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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : LK - multiple Hirnmetastasen + Metastase in der Nebenniere


Armin78
06.02.2013, 09:39
Hallo zusammen!

Mein Vater ( 67 Jahre alt )wurde am 23.01 ins Kh gebracht, weil er in einem sehr schlechten Zustand war.
Da wir alle von einer Grippe betroffen waren, gingen wir davon aus, dass er eine schwere Grippe hatte.
Dann der Schock! Das CT zeigte ein Bronchial-Karzinom + Metastase in der Nebenniere + multiple Hirnmetastasen.
Am 28.01. wurde er in ein anderes KH zur genaueren Abklärung verlegt.
Sein Zustand hat sich ohne spezielle Medikamente ( nur Antibiotika ) sehr verbessert. Er braucht keinen Sauerstoff mehr, ist mobil und voller Zuversicht (er weiß nicht, wie kritisch diese Diagnose ist)
Beim Gespräch mit dem Arzt wurde mir gesagt, dass der Tumor in der Lunge an einer ungünstigen Stelle für die Entnahme von Gewebe liegt und das eine genaue Bestimmung deshalb nicht möglich ist.
Es wird auch keine Bestrahlung der Metastasen durchgeführt.
Heute darf er nach Hause.
Hat jemand Erfahrung damit? Ich befürchte, dass es ohne Behandlung sehr schnell bergab gehen wird mit ihm!
Er denkt jetzt, dass er nach Hause darf, weil er auf dem Weg der Besserung ist! :(
lg Armin

Lilly123
06.02.2013, 09:56
Hallo Armin ! Also die Lage ist wirklich ungünstig, aber deswegen keine Behandlung durchführen? Was haben die Ärzte denn gesagt wie es weitergehen soll? Ihr solltet unbedingt eine zweitmeinung einholen.

Chris2712
06.02.2013, 10:01
Hallo lieber Armin,
ich bin schockiert !!! Wieso sagen die Ärzte das??? Er ist doch - wie ich herausgelesen habe - in einem guten Allgemeinzustand !! Warum macht man keine Chemo und Bestrahlung ?????? Meine Mom hatte auch LK mit Metas in beiden Nebennieren, konnte auch nicht operiert werden, aber sie hat Chemo und auch Bestrahlung bekommen.
Hole Dir UNBEDINGT noch eine Zweitmeinung ein !!!

Und berichte wie es weitergeht...

Alles Gute !!!!

LG Chris

Armin78
06.02.2013, 10:04
Hallo Lilly,
danke für die Antwort!
Der Arzt sagte, dass wir uns auf der Zielgeraden befinden und das es am Besten ist, nur noch auf die Symtome zu reagieren.
In Österreich werden solche Dinge immer in einem Gremium mit den verschiedenen Spezialisten entschieden, aber das man nicht mal versucht den Tumor genau zu klassifizieren kommt mir auch etwas merkwürdig vor.
Deshalb liegt mir die Vermutung nahe, dass es das äußerste Endstadium ist.

Armin78
06.02.2013, 10:06
Hallo Chris,
danke für die Antwort.
Da du nun schon der Zweite bist, werden wir uns wirklich eine zweite Meinung einholen.

Chris2712
06.02.2013, 10:14
AUF JEDEN FALL Armin !!!!! Das hört sich nicht gerade fachmännisch an !!!!
Meine Mom war auch im Endstadium und trotzdem ist es der normale Weg noch lebenserhaltende bzw. lebensverlängernde Maßnahmen einzuleiten ( palliativ ) und einen Menschen nicht aufgeben !!!!
Zudem MUSS man wissen um welche Art Tumor es sich handelt.... DAS gehört alles dazu um zu wissen wie und mit was man die Therapie beginnt...

Halte uns bitte auf dem Laufenden !!!!

LG Chris

Lilly123
06.02.2013, 10:14
Natürlich ist die Krankheit weit fortgeschritten, sagt man jedenfalls so wegen den Hirnmetastasen. Aber wenn er doch noch Fit ist, sieht das für mich nicht nach Endstadium aus. Hirnmetastasen sind oft (jedenfalls aus meiner bisherigen Erfahrung) relativ gut in den Griff zu bekommen. Eine Heilung wird ja mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr möglich sein. Aber dennoch sollte dein Vater die Option auf eine Therapie haben, finde ich. Ich kenne mich leider nicht aus wie das in Österreich ist. Ist es dann nicht möglich eine andere Meinung einzuholen?

Armin78
06.02.2013, 10:21
Natürlich könnte man in eine zweite Klinik, aber da es ja ein Meeting mit meheren Onkologen, Strahlenexperten, Chirurgen usw. ist, ist man ja ohnehin nicht auf die Einschätzung einer einzelnen Person limitiert.

Chris2712
06.02.2013, 10:24
Ich würde das trotzdem nicht auf mich sitzen lassen !!! Das ist ein sehr untypisches Verhalten der Ärzte !!!!!!!! Meine Meinung.....

belluzza
06.02.2013, 10:26
Hallo Zusammen,
meine Mamma bekam im August die gleiche Diagnose, doch Ärzte waren zu zuversichtlich. Sprich man sprach meiner Mutter zuviel Mut zu nachdem Sie in ein spezialisiertes KH kam. Jetzt, keine 5 Monate später sieht es anders aus.
Chemo und bestrahlung brachten zwar einen Erfolg (Tumor um 70-80% geschrumpft/Metastasen verkleinert).... Leider stellen Ärzte nach einem epeleptischen Anfall + Koma nun fest, das all die behandlungen nicht ganz zum Erfolg führten... Wir müssen unsere Mama die Tage gehen lassen, da Sie eine Patientenverfügung hat. Das alles passierte so schnell und vor allem unerwartet. Jetzt im Nachhinein denke ich wäre es besser gewesen Sie hätte keine Chemo gemacht, denn Sie hat so extrem abgebaut, das Sie nichts mehr machen konnte und wir haben ihr ständig gesagt, wenn die Chemo abgeschlossen ist muss sie etwas Geduld haben um wieder zu Kräften zu kommen. Versteht mich nicht falsch, doch mittlerweile muss man es realistisch sehen, das es nur Palliativ in so einem Stadium ist und daher denke ich... lieber hätten wir ggf 3 Monate noch wegfahren sollen anstatt nun 5 Monate die sie im KH oder zu hause nur da lag und keinerlei kraft mehr hatte.
Holt Euch lieber noch weitere Meinungen ein und lasst IMMER den Patienten die Entscheidung treffen und redet da nicht rein. Aber noch einen Tipp, bittet die Ärzte ehrlich und offen zu sein, denn wie ich heute weis haben das 2 Ärzte bei meiner Mama nicht getan, da sie Ihr den Mut zum kämpfen nicht nehmen wollten. Was zwar ggf nett war, doch ich nun auch sehr schlimm empfinde.
Ich wünsche Euch viel Kraft!!!

Armin78
06.02.2013, 10:35
Hallo und danke für deine Geschichte.
Ich denke das ist auch der Ansatz der Ärzte.
Sie vermuten einen Tumortyp, der sich nur mit einer kombinierten Chemotherapie bekämpfen lassen würde.......und auch diese zeigt nur bei 30% aller Patienten Wirkung.
Dies wäre eine sehr starke Belastung für den Körper und würde trotzdem nicht zur Heilung führen.

Hat vl jemand eine Ahnung, um welchen Tumortyp es sich handeln könnte?

Bezüglich alternativen Behandlungsmethoden gibts vermutlich auch keine hoffnungsvollen Berichte.

Chris2712
06.02.2013, 10:50
Hallo beluzza,

ja, es ist natürlich eine schwere Situation und viele Entscheidungen, die man treffen muss !! Hatten mein Papa und ich gewußt, wie das endet, hätte man sich wahrscheinlich anders entschieden !! Aber meine Mama war voller Hoffnung, sie wollte kämpfen, sie wollten leben !!!! Anfangs schlug die Chemo auch sehr gut an, die Tumore haben sich verkleinert, sie kam drei Wochen zur Kur und war wieder richtig körperlich fir. Aber schon in der Kur ging es rapide bergab. Mein Papa und ich wußten, daß nichts mehr helfen würde, aber Mama war immer noch voller Hoffnung, die wir ihr alle nicht nehmen wollten !! Selbst als es ihr immer schlechter ging, sie nichts mehr essen und trinken konnte und im KH lag, wollte sie nicht aufgeben !!! Es war bitter und schmerzhaft das mit ansehen zu müssen, und das ein Mensch leben wollte aber nicht mehr darf !!! :weinen:

Es ging alles sehr schnell und sie ist friedlich in unseren Armen eingeschlafen, aber hätten wir diesen Verlauf gewußt hätten wir es vielleicht auch anders gemacht, aber es war die Entscheidung meiner Mom !!! Mein Papa hatte mal gesagt: " hätte ich das gewußt, daß sie in der Kur so sehr abbaut und der Krebs regelrecht explodiert ist in dieser Zeit wäre er mit ihr nochmal schön in Urlaub gefahren, aber aber aber.......wir wollten doch ALLE, daß dieser Scheiss-Krebs aufgehalten wird....

Lieber Armin,
um Dir die Antwort zu geben um welchen Tumor es sich handelt ist schwierig. Zu wenig Hintergrundinformationen. Es gibt unterschiedliche Arten. Kleinzeller, großzeller, Adeno, Plattenepithel usw... und DAS wäre wie gesagt wichtig für weitere Therapiemöglichkeiten.....

LG Chris

Gabrieleli
06.02.2013, 10:52
Hallo Armin,

als selbst Betroffene die sich nun schon seit fast 4 Jahren intensiv mit allem befaßt möchte ich hier ein wenig zurückrudern.
Natürlich ist eine Zweitmeinung oft sinnvoll. Aber bei euch hat sich ein ganzes Gremium mit allem befaßt, nicht ein einzelner Arzt. Und gemeinschaftlich hat man sich dafür ausgesprochen nur palliativ zu behandeln und dem Ptienten nicht mehr zuzumuten.

Natürlich ist das für dich ganz schwer, aber es ist zu überlegen was eine Zweitmeinung, mit der er ja auch einverstanden sein muß, bringen soll und kann.
Natürlich könnte ein anderer Arzt zu dem Schluß kommen es doch mit einer Therapie zu versuchen. Mit welch einer Chemo? Für einen Kleinzeller, einen Nichtkleinzeller? An Gewebe kommt man nicht heran. Bestrahlen, den Kopf, die Lunge, alles? Was mutet man ihm damit zu?

Das Gremium hat die Bilder und die Befunde und ich bin mir sicher das man anhand dieser nicht leichtfertig entschieden hat. Solltest du da irgendein richtiges Mißtrauen haben, dann kümmert euch um eine Zweimeinung. Allerdings müßtest du dann auch offen mit ihm über alles reden, denn die Entscheidung liegt zum Schluß bei ihm.

Es geht ihm zur Zeit ganz gut schreibst du, Therapie fordert viel.

Ich wünsche euch alles , alles Gute für euren weiteren Weg

Mit einem lieben Gruß
Gabriele

belluzza
06.02.2013, 11:05
Ihr habt recht. Meine Mama entschied den kampf aufzunehmen, doch wie ich nun mitbekam alles, weil 2 Ärzte ihr nie wirklich sagten was es bedeutet. meine Schwester war bei allen Gesprächen dabei und auch sie wusste nicht wie es um sie steht. Ich bin daher letzte Woche aus allen Wolken gefallen wie ich erfuhr, das Mama und meine Schwester von unrealistischen Werten ausgegangen sind. Daher habe ich mich dann letzte Woche selber mit den Ärzten unterhalten und sie haben immer nur Palliativ gesagt, doch das Wort niemals erklärt und das es nicht heilbar sei und einfach lebensverlängernd sei...
Man hat nun eben festgestellt das Mamma karzinomätose Meninigitis und Glioblastom hat... zumindest hat der patologe dies gestern mündlich dem professor gesagt und heute soll es schriftlich kommen. Mir ist eigentlich übel und keine ahnung was noch alles.... denn sie hängt an allen lebenserhaltenden Maschinen, öffnet kurz mal die Augen, doch reagiert auf nichts, fixiert nicht die Augen und wir hatten keine Chance das Sie uns ggf noch was sagen mag. Man weis das alles vorher natürlich nicht und es gibt auch einige Menschen die auf alles ansprechen und trotz Chemo/bestrahlung noch länger und vor allem schön leben können.... aber daher sollen Ärzte ehrlich und vor allem offen reden. Klar ist es schwer einen patienten und deren angehörige schlimmes mitzuteilen, doch ich denke dann hätte Mama anders entschieden und vor allem noch schöne zeit verbracht.

Armin78
06.02.2013, 16:58
Da muss ich sagen, dass sich mein Vater sehr gut aufgehoben gefühlt hat bei diesem Oberarzt. Er ist mit sehr viel Einfühlungsvermögen an die Sache herangegangen und hat sich sehr viel Zeit genommen.

Generell stelle ich mir auch vor, dass es aus menschlicher Sicht bestimmt der "einfachere" Weg für die Ärzte wäre, wenn sie ihm mit Chemo vollpumpen und mit Strahlen beschießen als einen Patienten "aufzugeben" und auch hinter dieser Entscheidung zu stehen und sie gegenüber Patienten und Angehörigen zu vertreten.
Aus diesem Grund stelle ich diese Entscheidung nicht in Frage.

Brittalein
07.02.2013, 10:37
Hallo Armin,
eins kannst Du mir glauben, für Ärzte ist es nicht einfach einen Patienten nicht mehr Kurativ zu behandeln. Ich hab mal eine Frage an Dich, war das ein richtiges Tumorboard die diese Entscheidung getroffen hat?
Meine Frau erst 45 Jahre alt wird auch Palliativ behandelt, mit Metastasen ist man halt im Stadium IV auch wenn man versucht es schön zu Reden.
Ohne genaue Diagnostik würden die Ärzte nur ins Blaue schießen und hoffen das es hilft. Klar kann man sich eine zweite Meinung holen. Unsere Geschichte kannst Du unter IRESSA hier nachlesen.
Es sind natürlich Entscheidungen die Absolut nicht einfach sind, für den Betroffenen aber auch für die Angehörigen die meistens noch mehr leiden als der Betroffene selbst. Ganz wichtig finde ich es, Deinen Pa mit ins Boot zu holen und das für und wieder einer Behandlung mit einem Onkologen zu besprechen.
LG
Peter

Armin78
07.02.2013, 15:10
Hallo Peter,
vielen Dank für deinen Beitrag, auch wenn du mich damit doch ein Wenig misstrauisch gemacht hast.
Der behandelnde Oberarzt hat mir gesagt, es würde definitiv nur mit schwerer Chemo und Bestrahlung "eventuell" ein Wenig besser werden.
Da er eine künstliche Herzklappe hat und sein Herz etwas schwächelt, war für uns klar, dass wir ihm das nicht antun wollen.
Die Tatsache, dass unter gewissen Umständen dieses sehr viel besser verträgliche IRESSA den Tumor und die Metastasen in Schach halten können, habe ich heute zum ersten Mal erfahren.

Ich habe meinen Vater heute nach Hause geholt und bei der Gelegenheit habe ich den Arzt auf dieses Iressa angesprochen.
Er wirkte plötzlich etwas verunsichert und sagte mir, dass er dazu eine Gewebsprobe bräuchte und diese dann noch speziell bearbeitet werden müsste und das nur ganz ganz wenige die dafür nötige Mutation aufweisen.
Er sprach von 5%. Und dann fing er wieder damit an, dass er ja ein schwaches Herz hat und die Blutwerte verrückt spielen und das es so schwer ist eine Gewebeprobe zu entnehmen weil der Tumor so ungünstig sitzt.

Irgendwie bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher. Wie schätzt ihr die Lage ein

Brittalein
07.02.2013, 19:16
Hallo Armin,
der Arzt hat recht, dafür braucht man eine Gewebeprobe. Das Iressa wirkt nur, wenn die Krebszelle eine bestimmte genetische Mutation hat, die bekommt Du nur durch eine Biopsie. Es handelt sich um den EGRF Faktor
( epidermal growth factor receptor ). Diese ist meist in 19 das haben nur 5 % der Menschen. Britta hat eine ganz seltene Form in 19 und 20 und das weit unter 1% der Betroffenen. Du mußt Dir das so Vorstellen, unsere Körperzellen brauchen einen Befehl um sich zu teilen z.B. wenn sie zu alt sind.Warum auch immer, die Körperzelle mutiert und teilt sich immer weiter ohne Befehl, das sind dann Krebszellen und da die Körpereigen sind, erkennt die unser Immunsysten nicht. Iressa kommt aus der Mikrobiologie ( Genforschung ) und die trägt einen Botenstoff in die Krebszelle, die der Krebszelle sagt, hör auf dich zu teilen. Dadurch wird der Prozeß gestopt und mit Glück bildet sich der Tumor zurück. Ich hoffe ich hab das verständlich geschrieben. Britta hat nun das Glück 80% der Tumormasse hat sich in nichts aufgelöst.

Ich will euren Ärzten nicht zu Nahe treten, erstmal finde ich die Aussage " Ihr Vater ist auf der Zielgeraden" unmöglich, ich persönlich finde es schon Menschenverachtend. Wenn man Deinem Vater nicht mehr helfen kann, würde ich eine schlüßige Erklärung erwarten. Was heißt auch es ist schwer ranzukommen, was meinen die,Brochioskopie oder von außen mit einer Hohlnadel, ran kommt man immer, welche Blutwerte stimmen nicht ?
Was sagt die Bildgebung ? Multiple Meastasen im Kopf sind schon eine heftige Diagnose, wieviel sind es, wie groß ?
Eins ist auch noch klar, ohne Gewebeprobe wird jede Behandlung ein Schuß ins Blaue. Ich sag Dir ehrlich, sowas würde ich nicht meinen ärgsten Feind zumuten wollen.
Ich war bei Britta überall dabei und wenn die komisch werden wollten, hab ich sie schnell runter geholt. Dann war auch meistens ein vernünftiges Gespräch Möglich und die mußten mir alles erklären.
Ich hab versucht Dir ein paar Denkanstöße zu geben, frag die Ärzte Löcher in den Bauch, wenn Du merkst die gehen nicht drauf ein oder Du merkst da kommt nichts vernünftiges würde ich mir klar eine zweite Meinung einholen.
LG mit Wunden Fingern jetzt;)
Peter

Armin78
07.02.2013, 20:19
Hallo Peter,
vielen Dank für die ausführliche Erläuterung!

Meinem Vater wurde wie gesagt eine künstliche Herzklappe verpflanzt und er ist seit dem künstlicher Bluter.
Während seinem KH-Aufenthalt haben Gerinnungswerte und Blutzuckerspiegel verrückt gespielt.
Als er ins KH eingeliefert wurde, war die Atemnot sehr groß, die Sauerstoffsättigung war sehr schlecht und er hatte starkes Fieber.

Auch die ersten Tage während seines Krankenhausaufenthaltes war er in einem sehr schlechten Zustand, deshalb wäre die Geschichte mit der Hohlnadel wohl zu riskant gewesen.
Dass man bei der Bronchoskopie wohl an kein "brauchbares" Gewebe herankommt, haben sie anhand der Bilder gesehen.
Mittlerweile ist er zwar schwach aber ansonsten weitesgehend beschwerdefrei.
Keine Atemnot und keinerlei neurologische Symtome, deshalb wäre eine Gewebeentnahme wohl nicht mehr so riskant.

Ich war der Meinung, dass man dieses Bronchial-Karzinom-Mistzeug nur mit starker Chemo und Bestrahlung zu Leibe rücken kann und dies wurde mir auch so vermittelt.
Deshalb war ich auch damit einverstanden, dass nicht um jeden Preis Gewebe entnommen werden muss.
Ist ja auch völlig egal, wegen welchen Tumortyp man dann schlussendlich eine starke CT ablehnen muss, weil es der Zustand nicht zulässt.

Da aber 5% aller Patienten die Möglichkeit haben, eine verhältnismäßig schonende aber durchaus wirkungsvolle Therapie zu erhalten, finde ich schon das Patienten und Angehörige verdammt noch mal darüber informiert werden müssen!!!!
Jedem 20igsten können unter Umständen mehrere Monate geschenkt werden und man hat ja auch einen völlig anderen Zugang zur Krankheit, wenn man das Gefühl hat, aktiv dagegen vorgehen zu können.

Bei meinem Dad wurde das nicht mal in Betracht gezogen.
Man hat ihn einfach zum Sterben nach Hause geschickt, obwohl er ja auch der 20igste sein könnte :(

Brittalein
07.02.2013, 20:39
Hallo Armin,
ja Aufklärung ist eine wichtige Sache aber wenn man nicht selber hinterher ist bleibst Du auf der Strecke. Bei der künstlichen Herzklappe und den Blutverdünnern, wahrscheinlich Macumar,ist fast jeder Eingriff von außen wie auch von innen sehr gefährlich. Läßt man den Blutverdünner weg besteht in der Zeit und dem Eingriff ein sehr hohes Tromboserisiko. Ich kenne das so, das man das Macumar wegläßt, dafür gibt es dann Heparinspritzen kurz vor der OP wird die Wirkung des Heparin irgendwie aufgehoben, wie genau weiß ich nicht, bin ja leider kein Arzt. Wenn dann die OP Erfolgreich war gibt es dann sofort wieder Heparin. Sollte das bei Deinem Vater nicht Möglich sein würde ich mir wirklich Gedanken machen wie es weiter gehen soll. Setz doch mal den Arzt auf den Topf und frage wie weit es ist, welche Lebenserwartung Dein Vater mit und ohne Therapie hat und Nagel ihn fest.
Hört sich vielleicht hart an aber ohne Fakten seid ihr ja leider alle am Schwimmen.
LG
Peter

Armin78
07.02.2013, 20:55
Jep, es war Marcumar. Seit er im KH ist Heparin-Spritzen und wird auch weiterhin so beibehalten.

Auf die Lebenserwartung wollte er sich nicht festnageln lassen.
Er sagte die Metastasen könnten jederzeit Probleme machen.
Er sprach davon das die Dinger aufplatzen könnten oder einen Schlaganfall hervorrufen könnten.
Er sagte wir sollten von wenigen Monaten ausgehen. Ohne Behandlung, da ja eine Behandlung keine wirkliche Option war.

Morgen muss ich ohnehin zum Hausarzt.
Ist zwar ein Allgemeinmediziner, aber nach der Schliderung der Ereignisse hoffe ich ihm eine objektive Einschätzung entlocken zu können.
Meiner Meinung nach sollte auf diese Mutation in jedem Fall getestet werden.
Wenn er keine Bedenken äußert werde ich mich bewaffnet mit einer Vollmacht zu einem niedergelassenen Onkologen begeben.

Zeigt denn dieses Iressa bei nicht mutierten Tumoren keine Wirkung?

Brittalein
07.02.2013, 21:14
Das Iressa hilft wirklich nur bei der EGRF Mutation dafür ist das Medikament entwickelt worden anderen Patienten hilft es leider nicht. Es wird heute noch Tarceva auch in aussichtslosen Fällen teilweise gegeben aber da gibt es auch keine gesicherten Erkenntnisse Tarceva wirkt ähnlich wie Iressa. Solltet ihr euch entscheiden keine Maßnahmen mehr einzuleiten, holt euch ein Palliativ Care Team mit ins Boot. Dazu brauchst Du eine Verordnung vom Hausarzt, nicht auf Rezept das zählt da nicht. Jeder Mensch der unheilbar erkrankt ist hat da inzwischen nach SGB ein Rechtsanspruch darauf. Das Palliativ Team besteht aus speziell ausgebildete Palliativ Mediziner, Sehlsorgern, Spychologen und Palliativ ausgebildete Pflegekräften. Dieses Team sorgt dafür, das Dein Vater Zuhause bleiben kann und es werden alle Symptome, rund um die Uhr,der Krankheit bekämpft wie Schmerzen zum Beispiel und was ich auch ganz wichtig finde, wenn es den soweit sein sollte, das sich Dein Vater auf die letzte Reise begibt, wird es ihm dabei so angenehm wie Möglich gemacht.
LG Peter

Armin78
25.02.2013, 15:30
Hallo zusammen,

mein Daddy hat leider schon ziemlich abgebaut und hat einen heftigen Krampfanfall hinter sich :(

Er wird zwar langsamer und schwächer, hat aber ansonsten keine neurologischen Symtome.

Da es aller Vorraussicht nach die Hirnmetastasen sein werden, die unseren gemeinsamen Weg beenden, frage ich mich nun, ob es ein für ihn würdiger Weg sein kann.
ich hoffe für ihn, dass er so lang wie möglich den Ist-Zustand aufrecht erhalten und dann auf einen Schlag gehen kann, aber das scheint mir eher ein schwer zu erfüllender Wunsch zu sein :(

Vielleicht könnt ihr mir ja eure Erfahrungen mitteilen!

Danke für eure Mühe!
Armin

Irmgard60
25.02.2013, 16:34
Lieber Armin,

ich habe in den letzten 6 Jahren meine allerliebste Mutti und meine beste Freundin durch diese böse Krankheit verloren und ich war bei Beiden dabei, als sie einschliefen bzw. als man sie "eingeschläfert" hat! Das hört sich jetzt ganz furchtbar an, aber die Ärzte haben uns in Beiden Fällen gefragt, ob wir sie gehen lassen können und haben dies dann medizinisch unterstützt und Beide sind ganz sanft von uns gegangen. Es hat wohl Stunden gedauert, aber sie hatten keine Schmerzen und dieser Fakt, hilft mir jetzt oft, wenn ich jetzt selber -als Betroffene- Angst vor dem Tod habe. In beiden Fällen war es ein anderes Krankenhaus, aber gerade das hat mir gezeigt, dass sie einen nicht Leiden lassen, wenn die Zeit gekommen ist!

Der Weg bis dort hin ist wohl bei jedem Betroffenen anders, aber ich wünsche dir noch ganz viel Qualitätszeit mit deinem Vater, genieße eure Zeit!

Ich hoffe, dass ich dir ein wenig helfen konnte:pftroest:

Flower*
25.02.2013, 17:18
Hallo Armin!

Meine Mama ist Anfang des Jahres auch gestorben.. sie hatte LK mit über 10 Metastasen im Hirn (an denen sie dann auch gestorben ist)..
Es ist zwar bei jedem Menschen anders, aber ich glaube, dass die Betroffenen schon teilweise ihren Todestag mitbestimmen.. bei meiner Mutter war es soweit, als sie nicht mehr reden, laufen oder sich auch nur im Bett drehen konnte.. Und das dauerte nur wenige Tage (was für mich schon ein Stück weit "auf einen Schlag" ist).. es ist zwar schwer mitanzusehen, wie schnell ein Mensch abbauen kann, aber es war auch "schön", dass sie es dann so schnell hinter sich hatte.. sie bekam einmal eine Morphiumspritze, mehr Schmerzmittel brauchte sie gar nicht..

Und gerade der Hinweis von Brittalein ist wirklich Gold wert.. wir hatten ein Palliativ Team mit im Boot und ich bin unendlich froh darüber! Sie sind sehr einfühlsam und sorgen dafür, dass niemand leiden braucht..

Liebe Grüße und Alles Gute!

Gina79
25.02.2013, 17:24
Lieber Armin! Ich komme auch aus Österreich, habe bei dir still mitgelesen. Mein Papa ist am Samstag früh friedlich eingeschlafen. Er hatte auch Lungenkrebs und ähnelt dem Verlauf der Krankheit deines Papas sehr.
Meine größte Angst war immer, dass Papa so sehr leiden muss bevor er loslassen kann und dass Papa ein richtiger Pflegefall wird und alles mitbekommt.
Wir hatten wirklich harte 14 Monate aber mein Wunsch hat sich erfüllt, mein Papa ist einfach eingeschlafen.
Er ist bis eine Woche vor seinem Tod noch zum Stammtisch, freilich hatte er mit der Luft schon große Probleme aber immerhin, er ist noch unter die Leute und hatte bis zum SChluss noch immer großen Appetit!
Wir haben am Vortag noch Kaffee getrunken mit ihm. Er hatte (vielleicht durch die Hirnmetastasen oder weil die Lunge schon wenig SAuerstoff hatte oder wegen der Luftspritzen) manchmal ein paar verwirrte SEkunden die letzten 2 Tage, war aber dann wieder voll da und spielte bis zum Schluss Sudoku.
Hab keine Angst davor, es kommt wie es kommen muss aber ich kann dir sagen es gibt es, mein Papa ist denke ich in Würde eingeschlafen und hatte fast bis zum Schluss die Hoffnung nicht aufgegeben.
Zum Schluss wusste er (glaube ich) dass die Zeit nicht mehr so lange ist wie er es sich wünschte aber er hat nicht geglaubt dass es so schnell gehen würde.

Ich wünsche dir viel Kraft und denke nicht nach, es kommt immer anders als man denkt! Liebe Grüße Nina

Armin78
25.02.2013, 17:35
Ich danke euch für eure Erfahrungen.
Das kann sogar in solch ausweglosen Situationen ein Wenig aufbauen.
Ich werde euch je nach eigener Verfassung auf dem Laufenden halten und wenn alles vorbei ist, werde ich den Leuten in diesem Forum zur Seite stehen und Trost spenden.
Ich bin froh das es euch gibt!!

Irmgard60
25.02.2013, 20:08
Liebe Nina,

Ich möchte dir gerne mein Beileid aussprechen......dein Papa war bestimmt sehr stolz, eine Tochter wie dich zu haben:pftroest:

Deine
Irmgard

Gina79
25.02.2013, 20:29
Danke, Irmgard! Ich bin auch so stolz auf meinen Paps und ich weiß, dass er auch stolz auf mich ist!
Irmgard ich wünsch dir alles Gute , liebe Grüße

Armin78
26.02.2013, 08:05
Liebe Nina,

auch ich will dir mein herzliches Beileid aussprechen.
Sorry das ich nicht gleich reagiert habe, aber ich bin zur zeit ziemlich auf meine Geschichte fokusiert.

Armin78
26.02.2013, 08:32
Guten Morgen allerseits!

Ich habe noch eine Frage an euch.
Es handelt sich um den Allgemeinzustand und die neurologischen Symtome.
Wenn ich mir Krebs im Endstadium vorstelle, denke ich eigentlich an ein stetiges Bergab.
Komischerweise sieht die Lage bei meinem Dad anders aus und das wirft Fragen auf.
Er hatte letzten Sonntag den Krampfanfall. Die Woche davor ging es ihm den Umständen entsprechend sehr gut.
Am Montag nach dem Anfall ging es ihm auch noch gut. Dienstag und Mittwoch schlief er nur die ganze Zeit und war sehr sehr schwach.
Freitag kam er nach Hause und war auch sehr schwach. Zu dem sah er schlecht, war beim Sprechen sehr langsam und auch motorisch funktionierte es nicht mehr einwandfrei.
Nun wird es aber von Tag zu Tag besser.
Beim Sprechen merkt man gar keine Einschränkungen mehr. Er sieht besser. Er ist nicht mehr ganz so wackelig auf den Beinen und auch wesentlich fitter als noch vor einigen Tagen.

Ist es normal, dass es in diesen Fällen auch mal bergauf gehen kann?
Es freut mich zwar sehr, aber es verunsichert mich auch ein wenig, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass man bei unbehandeltem Krebs in einem sehr fortgeschrittenen Stadium deutliche Besserungen feststellen kann.

Liebe Grüße
Armin