Heute (Freitag) war ein Tag der absoluten Gegensätze, deshalb ist er wohl erwähnenswert.
Er begann mit der Beerdigung meines Nachbarns. Es war sehr traurig, meine Nachbarin zu sehen, die nach über 50 Jahren ihren Ehemann verlor. Er war 86 Jahre alt und hatte einen friedlichen Tod, aber sie tut mir unendlich leid. Mein Freund und ich werden ein bisschen auf sie aufpassen, weil sie keine Familie in der Nähe wohnen hat.
Dann rief mich meine quietschfidele Mama an, die sich gerade mit ihrer besten Freundin auf den Weg ins Elbeeinkaufszentrum befand, um die Geschäfte leer zu schoppen. Sie hat morgens eine Extraportion Kortison genommen, um sich ein bisschen aufzupuschen. Ich glaube, sie waren 6 Stunden unterwegs, mit vielen Pausen und mit noch mehr schönen Eindrücken!

Meine Ma meinte heute abend am Telefon, sie fühle sich so richtig "zurück im Leben".


Ich habe mich in der Zeit kurzerhand mit meinen Vater und seinem Yorki verarbredet und wir beide sind über sechs Kilometer in der Marsch spazieren gewesen. Es war eine wunderschöne Luft, meine beiden Hunde und der Kleene hatten viel Spaß und wir liefen in einen wunderschönen Sonnenuntergang. Wir haben viel geredet. Meinem Vater geht es recht gut. Er hat nun seit besagter Silvester Nacht keinen Alkohol getrunken. Es fiele ihm nicht schwer, meinte er, im Gegenteil. Er ist froh, dass es mit so einem Knall herausgekommen ist.
Parallel erhielten wir dann die Nachricht, dass es meinem Onkel, den sie am Dienstag das zweite Bein abgenommen haben, sehr schlecht ginge. Da keine lebenserhaltene Maßnahmen gemacht werden, wird er wohl - unter starker Gabe von Morphium - diese Nacht nicht überleben. Er ist 74 Jahre alt.
Meine Ma nahm das erstaunlich ruhig auf. Vielleicht liegt das am Kortison, oder an der Tatsache, dass mein Onkel seit 2 Jahren schon am Sterben ist.
Immer wieder hieß es: "dieses wird sein letztes Weihnachten..." oder "...diesmal ist es wirklich der letzte Geburtstag..."
Es macht mich traurig, wenn er sterben wird, aber es ist auch irgendwie okay. Er hat viel gelitten, viel erduldet. Und er hat sein Lebtag viel gesoffen, viel geraucht und viel gegessen. Und da er Pastor ist, wird er hoffentlich ohne Angst im Herzen gehen können.
Sorge macht mir meine Ma, die plant, zu der Beerdigung zu fahren. Da sie ca. 400km entfernt wohnt, finde ich das gar keine gute Idee. Auch nicht, falls sie auf die Idee kommen sollte, den Chemo-Termin zu verschieben.
Natürlich ist das ihre Entscheidung, aber ich habe mich schon angeboten, die Familie dort zu vertreten.
....eben kam die SMS von meiner Ma, dass mein Onkel tot ist... ich glaube, es ist wirklich okay. Aber ich bin trauriger, als ich dachte.