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-   -   Glioblastom - alles furchtbar (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=45708)

sunflower77 26.07.2010 15:22

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
liebe angie

gestern abend waren es genau 5 wochen her seit sie gestorben ist... der tag war besser als die sonntage davor... mit den eltern meines freundes waren wir wandern und in der natur. auf dem berg gab es auch eine kappelle. ich hab so fest an sie gedacht !!!

ins hospiz konnte meine mami nicht mehr. sie starb vorher im spital. unter morphium fand sie endlich ruhe und schlaf, sie konnte dann (endlich !!)einschlafen. vielleicht wie bei deiner freundin, konnte meine mami es eine zeitlang auch nicht wahrhaben, was unabänderlich war... aber ich verstehe sie so gut !!! sie hatte noch so viel lebensfreude ein paar monate, nein wochen vorher...sie hatte auch noch immer hoffnung, wie ich und du !! :weinen:

ins spital möchte ich (wie du ins hospiz) manchmal noch heute, wo wir ihr die letzten tage so nahe waren, aber ich glaube, ich schaffs noch nicht... zu wissen, dass in ihrem zimmer jetzt jemand anders ist... die pflegerinnen zu sehen und zu merken, die erde dreht sich weiter - auch dort...

es tut mir leid, dass bei deiner freundin zur umwelt das verhältnis nicht so gut war - aber am schluss hat es ihr sicher sehr geholfen, dass doch du und ihre kinder sie liebten ! du hast recht wie du schreibst, sie war nicht alleine und du hast dein bestes gegeben und tust es noch heute - mit ihren kindern!!

meine mami hatte auch ein sehr schweres leben, andere hätten schon lange aufgegeben oder wären verbittert geworden... aber meine mam war bei allen so beliebt, gerade deswegen weil sie so viel duchgestanden hat und nie dem schicksal böse war, sie war voller liebe, freude uns positiver energie... sie war ein vorbild für uns alle !! und dann musste ich zusehen, wie sie von tag zu tag sich veränderte, abgab und schliesslich das leben lassen musste, auf so eine traurige und unwürdige weise !! WARUM ??:weinen:

ich glaube es ist wichtig, dass du mit ihren kindern kontakt hast... ich habe auch noch kontakt mit mami's freundinnen, sie waren ein teil von ihrem leben, von ihr und dadurch werde ich auch immer wieder an sie erinnert... und wenn du nicht, wer denn sonst ? sie haben noch ein leben vor sich, mit dir - du wirst für sie auch immer etwas spezielles bleiben !!:o

wie du schreibst, demütig sein... bei mir hat sich alles verändert. ich weiss nun, wie das leben sein kann. ich bin dankbar für jeden tag mit all meinen liebsten und hoffe, dass es noch lange so sein wird. ich weiss auch, dass wir für die 61 jahre froh sein müssen - und trotzdem, warum wurde ihr leben durch diese grausame krankheit so beendet ?

ach, ich habe so viele fragen und keine antworten ! im moment kann ich es noch nicht so annehmen, wie es ist :(

herzlich, chris

HeikesFreundin 27.07.2010 17:16

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Es ist müßig darüber nachzudenken ... an die Frage nach dem Warum kann man seine ganze Zukunft hängen - man wird niemals eine Antwort finden ...


Hier bricht im Moment alles zusammen ... bzw die Kinder von Heike ...

sunflower77 27.07.2010 22:31

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
das tut mir leid, dies zu hören.... könnt ihr euch von jemand hilfe oder unterstützung erhoffen / holen ?... für dich ist es sicher auch sehr schwierig im moment - du warst die freundin - erst heike und jetzt den kindern so nahe und noch verbunden - und fühlst dich auch irgendwie doch verantwortlich... ich hoffe, es findet sich ein lichtblick die nächsten tage ?! viel kraft !!
:shy:

HeikesFreundin 28.07.2010 20:17

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo Blümchen ...

Hilfe organisiert habe ich schon als die Mama noch lebte.

Das Problem liegt eher da, dass jemand auch Hilfe wollen muss ... es ist manchmal sehr schwer Hilfe anzunehmen.

Die Tochter ist derzeit so, dass ihr alles - wirklich ALLES egal ist.
Mein Sohn ist völlig überfordert damit, normal reden ist auch mit ihm nicht mehr möglich - er schreit nur noch rum.

Aber mehr als Hilfe suchen und Erstkontakt herstellen und sie dorthin begleiten kann ich nicht ... bzw mir fällt nix mehr ein.

Hab meinem Sohn gesagt er soll die Ärztin seiner Freundin anrufen und beschreiben was los ist und sie fragen was er am Besten tun soll.

Zur Kur will sie nicht, in eine Klinik auch nicht - sie will gar nix.

Nachdenkliche Grüße,
Angie

parigo 29.07.2010 00:25

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Salut

ich bin neu im Forum (auch wenn ich seit meine Frau erkrankt ist ständig stumm mitgelesen und mitgelitten habe)

ich bewundere Dich für das was Du für Deine Freundin getan hast und noch für Ihre Kinder tust.

Ich denke schonn das die Tochter hilfe will und Hilfe braucht.

ich denke aber auch das sie erst hilfe annehmen kann, wenn sie das was passiert ist ein wenig verarbeitet hat .

mir fällt es auch sehr schwer hilfe anzunehmen.manchmal empfinde ich Hilfe als erdrückend und belastend.ich ertrage es dann nicht wenn mann mich helfen will, weil ich es erst selber tief in mir in ruhe verarbeiten muss.so war es als mein Vater starb (ich war 14) und jetzt wo meine Frau an diesen Tumor erkrankt ist.

einfach da zu sein , ist oft eine grosse Hilfe und ich denke Die Tochter ist es nicht egal,und das sie weiss das Du für sie da bist .

entschuldige wenn ich mich eingeschaltet habe , aber ich glaube das Du Für die Tochter eine grosse Hilfe bist.

Salut

Parigo

sunflower77 29.07.2010 15:19

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
liebe angie

ich glaube auch, dass du eine sehr sehr grosse stütze bist !! vielleicht fühlst du dich, dass du nicht helfen kannst, oder die kinder die hilfe nicht annehmen wollen oder können...

aber ich bin mir sicher, dass es ihnen enorm gut tut, dass du da bist und sie auf dich zählen können. und du ihnen auch ein bisschen die richtung angibst und möglichkeiten aufzeigst, wo sie sich hilfe holen können... nicht auszudenken, was vielleicht passieren würde, wenn du gar nicht da (gewesen) wärst ?

du bist so ein toller mensch, du hast so viel gegeben und gibst noch immer - das ist unglaublich! es ist glaube ich einfach auch sehr wichtig für die kinder zu wissen, dass du da bist...

es ist der richtige weg und sei bitte nicht enttäuscht, wenn es nicht immer so klappt, wie erwartet - ich glaube der kummer und die verzweiflung sind sehr gross bei den kindern, ich kann es nachvollziehen... aber mehr kannst du im moment nicht machen, es ist ja schon unglaublich, was du alles geleistet hast für deine freundin und ihre kinder !!

HeikesFreundin 29.07.2010 15:25

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ach Du Süße - danke.

Vielleicht gibt es doch eine kleine Hoffnung. Hab heute Nacht im Inet rumgesucht und evtl einen Ausbildungsplatz für die Tochter gefunden - und das auch noch in ihrem Traumberuf. Vorhin war sie mit meinem Sohn hier - und hat dann in der Praxis angerufen, ob die Stelle noch aktuell ist. IST sie!
Jetzt sind sie schnell nach Hause ne Bewerbung schreiben, die sie dann auch heute noch abgeben.

HOFFENTLICH KLAPPT DAS, das wäre vielleicht ein neuer Anfang.

Auntie Little 29.07.2010 16:24

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo Angela,

bei uns sind sämtliche Daumen, Pfoten und Hufe gedrückt.

Viel Glück wünscht
Birgit

HeikesFreundin 29.07.2010 17:04

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
:remybussi

sunflower77 29.07.2010 20:35

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
vielleicht ist das ein bisschen "bestimmung"... der anfang von einem neuen weg für ihre tochter! was ihr mut und kraft gibt. so toll, ich freu mich sehr für sie/euch... und jetzt hoffen und daumen drücken ! :winke: ist doch schon schön, dass sie die motivation hat, sich da zu bewerben, oder ? :winke:

daran kannst du dich freuen, das ist vielleicht ein zeichen, dass es mal ein bisschen "auf-" oder "vorwärts" geht ? obwohl ihr nicht wisst, was morgen kommt, aber das sind doch schon mal tolle neuigkeiten !! :o

HeikesFreundin 11.09.2010 10:30

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Nach längerer Zeit mal wieder ein Update ...

Leider hat es mit der Lehrstelle dann doch nicht geklappt (warum auch immer), aber ich hab wohl nen neuen Job. War inzwischen 3 Tage zur Hospitation.
Schaun wir mal.
Witzigerweise (wobei witzig das falsche Wort ist) haben die Dame, mit der ich zusammenarbeiten würde und ich uns angeguckt und wußten beide: die kenn ich irgendwoher.

Gestern nun fanden wir heraus, woher.

Wir kennen uns aus dem Hospiz - denn auch sie hat zur selben Zeit, als ich täglich von morgens bis abends bei Heike war, dort auch ihre Freundin begleitet ... Manchmal fügen sich schon komische Situationen, oder?
Soll wohl so sein.

Die Kinder ......... naja.
Es gibt, wie auch vor dem Tod von Heike, 2 Lager.
So sehr ich mich auch bemüht habe, in der Zeit des Sterbens von Heike aus diesen 6 Menschen eine "Familie" zu machen - es ist wohl im Nachhinein doch gescheitert. Dabei sah alles so gut aus. Sie hielten zusammen, waren sich nah - eine Familie eben.

Nun ist es wohl so, dass die Tochter, denen die Geschwister all ihr weniges Geld für den Grabstein anvertraut hatten (sie haben dafür zusammengelegt)
das Geld anderweitig ausgegeben hat ... wahrscheinlich hat sie die Älteste unterstützt, die immer jammert, wie pleite sie doch ist, mich aber dann als "Frisches Goldmitglied" auf einer Internetseite kontaktet ....
Nun gut.

Der Vater der Kinder wollte die Anzeige übernehmen - das hat er selbst vorgeschlagen - ungefragt.
Auch als die Anzeige entworfen war hat er nochmals gesagt:"Ja, so ist sie gut und ich bezahle das".

Man glaubt es kaum: JETZT sagt er: nö, die bezahle ich nicht und seine Tochter, die das alles in Auftrag gegeben hat bemerkt nicht einmal, dass ihr eigener Vater sie beschei**t, denn sie ist Auftraggeber und sie wird es eh zahlen müssen. Alle anderen sind jetzt die Bösen.
Netterweise hatte sie meiner Schwiegertochter dann die komplette Bestattungsmappe in den briefkasten getan mit einem Anschreiben dazu, dass meine Schwiegertochter nun ALLES übernimmt. Gott sei dank hat sie das nicht unterschrieben, sondern ihr die Mappe wieder zurückgebracht.

Naja, ich dachte mir gleich dass da irgendwas nicht stimmt ... und rief also beim Bestatter und beim Steinmetz nochmal an und erfuhr eben, dass noch nicht alles bezahlt sei - obwohl das Geld da war ...
Das macht mir etwas Bauchschmerzen, denn es sind noch ca 700 Euro offen - das Geld, was die Kinder gemeinsam gespart hatten ...

Ja, auch so kann es innerhalb von Familien gehen. Schlimm.

Jetzt werde ich mir erstmal den Vater zur Brust nehmen (müssen) ...

Statt sie alle zu unterstützen spaltet er sie in 2 Lager.

Mich ärgernde Grüße,
Angie

HeikesFreundin 25.09.2010 20:23

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... gestern konnte ich nicht schreiben, war den ganzen Tag in Gedanken bei dir ... Bilder, Szenen, Situationen - gestern waren sie wieder sehr präsent.

4 Monate sind nun schon vergangen und es kommt mir immer noch vor wie ein Albtraum ...

Ich vermiss dich, Heike, Dein Lachen, Dein Weinen - unsere gemeinsame Zeit.

Hoffentlich gehts dir gut da, wo du jetzt bist.

Ach, alles scheiße ...

HeikesFreundin 26.09.2010 17:51

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Passt grad gut ...

Wie sieht der Himmel aus, der jetzt über dir steht?
Dort wo die Sonne, im Sommer nicht untergeht
Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf?
Wenn er weit genug reicht macht dann das Meer
zwischen uns nichts mehr aus?
Du fehlst mir, oh du fehlst mir

Alle Uhren auf Anfang, ich kann nich' mehr sehn.
Seit ich dich getroffen hab, bleibt mein Herz manchmal stehn -
Manchmal.


aus: Philipp Poisel http://www.youtube.com/watch?v=Lhf4tkhhjPU&NR=1

HeikesFreundin 10.10.2010 23:24

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ich zieh durch die Strassen
der Regen ist kalt
mein ständiger Begleiter
ist die Einsamkeit
und ich frag mich, wie weit muss ich gehn
um das Schicksal zu wenden ......?

Spiel mir noch einmal das Lied,
dass so traurig beginnt
sing mir den Teil nochmal vor
wo das Gute am Ende gewinnt.

Ich hab nichts mehr zu verliern
nur den Glauben an mich selbst
also hau ich einfach ab hier
weil mich nichts mehr hält ...
Wie weit muss ich gehn, um das Schicksal zu wenden ......?

Spiel mir noch einmal das Lied,
dass so traurig beginnt
sing mir den Teil nochmal vor
wo das Gute am Ende gewinnt.

Ich höre so gerne das Lied
von einem der durch die Strassen zieht
der alles verliert und verschwindet
und dann doch noch am Ende sein großes Glück findet.

Spiel mir noch einmal das Lied,
dass so traurig beginnt
sing mir den Teil nochmal vor
wo das Gute am Ende gewinnt ....


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

... um die Welt würde ich gehn, um das Schicksal für Dich und andere zu wenden ... :weinen::weinen::weinen:

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

http://www.youtube.com/watch?v=29R7kimIQJ4

hohesonne 11.10.2010 19:05

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Danke, liebe Angie....ist so schön traurig....

HeikesFreundin 16.10.2010 14:01

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ich wünschte, dass der Himmel ein Telefon hätte,
so könnte ich Deine Stimme wieder hören.
Ich dachte an Dich heute, aber das ist nichts Neues.
Ich dachte gestern an Dich und alle Tage davor auch.
Ich denke an Dich im Schweigen, ich spreche häufig Deinen Namen.
Alles, was ich habe, sind Erinnerungen und ein Bild in einem Rahmen.*

HeikesFreundin 22.10.2010 03:21

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Bin so schlaflos heute ... und wütend bin ich!

Denke darüber nach wie der 22. Mai war, wie es Dir ging ... 2 Tage später hast Du die Augen zugemacht ... für immer.

Das sind nun schon 5 Monate ...

Ich bin so wütend irgendwie - nicht darauf dass Du nicht mehr da bist, denn ich gönne Dir Deine Ruhe von Herzen und außerdem bist du nicht weg, sondern nur Dein schwacher kranker Körper ist nicht mehr greifbar - auch schlimm genug.

In einer Woche muss ich eine 1monatige Massnahme der DRV Bund beginnen - ich MUSS!

Dabei hätte ich so viel Wichtigeres zu tun, aber ich habe keine Wahl.
Man hat einfach keine Wahl, auch wenn man lebt ...

Lieber als diese bekloppte Massnahme zu machen würde ich woanders hinfahren, um einem Menschen beizustehen und für ihn da zu sein, der in gleicher Situation ist wie Du es gewesen bist.

Ich würde verdammt noch mal hinfahren, wenn man mich nur ließe.

Aber von wem kann man Verständnis erhoffen?

Es gibt so viel Not - ich würde sie ein klein wenig zu lindern versuchen, damit wenigstens die Einsamkeit dieses Menschen nicht so schlimm ist und er etwas Halt findet in dieser für ihn so schweren Zeit und jemand da ist der ihm etwas Herz, Wärme und Nähe schenkt.
Aber man darf Not nicht lindern, es gibt 1000 Regularien in dieser Mühle, in die man sich einzufügen hat.

Wenn man mich ließe ... ich würde mir meine Unterstützung vom Staat schon "verdienen" mit Aufgaben die niemand sieht und wahrhaben will ....

Lilli, wenn man mich ließe, dann wäre ich schon längst bei Dir.:pftroest:
Ich hätte einfach geklingelt und wäre einfach da - auf unbestimmte Zeit.

So, wie ich bei Dir gewesen bin, meine tapfere und liebe Freundin.

Traurige und nachdenkliche Grüße ...

sunflower77 22.10.2010 13:37

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
liebe angie

du bist immer so selbstlos, für andere da - wunderschön. findest immer liebe und aufbauende worte - hast kraft für andere, hilfst wo du nur kannst...

ja, wenn du bei lilli sein könntest, das wäre wunderbar !! ich leise eure zeilen und sie stimmen mich sehr traurig!! wozu das alles... :-( es macht wütend und enttäuscht..

ich weiss gar nicht was schreiben - auch nur, dass ich mir so sehr wünsche, dass niemand mehr von dieser krankheit heimgesucht wird ! ich wünsche euch allen so viel kraft und alles liebe... es ist noch immer ein langer weg.

herzlich, chris

Lilli44 22.10.2010 15:50

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Angie,ich weiß,das du mich meinst,ich danke dir,ich danke dir für deine offene Worte,und deinen Willen mir beistehen zu wollen,ich schätze das sehr.

Angie,ich würde mir wünschen,du denkst ein wenig mehr an dich,denn deine Traurigkeit und Wut ist deutlich spürbar in deinen Zeilen.
Du machst die Erfahrung,wie wir sie alle immer wieder machen werden,das das Leben weiterläuft,so als wäre nie deine Freundin von uns "gegangen".
Das Leben fragt nicht dannach ob man noch trauert,oder nicht,es ist egal,wen man gern beistehen möchte oder nicht,das Leben läuft einfach weiter.
Für dich ist diese Tatsache derzeit unverständlich,denn du trauerst sehr um deine "Freundin"die dir viel bedeutet hat.Und ganz sicher hat deine Freundin gespürt,wieviel sie dir bedeutet,und nicht umsonnst konntes du selbst dabei sein,als deine Freundin für immer die Augen schloss.
Ich wünschte ich könnte dich jetzt in den Arm nehmen und sagen,das alles wieder gut werden wird,das die zeit des Trauerns einmal nicht mehr so weh tuen wird.
Du bist eine bewundernswerte Frau,die sich so Gedanken macht um das leid der anderen hier,du würdes jeden der "Krebs"hat am liebsten das Dingen herausreißen damit alle gesund werden und niemand mehr leiden muß.
Aber leider Angie geht das nicht,wir müßen aktzeptieren,das der Krebs immer wieder zuschlagen wird.
Und das du die "maasnahme"da mitmachen sollst,das wird auch etwas gutes haben,dur wirst abgelenkt sein,und wirst im "Leben"sein.

Und ja Angie,dich würde ich mir als "Freundin"vorstellen können,bei dir hätte ich keine Angst,wenn ich einmal "gehen "muß.


Lilli44

HeikesFreundin 23.10.2010 01:51

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ach, Du liebe Lilli. Ja, ich meine Dich :remybussi.
Und in manchem was Du schreibst hast Du auch recht.

Natürlich ist es so, dass ich jedem gerne diesen Scheiß-Krebs rausreißen würde, aber ich bin mir sehr bewußt, dass das nicht geht und ich die Welt nicht werde retten können.

Meine Wut ist eine andere - sie gehört in die Vergangenheit.
Es macht mich wütend, dass ich in einer so blöden Lebenssituation bin, die mir die Hände bindet und mich abhängig sein läßt ...

Wäre "unser Thema" früher nicht passiert wäre ich vielleicht heute
in einer Beziehung, wäre vielleicht etwas abgesichert und könnte sagen:
"Ich bin mal weg, weil ich etwas Wichtiges tun möchte"
und ich könnte mich einfach in den Zug setzen und zu Dir fahren
und es wäre kein Problem, weil dann hier nicht alles zusammenbräche.

Wie viele Hausfrauen, die nicht arbeiten müssen, weil sie auch so ihr Auskommen haben haben diese Freiheit?
Diese Freiheit wünsche ich mir auch so sehr!!!

Aber dadurch was damals ........ bin ich zu einer solchen Beziehung nicht fähig und mir wird gerade jetzt wieder schmerzlich bewußt, wie weit die Kreise
dieser früheren Geschichte sich ziehen ... und meine Wut gehört dem, der das mit mir getan hat und ich fühle mich in einem Leben gefangen was ich nicht haben möchte.

Ich möchte wenigstens tun können und entscheiden können was mein Herz mir sagt, ohne das dadurch droht dass wir unser Dach über dem Kopf verlieren.

Ist es nicht eine Strafe, wenn es so ist, nur weil man für jemanden etwas Schlimmes einen ganz ganz winzigen Hauch erträglicher machen möchte???

In meinem Leben habe ich schon so viel Leid und Elend gesehen um das sich niemand gekümmert hat.

Ich hätte gern die Freiheit zu sagen: ich kümmere mich, weil ich mich kümmern möchte.

Es ist nicht erst seitdem ich hier bin so, dass ich oft denke ich sei für eine solche Gesellschaft nicht geschaffen.
Man kann so viel tun - wenn man nur ein wenig von dieser Freiheit hätte ...
die einem nicht gelassen wird.
.... ich will nicht ungerecht sein, denn als das mit Heike war da hat man mir etwas Freiraum eingeräumt und meine Akte nochmal ganz nach unten gelegt.

Seither wünsche ich mir, meine Akte würde dort für immer liegen bleiben.
man würde mir mein weniges Geld einfach zahlen und ansonsten vergessen dass es mich gibt ... dann könnte ich dort hingehen wo ich gerne sein möchte und tun, was mir wichtig erscheint.

Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und dennoch wünsche ich mir schon immer, ich könne in diesem Wunschkonzert nur eine kleine eigene Note sein, deren Klang anderen etwas Freude schenkt, Wärme und ihnen etwas Halt gibt und das Gefühl nicht mehr allein zu sein ...


In Freundschaft für Dich,
Angie :knuddel:

HeikesFreundin 26.10.2010 18:57

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... heute ist ein sehr durchwachsener Tag - habe eine Einladung vom Hospiz erhalten für den 7.11. Da findet eine Gedenkfeier für Dich und all jene statt die in den letzten 12 Monaten dort "zu Gast" sein mussten oder durften ....?

Ob ich es schaffe hinzugehen weiß ich noch nicht ... der Wunsch ist da, aber
ich denke auch dass es alles wieder sehr aufwühlt, zu dem ich in mir etwas Abstand zu gewinnen versuche - vor allem, wenn sie Deinen Namen sagen werden - und das werden sie, weil sie es immer so machen ...

Andererseits treffe ich vielleicht dort die Menschen wieder, die in den anderen Zimmern in ähnlicher Situation waren wie Du und ich, die man manchmal auf dem Flur traf und mit denen man gegenseitig versucht hat die Tränen zu trocknen ...

Mal schauen ... In Gedanken bin ich eh jeden Tag mehrfach bei Dir.
Wahrscheinlich ist dass ich hingehe, gemeinsam mit Deinen Kindern ...
dann sind wir alle nochmals "so" zusammen, wie wir es bei der Trauerfeier gewesen ist - das letzte Mal als wir "richtig" beisammen waren.

Bin sehr still im Moment und in mich gekehrt irgendwie.
Der nächste Tag den wir uns treffen, Deine Kinder und ich, wird Dein Geburtstag sein - der 17.11. Mit Dir in unserer Mitte werden wir versuchen zu feiern, dass es Dich hier auf Erden gegeben hat und Du uns etwas Wunderbares hinterlassen hast ... den Glauben an Vertrauen, Freundschaft, Verlässlichkeit und daran, dass Liebe und auch Zeit etwas ganz Besonderes sind.

Ganz liebe Grüße nach oben und grüß auch meine Mama, solltest sie bei Dir sein!

:remybussi:remybussi

Lilli44 28.10.2010 18:52

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ich lese gerade deinen Beitrag hier was du schriebs,und mir kommen so die tränen.
Ich weine hier wie Hund,denn ich weiß,auch ich werde diesen oder ähnlichen Weg wie deine "Freundin"gehen müßen.
Deine Freundin muß und war bestimmt ein wunderbarer Mensch,die einen wunderbaren Menschen wie dich kennen lernen durfte,und sicher jeden Moment mit dir als eine wertvolle Erfahrung erfuhr.


Deine Freundin schaut sicherlich oft auf dich, auf euch herunter und bewundert deinen Mut und deine Kraft,deinen Weg weiter zu gehen.
Und das du deine Freundin immer wieder und noch immer vermisst,das ist sowas von normal,und etwas von dir wird sie immer missen selbst wenn alles mal sehr weit zurückliegen wird.


Lilli44

HeikesFreundin 07.11.2010 00:33

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Liebe Lilli ....

.... erst gerade eben habe ich Deinen Beitrag hier entdeckt ... und nun sitze hier ich mit feuchten Augen ...

Zitat:

auch ich werde diesen oder ähnlichen Weg wie deine "Freundin"gehen müßen.
Diesen Weg gehen wir alle früher oder später, Lilliherz - die Frage ist nur "wie". Wenn Du Deinen Weg so gehen darfst, wie ihn Heike gehen durfte, dann verspreche ich Dir aufrichtig, dass Du vor diesem Weg keine Angst haben musst - auch wenn vielleicht keine Freundin gerade dann auf Deiner Bettkante sitzt!
Nicht allein für Heike, sondern auch dafür, Dir die Angst vielleicht etwas schmälern zu können bin ich heute froh, dass Heike mir diesen Moment ihres Sterbens zum Geschenk machte.

Du weißt: niemand fällt tiefer als in Gottes Hand :remybussi

Eine ganz liebe Umarmung für Dich, Lilli!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Morgen also ist es soweit und ich sitze schon den ganzen Tag hier und bin unruhig ... es ist wohl die Angst dass alles nochmal aufbricht, was ich so gut schaffe (n muss) zu verdrängen. In der DRV-Bund-Massnahme die ich seit 1 Woche mache hat Trauer keinen Platz, darf nicht sein und ist sicher auch nicht erwünscht ... puh.
Wenn ich am Montag dann nicht das zeige was man sich dort wünscht, kann es sein dass ich meine Umschulung nicht bekomme. Sie wissen ja Bescheid über das, was mit Dir passiert ist und auch das "Danach" - und wenn sie das dann blöd beurteilen können sie mich mal und sich ihre Massnahme sonstwohin stecken!
Schon einmal haben sie mich blöd angeguckt ... im Radio kam das Lied, was ich in Absprache mit Deinen Kindern für Deine Trauerfeier ausgesucht habe, weil es unsere Situation so sehr umschrieb und für uns alle so gut passte AN DEINER SEITE - ich konnte es nicht aushalten und mir schossen sofort die Tränen in die Augen und ich verließ den Raum. Dabei höre ich es fast jeden Tag mindestens 1 mal ....
Mir doch schei**egal - sollen sie blöd gucken.
Ich bin mit den Kinder schon verabredet - um 15:45 Uhr fahren wir mit dem Bus zum Hospiz, bewaffnet mit vielen Taschentuch-Paketen.
Um 17 Uhr gehts dann los ... und ich hoffe wir werden spüren, dass auch Du da bist!?

Wir alle brauchen manchmal einen Strohhalm, ein Fünkchen Hoffnung, dass es Dich doch noch gibt und dass mit dem Ableben des kranken Körpers doch nicht alles vorbei ist ....

Knall mir einfach eine, so dass ich es auch spüre und das es unverwechselbar ist, damit ich weiß DU BIST DA, Du bist bei uns, wie Du es immer gewesen bist! .
Oder sag "blöde Kuh", so wie Du es immer gesagt hast wenn Dir was nicht passte - das wäre ein so schönes Geschenk ... und eine kleine Hoffnung!

Bis morgen - und wehe Du kommst nicht!
17 Uhr - sei pünktlich!
Ich warte auf Dich!

Bärin61 07.11.2010 01:28

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo du liebe gute Seele, ich kann so gut nachempfinden wie es dir in diesem Moment ging. Auch ich habe eine Einladung vom Hospitz bekommen, bin aber nicht gegangen weil es nicht im "kleinen Rahmen" war, sondern in einem Kloster und ich mich von meinem Mann schon so oft verabschiedet habe. Ich habe einfach keine Kraft dazu gehabt.
Ich wünschte euch dass ihr Heike von Herzen gespürt habt, mehr und inniger als sonst.
Ich bewundere dich für deine Kraft, lass andere nur blöde gucken und kein Verständnis für Situationen haben. Würde gerne wissen wie die in solch einer Sache reagieren!!!!!!

Ganz liebe Grüße und viele :pftroest::pftroest::pftroest: und noch mehr....:knuddel::knuddel::knuddel::knuddel::knudd el::knuddel::knuddel:...............Ute

parigo 07.11.2010 12:53

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Liebe Angie,

ich bin Sprachlos, Du gehst mit Ihre Kinder dorthin? Wo nihmst Du diese Kraft her?.

Was Du, für Deine Freundin&Kinder getan hast und immer noch tuhst.
geht über das selbstverständliche Hinaus es ist unbegreiflich wo Du all dieser Kaft findest die notwendig ist umso was zu tun.

ich bin nur noch eine Leere Hülle, und bewundere Dich

Liebe Grüsse

Parigo

HeikesFreundin 07.11.2010 21:40

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... nun bin ich wieder zuhause, es waren so viele Menschen dort.
Für jeden Menschen der dort ist, wo Du jetzt bist, brannte eine Kerze - auch für Dich ... vielleicht brennt sie noch immer.
Es standen einige Tabletts bereit mit der Anzahl der Menschen, die in jedem der letzten 12 Monate verstorben sind.

Am Ende waren es 175 Kerzen ...

Da denkt man, wenn man in einem Hospiz arbeitet, dass Krankheit einem selbst so fern ist - ich habe sie kaum erkannt, die Frau aus der Verwaltung des Hospizes, die nun auch keine Haare mehr hat ...
Ja - da wird wieder klar: es kann wirklich jeden treffen.
Hoffentlich schafft sie es - das Lachen scheint ihr zumindest noch nicht vergangen zu sein.

Schon im Bus und erstrecht beim Betreten des Hospizes hatte ich n Kloß im Hals ... merke ich doch wie dünnhäutig ich noch immer bin. Die Umarmung unserer Lieblingsschwester, die dort wie für mich bereitgestellt war, löste diesen Kloß und schon liefen die Tränen. Naja ... sie weiß was alles ich auf meinen Schultern trage, für Dich, für Deine Kinder, für uns alle.

Toll und morgen ist diese Arbeitsmedizinische Gespräch - wo ich dann wahrscheinlich mit von heute verquollenen Augen sitze und um Fassung ringe, weil mir jetzt wieder alles so nah ist. Schei** drauf.

Der Pastor sprach von Hoffnung ... viel mehr habe ich nicht gehört, denn ich war in Gedanken ganz woanders - habe Dich gesucht und auch gefunden, in mir.

Heute hat ein fremder Mensch im Zusammenhang mit Deinem Sterben
zum letzten Mal Deinen Namen ausgesprochen ... vielleicht kann jetzt eine neue Zeit beginnen, nach der Zeit des Abschieds, die der Herbst und der Winter mit sich bringen kommt ja immer auch eine Zeit des neuen Erwachens und des Wachsens - die Zeit der Blüte, in der wieder alles schöner wird ...

Vielleicht.

Ich versuche weiterhin stark zu sein - ich habe es Dir versprochen.

Am 17. werde ich mich mit Deinen Kindern wieder treffen
und hoffe, Du bist an Deinem Geburtstag auch bei uns.

Zitat:

Es gibt die Erfahrung, dass mitten im Leben das Leben verlorengeht.
Wer je einem Menschen geliebt hat, weiß es.
Wer je so viel von sich selber weggegeben hat,
hinübergegeben in einen anderen Menschen, wie es einem Liebenden
geschieht, der weiß wie wenig von ihm selbst
übrig bleibt, wenn ihm der geliebte Mensch genommen wird.

Wer je einem Kind das Leben geschenkt hat, kann wissen, dass es sich nie ganz ablöst,
sondern immer - eine ganze Lebenszeit - ein Teil von ihm bleibt.
Wenn mein Kind stirbt bleibe ich nicht übrig - weil ich es war.
Es geht etwas von mir selber fort - unbekannt wohin.
Und nie wieder werde ich der sein der ich vorher war.
Es bricht etwas ab, auch von der Welt, in der ich lebe. Es
reißt etwas auf und wird sich nie wieder ganz schließen.
Und nie wird mich die Schönheit dieser Welt wieder so
unmittelbar berühren wie zuvor ....

aus: noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens
- Jörg Zink -
Miss you ...

Lilli44 08.11.2010 16:29

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Angie,ich war in Gedanken am Sonntag bei dir,ganz nahe und habe dich mitbegleitet.
Das muß furchtbar schwer für dich und die Kinder gewesen sein,aber es war vielciht auch wichtig für euch alle.
Und ganz sicher war "Heike"in deiner Nähe,vieleicht hat sie sogar mit frohen Augen in eurer Nähe gesessen,denn ihr wird es jetzt besser gehen,sie spürt jeden tag die liebe die zu ihr gesendet wird,und beim lieben Gott ist sie von allem Leid erlöst worden.

Ja viele stellen hier fest,das du sehr viel Kraft in dir trägst,das du soviel machst und tust,und sagts von dir aus,das sei alles so selbstverständlich und du maches das gerne.
ich glaube dir das sogar.
Aber weißt du wofor ich bei dir Angst habe?
Das du eines tages sowas von zusammenklappst,weil du soviel machst und denkst,und für die Kinder so stark bist,und du hängst noch sehr an deine Freundin,ich wünsche mir,das mich Menschen genauso nach Monaten noch vermissen,aber anderseits würde es mir das herz oben bestimmt schwer machen,denn meine Kinder,oder wer auch immer sollen ihr Leben weiterleben,es geniessen,so wie ich es nie konnte.

Wo findes du derzeit deine "Ruhezeiten"?wo gönnst du dir etwas schönes,wo tankst du Kraft auf?
Diese Maasnahme ist erbärmlich,allein wegen deinen Zeiten,die du dort mit Bus und bahn unterwegs bist,und dann wollen sie dich "stark"sehen,weil für die das leben weitergeht.
Angie,ich wünsche dir,das du dir die Momente der Ruhe suchst,denn irgentwann bricht auch der stärkste Mensch zusammen wenn man zuwenig an sich denkt.

Lilli44

HeikesFreundin 09.11.2010 18:11

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo liebe Lilli,

nun mach Du Dir mal keine Sorgen um mich ;)
ich tanke schon Kraft ... und kann Dir auch sagen wo:
- aus einem Lächeln von Menschen mir unbekannter Menschen
- aus Musik
- aus euren Worten
- durch meine Kinder
- durch meine Gitarre
- durch das Malen
- durch meinen Glauben, dass es einen Gott gibt
- ein Bad am Abend
- Kerzenschein
- schreiben
- Gedankenreisen
- Sonnenstrahlen, die durch das Zugfenster strahlen
- zwitschernde Vögel
- Erinnerungen
und vieles mehr ...
Ja, ich sorge auch für MICH - für mich braucht es nicht viel um
in mir ruhig und ausgeglichen zu sein.
Ich habe einfach aufgehört gegen alles zu kämpfen (wie ich es früher mal tat) und das hat die Situation geschaffen, dass ich nun meine Kraft FÜR
etwas einsetzen und verschenken kann. Vor langer Zeit habe ich mir angewöhnt, wenn ich zB sehr früh aufstehen MUSSTE (und nicht wollte)
mich nicht mehr über das Aufstehenmüssen zu ärgern, sondern mich daran zu freuen, dass ich beim frühen Aufstehen die Vögel zwitschern hören kann - und so habe ich mir in allem versucht POSITIVE Aspekte zu schaffen.

In einem schlauen Buch habe ich mal gelesen:
"Es gibt für jeden negativen Gedanken auch MINDESTENS einen positiven, den man dagegen setzen kann"

... und so lebe ich danach, dass nicht die Rose Dornen hat, sondern ich kann mich freuen, dass der Dornenbusch so schöne Blüten trägt ;o)

Es ist richtig, die Fahrerei schlaucht, aber auch sie hat das Gute, dass ich auf der Hinfahrt dem Sonnenaufgang zusehen kann, die vorbeiziehende Landschaft betrachten und meinen Gedanken nachhängen - dadurch verarbeite ich viel.
Zitat:

das mich Menschen genauso nach Monaten noch vermissen,
Das wird ganz sicher so sein!!!! Ganz ganz sicher!!!!
Zitat:

aber anderseits würde es mir das herz oben bestimmt schwer machen,denn meine Kinder,oder wer auch immer sollen ihr Leben weiterleben,es geniessen,so wie ich es nie konnte.
Ja, das wird es, ABER:
ich kann aus den vielen Traueranlässen heraus, die mein Leben so begleiten, sagen, dass der Schmerz dazugehört und auch zur Entwicklung eines Menschen beiträgt - und ich weiß dass das Vermissen nie aufhört, ABER: dass sich viel von dem Schmerz in schöne Erinnerungen wandelt, wenn man irgendwann soweit ist und es zulassen kann.

Zitat:

denn irgentwann bricht auch der stärkste Mensch zusammen
Ja - und dann? Dann stehe ich irgendwann wieder auf ... so wie unzählige Male im Leben schon geschehen. Außerdem weißt doch gerade Du:
Niemand fällt tiefer als in Gottes Hand ;o)

Also: ruhig Blut :remybussi

HeikesFreundin 13.11.2010 21:47

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Zitat:

Habe meine Schwester schon vor 3 Jahren verloren,auch sie hatte ein Glioblastom.
Ja - nun weiß ichs ... und sie fehlt Dir so sehr ...
Hast Du etwas für Dich und Deine Schwester - irgendwas was Dir hilft, den Verlust zu tragen???


Der Tod ordnet die Welt neu.
Scheinbar hat sich nichts geändert
und doch ist alles anders geworden.

(Antoine de Saint-Exupéry)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~

Mir graut davor, wieder in diese Massnahme zu gehen und 8 Stunden lang so schwere Aufgaben wie 2+2
zu lösen ... Und was mache ich? Ich sage natürlich, dass mir für solcherlei Aufgaben meine Lebenszeit zu
kostbar ist - bin immerhin fast 14 Stunden täglich unterwegs, um meine Leistungsfähigkeit einschätzen zu lassen.
Frage mich, wie man die auf diese Art einschätzen will und warum man sich durch meine Fragen "persönlich beleidigt" fühlt.

Naja.
Die Antwort jedenfalls war, dass meine "Frustrationstoleranz wohl sehr niederschwellig" sei und es hat mir einen Negativeintrag beschert.
Habe dann gesagt, dass ich die 14 Stunden täglich weder für ihre positive Statistik noch zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze auf mich nehme, sondern
für MEINE berufliche Zukunft und die Zukunft meiner Kinder. Und dass ich fair und fachlich eingeschätzt werden möchte.
Man sagte mir dann, man müsse auch auf die Schwächeren Rücksicht nehmen und sich an deren Kenntnisstand orientieren.

Okay, da bin ich wohl die letzte die das nicht tut, aber:
- wie will man SO dann jemanden realistisch einschätzen???

"Kann 2+2 fehlerfrei zusammenrechnen = bekommt Umschulung??????????"

Pfffffffffffffft ........... werd ich meine Umschulung wohl knicken können.
Weiter kommt nur wer die Klappe hält und klaglos erträgt - wie immer.
Hat der Mensch schon am 2. Tag so verlauten lassen.

Ich werde mich dem NICHT fügen, nicht mehr mit mir machen lassen was mir nicht entspricht,
meine Meinung sagen und vertreten, werde NEIN sagen, wo ich ein NEIN fühle - so, wie Therapeuten es einem
über Jahre beibringen und so, wie es scheinbar bei "Zuspielern" der Rentenversicherungen nicht erwünscht ist.

Bin ich halt ein schwarzes Schaf für die, aber besser als eines von den weißen zu sein, denn die sind alle gleich ;o)

Liebe Grüße von
"böses Mädchen"
Angie

parigo 15.11.2010 09:57

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Liebe Angie,

ich weiss nicht ob ich Lachen oder Weinen soll, wenn ich deine Zeile lese

Du bist nunmal eine Starke selbstbewusste Frau die weiss was sie will und Kann.
das können "solche" tester nicht verstehen die kennen nur das gegenteil

hoffe denoch das es mit unschulung klappt

ich habe Grosse Achtung vor Dir

Liebe Grüsse an der "Böse" Angie

von

Parigo

HeikesFreundin 15.11.2010 21:40

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Ach Parigo, Du lieber!
Am Liebsten wäre mir natürlich dass Du mal lachen könntest:pftroest: - wer hätte das mehr verdient und nötig als Du ...

Weißt Du ich habe gelernt alles einfach auf mich zukommen zu lassen, was anderes bleibt einem ja eh nicht, oder?

Heute haben wir wieder so einen "speziellen" Test gemacht - wieder kommt bei mir eindeutigst "beratende Funktion (von Eheberaterin bis hin zu Familientherapeutin) und pflegerischer Bereich" raus. Aber wenn die das nicht wollen, dann wollen sie es nicht.

OB sie es wollen werde ich am Ende der nächsten Woche wohl annähernd wissen - schaun wir mal.

Heute durfte ich in der Holzwerkstatt rumsägen *lach* - das Lustige ist, dass ich vor 2 Jahren genau diese Reha-Einrichtung mit eingeweiht habe, war als Gast damals dort eingeladen. Komisch, welche Wege das Leben manchmal geht - dass ich dort selbst mal "Reha" machen würde, habe ich da noch nicht gedacht.

Naja, es ist wie es ist.

Herzliche und ganz viel Zuversicht in Dich reinwünschende Grüße,
Angie

HeikesFreundin 17.11.2010 00:06

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
..... in einigen Minuten ist Dein Geburtstag, ich habe mir für diesen Tag frei genommen - denn es ist Dein Tag, auch wenn Dein Körper für uns nicht mehr sichtbar ist.

Wir werden "Deinen Garten" besuchen, in dem Du auf uns wartest
und an unserem Tisch einen Platz für Dich decken - für Dich,
unser Geburtstagskind!
Eine Torte werde ich am Morgen noch machen, wen ichs schaffe - vielleicht kaufe ich auch eine. Dir war es ja immer egal - HAUPTSACHE Torte ;) :1luvu:!

Ich meine, dass Torte auch Deine letzte Mahlzeit war, die Du bewußt genossen hast, bevor Du nichts mehr essen wolltest - bis zum Schokoeis mit Sahne zu meinem Geburtstag kamen wir ja leider nicht mehr.

Egal.

Dein Geburtstag wird immer sein und bleiben - am 17.11. eines jeden Jahres,
nun ist es Dein 49. ...

Ich stelle mir grad vor, wie es wohl für Deine Mutter ist, Dich da oben nun an Deinem Geburtstag wieder bei sich zu haben :knuddel: bestimmt schööön!
Naja, irgendwann werd ich wissen wie es ist - ob man sich im Leben falsche Hoffnungen macht auf ein Wiedersehen ...? Ich glaube es ist keine falsche Hoffnung, sondern eine berechtigte.

Vielleicht hörst Du mih ja gerade, ich sing in Gedanken Dein Lieblingslied :remybussi

HeikesFreundin 29.11.2010 00:59

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... erster Advent ... und kein Weihnachten wird für Deine Kinder sein,
wie es mit Dir gewesen ist. Hoffentlich bekomme ich es einigermassen hin,
dass Deine Kinder nicht so traurig sind an diesem ersten Weihnachten ohne Dich
- Du wirst in unserer Mitte sein.

Heute habe ich Christian getroffen - kennst Du ihn noch?
Sicher kennst Du ihn - er war Dein Lieblingspfleger, der es immer wieder geschafft hat, Dich zum Lachen zu bringen. Es war schön Dich so von Herzen lachen zu sehen ... :knuddel:

Wir haben über Dich gesprochen - ich glaube auch er hat sich gefreut, dass wir über Dich gesprochen haben. Und wir haben über Deine Kinder gesprochen - und über Weihnachten ...
Im LAufe der Woche werde ich Geschäftsleute abklappern und vielleicht auch Herrn Z von der Diakonie mal einen Besuch abstatten - er kennt ja Deine/eure/unsere Geschichte und sicher hat er eine Idee für das, was ich ihn fragen möchte. Gestern habe ich erfahren, dass in der Johanniskirche immer ein großer Baum steht, an den jeder einen Zettel mit einem Weihnachtswunsch hängen kann - auch Materielles zu wünschen ist erlaubt.
Ich werde ein paar Gutscheine für Deine Kinder "erwünschen", vielleicht für eine warme Jacke oder so - mal sehen.
Ela hat schon eine richtig dicke Erkältung, weil sie immer zu dünn angezogen ist - und Du weißt ja was für ein zartes Persönchen sie ist ;o)
Aber ihr Schatz pflegt se artig, so, wie es sein soll.

Was denkst Du - ob sie mal heiraten werden, die zwei?
Ich würde mich freuen ... mit Ela bleibst auch Du mir ein Stück näher und ich könnte mit Dir im Herzen unserem eventuellen Enkelchen dann 2 Omas sein - das wäre schön!

Manchmal habe ich das Gefühl Du seist hier, hier bei mir.
Dann wird die Luft um mich herum plötzlich kalt und ich denke sofort an Dich, komisch, hm?
Vorgestern war es auch komisch.
Auf der Hinfahrt im Zug sprach mich plötzlich eine Frau an, die mir erzählte ihre Mutter sei kürzlich an einem Hirntumor verstorben und dass sie sich jetzt frage, ob sie wohl Schmerzen hatte .... Und sie sagte auch, dass sie noch nie mit jemandem darüber gesprochen hätte.
Im Nachhinein fragte ich mich, wieso sie ausgerechnet mir das erzählt hatte - der Zug war doch voll von anderen Menschen.
Komisch finde ich es aber erst dadurch, weil auf der Rücjkfahrt ein junges Mädchen neben mir saß - sie hatte eine Beule an ihrem Bauch. Aber man sah dass es keine Schwangerschaft war, die sich da verbarg.
Irgendwann machte sie den reißverschluss ihrer Jacke etwas auf und zum Vorschein kam .....? Richtig: ein kleiner Hund.
"Oh, wie süß" sagte ich ... und sie erzählte mir, dass er noch ganz jung sei und dass sie ihn erst seit kurzem habe, weil er sie etwas über den Tod ihrer
Mutter hinweghelfen solle, die kürzlich in einem Hamburger Hospiz verstorben sei .... Seltsam oder?
... Hirntumor ... Hospiz ... kleiner Hund der trösten helfen soll .... so viele Parallelen.
Die junge Frau war auf dem Weg zu ihrem kleinen Bruder der siet dem Tod der Mutter in einer Jugendeinrichtung lebt ... sie kümmert sich um ihn wie eine Mama,
auch da gibt es Parallelen - Du weißt ja -> Ela.
Bist Du es, die mich solchen Menschen begegnen läßt, um mir zu zeigen, dass es viele gibt, die in solcher Situation sind? Manchmal denke ich das.
Aber ich denke auch Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich weiß, dass es Deine, eure, unsere Geschichte Millionenfach ähnlich auf der ganzen Welt gibt.
Aber solche Momente lassen mich an Dich denken, auch wenn ich mir eigentlich etwas ganz anderes vorgenommen hatte für diesen Augenblick :remybussi

Den ganzen Tag heute erinnere ich, wie Du versuchtest mich zu fragen, ob ich einen Raum hätte ... einen Raum, um Deine Freundin Tina zu treffen ...
ich sehe Dich vor mir, wie Du versuchst mir klarzumachen was Du meinst ... und ich fühle, was ich fühlte, als ich Dir sagen musste:"Bei mir zuhause gehts nicht - ich wohne doch m 2. Stock ohne Fahrstuhl" ...
Du warst so traurig und ich auch. Aber dann haben wir ja doch noch die rettende Idee gehabt und konnten einen Raum im Hospiz bekommen, den wir für dieses besondere Wiedersehen schmücken durften.
Es war ein schönes Wiedersehen mit Deinem letzten traurigen Abschied von Deiner Freundin Tina.
So sehr ich mich freue, dass ich sie so schnell gefunden habe, so traurig stimmt es mich immer wieder, dass ihr euch aus den Augen verloren hattet ...
sie hat Dir gutgetan. Danke, Tina.

Ab und an passiert auch ein kleines Glück, denn
heute hatte ich ein riesiges Glück bei der Weihnachtsgeschenksuche im Internet *freu*! Ich habe bei e*ay Kleinanzeigen gestöbert und dort ein 28er Pegasus-Fahrrad gefunden für gerade mal 45 Euro - es muss nur der Dynamo ausgetauscht werden, ansonsten ist es tip top in Ordnung! Und noch was anderes Gutes gibt es auch: ich habe es schon hier zuhause, denn es stand keine 5 Gehminuten von mir entfernt :D.
Es ist für meine Große, dann ist sie endlich mobil und ich kanns mir sicher zum Einkaufen ausleihen und muss nicht mehr alles tragen - freuuuuu!!!

Wir schaffen das alles irgendwie,
mit Dir wär aber alles um so vieles schöner.

Nun ist Dein 1. Advent im Himmel vorbei ...

HeikesFreundin 16.12.2010 02:33

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... Weihnachten rückt immer näher und damit auch ein leichter Druck.
Nicht weil ich mich unter Druck setze, sondern der Druck heißt: Weihnachten und Du bist nicht greifbar da.

Es ist komisch Weihnachtsgeschenke zu kaufen, es macht keine wirkliche Freude - auch wenn ich damit
Freude bereiten will ... Wenigstens die (Deine und meine) Kinder sollen einen kurzen Moment haben wo sie die Schwere der
Situation nicht so spüren. Und ich erhoffe mir, dass es der Moment des Auspackens ist.

Am Wochenende werde ich hier in meiner Wohnung 3 Räume komplett tauschen, damit ich alle vernünftig
unterkriege ;o) wir werden zu 8 sein, vielleicht sogar 9 - nee falsch: wir werden 9 sein, vielleicht sogar 10 (denn Du bist ja auch dabei)!

So viele waren noch nie an Weihnachten bei mir zuhause ... und überhaupt schon seit ewigen Jahren nicht mehr.

Manu beschäftigt Weihnachten so sehr .... sie weiß nicht ob sie sich ein bischen freuen soll ....
... es fühlt sich so komisch und unrichtig an: Geschenke einpacken und auf keinem steht: "für Mama"
Und genau an Heiligabend sind es 7 Monate - auch das beschäftigt sie sehr:
darf man sich dann an diesem 24. Dezember-Tag überhaupt freuen?

Ich möchte so gern etwas schenken was sie sich wünschen ... Manu wünscht sich Bettwäsche in schwarz- weiß .............
2 Tage habe ich alle Geschäfte abgeklappert, auch in den Nachbarorten - es ist nicht zu kriegen in schwarz/weiß.
Normalerweise würde ich dann einfach etwas anderes nehmen - aber nicht in diesem Jahr.
Ich WILL dass in DIESEMJahr wenigstens die kleinen Wünsche in Erfüllung gehen können!
Jetzt habe ich welche im Internet gesucht - auch nicht schwarz/weiß, aber schwarz/weiß/rot
dann wird es nun die werden müssen.

Ach Heike ... wenn ich ihnen doch bloß ein anderes Geschenk machen könnte
und Dich wieder herzaubern !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Miss you.

mia32 21.12.2010 20:07

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Liebe Angie,

es ist so traurig Deine Zeilen zu lesen und gleichzeitig so schön. Ich wünschte ich könnte mich auch so gut ausdrücken und mehr über und an meine Mutter schreiben. Sie ist am 17.11.10 verstorben. Oft vermisse ich sie soooo sehr (wie momentan auch) und mal geht es mir einigermaßen gut, wenn Freunde um mich sind oder ich das Gefühl habe, dass ich sie doch irgendwann nochmal wiedersehen werde. Ich wünsche Dir, dass Du mit Deinen und Heikes Kindern zu Weihnachten auch sehr schöne Momente erleben wirst. Es ist ganz, ganz toll wie Du Dich kümmerst! :)

HeikesFreundin 21.12.2010 23:53

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo, liebe Mia ...

es tut mir leid zu lesen, dass auch Du Deine Mutter verloren hast - und das vor so kurzer Zeit, an Heikes Geburtstag ... wer weiß, vielleicht hat Heike Deine Mama sogar abgeholt? Das würde ich mir schön vorstellen können ...

Ach, es gibt so wenig, was einen wirklich trösten kann, oder?

Das Vermissen ist immer da - spürbar.

Aber wie ich woanders schon mal schrieb: meine Mutter ist vor 14 Jahren verstorben und ich dachte, das Leben geht nicht mehr weiter.
Ich war sogar sauer, dass die Autos fuhren - wie immer ... die Menschen hasteten weiter und für MICH blieb die Welt still stehen - und ich erwartete auch dass sie stehenbleibt, weil ich es so fühlte!

Niemals habe ich damals denken können, dass auch ein Leben "danach" irgendwann wieder möglich sein könnte ... wenn ich ehrlich bin dachte ich, ich sterbe an diesem Schmerz - es war so schlimm.

Vielleicht lag es daran, dass ich Schuldgefühle hatte. Ich hatte meine Mutter gedrängt zum Arzt zu gehen, weil sie immer wieder Schmerzen hatte und mich anrief und jammerte ... Irgendwann ging sie hin und es stellte sich heraus, dass sie eine Zyste hatte die operiert werden musste - an den Folgen der Op verstarb sie.
Aber es lag daran, dass ihr Herz ziemlich geschädigt und schwach war.

Irgendwann begriff ich, dass ich ihr ja eigentlich nur Gutes wollte - dass sie frei ist von diesen blöden Schmerzen.

Und irgendwann begriff ich auch, dass sich so ihr größter Wunsch erfüllt hatte - sie wollte nie in ein Pflegeheim - und das hatte ich ihr schon versprochen als ich 6 Jahre alt war ... Heute bin ich froh für meine Mama, dass alles für sie so schnell ging und ja, manchmal vermisse ich sie, manchal auch so, dass es mich etwas traurig macht, aber nicht mehr immerzu und ständig und so dass es mir den Boden wegreißt - und dieser Verzweiflung und Traurigkeit sind dem gewichen, dass ich manchmal vor mich hinlächele, weil mir etwas einfällt aus der Vergangenheit, etwas Lustiges und schönes.

Was mich eher traurig stimmt ist die tatasache, dass ihre Enkelkinder sie nicht
bei sich haben - eine Oma ist für Kinder wichtig und schön.
Aber nun sind sie trotzdem groß geworden und vielleicht war es auch widerum gut so, wie es war ... schlimmer wäre gewesen, sie hätten sie geliebt und verloren, als sie 8 oder 13 waren ...

Am Ende gibt es immer einen Sinn in jedem Weg - wie schmerzhaft er auch für uns, die wir noch ein Weilchen hierbleiben, sein mag.

Und ich bin überzeugt, dass sowohl Deine als auch meine Mutter und auch Heike und die vielen anderen Seelen für immer bei uns sind.

Weißt Du, ich glaube an Wiedergeburt ... hätten wir nur diese paar Jahre hier auf der Erde, hätte Gott uns viel "einfacher" erschaffen können ...
Warum sollte er uns für so ein paar Jahre als ein solches Wunderwerk (was der Mensch schon anatomisch betrachtet unbestritten ist!) geschaffen haben wenn dann alles zuende sein soll?

Wir bräuchten nicht so viel Intelligenz zB ....
Da kommt noch was, ganz sicher.

Und Deine Mama weiß das nun schon ... wir werden es auch wissen, jeder von uns - irgendwann.

Ich wünsche Dir so sehr, dass Du gerade jetzt diese wahrscheinlich bedrückende Weihnachtszeit einigermaßen überstehst - schau nach vorne, wenn Du kannst. Bald wird es Frühling und es ist ein Vergehen und immer wieder ein Neubeginn ...

Fühl Dich ganz fest gedrückt von mir,
in Gedanken bin ich auch bei Dir und euch! :knuddel:

Herzlichst,
Angie

P.S. Und mit Worten jonglieren zu können ist nicht das Besondere - es zählt, was Du fühlst - und was Du fühlst wird sicher Deiner Mama sehr bekannt sein ;o)

HeikesFreundin 31.12.2010 16:08

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
... nun ist das Jahr beinahe vorbei ... und in
wenigen Stunden werden wir sagen:
Heike ist letztes Jahr gestorben :weinen:

Mir ist zeitweise so schwer ums Herz -
es fühlt sich alles noch so unsagbar nah an ...

Das erste Weihnachten ohne Dich haben wir "überstanden",
mit Tränen, aber auch mit schönen Augenblicken.
Ich habe gespürt dass Du bei gewesen bist - ganz nah.

Hoffentlich ist es mir gelungen, der Traurigkeit Deiner Kinder
an diesem 1. Weihnachten ohne Dich, einige kleine positive Impulse
entgegenzusetzen, damit sie sich später daran erinnern
können, dass dieses Weihnachten schwer, aber auch ein wenig schön war
für sie - so schön es eben sein konnte.

Ich hab ziemlich geheult - Du hast mir so gefehlt ...
Dein Bild stand hier, mit Engeln und Kerzen umrahmt -
manchmal tat es sehr weh und ich habe vermieden Dich anzuschauen.Wobei:
den Moment als ich dieses Foto von Dir machte - den werde ich niemals vergessen!
Glücklicherweise konnte ich wegen der Heulerei überzeugend rüberbringen,
dass ich mich so über meine Geschenke gefreut habe :rolleyes:

Ich wollte gar keine Geschenke bekommen, sondern Freude VERschenken,
das hab ich auch gesagt. Habe Probleme Geschenke anzunehmen, weil ich
immer das Gefühl habe ich hab doch gar nichts verdient.
Aber Ela sagte dann: "DU hast die ganze Welt verdient - "Mama" Angela,
und wenn ich könnte, würde ich sie dir schenken."

Hoffe, es stört Dich nicht, dass Ela manchmal "Mama Angela" zu mir sagt -
es zeigt mir, wie sehr auch sie noch eine Mama braucht, deren Aufgaben ich so gut es
geht versuche gerecht zu werden (hoffentlich auch in Deinem Sinne).

Auch wenn dieses Jahr der Höhen und Tiefen bald vorbei ist und wir sagen werden .... letztes Jahr ...
Du wirst immer bei mir sein - immer.

Ach so: falls irgendwen "da oben" heute Nacht eine Rakete trifft:
ICH wars nicht! :remybussi:remybussi:remybussi

Augenfeuchte Grüße,
Deine Silke, Sieglinde, Elfriede, blöde Kuh, alte Ziege
und vor allen Dingen Angie

HeikesFreundin 01.01.2011 04:00

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Jetzt ist es schon "letztes Jahr" ...
habe Silvester mit mir allein verbracht -
feiern ging gar nicht.

An Dich denkende Grüße....

mia32 12.01.2011 11:03

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo Angie,

ich wollte mich noch ganz doll für Deine lieben Worte bedanken! Meine Gedanken kreisen immer noch sehr um das Geschehene. Aber das hat ja auch niemand anders erwartet. Manchmal kann ich einfach nichts schreiben, dann ist alles wie zugeschnürt. Momentan bringt es mir ganz viel hier zu lesen. Jeden Tag lese ich mich durch diverse Themen. Mich macht zwar auch vieles hier traurig, aber so kann ich mich besser mit allem auseinandersetzen und spüre, dass ich nicht alleine mit meinen Gefühlen bin.
Meine Schwester trauert komischerweise gar nicht (sichtbar). Sie bricht nur hin und wieder ein wenig in Tränen aus, wenn andere Menschen ihr Mitgefühl und Anteilnahme zeigen. Sie war aber auch nicht so eng mit unserer Mutter wie ich. Sie wohnt mehrere 100km entfernt und wir haben sie und ihre Familie nur 1-2 mal im Jahr gesehen. Viel telefoniert hat sie auch nicht mit unserer Mutter. Aber sie hat uns aufgenommen als es meiner Mutter schlecht ging und ich es nicht alleine geschafft habe sie zu pflegen, da ich vor Angst um meine Mutter fast verrückt geworden wäre. Da bin ich echt froh, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben und keinen Pflegedienst, Hospiz, Palliativstaion etc. in Anspruch nehmen mussten. Das hätte meine Mutter völlig verzweifeln lassen.

Zitat:

es tut mir leid zu lesen, dass auch Du Deine Mutter verloren hast - und das vor so kurzer Zeit, an Heikes Geburtstag ... wer weiß, vielleicht hat Heike Deine Mama sogar abgeholt? Das würde ich mir schön vorstellen können ...
Ja, das wäre wirklich schön gewesen. Meine Mutter hatte sehr große Angst davor nach dem Tod allein und ohne uns zu sein. Wir mussten ihr versprechen, dass wir von jedem von uns eine Haarsträhne mit in den Sarg legen. Was wir natürlich auch getan haben.

Zitat:

Und irgendwann begriff ich auch, dass sich so ihr größter Wunsch erfüllt hatte - sie wollte nie in ein Pflegeheim - und das hatte ich ihr schon versprochen als ich 6 Jahre alt war ... Heute bin ich froh für meine Mama, dass alles für sie so schnell ging und ja, manchmal vermisse ich sie, manchal auch so, dass es mich etwas traurig macht, aber nicht mehr immerzu und ständig und so dass es mir den Boden wegreißt - und dieser Verzweiflung und Traurigkeit sind dem gewichen, dass ich manchmal vor mich hinlächele, weil mir etwas einfällt aus der Vergangenheit, etwas Lustiges und schönes
Da geht es mir ganz ähnlich. Ich habe meiner Mutter versprochen, dass ich sie nie alleine lassen werde als meine Oma alleine im Krankenhaus gestorben war. Ich konnte sie zwar nicht in ihrem Zuhause pflegen, aber immerhin gemeinsam mit meiner Schwester bei meiner Schwester. Der Abschied von Zuhause fiel meiner Mutter so schwer, dass es mir fast das Herz zerrissen hätte, aber wir hatten keine andere Wahl. Früher oder später wäre ich völlig verrückt geworden und was wäre dann gewesen? Dann wäre sie doch irgendwo hingekommen ...

Zitat:

Was mich eher traurig stimmt ist die tatasache, dass ihre Enkelkinder sie nicht bei sich haben - eine Oma ist für Kinder wichtig und schön.
Aber nun sind sie trotzdem groß geworden und vielleicht war es auch widerum gut so, wie es war ... schlimmer wäre gewesen, sie hätten sie geliebt und verloren, als sie 8 oder 13 waren ...
Mein Sohn war 8 als meine Mutter starb. Aber er hat es erstaunlich gut wegesteckt (zumindest sieht es so aus). Ich glaube, dass Kinder in dem Alter noch viel gelassener mit allem umgehen. Immerhin konnte sie ihm noch ganz viel zeigen und hat die Liebe zu Tieren und Pflanzen an ihn weitergeben können. Sie sind oft in eine Gärtnerei gefahren und haben dort alle Pflanzen besprochen. Meine Mutter kannte von fast allen den Namen - auch den lateinischen. Hoffentlich kann sie ihren grünen Daumen dort, wo sie nun ist, gut gebrauchen. Es wäre so schade um das ganze Wissen und ihre Gabe.

Zitat:

Und Deine Mama weiß das nun schon ... wir werden es auch wissen, jeder von uns - irgendwann.
Ich hoffe es sehr und es sind auch ein paar Dinge geschehen, die mich darin bestärken daran zu glauben.

Zitat:

Ich wünsche Dir so sehr, dass Du gerade jetzt diese wahrscheinlich bedrückende Weihnachtszeit einigermaßen überstehst - schau nach vorne, wenn Du kannst. Bald wird es Frühling und es ist ein Vergehen und immer wieder ein Neubeginn ...
Danke, ich habe sie einigermaßen geschafft. Alleine schon für die Kinder.

Wie geht es Dir denn inzwischen so und wie haben Heikes Kinder den Jahreswechsel überstanden? Ich hoffe, dass es langsam bergauf bei Euch geht!

Liebe Grüße
Mia

HeikesFreundin 14.01.2011 02:45

AW: Glioblastom - alles furchtbar
 
Hallo liebe Mia,

ja - wir haben die Zeit ganz gut herumgebracht, besser als ich befürchtet hatte.
Und ich habe mich gefreut, dass wir die ersten großen Hürden nehmen konnten ... und gehofft, dass dieses Jahr ein besseres wird.

Im Moment scheint es nicht so zu sein, warum mag ich kaum schreiben.

Es ereignen sich gehäuft merkwürdige schlimme Dinge in der Familie des Vaters meines Sohnes, mit denen ich hier niemanden belasten möchte.
Aber daher kann ich im Moment kaum hier sein.
Ich melde mich aber wieder - versprochen!


Bis dahin viel Kraft,
Angie


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 18:18 Uhr.

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