkrebs hat Wolfgang denn ? Auch ein Adenokarzinom ? welche Chemo bekommt er und wie lange schon ? ist der Tumor geschrumpft ?

Das mit dem Essen liefern lassen ist eine gute Idee, das werde ich mal mit Mum bequatschen. Wenn ich ihn nur psychisch aufbauen könnte ... ich steh total aufm Schlauch. Ich kann nicht sagen, es wird schon wieder, so wie man jemanden tröstet, der Grippe hat. Wir wissen alle, dass es nicht mehr gut wird :-(

Wie alt ist Wolfgang ? wie gehen Eure Kinder damit um ? Ich stelle mir das gerade vor: Du brichst Dir den Arm und dann kommt diese Diagnose raus. Das ist unfassbar... !!! Es tut mir so leid, dass es Euch auch getroffen hat. Und ich bin so wütend auf diesen sch.. Krebs !

Ich kann Mum auch wenig entlasten, da ich vollzeit arbeite - sie macht das ganz toll und empfindet es noch gar nicht so wie ich glaube ich. Aber sie muß auch mal raus und wir wollen Papa nicht zu Hause alleine lassen, geht ja gar nicht mehr. Wenn er auf die Toilette laufen muß, muß jemand da sein. Nicht auszudenken, wenn er stürzt und niemand ist da.
Du meinst, die Bestrahlung hilft erst in zig Monaten ? Ganz ehrlich ? die Bestrahlung bei Papa bringt glaube ich nicht viel, ausser noch mehr Nebenwirkungen womöglich und Anstrengung bis er immer dort ist und wieder zu Hause. Wenn ich ihm nur was abnehmen könnte !!! dieses hilflose zuschauen macht mich wahnsinnig !

Bitte grüße Wolfgang ganz fest von mir - er soll weiterkämpfen, nicht aufgeben !!!! Und er soll doch versuchen, ein bißl mehr zu essen, Schnitzel oder was auch immer. Damit er kcal hat und Energie für den weiteren Kampf. Es muß ja nicht die Riesen-Portion sein. Gebt nicht auf !!!!

Ganz liebe Grüße an Euch,
Myri

Myri78
29.04.2013, 19:28
Heute Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Ich hab mir überlegt, wie Papa in Zukunft am besten in die Dusche kommt usw.
Es muß ein Badewannenlift her, er kann ja kaum über eine Türschwelle von 1cm steigen, wie soll er denn in eine Dusche kommen, die nicht Bodeneben ist ?
Dann ging das Gedankenkarussell weiter: er liegt so viel, hatte schon mal eine Thrombose. Strümpfe ? aber das ist so ein Kraftakt, diese anzuziehen, wenn man es selbst nicht machen kann, ach herrje... und so ging es die ganze Zeit weiter.
Ein Rollstuhl wäre die Lösung bezgl. in der Wohnung vorwärts kommen, damit er einfach das Bein nicht belasten muß und für die Wege zur Bestrahlung.
Um 5 Uhr bin ich aufgestanden und von der Arbeit aus hab ich dann der Krankenkasse angerufen und die schicken mir nun den Antrag für die Pflegestufe.
Mama hat dann Papa vom Badewannenlift erzählt und er ist wieder total ausgeflippt. Es würde ihm jetzt reichen usw. und was wir hier eigentlich mit ihm machen usw. Sie versuchte ihm zu erklären, dass wir ihm alles ja nur erleichtern wollen und uns natürlich auch. Dass die Dinge ja auch nicht sofort hier wären aber wenn der Zeitpunkt käme, dann ist es mindestens schon im Hause. Nix zu machen ! Er meinte, wenn wir so weitermachen, rennt er in ein Auto - oder er schluckt eine Packung Tabletten und trinkt ne Flasche Gift.
Solche Dinge müssen wir uns bzw. Mama sich jeden Tag anhören und antun. Weiß er eigentlich, dass er uns kaputt macht ? Ich kann ja noch 8 std. in mein Büro "retten" aber Mama bekommt alles ab.
Sie hat gesagt, ich hätte ihn sehen sollen, wie er von der Sitzbank aufgesprungen wäre und in einem Tempo am Rollator "davongerannt" ist, sie traute ihren Augen kaum.
Er macht sie den ganzen Tag fertig... dagegen reden hilft auch nix...

Heute Nachmittag sind sie dann zur Bestrahlung gefahren. Es ging ewig, bis alles gerichtet und gemacht war und er hat wohl tierisch gejammert auf der Liege, das hat ihm wohl sehr weh getan, wie er vorhin erzählt hat. Später hat er Mama wieder beschimpft mit unmöglichen Worten - die will ich hier gar nicht wiederholen.

Sie hat gesagt, wenn er jetzt noch einmal droht, Gift zu trinken (möchte mal wissen, wo er es hernehmen will), dann fragt sie ihn mal, warum er das Ganze wie Chemo, Tabletten, Bestrahlung überhaupt noch auf sich nimmt, wenn er nicht mehr will, so wie er immer sagt. Er erpresst uns immer damit, er versucht es zumindest. Aber so kann es nunmal auch nicht laufen.

Ich schlafe kaum und mach mir alle möglichen Gedanken und er flippt nur aus und ist verletzend und gemein. Wir können ja seine Verzweiflung usw. nachvollziehen aber das gibt ihm nicht das Recht, uns fertig zu machen oder sehen wir das falsch ? Ich finde, er könnte es auch mal so sehen, dass er sich glücklich schätzen kann, dass er uns hat, die so weit denken, wie man ihm helfen kann und so. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall.

Morgen hat er vormittags Bestrahlung, ich hoffe er ist besser gelaunt. Wenn er nämlich wieder so zu Mama ist, kann er alleine zur Bestrahlung fahren, er weiß eh immer alles besser und will immer dass es genau anders läuft wie wir.

So, das mußte mal raus, ich bin echt wütend auf ihn, das ist gemein und nicht fair. Uns gehts doch auch beschissen, dass er krank ist und daran sterben muß :(

Traurige Grüße,
Myri

Kaffeemaschine
02.05.2013, 23:43
be Myri,

ich lese schon eine Weile stumm bei Dir mit, es tut mir leid, daß es gerade so arg für Euch ist! Dein Vater klingt in Deinen Beiträgen nach einem starken, humorvollen Mann - der sicher immer einen ausgeprägten Willen hatte, und nun nutzt er ihn auf eine Weise, die Euch belastet und Sorgen macht. Ganz schön hart. Und ein wenig vertraut.. Wir pflegen meinen Vater, der auch bei vielem seine eigenen Ideen hat, ich fühle mich manchmal hilflos bis wütend, obwohl es ihm so schlecht geht und er nichts dafür kann.

Nein, ich finde, er hat kein Recht darauf, Euch zu belasten, zu beschimpfen oder unter Druck zu setzen, und manchmal müßt Ihr einfach Grenzen ziehen, anders geht es nicht. Ich denke, Sätze wie „am besten gleich Gift” kommen aus der Hoffnungslosigkeit.. Diesem Gefühl, gar keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben.Hast Du den Eindruck, Ihr müßt ihm bei solchen Aussagen davon überzeugen, das Leben ist noch lebenswert? Das kann keiner dauerhaft von außen.. Vielleicht muß er einfach seinen Frust irgendwie ausdrücken, umd Ihr könnt an dem Punkt wenig mehr beitragen als zuhören und ein ehrliches „ich verstehe, daß das besch... ist. Ich fühle mit Dir. Ich habe auch keine Lösung.”?

Die Sorge um Beinbruch... Wir haben das Recht, mit 200 Sachen über die Autobahn zu donnern oder uns an einem Schirmchen aus ein paar Metern Stoff in der Luft baumeln zu lassen oder ein bockendes Pferd zu reiten. Und wenn was passiert? Es ist unser Leben.
Deinen Vater immer wieder auf das Risiko hinweisen: ja, um Vorsicht bitten: ja, wenn er dann nicht will, laß ihn. Zigmal haben wir die Zähne zusammengebissen, wenn mein Vater noch Treppen gestiegen ist oder so, aber wenn man doch nur noch ein kurzes Stück Leben vor sich hat, soll man dann nicht entscheiden dürfen, wie man es aufs Spiel setzt?

(Bei mir war irgendwann die Angst alle, weggestumpft, ich habe auch beobachtet, daß mein Vater recht gut einschätzen kann, was er schafft und was nicht. Es ist immer gutgegangen.)

Das Thema „pflegebedürftig geht gar nicht” und ablehnen von Hilfsmitteln kenne ich. Bei manchen Hilfsmitteln mußten es unbedingt umständliche Eigenlösungen sein, andere gingen dann plötzlich doch.. Der med. Dienst zur Begutachtung der Pflegestufe war da hilfreich. Halte Dir die Aternativen vor Augen: will er z.B. partout kein Pflegebett, gibt es notfalls eben eine Krankenhauseinweisung, die vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht ist das dann für ihn eben der Weg der Überzeugung.
Meine Mutter hat da allerdings auf den Tisch gehauen und die wichtigsten Sachen einfach beantragt und das war gut so.

Weißt Du, als mein Vater dann pflegebedürftig wurde.. ich hab so gestaunt.. Sachlich, gelassen, und nach den ersten Tagen hat er ein wenig erstaunt festgestellt, wenn die Schmerzen gerade nicht zu arg sind, kann er das so doch ganz gut noch eine Weile aushalten :-)

Ich habe den Eindruck, mit harten Realitäten umgehen fällt so manchem starken Mann leichter, als die Angst vor der Zukunft auszuhalten. Kopf hoch, vielleicht ist das bei Deinem Vater auch eine Phase, die er hinter sich lassen wird!

Dein Vater klingt nicht so, als würde er freiwillig zu einem Psychoonkologen gehen, oder? Das wäre ihm sicher eine Unterstützung.

Wenn seine Knochenmetastasen übrigens durch Druck auf Nerven schmerzen, werden zur Schmerztherapie oft „Koanalgetika” zusätzlich verordnet, weil die klassischen Schmerzmittel, selbst Morphin, da nicht immer gut wirken. Solche Koanalgetika sind z.B. bestimmte Medikamente, die auch gegen Depressionen wirken. Konnte ihm bei Schmerzen und niedergeschlagener Stimmung helfen. Sein Arzt kann beurteilen, ob das für ihn geeignet ist.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Geduld! Bestimmt weiß Dein Vater sehr wohl, was er an Euch hat, auch wenn er nicht immer danach klingt.
Kaffee

Kaffeemaschine
03.05.2013, 00:27
be Myri,

ich lese schon eine Weile stumm bei Dir mit, es tut mir leid, daß es gerade so arg für Euch ist! Dein Vater klingt in Deinen Beiträgen nach einem starken, humorvollen Mann - der sicher immer einen ausgeprägten Willen hatte, und nun nutzt er ihn auf eine Weise, die Euch belastet und Sorgen macht. Ganz schön hart. Und ein wenig vertraut.. Wir pflegen meinen Vater, der auch bei vielem seine eigenen Ideen hat, ich fühle mich manchmal hilflos bis wütend, obwohl es ihm so schlecht geht und er nichts dafür kann.

Nein, ich finde, er hat kein Recht darauf, Euch zu belasten, zu beschimpfen oder unter Druck zu setzen, und manchmal müßt Ihr einfach Grenzen ziehen, anders geht es nicht. Ich denke, Sätze wie „am besten gleich Gift” kommen aus der Hoffnungslosigkeit.. Diesem Gefühl, gar keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben.Hast Du den Eindruck, Ihr müßt ihm bei solchen Aussagen davon überzeugen, das Leben ist noch lebenswert? Das kann keiner dauerhaft von außen.. Vielleicht muß er einfach seinen Frust irgendwie ausdrücken, umd Ihr könnt an dem Punkt wenig mehr beitragen als zuhören und ein ehrliches „ich verstehe, daß das besch... ist. Ich fühle mit Dir. Ich habe auch keine Lösung.”?

Die Sorge um Beinbruch... Wir haben das Recht, mit 200 Sachen über die Autobahn zu donnern oder uns an einem Schirmchen aus ein paar Metern Stoff in der Luft baumeln zu lassen oder ein bockendes Pferd zu reiten. Und wenn was passiert? Es ist unser Leben.
Deinen Vater immer wieder auf das Risiko hinweisen: ja, um Vorsicht bitten: ja, wenn er dann nicht will, laß ihn. Zigmal haben wir die Zähne zusammengebissen, wenn mein Vater noch Treppen gestiegen ist oder so, aber wenn man doch nur noch ein kurzes Stück Leben vor sich hat, soll man dann nicht entscheiden dürfen, wie man es aufs Spiel setzt?

(Bei mir war irgendwann die Angst alle, weggestumpft, ich habe auch beobachtet, daß mein Vater recht gut einschätzen kann, was er schafft und was nicht. Es ist immer gutgegangen.)

Das Thema „pflegebedürftig geht gar nicht” und ablehnen von Hilfsmitteln kenne ich. Bei manchen Hilfsmitteln mußten es unbedingt umständliche Eigenlösungen sein, andere gingen dann plötzlich doch.. Der med. Dienst zur Begutachtung der Pflegestufe war da hilfreich. Halte Dir die Aternativen vor Augen: will er z.B. partout kein Pflegebett, gibt es notfalls eben eine Krankenhauseinweisung, die vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht ist das dann für ihn eben der Weg der Überzeugung.
Meine Mutter hat da allerdings auf den Tisch gehauen und die wichtigsten Sachen einfach beantragt und das war gut so.

Weißt Du, als mein Vater dann pflegebedürftig wurde.. ich hab so gestaunt.. Sachlich, gelassen, und nach den ersten Tagen hat er ein wenig erstaunt festgestellt, wenn die Schmerzen gerade nicht zu arg sind, kann er das so doch ganz gut noch eine Weile aushalten :-)

Ich habe den Eindruck, mit harten Realitäten umgehen fällt so manchem starken Mann leichter, als die Angst vor der Zukunft auszuhalten. Kopf hoch, vielleicht ist das bei Deinem Vater auch eine Phase, die er hinter sich lassen wird!

Dein Vater klingt nicht so, als würde er freiwillig zu einem Psychoonkologen gehen, oder? Das wäre ihm sicher eine Unterstützung.

Wenn seine Knochenmetastasen übrigens durch Druck auf Nerven schmerzen, werden zur Schmerztherapie oft „Koanalgetika” zusätzlich verordnet, weil die klassischen Schmerzmittel, selbst Morphin, da nicht immer gut wirken. Solche Koanalgetika sind z.B. bestimmte Medikamente, die auch gegen Depressionen wirken. Konnte ihm bei Schmerzen und niedergeschlagener Stimmung helfen. Sein Arzt kann beurteilen, ob das für ihn geeignet ist.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Geduld! Bestimmt weiß Dein Vater sehr wohl, was er an Euch hat, auch wenn er nicht immer danach klingt.
Kaffee

Myri78
03.05.2013, 05:41
Liebe kaffee,

vielen Dank für Deine Zeilen... es passt nur zu genau, wie Du alles beschreibst.. es ist ein auf und ab und ich versuche mir auch immer zu sagen, dass er so "böse" ist, weil er einfach hilflos ist. Zu wissen, man MUSS sterben, ist ein schrecklicher Gedanke, einen schlimmeren gibt es nicht..

Er war jetzt wieder etwas besser gelaunt, wenn ich es mal so nennen darf, bis gestern. Da war es wieder schlimm. Gestern haben Mama und ich dann noch "gestritten", weil sie nicht raus geht. Und ich habs ihr von Anfang an immer angeboten und sie meinte immer, sie hat da auch keine Ablenkung, sie will nicht. Jetzt hatte ich gestern das Gefühl, dass ich es vorgehalten bekomme. Wie ich es mache, es scheint immer falsch zu sein. Ich hab mich dann in meine Wohnung verzogen, ich hab keine Kraft mehr, jeden Tag zu diskutieren.

Ich weiß nicht, ob die Metas auf die Nerven drücken aber ich glaube fast nicht. Da es mehr lokal im Oberschenkel weh tut, es zieht nirgends hin oder so. Das wär doch bei Nervenschmerzen eher so oder ? Novalgin hilft ihm jetzt wieder wunderbar, lt. ihm. Und das muß er angeben, da kann ich nur auf ihn vertrauen, dass er sagt, wenn es schlimmer wird.

Einen Psychologen wird er niemals in Anspruch nehmen, Mama auch nicht, warum auch immer. Ich habs ihr auch oft erklärt und angeboten. Nix... ich stosse nur auf Ablehnung. Kein schönes Gefühl.

Den Antrag auf Pflegestufe hab ich hier liegen aber ich werde ihn noch nicht ausfüllen. Papa wird mich umbringen, wenn in 3 Wochen jemand vom MD da steht und nach ihm guckt. Er ist im Stande und sagt, es sei alles klar, das traue ich ihm zu.

Er will partout keinen Rollstuhl nehmen, wenn er in der Klinik unterwegs ist, vom Taxi bis zum Bestrahlungsraum. Mama versucht es jeden Tag von vorne. Er blafft sie nur an. Also läßt sie ihn laufen.

Ich bin halt immer die, die gerne vorausschaut und ein bißl plant, so gut es geht. Aber ich muß das sein lassen, zumindest ein wenig. Das geht hier einfach nicht. Ich muß jeden Tag auf mich zukommen lassen und vielleicht macht mir das noch zusätzlich zu schaffen.

Du hast schon Recht, er muß wissen, wie er sich sein restliches Leben vorstellt bzw. sterben "will". Aber jetzt einen Beinbruch und jetzt schon nur noch im Bett zu liegen, das wäre eine Katastrophe, denn operiert wird das bestimmt nicht mehr... und das will er ja auch nicht.

Er ist so verzweifelt und ich kann wieder nur doof daneben stehen. Ja, ich kann zuhören - helfen wenig, da er das nur wenig zuläßt. Ich muß mir einen stärkeres Fell zulegen...

Ich bewundere Dich und Deine Mum, ihr scheint das wirklich super zu meistern - TOLL - vielleicht schaffen wir es auch noch ? Momentan hab ich eher das Gefühl, dass alles zerbricht :-( und das macht mich noch trauriger als ich eh schon bin.

Wie gehts Deinem Papa denn momentan ? Hat er genau das gleiche wie mein Papa ? wie alt ist Dein Papa ?

Liebe Grüße und ich wünsche Euch viiiiel Kraft !!!

Myri

Kaffeemaschine
05.05.2013, 11:32
Liebe Myri,

oh, das tut mir leid, daß Du nun auch mit Deiner Mutter Diskussionen hast.. in so einer angespannten Situation ist man ja rasch mal genervt, auch wenn der andere eigentlich nur helfen will. Kopf hoch, Ihr kommt auch wieder besser klar! Ganz sicher wollen auch Deine Eltern nicht, daß alles zerbricht zwischen Euch.
Daß Du Dich zurückgezogen hast, klingt nach einer guten Idee. Es bringt nichts, sich ständig über das „gegen die Wand reden” aufzuregen; Du brauchst Deine Kraft noch!

Prima, daß die Novalgin Deinem Vater gut helfen. Nervenschmerzen können sich an anderen Stellen äußern, müssen aber nicht. Oft fühlen sie sich eher brennend an als dumpf, wenn z.B in der Schmerzgegend auch ein Kribbeln, Taubheit oder Kraftlosigkeit ist, können das weitere Anzeichen sein.Klingt bei Deinem Vater ja erstmal nicht so.

Ja, nichts planen oder helfen dürfen, das belastet nochmal zusätzlich.. Mehr als die Unterlagen vorbereitet haben kannst Du nicht, zwingen kann man ja niemanden. Hat er selbst Phasen, wo er fragt „wie soll das nur werden”? Manchmal konnten wir nach solchen Aufhängern über konkrete Pläne sprechen, bzw. meinem Vater war es dann auch wichtig, selbst einen Plan zu haben. Da ging es ihm aber auch schon deutlich schlechter (mehr Schmerzen, Mühe beim Stehen und Gehen).

Danke für Deine lieben Worte! Ich fühle mich oft hilflos, gefühllos, mache Fehler.. Komme mir nicht so meisterhaft vor und es tut sehr gut zu lesen, daß Du das anders siehst! Man macht halt immer irgendwie weiter. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin schon ganz schön abgestumpft. Wir wissen seit über einem Jahr, daß mein Vater (Ende 70) mehrere Metas hat, teils frakturgefährdet, und nur noch palliativ behandelt wird. Der Grundtumor war ein Nierenkarzinom, also eine andere Situation als bei Euch. Gestern stand er nochmal, gestützt, :-) aber gerade sind die Schmerzen arg, ich sitze am Bett für Kissenrücken oder Schmerzspray geben und hauptsächlich, damit jemand da ist..
Da mein Vater ein ziemlich zurückgezogener Mensch ist, möchte ich keine ausführliche med. Geschichte öffentlich schreiben, das wäre ihm vermutlich nicht recht, sondern nur meine Perspektive. Wenn Du Details wissen willst, gern per PN.

Hat Deine Mutter Ablenkung drinnen? Ich kleb am Smartphone, meine Mutter an Kreuzworträtseln und Sudokus.. Hilft schon ein bißchen ;-) Ich versuche, ihr mehr die Besorgungen, Kleinigkeiten im Garten etc. zu lassen, weil man da automatisch raus kommt. Ablenkungen, zu denen man „verpflichtet” ist, funktionieren psychisch besser als Freizeit pur, finde ich. (da bin ich aber auch oft egoistisch, sonst werde ich sowas von unleidlich und depri, damit ist niemandem geholfen).

Als mein Vater noch fitter war, hat er mich eine Zeitlang energisch gedrängt, in den Urlaub zu fahren. Furchtbar lieb von ihm, ganz sicher mit dem Hintergedanken „entspann Dich jetzt, es könnte sein, daß das bald schlecht geht”. Für mich ging das gar nicht! Ich wollte doch Zeit mit ihm, und die kostbaren Urlaubstage für Notfälle in der Hinterhand haben! Für irgendwohin fahren hatte ich überhaupt kein Interesse. Vielleicht fühlt sich Dein liebevolles Drängen für Deine Mutter gerade ähnlich an.

Ich hoffe, Dein Vater fühlt sich wohl heute und Du hast ein Stück von diesem schönen sonnigen Sonntag ganz für Dich!
Liebe Grüße
Kaffee

Myri78
24.05.2013, 20:49
Hallo Ihr Lieben,
ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet, mir war die ganze Zeit nicht danach.
Papa geht es nicht gut. Die Bestrahlungen sind zu Ende und er hat noch immer starke Schmerzen im Bein, er weigert sich stärkere Schmerzmittel zu nehmen. Er nimmt noch immer Novalgin + Ibuprofen, mehr nicht. Er will nicht benommen im Bett liegen, hat er gesagt.

Dazu kommt, dass er seit 1 Woche in beiden Beiden jeweils 1 Thrombose hat, er hat nun die Beine gewickelt und der Sozialdienst kommt alle 2 Tage, um dies zu erneuern. Wenn die Füße abgeschwollen sind, müßte er dann Kompressionsstrümpfe tragen. Ich darf gar nicht daran denken, den diese drücken ja noch mehr auf die Metas im Oberschenkel :-(

Heute hat er dann zu Mama gesagt, dass er mit dem Onko-Doc sprechen möchte, er will mit der Behandlung aufhören, er möchte einfach nicht mehr leben. Es ist für ihn nur noch ein dahinsiechen, er war immer fit und nun geht fast gar nichts mehr. Er packt das einfach nicht mehr und er liegt nur noch rum und das einzige worüber er nachdenkt, ist, warum er diese Krankheit hat und warum es nicht schneller zu Ende gehen kann...

Mama und ich können ihn ja verstehen aber es tut so weh - der Gedanke daran, dass er aufgibt und wir haben schreckliche Angst davor, wie es weitergeht, wenn die Chemo usw. aufhört. Wie rapide geht es zu Ende ? Unter welchen "Bedingungen" ? Mir graut ganz schrecklich davor, am liebsten würde ich den Kopf in den Sand stecken.. ich hab solche Angst.... und ich will ihn nicht gehen lassen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! obwohl ich weiß, dass das niemand verhindern kann :-(

Kaffeemaschine
28.05.2013, 22:17
iebe Myri,

es tut mir leid, von Dir zu hören, daß es Deinem Vater schlechter geht.. Auch wenn man ja weiß, daß die gemeinsame Zeit wohl nicht mehr lang sein wird - ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mein Vater dann nicht mehr da sein soll. Ein Teil von mir steht quer und denkt „das geht doch einfach nicht”. Kann mir vorstellen, wie es Dir gehen mag..
Und die Angst vor dem großen Unbekannten: wann wird es sein, wie wird es sein, was werde ich tun können? Es ist schwer, mit der Unsicherheit klarzukommen.. Ich habe den Eindruck, man kann sich kaum auf irgendetwas vorbereiten, in argen Zeiten kommt plötzlich ein richtig guter Tag - Symptome ändern sich und man macht sich dafür über neue Dinge sorgen.
Als ich gelesen habe, daß Dein Vater die Chemo abbrechen will, habe ich spontan nicht an aufgeben gedacht, sondern daß er seinen Zustand damit auch annimmt. Und daß das jetzt besonders traurige, niederdrückende Gefühle in ihm auslöst, sich selbst als schwach und krank zu erleben. Aber vielleicht kommt danach eine Phase mit mehr Frieden für ihn... Manchmal scheint der Krebs auch Atempausen zu gewähren, wenn man nicht mit allen Mitteln kämpft. Bei meinem Vater gibt es solche Phasen und ich wünsche sie Dir und Deinem Vater von Herzen!

Sind die Thrombosen inzwischen zurückgegangen? Schade, daß er Morphine & Co so kategorisch ablehnt, es ist nicht immer so, daß man damit benommen im Bett liegt. Stabil eingestellte Patienten dürfen damit sogar Auto fahren... Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Hoffe ich jedenfalls.

Myri, laß Dich mal ganz fest in den Arm nehmen! Es ist keine leichte Zeit, aber da ist immer noch ein Stück Weg zu gehen und wir finden auch immer wieder die Kraft dafür. Ich denk an Dich. Halt den Kopf oben!!

Kaffee, die froh ist, nicht allein zu sein mit dem ganzen Schlamassel

Vroni987
04.06.2013, 11:04
Hallo,

mein Mann hat auch Lungenkrebs, IV Stadium, bekommt z.Z. Chemo mit Carboplatin, Alimta, Bondronat. Metastasen am Lympfknoten, Nebenniere, Knochenmetastasen am Oberschenkelhals ( hat künstliches Hüftgelenk bekommen ), an der Wirbelsäule, im Kopf haben sie auch kleinen Schatten entdeckt, am Schulter. Gestern hat er die erste Chemo bekommen. Er muss Folsäure nehmen, Vit.B12, kann mir bitte jemand sagen wie oft man den Vitamin B12 spritzen muss ????

Myri78
13.08.2013, 07:03
Hallo Ihr Lieben,
ich habe mich lange nicht mehr gemeldet...

Was soll ich sagen ? Ich bin müde und kraftlos. Papa liegt in seinem Bett, kann nur noch aufstehen, um sich auf den Toilettenstuhl zu setzen. Er hat keine Kraft mehr. Die Schmerzen halten sich in Grenzen, da er nun Fentanyl-Tabletten, 4x tgl. bekommt und 75mg Morphium-Pflaster. Dazu MCP-Tabletten wg. der Übelkeit, die immer mal wieder auftritt.

Gestern war der Tiefpunkt überhaupt. Ich kam zu ihm rein und er hat angefangen zu weinen. Ich habe noch nie jemanden so verzweifelt weinen sehen, geschweige denn meinen Papa. Er hat nur noch geweint, über eine Std. - Mama und ich konnten ihn kaum beruhigen und haben natürlich mit geweint. Er sagte immer wieder: Ich will nicht mehr, ich will sterben, ich will nicht mehr leben, ich will nicht mehr. Dann hat er angefangen zu beten, dass er endlich gehen darf. Es war bis jetzt der mit schrecklichste Tag in meinem Leben. Ich hab der HÄ angerufen und die Arzthelferin kam vorbei und hat Papa eine Art Beruhigungsspritze gegeben, ich hoffe, sie hält etwas an.

Es ist schrecklich mit anzusehen, wie er immer weniger wird, mein starker, großer Papa :weinen: und ich ihm nicht helfen kann.

Er ist auch ziemlich unruhig die letzten Tage. Tagsüber will er sich immer wieder im Bett aufsetzen. Ist das ein Zeichen für irgend etwas ?

Er bekommt Erhaltungstherapie mit Alimta, da der Tumor geschrumpft ist und nach dem 2. CT auch in dieser Größe geblieben ist. Die Knochenmetas haben sich auch nicht vermehrt. Und doch ist es ein wahnsinniger Abbau. Papa hat einfach keine Kraft mehr und er will wirklich nicht mehr. Er hat nun schon öfter Bluttransfusionen bekommen, weil die Werte nicht gut waren, danach gehts ihm immer sichtlich besser.
Gestern war ich nahe dran ihn zu fragen, ob er die Chemo beenden möchte. Er möchte so gerne endlich gehen können und ich sehe keine andere Möglichkeit, als die Chemo abzubrechen. Aber ich konnte ihn nicht fragen, ich denke immer noch, er muß alleine darauf kommen, wenn er das möchte. Oder meint ihr, er denkt gar nicht an so etwas ? vor lauter Verzweiflung ?

Das Pflegebett haben wir inzwischen, er möchte aber noch im Schlafzimmer bei Mama sein und so lange das geht, machen wir das natürlich. Mama wäscht ihn usw. und ich ziehe ihm morgens bevor ich arbeiten gehe die Thrombosestrümpfe an.

Seit 2-3 Tagen isst er nicht mehr viel und zum Trinken müssen wir ihn immer auffordern.

Ich hab keine Ahnung, wie das noch weitergeht oder wie lange ? was meint ihr ? es kann wohl niemand sagen...

Ich bin unendlich traurig und fühle mich so hilflos, so unendlich hilflos...

Bei der Hitze draußen können wir natürlich auch nicht raus mit ihm und er liegt im abgedunkelten Zimmer, damit die Hitze nicht reinkommt. Das macht natürlich noch mehr depressiv. Radioempfang ist schlecht in seinem Zimmer und TV möchte er nicht so oft schauen, weil er gar keine Kraft und Muse dazu hat. Wir sitzen so oft wie möglich bei ihm und das scheint ihm gut zu tun. Und uns auch.

So hart es klingen mag aber seit gestern wünsche ich mir für ihn, dass er endlich gehen kann, denn so verzweifelt wie er ist / war, möchte ich ihn nicht mehr erleben. Es tut so weh... und auf der anderen Seite sind wir froh, dass er es endlich mal rausgelassen hat, wer weiß, wie lange ihn das schon bedrückt und gestern war einfach die Kraft am Ende.

Habt ihr Ratschläge für mich, wie wir es ihm so angenehm wie möglich machen können ohne ihn zu "stressen", weil er oft müde ist und einfach nur schlafen möchte. Ich bin für alles dankbar :knuddel:

Myri78
09.03.2014, 14:06
Hallo meine Lieben,
ich habe lange nicht mehr geschrieben, so viel ist passiert seit August 2013. Papa hat die Erhaltungschemo abgebrochen, da er so schwach war, dass wir dachten, er muss sterben. Er hat sich jedoch wieder relativ gut erholt, wenn man es so nennen kann, konnte mit am Tisch sitzen im Rollstuhl für 1 Mahlzeit usw.

Seit ein paar Wochen geht es ihm jedoch schlechter. Er liegt jetzt nur noch im Bett, ist relativ klar im Kopf und hat vor ca. 14 Tagen noch eine Lungenentzündung bekommen... er hat AB bekommen und sich ganz gut davon erholt, ein Kämpfer.

Seit Freitag ist er nun so schwach, dass wir jeden Tag damit rechnen, dass er von uns geht. Es ist schrecklich ihn so leiden zu sehen. Er ist zu schwach um einige Schlucke Tee zu trinken oder gar zu essen. Er schläft die meiste Zeit und gestern hat er zu Mama gesagt, dass er nicht mehr leben möchte, dass er sterben möchte.

Wir sind den ganzen Tag am weinen, auch wenn wir wußten, dass dieser Moment kommen wird, es ist das Schlimmste in meinem Leben, das ich bisher erlebt habe. Mein Papa, mein Fels in der Brandung, der, der immer Rat wußte, wenn ich nicht mehr weiter wußte und immer für mich da war... jetzt muss ich ihn gehen lassen... er fehlt mir jetzt schon.... jede Minute habe ich Angst, dass es soweit sein könnte, auf der anderen Seite wünsche ich mir für ihn, dass er einschlafen kann und somit erlöst ist. Aber keiner kann mir sagen, wann das sein wird.

Papa, ich liebe Dich unendlich !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Traurige Grüße,
Myri

heaven
09.03.2014, 14:57
Liebe Myri,

es tut mir leid, lesen zu müssen, das bei euch jetzt offenbar der Abschied naht..
Ich wünsche deinem Vater das er schmerzfrei und ohne Angst gehen kann. Das ihr bei ihm seid, ist das größte Geschenk, das ihr ihm machen könnt.

Ich denke an Euch

Heaven (dem Himmel so fern)

Gina79
09.03.2014, 20:00
Liebe Myri!
Auch mir tut es unendlich leid dass es deinem Papa jetzt so schlecht geht und auch für euch die Zeit des Loslassens gekommen ist.
Ich habe oft bei dir gelesen und als ich Nichts mehr las dann gehofft dass sich die Situation zum Guten gewendet und stabilisiert hat.

Ich kann dich so gut verstehen! Man weiß, dass dieser Tag kommen wird, aber wenn alles dann so nahe zusammenrückt, dann kann man es gar nicht fassen! Ich weiß wie unerträglich diese Situation ist, man möchte so gerne helfen, alle Schmerzen und Ängste abnehmen, aber es ist uns unmöglich!

Diesen Zwiespalt kenne ich auch nur zu gut! Einerseits möchte man dass der liebe Mensch so lange wie möglich da ist und andererseits ist alles schon so viel Leid und Schmerz dass man um Erlösung betet!

Jemand hat es im Krebskompass mal so beschrieben: Man wartet gemeinsam auf den Zug aber es steigt nur Einer ein. Genauso könnte ich die Situation beschreiben.

Auch wenn dein Papa viel liegt und schläft, sei bei ihm und sauge die Momente in dich auf! Mir hilft es jetzt sehr wenn ich an diese Momente zurückdenke!

Ich wünsche dir alles an Kraft auf dieser Welt und dass dein Papa ohne Angst und Schmerzen loslassen kann!

Ich denke an euch! Traurige Grüße

Myri78
10.03.2014, 11:05
Lieben Dank an Eure Worte, sie tun soooo gut in dieser Zeit...

Gestern Mittag hat er bitterlich geweint und hat gesagt: "Es ist soweit, ich muss verreisen, ich muss sterben und dann bin ich weg."

Wir haben alle zusammen geweint und haben ihm gesagt, dass er nie weg sein wird, er wird immer bei uns sein und dass er friedlich einschlafen darf. Er meinte dann nur: "Und dann schlaf ich einfach ein".
Immer und immer wieder hat er angefangen zu weinen, er scheint festzuhalten, sich zu wehren, so wie es ihm überhaupt noch möglich ist.

Und immer hab ich das Gefühl, dass es an mir liegt.. ich weiß, ich bin sein Sonnnenschein und er liebt mich über alles und er hätte mich so gerne noch erlebt, mein Leben, unser Leben zusammen unter einem Dach. Er trauert jetzt um die Zeit, die er nicht mehr mit uns erleben darf. Er hält sooo fest...

Gestern Morgen hat er Mama gesagt, dass sie das eine Licht ausmachen soll, da wäre ein ganz langes Licht und er will schauen, wie lange das dann brennt. Mir lief es kalt den Rücken runter, hat er den Lichttunnel gemeint, den viele Menschen beschrieben haben, die Nahtoderfahrungen gemacht haben ?
Gestern Abend hat er dann die Bettdecke weggeschoben und gemeint, ich soll sie wegmachen, sie sei so schwer und er möchte aufstehen. Ich hab ihm gesagt, dass ich ihn zudecken muss damit er sich nicht erkältet und er nicht mehr aufstehen kann. Er hat dann nichts mehr gesagt.

Heute Morgen hat er über Übelkeit und Kopfweh geklagt. Seit ein paar Tagen macht er jetzt auch in die Windeln, anders geht es nicht mehr. Er kann sich auch nicht mehr alleine im Bett umdrehen. Zum Glück ist mein Freund hier, dem er vertraut und er hat die Kraft ihn zu drehen, gemeinsam mit Mum und mir. Ich habe diese Woche Urlaub genommen, ich kann nicht arbeiten gehen. Ich kann meine Wohnung nicht aufräumen, ich bin wie gelähmt.
Wie lange wird es noch gehen, bis er endlich einschlafen darf ?
Es ist unerträglich für uns ihn so zu sehen und für ihn ist es nur noch Qual. Er isst und trinkt kaum noch, das Schlucken bereitet so viel Mühe.
Die Haut an den Armen ist blutunterlaufen, sog. Cortison-Haut, total dünn und wenn er sich kratzt oder man dran kommt, platzt sie auf. Er hat schon 3 Verbände an den Armen.

Wie lange muss er noch kämpfen, mein lieber Papa ?

Ich bin unendlich traurig... ich kann es gar nicht beschreiben aber ihr wißt alle wie ich fühle, ihr habt es auch schon erleben müssen...

Danke, dass ihr da seid !

Eure Myri

Gina79
10.03.2014, 19:43
Ich habe, als bei uns diese Zeit angebrochen war, einfach aufgehört nachzudenken! Ich habe an nichts mehr gedacht. Es war wahrscheinlich ein Schutzmechanismus meines Körpers weil es sonst so weh getan hätte und ich diese Situation nicht ertragen hätte können. Sei einfach nur DA! Es wird deinen Papa helfen und dir auch!

Ich denke an euch! Viel Kraft in dieser schweren Zeit!

Myri78
13.03.2014, 16:55
Hallo Ihr Lieben,
gestern ging es Papa noch schlechter, er konnte nichts mehr essen, nichts trinken und hat auch die Augen nicht mehr geöffnet. Wir haben ihm das Morphium-Pflaster noch gewechselt, damit er keinen Entzug bekommt, so der Rat der HÄ. Diese ist gestern den 1. Tag nach ihrem Urlaub wieder im Dienst gewesen und kam um 17.30 Uhr vorbei, um nach Papa zu schauen.

Sie sagte, er liege im Sterben, sie könne aber nicht genau sagen, ob es noch 1 Nacht oder 3 Tage dauern würde. Die Angst, er könnte ersticken, hat sie mir genommen, sie meinte, er liegt recht friedlich in seinem Bett, auch wenn die Atemgeräusche mir zum Teil richtig Angst gemacht haben.

Mein Freund ist dann zur Apotheke und hat Wattetupfer gekauft, ich hab Papa dann damit die Lippen, die Zungen und den Mund angefeuchtet. Danach habe ich ihm einen Kuss gegeben und gesagt, dass ich nacher wieder kommen würde. Mein Freund und ich sind dann nach oben in unsere Wohnung gegangen und Mama saß bei Papa. 10 min. später rief sie an und meinte, wir sollten runterkommen, sie glaubt, Papa atmet nicht mehr.

Und so war es auch... er lag ganz friedlich in seinem Bett und als ich sah, dass sich sein Brustkorb nicht mehr hob und senkte, die Atemgeräusche komplett weg waren, wußte ich: Mein Papa war erlöst. Und doch stand ich total fassungslos da, wir haben zusammen geweint und sassen bei ihm. Mama sagte, er hätte plötzlich 3x komische Laute von sich gegeben, dann war plötzliche Stille. Ich hätte mir gewünscht, ich wäre bei ihm gewesen aber ich bin mir sicher, dass er sich Mama ausgesucht hat und ich bin glücklich darüber, dass er händchenhaltend bei ihr eingeschlafen ist. Genau um 18.30 Uhr.

Die HÄ riet uns, dass er diese Nacht noch bei uns bleiben sollte, so könnten wir uns in Ruhe verabschieden. Wir haben eine Kerze angezündet und saßen bei ihm. Jeder von uns war auch noch eine zeitlang alleine bei ihm und konnte ihm noch sagen, was uns auf dem Herzen lag. Ich hatte dies aber auch schon gemacht, als er noch bei uns war. Ich bin mir sicher, er hat mich verstanden.

Heute morgen fuhren wir dann zum Bestatter, haben den Sarg für die Feuerbestattung ausgesucht, die Decke, das Hemd, die Anzeige für die Zeitung fertig erstellt usw.
Papa wurde dann um ca. 10.30 Uhr zu Hause abgeholt, es hat mir das Herz gebrochen, ihn im Sarg liegen zu sehen. Ich hab ihm ein letztes Mal über die Wange gestrichen, bevor er gehen musste.

Am Montag um 14.30 Uhr wird die Trauerfeier stattfinden, die Urnenbeisetzung findet ca. 1 Woche später im engsten Familienkreis statt.

Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll... ich bin unendlich glücklich, den besten Papa der Welt gehabt zu haben, er lebt in jeder Ecke des Hauses und in uns weiter. Ich bin so traurig, dass er gehen musste und doch erleichtert, dass er erlöst ist und vorallem, dass er friedlich einschlafen konnte. So hat er es sich immer gewünscht.

Ich schicke Euch liebe Grüße,

Myri

hope75
13.03.2014, 18:14
Liebe Myri,

ich schreibe hier nur noch selten - mein Papa ist vor 17 Monaten eingeschlafen - und als ich eben Deine Zeilen las, fühlte ich mich stark an unsere "besondere Nacht" erinnert.

Niemand kann Dir Deinen Schmerz nehmen, aber ein großes Geschenk, das Dir die Trauer Stück für Stück erleichtern wird, ist die Tatsache, dass Ihr bis zum Schluss bei Ihm gewesen seid (und die letzen 10 Minuten mit Deiner Mama hat er sich bestimmt ganz einfach so ausgesucht) ... Du hast ihm alles gesagt, und Ihr seid im Reinen miteinander. Wie wunderschön!

Ich wünsche Dir für die kommende Zeit alles Gute, auch Deiner Mutter. Dein Papa lebt für immer in Deinem Herzen - das ist nicht nur ein Spruch - mir ist es, als würde mein Vater gerade erst gegangen sein - ich muss nur die Augen schließen, und ich höre seine Stimme in meinem Kopf. Liebe Myri, Du wirst nun immer einen Begleiter haben. Wann immer Du es möchtest, kannst Du ihn in Deinem Herzen besuchen.

Alles Liebe.



Hallo Ihr Lieben,
gestern ging es Papa noch schlechter, er konnte nichts mehr essen, nichts trinken und hat auch die Augen nicht mehr geöffnet. Wir haben ihm das Morphium-Pflaster noch gewechselt, damit er keinen Entzug bekommt, so der Rat der HÄ. Diese ist gestern den 1. Tag nach ihrem Urlaub wieder im Dienst gewesen und kam um 17.30 Uhr vorbei, um nach Papa zu schauen.

Sie sagte, er liege im Sterben, sie könne aber nicht genau sagen, ob es noch 1 Nacht oder 3 Tage dauern würde. Die Angst, er könnte ersticken, hat sie mir genommen, sie meinte, er liegt recht friedlich in seinem Bett, auch wenn die Atemgeräusche mir zum Teil richtig Angst gemacht haben.

Mein Freund ist dann zur Apotheke und hat Wattetupfer gekauft, ich hab Papa dann damit die Lippen, die Zungen und den Mund angefeuchtet. Danach habe ich ihm einen Kuss gegeben und gesagt, dass ich nacher wieder kommen würde. Mein Freund und ich sind dann nach oben in unsere Wohnung gegangen und Mama saß bei Papa. 10 min. später rief sie an und meinte, wir sollten runterkommen, sie glaubt, Papa atmet nicht mehr.

Und so war es auch... er lag ganz friedlich in seinem Bett und als ich sah, dass sich sein Brustkorb nicht mehr hob und senkte, die Atemgeräusche komplett weg waren, wußte ich: Mein Papa war erlöst. Und doch stand ich total fassungslos da, wir haben zusammen geweint und sassen bei ihm. Mama sagte, er hätte plötzlich 3x komische Laute von sich gegeben, dann war plötzliche Stille. Ich hätte mir gewünscht, ich wäre bei ihm gewesen aber ich bin mir sicher, dass er sich Mama ausgesucht hat und ich bin glücklich darüber, dass er händchenhaltend bei ihr eingeschlafen ist. Genau um 18.30 Uhr.

Die HÄ riet uns, dass er diese Nacht noch bei uns bleiben sollte, so könnten wir uns in Ruhe verabschieden. Wir haben eine Kerze angezündet und saßen bei ihm. Jeder von uns war auch noch eine zeitlang alleine bei ihm und konnte ihm noch sagen, was uns auf dem Herzen lag. Ich hatte dies aber auch schon gemacht, als er noch bei uns war. Ich bin mir sicher, er hat mich verstanden.

Heute morgen fuhren wir dann zum Bestatter, haben den Sarg für die Feuerbestattung ausgesucht, die Decke, das Hemd, die Anzeige für die Zeitung fertig erstellt usw.
Papa wurde dann um ca. 10.30 Uhr zu Hause abgeholt, es hat mir das Herz gebrochen, ihn im Sarg liegen zu sehen. Ich hab ihm ein letztes Mal über die Wange gestrichen, bevor er gehen musste.

Am Montag um 14.30 Uhr wird die Trauerfeier stattfinden, die Urnenbeisetzung findet ca. 1 Woche später im engsten Familienkreis statt.

Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll... ich bin unendlich glücklich, den besten Papa der Welt gehabt zu haben, er lebt in jeder Ecke des Hauses und in uns weiter. Ich bin so traurig, dass er gehen musste und doch erleichtert, dass er erlöst ist und vorallem, dass er friedlich einschlafen konnte. So hat er es sich immer gewünscht.

Ich schicke Euch liebe Grüße,

Myri

heaven
13.03.2014, 18:36
Liebe Myri,

ihr habt alles richtig gemacht! Es ist schön, das dein Papa zuhause friedlich von euch gehen konnte.

Ich denke an dich

Heaven

Monika Rasch
13.03.2014, 18:50
Liebe Myri,
es tut so weh wenn wir einen lieben geliebten Mensch gehen lassen müssen.
Aber wenn der Tod einigermaßen erträglich war, dann müssen wir uns daran festhalten.
Ich danke- wem auch immer- immer noch jeden Tag der wird -dafür, dass alle meine Lieben -
wenn sie denn schon eigentlich vor der Zeit sterben mussten, friedlich und mit allem im Reinen sterben durften, eingepackt in Liebe.
Die Liebe und das erinnern hört nicht auf, niemals.

Gina79
13.03.2014, 18:54
Liebe Myri! Es tut mir so leid, dass dieser Moment nun auch bei euch eingetroffen ist!
Deine Worte erinnern mich wieder so an meinen Weg den ich mit Papa gegangen bin. Auch ich konnte nicht dabei sein als er den letzten Atemzug gemacht hat und auch ich habe es mir so sehr gewünscht und hadere heute manchmal noch damit. Aber genau so wie es war, war es richtig und so sollte man es gut sein lassen.

Ja, ihr habt alles richtig gemacht und du hast so viel für deinen Papa getan! Du warst da und hast ihn den ganzen schweren Weg der Krankheit bis zum Schluss begleitet! Er hat jetzt keine Schmerzen mehr, keine Atemnot mehr und es geht ihm wieder gut! Ich weiß, das ist kein wirklicher Trost für den Verlust deinen Papas aber es macht es ein bisschen leichter. Zumindest mir hilft der Gedanke sehr.

Ich wünsche dir für diese sehr schwere Zeit der Aufarbeitung und Trauer ganz viel Kraft!
Ich war auch zu aller erst erleichtert dass mein Papa nicht mehr leiden musste aber das richtige Bewusstwerden um den Verlust und die massive Traurigkeit sind erst später gekommen.

Ganz viel Kraft! Traurige Grüße

Myri78
13.03.2014, 19:07
Ich danke Euch von Herzen für Eure Anteilnahme und Eure tröstenden Worte... ihr schreibt alle, dass man die Verstorbenen nicht vergißt. Ich habe schreckliche Angst, mich nicht mehr an seine Stimme erinnern zu können, das alles verblaßt und womöglich verschwindet. Das wär das allerschlimmste für mich. Mama meinte, dass das nicht passieren wird. Niemals - und trotzdem habe ich Angst davor.

Jetzt ist es dunkel draussen, Papa ist seit 24 h tot und er verbringt die
1. Nacht nicht mehr hier zu Hause, ich finde den Gedanken ganz schrecklich :-(

Ich hab noch eine etwas "komische" Bitte: wir haben erst vor ein paar Tagen zig Sorten mit Astronautengetränken in der Apotheke gekauft und würden es gerne jemandem zukommen lassen, der dafür noch Verwendung hat und so etwas Gutes tun.
Vielleicht kennt ihr jemanden, dann schreibt mir bitte eine Nachricht und ich verschicke es an Euch. Lieben Dank !

Eure Myri

Almnixe
13.03.2014, 19:45
Liebe Myri,

auch von mir herzliches Beileid.

Traurige Grüße,

Tina