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Annegret1 17.10.2006 14:31

Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo zusammen,

nachdem ich jetzt auch die letzte Chemo ohne großartige Probleme hinter mir gebracht habe, hat es mich voll gepackt: die absolute Antriebslosigkeit, die "Null-Bock Stimmung". Und das obwohl ich mich doch eigentlich freuen sollte, nachdem die Chemozeit jetzt überstanden ist. Aber es ist so, alsob mir meine letzte Kraft geraubt wurde. Auf ein mal bin ich in ein tiefes Loch gefallen

Und eigentlich habe ich doch genug zu tun!!! Könnte eigentlich mal wieder so ordentlich putzen (die Wohnung sieht aus wie sau :eek: ), bügeln, im Garten arbeiten, Freunde besuchen, was auch immer ... Ich kann mich einfach nicht aufraffen, .... und langweile mich :gaehn:. Das ist mir in der ganzen Zeit noch nicht passiert!

Ich geh noch nicht einmal mehr ans Telefon.

Nachdem der schöne Schopping-Tag mit meinem Mann in endlose Frustration endete, da ich finde dass alle Klamotten mit meiner "Frisur" einfach nur bescheuert aussehen, habe ich noch nicht einmal mehr darauf Lust. Es ist komisch, die Glatze hat mich während der ganzen Chemo-Zeit relativ wenig gestört, aber jetzt, wo sie wieder sprießen, geht es mir nicht schnell genug. Ich möchte mich doch endlich wieder leiden mögen, wenn ich in den Spiegel schaue.

Ich bin einfach nur unzufrieden, könnte heulen. Ich würde am liebsten einen Winterschlaf machen und dabei haben die dunklen Tage noch nicht einmal angefangen.

Habt ihr auch solche Erfahrungen? Wie seid ihr da wieder raus gekommen?

Liebe Grüße
Annefrustie

Mice 17.10.2006 14:49

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo Annegret,

ich habe mich in deiner Beschreibung total wiedererkannt! Mir ging es bisher eigentlich nach jeder Therapierunde so, dass ich nach Ende der Thera dachte, ich müsste jetzt erleichtert sein und mich freuen und so, aber das war oft nicht so. Ich habe dann für mich erkannt, dass es zum einen die Erwartungshaltung ist und an dem Druck, den ich damit für mich aufgebaut habe und zum anderen auch daran liegt, dass ich Wochen oder Monate total auf Kampf programmiert war, was ja dann ganz plötzlich vorbei ist.

Ein wirkliches Rezept habe ich auch nicht dagegen, ich versuche trotzdem schönes Sachen zu machen und lasse es langsam angehen. Eine AHB oder Reha kann auch ganz gut sein, ging mir zumindest so.

Du willst dich jetzt einfach wieder "normal" fühlen, so wie vor der Krebsdiagnose und es frustrierend, dass es nicht so ist. Vergiss nicht, du hast keine Hustenbonbons bekommen, sondern eine hammerharte Therapie, auch wenn du davon keine größeren Probleme hattest!
Dazu kommt noch die seelische Belastung durch die Diagnose und die Veränderungen, die damit verbunden sind.
Gib deinem Körper und deiner Seele etwas Zeit, sich wieder auf ein halbwegs normales Leben einzustellen, das geht nicht von heute auf morgen. Das Leben kann nach so einer Diagnose und Therapie nicht einfach wieder so sein wie vorher, dazu haben wir zuviel mitgemacht.
Hast du einen Psychoonkologen, der dich begleiten kann? Mir hat das sehr geholfen.

Du wirst deinen Weg finden, aber nimm dir Zeit dafür!:knuddel:

Liebe Grüße,
Mony

Felgi 17.10.2006 16:53

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
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Hallo Annegret,
ich verstehe Dich soooo gut.:rolleyes: Nachdem eigentlich alle Runden überstanden sind, fällt frau in ein tiefes Loch. So, wie auch Mony schrieb, liegt es wohl daran, dass frau monatelang auf Kampf eingestellt war und nun ist irgendwie die Luft raus. So wünsche ich Dir, dass Du Dir Zeit lässt und den Boden unter den Füßen wiederfindest.:winke:
Am 25.10 fahre ich zur Onko-Reha, und da hoffe ich auch auf gute Psychologen zu treffen. Das fand ich bis jetzt auch nicht so wichtig. Aber sicher ist das ein guter Rat, den wir Dir geben können und auch selbst beherzigen sollten.
Fährst Du auch zur Reha?
Liebe Grüße und ein paar Sonnenstrahlen in Deine graue Gegenwart.
ReinhildAnhang 2586

Blauerschmetterling 17.10.2006 18:01

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Liebe Annegret,
mir geht es genauso wie Dir und das, zwei Jahre nach der OP, Strahlentherapie, keine Chemo. Immer wieder falle ich in dieses tiefe Loch und es ist sehr schwer, da wieder herauszukommen. Das Schlimme ist, ich weiß noch nicht einmal warum ich traurig bin. Ich habe ausführlich unter dem Thema: Umgang mit Krebs und Krankheitsbewältigung geschrieben. Titel: Traurigkeit ohne Ende. Mittlerweile hat diese "Krankheit" einen Namen bekommem: Tumorbedingte Fatigue. Sie ist die häufigste Nebenwirkung von Chemo - und Strahlentherapie. Sie kann sowohl durch die Tumorerkrankung selbst, aber auch durch die Therapie entstehen. Hoffentlich finden wir schnell wieder heraus.
Alles Liebe
Blauerschmetterling

Neptunmaus 17.10.2006 18:19

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Liebe Annegret,

danke für deinen Beitrag!!!!! Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber ich bin dir wirklich dankbar dafür, habe auch schon überlegt, ob und wie ich das ins Forum schreiben könnte. Weil ich selber auch nicht weiter weiß, oh Mann:huh:

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können, mir geht es genau so und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll!!!

Habe meine letzte Chemo seit 5 Tagen hinter mir und bin trotzdem überhaupt nicht glücklich.
Jeder sagt immer nur: "Toll, super gemacht, jetzt hast du es hinter dir und es geht aufwärts"

Jaja, wenn ich das nur glauben könnte:weinen: ABer es stimmt ja, eigentlich muß man froh sein, diese Etappe geschafft zu haben.
Warum freu ich mich nicht?
Wie gehts weiter???????????:undecided

Woher die Perspektiven nehmen und nicht stehlen???
Während der ganzen Chemo war ich psychisch nicht so down:huh:

Darum hoffe auch ich auf viele Erfahrungen und Tips von euch anderen Mädels, die auch sowas durchgemacht haben!

LG, Heulneptunmaus:weinen:

Annegret1 17.10.2006 18:41

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Liebe Leidensgenossinnen,

vielen, vielen Dank für eure Antworten. Es tut schon gut zu wissen, dass es andere auch so geht. Nachdem ich nach meinem eigenen Beitrag :D mich eine Runde habe gehen lassen (sprich: :weinen: ), habe ich mich dann schließlich doch noch etwas aufraffen können und fast 3 Stunden ziemliche Schwersarbeit im Garten geleistet und außerdem fast alle Schuhe geputzt :confused:. Hat schon - wenigstens für eine Weile - gut getan. Mal sehen was der morgige Tag bringt.

Über psychoonkologische Betreuung habe ich mir schon Gedanken gemacht, aber auch hier hat die "Null-Bock-Stimmung" zugeschlagen. Ich habe einfach keine Lust mich an nochmehr Terminen zu binden. Dafür habe ich mich aber jetzt fest entschlossen, eine AHB in Anspruch zu nehmen, in der Hoffnung das meine Psyche dort wieder aufgepeppt werden kann.

Leider muss ich erst noch durch die Bestrahlungsphase (36x), so dass die AHB voraussichtlich erst im Januar sein wird. Ist ja noch eine lange Zeit....

Habt ihr denn wg. dieser Antriebslosigkeit auch so ein schlechtes Gewissen? Ich weiß dass ich keins haben brauch, aber trotzdem ist es da..... und macht alles noch schlimmer.

Vielleicht sollte ich mit der psychotherapeutischen Hilfe wirklich nicht bis Januar warten. Ich weiß es nicht.

Liebe Grüße
Anne

Birgit64 17.10.2006 19:13

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo Annegret,

genau wie die anderen es beschrieben haben, ist es ein ganz normaler Vorgang, dass du nach soviel Monaten Therapie irgendwie in ein Loch fällst. Bei mir kam das direkt nach dem Ende aller Therapien, also auch der Strahlentherapie, verbunden mit einem Gefühl des Alleinseins mit der Erkrankung. All die Monate zuvor war so beschäftigt mit den Therapien, den vielen Terminen usw., dass ich gar keine Zeit hatte zur Ruhe zu kommen. Bis zum dem Zeitpunkt habe ich immer, zusammen mit den Ärzten, gegen die Erkrankung gekämpft und auf einmal war das alles vorbei.
Ich glaube aber auch, dass es einfach nichts bringt, in so einem Moment in blinden Aktionismus zu verfallen, sondern, dass es einfach mehr bringt, diese Zeit als eine Chance zu sehen: zur Ruhe zu kommen, die Zeit Revue passieren zu lassen, vielleicht Pläne zu machen und einfach mal den lieben G'tt einen guten Mann sein lassen. Du mußt dich für nichts rechtfertigen, denn letztendlich hast du das alles überstanden, die Chemo usw. Du mußt dich nicht schämen, wenn du zu nichts Lust hast. Das kommt schon wieder, gib dir und deinem Körper Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Mein Allheilmittel in solchen Situationen ist 'Autogenes Training', das begleitet mich seit 25 Jahren und eben auch durch die Krankheitsphase und hat mir auch geholfen, mich immer wieder zu motivieren, mich innerlich zu stärken usw. Vielleicht hilft dir so etwas ja auch oder eben eine psycho-onkol. Betreuung.
Laß dir Zeit, für dich das Richtige zu finden, denn einen Einheitsweg gibt's nicht. Und vor allem mach dir keine Vorwürfe, wegen deiner Nullbock-Stimmung, die vergeht auch wieder.

Liebe Grüße

Tamina 17.10.2006 19:45

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Liebe Annegret,

wenn die Therapien vorbei sind, dieser KAmpf beendet ist, wo der Körper permanent unter Adrenalin stand, ist die Erschöpfung normal und meist wird einem dann erst bewußt, was eigentlich gelaufen ist.

Ich hatte lange Zeit auch damit zu tun und manchmal heute nach 3 Jahren, noch sporadisch.

Meine Psychoonkologin hat mir gesagt, daß man nur durch Aktivität da raus komm, sonst hängt man immer mehr durch.


Ich richte mich heute nach meinem Körper. In guten Tagen schaffe ich viel, in schlechten Tagen gönne ich mir ein Pause und beschäftige mich mit mir selbst.

Jedenfalls geht es mir heute erheblich besser. LAß dir Zeit und richte dich nach deinem Körper und nehme dir erst einmal kleine Aufgaben vor, die du schaffen kannst.

Bei manchen geht das Leben halt nicht einfach so weiter wie vorher.

Setze dich nicht selbst unter Druck, daß wird schon wieder.

Jetzt kannst du erst einmal stolz auf dich sein, daß du deinen Garten geschafft hast und dich darüber freuen, daß bringt positive Energien und die Schuhe glänzen jetzt auch alle.

LG TAmina

tinemarinella 17.10.2006 22:19

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo Ihr Lieben!

Auch ich habe nach meiner letzten Chemo die Klinik heulend verlassen - ich konnte mich auch nicht drüber freuen. Ich stand schluchzend vor dem Schwesternstützpunkt.

Wir waren auf Kampf getrimmt - Felgi hat das so schön geschrieben - ja wir haben gekämpft und nun fällt was weg.
Ich war traurig und wußte nicht warum. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht, weil mich mein Sohn in Beschlag nahm.

Irgendwann kommt die Seele hinterher... nun scheint es soweit zu sein.

Seid lieb gegrüßt
Christine

Norma 18.10.2006 01:55

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Wie ich da wieder rausgekommen bin?

GAR NICHT!

Bis JETZT nicht!

Und meine Diagnose war am 29. November 2001...

Mein Gehirn gibt mir Anweisungen, was alles zu tun ist...aber ich mach es trotzdem nicht!

Ich KANN nicht.
Ich WILL nicht.

Beispiel: die Einkommensteuererklärung hätte am 30.09. beim Fiananzamt sein müssen.
Müssen....ist sie aber nicht!

Jeden Tag schieb ich diesen blöden Bogen zur Seite...

Und wenn ich dann mal was mache, bin ich sofort wieder kaputt.

Zur Zeit besteht mein Tagesablauf aus Ausruhen, Schlafen, Krankenhausbesuche (Mutter) und essen.....PUNKT.

Na ja...nachts noch das Internet besuchen aber das wars dann auch.

MEHR geht nicht, da nutzt überhaupt gar nix.

Also, wir sollten allesamt uns treffen und dann GEMEINSAM eine Wohnung nach der anderen auf Vordermann bringen. Vielleicht klappt es ja dann. ;-)

Oder gleich die Dame vom Fernsehen bestellen, die so schön renovieren und neue Möbel bringen kann. ;-)

Solidarische Grüße
Norma
Diagnose Brustkrebs Nov. 2001

Martha 18.10.2006 12:36

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo,

meine Diagnose war Dez. 2000. Kurz nach der Chemo und Bestrahlung ging es mir richtig gut. War stolz auf mich das ich das alles gut überstanden habe und jeder sagte, du... siehst aber gut aus.
Aber bis heute fehlt mir die Energie und der Power von früher. Schiebe alles von mir. Da ich Arbeiten gehe bleibt natürlich zu Hause alles liegen.
Brauche auch die Leute aus dem Fernsehen die alles wieder neu herrichten.:smiley1:

LG
Martha

susi2727 18.10.2006 19:14

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo, bin neu hier.

Na ja, nicht ganz so neu, weil ich ja immer wieder mitlese und auch schon mal mitgeschrieben habe.
Hatte meine Diagnose 1999 mit 32 Jahren, 6 x CMF, 28 Bestrahlungen, Zoladex, Tamoxifen, wegen Nebenwirkungen Armidex, Entfernung der Eierstöcke und seit einem Jahr Wechsel auf Femara.
Bis jetzt ging alles glatt - und darüber bin ich total glücklich.
Aber leider gibt es auch mir diese Zustände, wo ich mich zu nichts aufraffen kann.
Im Sommer habe ich eine neue Wohnung bekommen. Da war ich total gut drauf, habe bei 35 Grad Hitze Kisten, Schachteln und Möbel geschleppt - war kein Problem. Und jetzt? Ich komme von der Arbeit heim (arbeite 30 Stunden/Woche) und bin so lustlos, dass ich mich zu keiner Tätigkeit aufraffen kann.
Oder ich nehme mir etwas Bestimmtes vor, und verschiebe es doch wieder...
Ich bekomme auch Antidepressiva (Efectin), zur Linderung der Hitzewallungen. 100 %-ig wirkt das aber auch nicht und vergällt mir sogar in "guten" Phasen das abendliche Weggehen, weil ich in Discos oder Bars sofort schwitze, als hätte ich einen Marathon-Lauf hinter mir.
Möchte auch ins Fitness-Studio gehen. Habe auch brav damit begonnen, dann kam mir eine schlimme Erkältung dazwischen, die meinen Kräftevorrat gleich noch mehr angegriffen hat.
Es kotzt mich so an, ich bin jetzt 39 und habe Energien wie eine 80-Jährige.
Wie soll denn das weitergehen. Ich war während der Therapie immer so stark und wirke auf Andere immer noch so, aber in mir drin schauts leider ganz anders aus.

Ist ja echt super, dass ich mich gleich mit meinem Gejammere hier einbringe, aber es ist ein kleiner Trost für mich, dass es einigen von Euch auch so geht.

Alles Liebe,
Susi

Moonlady 18.10.2006 22:08

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo Annegret,
ich finde es toll, dass Du dieses Thema angeschnitten hast! Und dass sich hier viele melden und bestätigen, dass sie - auch längere Zeit nach Abschluss der Therapien - noch immer antriebs- und lustlos sind.
Bisher kam ich mir immer wie ein "Wundertierchen" vor, weil ja eigentlich alles vorbei ist und ich nun wieder "normal" funktionieren müsste, was aber nicht der Fall ist.
Meine Diagnose war im Januar 2005, anschließend Chemo und Bestrahlung.
Nach der 36. Bestrahlung war ich vor Glück in Tränen aufgelöst, es ging mir super, weil "alles überstanden" war. Auch in der AHB hab ich noch gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. - Und dann? Dann kam das dicke Ende, in dem ich immer noch drin bin. Statt besser wurde es immer schlimmer, so schlimm, dass ich nicht mal mehr arbeiten gehen konnte, dass ich die Wiedereingliederung abbrechen und Rente beantragen musste.
Mit Hilfe meiner Psychologin versuche ich jetzt, mich so langsam wieder zurückzuhangeln. Und dabei gibt es - wie hier schon beschrieben - gute Tage, an denen man Bäume ausreißen könnte, und schlechte Tage, an denen es einem schon zuviel ist, zum morgendlichen Duschen zu gehen.
Ich glaube, die einzige Lösung ist, Geduld mit sich zu haben (fällt mir sehr, sehr schwer, weil Geduld nicht meine Stärke ist), verständnisvoll mit sich umzugehen (auch nicht leicht, weil meine Erwartungen an mich oft sogar noch höher sind als die von außen an mich gestellten) und zu akzeptieren, dass eben vieles nicht mehr so ist wie vor der Diagnose.
Auf jeden Fall danke ich Euch allen für Eure Beiträge, denn Ihr habt mir gezeigt, dass ich kein "Einzelfall" bin - und auch das hilft schon ein Stückchen weiter!
Viele Grüße an Euch alle
Barbara

Annegret1 18.10.2006 22:09

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Was soll ich sagen? Ich bin irgendwie froh dass es anderen auch so geht, obwohl ich es niemand gönne!!! Mir tut es aber unheimlich gut, eure Erfahrungsberichte zu lesen und zu wissen "es liegt nicht an mir!!!" und "ich bin nicht allein".

Es gibt gute und schlechte Tage, zur Zeit für mich etwas mehr schlechtere aber eigentlich weiß ich auch, dass auch die wieder vorüber gehen.

Und, dass man immer noch lachen kann - die Idee von Norma ist super, ihr könnt als erstes bei mir vorbei kommen um zu putzen, der Kaffee ist fertig :D !

Liebe Grüße
Anne

Luci*Katze 27.10.2006 21:15

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
norma!

du hast MEINEN text geschrieben!

einkommenssteuer? mein alter will mich erschlagen. er arbeitet. ich hab den ganzen tag nix zu tun. & machet trotzdem nicht.

mache wäsche, küche aufräumen, mittem hund in den wald truseln, bißchen internet, fernsehn, fertig.

habe zwar mitunter solche energieschübe. z.b. gestern 5 (FÜNF!) fenster geputzt, aber dann bin ich am ende & krieg den rest des tages nix mehr gebacken.

manchmal frage ich mich, wie ich früher - aber schon nach der erkrankung - solche großprojekte, wie das komplette fliesen unserer küche (ca. 30 qm) incl. mosaik jemals hinkriegen konnte.

komisch ist für mich besonders, daß ich diese lethargie nicht nach der ersterkrankung 10/2000 (chemo), sondern erst nach dem lokalrezidiv 10/2005 (bestrahlung) habe.

kur? vergesst es. meine erfahrung ist, daß die psychoonkos zwar sehr nett sind, nur ausreichend zeit, dasset hätte helfen können, auch nicht da war.

das schlimme für mich ist, daß ich oft vorgehalten kriege, wat ich ein faulet stück bin. bin doch eigentlich gesund (im moment nix nachweisbar), hab allet überstanden & lasse mich nun so gehen. wenn ich dem mann fürs leben wat von fatigue erzählen würde, bekäme ich zu hören, dat ich dat meinen eso-freundinnen erzählen soll... ist ja keine "richtige" krankheit.

müde - luci*katze


ach so:
wo nochma soll ich mich melden, wenn ihr anfangt, mein haus sauber zu machen...? - bitte mehr davon!

Amylie 28.10.2006 19:30

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo ihr Lieben,:pftroest:
mir gehts genauso, hab die Op super überstanden sieht auch toll aus ( Diep)
fühle mich aber total schlapp und habe das Gefühl in einem anderen Körper zu stecken.
Warte auf das " Hochgefühl" denn es geht mir jeden Tag besser.
Ich habe im Moment viel Zeit und könnte malen oder nähen usw. kann mich aber zu nichts aufraffen.
Bin gespannt wie es wird wenn ich wieder arbeite. Nebenher mache ich auch noch eine Weiterbildung über zwei Jahre.(kann ja heiter werden).
Als ich das erste Mal krank war ging es mir auch besser. War nur 2 Wochen krank geschrieben danach bin ich gleich wieder arbeiten gegangen und nach der Arbeit zur Bestahlung.
Da war ich damals auch noch stolz drauf "totaler Quatsch".
Liebe Grüße und viel Kraft schickt euch Amylie:1luvu: :1luvu:

Rubbelmaus 28.10.2006 20:24

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Ich kann euch so gut verstehen!

2000 bei meiner Ersterkrankung wollte ich nur eines, dass mein Leben wieder so wird wie vor der Erkrankung. Aber so ist es nie wieder geworden. Ich kann mich kaum aufraffen, die einfachsten Dinge zu machen. Durch meine bleibende PNP bin ich schnell müde, Stimmungsschwankungen und, und, und. Die vielen Medikamente die ich nehmen muss, verschlechtern meine Lebenssituation noch mehr. Es hat sehr lange gedauert (mit Hilfe meines Psychodoc), dass ich dann die Krankheit und meiner neues Leben angenommen habe. Jetzt nach meiner erneuten Erkrankung kann ich es besser akzeptieren, aber nur weil es sich nicht mehr unwesentlich verschlechtert hat. Mehr geht nämlich nicht!

Wenn ich nicht so einen verständnisvollen Mann hätte, sehe es düster bei uns aus.

Liebe Grüsse
Heidi

Magdalena Baumeister 28.10.2006 20:47

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo Mädels,

na da reihe ich mich doch glatt auch ein in diese Riege der "Fäulnis"!

Hatte meine OP mit den nachfolgenden Therapien (Chemo + Bestrahlungen,
sowie begleitende Misteltherapie, AHB) ja bereits im Jahr 2003, da war ich topfit, bin jeden Morgen 1 Stunde gewalkt und noch ins Fitness-Studio gegangen.
Dann im Jahr 2004 ging es mir wie Euch allen, hatte zu nix mehr Lust, also
keinen Bock zu irgendetwas, eine derartige Antriebsschwäche kannte ich
auch bei mir bis dato nicht. Es war wie bei Heidi auch, denn GsD habe ich
auch einen sehr verständnisvollen Mann, der mir nicht einmal einen Vorwurf
machte, weil nicht alles so "picobello" war, wie er es sonst von mir gewöhnt
war. Hatte deshalb auch oft ein mehr als schlechtes Gewissen, aber es ging
einfach nix vorwärts. Erst, als ich letztes Jahr die 1. Rehamaßnahme in
Oberstaufen machte, kam ich langsam wieder auf Trab und von da an ging
es buchstäblich wieder bergauf mit meiner Leistungsfähigkeit.
Habe es heuer natürlich gleich recht genüsslich ausgekostet und endlich die
Innenrenovierung unseres Hauses mit meinem Mann in Angriff genommen,
d.h. ich habe "Capo" gespielt und meinem Göttergatten gesagt, wie ich was
haben will und habe ihn gewähren lassen und ich kann Euch sagen, er hat
seine und meine Aufgaben zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt trotz
einiger Ermüdungserscheinungen bei ihm und bei mir!!!
Hatte mir vorher auch schon überlegt, ob ich nicht die "Tante" vom Fernsehen
damit beauftragen sollte, aber mein "El Torro" hat das mindestens so gut und
so schön gemacht und vor allem aber so, wie ich das haben wollte und nicht
mit irgendeiner Einrichtungs-Idee von dieser Tante leben muß, die mir evtl. gar nicht gefallen hätte.

Also, wißt Ihr jetzt, wie Ihr es machen müßt???? Man muß nur die Ideen haben und sie richtig umsetzen können, alles andere wird dann erledigt,
von wem auch immer?

marjana 29.10.2006 18:10

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Ihr Lieben,
so vieles von dem, was ich bei Euch lese, hält mir einen Spiegel vor.

Grade habe ich ein Lied von Brassens angehört … „Dieses Lied ist für Dich“ … und ein wenig später … „wenn er …Dich über die Wolken zu Père éternel trägt“

Wie oft habe ich mich in Gedanken schon auf diesen Weg gemacht ! Was hab ich nur für Phasen durchlebt ! Au père éternel. Aber mein Körper fing bei der Musik an sich zu bewegen und beim nächsten Lied tantze ich. So ganz für mich allein ! Vorbei die Todessehnsucht. Nun, Brassens ist nicht jedermanns Sache. Welche Musik magst Du ? oder Du ? Leg sie auf. Laß Dich durchfließen, von den Tönen, von der Erinnerung … wer weiß, vielleicht fängt Dein Körper auch an – wie von selbst, sich zu bewegen. Vielleicht fängst Du auch an zu tanzen. Ein wenig … immerhin.

Grade scheint mal wieder ein 3wöchiges Tief dem Ende entgegen zu gehen. Eine Woche war grauenhaft wegen dieser harten Chemo. Aber das ist nicht immer so, bei denselben Chemikalien. Wieso hab ich’s diesmal aus dem Loch geschafft?

Hab’ mir den Rasenmäher geschnappt und bin durch die unendliche Wiese gefahren. ½ Stunde, das Wasser lief mir nur so runter. Danach erst mal auf’s Sofa. Handtuch drunter, damit’s keine Schweißflecken gibt. Ein bisschen Musik gehört … Danach fühlte ich mich (3 Stunden später) plötzlich richtig fit.
Ihr könnt es drehen und wenden, wie ihr wollt. Hauptsächlich in der Aktivität werden die Endorphine, sprich „Glückshormone“ freigesetzt und nicht durch Antidepressiva. Von denen ich übrigens die Schnauze gestrichen voll hab.

Ich will Euch ja nicht grade den Rasenmäher andienen, erstens hat nicht jede ein Grundstück und zweitens ist es nicht jedefrau’s Sache. Aber vielleicht eine Musik auflegen, die Du magst. Einfach hineinhören und/oder mitsingen (muß ja keiner zuhören) …

Meine Erfahrung ist, daß oft nur der Tritt in den eigenen Ar… die Kräfte aktiviert. Ich bin seit über 2 Jahren in Chemo, nur unterbrochen von einer kleinen Phase der Radiotherapie. Seit Juni ist sie so hochgesetzt, daß ich mich manchmal frage, ob ein schnelles Sterben nicht besser wäre.

Ich merke immer wieder, daß ich am besten aus meinem Leid und vor allem aus meinem Selbstmitleid rauskomme, wenn ich (pardon) den Arsch hochkriege. Es ist verdammt schwer ! ABER WENN ich ihn hochkriege, dann geht es bergauf: Eine kleine Aktivität im Haus. Pause. Noch eine und wieder Pause. Nein, meine Lieben, es ist keiner da, der mir dabei hilft. Bin allein. Gaaaanz selten kommt jemand vorbei. Außer der Putzfrau. Den Luxus leiste ich mir einmal pro Woche, obwohl mit meinem Budget eigentlich nicht zu verantworten. Naja, und den zweiten Luxus, von Zeit zu Zeit die Psychologin (muß ich hier leider auch selber zahlen).

Wenn Ihr Partner oder FreundInnen habt. Bittet sie offen, Euch zu helfen, statt wie ich in einem Beitrag gelesen hab, Euch als Faulenzer zu bezeichnen ! Das hat mit Faulheit nichts, aber auch gar nichts zu tun, wenn frau unter der Last des Erlebten die Motivation verloren geht. Wir haben dem Tod ins Auge geschaut und es bleibt die (oft uneingestandene) Angst, daß er wieder vorbeischaut. Versucht nicht wie ein hypnotisiertes Kaninchen darauf zu schauen, „was hätte passieren können“ und „ob er womöglich noch mal vorbeischaut ?“.

Ich bitte inzwischen offen, meine FreunInnen, mit mir über andere Dinge zu sprechen, wenn ich es nicht ausdrücklich anders einfordere. Ich bitte sie, mit mir einen Spaziergang zu machen oder oder oder. Leider lebe ich in einer gewissen Diaspora. Also muß ich es weitgehend selbst schaffen.

Es ist für eine(n) nicht selbst Betroffenen kaum nachvollziehbar ! Ihr müsst die Hilfe von Euren Partnern und FreundInnen (eben von den Nicht-selbst-Betroffenen) schon seeehr direkt und konkret einfordern ! Ja, der liebe Gatte, der seinen harten Job gemacht hat und nicht begreifen kann (wie sollte er auch, wenn man es ihm nicht ganz direkt sagt), daß Er gefordert ist. NUR, sag ihm oder der Freundin, kannst Du nicht mal das oder jenes mit mir machen. Ich würde gern mal ... sonst ist der oder die andere auch hilflos.

Oh, verdammt, ich weiß wovon ich rede. Ich war ja lange genug (2 Jahre) „nur“ die Ehefrau eines krebskranken Mannes. Es lag eine große Last auf mir. Eine kleine Ahnung hatte ich, denn ich hatte ja meinen ersten Krebs überstanden.

… ach es würde in einen Roman ausarten, wollte ich weiter erzählen. Ich denke oft an die Geschichten von Münchhausen. Wie viel Kraft es kostet, sich an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Die anderen (behutsam aber bestimmt) zur Hilfe aufzufordern … Es ist was dran, an den Geschichten des Barons von Münchhausen.

Also denkt an Münchhausen !
Aber lasst Euch dennoch helfen, fordert es ein !

Alles Liebe

Marjana

Regina_Beate 31.10.2006 13:32

AW: Kein Bock auf nix mehr
 
Hallo, Marjana !

Dein Beitrag hat mich sehr berührt und Du sprichst mir aus der Seele. Seit 13 Jahren habe ich BK (Erstdiagnose: 1993). Immer wieder Rezidive (OPs, Chemo, Bestrahlunge n - zuletzt 2004). Ich denke auch, zunächst muss man dem Körper und dem Geist Zeit geben, Diagnose und Therapien zu verarbeiten. Mir gibt auch die Musik sehr viel. Ich sang bis voriges Jahr in einem Chor. Die Proben haben mich während meiner Therapien immer wieder aufgebaut und froh gemacht. Wenigstens für 2 Stunden war der Krebs in der Woche vergessen. Aber auch zu Hause trällere ich von früh bis spät. Ansonsten habe ich meine Aktivität auch in langen Spaziergängen, Gesprächen mit meinem Mann und Freundinnen wiedergefunden. Nicht mehr so wie vor ein paar Jahren. Aber man wird ja auch nicht jünger. 1 x in der Woche habe ich einen "Quaatschtag". Dann geht es mir nicht besonders. Den akzeptiere ich - denn ich weiss, der geht wieder vorbei. Ansonsten freue ich mich über jeden Tag, den ich erleben darf - denn morgen kann alles ganz anders sein. Das habe ich nun schon x-mal erfahren müssen. Nach insgesamt 9 OPs, 4 x EC, 60 Bestrahlungen, AHT sah es gesundheitlich nicht immer rosig für mich aus. Meine Devise - nie unterkriegen lassen ! Auf der anderen Seite aber nach gerade überstandenen Therapien dem Körper die nötige Ruhe gönnen und nicht zuviel von sich zu erwarten und sich dadurch permanent zu überfordern.
In diesem Sinne wünsche ich allen alles Liebe und vor allem gute Besserung.

Regina Beate:1luvu:


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