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Alt 14.04.2011, 01:17
bluemonday bluemonday ist offline
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Standard AW: Herzlich Willkommen:Angehörige,Betroffene und Hinterbliebene

liebe gabi,

ich kann so gut nachfühlen, was da bei euch passiert ... eins hab ich gelernt: egal, wie motzig der mann wurde und wie sehr er mich aus seiner verzweiflung heraus anging: er meinte mich nicht. nur ich war halt da. und er musste irgendwo damit hin und ich war das ventil. mein mantra war dann oft: der meint mich nicht, der meint mich nicht... dann war es eigentlich gut. und ja, ich habe mir die freiheit genommen, wenn es mir zu viel war, gelegentlich meinen kragen platzen zu lassen und eben auch zu schimpfen. und das war dann auch gut. auch für ihn ... und für uns. wir sind uns auch dadurch noch näher gekommen. eben weil wir so waren, wie wir waren. und uns unverstellt begegnet sind.

ich habe es in einem anderen zusammenhang schon mal geschrieben, ich fand es sehr wichtig, dass er das gefühl von autonomie hatte und die möglichkeit, dinge zu entscheiden. die idee, die medizinischen dinge abzugeben und sich selbst dann um alles andere zu kümmern, halte ich für sehr gut. und wenn jörg angelegenheiten regeln möchte, die auch mit deiner versorgung für die zeit ohne ihn zusammenhängen, wäre mein impuls, dass er es machen soll, weil es ihm wichtig ist, sich um deine versorgung zu kümmern. das war ihm bestimmt immer wichtig, dann lass ihn für später sorgen. das tut weh, das kann ich mir denken - aber das tut auch gut. ihm tut es gut, wenn er das machen kann. diese ganze situation ist ein tanz auf einem ganz schmalen grat. was muss er denn mit der wohnung machen? wenn sie gemietet ist, gibt es eh keine probleme. wenn sie es nicht ist, liegen die fakten anders.

dass du kaum rausgehen kannst, kann ich gut verstehen. könnte er dich per handy zurück rufen? vielleicht hilft euch das ... wir haben das so verabredet: als mein mann kaum sprechen konnte, war die vereinbarung, wenn du anrufst, komme ich sofort. wenn dir eingefallen ist, dass nur butter fehlt, schick ne sms. das handy hatte ich ihm in die brusttasche gesteckt. hat prima funktioniert und ich war viel beruhigter unterwegs. manchmal sind die lösungen ganz einfach ... in dieser situation sollte man sich selbst so viel erleichterung verschaffen, wie nur irgend möglich.

wenn du keine dinge regeln kannst, anrufen, machen, tun - dann lass es. mach nur das, was unbedingt nötig ist. gibt es da nicht sachen, die dir zum beispiel eure kinder abnehmen könnten? und wenn jörg am freitag bei der chemo ist - dann mach doch einfach was, das dir gut. oder was dir spontan in den sinn kommt.

ganz liebe grüße und allen wünsche ich eine gute nacht
bluemonday
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