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An alle Hinterbliebene...
Ihr lieben Hinterbliebenen,
ich hoffe es fühlt sich jetzt niemand angegriffen und ich hoffe mein Anliegen wird hier richtig verstanden. Wir alle hier haben geliebte Menschen verloren und müssen lernen ohne sie unser weiteres Leben zu bestreiten. Eben so gut wir nur können. Wir alle hier haben oft schreckliche Situationen erlebt, jeder auf seine Art und Weise, die es gilt zu verarbeiten und zu respektieren. Viele von uns hier mussten erleben wie geliebte Menschen in eine andere Welt zogen und sich durch Tod in ihrem Äusseren verändert haben. Für jeden eine ganz eigene individuelle Erfahrung... Aber möchten wir darüber öffentlich lesen wie ein verstorbener Körper beginnt sich zu... in sämtlichen Details ??? Ich möchte es nicht. Und wenn ich es wissen möchte, will ich dazu selber die Entscheidung treffen und nicht öffentlich hier damit konfrontiert werden. Ich hoffe mein Anliegen ist richtig verstanden worden. Es soll hier doch in Würde und mit Achtung der Verstorbenen gedacht werden. Und auch der Hinterbliebenen... Ich wollte dies öffentlich schreiben und nicht "versteckt" durch eine PN. Sorry, aber es hat mich so sehr beschäftigt, dass ich dies nun schreiben musste... Danke ! Cindy |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Cindy,
ich bin auch eine Hinterbliebene und habe meinen Mann, mit dem ich 37 Jahre zusammenlebte, bis zu seinem Lebensende zu Hause begleitet. Dabei haben mir die detaillierten Schilderungen von Angehörigen sehr geholfen. Was erwartet den Pflegenden, wie läuft der Sterbeprozess ungefähr ab? Fragen, die sich unwillkürlich stellen und die einem kaum ein Hausarzt beantwortet, möglicherweise haben auch Ärzte Scheu davor über Sterbeprozesse zu sprechen. Für die betroffenen Angehörigen kann es aber sehr hilfreich sein, ungefähr zu wissen, was auf einen zukommt, in welcher Pflegephase man sich gerade befindet. Deshalb gilt mein Dank gerade denjenigen, die hier so ausführlich geschrieben haben. Wenn man merkt, dass einem ein Thread oder ein Posting emotional überfordert (das ist sehr verständlich bei dieser Thematik), dann lässt sich das Thema doch einfach wegklicken. Ich finde es gut, dass auch Plätze gibt, an denen sich nicht gescheut werden muss wahrheitsgemäße Schilderungen abzugeben. Liebe Grüße Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
Liebe Geske,
so wie du es schilderst, sind Beschreibungen, Erfahrungen... natürlich in Ordnung. Davon provitieren wir, keine Frage. Aber ich spreche von anderen Beschreibungen, von anderen Details... Liebe Grüsse Cindy |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Cindy,
ich kann mich Geske und Schneckchen nur anschließen. Auch wir haben meinen Papa bis zum Ende Zuhause gepflegt ( wir leben zusammen in einem Haus) und mir hat es auch immer sehr geholfen wenn mir andere ihre Erfahrungen berichtet haben. Ich habe mir vorher nicht vorstellen können das mich die Bilder von der letzten Zeit mit meinem Papa so belasten. Ich versuche immer mir die schönen Bilder vor Augen zu holen wieviel Spaß wir hatten und wie mein Papa war als er noch gesund war. Leider gelingt es mir nicht oft und darüber bin ich sehr traurig. Mir hilft es sehr mich hier mit Anderen austauschen zu können die genau das Gleiche durchleben wie ich. Liebe Grüße Katrin |
AW: An alle Hinterbliebene...
also meine ehrliche Meinung:
auch ich finde es nichts schlimmes darüber zu schreiben wenn man das loswerden muss.. auch wie meine vorrednerinnen schon geschrieben haben, wenn man darüber nichts lesen will, möchte, kann ... KLICK ... und einfach diesen Thread dann nicht weiterlesen... Ich finde es wichtig in der Trauer sein erlebtes mitzuteilen. So wie jeder es mag. Wer nicht darüber schreiben will, tut es auch nicht. Aber leider gibts in einen Krebs / Trauerforum nicht nur angehme Dinge. Ich finde es wichtig jeden die freie Wahl darüber zu lassen.. Mir hat es geholfen das geschehene besser zu verarbeiten und auch zu verstehen....Meine Meinung ;) Sei lieb gegrüsst... |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Cindy,
Zitat:
Was "wir" "öffentlich" lesen möchten, darüber gibt es keinen Konsens. Was du lesen möchtest oder nicht, ist dein Ding. Du musst nicht lesen, was andere schreiben. Wenn es deine "Würde" antastet, von Leichengeruch und posthumer Darmentleerung zu hören. OK, kein Problem. Dann tu halt für dich weiter so, als gäbe es sowas nicht, und verwechsle Würde mit Ignoranz gegenüber den unangenehmen Seiten von Pflege, Sterben und Tod. Nichts hindert dich, selbst die Entscheidung zu treffen, was du lesen willst und was nicht. Die Teilnahme an den Krebs-Kompass-Foren ist auch für dich freiwillig. Zitat:
Zur Sache: Sterben und Tod sind nun mal rein physisch eklig, widerlich und unangenehm. Ich habe meine Frau sterben sehen, und die Zersetzung ihres Leichnams während der Aufbahrung. Das war für mich das erste mal. Und ich wäre froh gewesen, wenn mir jemand vorher gesagt hätte, wie das ist. Ich habe längst nicht alle unangenehmen Details hier beschrieben. Es ist eklig, wenn der Mensch, den man mehr als alles in der Welt liebt, kurz vor Schluss hilflos in seiner eigenen Scheisse liegt, dauernd kotzt und sich selbst nicht mehr helfen kann. Ich habe da mit meiner Frau mitgekotzt (Erbrechen überschreitet meine Ekelschwelle, da kann ich nichts für), und es war schlimm und unangenehm, 6 mal täglich / nächtlich die Windeln zu wechseln. Und das Sterben... klar, ich habe hier auch geschrieben, dass meine Frau friedlich eingeschlafen ist. Und das ebenso geschönt wie xxx Menschen hier vor mir. Nein, es war nicht friedlich. Und es war auch nicht schön. Ich war entsetzt, dass meine Frau ein paar Minuten vor ihrem Tod sich nochmal aufgebäumt und alle Glieder völlig verkrampft hat. Ich war in Panik, als der Atem zu rasseln fing, als die Lunge sich mit Wasser füllte. Ich war völlig schockiert, als mit den letzten Atemzügen das passiert ist, was beim Tod oft passiert: dass sich der Sterbende kurz vor knapp übergibt - und mit den letzten Atemzügen aus Mund und Nase ein großer Schwall von "Kaffeesatz" rausläuft. Dieses eklig dunkelbraune Zeug, das halt noch im Magen war. Und ich war entsetzt, dass sie nicht friedlich die Augen geschlossen hat. Sondern mich mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund angestarrt hat. Und dass es mir unmöglich war, die Augenlider schnell zu schliessen, weil sie immer wieder aufgingen. Und meine Frau nach ihrem Tod noch länger mit Augenlidern und Lippen gezuckt hat. Und ich deswegen Dutzende von malen ihren Puls und Herzschlag kontrolliert habe, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass sie tot ist - weil sich die Gesichtsmuskeln ja noch bewegten. Es ist mir auch extrem schwer gefallen, ihr ein zusammen gerolltes Handtuch zwischen Hals und Kinn zu zwängen, damit sie nicht noch in der Leichenstarre mit verzerrt offenem Mund daliegt. Es war auch verdammt schwer, ihr beim Waschen und Einkleiden 6 Stunden nach ihrem Tod das T-Shirt mit der Schere vom Leib zu schneiden, weil das wegen einsetzender Leichenstarre anders nicht gegangen wäre, ohne ihr dabei mit Gewalt die Arme zu brechen. Und zu erleben, dass sich, als wir sie auf die Seite gelegt haben, um ihr den Hintern zu waschen, nochmal ein Rest besagter Flüssigkeit aus Mund und Nase auf das Bettlaken ergossen hat. Nein, das war alles nicht schön, und es war schwer zu ertragen. Aber das passiert bei jedem Menschen, der stirbt. Und mir hätte es sehr geholfen, wenn ich vorher gewusst hätte, wie das ist. Schliesslich weiss das jede Krankenschwester, jeder Arzt, jeder Altenpfleger und jeder Bestatter. Aber darüber reden darf man scheinbar nicht. Wenn es deine Würde berührt, von "anderen Beschreibungen, von anderen Details..." zu lesen. OK, dann ist das so. Aber in dem Fall kann ich dir nur dringend raten, niemals persönlich einen Menschen in den Stunden vor und nach seinem Tod zu begleiten. Delegiere das zu deinem eigenen Besten an Klinik, Hospiz, Pflegedienst, an wen auch immer. Das erspart dir unangenehme Erfahrungen. Und du kannst auch künftig, unbelastet von persönlichen Erfahrungen, über "Würde" und "Achtung" der Verstorbenen theoretisieren. Und wirst dabei niemals begreifen müssen, dass du nicht Würde und Achtung der Sterbenden meinst. Sondern deine Unfähigkeit, sich Sterben und Tod in allen unschönen Details zu stellen. Für mich heisst Würde und Achtung nicht, die Augen vor Dingen zu verschliessen, die nun wirklich kein Mensch wissen und erleben möchte. Ich weise mich meiner Frau würdig, indem ich auch das aushalte und es trotzdem tue / erlebe. Und Achtung vor ihr bewahre, obwohl ihr sterbender / toter Körper mir einiges an Überwindung abverlangt hat. Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Lieber Stefans,
ich danke dir für deinen Beitrag, der für mich nicht eklig oder abstossend ist. Mögen andere anders darüber denken, ich bin auch nicht Angehörige eines schwerstkranken, geliebten Menschen, manche von diesen mögen ihre Probleme damit haben, vielleicht auch Ängste, ich möchte diesen auch wirklich nicht zu nahe treten. Ich selbst jedoch werde entweder einmal vor meinem Mann gehen, oder ihn vielleicht pflegen, begleiten, wie immer es auch kommen mag. Wenn dem dann so sein sollte, ich möchte dem was kommen kann ins Auge sehen, möchte wissen wie es sein kann - nicht unbedingt muss! Ist nicht die Geburt irgendwie zu vergleichen mit dem Tod? Schade, über dieses Thema redet es sich besser wenn man den Menschen gegenüber sitzt. Stefan, dir und deinen Tieren die liebsten Wünsche ..........danke. Rosita |
AW: An alle Hinterbliebene...
Eigentlich bin ich auch nur noch stille Mitleserin hier.
Aber ich bin entsetzt, wie bei diesem Thema hier gestritten wird. Es ist doch einfach wahr, dass nicht jeder Mensch auf ein und diesselbe Art stirbt, manche friedlich andere kämpfend. Warum muss man in so einem Thema anfangen aufeinander loszugehen. Mein Mann zum Beispiel ist friedlich gestorben mit einem Lächeln im Gesicht, wir haben uns alle von ihm verabschiedet und gesagt, dass es o.k. er braucht nicht mehr zu kämpfen. Als er gewaschen wurde, meinte die Schwester, nicht erschrecken - es kann passieren, dass noch Luft in den Lungen ist, die entweicht und es wirkt, als wenn noch ein Atemzug kommt - meisstens dann, wenn der Sterbende sich verkrampft hat. Nicht dergleichen ist passiert, alles lief ganz friedlich ab. Also lasst doch bitte zu, dass es auch hierbei nicht immer gleich abläuft und dass man nicht von vornherein Angst zu haben braucht. Kerstin |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ich denke nicht dass hier gestritten wird.
Und es sind meine Worte:....was sein kann, nicht m u s s! mischmisch |
AW: An alle Hinterbliebene...
Lieber Stefans,
auch ich stimme dir zu. Meine Mama starb zum Glück nicht so wie deine Frau. Sie hat den ganzen Tag geschlafen und irgendwann aufgehört zu atmen. Sie hat nicht gekrampft, es kam keine Flüssigkeit etc. Aber wenn es so gewesen wäre, wie bei deiner Frau, wäre auch ich froh gewesen, wenn mich jemand "vorgewarnt" hätte. Auch ich finde nicht, dass hier gestritten oder gar aufeinander losgegangen wird. Hier gibt es - wie bei allen Diskussionen - zwei Seiten. Ich muss aber ganz ehrlich sagen: Auch ich empfinde es so, dass man hier scheinbar den Tod mit all seinen Seiten als Tabuthema sieht. Aber Leute ich bitte euch! Wir sind in einem KREBS-Forum. Der Krebs muss nicht immer unweigerlich zum Tode führen. Aber jeder, ob betroffen, angehörig oder hinterblieben, wird bei dieser Krankheit auch unmittelbar mit dem Tod konfrontiert. Und dann soll man es aber nicht ansprechen? Oder gewisse Teile einfach weglassen, weil sie unangenehm sind? Genau hier, wo es genügend Menschen in der gleichen Situation gibt, die einen noch eher verstehen, als die normale Gesellschaft, sollte doch der Ort sein, an dem man offen darüber - und ja, auch in Details - darüber sprechen darf und kann oder? Viele Grüße Susanne |
AW: An alle Hinterbliebene...
ich glaube es geht schlicht darum dass man nicht alles über einen kamm scheren darf.
bei manchen mag es schlimm sein... aber ebenso viele sterben friedlich. und genau das macht -noch-angehörigen hoffnung. liebe grüße |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo
ich habe auch meinen Mann bis zum letzten Atemzug gepflegt und ich weiß er hat bis zum schluss alles mitbekommen ich merkte es daran das er mir bei seinem letzten Atemzug die hand drückte ich ihm aber sagte Schatz wenn es dir zu schwer und zuviel wird dann höre auf zu kämpfen. Ich empfinde es nicht schlimm wenn man darüber schreiben möchte wie es ihr oder ihm ging und es empfand den/die liebende zu verlieren. Wie schon von einigen erwähnt es gibt solche die krampfend einschlafen und auch friedliche so wie mein Mann der mit einem lächeln im Gesicht eingeschlafen ist und diesen Gesichtsausdruck werde ich nie vergeßen was ich nicht vergeßen kann ist das ich entscheiden mußte ob mein Mann leben darf oder nicht.Ich bin immer noch nicht darüber hinweg aber es hat mir schon geholfen hier zu schreiben wie es mir ging und noch geht und auch das sterben meines Mannes. Stefan es tut mir leid das so den Tod deiner Frau erleben mußtest. Und ich denke schreiben tut der Seele gut. Und wenn man das nicht lesen möchte muß man das ja nicht es wird keiner dazu gezwungen. Deswegen hier einen Streit anfangen finde ich sinnlos haben wir denn nicht schon genug durchgemacht und viele andere es noch tun. Angelika |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo ihr alle,.....
als erstens sollte es wirklich keinen Streit geben um dieses doch so traurige Thema "" Sterben."" Ich denke Stefan hat mit seiner Schilderung vom Tod seiner Frau,(mein Aufrichtiges Beileid für dich lieber Stefan) auch ein Stück Trauerbewältigung absolviert,...und auch dafür gibt es den Krebs-Kompass,.... Als mein Vater letztes Jahr starb -- nach schlimmen Darmentleerungen und auch röchelndem Atem..... doch dann ganz plötzlich und eher ruhig -- hätte ich es am liebsten in allen Einzelheiten aufgeschrieben und in die Bild-Zeitung gesetzt. Jedem der mir in dieser Zeit begegnet ist und was wissen wollte oder nicht hab ich die Einzelheiten erzählt, ich hab es gebraucht um meine Trauer und den Schock, auch wenn es vorhersehbar war, zu verarbeiten. Wie schon von Vorgängern geschrieben, man kann es lesen oder lassen, am Anfang eines Postings sieht man ja schon wohin es wahrscheinlich rausläuft und wenn ich ""solche Einzelheiten"" nicht wissen will mach ich klick und bin woanders,... |
AW: An alle Hinterbliebene...
Zitat:
Wenn man auf sich allein gestellt ist (bei mir war es so, dass ambulante Pflege und der Hausarzt Feierabend hatten), ohne die im KH oftmals medizinischen Hilfestellungen, kann es durchaus hilfreich sein, dass man vorher nicht nur etwas über "das schöne Sterben", sondern auch noch über andere Formen des Hinübergehens gehört hat. Man begleitet seinen Angehörigen ja zu Hause, weil er/ sie es sich so gewünscht hat. Das allein ist schon eine Kraftquelle für die pflegenden Angehörigen. Der Schilderung von Ulrike von (fast immer?)unproblematischen Sterbeprozessen kann ich so recht nicht folgen, auch habe ich hier im KK oft über andere Verläufe gelesen, selbst dann, wenn die Patienten im Krankenhaus verstorben sind. Ich finde eine Ermuterung Kranken das Sterben zu Hause zu ermöglichen, kann auch sein, offen und ehrlich mit dem Thema umzugehen. Wenn man weiß, was auf einen zukommen kann, ist die Realität auch besser zu ertragen. Wenn man den Wunsch des Kranken erfüllen konnte, dann wiegt das nachher viel mehr, als die ganze Schwere, die während des Sterbeprozesses entstanden ist. Ich habe es so erfahren, mein Mann ist nicht mit einem Lächeln im Gesicht gegangen, aber sein Sterben war auch nicht so schwierig, wie Stefan es schilderte. Es gibt zig verschiedene Situationen, nur müssen sie nicht immer Leser freundlich sein. Viele Grüße Geske |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Ihr zusammen....
Ich denke nicht ,das ihr ein Streit entstanden ist... Es ist eine Diskusion,wie ich sie mir gewünscht hätte,in der Phase in der mein Vater starb.... Auch ich wollte mit meinen Freunden und Bekannten darüber sprechen,merkte aber schnell,das ich da an Grenzen stosse.... Tod als Tabuthema.....:confused: Ich wäre froh gewesen,hätte mir damals jemand gesagt ,was auf uns zukommt,wie es ist, einen Sterbenden zu begleiten.... Man muss nichts beschönigen,gerade einen geliebten Menschen sterben zu sehen,verlangt viel von einem ab... Dazu noch die Verunsicherung.....Ist das alles normal ??? Auch mein Papa hat sich in den Stunden vor seinem Tod erbrochen,was Stefan als Kaffeesatz kotzen beschrieben hat....Hätte ich vorher gewußt dass das "normal" ist,wäre ich gelassener damit umgegangen.....So bin ich in Panik verfallen...(WAS IST DAS ???) Ich denke gerade hier im KK sollten wir offen über diese Dinge reden,wer es nicht aushalten kann ,solche Dinge zu lesen,muss sie ja auch nicht lesen. Tod vergleichen mit Geburt... Dieser Gedanke hat mir immer schon gefallen.... Es ist ein Weg,und jeder Mensch und jedes Baby geht diesen Weg anders. Es gibt Babys ,die kommen im Schweinsgalopp auf die Erde,und bei anderen dauert es viele quälende Stunden ,wie sie sich den Weg ins Leben freimachen.... Als mein Papa starb,habe ich zu meiner Mutter gesagt: Das war wie eine Geburt,und das meinte ich auch so....! Auf dem Weg zu Papas Beerdigung fuhren wir an einer Weide vorbei,genau in dem Moment kam ein kleines Kälbchen zur Welt. Gut ok,bin etwas vom Thema ab...Sorry....:rolleyes: Alles in allem finde ich es richtig und gut über den Tod in seiner ganzen Breite zu Sprechen.... Regina |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Angelika und alle,
wenn ich geahnt hätte, was für ein Fass ich hier aufmache, hätte ich die Klappe gehalten. Aber ob das besser gewesen wäre ?!?! Zitat:
Wie meine Frau (oder andere Sterbende, die von ihren Angehörigen begleitet wurden) nun konkret gestorben ist, das ist letztendlich egal. Ich habe sie begleitet, und sie wollte es so. Hätte sie das nicht gewollt, dann hätte sie - wie das viele Sterbende tun - ihren Todeszeitpunkt so gelegt, dass ich gerade dann nicht bei ihr gewesen wäre. Sondern in die paar Minuten, die ich abwesend gewesen wäre, um mal kurz auf's Klo oder raus in den Hof zu gehen, um den Kopf durchzulüften. Ich danke meiner Frau dafür, dass sie das nicht getan hat. Dass sie nicht alleine sterben wollte / musste, sondern dass ich in diesem Moment bei ihr sein durfte! Die physischen "Nebenerscheinungen" der letzten Minuten sind nicht mehr wichtig. Es war schwierig und traf mich unvorbereitet. Aber das ist längst "abgehakt". Ja, mit etwas "Vorwissen" wäre es mir leichter gefallen. Aber bis zum Ende begleitet hätte ich meine Frau so oder so. Unabhängig davon, wie schlimm es war / gewesen wäre / hätte kommen können. Dieser Mensch war mein Leben, mehr als 20 Jahre lang! Und dass ich da nicht "kneife", wenn es drauf ankommt, nur weil etwas stinkt oder eklig aussieht... daran habe ich nie gezweifelt. Meine Frau würde das Gleiche für mich tun. Und so habe ich es auch getan, und zwar gerne! Was ich mir so richtig schlimm vorstelle, ist dieser Zwang zur Entscheidung, den Angelika beschreibt. OK, natürlich habe auch ich entschieden, dass meine Frau in Frieden sterben darf. Indem ich das ausgehalten und nicht das getan habe, wovor sie sich am meisten gefürchtet hat: im letzten Moment noch den Notarzt rufen und sie im Krankenhaus sterben lassen. Aber letztendlich hat - Gott sei Dank! - sie entschieden, wann es für sie Zeit war zu gehen. Wir hatten uns z.B. vor längerer Zeit über das Thema Sterbehilfe unterhalten. Und die Gasflasche Helium steht schon lange da, wir sorgen ja vor. Ich bin dermaßen froh, dass dieses Thema nicht akut wurde, das kann ich gar nicht ausdrücken. Weil ich im Notfall mit keiner Variante friedlich weiterleben könnte. Nicht damit, ihrem Wunsch nicht zu ensprechen. Und auch nicht damit, an ihrem Tod (ob passiv oder aktiv) beteiligt und schuld sein zu müssen. Ich wüßte nicht, wie ich damit weiterleben sollte. Auch dafür unendlichen Dank an meine Frau, dass sie mir dieses Leid erspart hat! Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo liebe KK-ler,
ich selber habe meinen Mann auch vor kurzem verloren und bin der Meinung, dass es ganz in Ordnung ist, wohlgemerkt wenn man es möchte, auch über die Erfahrungen über das Sterben zu schreiben. Es ist hier ja auch das Hinterbliebenenforum und man verletzt damit also keine Betroffenen. Auch alle anderen müssen ja nicht weiterlesen, wenn sie es nicht wollen oder können. Ansonsten finde ich diese Schönmalerei sehr verlogen. Sowie die jeweilige Krankheit, der Verlauf und die Überlebenszeit, so ist auch das Sterben bei jedem individuell. Der Tod an sich ist nie schön, sondern eben nur verschieden. Ich wäre froh gewesen, wenn mir jemand im Krankenhaus gesagt hätte, dass es zu Ende geht. Auf mehrmaliges Nachfragen wurde das jedoch verneint. Leider war es dann doch so und es beschäftigt mich sehr. Gerne hätte ich meinen Mann vorher noch mit nachhause genommen. Wie ich hier vereinzelt gelesen habe, gibt es auch Menschen, die ihre Angehörigen selber waschen und anziehen. Ich hätte das auch gerne selber gemacht. Mir wurde im Bestattungsinstitut erzählt, dass das nach dem deutschen Hygienegesetz nicht erlaubt wäre. Zwischenzeitlich habe ich das schon anders gehört. Aber man würde ja weniger Geschäft machen. Ja, sogar beim Sterben wird in unserer ach so schönen Konsumgesellschaft Geld gemacht. Ich finde es unglaublich und pietätlos, wie man mit dem Leid und der momentanen Situation von Angehörigen Geschäfte macht (ich betone ausdrücklich, dass ich natürlich Verständnis habe, dass auch Bestatter Geld verdienen wollen, jedoch in einem angemessenen Preis-/Leistungsverhältnis). Aber man weiß genau, wie man es zu machen hat. Schließlich ist es einem Trauernden peinlich, nach irgendwelchen Kosten zu fragen, weil einem ja unterstellt werden könne, es ginge einem ums Geld. Da regt sich aber scheinbar kein Mensch drüber auf. Aber hier, wohlgemerkt in einem Krebsforum, kann man sich doch nicht darüber beschweren, dass vom Sterben geschrieben wird. Für viele, vor allem solche, die noch nie in einer solchen Situation waren, ist die Beschreibung bestimmt recht hilfreich (ob man sie als angenehm empfindet, steht ja wieder auf einem anderen Blatt). Man kann ja auch darüber diskutieren, aber lasst uns doch deswegen nicht streiten. Es gibt so viele wichtigere Dinge im Leben, als sich immer gleich in die Haare zu kriegen. Wollen wir doch lieber allen, die hier so tapfer kämpfen alles Gute wünschen. Ein schönes Wochenende Euch allen Mapa |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ich persönlich finde dass Stefans einfach nur das was er erlebt hat auf den Punkt gebracht hat wie es tatsächlich war.
Wer das nicht lesen möchte oder kann, hat mit einem Mausklick ein anderes Thema(ob man da "schönere "Dinge liest bleibt dahin gestellt). Natürlich ist jedes Sterben anders, ich möchte aber dazusagen, dass ich zwei Menschen beim sterben begleitet haben. Meine Oma und vor 2 Jahren meine Mutter, und beides Mal war es leider ähnlich wie Stefan es beschreiben hat. Ich finde aber trotzdem, dass dies mit Würde geschehen ist, allein schon das man es ermöglichen konnte zu Hause zu sterben im Kreise der Angehörigen. Mit Verlaub, was macht denn das diese bißchen" A... putzen" aus frag ich mich??? Ich bin heute noch dankbar dass ich trotz allem und auch trotz Angst dabei sein konnte und den letzten Wunsch erfüllen konnte. Ein würdiges Abschiednehmen , sodass auch die Angehörigen später weiterleben können und nicht auch noch danach den Kopf in den Sand stecken müssen und mit schlechtem Gefühl des "nicht dabeiseins" rumlaufen müssen. Wer das mal gemacht hat und dabei war hat meiner Meinung großes geleistet ! @ Stefan: :knuddel: |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Mapa,
ich bin völlig deiner Meinung. Solange der geliebte Mensch noch lebt, stellt man seine eigenen Ansprüche völlig in den Hintergrund. Bis zu letzten Minute. Aber wenn er dann gegangen ist, denken wir an uns. Und da ist es egal, wie der Mensch gegangen ist. Er ist gegangen und das tut weh. Wir trauern ja eigentlich auch nicht UM den geliebten Menschen, sondern um uns selbst, weil der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Ihm geht es gut, er ist erlöst. Aber wir sollen weiterleben. Ohne ihn. UNSERE Welt steht still. Aber leider nicht die Welt des anderen. Ich hoffe, ich habe es verständlich ausgedrückt, so wie ich es meinte :-) Viele Grüße Susanne |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ich hätte mir auch gewünscht, mir hätte jemand gesagt, das das Rasseln was mein Papa hatte dieses "Todesrasseln" (präfenales Rasseln, falls ichs richtig in Erinnerung hab) ist, und gar nichts mit dem Lungenkrebs direkt zu tun hatte!
Aber es hat mir keiner gesagt, und ich kam zu spät bei Papa an um mich zu verabschieden. Das sollte wahrscheinlich so sein, weil er gewusst hat, dass seine Kinder auf dem Weg sind, und mit dem Gedanken versuch ich mich immer zu retten, dennoch wär ich für ein wenig mehr Aufklärung dankbar gewesen. Meine Mama wars, die am Telefon gehört hat, wie Papa atmet und hat gesagt "Fahr los Süße". Ich habs an ihrem Blick gesehen, gesagt hat sie nix. Aber ihr Papa hatte dieses Atmen auch, da war es Blasenkrebs! Wie dem auch sei, ich schliesse mich den Meinungen an, die in die Richtung tendieren, dass sich jeder aussuchen kann, wo er was liest! Ich gebe zu, dass ICH diese ganzen Infos über das Sterben vlt nichtmal gelesen hätte oder habe, weil ich mich vom Hinterbliebenen Forum ferngehalten habe, und das auch noch ne Weile getan hätte, all zu gerne! Mein Papa hatte nur 5 Wochen und 3 Tage und eigentlich hätte keiner mit dieser Schnelligkeit gerechnet, er selber vlt mehr, wer weiß? Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu arg am Thema vorbei, falls ja, sorry, bin heut etwas durchn Wind! Lg |
AW: An alle Hinterbliebene...
@ all!
Selten beschäftigen sich die Lebenden mit dem Sterben. Ich gebe Stefan recht, danke! Jetzt sehe ich noch klarer! |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo an alle,
ich finde es schön, dass endlich mal geschrieben wird wie es sein kann wenn ein Mensch stirbt. Jeder der einen geliebten Menschen zu hause begleitet hat wahnsinnige Angst und fühlt sich oft überfordert. Bei uns war es jedenfalls so. Als mein Papa starb war meine Mutter allein mit ihm in Spanien, es gab niemanden der bei Ihr war, der Ihr Helfen konnte. So haben wir stundenlang telefoniert, sie hat ihn beobachtet und wahnsinnige Angst gehabt etwas falsch zu machen. Ich hab ihr alles gesagt was ich wusste aber das war nicht viel. Wir hätten uns gern besser darauf vorbereitet was kommen wird um ihn besser begleiten zu können. Nur für ihn dasein zu können ohne Angst, die ganzen "Begleiterscheinungen" als normal annehmen zu können. Vielleicht klingt das jetzt etwas konfus, aber die mangelnde Vorbereitung hat uns eher eingeschränkt. Natürlich hindert es mich persönlich nicht daran wieder eine geliebten Menschen zu begleiten, aber das nächste Mal werde ich mich besser vorbereiten und mich noch mehr auf den Menschen konzentrieren. Vielen Dank für Eure Beiträge aus denen ich viel lernen kann. Yvonne |
AW: An alle Hinterbliebene...
@ ALL und Vont.....
ich schließe mich deinem Voting total an,... als mein Papa starb und morgens diese Atemgräusche losgingen, haben meine Mutter und meine Schwester beide gemeint sie müßten den Doktor anrufen,....weil.... vielleicht hat er sich ja auch noch erkältet,.... und als er Mittags ganz unruhig war und anfing zu rasseln hat meine Schwester,...weil ich seine Hand genommen habe und sagte daß er nicht mehr warten müsse und ruhig losgehen kann wenn er es will..... mich mit Gewalt und sichtlichem Zorn vom Bett weggerissen und geschrien," So schnell stirbt es sich nicht" Ich hätte sie am liebsten gehauen. Vielleicht ist auch wegen dieser Uneinigkeit , mein Vater, als er mal wirklich nur 3 Minuten allein im Zimmer war, wir waren nebenan, einfach allein losgegangen, ........ Ich würde mir auch diese Ehrlichkeit vom Pflegedienst meiner Mutter gegenüber gewünscht haben, so daß sie letztendlich nicht total ünberrascht vom Tod ihres Mannes gewesen wäre,... |
AW: An alle Hinterbliebene...
Lieber Stefan,
ich bin eher eine stille Leserin und schreibe nur ganz selten mal etwas zu Berichten, die mich wirklich herzensnah berühren. Ich danke Dir für Deine Ehrlichkeit in Deiner Geschichte - es ist so wichtig für mich, auch solche Dinge mal aus dem Blickwinkel Betroffener und Angehöriger, die wirklich beim Sterben dabei waren zu erfahren. Vieles wird doch schöngeredet, um im Nachhinein die Leute nicht noch mehr zu verunsichern, traurig zu machen oder auch sie zu verletzen/entsetzen. Du hast sicherlich eine offen Tür eingerannt und das war gut so - für mich jedenfalls. Hab vielen Dank für Deinen Mut und alles Gute und viel Kraft für Deinen künftigen Weg. Karin |
AW: An alle Hinterbliebene...
Lieber Stefan,
als mein Vater letztes Jahr verstarb, hatte er auch eine Odysee von Ärzten, Behandlungen hinter sich...Im Krankenhaus lag er nachts stundenlang auf dem kalten Fußboden weil er durch seine Krämpfe aus dem Bett gefallen sei und schlichtweg nur eine Nachtschwester da gewesen ist! Oder das man Krebspatienten auf der Station beklaut, ist für mich unglaublich gewesen... Letzlich unsere Entscheidung ihn da raus zu holen und in ein Pflegeheim zu bringen hat ihm ein menschenwürdiges Sterben erlaubt!!! Aber auch dort war es unsere Aufgabe als Angehörige, nach zwei Tagen das Zimmer "leer" zu machen, da wir ansonsten den nächsten Monat hätten mitbezahlen müssen!!! Unser "Glück" war, dass unser Paps am Freitag verstorben ist und wir die Möglichkeit hatten, am Wochenende Luft zu holen. Ja und dann??? Wir sind am Montag ins Pflegeheim und mußten die ersten Habseligkeiten zusammen räumen, der erste Bli9ck ins leere Zimmer, der Schlafanzug achtlos über den Stuhl geworfen, der Fernsehr noch auf Stand by und du fragst dich, ob du jetzt funktionierst oder mit einem Nervenzusammenbruch zusammen brichst... Am nächsten Tag kam der Innenausstatter vom Pflegeheim und wollte schon für den nächsten Patienten dekorieren und fragte uns wer sich den eigentlich diese häßlichen Gardinen ausgesucht hätte! Da bin ich geplatzt... Mit wie wenig Anstand geht manch einer durch diese Welt??? Ab wann dürfen wir trauern, ab wann wieder funktionieren??? Habe in dieser Zeit ein anderes Bild von unserer Gesellschaft, Institutionen und von Menschlichkeit bekommen, ja ich wurde desillusioniert was ein meschenwürdiges Sterben und von uns gehen betrifft! Der Profit zählt und nur dass, angefangen vom Pflegeheim, Krankenhaus und Bestattungsinstitut! Das letztere erklärte mir als Tochter, das er jetzt in der Kühlung liege und wir ihn nicht noch einmal sehen könnten... Ohne Worte... Ramona |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Ihr Lieben,
mir gehts wie Mapa. Ich hätte meinen Lebensgefährten auch sehr gerne zum Sterben nach Hause geholt. Er hatte eine Drainage und da fehlte ein Ventil, das zuerst bestellt werden musste. Am Mittwoch sagte die Ärztin sie hat es bestellt, es kommt Donnerstag oder Freitag. Am Donnerstag sagte ein anderer Arzt, man wüsste gar nicht ob es das Ventil da gibt. Wir kamen uns wirklich verarscht vor. Auch mit dem Riss in der Lunge wurden unterschiedliche Aussagen getroffen. Letztendlich sagte mir die Ärztin am Freitag, sie verspricht mir, dass das Ventil am Montag kommt und der Thoraxchirurg kommt auch am Montag zwecks evtl. OP. Leider ist mein Freund am Sonntag gestorben. Wurde morgens angerufen, als ich hinkam war er nicht mehr ansprechbar. Die ersten Nächte durfte ich wenigstens mit ihm im Zimmer schlafen, aber auch das wurde mir dann wegen "Platzmangel" verwehrt. Ich habe nun einfach ständig das Gefühl, dass ich "zu spät" gekommen bin. Passt viellleicht nicht ganz zum Thema, aber ich musste es mal loswerden. LG Maria |
AW: An alle Hinterbliebene...
Je mehr ich hier lese, umso größer werden meine Schuldgefühle.
Ich schäme mich so, dass ich nicht für meine Mama da sein konnte. Bin zwar täglich hingefahren und habe sie so gut es ging versucht zu trösten, aber ich konnte ihr nicht so richtig nahe sein. Vermisse meine Mutter sehr, und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mir jemanden an meiner Seite wünschen,der mir Mut gemacht hätte. Bin sehr traurig darüber, dass meine Mutter während ihrer schweren Erkrankung die Streitereien zwischen meinem Vater und mir mitbekommen musste. Meine Mutter hat es nicht verdient so zu sterben. Nun muss ich mit meinen Schulgefühlen und diesen großen Verlust weiterleben. Wie gerne würde ich sie ganz fest an mich drücken und ihr sagen wie sehr ich sie lieben. Was war ich doch blöd. Sorry für mein wirres Geschreibe |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ich finde auch,dass es wichtig ist,auch über das Sterben zu schreiben.
Ich habe meinen Vater vor über 3 Jahren an Krebs verloren und meine Mutter starb vor 2 Wochen ( Silvester). Ich bin so entsetzt,dass meine Mama in den letzten Stunden so schwer geatmet hat und zum Schluss sehr sehr geröchelt hat. Damit komme ich einfach nicht zurecht.Wenn ich aber lese,dass es anderen Angehörigen auch so ging,tröstet es mich ein wenig. Und Schuldgefühle habe ich auch,die letzten 4 Stunden konnte ich nicht mehr bei ihr sein,aber ich hoffe,sie hat es mir verziehen... Der Tod gehört nun mal zum Leben und ich finde,Aufklaerung ist wichtig. Ich kann doch nicht immer andere mit meinen Gedanken nerven,da hilft es mir ungemein,hier zu lesen. |
AW: An alle Hinterbliebene...
Danke Stefan, vielen Dank für deine Ehrlichkeit, deine Offenheit und auch für deine Stärke. Ich bin sicher, dass gerade dieses elende Schönreden und Totschweigen der Grund dafür ist, dass sich so wenige Menschen zutrauen einen anderen beim Sterben zu begleiten.
Ich habe ähnliches erlebt wie du und ich wünschte, dass irgendjemand mal dem Mut gehabt hätte mir zu sagen, was mich erwartet. Es wäre mir so viel Angst und Sorge erspart geblieben. Ich weiß noch genau, wie ich alle möglichen Ärzte und Pfleger regelrecht angebettelt habe mir zu sagen, was mich genau erwartet, erwarten kann. Und ich habe jedem beteuert, dass ganz gleich für wie furchtbar sie es halten, ich es ertragen kann, dass ich es will und nichts daran etwas ändern wird, aber ich einfach wissen möchte, was passieren kann. Aber irgendwie kam immer nur das übliche Geblubber von Würde und bei jedem anders und hoffentlich friedlich usw. Zum Schluss war es meine Hausärztin, die, als ich heulend bei ihr zusammengebrochen bin, mir dann mal tacheles erzählt hat, wie genau es wahrscheinlich ablaufen wird. Und sie behielt recht. Du kannst dir nicht vorstellen, wie erleichtert ich vor den letzten Tagen vor dem Tod meiner Mutter dadurch war. Es kam alles wie sie gesagt hatte, und ja, es war schrecklich, es war anstrengend und manches davon verfolgt mich nach so vielen Jahren immer noch. Aber nichts davon war unerträglich, es war nicht annähernd so unerträglich und verängstigend wie ich es mir vor dem Gespräch mit der Hausärztin ausgemalt hatte. Es dauerte sehr lange und es war nicht leicht, aber eben nicht unerträglich. Und Tage später habe ich meine Mutter dann gewaschen, angezogen und gemeinsam mit der Bestatterin in ihren Sarg gehoben. Dabei kam immer wieder schwarze Flüssigkeit aus ihr und ich habe es immer wieder weggewaschen und sie jedes mal danach geküsst und ihr über die nassen Haare gestreichelt. Ich weiß noch wie kalt sie war und ich dachte dauernd dass ihr so kalt sein muss und hab mich dauernd dabei ertappt, wie ich versucht habe ihr Gesicht mit meinen Händen zu wärmen. Vor zwei Jahren habe ich dann meinen Vater bei seinem Sterben begleitet, und es war ähnlich, nur dass ich viel besser wusste, was passieren kann und ich bei all dem noch sehr viel weniger ängstlich war. Nein, ich kann bis heute nicht verstehen, weshalb das Sterben so totgeschwiegen wird. Ich verstehe es nicht und ich hoffe, dass wenn ich irgendwann mal sterben muss, jemand bei mir ist, für den das alles nicht eine unvorstellbare, unaussprechliche Sache ist. Denn das ist es nicht, es ist nicht unvorstellbar schrecklich, aber diese geheimnisvolle Schönrederei macht daraus etwas so Unvorstellbares, dass die meisten vor lauter Angst vergessen, dass es ein Mensch ist, den sie lieben und den man auch in seinen letzten Momenten nicht allein lassen muss. Es tut mir sehr leid, dass deine Frau gestorben ist, und dass du all das erleben musstest. Mein aufrichtiges Beileid. Und ich finde, dass deine Frau wohl sehr viel Glück gehabt haben muss, dass sie jemanden wie dich an ihrer Seite hatte. Wahrscheinlich ist sie einfach jemand ganz besonderes, wie du auch. Rezzan |
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Hallo...
lieber Stefan: Du beschreibst "das" realistisch...und ich habe viel von Dir gelesen...DANKE, für Deine drastische Schilderung! Mein Mann starb auf "Intensiv"...es gab gar keine Chance mehr ihn da raus zu holen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen im Umfeld die Details seines Sterbens nicht ausgehalten haben. Auch ich habe...neben ihm...ein dringendes Würgegefühl gehabt...gekotzt habe ich dann zu Hause... @all: Begleitet wurde ich im Krankenhaus nicht selbstverständlich...habe mir erstmal selbst die Telefonnummer der Psychologin des Tumorzentrums gesucht... So lange es noch medizinische Hoffnung gab...da waren alle freundlich auf der Intensiv... ...als die "Laborparameter" sich drastisch verschlechterten...künstliche Niere bei sowieso Dauerbeatmung im künstlichem Koma...da bekam ich von Ärzten zu hören: "Es dauert schon viel zu lange". ACHTUNG...für alle, die das nicht lesen/aushalten möchten -bitte JETZT wegklicken!!! Er war zuletzt bis zur Unkenntlichkeit aufgeschwemmt...Augen geschlossen, Augenhöhlen so dick wie Tischtennisbälle...der Körper bretthart aufgequollen...Als er gestorben war, da habe ich noch warme Fingerspitzen streicheln können...die waren nämlich nicht geschwollen ... Das Bestattungsunternehmen mußte einen "extrabreiten Sarg" verwenden, und ich habe die Bilder von der Trauerfeier mit Sarg...weggeworfen...! Ja...manchmal träume ich noch von diesem Anblick... Ich war bei ihm...habe ihm immer wieder vermittelt (ins künstliche Koma), dass ich ihn liebe...er hat es gespürt. Ich...bin trotz allem, froh, wenn in diesem Forum schonungslos darüber geschrieben wird, wie es erlebt wurde...welche Gefühle Angehörige durchleben mussten...die Gedanken...in Verbundenheit mit ihren Lieben... Wenn wir hier nicht ehrlich "von der Leber weg" schreiben können...wo denn sonst? LG Morgana |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ach,Morgana ich drück Dich mal :pftroest:.
Mann ist das alles schlimm... Meinst Du,sie können uns hören in ihren letzten Stunden,auch wenn unsere Lieben so weit weg scheinen? Es würde mich unwahrscheinlich trösten,denn ich habe meiner Mutter immer und immer wieder gesagt,dass sie schnell zu meinem Vater laufen soll,er wartet doch schon auf sie:cry:. Ich hoffe,dass sie mich gehört hat,irgendwie waren wir in den letzten Tagen viel mehr auf einer mentalen Ebene verbunden. Ich kann es nicht mit Worten erklaeren,aber ich hatte immer das Gefühl,meine Mutter ruft mich. |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo gitti,
ja, ich glaube fest das sie uns hören können. Mein Papa hat 24 Stunden da gelegen mit offenen Mund und er hat ganz schlimm geröchelt. Ich habe ihn angesprochen ich habe seine Hand genommen und ruhig mit ihm gesprochen...ich weiß ganz fest das er mich gehört hat...er hat versucht mir etwas zu sagen aber er konnte es nicht mehr. Ich fand dieses Röcheln ganz schlimm manchmal hat er auch ganz schlimm gehustet und ich wußte nicht ob dies nun von der Lungenentzündung war oder etwas anderes......Ich hatte eine wahnsinnige Angst das ich mich manchmal nicht ins Zimmer getraut habe...jede halbe Stunde war ich da und bin um die Tür geschlichen. Heute weiß ich, dank der Erzählungen hier, das es normal war....als ich ins Bett ging habe ich gebetet das mein Papa nicht mehr lange leiden muß und erlöst wird. Am nächsten Morgen um halb acht ist er dann ganz friedlich eingeschlafen.....meine Mama rief mich gleich an und ich bin runter gerannt ich kam leider zu spät. Den Anblick werde ich mein Leben nicht vergessen....mein Papa war ganz blass und der Mund stand weit offen ich habe seine Hand genommen und sie war ganz warm....ich fühle sie noch heute in meiner.... Ich bin froh das es hier einen Platz gibt wo ich das alles erzählen kann...wo es jemanden gibt der mich versteht. In meinem Umfeld will das keiner hören....ich habe manchmal das Gefühl das sich nur für meine Mama und mich die Welt verändert hat.... Danke fürs Zuhören.... Liebe Grüße Katrin |
AW: An alle Hinterbliebene...
Ja,Katrin,mir ging es auch so.Meine Mama hat auch immer gehustet,mein Mann und ich haben sie dann hingesetzt,aber sie wollte gleich wieder liegen.
Ich habe ihr mit so einem Erfrischungstupfer den Schleim aus dem Mund gezogen. Zuerst habe ich gewürgt und dann nur noch auf sie eingeredet,wie schön es sei,wenn der Mund wieder frisch ist. Die Schwestern waren sehr nett aber auch sehr zurückhaltend,ich habe mir etwas mehr Aufklaerung gewünscht,denn für uns Angehörige ist das alles sehr erschreckend. Ich dachte manchmal,ich drehe durch in dieser Hilflosigkeit. Und ganz schlimm war es,dass ich,als ich kurz draussen vor dem KH war,immer meine Mutter anrufen wollte,obwohl sie ja da oben lag:cry:. |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo,
wenn ich hier so die Beiträge vom Sterben eines lieben Angehörigen lese wird mir ganz anders. Vor allen Dingen wie sich so manche Krankenhäuser verhalten haben. Mein Lebensgefährte(63) starb am 17. Februar letzten Jahres an diesem schxx Krebs. Von der Diagnosestellung bis zu seinem Tot hat es ein halbes Jahr gedauert. Ich muss ehrlich sagen dass mich eine Sterbebegleitung zu Hause total überfordert hätte. Ich hatte bis dato noch nie einen Angehörigen in den Tot begleitet. Mein zweiter Mann starb im August 2001 den plötzlichen Herztot und da war ich 650 Km weit weg von ihm. Doch nun zurück zu meinem Lebensgefährten und seinem sterben. Er ist im Krankenhaus verstorben.Vieleicht sollte ich noch sagen dass er mich über die wirkliche schwere seiner Krankheit im ungewissen gelassen hat. Er wollte auch nicht drüber reden. Ich habe mir also viele Infos aus dem Internet geholt. Einen Tag vor seinem Tod war ich mittags noch bei ihm im Krankenhaus. Er lag in einem Zweibettzimmer am Fenster. Er stand immer wieder aus seinem Bett auf und öffnete das Fenster weil er das Gefühl hatte das er trotz Sauerstoffzufuhr über die Nase noch mehr Luft bräuchte. Am Nachmittag bin ich dann auf seinen Wunsch hin nach Huse gefahren mit dem Versprechen ihn am nächsten Tag natürlich wieder zu besuchen. Ich war kaum zu Hause da ging das Telefon. Es war das Krankenhaus. Der Stationsarzt war dran und sagte mir dass mein Lebensgefährte im Sterben läge. Auch wenn mir klar war dass er Sterben würde bekam ich einen gewaltigen Schreck. Ich habe dann seine Tochter und seinen Schwiegersohn informiert die 50 Km weit entfern wohnen.Ich hatte dann nicht die Kraft gleich wieder in die Klinik zu fahren und habe zu Hause auf die beiden gewartet. Der Schwiegersohn hat uns dann ins KH gefahren Er musste dann aber zurück zum 12 jährigen Sohn. Astrid und ich sind dann alleine auf die Station. Dort wurden wir von einer sehr netten Nachtschwester empfangen. Sie brachte uns dann zu meinem sterbenden Lebensgefährten. Was positiv war dass er immer noch auf seinem Zimmer lag und seinen Bettnachbarn in ein anders Zimmer gebracht worden ist. Auch mir ist sein röcheln und rasseln beim Lufthalen aufgefallen. Er lag aber ganz ruhig da und er bekam Morphium und starke Beruhigungsmittel. Astrid und ich haben uns dann an sein Bett gesetzt und jeder eine Hand von ihm genommen. Die Nachtschwester sagte uns wenn wir irgendwelche Wünsche hätten oder auch eine Kerze aufstellen wollten sollten wir ihr es nur sagen. Auch wenn wir was essen oder trinken wollten. Sie hatte wenn sie reinkam um die Infusionen neu einzulegen auch Zeit für ein kurzes Gespräch. Sie schob dann noch ein Bett ins Zimmer falls eine von uns sich mal kurz ausruhen möchte. Wir saßen dann noch bis Nachts um 2:00 Uhr bei ihm und hielten seine Hände bis er dann ganz ruhig eingeschlafen ist. Auch da ließ uns die Nachtschwester viel Zeit bis wir uns endgültig von ihm verabschiedet hatten. Ich wollte hier nur mal erzählen dass auch ein KH in der Lage ist würdevoll mit einem Sterbenden und den Angehörigen die ihn dabei begleiten umzugehen. Erika |
AW: An alle Hinterbliebene...
hallo stefan,
ich finde es wundervoll, dass du ich getraut hast das sterben aus dem tabu herauszuholen. auch ich habe zwei sehr einschneidende erlebnisse mit dem sterben. meine mama starb vor 10 ahren an alzheimer, wir hatten sie schon jahrelang gepflegt, zum schluss hatte ich 2 pflegefälle, da mei mann 1997 an krebs erkrankte. sie starb in den armen ihrer pflegerin und ich war nicht bei ihr..........zu feige........voller angst.............ich habe noch heut ein schlechtes gewissen. meinen mann erwartete ein langer leidensweg, tonsilencarzinom und flächencazinom an der linken halzseite. rettung durch chemo und bestrahlung, anschliessend depressionen, er konnte 5 jahre keine feste nahrung zu sich nehmen, flucht in den alkohol und eine demenzerkrankung waren die folge. er erholte sich nach mehren terapien bekämpfte seine angst und dann im aug. 2006 der schock LK "kleinzeller" nicht heilbar. wir sind von anfan an nie belogen wrden man hat uns alle aber auch alle fragen beantwortet und als bei meinem mann, wir wollen es mal so sehen eine schutzfunktion eintrat, er verfiel wieder in mässiger form in die demenz er verdrängte die angst und dass er sterben muss. danach hat mich die klinik immer gut betreut und mir alle hilfe angeboten und mir erklärt, das er beim sterben besser zu hause aufgehoben wäre und die klinik und die hausärztin (gut ich gebe zu sie ist meine freundin)haben mich aufgekärt was auf mich zukommt die klinik und hausärztin haben die pflegende sterbebegleitung und einen home-care-dienst beauftragt bzw mir die wege aufgezeigt. so war ich nicht allein und hatte dieses mal keine angst. ich habe nichts ekliges oder schlimmes erleben müssen und dennoch lassen mich manche augenblicke nicht schlafen, ich fühle noch die letzte umarmung beim wickeln, mein gott ich denke immer was hätte ich alles noch sagen können wenn ich gewusst hätte es ist das letzte mal. ich hab ihn in seine decke gewickelt und er ist danach freidlich hinübergeglitten, fast unmerklich. nur die stille war plötzlich übermächtig ich hab es erst gar nicht wargenommen und und ganz langsam kam bei mir das bereifen. es hat mir gutgetan dies hier mal loszuwerden. gerda |
AW: An alle Hinterbliebene...
hallo,
ich war am hin und her ueberlegen, ob ich nach drei jahren nochmal hier schreiben soll.. irgendwie muss ich...ich lese immer noch im forum, und die augenblickliche diskussion erinnert mich an an 'unsere' schlimme zeit... auch ich habe meine frau zu hause begleitet bis zu ihrem tod, war oft hilflos, deswegen finde ich es soo wichtig, bescheid zu wissen, 'wie' alles kommen 'kann'...und bin heute noch dankbar ueber die neuen eintraege, die das alles erzaehlen, ohne tabou... ich war so froh, dass mir andere leidensgenossen erklaert haben, was zB. schnapp-athmen ist und was das bedeutet...naemlich das ende... meine ''kleine" ist dann im beisein eines freundes einfach 'eingeschlafen' waehrend ich auf der toilette war...... dass das oft so ist, wusste ich auch nur durch berichte von denen, die das auch erlebt hatten... ich finde es wichtig, dass in diesem forum auch ueber den tod und ueber das sterben geredet werden kann...auch ueber einzelheiten... damit jeder von den 'begleitenden' personen sich damit auseinander setzen kann, was auf ihn zukommen 'kann'... gut, dass es dieses forum gibt... |
AW: An alle Hinterbliebene...
hallo stefans,
bei uns war das mit der aufklärung und der suche nach hilfe alles etwas anders, da mein papa in spanien war. sein dortiger privater hausarzt war sehr gut und hat nach diagnosestellung eines darmkrebs mit lebermetastasen sofort offen mit meinen eltern gesprochen und gesagt das ihm nur noch 3-4 monate bleiben. als die situation schwieriger wurde und mein vater chemotherapie bekam bin ich für 2 monate nach spanien gelogen und habe meiner mutter bei der pflege und auch bei der suche nach hilfe unterstützt. ich habe das glück gehabt noch eine sehr schöne zeit mit meinem papa verbringen zu können wofür ich sehr dankbar bin. leider haben uns die deutschen krankenkassen sehr im stich gelassen und wir mussten sehr viel privat bezahlen, zB das ganze zubehör für die infusionen, pflegebedarf und auch den rollstuhl, damit er noch überhaupt noch ins krankenhaus transportiert werden konnte um die chemo zu bekommen. natürlich war es sehr schwer, vor allem in einer fremden sprache das pflegesystem eines anderen landes zu verstehen. zum schluss habe ich meinem papa blut abgenommen, infusionen gelegt und meine mutter hat ihn gewaschen und versucht ihm immer was gutes zu kochen. 2 wochen vor seinem tod wurde die kontrolluntersuchung gemacht und uns wurde gesagt es hatt keinen sinn mehr weitere chemotherapien zu geben und mein papa soll die letzten wochen etwas mehr lebensqualität haben. leider wurden wir dann 2 tage später doch wieder angerufen weil die blutwerte erstaunlich gut waren das dann doch noch weitere chemo geplant wurde. ich glaube das hat meinem papa den rest gegeben. er sagte zwar er will das machen aber inzwischen hatten wir uns so geeinigt, das ich erstmal nach hause fahren sollte und dann wieder kommen soll wenn die beiden mich brauchen. wir haben in den verbliebenen tagen noch alles geregelt das mein papa zur chemo abgeholt und wieder nach hause geebracht werden sollte und ich musste leider nach hause. genau 1 woche nach meinem abflug ist er dann gestorben. meine mutter war ganz allein mit ihm, hatte aber diesen tollen arzt der sie bei allem unterstützte und der dann auch morphium angesetzt hat. die letzten 2 tage waren nur noch kampf, mein papa wollte nicht loslassen und hat bis zum schluss immer weiter gekämpft. er hat so fürchterlich gehustet und gerasselt das ich am telefon nur noch weinen konnte. er hat auch immer wieder die füße angezogen und gestrampelt. meine mutter hatte wahnsinnige angst und hat immer wieder gesagt ich soll sie bloß zurückhalten wenn sie panik bekommt und den krankenwagen anrufen will, so haben wir in den letzten tagen über stunden telefoniert. ich weiß das mein papa mich nicht dabei haben wollte und das er mich extra nach hause geschickt hat damit er irgendwann loslassen kann aber ich mache mir oft genug vorwürfe nicht geblieben zu sein. ich kann nur wieder sagen ich wäre froh, wenn ich mehr gewusst hätte und weniger angst gehabt hätte. liebe grüße yvonne |
AW: An alle Hinterbliebene...
lieber stefan!
habe lange überlegt ob ich hier schreiben soll ,da ich ja "noch" angehörige bin. doch bevor ich beginne möchte ich dir ein rießiges danke schön für deine schilderung aussprechen.und natürlich mein beileid ausdrücken.den es hat mir doch einen denkanstoss gegeben und trotz genauester info über das net ,der ärzte usw.-was wie du schon auch sagst absolut nicht annähernt das ganze schildert- .bin ich nun zur überlegung gekommen ,das es besser ist meinen mann unter medizienischer aufsicht und natürlich meinem beisein ins regenbogenland zu geleiten.den der gedanke das meine kids zwischen 9 und 28 jahren das so hautnah erleben müssen das ist meines erachtens nicht so prickelnt.nun mögen manche sagen das kids das leichter wegstecken ,das kann so schon sein ,doch wen ich schon bemerke das die kids mit igitt rufen das zimmer verlassen wen nur die katze oder der hund erbricht weiß ich nicht ob ich es möchte das sie so ihren vater sehen sollen.da ist mir doch lieber das sie ihren vater so in erinnerung behalten wie es gelebt hat und nicht so....................! vielleicht ist meine überlegung für manche nicht nachvollziehbar ,-was ich auch akzeptiere-doch solange ich kann wird mein mann zuhause bleiben ,und ich werde auch bis zum schluss seine hand halten ,nur eben nicht im beisein unserer kids.natürlich dürfen die grossen selbst entscheiden ob sie bleiben ,nur für die kleinen ist es ,so denke ich besser zu hause zu bleiben. ich hoffe nun nicht eine lawine losgetreten zu haben ,das ist nicht in meinem sinne.bin aber gerne bereit mir auch andere ansichten dazu anzuhören. dagmar |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Dagmar,
Zitat:
Jeder Mensch hat seine ganz persönlichen Grenzen, Hemmschwellen usw. Und Eltern Verantwortung für ihre Kinder. Jeder hat das Recht (oder sogar die Pflicht), sich da so zu entscheiden, wie er mit sich selbst am besten weiterleben kann. Ob da jemand "kneift" oder sich irgendwas nicht zutraut. Spielt für mich gar keine Rolle. Meine Schwester z.B. hat mit klar gesagt, dass sie nicht kommt, um meine Frau aufgebahrt zu sehen, dass sie nicht bei der Beisetzung dabei sein wird (ich ja auch nicht), und dass sie kein Grab besuchen wird. Völlig OK - sie muss tun, was sie tun muss. Wichtig finde ich nur, immer wieder: informiert sein. Und sich möglichst rechtzeitig über den "Fall x" Gedanken machen, und das - soweit es irgend geht - ehrlich, nicht geleitet von Konventionen. Was man "so macht" oder was "die Leute denken"; wer danach handelt, obwohl er sich nicht wohl dabei fühlt, wird es IMHO irgendwann bereuen. Und auch, wer sich nicht klar darüber ist, warum er so handelt, wie er handelt. Das klingt jetzt ein bischen hochtrabend, aber ich meine damit: Selbstreflektion. Sich bewusst sein, warum man das und das tut und das und das lieber nicht. Ohne sich dafür zu schämen. Wenn jemand eine bewußte Entscheidung trifft, dann wird er damit in Zukunft gut leben können. Und muss nicht damit leben, etwas verdrängt, verpasst oder falsch gemacht zu haben. Selbstverständlich darf mensch auch mal "kneifen" oder "versagen". Wer tut das nicht tagtäglich. Aber mit den eigenen Grenzen Leben lernen sollte man schon, im eigenen Interesse. Ist zumindest meine Lebenseinstellung. Was immer ich mache, ist OK. Solange ich das selbstbestimmt mache und damit leben kann. Und mich niemand missionieren will, wie ich mich zu verhalten habe. So wie ich mich bemühe (OK, es klappt nicht immer ;-), andere nach ihrer Fasson selig werden zu lassen. Nur gegen Tabus und "Denkverbote" bin ich allergisch. Dazu fällt mir meine Mutter ein. Seit über einem Vierteljahr (seit mit ziemlicher Sicherheit klar war, dass meine Frau am Krebs sterben wird) ist sie "abgetaucht". Sie hat meine Frau oder mich nie angerufen, ist vor und nach dem Tod meiner Frau nicht zu Besuch gekommen. Nichtmal ein pro-forma-Beileid am Telefon hat sie mir gegenüber zuwege gebracht. Absolut nichts. Was ich nicht so extrem schlimm fände, wenn sie das bewußt tun würde (natürlich wäre ich auch dann tief verletzt - schließlich ist es meine Frau die da durch ihre Schwiegermutter missachtet wurde). Nein, richtig übel ist: meine Mutter kann sich nicht eingestehen, warum sie so handelt (bzw. eben nicht handelt). Sie hat einfach wahnsinnige Angst davor, Leid zu sehen, aber kann damit für sich selbst nicht umgehen. Also läßt sie die Menschen allein, aus Hilflosigkeit heraus. Damit tut sie mir schon fast wieder leid. Denn sie wird genau so sterben, wie sie andere in schweren Phasen behandelt: zutiefst vereinsamt und von allen allein gelassen. Viele Grüße, Stefan |
AW: An alle Hinterbliebene...
Hallo Stefan,
so wie du deine Frau beim Sterben begleitet hast kann sicherlich nicht jeder und ich habe großen Respekt vor dir. Ich glaube aber auch dass wir Menschen in dieer Richtung auch verschiedene Phasen durchmachen. Als mein Vater an Krebs erkrankte(Ich war damals schon verheiratet und hatte 2 Kinder) haben meine Eltern diese Krankheit vor mir verheimlicht bis kurz vor seinem Tod. Aber das mein Vater daran sterben wird hat mir meine Mutter nicht gesagt. Sie wollten mich nicht belasten. Sie haben aber auch mit mir vorher nie über den Tot oder das Sterben gesprochen. Als mein Vater im Krankenhaus gestorben war bekam ich dann einen Anruf von meiner Mutter. Meinen Eltern war das Sterben und Sterbebegleitung eigentlich nichts neues da sie meine Großtante sie litt an Darnkrebs bis zum Schluss bei uns zu Hause gepflegt haben. Allerdings haben meine Eltern auch noch den Krieg miterlebt. Beim Sterben meiner Tante war ich noch ein Kind. Bei uns zu Hause wurde auch nie über tot und sterben und wie damit umgehen gesprochen. Ich bin überigens Jahrgang 49. Im nachhinnein muss ich sagen auch wenn ich es gewusst hätte mit meinem Vater ich hätte nicht gewußt wie ich damit umgehen soll da mir meine Mutter oder auch mein damaliger Mann in der Sache nun keine Hilfe waren. Das heißt zu der Zeit war meine Hemmschwelle mehr als groß. Mein zweiter Mann,er hatte Jahrelang Altenheime geleitet brachte mich dem sterben und wie damit umgehen erst mal ein Stück näher. Leider starb er dann ja den wie ich an anderer Stelle erwähnt habe 600 km. von mir weg den plötzlichen Herztot. Und dem allen was ich von Tot und sterben wusste war ich im nachhinein schon selber auf mich stolz dass ich wie beschrieben meinem Lebensgefährten beim Sterben anfang letzten Jahres die Hand halten konnte. Auch wenn dies 7 Stunden gedauert hat so war es doch ein friedvolles sterben und ich bin dankbar dafür weil ich nicht weis ob ich anders die Kraft dafür aufgebracht hätte. Erika |
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