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AW: An alle Hinterbliebene...
hallo,
ich hab mir den thread jetzt nochmal durchgelesen und hab dinge mitnehmen können die ich nicht wusste.. die mir vielleicht einem horrorschreck ersparen wenn ich sie erlebe oder mich positiv gestimmt sein lassen wenn ich sie nicht erlebe. ich kenne zwar viele fälle, bei denen es wirklich friedlich ging.. aber mittlerweilen eben auch schon andere.... es ist gut, auch auf "schlimme" dinge vorbereitet zu sein um damit umgehen zu können.... liebe grüße, verena |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Stefan und @ll,
Du hast ja ziemlich heftige Erfahrungen gemacht im Zusammenhang mit KH und Bestatter :eek: Bei Deinem ersten Posting habe ich überlegt, ob ich dazu etwas schreiben möchte, da meine Erfahrung bei der Begleitung eines Familien angehörigen GANZ ANDERE waren. Dann aber dachte ich "ach, lies erstmal weiter..." ;) Nunja, nun antworte ich doch, oder besser: ich erzähle mal von meinen Erfahrungen in Sachen Sterbebegleitung. Mein liebster Onkel erkrankte Anfang 2007 sehr schwer am kleinzelligen Bronchialkarzinom. Ausgelöst durch eine Asbestose. Die Prognose lag bei einem Überleben von 9 bis 15 Monaten. Naja, halt die "gängige" Prognose in seinem Stadium. Wir waren natürlich alle geschockt, er war ja erst 67 Jahre alt. Seine Chemo und alle weiteren Behandlungen bekam er in einer Lungenfachklinik, deren Station dort palliativ ausgelegt ist. Als klar war, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit Weihnachten nicht mehr erleben würde, haben wir über viele Dinge geredet. Auch über das Sterben. Alles, was eine Schwester (meine Mum) sich nicht traute anzusprechen, tat ich, weil wir ein sehr inniges Verhältnis hatten. Er wollte im Krankenhaus sterben und seine Bestattung vorher mit gestalten. Ich ersparen mir jetzt alle Details zu Höhen und Tiefen, gesundheitliche Krisen und Therapien, weil das einfach enorm viel zu schreiben wäre. Mitte November ging es ihm dann sehr schlecht, er konnte sich kaum noch auf einem Stuhl im Sitzen aufrecht halten. Der Körper war enorm geschwächt von den Chemos und er hatte bereits in 4 Monaten um die 28 Kilo abgenommen. Ich kontaktierte einen Bestatter. Und hatte enormes Glück, an den richtigen MENSCHEN zu geraten. Er kam dann zu uns ins Haus und regelte alles mit uns, hörte sich die Wünschen meines Onkels an und beriet uns ausführlich. Am nächsten Tag kam er wieder in KH, nun das letzte Mal. Eigentlich hätte er Termin zur Chemo gehabt, aber die wurde nun abgeblasen, weil das einfach keinen Sinn mehr gemacht hätte. Wochen zuvor sprach ich mit ihm, dass er jederzeit mit Chemo aufhören könne, weil es ihm bereits sehr schlecht ging. Aber, obwohl er um seinen Zustand wusste, hat er sich hoffnungsvoll dafür entschieden und so sein schreckliches Leid ertragen. Mein Onkel kam also nun ins KH in ein 2-Bettzimmer. Als er dann aber unter der hohen Morphiumdosierung zu halluzinieren und zu randalieren anfing, in der zweiten Nacht dann schwer stürzte, sich eine Kopfverletzung zuzog und mit rausgerissenen Blutkonserven in seinem Gemisch aus Fäkalien und Blut gefunden wurde, hat man seinen Zimmernachbar verlegt. Das freie zweite Bett wurde nun uns zur freien Verfügung überlassen. Meine Mutter zog ins KH und blieb Tag und Nacht bei ihm. Man muss einen Menschen nicht nach Hause holen, damit er nicht alleine stirbt. Tagsüber waren wir immer zwischen 2 und 4 Leute, die da waren. Am dritten Tag kam die ganze Familie und verabschiedete sich, da konnte er bereits die Augen kaum noch öffnen, was aber eher am Morphium lag. Er war bereits auf dem Weg in eine andere Welt... Meine Mutter, meine Cousine und ich waren bis zum letzten Atemzug da. Er brauchte noch drei weitere Tage im Dämmerschlaf und mit Schnappatmung. Und am letzten Tag wurden die Zeichen des Todes deutlich; seine Haut wurde wächsern, das Wasser stieg rapide in den Oberkörper und in die Arme, die Organe versagten langsam ihren Dienst. Das Gesicht fiel ein und Mund und Nase wurden ganz spitz, ein weisses Dreieck bildete sich um Mund und Nase. Um die Mittagszeit schlief er ein. Er hatte vorher immer mal Atemaussetzer. Und dann atmete er einfach nicht mehr ein, sein Gesicht durchzuckte kurz ein schmerzhafter Ausdruck. Es war vorbei. Kein Aufbäumen, kein Kaffeesatz-Erbrechen. Er wurde bis zum letzten Tag von den Pflegern mehrfach täglich gesäubert und wie ein normaler Mensch respektvoll gebettet und angesprochen. Wir hatten alle Zeit der Welt mit ihm und es war eine ausserordentlich friedliche Atmosphäre. Er wurde medikamentös so eingestellt, dass er "rüberschlief". Unsere Erfahrung waren so positiv, da auch immer Ärzte mit uns sprachen, Personal unsere Fragen beantworteten. Und ich denke das liegt auch daran, dass diese Station im KH palliativ ausgerichtet war und deren Patienten alle früher oder später dort oder zuhause an ihren Erkrankungen sterben. Das Sterben gehört zum Alltag, was nicht heisst, dass dort abgefertigt wird, sondern ein professioneller und einfühlsamer Umgang mit den Erkrankten und Angehörigen stattfindet. Als wir meinen Onkel ca. 4 Stunden nach seinem Tod dort zurück liessen war klar, dass ich auch so sterben wollte - wenn es denn irgendwann so weit ist. 9 Monate später erhielt ich meine Gebärmutterhalskrebs-Diagnose. Aber damit muss ich ja nicht in die Lungenfachklinik ;) Und ich habe auch vor, damit alt zu werden - wenn es klappt :D Das waren also meine Erfahrungen mit einer Sterbebegleitung. Und ich denke, dass man das nicht verallgemeinern kann, ob es schwierig und eklig ist. Sterben ist INDIVIDUELL. Ein Mensch stirbt, wir er gelebt hat. Manche können loslassen. Manche nicht. Zweitere ringen oft sehr schwer mit dem Tod. Die Verläufe sind krankheitsbedingt. Und soooo unterschiedlich. Wie die Menschen auch. Und als Sterbender und Angehöriger kann man nur dankbar sein, wenn man unter dem Ärzte/Pflegepersonal MENSCHEN findet, die einem helfend und unterstützend zur Seite stehen. Oder wenn man so ein Forum hat wie hier :1luvu: |
AW: An alle Hinterbliebene...
Vieles der geschriebenen Sachen könnte von mir sein.. und meiner Geschichte.. bin sprachlos..
ich lese diesen Thread hier und könnt nur weinen, denn es klingt alles gleich und damals als mein Dad starb, hab ich null Ahnung gehabt. Heute würde ich vieles anders machen... Ich bin froh dieses Forum zu kennen, denn so kann ich mit meiner Trauer immer bisschen bessser umgehen. Bis heute nimmt mich die Erinnerung sehr stark mit, und ich ich habe das Gefühl das wird sich nie ändern. Danke für diesen ehrlichen Thread... Sterben ist nicht immer schön und friedlich, aber der Wahrheit sollte man ins Auge blicken. |
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Hallo Zusammen,
ich schreibe nicht viel hier, habe aber jetzt doch das Bedürfnis mich mal zu äußern zu diesem schwierigen Thema. Als erstes wollte ich kurz sagen, dass das hier zwar ein Hinterbliebenen-Forum ist, aber dass ich auch hier schon gelesen habe als ich noch Angehörige war. Ich denk mal, dass das viele Angehörige, die sich mit dem Thema beschäftigen auch so ist. Das nur mal dazu. Dann finde ich, dass es schon gut ist wie hier über das Thema Tod geschrieben wird. Ich weiß allerdings nicht ob mir solch drastischen Formulierungen nicht noch mehr Angst gemacht hätten als ich eh schon hatte. Ich persönlich denke nämlich, dass diese Formulierungen wenn man sie so liest wesentlich "brutaler" klingen als man sie dann tatsächlich empfindet wenn man es dann erlebt. Wisst ihr was ich meine? In diesem Moment schöpft man so viel Kraft aus geheimen Quellen von denen man vorher noch nicht mal eine Ahnung hatte dass es sie gibt und tut einfach was getan werden muß. Natürlich ist es wichtig und notwendig informiert zu sein was passieren KANN, aber auf der anderen Seite hat man dann vielleicht noch viel mehr Angst vor der Entscheidung seine Lieben beim Sterben zu begleiten als man eh schon hat, ich bin da etwas zwiegespalten. Und mir kann keiner erzählen, dass da keine Angst im Spiel war, ich hatte gehörig die Hosen voll, habe es aber trotzdem getan und bin unendlich dankbar, dass mein Bruder mich auch dabei sein ließ. Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass Sterbende sehr wohl beeinflussen können wer bei dem Tod dabei sein soll und wer nicht. Mein Bruder war knapp 10 Jahre älter als ich. Und immer hat er versucht mich, seine kleine Schwester, zu schützen. Ich bin der Meinung, dass er schon viel länger wusste wie es um ihn steht und es nur nicht sagen wollte, für uns alle kam das dann doch sehr schnell und überraschend, ich dachte er hat noch viel mehr Zeit. Mein Bruder lebte 400 km von mir entfernt. Ich bekam morgens einen Anruf von meiner Mutter (die schon ein paar Wochen bei ihm war), dass ich kommen müsse, das traf mich wie aus heiterem Himmel, ein paar Tage vorher war er sogar noch arbeiten. Ich hab mich dann sofort ins Auto gesetzt, meinen Mann und meinen Vater eigesammelt und bin zu ihm gefahren. Und ich war rechtzeitig dort!! Ich bin unendlich dankbar dass mein Bruder entschieden hat erst dann zu gehen als wir alle dann da waren und ihn begleiten konnten. Er starb zu Hausen in seinem geliebten Wasserbett, umringt von seiner Frau, seinen Eltern und seiner Schwester und seinem Schwager. Wir alle erzählten ihm stundenlang dass es ok sei, dass er gehen dürfe und ich versprach ihm auf seine Frau acht zu geben. Und wenn ich das hier alles so lese merke ich was für ein großes Glück es war, er durfte friedlich gehen. Anfangs rasselten seine Atemzüge wie hier auch schon beschrieben. Aber dann wurden sie immer leiser und langsamer und hörten dann irgendwann einfach auf. Was ich absolut unglaublich fand war diese so extrem schnelle Veränderung des Körpers nach dem Tod. Wie ich schon schrieb, er hatte keinen Todeskampf, er hört einfach auf zu atmen, aber in absolut genau diesem Augenblick sah er schon ganz anders aus. Ich kann das gar nicht beschreiben, seelenlos trifft es vielleicht am ehesten obwohl es vielleicht bescheuert klingt. Aber in diesem Moment war der Körper einfach nur noch Hülle und er selbst war weg. Spürbar weg. Wir haben auch alle in genau diesem Zeitpunkt nach oben geschaut, wie verabredet, das war einfach unglaublich, fast schon unheimlich. Ich bin dankbar dass er mich dabei sei ließ, ich bin überzeugt davon, er hätte es verhindern können wenn er es anders gewollt hätte, ich hab immerhin einige Stunden Autofahrt vor mir gehabt bis ich bei ihm war. Aber er wusste bestimmt wie es mich gequält hätte wäre ich zu spät gewesen... |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Heike,
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Was sich noch 2 Tage lang gehalten hat (bei mir und meiner Schwägerin) war die Illusion (oder der Wunsch), dass meine Frau, kaum kommt man ins Totenzimmer, scheinbar noch atmet. Gleich öffnet sie die Augen und wacht wieder auf! Bis das (trotz besseren Wissens) vom Gefühl her angekommen war, hat es etwas Zeit gebraucht. Dann war auch das OK. Und der Bestatter konnte sie abholen kommen. Zitat:
Viele Grüße, Stefan |
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Genauso wie mein großer Bruder einfach der perfekte große Bruder war, ich drück Dich mal... |
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Hallo an alle,
ich bin erschrocken darüber, welche Lawine dieses Thema ausgelöst hat. Gleichzeitig finde ich es interessant und mutig, wie individuell jeder zu diesem Thema seine Meinung, Erlebnisse, Empfindungen schildert. Denn jeder hat andere Erfahrungen mit Sterben und Tod. Ebenso wie das Sterben etwas ganz individuelles ist, und es keine generellen Gültigkeiten dafür gibt. Ganz klar. Mir ist auch durch eure ganzen Beiträge die ihr geschrieben habt, klar geworden, wie viel Schrecklichkeiten ihr teilweise durchlebt habt bzw. auch, welche Wunden hier dadurch erneut aufgerissen wurden. Ich danke euch für eure ehrliche Meinung und eure ungeheure Beteiligung zu meinem Thema. Was ich auf gar keinen Fall wollte und will, ist, irgendwelche Streitigkeiten hervorzurufen. Ich denke die Meinung eines jeden sollte respektiert werden ! Ich bin am 22.12.08 am Bett meiner toten Oma gesessen. Sie ist auf eine völlig friedliche Art und Weise von uns gegangen. Schlimmer war die Zeit bis sie gehen durfte, weil sie bis auf die Knochen abgemagert war und sie lange nur noch im Bett auf auf den Tod gewartet hat... Habe hier aber kein Thema dafür eröffnet. Wahrscheinlich, weil ich im Moment zeitgleich einen weiteren Schicksalsschlag zu verkraften habe: Meine Mama hat mit 58 Jahren Lungenkrebs im Endstadium mit Metastasen überall... Das nur kurz zu mir. Hallo Stefan, mein Beileid noch nachträglich zu deinem Verlust ! Deine Worte sind klar und deutlich, ohne Beschönigung, so wie du es erlebt hast. Du hast über Abläufe gesprochen, die wahrscheinlich keiner von irgend jemand sonst so erfahren hätte. Ich erkenne auch, wie viele Leser deinen Beiträgen zusprechen. Das ist völlig in Ordnung. Nur mir hat deine Wortwahl, wie du dich darüber äusserst, nicht gut getan. Ganz ehrlich. Aber ich denke, auch das ist zu akzeptieren. Da gehen die Meinungen eben deutlich auseinander. Es gibt ja die Möglichkeit wegzuklicken... Hoffe, wir rammen uns jetzt nicht, symbolisch gemeint, die Messer in die Rippen. Machs gut weiterhin... Ich hoffe jetzt einfach, dass wir hier friedlich, ohne Streitigkeiten weiter schreiben können und wünsche euch allen noch einen schönen Abend. Herzliche Grüsse Cindy |
AW: An alle Hinterbliebene...
Cindy,Du brauchst auch viel Kraft in naechster Zeit,ich schicke sie Dir mal "einfach" so:pftroest:.
Mit Deiner Mama,das tut mir sehr leid.:pftroest: Meine Mutter hatte Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in Lunge und Leber,leider konnte keine Behandlung mehr durchgeführt werden... Mein Vater ist auch an Krebs gestorben,vor 3,5 Jahren. Doch das Sterben verlief unterschiedlich,vielleicht,weil es die Mutter war? Mir hat es jedenfalls sehr geholfen,dass Du das Thema hier eröffnet hast,ich habe viel gelernt... |
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Sch...xxx, einmal falsch geklickt und mein Geschreibsel war weg !
Also nochmal von vorne !!! Normalerweise bin ich ja im BK-Forum unterwegs, muß mich jetzt hier aber auch mal zu Wort melden ! @Stefan Ich bin traurig, dass Deiner Frau und Dir nur noch so wenig Zeit geblieben ist und ich war wirklich erschüttert zu lesen, dass sie es nicht "geschafft" hat. Ich wünsche Dir für die kommende Zeit alles Gute und viel Kraft für die kommende Zeit. @all Was Stefans Thread anbelangt, kann ich die ganze Aufregung mal wieder nicht verstehen. Stefan hat lediglich [U]seine[U] Empfindungen resp. Eindrücke geschrieben und sonst nix ! Als meine Mutter vor 22 Jahren an BK starb, wäre ich froh gewesen, hätte es damals schon eine solche Plattform wie den KK - mit solchen Threads wie den von Stefan - gegeben. Ich glaube, ich hätte meiner Mutter eine "Hilfe" sein können, wenn ich durch meine Unwissenheit, wie eben der Sterbeprozeß bei einem Menschen abläuft, nicht vollkommen paralysiert dagesessen hätte. Denn ich bin davon überzeugt, dass ein Angehöriger nur dann für einen Sterbenden eine Hilfe darstellt, wenn er weiß, wie das Sterben "abläuft". Ich hoffe, Ihr verzeiht mir meine etwas bescheidene Wortwahl, kanns aber nicht besser ausdrücken. Ich wäre froh gewesen, hätte man mir erklärt, dass sich ein toter Körper eben verändert. So aber war ich vollkommen schockiert, als ich sie 5 Tage nach ihrem Tod nochmals im Sarg liegen sah. Mag sein, dass dies auch mit meinem damaligen Alter (23 J) zusammenhing, aber so wars einfach. Als meine Mutter dann letztendlich tot war, hatte auch für mich die "Hülle", die letztlich im Sarg lag, nichts mehr mit ihr gemein. In meinen Gedanken - übrigens bis heute - ist sie fröhlich, gesund - schlicht eben die Mutter, wie ich sie gekannt hatte. Was ich hier auch nicht verstehe, ist einfach, dass der KK ja eine Plattform sein soll, auf welcher die User Gefühle, Gedanken, oder auch Fragen etc. austauschen können. Vor allem bin ich fest davon überzeugt, dass viele hier solche Empfindungen/Gedanken wie Stefan haben, sich aber nicht getrauen, sie auszusprechen/äußern, denn leider tendiert unsere Gesellschaft daher immer noch dazu, das Sterben an sich immer noch zu "tabuisieren". Klar muß es nicht bei jedem Sterbenden zu "kaffeesatzartigem Erbrechen" usw. kommen. Aber ich halte es für absolut besser, zu wissen was evtl. "kommen könnte" um einfach besser für den Betroffenen da sein zu können. Schlußendlich kann ich nur sagen, dass ich mir für meinen Teil wünschen würde, dass mein Mann diese Threads hier mal lesen sollte. Denn ich glaube, dass mein Männe - wenn meine Zeit gekommen ist - genauso überfordert sein wird, wie ich damals. Ich finde jedenfalls die "pragmatische Einstellung" von Stefan gut und würde mir - wie gesagt - wünschen, mein Mann (den ich übrigens sehr sehr liebe) könnte sich davon etwas aneignen. LG von der "saukalten" Alb Chris |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Cindy,
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Was den Sterbeprozess betrifft, so ist mir in diesem langen thread aufgefallen, dass scheinbar sehr viele v.a. über die "rasselnde" / Schnapp-Atmung erstaunt / verunsichert waren. Ich habe darüber gestern mal mit meiner Schwester (Krankenschwester Intensivmedizin) gesprochen. Und die meint, dass das nach ihrer Erfahrung ein gar nicht so seltener Grund sei, dass Menschen, die das eigentlich niemals wollen, letztendlich doch im Krankenhaus sterben. Weil sie eben mit diesem Symptom von den unwissenden Angehörigen noch "5 vor 12" eingeliefert werden. Und dann halt später an den Apparaten sterben, die Leute wie meine Schwester irgendwann abschalten. Und das finde ich so traurig. Zitat:
Schon damals haben mich einige Leute gewarnt, dass das vielleicht nicht so einfach ist, wie man sich das als Laie vorstellt. Und deshalb haben wir meine Frau schon, als sie die Klinik verlassen hat, vorsorglich im Hospiz angemeldet (Warteliste). Für alle Fälle. Das war richtig so. Meine Frau war nur 15 Tage Zuhause, und davon war ich nur 6 Tage allein mit ihr (+ einmal täglich der Pflegedienst zur Körperpflege). Schon da habe ich gemerkt, dass ich das allein nicht schaffen kann. Schon rein physisch nicht. 2-3 mal pro Nacht aufstehen, niemals für länger als 30 Minuten aus dem Haus gehen können, nebenbei noch die Tiere versorgen und den Haushalt machen... das geht auf Dauer nicht. Vor der seelischen Überforderung hatte ich noch viel größere Angst. Ich weiss, was oft passiert, wenn Angehörige auf sich gestellt Pflegepatienten Zuhause versorgen: aus Überforderung entsteht Missmut oder gar Hass auf den zu Pflegenden, dann Vernachlässigung, Misshandlung, und mitunter gibt es sogar aktive Tötungsdelikte. Sagen zumindest Pathologen, dass da die Dunkelziffer enorm hoch sei. Davor, meine Frau irgendwann als Belastung zu empfinden und darauf zu warten, dass sie endlich stirbt - davor hatte ich eine Mordsangst. Auch, wenn meine Wortwahl mal wieder drastisch ist: mir ist schlichtweg der Arsch auf Grundeis gegangen bei der Vorstellung, dass ich irgendwann mal, wenn meine Frau mich zum dritten mal die Nacht auf dem Handy anklingelt, weil man ihre Windeln wechseln muss, das einfach ignorieren, im Bett liegenbleiben und mir denken würde: ach, lass die doch in ihrem Kot liegen. Das reicht morgen früh auch noch, sie kriegt ja sowieso nichts mehr mit. Ich kenne meine Grenzen und weiss, dass es früher oder später gut dazu hätte kommen können. Deswegen war, als meine Frau Samstag starb, schon Hilfe organisiert. Ab Dienstag hätte wöchentlich der Pflegedienst den Hausputz und Großeinkauf erledigt. Und gut 12 Stunden, bevor meine Frau starb, habe ich noch mit dem Arbeitsamt telefoniert, damit die die drei Leute kontakten, die ich mir aus der Jobbörse als in Frage kommende (selbst bezahlte) Teilzeit-Pflegehilfen rausgesucht hatte. Und am Montag drauf meldete sich der ambulante Hospizdienst - jemand von dort wollte einen Ersttermin ausmachen... Nur mit all dieser Unterstützung hätte ich mir eine dauerhafte Hauspflege vorstellen können. Und wir sind gut dran, weil wir sowas selbst bezahlen können. Und ich rund um die Uhr hier bin und nicht 12 Stunden täglich bei der Arbeit ausser Haus. Hätten wir nicht diese Privilegien gehabt, hätte ich meine Frau trotz allem Widerstreben ziemlich schnell in Hospiz oder Klinik bringen müssen. Da hätte sie es dann nämlich besser gehabt. Und ich mit der Lösung auch. Früher habe ich Bewunderung empfunden für Angehörige, die ihre geliebten Menschen Zuhause aufopfernd über längere Zeit pflegen. Mittlerweile denke ich, dass man sich sehr genau überlegen sollte, ob man das als Angehöriger aushält. Und dass das Eingeständnis der eigenen Überforderung und die Fähigkeit, Hilfe zu suchen, wichtiger sind als Aufopferung und Entbehrung. Niemandem ist gedient, wenn Menschen an sowas langsam zerbrechen. Dann doch lieber stationäre Pflege. Zum Glück kam es bei uns nicht dazu. Meine Frau hat sich entschlossen, nachdem sie Weihnachten Zuhause erleben durfte und von allen wichtigen Menschen Abschied nehmen konnte, zu gehen, bevor sie zum schweren Pflegefall wurde. Offenbar haben ihr ein paar Tage vollständige Bettlägerigkeit mit Blasenkatheter und Windeln gereicht. Für sie war das würdelos. Sie wollte nie groß betüddelt, bevormundet und von anderen abhängig sein. Wer will das schon. Also hat sie ihren Zeitpunkt des Abschieds gut bestimmt. Ich möchte genau so gehen, falls ich das selbst entscheiden darf - weiss man ja vorher nicht. Im Vergleich zu dem, was uns erspart geblieben ist, war die kurze Phase des Sterbeprozesses noch eine leichte Prüfung. Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Liebe Cindy,
ich wünsche Dir Kraft und auch Zuversicht auf Deinen schweren Weg, gleich zwei Dir nahestehende Personen in so kurzen zeitlichen Abständen begleiten zu müssen. Wenn sich Dein Thread auch so anders entwickelt hat, wie Du es nicht für möglich gehalten hättest, vielleicht sind Dir die vielen Beiträge von Angehörigen auch eine Hilfe, so wie bei mir die Schilderungen von Töchtern im Angehörigenforum vor längerer Zeit dafür gesorgt haben, dass ich beim Sterben meines Mannes nicht in Panik geraten bin. - Leider waren der ambulante Palliativdienst einer örtlichen Diakoniestation und der Hausarzt nicht so hilfreich. Liebe Grüße Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
ich danke allen für ihre Offenheit
auch ich komme aus dem BK Forum, selbst an BK erkrankt mit Metastasen in Lunge, Leber und Knochen. Warum ich aber nun hier schreibe hat einen anderen Grund. Vor jetzt fast genau 5 Jahren bekam der Lebenspartner meiner Mutter die Diagnose Darmkrebs - Prognose - 6 Monate. meine Mutter war damit total überfordert. Da ich damals schon wg meiner eigenen Erkrankung hier schrieb habe ich mich an das Darmkrebsforum gewendet. Und zwar mit genau dieser Bitte, ob man mir bitte sagen könne, was genau auf mich zukommt, wenn ich den Partner meiner Mutter bis zum Schluss begleite. Das war nämlich sein wichtigster Wunsch, zu Hause zu sterben. Ich bekam daraufhin viele Antworten, dass das nicht hierhergehöre, ich das bitte im Angehörigenforum fragen soll, oder eben per PN. Außerdem bekam ich einige PN`S, dass das geschmacklos sei, und ich würde mit so einer Frage bei vielen die Hoffnung nehmen. Ich habe das auch eingesehen, wußte aber dann wirklich nicht, wo stelle ich meine Frage und habe mich dann entschieden, eben die Frage per PN zu stellen und habe dann, wer weiß warum, genau DIE Richtige Person angesprochen. Sie hat mich verstanden und hat mir wirklich schonungslos alles berichtet, was kommen kann, aber nicht unbedingt kommen muss ich konnte mich darauf einstellen und hab dann für mich entschieden und auch mit ihm es so ausgemacht, ich verspreche nichts, wo ich nicht weiß, ob ich es auch halten kann, aber ich versuche es! Er konnte zu Hause sterben und er war nie allein, bis zum Schluss nicht. Die Tage vor seinem Tod waren manchmal sehr schwer, denn ich hatte das Gefühl, er wollte nur weg, weg vor sich selbst. Im Nachhinein kann ich für mich nur sagen, wenn es bei mir soweit ist, würde ich auch gerne mit so viel Würde gehen, doch ich glaube, das wird bei mir nicht der Fall sein, denn mein Mann ist mit unserer/meiner Situation hoffnungslos überlastet. Ich denke, mir geht es da so wie mascha. Jedenfalls möchte ich all denen, die hier so offen mit diesem Thema umgehen, danke sagen. Ob nun die Wortwahl immer die richtige ist???????? ich find nichts schlimmes dabei, wenn man das Kind beim Namen nennt. viel Kraft für alle, die diesen Weg schon gehen mußten und die, die wissen, dass dieser Weg noch auf sie zukommt alles Liebe Karin |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Chris,
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Gegen den Sturm der Entrüstung, der darauf hin losbrach, ist die Entwicklung dieses threads nur ein laues Lüftchen im Wasserglas. Die Antworten öffentlich und per mail waren ziemlich drastisch. Was mir immer noch nachhaltig in Erinnerung ist, ist die Antwort einer Angehörigen, die verkündete: WIR WOLLEN LEBEN !!! Und dieses Leben-Wollen schloß offensichtlich ein, das über das Sterben-Müssen nicht gesprochen werden darf. Das hat mich sehr gewundert, weil ich solche Tabus aus dem Brustkrebs-Forum nicht kannte. Und dann ist mir irgendwann aufgefallen, warum das so ist. Weil Betroffene mit einem Krebs wie BK, mit dem frau noch recht lange selbständig leben kann, und dessen Heilungschancen sehr gut sind, sich überwiegend noch selbst in den Foren zu Wort melden. In Foren zu Krebsarten, die häufig schnell tödlich verlaufen (wie LK), finden sich dagegen ganz überwiegend Angehörige. Und die Angehörigen sind meiner Erfahrung nach sehr viel empfindlicher gegenüber der Wahrheit als die Betroffenen selbst. Ist mir auch nachvollziehbar. Wenn meine Frau gerade an LK stirbt, und ich genau weiss, dass sie nur noch 3 Monate hat... was würde ich dann lieber tun, als die Augen davor zu schließen, WIR WOLLEN LEBEN !!! (wobei ich mit 'wir' natürlich 'ich' als Hinterbliebener meine...) zu rufen und sämtliche Themen, die mir 'die Hoffnung nehmen' könnten, sofort in Grund und Boden zu verdammen. Und ich würde auch nichts davon lesen wollen, wie unschön das Sterben manchmal sein kann. Menschlich ist mir das sehr wohl nachvollziehbar. Andererseits: tut sich wirklich jemand einen Gefallen, die Augen vor dem Unabwendbaren zu verschließen? Im BK-Forum hier gibt es einen riesig langen thread mit dem Titel "Die dümmsten Sprüche". Da findet sich mit schöner Regelmäßigkeit all das wieder, was Angehörigen und Umwelt einfällt, um sich die Lage schönzureden, statt sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Wohlgemerkt: _nicht_ den Betroffenen, sondern den Angehörigen. All das, was meine Frau und ich uns in den letzten 2 Jahren auch zur Genüge haben anhören müssen. Da darf man den Mut nicht verliefen, der liebe Gott wird's schon richten, das wird schon alles nicht so schlimm, bloss nicht den Kopf hängen lassen, viele überleben das ja auch, da braucht man einfach Kampfeswillen... usw. usf. Bis hin zu ganz widerlich instinktlosen Äußerungen wie: wer Krebs hat ist selbst schuld, der hat wohl falsch / ungesund gelebt; schämen sie sich nicht, sich so todkrank in der Öffentlichkeit zu zeigen, was sollen die Leute da denken; du hast es gut, du musst morgen nicht zur Arbeit gehen, sondern kannst ausschlafen; im Rollstuhl rumgefahren werden möchte ich auch gerne mal; gib' doch deine Frau ins Heim, wieso belastest du dich damit; usw. usf. Erst seit ich begriffen habe, welche Funktion solche Einstellungen und statements für Angehörige und Mitwelt haben, rege ich mich weniger darüber auf. Das sind einfach Schutzmechanismen, um so eine schreckliche Krankheit und die Konsequenzen, die man bei anderen mitunter hautnah miterleben muss, menschlich nicht an sich heranzulassen. Psychologen haben bestimmt Fachbegriffe für diese Strategie. Verständlich ist mir schon, dass viele Menschen - besonders Angehörige - Leid, Schmerz, Sterben, Tod, Trauer, Ohnmacht, Verzweiflung, Einsamkeit, Versagensängste, Schuldgefühle einfach verdrängen _müssen_. Weil sie sonst wahrscheinlich im Alltag ziemlich schnell zusammenbrechen würden. Sich der Wahrheit zu verschließen, ist mitunter vielleicht einfach lebens-notwendig. Weil es ganz individuelle Grenzen für das gibt, was ein Mensch ertragen kann. Daraus mache ich niemandem einen Vorwurf. Böse werde ich nur, wenn manche Menschen andere, für die es die bessere Lösung ist, offen über etwas zu sprechen, was die Umwelt nur schwer ertragen kann, deswegen angreifen. Bzw., indem sie einen auf moralisch machen, ihnen über den Umweg von 'Sitte und Anstand' den Mund verbieten wollen. Nach dem Motto "muss doch nicht sein, über so unangenehme Dinge zu sprechen; will doch keiner lesen, und belastet nur und nimmt die Hoffnung". Nein, muss nicht sein, darüber zu sprechen. Ist aber auch nicht verboten, und manchen hilft es vielleicht sogar. Und dass dieser thread trotz aller Widrigkeiten manchem hilft und das darüber Reden Erleichterung verschafft, das erfüllt mich mit Freude. Tabus brechen ist doch gar nicht so schlimm, wenn man merkt, dass auch zig andere das schon längst gerne getan hätten, sich aber nur nicht getraut haben. Und ich denke: sich zu trauen, das muss hier in dieser Atmoshpäre unter "Gleichgesinnten" niemand bereuen. Zum Glück! Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo an alle !
Auch ich habe versucht meine Mutter zu Hause zu pflegen, nachdem wir letztes Jahr erfahren hatten, dass sie Lungenkrebs hat und bereits Hirnmetastasen im Mai/08. Sie hat sich ausschließlich für Bestrahlungen entschieden. Chemo hat sie grundsätzlich abgelehnt und dabei blieb sie auch. Ihr Hausarzt hat ihr übrigens zu dieser mutigen Entscheidung gratuliert. Mit Chemo hätte sie diese Lebensqualität nicht gehabt. Und zum Tod führt diese Krankheit, das wussten wir ja alle. Ihr Arzt sagte uns, sie würde Frühjahr 09 sicher nicht mehr erleben... Wir haben meine Mutter im Juli/08 bei uns aufgenommen. (Wir, bedeuted: Ich, mein Mann, und meine beiden Kinder 5 und 13 Jahre, in unserer Wohnung). Ich habe mir damals unendlich viel vorgenommen und ich wollte alles schaffen zusätzlich zu meiner Arbeit. Habe mich im Insulin spritzen einweisen lassen, dass sie 3 x täglich erhalten musste, von der Körperpflege ganz zu schweigen. Dann habe ich sie in einem Hospitz ganz in der Nähe angemeldet und auf eine sogenannte Warteliste setzen lassen. Ich dachte mir, für den Notfall... Von dem ich aber irgendwie nicht ausgegangen bin, weil ich ja alles schaffen wollte bis zum Ende... Es vergingen 3 Monate bei uns zu Hause und die liebe Cindy war psychisch und physisch so ziemlich kaputt. Wir haben dann Anfang Oktober/08 entschieden, dass wir sie bei uns nicht mehr weiter pflegen können. Eine Welt stürtzte zum 2. Mal für mich ein. Das erste Mal Weltzusammenbruch war als wir März/08 die Diagnose: Lungenkrebs erhalten hatten. Schweren Herzens übergaben wir sie in ein Pflegeheim, von dem wir wussten, dass sie gut versorgt wird. (Ein Bekannter hat dort die Pflegeleitung). Ich habe mich gefühlt... kann gar nicht recht beschreiben wie... Als hätte ich versagt, indem was ich doch eigentlich hätte schaffen müssen. Habe lange gebraucht, bis ich es akzeptieren konnte, meine Mama in ein Heim gebracht zu haben... Dann der Tod meiner Oma am 22.12.08, worüber ich mit meiner Mutter nicht mehr sprechen konnte, da sie zwischenzeitlich völlig verwirrt und vom Lungenkrebs gezeichnet ist. Phasen von Aggressionen verbunden mit Schreien und Lachen wechseln sich ab, und wären nun von uns nicht mehr zu bewältigen gewesen. Erst recht nicht wegen unseren beiden Kindern... Auch ich denke viel über den Tod nach. Denke mir, dass es kein sanftes und ruhiges Einschlafen wird, aufgrund ihrer Krankheit. Ich weiss nicht was uns erwartet und wie es kommt... Ich weiss nur, dass es kommt. Und das bald. Das macht unruhig und sensibel zugleich. Aber ihr wisst das alles ja nur zu gut. Alle, die die Kraft und die Möglichkeit besitzen, ihre Angehörigen zu Hause bis in den Tod zu begleiten... Ich habe die grösste Hochachtung ! Mir war es leider nicht möglich... Danke, dass ihr die Kraft besitzt darüber zu schreiben... Herzlichst Cindy |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo an @ und hallo liebe Cindy,
ich finde diese Beiträge hier sehr gut und hoffe das sie auch bei vielen anderen neue Denkwege freimachen. Was ich bei der Pflege meines Vaters immer wieder erlebt habe war, das wir einfach überfordert waren und Hilfe gebraucht hätten. Mein Papa hat am Anfang als die Diagnose kam ganz klar gesagt, dass er gern zu Hause bleiben möchte und wir haben alles dafür getan. Jeder von uns hat so ein Ideal im Kopf ob der geliebte Mensch zu Hause oder im Pflegeheim sterben soll. Dieses Ideal blockiert aber sehr. Natürlich ist es schön wenn dieses Ideal stattfinden kann und es ein ruhiges humanes Sterben ermöglicht. Für mich hat sich vieles verändert. Ich glaube mein Ideal von einem humanen Sterben unter allen Umständen zu Hause hat sich gewandelt. Ich sehe das heute sehr viel differenzierter. Heute denke ich human und würdig heisst nicht nur dem Wunsch des geliebten Menschen nachzugehen sondern vor allem eine möglicht optimale Pflege zu sichern in der die Familie sich entspannen kann, Zeit füreinander hat. Auch noch Zeit hat die Nähe das Anderen zu genießen ohne Angst ständig etwas falsch zu machen. Wenn das heißt es geht nur in einer pflegenden Einrichtung oder auch das ein ambulanter Pflegedienst eingeschaltet wird finde ich das völlig ok. In dieser Zeit geht es doch hauptsächlich darum dem Menschen der einem so viel bedeutet jede Erleichterung zu ermöglichen. Für meinen Papa hätte ich alles getan und ich denke es geht den meisten von euch ähnlich. Das Wichtigste ist doch, egal wo es stattfindet, das eine gute Pflege organisiert ist, der Mensch so wenig wie möglich leidet und das die Angehörigen möglichst ohne zusätzlichen Stress für ihn da sind und seine Wünsche erfüllen können. Ich konnte soviel Zeit mit meinem Papa verbringen und mit ihm reden oder einfach nur bei ihm sein das es heute für mich völlig egal ist ob er zuhause war oder in einer Pflegeinrichtung. Ich hoffe, das war nicht zu verworren. Yvonne |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo liebe Cindy,
nicht jeder Familie hat die Möglichkeit, einen schwerkranken Angehörigen zuhause zu pflegen. Denn, um das zu bewerkstelligen, müssen viele Voraussetzungen stimmen: Es muß genügend Wohnraum, Zeit und Geld vorhanden sein etc.pp. Ihr, Deine Familie und Du, habt sogar versucht, Deine Mutter bei Euch daheim u versorgen. Das finde ich wahnsinnig toll. Daß Ihr und insbesondere Du dann irgendwann an Euere Grenzen gekommen seid, ist sehr verständlich. Ich finde es prima, daß Ihr das rechtzeitig erkannt habt und daß Ihr Deine Mutter dann in ein gut geführtes Pflegeheim gegeben habt. Das war mit Sicherheit das Beste, was Ihr für sie habt machen können. Hallo lieber Stefan, ich möchte Dir meine ehrliche Anteilnahme zum Tod Deiner Frau aussprechen. So traurig es auch ist, daß sie nun gegangen ist, so schön ist es doch, daß Du sie auf ihrem letzten Weg bis zum Ende hast begleiten können. Ich hoffe sehr, weiterhin hier von Dir lesen zu können. Denn Deine lebendige Ausdrucksweise gefällt mir sehr. Dir von Herzen alles, alles Gute. Liebe Grüße Kyria |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo an Alle,
habe mir alle Beiträge, teilweise mit Gänsehaut, durchgelesen und weiß überhaupt nicht wo ich mit meinen Gedanken dazu ansetzen kann! Liebe Cindy, Deine Mutter ist ganz bestimmt gut in ihrer jetzigen Einrichtung aufgehoben! Mache Dir keine Vorwürfe. Auch wenn das Sterben, wie die Geburt ein natürlicher Prozess ist, so muss man doch unterscheiden können. Deine Mutter ist durch ihre Hirnmetastasen in ihrer Persönlichkeit gestört, teilweise nicht einschätzbar, dass kann für sie, aber auch für Euch gefährlich werden (was für ein schrecklicher Ausdruck). Auch meine Mutter starb an Lungenkrebs, allerdings für diese Erkrankung doch recht friedlich, aber eben auch nicht zuhause, sondern im Krankenhaus. Sie fiel zuhause einfach um, mein Bruder und mein Vater riefen den RTW und somit verstarb sie leider im Krankenhaus. Hört sich viel zu sachlich an, aber es sind bis heute noch sehr viele Gefühle im Spiel. Lieber Stefan, was Du erleben musstest bei dem schmerzlichen Ende Deiner Frau, geht schon sehr hart an die eigenen Grenzen! Wie schön für Deine Frau, dass sie nicht alleine war, dass sie einen Mann an ihrer Seite hatte, der das alles so gut meistern konnte, dass zeigt Deine Liebe zu ihr. Mir tut es sowas von leid, dass der Abschied nicht humaner von statten gehen konnte, für Euch beide. Auch wenn Du sehr "taff" erscheinst, so hoffe ich nicht Dir zu nahe zu treten wenn ich Dir rate, Dir doch Hilfe zu holen um das alles besser verarbeiten zu können. Der emotionale Absturz kommt oft erst später, aber dann recht heftig. Diese letzten Bilder, beim "Heimgang" Deiner Frau werden Dich lange verfolgen. Wir, mein Bruder und ich, haben unsere Mutter verloren, Du aber Deine Ehefrau. Mein Bruder stürzte ab, ins Bodenlose, da er die letzten Bilder nicht verarbeiten konnte. 3,5 Jahre ging es ihm schlecht, jetzt fängt er sich langsam wieder. Von mir werde ich gar nicht schreiben. Es ist Deine ganz eigene Entscheidung, aber wenn Du merkst, Du kommst damit nicht zurecht, dann würde ich mir wirklich rechtzeitig Hilfe holen. Für die Zukunft wünsche ich Dir wirklich alles Gute! Dir, liebe Cindy, wünsche ich viel Kraft für das was noch vor Euch liegt! Liebe Grüße Sanne |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo,
auch ich möchte noch einen Gedanken hier einbringen, der mir wichtig ist: Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, daß würdevolles Sterben nicht nur zuhause, sondern auch im Krankenhaus und im Pflegeheim möglich sein kann. Meinen Exmann, den Vater meiner Töchter haben meine Töchter und ich auf der Intensivstation bis zu seinem Tod begleitet. Da gab es Tag und Nacht offene Türen für alle Angehörigen, liebevolle, sachkundige Betreuung durch das Pflegepersonal und kompetente Ärzte als Ansprechpartner. Mein Exmann hätte zuhause nicht friedlicher, humaner und mehr in Würde sterben können, als dort im Krankenhaus. Zwei andere Menschen, die mir sehr nahe standen, waren in Pflegeheimen, als ihre letzte Stunde gekommen war. Auch dort konnten wir als Angehörige in der Endphase zu jeder Stunde, auch noch um Mitternacht zu Besuch kommen, auch dort bekamen wir jegliche erdenkliche Unterstützung (bis hin zu stärkendem Kaffee!) und auch dort konnten die beiden schwerkranken Menschen in Ruhe, Frieden und Würde hinübergehen. Ich denke, daß es wichtig ist, als Angehöriger da zu sein, wenn der Todkranke das braucht. Um dem Sterbenden Begleitung, Unterstützung, Ruhe und Sicherheit für diesen letzten, schweren Schritt geben zu können. Wo diese Begleitung letztendlich stattfindet, ob zuhause, im Krankenhaus, im Hospiz oder im Pflegeheim, halte ich für zweitrangig. Denn als Angehöriger hat man auch im Krankenhaus oder Pflegeheim viele Möglichkeiten, dem Sterbenden den Übergang so erträglich wie nur möglich zu machen: Seine Hand halten, den Schweiß abwischen, ihm Mut zusprechen, einfach da sein. Nicht von der Seite zu weichen, dann, wenn es hart wird. Liebe Grüße Kyria |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo,
ich finde die Diskussion sehr wertvoll und wichtig. Leider ist dies immer noch ein viel zu großes Tabuthema in unserer Gesellschaft in der jeder jung, schön, reich, erfolgreich und gesund sein will. Klar, wer will das nicht. Aber zum Leben gehört noch mehr. Und ich finde es gut, dass man sich in diesen Forum dazu austauschen kann und danke den Menschen, die mutig auch über nicht so schöne Dinge schreiben und auch denen die diese Thread eröffnen. Alex |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo ihr alle zusammen...
Mein Papa starb zu Hause, 1) weil er es gerne wollte,er hat sich gegen einen weiteren Krankenhausaufenthalt gesträubt....und 2) weil wir eine optimale Unterstützung hatten zu jeder Tages und Nachtzeit. Der Cousin und Freund meines Vaters ist selber Arzt und somit für uns immer erreichbar gewesen. Unser Hausarzt hat sich leider nicht um unseren Vater gekümmert(:mad: ),er war einmal da und sagte nur, er soll ins KH . Aber das hat mein Vater konzequent abgelehnt... Er wollte sterben, und er wollte zu Hause sterben.... Wir haben also ein Pflegebett organisiert,und einen Pflegedienst der morgens kam. Der zweite "medizinische Engel" war eine Tante meiner Mutter,(eine Altenpflegerin)die zu jeder Tages und Nachzeit zu uns kam,uns half das Bett neu zu beziehen,die Pflegestufe mit uns beantragte,uns die Adresse eines mobilen Hospitzdienstes gab und uns immer moralisch das Gefühl gab,dass wir es schon richtig und gut machten.... Es war eine schwere und harte Zeit und ohne diesen beiden Menschen hätten wir es nicht geschafft ,Papa zu Hause in den Tod begleiten zu können. Wie oft stand ich mit dem Telefon in der Hand und wollte den Notarzt rufen.... Unser Arzt hat mich davon jedesmal erfolgreich abhalten können... Er sagte, das dann eine Maschinerie in Gange käme,die wir nicht mehr beeinflussen hätten können... (ihr wißt ,was ich meine ...Intnsivstadion,Magensonde ,Sauerstoff,das ganze Programm...) Nein,Papa hätte das nicht gewollt und so ist er zu Hause im Beisein seiner Frau und seines ältesten Sohnes verstorben. Ich denke ,jede Familie muss für sich entscheiden,welcher Weg der Beste ist . Das wichtigste ist doch das sie schmerzfrei bleiben(soweit das möglich ist) und ihre Lieben um sich haben....Denn das spüren sie genau,davon bin ich überzeugt. Und egal,wo das nun ist... Zuhause,im KH ,im Pflegeheim, auf der Palliativ ,oder im Hospitz... Man muss sich nur sicher sein,in dem was man tut,sonst bricht das Chaos über einen ein :eek: Und dieser Thread hier tut eine Menge dazu,das man sich sicher sein kann,das Beste für den Sterbenden zu machen.... Einen schönen Abend... Regina |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Kyria,
Zitat:
Es gibt natürlich mitunter medizinische Notwendigkeiten, bei denen kein Weg an einem stationären Aufenthalt vorbei geht. Meine Frau hat in den Monaten vor ihrem Tod z.B. eine Reihe von Bluttransfusionen bekommen. Sowas geht nur in der Klinik, nicht Zuhause. Und wenn ihr das geholfen / ihr Leiden erleichtert hätte, dann wäre sie aus diesem einfachen Grund vielleicht in der Klinik geblieben. Aber weil das nicht mehr der Fall war, musste sie diese Entscheidung nicht treffen. Hallo Sanne, Zitat:
Es heisst aber, dass ich hier nicht alles von mir offenbare. Und v.a. mit Tränen, Leid und Verzweiflung erstmal lieber allein bin, bevor ich darüber nach einiger Zeit - wenn sich das etwas gesetzt hat und ich "rational" darüber sprechen kann - "nach aussen" gehe. Und vor dem Netz / den KK-Foren komme erstmal ich mit mir allein und Hündchen, dann gute Freunde und dann "Profis", denen ich am Telefon oder persönlich die Hucke vollheule. Freitag werde ich das in einer Doppelstunde bei der besten Psychotherapeutin der Welt tun (die ich seit 7 Jahren kenne).D ie Gynäkologin und die Maltherapeutin meiner Frau muss ich nur anrufen, um dort einen "Hinterbliebenen-Termin" zu bekommen. Die Unterstützung ist da, und ich werde sie auch nutzen, wenn es notwendig ist. Wie schwer und lange die Trauerphase wird, weiss ich im Moment beim besten Willen nicht. Noch ist sie nicht da, und ich mag darüber auch nicht vorab spekulieren. Dass sie kommen wird, und dass sie richtig schwer wird, darauf verwette ich meinen Arsch. Und wenn ich nicht die Gewissheit hätte, dass es dann viele hilfreiche Menschen gibt, an die ich mich immer und mit allem wenden kann... dann hätte ich davor noch viel mehr Schiss, als ich sowieso schon habe :-/ Aber von meinen zutiefst "intimen" Gefühlen, der "echten" Qual, Einsamkeit und Verzweiflung, wird man hier oder sonstwo im Netz erst lesen, wenn sie durch den "Filter" in meinem Kopf gegangen und halbwegs "vernünftig" geäußert werden können. Der wichtige Kern gehört mir, den lege ich nicht im Netz offen. Ist kein böser Wille oder Schauspielerei, sondern einfach die Art und Weise, wie ich am besten mit meinen Gefühlen umgehen kann. Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
es kann jeder berichten wie er der Meinung ist das es richtig ist. Trotz dessen bin auch ich der Meinung das manauch friedlich sterben kann so wie es bei meiner Mama der Fall war. Nicht immer muß es so geschehen wie es leider bei Stefan geschehen ist was mir sehr sehr leid tut und ich mir diesen Schmerz dabei kaum nachenpfinden kann.
Was mich jedoch sehr beschäftigt ist der Fakt ob man dies wirklich hier so genau beschreiben sollte im sinne der verstorbenen. Hätte meine Mum gewollt das ich ihren Tod hier so genau beschreiben. Nein,darüber will ich gar nicht weiter nachdenken. Aber ich glaube ich hätte es in ihrem Interesse nie getan. Das muß jedoch jeder für sich elbst entscheiden-ich finde diesen Weg des Sterbens jedoch sehr privat und intim und würde ihn nicht ins Netz sezen. Für Angehörige die die verschiedenen Wege des sterbens kennenlernen wollen finde ich es auch sehr hilfreich zu erfahren wie es geschehen kann,auch mt allen schlimmen Sachen,aber all denen will ich nochmal sagen das es wirklich auch friedlich,ohne kotzen u.s.w. still geschehen kann. LG Heike |
AW: An alle Hinterbliebene...
@Anette P,
erst einmal würde es mich mal persönlich interessieren, wen Du nun "anschreibst"! Weshalb ist es nötig sch Hilfe zu holen? Weshalb wird der Sterbeprozess derart unnatürlich dargestellt, dass man meint ihn nicht verkraften zu können? DEINE Wortwahl! Vielleicht, weil man nicht täglich mit demThema "sterben" konfrontiert wird? Seit 28 Jahren bin ich Krankenschwester, habe so manchen Sterbenden und deren Angehörige begleitet und weiß genau deshalb, welche Schmerzen dieses bei den Angehörigen auslöst, inzwischen leider auch aus eigener Erfahrung. Die Schilderung Deiner "Lehre", inzwischen nennt es sich Ausbildung, wie lange ist diese her? Noch nie habe ich erlebt, dass sterbende Menschen in eine "Abstellkammer"verbannt wurden.Jedenfalls nicht im Krankenhaus. Im Gegenteil! Privatpatienten, mit Anspruch auf ein Einbettzimmer, mussten ihr "Domizil" verlassen, damit ein sterbender Mensch würdevoll Abschied nehmen konnte von seinen Angehörigen. Die Privatpatienten hatten auch immer vollstes Verständnis, nie gab es Ärger. Lieber Stefan, dass Du nicht alle Deine Gedanken öffentlich preis gibst, ist mir vollkommen klar und absolut verständlich! Als meine Mutter an Lungenkrebs erkrankte, erhielt zur gleichen Zeit mein Mann seine Krebsdiagnose. Ansatzweise habe ich hier im Forum versucht meine Ängste zu beschreiben, aber so ganz klar ausdrücken konnte ich sie scheinbar nicht. Wie kann man seine Gefühle vermitteln, wenn man sie selber noch nicht einordnen kann? Das Du Hilfe hast, freut mich! Alles Gute wünsche ich Dir! Herzliche Grüße Sanne |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Heike,
Zitat:
Was mich "verfolgt" bzw. was ich als ausgepsprochen negative Erinnerung wohl über lange Zeit nicht vergessen werde: wie es war, als meine Frau in der Klinik war, es ihr richtig schlecht ging, und sie nur immer wieder sagen konnte: "Holt mich endlich hier raus!". Und ich nichts für sie tun konnte, ausser völlig verkrampft daneben zu hocken und versuchen ihr zu erklären, aus welchen blöden formalen Gründen das jetzt eben noch nicht geht. DAS war richtig schlimm zu erleben. Ohnmacht und Hilflosigkeit. Nicht das "unschöne" Sterben Zuhause. Aber da hat sicher jeder andere Dinge, die für ihn schlimm oder (un)erträglich sind. Und das ist ja auch gut so. Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo alle zusammen,
wie ich ja schon geschrieben habe ist mein Papa auch Zuhause gestorben. Es war sein Wunsch den wir ihm mit allen Mitteln versucht haben zu erfüllen. Es ging aber auch nur weil ich mit meiner Familie mit meinen Eltern in einem Haus wohnen und wir so Tag und Nacht da waren. Meine Mama hätte es glaube ich alleine nie geschafft......sie hat es mal erwähnt.....sie war auch am Schluß total erschöpft....auch kam morgens und abends ein Pflegedienst der meinen Papa gewaschen und angezogen hat. Wir hatten ein ganz tollen Hausarzt der uns sogar seine Privatnummer hinterlassen hat...wir konnten ihn Tag und Nacht anrufen. Muß dazu sagen das er auch betreuender Arzt von einem Hospitz ist. Mein Papa hat uns nach seinem letzten Krankenhausaufenthalt im September gesagt ( er war dort wegen einer Lungenentzündung) das er nie mehr in ein Krankenhaus will. Als er zwei Monate später wieder eine Lungenentzündung bekam standen wir vor einer schweren Entscheidung.....wir haben ihm seinen Wunsch erfüllt. Ihm ging es davor schon laufend schlechter und unser Hausarzt hat auch gemeint das sie im Krankenhaus nichts Gutes für meinen Papa tun können...er war zu schwach. Die Vorstellung ihn an Schläuchen zu sehen konnten wir nicht ertragen und er wollte es so auch nicht. Es hat dann vier Tage gedauert bis er eingeschlafen ist.....am zweiten Tag dachte ich er hat sich erholt er war ansprechbar hat gar nicht mehr gehustet wollte nicht schlafen und hat viel geredet. Es war aber wohl nur ein letztes aufbäumen. Mein Papa hatte ca zwei Wochen bevor er starb viel geträumt.....er hat von einem Tunnel geträumt in dem Menschen sind und ihn rufen...am Ende vom Tunnel war es hell. Diesen Traum hat er fast jede Nacht geträumt.....Seid dem glaube ich das nach dem Tod nicht alles vorbei ist und wir uns alle wiedersehen werden. Im Grunde ist es doch aber auch egal wo unsere Angehörigen sterben...wichtig ist doch nur das wir sie nicht allein lassen und ihnen das Gefühl geben geliebt zu werden egal wo wir sind. Es gehört auch eine Menge Mut dazu sich einzugestehen das man mit der Pflege überfordert ist. Wir hatten so viel Hilfe auch von Nachbarn und Freunden...manch anderer hat dies nicht und muß allein mit der Pflege zurecht kommen. Ich hoffe ich habe nicht zu durcheinander geschrieben...... Katrin |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo an alle,
auch ich habe erkannt, dass es das Wichtigste ist, dass der Sterbende dort ist wo er aufgrund der Erkrankung entsprechend seiner Bedürfnisse versorgt wird. Ob zu Hause, Heim, Hospitz, ist denke ich, nicht so wichtig. Sind dem Sterbenden zu Hause nicht die allerbesten Möglichkeiten gegeben, ist derjenige in einer Einrichtung sicher besser aufgehoben. Man muss sich auch im Klaren sein, was man als Angehöriger selber überhaupt tragen kann. Nicht jeder kann einem Sterbenden die Hand halten. So individuell das Sterben ist, so individuell sind wir als Angehörige. Wichtig ist jede Art zu respektieren. Herzliche Grüsse Cindy |
AW: An alle Hinterbliebene...
Mit den letzten Beiträgen schlägt der Thread leider wieder einen Bogen zur allgemeinen Unverbindlichkeit. Das bringt auch den Vorteil, dass der Prozess des Sterbens aus der öffentlichen Diskussion herausgenommen werden kann.
Zitat:
Gruß Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
Liebe Geske,
ich habe deinen letzten Beitrag jetzt mehrfach gelesen und dann noch alle deine anderen in diesem Thread. Ich frage mich jetzt , und hier sei mir bitte nicht böse, was willst du eigentlich. Jeder muss doch für sich selbst entscheiden , was und wie alles machbar ist. Natürlich ist es der Idealfall wenn Angehörige zu Hause sterben dürfen. Aber es gibt eben auch Situationen wo es nicht geht. Ich habe beides erlebt. Mein Stiefvater starb im KH, begleitet von seiner Ehefrau , meiner Schwester und mir, nach einem fürchterlichen Kampf .Es wäre überhaupt nicht möglich gewesen ihn nach Hause zu holen. Meine Schwiegermutter starb 4 Monate später , begleitet von meinem Mann und mir zu Hause. Ganz friedlich und ruhig, nachdem sie sich nochmals bedankt hat........ Was ich dir eigentlich nur sagen möchte, man darf nicht alles über einen Kamm scheren. Und ich habe vollstes Verständniß für Angehörige die sich überfordert fühlen! Liebe Geske, nichts für Ungut und liebe Grüsse Petzi59 |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hier ist ein Austausch von Informationen und Meinungen entstanden, den ich sehr interessant finde.
Jeder hat die Wahl, sich Detailbeschreibungen – oft gepaart mit Trauer, Unsicherheit, Verzweiflung – durchzulesen oder weiterzuklicken. Für diejenigen, die es interessiert, finde ich dieses Thema äußerst gehaltvoll. Ich glaube, dass fast jeder Forumsteilnehmer (Betroffen/Angehörig) schon längst nach dem individuellen Krankheitsbild gegoogelt hat, welches sein Leben grade verändert. Die dort eingeholten Fakten und Informationen sind oft nicht minder schockierend und meist geben diese Quellen keine Möglichkeit des Austausches, um Fragen zu stellen und Ängste loszuwerden. Das Thema Sterben und Tod wird wohl in kaum einem öffentlichen Artikel so beschrieben, wie es die Erfahrung eines Angehörigen/Hinterbliebenen wiedergeben können. Das haben wir hier. Dieses Forum dient dazu, dass Menschen an ihrem Leiden, ihren Erfahrungen und Gefühlen mit einem geliebten Angehörigen nicht psychisch zerbrechen sollen, weil ein derartig spezieller Austausch im Leben fehlt. Hier kann man sich verstanden und gehört fühlen, wenn man über Dinge sprechen möchte, die man persönlich oft nicht auszudrücken vermag. Wir sollten nie vergessen, dass eine lebensbedrohliche Krankheit unser aller Leben verändert hat. Auch meines. Ich bin eines von fünf Kindern meines geliebten Papas, doch das, was ich mit ihm teilen durfte – und dafür bin ich unendlich dankbar – wird für immer mein eigenes, ganz individuelles Erleben bleiben. Für mich hat dieses Forum meine eigene Bedeutung. Hier habe ich gelernt, mich fallen zu lassen mit all dem Schmerz, den ich empfand und noch immer empfinde. Durch die Offenheit vieler lieber Menschen bin ich getragen worden und da angekommen, wo ich heute bin. Der Verlust meines geliebten Papas hat mir ein Stück aus meinem Herz gerissen – aber die Möglichkeit, sich hier respektvoll austauschen zu können, ohne die Hand vor den Mund halten zu müssen, hat mich gestärkt und aufgebaut. Ich kann hier weinen und auch lachen und vielen meiner Mitschreiber geht es ebenso. So unterschiedlich und einzigartig die Menschen und die Krankheitsbilder trotz gleichem Namen sind, so unterschiedlich und einzigartig sind Empfindungen, Ängste und Kraftquellen, Erfahrungen und die mit dem Tod entstehende Verlustbewältigung, die Trauer. Jeder lebt sie anders aus, jeder geht mit ihr anders um – der eine verschlossen oder überspielend, der andere offen und direkt. Nicht alle Menschen haben den Vorteil, in einer Familie zu leben, die intakt ist, in der man verständnis- und liebevoll miteinander umgeht. Ergo haben auch nicht alle Kranken einen ganzen Pulk Familie um sich, die sich sorgen und ihn auf seinem letzten Weg begleiten. Umso wichtiger finde ich Informationen wie die von Stefan, um sich auf Eventualitäten vorbereiten zu können, ohne vor dem plötzlichen Auftreten Angst aus Unwissenheit haben zu müssen. Wer im täglichen Umfeld könnte einem da sonst helfen (ausgen. medizinische Hilfe)? Dieses Forum gibt jedem von uns – egal ob Betroffen oder Angehörig/Hinterblieben - die Möglichkeit, das zu schreiben, was ihm auf der Seele liegt, damit die Ängste und die Trauer, die Wut und die Unsicherheit nicht zum dauerhaften Begleiter werden... |
AW: An alle Hinterbliebene...
Zitat:
Wenn der Level so hoch gehängt wird, dass die Pflege zu Hause nur im "allerbesten Fall" geleistet werden kann, könnten wir uns von häuslicher Pflege fast ganz verabschieden. Solche Vorstellungen haben wenig mit der Realität zu tun. Hier würden pflegende Angehörige nur unter Druck gesetzt und noch mehr verängstigt als sie es ohnehin schon sind. Beste Grüße Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
Noch einen Nachtrag:
Ich habe den Sterbeprozess meines Mannes hier nicht geschildert, weil in den anderen Beiträgen schon das Wesentliche geschrieben wurde (mir die Beschreibung schwerfallen würde) und die Situation bei uns ziemlich ruhig verlief. Mein Mann wäre mit der realistischen Schilderung seines Sterbens hier im Forum einverstanden gewesen, das hat er mir ausdrücklich gesagt. Er hat als direkt Betroffener auch die Beiträge im Angehörigenforum gelesen und ihn hat es eher geholfen zu erfahren, dass andere Personen ähnliche leidvolle Wege gehen müssen - das solche Situationen zum Leben dazugehören können. Gruß Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo alle zusammen,
ich gehöre nicht zu den Hinterbliebenen, sondern schreibe normalerweise bei Krebs bei Kindern.(mein Sohn hat ein Medullloblastom mit wenig aussicht auf Heilung) Ich habe mir nun das gesamte Thema durchgelesen und bin froh darauf gestoßen zu sein. Mir fällt es leichter mit Dingen umzugehen, wenn ich in etwa weiß was auf mich zukommt. Ich neige auch dazu mir eher den schlimmst möglichen Fall auszumalen. Leider gibt es in meinem Umfeld nur meinen Vater ( altenpfleger) mit dem ich solche Dinge wie den Tod offen besprechen kann. Mein Partner hält es da auch eher wie Vogel Strauss. Daher nochmal " Danke " für dieses Thema, es war und ist mir eine Hilfe mir über das kommende Gedanken zu machen. Gruß Annika |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo,
ich hätte mir für meinen Lebensgefährten und mich sehr gewünscht, dass er zuhause hätte sterben können. Kann ein Arzt nicht sehen, dass der Mensch kurz vor dem Tod steht? Das würde mich mal wirklich interessieren. Mir jedenfalls wurde nichts davon gesagt und das belastet mich. LG Maria |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo,
eingangs wurde geschrieben, dass das Thema Tod, das Sterben an sich, in unserem Land stark tabuisiert wird. Also angesichts dessen, wie man so miteinander umgeht, wie man über dieses sensible Thema hier schreibt und diskutiert, finde ich das auch nicht weiter verwunderlich. Ich habe zu dem Thema auch meine ganz persönliche Meinung. Ich denke, dass das Sterben ebenso einer Individualität unterliegt, wie das Leben, jeder Krankheitsverlauf, jedes Dasein an sich. Und selbst wenn es von den rein medizinischen Vorgängen her, genauso sein würde wie bei Frau/Herrn XY, so ist die Situation und mein persönliches Umgehen damit, wenn es meine Mutter irgendwann betrifft, ein völlig anderes. Insofern hilft es mir als Angehörige im Vorfeld nicht, wenn ich lese, wie sich jemand zu Tode gequält hat oder persönliche Wege und Erfahrungsberichte aufgezeigt werden. Was allerdings nicht heißen soll, dass ich das kritisiere oder persönlich nicht gutheiße, dass ein solcher Austausch stattfindet. Wiegesagt - ich zeige mit meinem Kommentar nur auf, was ich daraus ziehen kann. Sterben kann sicher ganz verschieden sein. Ich für meinen Teil möchte alles richtig machen. Alles richtig zu machen heißt in meinem Fall, dem zu folgen was meine Mutter möchte. Kürzlich sprachen wir über das Thema, und meine Mutter äußerte sich dahingehend, dass sie, solange es "vertretbar" ist, zu Hause sein möchte. Auch darin liegt wieder eine Individualität. Wir werden situationsbedingt bestimmte Entscheidungen treffen müssen. Ich für meinen Teil stelle fest, dass nichts wirklich planbar oder vorhersehbar ist. Ich kann mich nicht wirklich auf diese Situation vorbereiten. Manche Schilderungen die hier gemacht wurden, finde ich insofern abschreckend, als dass aus meiner Sicht auch während des Sterbeprozesses bzw. nach dem Tode, die Privatsphäre nicht automatisch endet. Dann wird beschrieben, ich benutze mal die Wortwahl "obenraus und untenraus". Es ist nicht so, dass meine Fantasie nicht ausreichen würde, um mir bildlich vorzustellen, wie jemandem das passiert. Es ist nur abschreckend, dies vor dem imaginären Auge zu tun, wenn man jemanden Fremden davorhat. Insofern finde ich solche Schilderungen unangebracht, wenn es anderen Menschen etwas mit auf den Weg geben soll. Sollte sich eine solche Situation ergeben bei einem nahestehenden Menschen, bei dem Menschen wegen dem man hier schreibt, und den man liebt, ist die Perspektive doch wieder eine völlig andere. Gleichzeitig auch die Bereitschaft damit umzugehen. Das Einzige, was ich inständig hoffe ist, dass sich dieses "über sich hinauswachsen" und "ungeahnte Kräfte entwickeln" zu gegebener Zeit auch bei mir einstellen wird, in unserer eigenen, individuellen Situation. Liebe Grüße und alles Gute Euch allen Annika |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Geske,
natürlich kann Anette oder jeder sonst hier seine Meinung offen schreiben,nur finde ich sollte dabei keiner persönlich angegriffen werden und vielleicht auch etwas Rücksicht auf andere genommen werden in Situationen in denen man Unterstützung statt Stiche braucht. Dies hat Anette leider vermissen lassen und das finde ich unangebracht. Ich habe hier auch schon öfters meine Meinung vertreten die vielleicht nicht der von anderen entsprach,jedoch nicht ohne damit jemand zu verletzen. Leider ist dieser Thread vollkommen abgetrifftet in meinen Augen,deshalb werde ich mich nicht mehr hier äußern. Mit dem ursprünglichen Threadthema hat dies hier nicht mehr viel zu tun. LG Heike |
AW: An alle Hinterbliebene...
Schade,
wäre es nicht gut, den Thread wieder zu dem machen was er war? Es wäre schade, wenn das Thema untergehen würde. Gruss Rosita |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo @
nachdem ich nun hier immer still mit gelesen habe und mir lange nicht sicher war ob auch ich meine Erfahrungen hier schreiben sollte, nehme ich mal allen Mut zusammen und berichte: Mein Mann bekam am 21.01.08 die Diagnose fortgeschrittener LK, nach fehlgeschlagener Chemo und Bestrahlung starb er am 19.09.08 nicht zuhause, wie er es sich anfänglich gewünscht hatte, sondern auf einer Palliativstation. Am Freitag den 29.08. brachte ich meinen Mann abends als Notfall ins KH, seine Magensonde hatte sich entzündet und er hatte hohes Fieber. Dieses bekam man alles sehr schnell und gut in den Griff. Da er nun ja schon mal da war hat sein behandelnder Pneumologe es für richtig befunden gleich noch ein CT zumachen, man stellte fest das der Tumor dabei war auch die linke Lunge zu verschließen, ein Todesurteil. Am Freitag den 05.09. versuchte man noch durch eine starre Bronchoskopie etwas zuräumen, was aber fehlschlug da es zu starken Blutungen in der Lunge kam. Mein Mann hatte in einer sehr detaillierte Patientenverfügung für diesen Fall festgelegt wie man weiter verfahren sollte. Alle Ärzte haben sich ohne zögern daran gehalten, haben mich auch sofort in Kenntnis über die Lage versetzt und am 09.09. wurde mein Mann zum Sterben nach hause entlassen. Der eigentliche Todeskampf begann dann am Sonntag den 14.09. Ihr könnt mir glauben ich hätte für meinen Mann den Mond vom Himmel geholt wenn ich ihn damit hätte helfen können,nur ich konnte ihm so wenig helfen, konnte ihm die Angst nicht aus seinen Augen nehmen. Die Medizinische Versorgung klappte gut mit Hilfe unser Hausärztin, die wirklich zu jeder Tages und Nachtzeit für uns da war, die mir zeigte wie ich meinen Mann medizinisch versorgen konnte. Und trotzdem wurde es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag so schlimm das nichts mehr ging. In seiner Patientenverfügung hatte mein Mann etliche Sachen ausgeschlossen unter anderem auch das man ihn so sediert das er nichts mehr mitbekommt, das wollte er auf keinen Fall. Wir beide haben in dieser Nacht viel darüber geredet wie wir vorgehen sollen und am Morgen stand fest das ich mich um ein Hospitzplatz oder ein Platz in der Palliativ kümmern sollte, sollten wir keinen bekommen würde mein Mann hier zuhause bleiben. Ein schwieriges Unterfangen, gerade hier auf dem Lande sind wir mit solchen Einrichtungen nicht gerade reich bestückt, habe alles im Umkreis von zweihundert km kontaktiert, nirgends was frei, dann am Nachmittag die Nachricht es ist ein Platz auf der Palliativstation in der nächsten Kreisstadt frei und wir könnten kommen wann wir wollten. Einen Krankentransport lehnte mein Mann ab, er wollte noch einmal mit mir zusammen Autofahren, wir haben beide im Auto bitterlich geweint, wussten wir doch beide, so zusammen gibt es kein Rückweg mehr. Um 18:00 kamen wir dort an, wurden sehr liebevoll und medizinisch professionell (man hatte sich aus dem anderen KH schon die Unterlagen faxen lassen, wusste über alles Bescheid) aufgenommen und ab 18:45 ging es meinem Mann sehr gut, er war so super Medikamentös eingestellt, so wie er es sich für diesen Fall gewünscht hatte, wach und aufnahmefähig, ohne Schmerzen, selbst die Atemnot war nicht mehr so schlimm. Am Freitag morgen war er fast schon wieder der "Alte" machte mit den Ärzten und den Schwestern Späßchen, wir waren uns so nahe ohne diese Angst die uns zu Hause beherrschte. Mittags würde er müde und wollte ein wenig schlafen, schickte mich nach Hause damit ich mich um die Hunde kümmere, ich sollte aber wie immer anrufen wenn ich zu Hause angekommen bin, das tat ich, mein Mann hörte sich müde an aber ansonsten ok und trotzdem war da etwas in seiner Stimme das mich veranlasste sofort wieder zu ihm hinzufahren. Er schlief als ich kam, wurde kurz vor halb drei wach und wollte unbedingt auf Toilette, kein leichtes Unterfangen mit dem ganzen Gedöns, er war über den Port und die PEG angeschlossen. Mit Hilfe einer Schwester schafften wir es ins Bad, er wusch sich noch die Hände, drehte sich um und in diesem Augenblick schoss ihm Blut und was weiß ich nicht alles aus dem Mund, der Tumor war explodiert. Kein schöner Anblick und auf sowas war ich auch nicht vorbereitet, hatte aber gar keine Zeit um panische Gefühle oder sonstwas zubekommen, wir brachten meinen Mann zum Bett zurück, er war bei vollen Bewusstsein, ich versuchte mir meine Angst nicht anmerken zulassen, er lächelte mehrmals, sagte das es ihm gut geht und schloss seine Augen um 14:44 für immer. Ich durfte da bleiben, ihn waschen und ankleiden, was für ihn sicher eine große Beruhigung gewesen wäre. Für mich war es der letzte Liebesdienst den ich noch verrichten konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch noch eigenartig gefasst, das Verstehen, der Zusammenbruch, kam erst viel später. Im nachhinein kann ich nur sagen das ich unendlich glücklich bin das es meinem Mann vergönnt war wenigstens die letzten 20 Stunden seines Lebens so entspannt, so friedlich zu verbringen. Ich hätte jede seiner Entscheidungen respektiert und mitgetragen, bin im nachhinein aber sehr froh das er sich für die Palliativstation entschieden hat, nicht weil ich sein Sterben hier zu hause nicht hätte begleiten und ertragen können, nein ich hätte ihm hier seine Angst nicht nehmen können und für mich wäre der Gedanke mein geliebter Mann ist mit dieser Angst vor dem ersticken ins Regenbogenland gegangen ein Alptraum. Sorry das ich nun soviel erzählt habe und vielleicht kommt es auch gar nicht rüber was ich ausdrücken wollte, sollte vielleicht noch dazu sagen das mein Mann von Anfang an nichts über seine Diagnose wirklich wissen wollte, alles in meine Hände legte, die Kommunikation mit den Ärzten lief zum größten Teil über mich, ich erzählte ihm was die Untersuchungen ergaben, wir beide beratschlagten und dann entschied er was er wollte und was nicht. Für mich war immer klar das nie etwas gegen seinen Willen gemacht würde und ich war dafür da dieses Versprechen einzuhalten, genauso wie er es im umgekehrten Falle gemacht hätte. Wichtig war es für uns das wir uns darauf bedingungslos verlassen konnten, egal wohin der Weg führt, egal wie schmerzhaft es sein wird. Ich wünsche jeden Menschen in solch einer Situation einen Menschen an seiner Seite auf den er sich verlassen kann. LG Lissi |
AW: An alle Hinterbliebene...
Liebe Lissi,
ich bin tief beeidruckt von dem was du schreibst und was du geleistet hast. Es ist wahrhaftig beruhigend zu wissen das man die letzten Stunden so schön wie möglich machen konnte und die Angst nehmen konnte. In diese Richtung wie du es geschrieben hast sollte der Thread gehen. Danke dir und weiterhin alle Kraft der Welt und die Stärke die du bewissen hast. Auch ich habe erkannt das man in der Stunde in denen der Liebe ins Regenbogenland ist erstaunlich stark ist,auch mein Zusammenbruch kam erst viel später.Und doch gibt dir euer Weg des Abschieds viel Kraft mit für die kommende Zeit. LG Heike |
AW: An alle Hinterbliebene...
Danke, Lissi,
und doch, es kam herüber was du ausdrücken wolltest. Und deinen letzten Satz, den wünsche ich uns allen auch. Lieber Gruss Rosita |
AW: An alle Hinterbliebene...
Liebe Anette,
ich habe dir noch eine PN geschrieben und hoffe du verstehst sie diesmal richtig. Denke bitte nicht es sind alle gegen dich. LG Heike |
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