Krebs-Kompass-Forum seit 1997

Krebs-Kompass-Forum seit 1997 (https://www.krebs-kompass.de/index.php)
-   Hodenkrebs (https://www.krebs-kompass.de/forumdisplay.php?f=18)
-   -   Päppeln vor der Chemo (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=44153)

bib 08.02.2010 21:46

Päppeln vor der Chemo
 
Hallo zusammen,

zuerst einmal bin ich sehr froh, dass es dieses Forum hier gibt, und dass hier soviel Optimismus und Zuversicht rüberkommt. Es hilft mir sehr, wobei nicht ich die Betroffene bin, sondern mein Mann. Übernächste Woche geht es los mit 3 Zyklen PEB.

Da wir leider nicht tauschen können, ich ihn aber soviel wie überhaupt möglich unterstützen möchte, wollte ich mal in die Runde fragen, was ich für ihn tun kann, vor allem auch ernährungstechnisch.

Diverse Ratgeber habe ich gelesen, aber im Endeffekt läuft es auf: gesund essen, nicht rauchen, kein Alk hinaus. Das ist mir ein bisschen wenig.

Konkret:
1. Bringen Nahrungsergänzungsmittel etwas? Ich denke da so an Ortho-immun, um das Immunsystem auf Vordermann zu bringen, aber auch Folsäure für die Zellteilung u.ä.

2. Stichwort Päppeln. Mein Mann ist sehr schlank - um nicht zu sagen dürr -, bringt es jetzt noch was, ihn mit hochkalorischen Nahrungsmittel (will heißen Sahne und Hamburgersoße und Gummibärchen und Eis ...) auf ein ordentliches Kampfgewicht zu trimmen? Ich habe ein bisschen Schiss, dass wenn es ihm schlecht wird und er ein paar Tage nichts isst, er dann kreislaufmäßig Effekte bekommt. Oder dass es ihm richtig schlecht geht, weil er einfach keine Fettreserven hat. Sind diese Sorgen begründet?

3. Gibt es sonst noch etwas, was ich tun kann? Ich meine jetzt außer eine seelische Stütze darstellen und Kraft geben, eher so handfest. Was habt ihr euch gewünscht vor, während und nach der Chemo? Was war sinnvoll oder helfend?

Ich freue mich über eure Antworten.

Liebe Grüße, Bib

Jaymz 08.02.2010 22:04

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Hallo bib,
schön, dass du dir Gedanken machst!
Ich selber hatte auch 3 Zyklen PEB.

Zitat:

Zitat von bib (Beitrag 854031)
Konkret:
1. Bringen Nahrungsergänzungsmittel etwas? Ich denke da so an Ortho-immun, um das Immunsystem auf Vordermann zu bringen, aber auch Folsäure für die Zellteilung u.ä.

Ich habe keine genommen und würde nur in Absprache mit den Ärzten Nahrungsmittelergänzungen nehmen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass manche Nahrungsmittelergänzungen auf die Niere gehen könnten (da meistens zu hoch konzentriert; das meiste wird einfach ausgeschieden). Die Niere muss während einer Chemo schon genug Arbeit leisten.



Zitat:

Zitat von bib (Beitrag 854031)
2. Stichwort Päppeln. Mein Mann ist sehr schlank - um nicht zu sagen dürr -, bringt es jetzt noch was, ihn mit hochkalorischen Nahrungsmittel (will heißen Sahne und Hamburgersoße und Gummibärchen und Eis ...) auf ein ordentliches Kampfgewicht zu trimmen? Ich habe ein bisschen Schiss, dass wenn es ihm schlecht wird und er ein paar Tage nichts isst, er dann kreislaufmäßig Effekte bekommt. Oder dass es ihm richtig schlecht geht, weil er einfach keine Fettreserven hat. Sind diese Sorgen begründet?

Eine Freundin hatte ähnlich gedacht. Sie dachte, dass man während einer Chemo viel abnehmen würde, daher sollte ich viel vorher essen. Meistens nimmt man erst stark ab, wenn der Krebs schon stark in einem wütet. Ich habe während der Chemo ca. 2 kg verloren, die ich aber schon längst wieder drauf habe. Ich bin normal gewichtig. Durch die Chemo bzw. der Begleitmedikamente (besonders Kortison) nehmen häufig viele sogar zu!
Er sollte eher darauf achten, dass er während der Chemo viel Wasser trinkt, um die Giftstoffe auszuscheiden.


Zitat:

Zitat von bib (Beitrag 854031)
3. Gibt es sonst noch etwas, was ich tun kann? Ich meine jetzt außer eine seelische Stütze darstellen und Kraft geben, eher so handfest. Was habt ihr euch gewünscht vor, während und nach der Chemo? Was war sinnvoll oder helfend?

Viel Verständnis! Eine Chemo kann depressiv machen. Man sieht, dass Freunde/Bekannte das Leben normal weiterführen, während man selber einen gefühlten Zustand zwischen Leben und Tod hat. Während der Chemo kann es auch zu Stimmungsschwankungen kommen. Am Besten ist es aber, man behandelt einen Menschen wie vorher (also auch nicht zu sehr überbehüten und nicht zu oft über die Krankheit reden).

Dirk1973 08.02.2010 22:54

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Zitat:

Zitat von bib (Beitrag 854031)
Hallo zusammen,

zuerst einmal bin ich sehr froh, dass es dieses Forum hier gibt, und dass hier soviel Optimismus und Zuversicht rüberkommt. Es hilft mir sehr, wobei nicht ich die Betroffene bin, sondern mein Mann. Übernächste Woche geht es los mit 3 Zyklen PEB.

Da wir leider nicht tauschen können, ich ihn aber soviel wie überhaupt möglich unterstützen möchte, wollte ich mal in die Runde fragen, was ich für ihn tun kann, vor allem auch ernährungstechnisch.

Diverse Ratgeber habe ich gelesen, aber im Endeffekt läuft es auf: gesund essen, nicht rauchen, kein Alk hinaus. Das ist mir ein bisschen wenig.

Konkret:
1. Bringen Nahrungsergänzungsmittel etwas? Ich denke da so an Ortho-immun, um das Immunsystem auf Vordermann zu bringen, aber auch Folsäure für die Zellteilung u.ä.

Wie jaymz schon schrieb: nur in Abstimmung mit den die Chemo durchführenden Docs. Sein Immunsystem wird natürlich wenig begeister sein, von der Mixtur die da kommt. Das ist aber völlig normal und gewollt. Sobald es für Deinen Mann unschön wird, sprich sein Immunsystem schlapp macht, bekommt er automatisch etwas. Er wird die nächste Zeit so engmaschig auf den Kopf gestellt, wie nie zuvor und wahrscheinlich auch nie wieder.

Zitat:

2. Stichwort Päppeln. Mein Mann ist sehr schlank - um nicht zu sagen dürr -, bringt es jetzt noch was, ihn mit hochkalorischen Nahrungsmittel (will heißen Sahne und Hamburgersoße und Gummibärchen und Eis ...) auf ein ordentliches Kampfgewicht zu trimmen? Ich habe ein bisschen Schiss, dass wenn es ihm schlecht wird und er ein paar Tage nichts isst, er dann kreislaufmäßig Effekte bekommt. Oder dass es ihm richtig schlecht geht, weil er einfach keine Fettreserven hat. Sind diese Sorgen begründet?
Neeee, nicht zwanghaft aufpäppeln. Erstens verstärkt es unterbewusst den Erwartungsdruck ("es muss ja was schlimmes kommen...") und FETT lohnt auch nicht. Ist eh größtenteils nur Ballast, selbst für gesunde Körper. Belaste ihn nicht damit. Jaymz hatte auch hier wieder recht: er soll essen was er kann und möchte. Aber bitte nach Möglichkeit keine Lieblingsgerichte unter der Chemo. Es gab Männer, die eben diese Schmankerl später nicht mehr mochten. Wäre doch ein Jammer, oder ? ;) Auch hier gilt: Augen auf und sobald es Schwierigkeiten gibt, werden die Docs schon etwas dagegen machen. Aber jetzt so auf die Schnelle bringt das eh nichts mehr als Ballast.

Zitat:

3. Gibt es sonst noch etwas, was ich tun kann? Ich meine jetzt außer eine seelische Stütze darstellen und Kraft geben, eher so handfest. Was habt ihr euch gewünscht vor, während und nach der Chemo? Was war sinnvoll oder helfend?
Sei einfach für ihn da, wenn er Dich braucht. Will er alleine sein oder seine Ruhe haben, gewähre ihm auch das. Wir Kerle weinen (evolutionär bedingt :D) sehr ungerne in Gesellschaft. Das ist okay, solange die Badewanne nicht überläuft. Sei wachsam, wenn es ihm schlecht geht, bemuttere ihn aber nicht. Aber wenn ich so Deine Zeilen lese, hat er schon die größte Hilfe an seiner Seite :rolleyes:. Ach so: wird er zum Arsch und ungerecht.... naja.. was soll ich sagen.... sieh es ihm nach (bis zu einem gewissen Maß). So sind wir Männer halt :tongue

Alles Gute für Euch beide und wenn was ist..... wir sind nur wenige Mausklicks entfernt.....

Zitat:

Ich freue mich über eure Antworten.

Liebe Grüße, Bib
..... und wir uns über Neuigkeiten.

Falls Du oder gar Ihr beide Interesse habt: ich hatte ebenfalls drei Zyklen PEB und ein Chemo-Tagebuch geschrieben

Jaymz 09.02.2010 00:34

AW: Päppeln vor der Chemo
 
ach ja, was mir noch einfällt...

Aufgrund der Chemo können die Magenschleimhäute etwas gereizt sein. Daher ist es nicht unbedingt sinnvoll, scharfes Esses zu zubereiten (z. B. Chili con Carne). Ansonsten könnte sich sein Magen mit Sodbrennen herumplagen. Dafür gibt es auch Mittelchen, aber man darauf auch verzichten...

Während der Chemo wird auch die Anzahl der Leukozyten (=Leukos) (weißen Blütkörperchen) gemessen. Die Leukos werden sich erwartungsgemäß verringern. Je nachdem muß er bestimmte Spritzen sich setzen lassen (z. B. Neupogen), um das Knochenmark anzuregen. Bei mir waren die Spritzen mit heftigen Gliederschmerzen verbunden, daher habe ich versucht alles mögliche zu tun, um die Spritzen zu vermeiden. Folglich habe ich häufiger mal Rote Beete gegessen (widerlich) und ein Gläschen Rotbäckchen-Saft getrunken (kann ich auch nicht mehr sehen). Beides soll auf natürliche (!) Weise viel Eisen (wichtig für die Blutbildung) beinhalten. Zwar war die Anzahl die Leukos trotz der Eisenzufuhr ziemlich gering, aber noch hoch genug, um keine weitere Spritze mehr zu bekommen. Ob Rote Beete und Rotbäckchen-Saft mir wirklich geholfen haben, kann ich nicht sagen. Meine Ärzte haben auch eher geschmunzelt. :)

Generell kann dein Mann aber alles essen. Bei mir war es sogar so, dass ich einen starken Appetit während der Chemo bekam und mir gerne die Kochshows angeschaut habe, obwohl ich das sonst nie mache. Ich hatte gerne mal Hunger auf etwas Deftigeres.

bib 09.02.2010 13:21

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Hallo Jaymz, Hallo Dirk,

vielen Dank für eure Antworten!

Ihr habt mir einiges Neues aufgezeigt und vor allem meinen Blickwinkel erweitert. Für mich galt: krank => gut essen => gesund. Hat ja auch bisher fast immer geklappt. Vielleicht ist das etwas, was ich lernen muss in dieser Zeit: den Ärzten zu vertrauen und eben nicht die Ärmel hochkrempeln und den Kochlöffel schwingen. Einfach dasein, zuhören, Kraft geben.

Ich muss mir noch so einiges durch den Kopf gehen lassen, deswegen jetzt nur ein kurze Antwort. Demnächst mehr.

Also, vielen Dank nochmal!!!! @Dirk: danke für den Link für dein Chemotagebuch. Ich werde es mir in Ruhe durchlesen.

Bib

AxelF68 09.02.2010 21:09

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Hallo Bib,

ich selbst habe versucht vor der Chemo als Laie und ohne Wissen mein Blut so gut es ging "auf Vordermann" zu bringen!
Dies ist mir auch gelungen denke ich, durch Ernährung und Sport so gut es ging vor der Chemo.

Seitdem habe ich meine Ernährung umgestellt und behalte das im Großen und Ganzen bei! Ich kann aus dieser Erfahrung heraus sagen, das es mir damit besser geht und ich es auch eher noch ausweiten werde anstatt wieder aufzugeben! Sicherlich spielt auch die Angst vor einem "neuen, anderen" Krebs eine sehr große Rolle...denn die Ernährung (wiederrum laienhaft gedacht) geht durch den Körper und der verwendet die ihm angebotene Nahrung, egal was es ist!...also sollte es möglichst "gut und gesund" sein.

Gruß Axel

macg 09.02.2010 23:56

AW: Päppeln vor der Chemo
 
also ich habe vorher:

gegessen wie ein müllschlucker (habe während der ganzen aktion fast 20 kilo zugenommen (auch flüssigkeit natürlich) jetzt hab ich 85 kilo.


während der chemo ( bei4 zyklen bis zur RLA) gegessen was ich lust hatte. auch viel vitamin C, also orangensaft usw... weil das der körper ja nicht speichert.


nach der RLA und während der 5ten chemo ist mir dann der appetitt vergangen. weiss net warum, war es die OP? war es das Ifosfamid... keine ahnung.


hab die ernährung auf jeden fall seitdem umgestellt, rauchen aufgehört seit diagnose ( jetzt über 2 jahre) und habe seitdem auch keine alkohol mehr getrunken.

DaBen83 11.02.2010 11:31

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Ich esse jetzt vor und während den Chemos das wozu ich Lust habe (Nix mehr von den großen Fastfood Ketten, aber Pizza, Gyros usw)
Für die Zeit nach den Chemos habe ich mir vorgenommen gesünder zu leben/essen.
Ich bin zwar Nichtraucher und trinke nur am Wochenende mal 1 Flasche Mixbier, dafür habe ich bisher aber immer gut beim goldenen M oder beim König der Burger zugeschlagen. (Single Haushalt, einfacher als Kochen)

Achja, eine Zitruspresse habe ich mir gekauft, so trinke ich jetzt zwischendurch mal 3 Orangen morgens (plus ne halbe Zitrone)

Während der letzten Chemo habe ich im Krankenhaus auf das Abendbrot verzichtet und mir Pizza bestellt, ich kann das essen dort nicht mehr sehen!

Ich kann nur jedem raten sich was von Aussen kommen zu lassen wenn das Krankenhausessen nix taugt, während der ersten Chemo habe ich das leider nicht gemacht und habe fast eine Woche lang nichts gegessen.
Bei der 2. Chemo hab ich das ganze insgesamt glaube ich etwas besser vertragen.

Andi1978 11.02.2010 13:28

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Hallo zusammen,

das kann ich nur bestätigen. Wenn einem das Essen nicht mehr schmeckt während der Chemo einfach mal was anderes probieren. Gerade das Abendessen war bei mir einfach eine Frechheit. Wie man so eine Chemo überstehen kann, ist mir ein Rätsel. Genau so habe ich mich aber auch beschwert. Fünf Tage am Stück gab es Käse. Und am Schluss also Donnerstag und Freitag hatte ich sowiso die Faxen Dicke was Essen angeht.
Am besten sind Sachen die einen ausgeprägten Geschmack haben, dann schmeckt man noch einigermaßen was da auf dem Teller ist.

Wenn ich gar keinen Bock mehr hatte hab ich mir Obstsalat mit Kiwi, Banane und Apfel bringen lassen, das geht für den Magen und ist Megagesund.

Im Moment habe ich seit einer Woche wieder Durchfall. Seit der RLA vor 2 Monat ist das mit dem Magen- Darm einfach nicht mehr so wie vorher. Seit letzter Woche wieder 3 kg weg. Hat da jemand Erfahrungen mit den Problemen?

Gruß Andreas:D

bib 14.02.2010 14:17

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Hallo,

vielen Dank nochmal.

Ihr habt mir viele wertvolle Tipps gegeben. Vielleicht ist die Essenz von allem am wichtigsten: Don't panic. Jeder reagiert anders.
Nahrungsergänzungsmittel habe ich nicht gekauft. Ihr habt schon recht, zum Einen ist mein Liebster ja sehr gut überwacht, zum Anderen habe ich nicht daran gedacht, dass die Nieren noch zusätzlich belastet werden.

Wir ernähren uns schon seit einigen Jahren sehr gesund, viel umzustellen gibt es da nicht mehr (außer gelegentlichen Kneipenexzessen :o, aber die erstmal einzustellen sollte nun nicht das Problem sein).

Die große Unbekannte ist einfach, wie gut oder wie schlecht er die Chemo verträgt. Alles andere folgt daraus. Ich glaube, ich muss nicht sagen, dass ich wahnsinnig Schiss vor dem nächsten Vierteljahr habe und davor, dass nichts mehr sein wird, wie es war...

Liebe Grüße, Bib

volker206 14.02.2010 14:40

AW: Päppeln vor der Chemo
 
Zitat:

Zitat von Andi1978 (Beitrag 855732)
Fünf Tage am Stück gab es Käse. Und am Schluss also Donnerstag und Freitag hatte ich sowiso die Faxen Dicke was Essen angeht.

Gruß Andreas:D

Hallo,

bei mir war es ähnlich, nur konnte ich kein Wurstbrot mehr sehen.:angry: Habe dann abends aus der Patiententeeküche mir die übriggebliebenen Marmeladenpäckchen gehohlt.
Das hat während meiner 5. Chemo dann die Frau meines Zimmerkollegen mitbekommen und mir dann einmal Abendessen mitgebracht.:D:D.

Gruß Volker


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:53 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, vBulletin Solutions, Inc.
Copyright © 1997-2025 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.